2§2
Von der Liebe.
Wir alle sollen „Gott lieben von ganzem Herzen,„von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und aus„ganzem Vermögen und unfern Nächsten als uns„selbst", also Gott mehr als uns selbst, dennuns nur wie unfern Nächsten. Liebten wir aberLiesen wie Gott, so wären wir Götzendiener.
40. Zu dieser lautern Liebe Gottes gelangenwir aber nur durch beständige Verläugnung un,sers Willens, den wir dem Willen Gottes auf-opfern, welches wir nicht ohne Seine Gnadevermögen, die wir mit Inbrunst anrufen müs-sen, mit der Inbrunst eines aufrichtigen Ernstes,und auch diesen gewährt Gott unserm entschicd-nen Willen ganz Sein zu seyn. Wer diese Auf-vpfrung des Willens übet, der gehet allerdingseinen dornigen Pfad, er sieht die Dornen mitfleischlichen Augen; die Rosen aber, welche schonhienieden unter den Dornen blühen, sieht er an-fangs nur mit Augen des Glaubens; Rosen, de-ren paradiesische Schönheit und Duft den treuenPilger überschwänglich belohnen. Das wirduns gesagt von denen die es erfahren haben undvon solchen die es noch erfahren; das wird unsin der heiligen Schrift, wie wir so eben ausverschiednen Sprüchen gesehn haben verheissen.Wir gelangen aber nicht zu dieser Seligkeit,