Von der Liebe. 241
XVI.
1. §)ie Vernunft lehret uns, daß wir dasGute lieben sollen, und daß wir das Beste ammeisten lieben sollen; daß daher Gott, als dashöchste Gut, aus Dem alles was gut genannt zuwerden verdient hervorgegangen, unsrer höchstenLiebe würdig, wir Ihm die höchste Liebe schul-dig seyn.
2. Diese Wahrheit, die heiligste aller Wahr-heiten, würde allen Menschen einlcuchten, undalle Herzen erwärmen, wenn nicht unsre ver-derbte Natur ihr widerstrebte.. Unsre Sinnlich-keit wird befangen vom Sichtbaren, und dieLiebe zum Sichtbaren, Zeitlichen, Vergänglichen,Täuschenden, erzeugt in uns, sobald wir überdie Geschöpfe den Schöpfer vergessen, böse Lüste,deren Befriedigung , oder Streben nach ihrerBefriedigung, uns je mehr und mehr von Gottentfernt, indem es nicht nur den Gedanken anGott durch Zerstreuung erschwert, sondern unsdiesen Gedanken, der die Seele unsrer Seeleseyn solte, als ruhestörcnd, als freudestörendverleidet.
z. Der Stolz steht der Sinnlichkeit bey, ss
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