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Ein Büchlein von der Liebe : nebst dem Schwanengesange des Verstorbenen und zwey Zugaben
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212 Von der Liebe.

welcher sie sich, ohne eigne Mitwirkung, denEinflüssen Gottes so hingeben müsse, daß sie sichaller klaren Vorstellungen, aller bestimmten Em-pfindungen , aller Erregungen des Glaubens,der Hofnung, der Liebe, aller Erhebungen desHerzens, aller Bitten und Wünsche enthaltensolle; ja, einige sind so weit gegangen, daß sievon einem Zustande geträumt haben, in welchemjeder Blick auf sich selbst, sogar der Blick derDemut, unerlaubt scyn soll, so wie auch dasVerlangen nach dem ewigen Heile, ja selbst dasVerlangen nach Vermehrung der Liebe. Die aufso hohen Standpunkt geführte Seele, sagen jeneLehrer, soll, in völlige Ruhe versunken,- sichwie ein leeres Gefäß anfüllen lassen von Gna-den der göttlichen Heimsuchung, und sich jederEmpfindung enthalten. Das sey die wahre Ruhe!die höchste Liebe sey das! Wer diese Ruhe insich störe, sey cs durch ein Gebet, wär' es auchdas Gebet des HErrn, oder durch Erregungeiner Empfindung des Dankes, oder des heilig-sten Verlangens nach Gott, der versündige sichschon ein wenig gegen diese Liebe! Der beraubedurch Untreue sich der höchsten Begnadigung,und sinke auf eine niedrigere Stufe hinab. End-lich haben einige, auf der Stufenfolge ihrer ge-wähnten Vollkommenheiten, sich so verstiegen,