Druckschrift 
Konrad Peutingers Briefwechsel
Entstehung
Seite
345
Einzelbild herunterladen
 

Nr. 213. 1521 Mai 24. 345

Ziegler 1 ist mir disen aubend der tax halben so streng begegnet, dasich mich des, so ich hievor mit Mospach, dem taxator, gehandeltund E. Ft. zugeschriben, als nemblich 100 guldin rh. zusambtanderm, so auf die canzlei und Schreiber gat, das doch nit sondergross, nit versöhen hette und mir die gmain tax auf 150 gld. rh.gescherpft; ob er sonst ain laun gehabt oder was im zugestandenist, hab ich nit wissen. Er hat mich diesen aubent woll aus-geriben, das ich, dweil ich in kenne, guetlich geduldet. Undmorgen wider an in will, dan ich je geren die freiheit mit mir

bringen wolt.....

Der von Berne oder Laiter 2 halben hab ich vill seltzamerpratica gebraucht, wie E. Ft. von mir anheims vernemen werden.Die reichsstend von churfursten und fursten, auch derselben raethaben mir das alles widerworfen, kai. Mt. begeren hierin genz-lich abgeschlagen. Darauf ich bewegt worden bin, ain anderenarticul zu stellen und den wie vor kai. Mt. hofraet den stendendes Reichs übergeben zu lassen, als besehenen; und ist der articulin der camergerichtzordnung passiert laut inligender copien, 3 es

1 Dr. Nikolaus Ziegler, Vicekanzler. Ihn betraditete die Stadt als ihrenbesonderen Gönner am Kaiserhofe. Gleidi in seinem ersten Sdireiben vom23. Febr. hatte der Rat Peutinger den Auftrag erteilt, Ziegler 100 G. rh. zuverehren, ihm der Stadt Augsburg handel und Sachen getreulich zu befelhenund dieselben bei im fleissig zu sollicitieren.

2 Vgl. oben S.139 Anm.3. Die Herren von der Leiter hatten auf demAugsburger Reichstage von 1518 erneut verlangt, daß die vom Kammer-geridit über Venedig verhängte Adit innerhalb der Reidisgrenzen strengdurdigefährt werde. Die Frankfurter Gesandten melden dies am 4. Sept. 1518ihrer Stadt, setzen aber hinzu, das Verlangen werde voraussichtlich abgeschlagenwerden, weil es die Deutsdien mehr schädigen würde als die Venezianer(Janssen, FRC 2, 2 Nr. 1207 S. 982f.). Die wegen ihres lebhaften Handelsmit Venedig von der Forderung besonders betroffenen Augsburger scheinenPeutinger beauftragt zu haben, bei Beratung der neuen Kammergeridüs-ordnung die Aufnahme einer Bestimmung zu beantragen, die den Bemühungender Herren von der Leiter den Boden entzog. Schon am 27. März hatte derAugsburger Rat Peutinger gemahnt, die Sache aus vil Ursachen und bewegnus,wie vormals alhie davon geredt zu betreiben, und am 3. Mai sich erkundigt,ob das Gerücht zutreffe, daß die Herren von der Leiter Sidtingens Rat undBeistand suditen.

3 Es handelt sidi um den letzten Absatz des 34. Art. der Kammergeridits-ordnung (RTA 2 S.302), der bestimmt, daß die über einen Reidisfremden ver-hängte Adit gegen Reidisangehörige, die mit jenem in Verkehr geblieben