ULB Düsseldorf +4059 527 01 KUNST8UCHBJNDES ERNST £ IHULTZfc DÜSSELDORF KONRAD PEUTINGERS BRIEFWECHSEL m GESAMMELT, HERAUSGEGEBEN UND ERLÄUTERT ■ VON ERICH KÖNIG PF" C. H. BECK»MÜNCHEN s / vi .o4, 4"M J.Ar;:' . i HÜijMO'i .•"■ DÜ3SJÜ.DOR-F 55. /U5CT %f> C G p MIT KONRAD PEUTINGERS BILDNIS NACH DER MEDAILLE DES HANS SCHWARZ VON 1517/18 UND EINER SCHRIFTPROBE LANDES- uiio stadt- bibj.iothiik düsseldorf EINLEITUNG Auf den folgenden Blättern wird der Briefwechsel Konrad Peu- tingers zum erstenmal in einer umfassend angelegten, mit sachlichen Erläuterungen versehenen Ausgabe dargeboten. Sie eröffnet das der „Kommission zur Erforschung der Geschichte der Reformation und Gegenreformation" von der „Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften" überlassene, von Hermann v. Grauert geleitete Unternehmen der Humanistenbriefe und ist zugleich die erste Veröffentlichung jener Kommission überhaupt. Die Vorarbeiten für den Band haben mich durch viele Jahre begleitet. Ich begann mit der allmählichen Sammlung des weitzerstreuten Stoffes zunächst mehr nebenbei, während ich den umfangreichen literarischen Nachlaß des gelehrten Augsburger Stadtschreibers für meine 1914 erschienenen „Peutingerstudien" durchging und ausbeutete. Nach dem Abschluß dieses Buches habe ich dann die Suche nach Peutingerbriefen und ihre Bearbeitung für die Herausgabe im Auftrage der schon genannten beiden Kommissionen planmäßig fortgesetzt und zu Ende geführt. Durch die Bestimmung der Ausgabe für die „Humanistenbriefe" waren der Stoffsammlung von vornherein gewisse Grenzen gezogen. Es konnte nicht der gesamte von Peutinger geführte Briefwechsel aufgenommen werden. Ganz außer Betracht bleiben mußten die Briefe, die Peutinger als Stadtschreiber im Namen des Augsburger Rates verfaßt oder in dieser Eigenschaft erhalten hat; sie gehören in eine „Politische Korrespondenz der Reichsstadt Augsburg". Indessen auch von den Schreiben, die er unter seinem eigenen Namen hat ausgehen lassen, erwies sich eine erhebliche Anzahl als ungeeignet für die Aufnahme in den vorliegenden Band; denn auch unter diesen tragen viele ein mehr oder weniger amtliches, geschäftsmäßiges, unpersönliches Gepräge und sind für die Biographie und die geistesgeschichtliche Würdigung des Mannes, der diese Ausgabe dienen soll, ohne Belang. Es mußte dementsprechend eine weitere Sichtung des vorhandenen Stoffes vorgenommen werden. Bei ihr habe ich mich von folgenden Grundsätzen leiten lassen: VI Einleitung. Ausnahmslos aufgenommen habe ich alle mir erreichbaren Briefe von und an Peutinger, die als „humanistisch" bezeichnet werden können, d. h. alle Briefe, deren Empfänger oder Absender Humanisten gewesen sind oder doch mit humanistischen Kreisen in Verbindung gestanden haben, ferner alle Schreiben, in denen von Wissenschaft oder Kunst die Rede ist. Hierher gehören u. a. die meisten mir bekannt gewordenen Stücke aus der reichhaltigen Korrespondenz Peutingers mit Maximilian I.; nur wenige der zwischen beiden Männern gewechselten Briefe betreffen politische, juristische oder sonstige amtliche Gegenstände, die weitaus meisten von ihnen zeigen uns den Stadtschreiber als wissenschaftlichen Berater und geschäftlichen Helfer seines kaiserlichen Gönners und Freundes bei dessen mannigfaltigen literarischen und künstlerischen Unternehmungen. Von den zahlreich erhaltenen Schreiben Peutingers, in denen er reichsstädtischen Obrigkeiten oder Privatpersonen juristischen und politischen Rat erteilt, habe ich nur die berücksichtigt, in denen es sich um Gegenstände von historischem Belange handelt und die gleichzeitig des Verfassers Stellung zu wichtigen Zeitfragen, vor allem seine Haltung gegenüber der Reformation, mehr oder weniger deutlich erkennen lassen, wie z. B. seine brieflichen Gutachten für Memmingen und Konstanz anläßlich der Konflikte dieser Städte mit ihren Diözesanbischöfen wegen Durchführung der neuen Lehre. Die Berichte, die Peutinger als Gesandter Augsburgs auf Reichstagen und Tagungen des Schwäbischen Bundes dem Rate erstattet hat, haben Aufnahme gefunden, soweit sie persönliche Färbung tragen. Endlich sind alle jene Schreiben von und an Peutinger abgedruckt, die von seinen engen Beziehungen zur Augsburger Handelswelt, ! deren eifriger und beredter Sachwalter er gewesen ist, Zeugnis ablegen. Auf diese Weise glaube ich aus der Gesamtheit der erhaltenen Peutingerbriefe alles biographisch irgendwie Wertvolle erschlossen zu haben. Rund drei Fünftel der in meiner Ausgabe vereinigten 303 Briefe lagen bereits — ganz oder größtenteils — an verschiedenen Stellen gedruckt vor. Schon zu Lebzeiten Peutingers waren ihrer 33 durch den Druck verbreitet worden; es sind dies die nach dem damaligen Brauche als Vorreden dienenden Widmungsbriefe in den von dem Stadtschreiber veröffentlichten oder ihm dargebrachten Einleitung. VII Werken (vgl. die Nr. 20, 36, 51, 52, 64, 102, 123, 156, 157, 163, 189, 191, 192, 197, 203—5, 268, 272, 277, 281, 284 und 302), ferner die gelegentlich des Reuchlinschen Streites in die „Clarorum virorum epistolae" von 1514 und in die „Illustrium virorum epistolae" von 1519 aufgenommenen Stücke (Nr. 7, 11, 103, 104, 124, 125 und 155), endlich je ein Brief an Peutinger von Giov. Francesco Pico della Mirandola (Nr. 44), von Johannes Trithemius (Nr. 53) und von Erasmus (Nr. 206). Je einen weiteren Brief brachten dann J. Fr. Hekelius in seinem „Manipulus primus epistolarum" von 1695 (Nr. 126), J. Wencker in seinem „Appa- ratus et instructus archivorum" von 1713 (Nr. 18), J. A. Ballen- stedt in seiner „Andreae Althameri vita" von 1740 (Nr. 221), J. Heu mann in seinen „Documenta literaria varii argumenti" von 1758 (Nr. 279) und endlich J. A. Riegger in seiner Ausgabe der Briefe des Ulrich Zasius von 1774 (Nr. 196). Größere Gruppen von Peutingerbriefen machten während der nächsten beiden Jahrzehnte bekannt: G. W. Zapf als Beigabe zu seinem Neudruck der „Sermones convivales" von 1781 (Peutingers Briefwechsel mit Nikolaus Eilenbog bis zum Jahre 1515), Fr. A. Veith im Anhange seiner 1783 erschienenen Neubearbeitung der Lotterschen Peutingerbiographie von 1729 (außer dem Briefwechsel mit Michael Hurnmelberg, Xystus Betuleius und Bonifazius Wolfhart fünf Schreiben Peutingers an Veit Bild, den Brief an Hans Haller sowie die beiden Briefe Dietrich Reysachers und je einen von Reuchlin [Nr. 49] und Konrad Reuter) und PI. Braun im 4. Bande der „Notitia hist.-lit. de codicibus mscr. in bibl. mon. ad SS. Udal- ricum et Afram Augustae extantibus" von 1793 (Veit Bilds sämtliche Briefe an Peutinger mit Ausnahme von Nr. 259). In neuester Zeit wurde unsere Kenntnis der Peutingerschen Korrespondenz vor allem gefördert durch den 1892 im 13. Bande des Jahrbuchs der kunsthistor. Sammlungen des Kaiserhauses erfolgten, von A. Buff besorgten sorgfältigen Abdruck der auf die literarischen und künstlerischen Unternehmungen Maximilians I. bezüglichen Stücke des Augsburger Stadtarchivs (die übrigens Th. Herberger neben anderen an der gleichen Stelle verwahrten Briefen des Stadtschreibers an den Kaiser und die Männer seiner Umgebung schon 1851 in seiner Abhandlung über „Conrad Peutinger in seinem Verhältnis zum Kaiser Maximilian I." verwertet VIII Einleitung. und durch Auszüge in den Anmerkungen großenteils zugänglich gemacht hatte) sowie durch die mustergültige Veröffentlichung der Berichte Peutingers von den Reichstagen von Worms (1521) und Nürnberg (1522) in den 1896—1905 erschienenen, von A.Wr ed e bearbeiteten Bänden 2—4 der Deutschen Reichstagsakten unter Karl V. Einzelne Briefe oder kleinere Gruppen von solchen haben seit 1860 erstmals abgedruckt: F. Kunstmann (Nr. 32), B. Greiff (Nr. 25 und 27), L. Geiger (Nr. 301), F. v. Soden und J. K. F. Knaake (Nr. 186 und 282), W. Heyd (Nr. 33), H. Zimerman (Nr. 179), E. v. Oefele (Nr. 61, 114, 153, 193, 238, 264, 267 und 295), A.HorawitzundK.Hartfelder(Nr.293), F.Dörnhöffer(Nr. 19), J. Prinsen (Nr. 210), L. K. Enthoven (Nr. 220), M. v. Rauch (s. Nachträge), E. König (Nr. 263 und 292) und L. v. Wels er (Nr. 294). Bei dem Wiederabdruck dieser schon veröffentlichten Briefe bin ich — soweit nicht, wie z. B. für die Briefe an Aventin, eine ganz zuverlässige kritische Ausgabe vorlag — grundsätzlich auf die handschriftliche Vorlage zurückgegangen, wenn mir diese irgend erreichbar war. Das ergab namentlich bei den stellenweise lücken- und fehlerhaften älteren Drucken eine Reihe wesentlicher Textverbesserungen. Damit komme ich auf die handschriftlicheÜberlieferung des Peutingerbriefwechseis überhaupt. Sie ist für die humanistischen Briefe im engeren Sinne, die sich ja schon äußerlich durch die lateinische Sprache unterscheiden, anders gestaltet als bei den übrigen. Von den humanistischen Schreiben, die die reichliche Hälfte der folgenden Sammlung darstellen, sind nur wenige urschriftlich erhalten; ich zähle ihrer 9 von (Nr. 1—3, 17, 47, 196, 220, 279 und 296) und 7 an Peutinger (Nr. 92, 93, 110, 117, 121, 201 und 297). Für alle übrigen sind wir auf Abschriften angewiesen. Peutinger selber hat für die abschriftliche Sammlung und Erhaltung seiner Korrespondenz fast gar keine Vorsorge getroffen: er hat Abschriften der von ihm versandten oder empfangenen Briefe sich nur in einigen wenigen Fällen angefertigt oder anfertigen lassen, nämlich, wie es scheint, immer nur dann, wenn die betreffenden Schreiben gesondert (wie z. B. der lange Brief an den Kardinal Carvajal: Nr. 54) oder als Beigaben zu einem für Einleitung. IX die Veröffentlichung bestimmten Werke gedruckt werden sollten; letzteres gilt beispielsweise für die Briefe des Valentin Fernandez (Nr. 32 und 33), die für eine offenbar geplante Ausgabe der von diesem verfaßten Genealogie der spanischen Könige, ferner für die im Jahre 1505 mit Konrad Celtis gewechselten Schreiben (Nr. 34 und 35), die ursprünglich für Peutingers „Romanae vetustatis frag- menta" bestimmt waren, endlich auch für die Nummern 75, 79 und 85, die wohl den beabsichtigten Druck der „Epistola de nomine Augusto" (Nr. 77) einleiten und schließen sollten; sie stehen mit diesem in einem der reichhaltigsten Peutingerschen Kollektaneenbände, der erst 1903 aus dem Nachlasse E. v. Oefeles in die Münchener Staatsbibliothek (jetzt Cod. Lat. Monac. 4029) kam und der auch eine der Abschriften des Schreibens an Car- vajal, ferner den eigenhändigen Entwurf zu dem umfangreichen brieflichen Gutachten an Matteo Casella (Nr. 280) und endlich — gleichfalls eigenhändige — Kopien der Briefe an und von Beatus Rhenanus vom Herbst 1536 (Nr. 292 f.) enthält. So verdanken wir das weitaus meiste, was von Peutingers Briefwechsel mit Humanisten auf uns gekommen ist, der fürsorglichen Sammeltätigkeit einiger der Adressaten. Die Briefe an Aventin sind z. B. dadurch erhalten geblieben, daß dieser sie neben anderen seiner „Germania illustrata" einverleibt hat, deren Handschrift sich heute in der Bibliothek des Salzburger Petersstiftes befindet. Vor allem aber sind hier die drei umfassenden Briefsammlungen von Veit Bild, Nikolaus Ellenbog und Michael Hummelberg zu nennen, durch die allein nicht weniger als 69 der in unserer Ausgabe gebotenen 303 Briefe, also nicht viel weniger als ein volles Viertel, vor dem Untergange bewahrt worden sind. Veit Bild ausHöchstädt(daher „Acropolitanus"), Benediktiner von St. Ulrich in Augsburg, hat Abschriften der von ihm versandten und der von anderen erhaltenen Briefe in seine „Conscriptiones", d. h. in eine Sammlung eigener Werke und Aufzeichnungen aller Art aufgenommen, die aus drei Quartbänden von 318, 271 und 140 Blättern besteht und heute im bischöflichen Ordinariatsarchiv in Augsburg (Signatur: 81 I, II, III) verwahrt wird. Seine eigenen Briefe hat Bild in den beiden ersten Bänden teils einzeln, teils in Gruppen eigenhändig eingetragen, und zwar regelmäßig seit Einleitung. dem 30. November 1506; die Schreiben anderer an ihn hat er etwa seit 1518 im dritten Bande durch andere — unter Nachtragung der noch vorhandenen aus früheren Jahren — fortlaufend abschreiben lassen. Der Ottobeurer Benediktiner Nikolaus Ellenbog hat sich von seinem gesamten, nahezu 900 Stücke zählenden Briefwechsel aus den Jahren 1504—43 zum allergrößten Teile mit eigener Hand Abschriften angefertigt, die in neun Büchern von je 100 — das 9. Buch bricht mit dem 91. Briefe ab — vereinigt sind. Die beiden ersten Bücher kamen Eilenbog im Bauernkriege, unter dem sein Kloster schwer zu leiden hatte, abhanden; sie tauchten erst im 18. Jahrhundert im Besitze des Memminger Theologen J.G. Schelhorn, der sie im 1738 erschienenen 2. Bande seiner „Amoenitates historiae ecclesiasticae et literariae" erstmals verwertet hat, wieder auf und bilden heute die Histor. Hs. 4° Nr. 99 der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart. Die übrigen sieben Bücher der Sammlung blieben noch lange im Kloster Ottobeuren, bis sie durch Stephan Baluze in die Bibliothek Colberts—hier lernte Mabillon sie kennen: s. seinlterGermanicum (Hamburg 1717) S. 48 — und schließlich mit dieser in die Pariser Nationalbibliothek gelangten, wo sie, in drei Bände vereinigt, die Signatur Cod. Lat. 8643 I—III tragen. Von den drei in den Pariser Bänden II und III (148 und 197 Bl.) enthaltenen Briefen Ellenbogs an Peutinger (Nr. 278, 300 und 301) hat mir Herr Prof. Dr. Andreas Bigelmair in Dillingen, der im Verein mit Dr. L. Zoepfl eine Ausgabe von Ellenbogs Briefwechsel für das „Corpus Catholicorum" vorbereitet, in liebenswürdigster Weise diplomatisch getreue Abschriften zur Verfügung gestellt, wofür ihm hier herzlichst gedankt sei. Die abschriftliche Sammlung der Briefe von und an Michael Hummelberg, ein Folioband von 183 Blättern, rührt nicht von diesem selbst her, sondern ist erst nach seinem Tode (15. Mai 1527) auf Veranlassung seines Bruders, des Arztes Gabriel Hummelberg, angefertigt worden. Sie muß dann — wir wissen nicht, wann und wie — in Peutingers Besitz gekommen sein und hat seitdem die Schicksale der Peutingerschen Bibliothek geteilt, so daß sie heute mit anderen aus dieser stammenden Handschriften als Cod. Lat. 4007 in der Münchener Staatsbibliothek steht. Einleitung. XI Für die Briefe Peutingers an Sebastian Brant sind wir — von den beiden Originalen Nr. 17 und 47 abgesehen — auf die späten, nicht fehlerfreien Abschriften Jakob Wenckers (gest. 1743) im Straßburger Stadtarchiv angewiesen. Der briefliche Verkehr des Stadtschreibers mit Maximilian und den Beamten der kaiserlichen Kanzlei, namentlich mit dem Kanzler Cyprian von Semtein, ist weit überwiegend nur in den eigenhändigen Entwürfen, die der Peutinger-Selekt des Stadtarchivs Augsburg enthält, auf uns gekommen. Die Suche nach den Originalen dieser und weiterer hierher gehörigen Briefe, für die in erster Linie das Landesregierungsarchiv (frühere Statthaltereiarchiv) in Innsbruck in Betracht kam, ergab nur sehr geringe Ausbeute. Ich habe während eines längeren Aufenthaltes in der Hauptstadt Tirols die dortigen „Maximilianea" Blatt für Blatt — in dankenswerter Weise unterstützt von Herrn Dr. P. Stollenmayer, der eine Biographie Sernteins vorbereitet — durchgesehen, aber nur wenige Stücke von einiger Bedeutung ermitteln können. Da ich, nach den einschlägigen Veröffentlichungen in verschiedenen Bänden des Jahrbuchs der kunsthistor. Sammlungen des allerh. Kaiserhauses zu urteilen, in den sehr umfangreichen Maximilianea des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs eher noch weniger für meine Zwecke in Betracht kommenden Stoff erwarten durfte — eine Mitteilung der Direktion bestärkte mich nur in dieser Auffassung —, habe ich von einem Besuche dieses Archivs absehen zu sollen geglaubt, da voraussichtlich der Ertrag zu den hohen Kosten eines längeren Wiener Aufenthaltes während der Kriegs- oder Nachkriegszeit in keinem Verhältnis gestanden hätte. Der übrige deutsch geschriebene private Briefwechsel Peutingers ist ebenso wie seine Gesandtschaftsberichte an den Augsburger Rat und seine brieflichen Gutachten und Ratschläge an auswärtige reichsstädtische Obrigkeiten großenteils in Ur- oder Reinschriften, manches davon auch in den eigenhändigen Entwürfen oder in gleichzeitigen Abschriften erhalten. Am ergiebigsten erwies sich für diese Seite meiner Aufgabe naturgemäß der Peutingerbestand des Stadtarchivs Augsburg. Den Richtungen folgend, in die die hier vorhandenen Konzepte wiesen, habe ich auch eine Reihe auswärtiger staatlicher und städtischer Archive XII Einleitung. in den Kreis meiner Forschungen einbezogen, teils mit, teils ohne Erfolg. Die Welsersche Familienregistratur in Schloß Neunhof bei Lauf in Mittelfranken, die bei den engen verwandtschaftlichen und geschäftlichen Beziehungen zwischen dem Stadtschreiber und der Familie seiner Gattin eine erhebliche Ausbeute zu versprechen schien, bot nur einen einzigen Brief in einer verhältnismäßig späten Abschrift, der im 2. Bande des Werkes „Die Weiser" zum größten Teil bereits gedruckt vorlag. Für eine genaue Abschrift des ungedruckten Teiles bin ich S. Exz. Herrn Dr. L. Frh. v.Welser zu Dank verpflichtet. Das Augsburger Fugger-Archiv enthält gar keine Peutingerbriefe. Bei der Gestaltung der Texte habe ich mich im allgemeinen an die von der dritten Versammlung deutscher Historiker in Frankfurt a. M. aufgestellten „Grundsätze, welche bei Herausgabe von Aktenstücken zur neueren Geschichte zu befolgen sind" (s. den Bericht über diese Versammlung, Leipzig 1895, S. 18—28; kürzer: Histor. Jahrbuch 16 [1895] S. 708 ff.), gehalten. Im einzelnen hebe ich folgendes hervor: In den lateinischen Texten habe ich u und v in der heute üblichen Weise unterschieden, in nichtgriechischen Wörtern y durch i ersetzt, endlich durchweg die an Stelle von ae oder oe stehenden e und e durch die Diphthonge wiedergegeben. Im übrigen habe ich die Orthographie unverändert gelassen, also für die damalige Zeit charakteristische —wenn auch teilweise fehlerhafte — Formen wie author, charus, comunis, suplex, hü, michi, tanquam, sentencia, conditio u. ä. beibehalten. In den deutschen Texten wurden u, v (w) und y ebenso wie in den lateinischen behandelt, sonst an den Vokalen nichts geändert; bei nicht ganz sicheren Lesungen (z.B. ob ,ai' oder ,ei', mit denen Peutinger in vielen Wörtern wahllos abwechselt) habe ich mich für die heute übliche Schreibweise entschieden. Die über dem u sich vielfach findenden Punkte, die nicht den Umlaut bedeuten — sie begegnen bisweilen auch in lateinischen Texten —, sondern wie unser u-Bogen nur das u vom n unterscheiden sollen, habe ich unberücksichtigt gelassen. Überflüssige Konsonantenhäufungen wurden beseitigt. In den deutschen Briefen habe ich die Anrede- und Schlußformeln entweder ganz weggelassen oder stark gekürzt. Einleitung. XIII Titel und Anredeformeln sind durch die allgemein üblichen Abkürzungen und Siglen wiedergegeben. Es sind also: D. = Dominus D ,i0 =s Dominatio (D nis == Domi- nationis, usw.) Djgtas _ Dignitas (Dig tis = Digni- tatis, usw.) Dig ,i0 = Dignatio iHmus _ üiustrissimus (ill mi = il- lustrissimi, usw.) M tas = Maiestas pt as _ paternitas rev dus __ r everendus rev mus __ r everendissimus S. P.D. = Salutem plurimam dicit S mus = Sanctissimus S. S. = suo salutem S'» s = Sanctitas V ra =Vestra E. f. G. = Euer fürstliche Gnaden E. Ft. = Euer Fursichtigkeit E.W. = Euer Wirde E.Wt. = Euer Weisheit kai. (kais.) = kaiserlich ku. (ko.) = kuniglich (königlich) Mt. = Majestät Ro. == Romisch Bei der Gliederung der Texte in Absätze und bei der Gestaltung der Interpunktion habe ich mich durch die Rücksicht auf möglichste Übersichtlichkeit und tunlichste Erleichterung des Verständnisses leiten lassen. Lücken in der Vorlage sind durch — —, Auslassungen des Herausgebers durch . . ., Einschaltungen durch < >, Streichungen durch [ ] gekennzeichnet worden. In den erläuternden Anmerkungen hätte ich gerne noch mehr gegeben. An Stoff dafür hätte es mir nicht gefehlt. Da indes der anfänglich in Aussicht genommene Umfang des Bandes sowieso schon überschritten war, mußte ich sparsam sein. Ich habe namentlich die bio-bibliographischen Angaben möglichst knapp gefaßt und in der Regel nur die neueste Literatur verzeichnet. Bei Persönlichkeiten, deren Kenntnis bei den Benutzern dieses Buches vorausgesetzt werden darf, ist von Erläuterungen ganz abgesehen worden. In Fällen, wo ich auf Grund ungedruckten Materials Neues zu bieten hatte, bin ich etwas ausführlicher gewesen. Viel Mühe hat der Nachweis der Zitate gemacht; von zwei Stellen aus Kirchenvätern abgesehen, ist er mir überall schließlich gelungen. Für freundlichst gewährte Unterstützung bei diesem Teile meiner Arbeit bin ich Herrn Prof.Dr.CarlWeyman zu Dank verpflichtet. Bloße Anspielungen sind im allgemeinen nicht berücksichtigt. XIV Einleitung. Über die beiden dem Bande beigegebenen Tafeln nur wenige Worte: Die schöne Bildnismedaille, die Peutinger im Alter von 52 Jahren darstellt, ist eines der ersten Werke des damals etwa fünfundzwanzigjährigen Hans Schwarz, eines Enkels des aus der Augsburger Stadtgeschichte bekannten, 1478 hingerichteten Bürgermeisters Ulrich Schwarz. Näheres über diesen bedeutenden Künstler findet man in Georg Habichs „Studien zur deutschen Renaissancemedaille" (Jahrbuch der königl. preußischen Kunstsammlungen 27 [1906] S. 30—69) und in des gleichen Verfassers Buche „Die deutschen Medailleure des 16. Jahrhunderts" (Halle 1916) S. 21 ff. —Die Schriftprobe zeigt den urschriftlich erhaltenen Brief Peutingers an den Augsburger Rat vom 6. November 1513 (Nr. 136). — Zum Schlüsse muß ich an dieser Stelle allen danken, die mir bei den Vorarbeiten zu meiner Ausgabe geholfen haben. Das sind vor allem die Vorstände und Beamten der vielen Archive und Bibliotheken, bei denen ich im Laufe der Jahre anklopfen mußte: der Hauptstaatsarchive in München, Dresden und Stuttgart, des Haus-, Hof- und Staatsarchivs in Wien, des Ernestini- schen Gesamtarchivs in Weimar, des Bayer. Geh. Hausarchivs in München, der Staatsarchive in Lübeck, Nürnberg und Würzburg, des Landesregierungsarchivs in Innsbruck, des Archivs des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg, des bischöflichen Ordinariatsarchivs in Augsburg, der Stadtarchive von Augsburg, Konstanz, Memmingen, Nördlingen, Straßburg, Ulm und Worms, der Staatsbibliothek in München, der Nationalbibliothek in Wien, der Landesbibliotheken in Dresden, Gotha, Stuttgart und Wolfenbüttel, der Universitätsbibliotheken in Basel und München, der Stadtbibliotheken in Augsburg, Breslau und Nürnberg. Ganz besonders hervorheben muß ich das nie versagende Entgegenkommen des Stadtarchivs und der Stadtbibliothek in Augsburg, die mir vor allem durch wiederholte Versendungen ihrer Peutingerbestände nach München die Arbeit wesentlich erleichtert haben. Das Buch hätte in dieser schweren Zeit nicht gedruckt werden können, wenn nicht die der Kommission für Geschichte der Reformation und Gegenreformation für diesen Zweck zur Verfügung stehenden knappen Geldmittel durch einen namhaften Beitrag der „Notgemeinschaft der deutschen Wissen- Einleitung. XV schaff und eine hochherzige Spende des Stadtrates Augsburg ergänzt worden wären. Gleichwohl war der Druckzuschuß, der der C. H. Beckschen Verlagsbuchhandlung in München für die Herstellung und den Verlag der Ausgabe im Herbste des vorigen Jahres angeboten werden konnte, noch immer gering im Verhältnis zur Höhe der gesamten Kosten. Daß Herr Geheimrat DDr. OskarBeck trotzdem die Drucklegung übernommen und dem Buche eine so vornehme äußere Ausstattung gegeben hat, dafür fühle ich mich ihm tief verpflichtet. Tübingen, im Juni 1923. Erich König. £^^'~~1*^Z-Z N ^Zz Z^-tT^L. 2*te&&..£L **/»•**£ ~Vv<* - An Valentin Eber. 1 1491 Juli 31. Rom. Berichtet von seiner Ankunft in Rom und den mit Raimund Peraudi und Dr. Paul Koler unternommenen vergeblichen Bemühungen, in der Streitsache der Stadt Augsburg gegen Bischof und Domkapitel wegen Ausschluß der Bürgersöhne die maßgebenden Persönlichkeiten an der Kurie von der Berechtigung des städtischen Standpunkts zu überzeugen oder wenigstens eine weitere Vertagung des Prozesses zugunsten eines nochmaligen kaiserlichen Vermittlungsversuches zu erwirken. Peraudi beim Papste zurzeit ohne Einfluß. Aussicht, eine Abschrift der Prozeßakten zu erhalten.* Augsburg, StA: Peutinger. Urschr. — Adr.: Clarissimo viro D. Valentino Eber, legum licenciato, scribae Augustensi, domino ac patri suo observandissimo 1 Peutingers Vorgänger im Augsbnrger Stadtschreiberamt und Mitglied des älteren Augsburger Humanistenkreises; vgl. P. Joachimsen, Sigismund Meisterlin (1895) S. 16ff. H. Werners Versuch, den erst 1496 Verstorbenen zum Verfasser der spätestens 1437 entstandenen .Reformation des Kaisers Sigismund" zu stempeln, ist von C. Koehne mit durchschlagenden Gründen zurückgewiesen worden; vgl. Neues Archiv 28 (1903) S. 743ff.; 31 (1906) S. 214 ff. 2 Zum Verständnis der ersten drei Briefe sei Folgendes vorausgeschickt: Der Augsburger Bischof Joh. v. Werdenberg hatte am 25. Febr. 1474 ein älteres Statut des Domkapitels (vom 23. Okt. 1302), das Augsburger Bürgern die Aufnahme verwehrte, dahin verschärft, daß er den Ausschluß auch auf die Söhne von Bürgern und Bürgerinnen ausdehnte. (Mon. Boica 34 b S. 118ff.) Die Stadt hatte diese — von Papst Sixtus IV. am 8. Juli 1475 bestätigte {ebd. S. 126ff.) — Verfügung, als sich neun Jahre später das Kapitel anläßlich der Bewerbung des Augsburgers Bernhard Arzt um ein Kanonikat auf sie berief, sofort angefoditen und nadi ergebnislosen Verhandlungen mit der Gegenpartei wider diese einen Prozeß an der Römischen Rota angestrengt. Nachdem die Klage bereits in zwei Instanzen abgewiesen worden war, war auf erneute Appellation der Augsburger am 29. Dez. 1489 das Verfahren dritter Instanz eröffnet, aber sdwn am 23. März 1490 zunädist auf sedis Monate und am 12. Okt. 1490 bis auf weiteres durch päpstlidie Mandate vertagt worden, wohl deshalb, weil inzwischen Kaiser Friedrich, von In- nocenz VIII. wiederholt (zuletzt durch eine Breve vom 12. März 1490) dazu aufgefordert, die Vermittlung zwisdien den Parteien übernommen hatte (vgl. Mon. Boica 34b S. 259f.). Sie war aber gesdieitert, weil das Kapitel den Kaiser, der von Anfang an aufseiten der Bürger gestanden hatte, als Schiedsriditer abgelehnt hatte und einem von ihm anberaumten Tage in Gmünd (März 1491) König, Peutingers Briefwechsel \ Nr. 1. 1491 Juli 31. Debita familiaritate praemissa. Clarissime vir, domine ac pater observandissime, veni Romam ad diem 25. huius mensis, gracia optimi maximi Dei sanus incolumisque, licet hucusque calores intensissimi me non modicum molestavere, qui et in itinere tum eciam Romae iam ad annos quamplures non fuere (incolae arbi- trantur); vixque matutino et vespero tempore ambulandi solli- citandique facultas praestatur. Etsi scripsi alias ad D nem Tuam 1 in via famam volasse episcopumGurcensem 2 Alamaniam repetitururn, atamen cum Romam venissem altera die una cum doctore Paulo Koler P lcm Suam adivi, Omnibus de rebus ad iussum dominorum meorum P tem Suam cerciorem reddidi. Sua P las primum se non tarn humanam ut sperabam exhibuit, ut posthac litteris hiis causam inseram. Tandem ad peticionem nostram litteras ad S mum spectantes (lectis item aliis) acceptavit promisitque eo die causam lianc coram pontifice maximo proponere; prout fecit. Doctor Paulus Koler egoque ad horam deputatam responsionem expectabamus. Sua ptas egrediens retulit causam coram pontifice propositam, sed episcopo Urbinatensi 3 comissam, a quo responsionem sive inten- ferngeblieben war. Um den Prokurator der Stadt an der Kurie, Dr. Paul Koler, von diesem Stande der Dinge zu unterrichten und ihn außerdem in seinen nochmaligen Bemühungen um eine günstige Entsdieidung oder wenigstens nochmalige Vertagung der Sadie zu unterstützen, war Anfang Juli 1491 Konrad Peutinger, seit 11. Dez. 1490 als Gehilfe des Stadtsdireibers Valentin Eber in Augsburgischen Diensten stehend, nadi Rom gesandt worden. Der Prozeß ist am 19. Okt. 1491 auch in dritter Instanz und damit endgültig zu Ungunsten der Stadt entsdiieden worden. Übrigens hatte Innocenz VIII. sdwn vorher, am 25. Jan. 1491, nodimals das angefochtene Statut des Kapitels bestätigt (Mon. Boica 34 b S. 268ff.). Vgl. zu dem Prozeß ChDSt 22 S. 249; 23 S. 43f. ; M. Jansen, Die Anfänge der Fugger (1907) S. 34f. Einsdüägige Arduvalicn im StA Augsburg [u. a. das Beglaubigungssdireiben für Peutinger in den Liieralien 1491) und namentlidi im Bayer. Hauptstaatsardiiv in Mündien; hier besonders eine 987 foll. umfassende Absdirift der römischen Prozeßakten mit der Signatur: Augsb. Hochstift, Lit. Nr. 869 [früher Augsb. Domkap. Lit. Nr. 119], die in den Erläuterungen zu Nr. 1—3 als Hauptquelle gedient hat. 1 Dieser Brief ist nicht erhalten. 2 Raimund Peraudi, soeben von einer Legationsreise durdi Deutsdiland zurückgekehrt, während der er den Türkenablaß gepredigt hatte; vgl. Pastor 3* S. 220ff. Peutinger hatte ihm ein Schreiben des Augsburger Rates vom 2. Juli 1491 (Augsburg, StA: Literalien) zu überbringen. 1 Joh. Petri de Arrivabenis; vgl. Eubel 2 S. 285. Nr. 1. 1491 Juli 31. tionem S mi percipere possemus, se aliquantilum exonerans, cum et eius rei, quam iam ad plures dies sollicitaverat (hoc est nomine imperatoris et regis Romanorum, ut Bohemus rex 1 excomunicetur), expedicionem habere non posse , quodsi causae cumulatae expedirentur minus; quare primum causam Bohemicam sibi cordi esse dicebat. Nihilominus (oportuno tempore nobis saepenumero instantibus) ad voluntatem consulatus 2 nos habere comendatos dixit causamque hanc ut suam agere coram S m0 asserebat. Tandem eo die ad Urbinatensem episcopum non patebat accessus. Altera tarnen die in praesencia Suae P lis episcopus Urbina- tensis protulit haec verba: Quod litterae imperatoris 3 S mo forent praesentatae intencionemque S ,m,s domini imperatoris intellexisset; verum quia haec causa iam per tres annos fuisset suspensa comissaque domino imperatori perbrevia: eamsi non concordasset, S" Suae ulterius differre non liceret, cum omnes cardinales et totum collegium cardinalium saepius ac saepius pro iusticia facienda clamaverint et ad nututn domini imperatoris hucusque distulit. Sed ad kalendas octobres iudici mandabitexpediendam. illud enim, quod dominus imperator petit, facere (altera parte non audita) non possit, nee deceat Romanum pontificem, ius alteri quaesitum aufferre. Multaque alia contra nos protulit, ut mich! non solum dubia, verum eciam desperata expeditio inieeta sit. Per hosque dies satis conspexi pontificem, cardinales omnes contrarios esse. Causaque huius contrarietatis sunt Sabellus 4 et Senensis r> cardinales, qui aliorum aures tantum offendere, ut Augustensibus nullus comendationis locus relinquitur . Sollicitat item marchio Paduae , marchionis Cristoferi filius,« contra nos; 1 W/adislaw IV., mit dem Maximilian damals um den Besitz von Ungarn Krieg führte. % Des Augsburger Rates. 3 Dieses Sdireiben, das den Wunsdi nadi nodimaliger Vertagung des Prozesses, bis dem Kaiser die Vermittlung gelungen sei, ausgesprodien zu haben scheint, hatte Peutinger nach Rom mitgebradit. 4 GiovanniBattista Savelli, Kardinaldiakon S" Nicolai in carcere Tulliano: Eubel 2 S. 78; Pastor 2' S. 639 u. 0. Er besaß 1487—97 die Augsburger Dom- propstei als Kommende; vgl. PI. Braun, Die Domkirche in Augsburg und der hohe und niedere Klerus an derselben (1829) S. 209. 6 Francesco Piccolomini, Kardinaldiakon S" Eustadüi: Eubel 2 S. 76; Pastor 3* S. 556ff. der spätere Papst Pius III. 0 Mit marchio Paduae kann hier nidit ein Markgraf oder Marchese von i* Nr. 1. 1491 Juli 31. oratorem imperatoris se gerit, familiaris cuiusque cardinalis est et cum eo manet Westersteter. 1 Hü quottidie clamitant, currunt; creduntur eis omnia, ut nichil pro nobis, quod saltem stabile esset, conspicere possum . Non potui tarnen continere, quin et Urbina- tensi episcopo responderem. Inter cetera protuli: Canonicos per Padua — einen solchen hat es damals nicht gegeben und außerdem braudit Peutinger für Padua immer die alilateinisdie Form Patavium, vgl. z. B. unten Nr. 3 S. 11 und König S. 5 Anm. 4 u. 7ff. — gemeint sein, sondern nur ein Markgraf von Baden. Es weilte nämlidi damals — und zwar bereits zum zweiten Male — an der Kurie ein junger Markgraf Jakob von Baden, klerikalen Standes, auf den Peutingers Angaben vortrefflich passen: Er war der i. J. 1471 geborene älteste Sohn des Markgrafen Christoph von der Linie Baden-Baden und vor Antritt seiner zweiten Romreise von seinem Oheim Friedrich III. in Linz am 26. Jan. 1491 zum kaiserlidien Gesandten an der Kurie Innocenz VIII. ernannt worden. Vgl. über ihn J. Chr. Sachs, Einleitung in die Geschichte der Markgrafsdiaft Baden 3 (1769) S. 141 — 64. Über seine erste Romreise (1489190) und die Vorbereitung der zweiten vgl. den von seinem einstigen Lehrer und damaligen Begleiter, dem Badener Dekan Mag. Joh. Müller (vgl. über diesen als Lehrer des Straßburger Humanisten Peter Sdiott: Ch. Schmidt 2 S. 4ff) verfaßten, reich dokumentierten Beridit (abgedruckt am Schlüsse der bei Renatas Beck in Straßburg 1515 ersdüenenen Ausgabe der .Germania" des Aeneas Silvius Piccolomini), in dem auch die nahen Beziehungen des Markgrafen zu den Kardinälen, namentlich zu den beiden von Peutinger genannten, sowie seine Bekanntschaft mit Ulridi von Westerstetten, dem römischen Prokurator des Augsburger Kapitels, erwähnt sind. Audi der päpstliche Zeremonienmeister Burkhard erwähnt den Jacobus marchio Badensis wiederholt in seinem Tagebuch, u. a. bei Gelegenheit des Geh. Konsistoriums vom 16. Nov. 1491 als einen der oratores imperatoris ac regis Romanorum; Vgl. Burckardi Liber notarum, ed. E. Celani, 1 S. 279. 297. 327 [Muratori, Rerum Hai. SS., Nuova ed., Tom. 32 Pars 1J. Unter dem 2. Febr. 1492 wurde er als orator imperatoris in die Bruderschaft der Anima aufgenommen; vgl. A. Lang in der Rom. Quartalsdirift, Suppl.-H. 12 (1899) S. 133. Daß dieser Sprosse des deutschen liodiadels, der am 27. April 1511 als Erzbisdiof von Trier gestorben ist, das Augsburger Kapitel gegen die Stadt unterstützt hat, geht aus einem Schreiben des Kapitels an Ulrich von Westerstetten vom 21. Nov. 1491 hervor, in dem dieser den Auftrag erhält nnsern g. herrn margraven Jacoben von Baden umb sein gnadengliclien vleiß ain erung zu ton: München, Hauptstaatsarchiv: Augsburg, Hochstift, Lit. Nr. 771; Absdir. — Überdies wurde der Markgraf nach C. Khamm, Hierarchia Augustana 1 S. 610 i. J. 1492 selbst in den Kreis der Augsburger Kapitulare aufgenommen. 1 Ulrich von Westerstetten, Augsburger Domherr und Prokurator des Kapitels an der Römischen Rota; später Pfarrer von Straubing und Rat Herzog Albrechts IV. von Baiern. Nr. 1. 1491 Juli 31. omne nephas maximaque astucia obtinuisse has sentencias 1 et quod narrata in confirmatione statuti nunquam probassent, imo quod illa civitas Augustensis istis maximam semper exhibuit reverenciam, et quod non solum contra ins, imo honestatem esset, quod, si omnes dum qualificati in canonicos assumuntur, cives illi ab omnibus cristifidelibus secludi debeant. Haec res cum in se rationem habeat maximam, ser mo imperatori cordi esset maxime. Similia et acutiora doctor Paulus protulit. Urbinatensis respondit: Procuratorum proprium esse exuberantia proferre verba. Causam hanc in sancta Rota sie agitatam, ut nil sinistri cogitari possit. Tanta observantia item doctrina inter auditores sit, ut neminem laedant. Sed sibi modo non conveniat, de iure nostro disputare. Pacientia coacti aliud non potuimus habere responsum. Verum S mi intencionem fore: ex quo imperator non concordavit, ad kal. octobres prosequendam , cum ulterius diiferre non possit. Tandem episcopus Gurcensis nomine nostro iterum blandis verbis instetit, ne sacra caes. M tas deluderetur, ut omnino aliquis modus con- cordandi iuxta scripta Suae caes. M lis adhiberetur propter maiora scandala evitanda. Nichil aliud eo die obtinere potuimus. Doctor Paulus in veritate bene et optime contra opinionem pontificis locutus est. Sed exclusi sumus nee quidem aeeepti. Altera die, cum Raimundus iterum ad peticionem nostram nobis absentibus instetisset, retulit hoc medium isto tempore: se speraret obtenturum, videlicet quod causa per S"""" sibi comit- teretur cum partibus agitanda. Item per breve episcopo Augustensi simul et capitulo papa scriberet, ut iuxta breve, vigore cuius dominus imperator voeavit partes voluitque, ut in Suam M tem compromitterent, adhuc voluntati imperatoris annuerent, et quod interim causa suspenderetur nee ulterior fieret processus interim. Ego quid facerem, dubitavi (et modo dubito); sed quia nulla spes est in declaratione, de qua dominus imperator scribit, dominus- que episcopus Gurcensis ita consuluit, hoc modo agendum. D. Paulus et ego nichil deliberavimus; tarnen coram Urbinatensi episcopo ad voluntatem Gurcensis adhuc solicitamus, ut summum pontificem melius informet mediaque bona inveniantur. 1 Die Urteile der Rota in erster und zweiter Instanz, in denen die Klage der Stadt abgewiesen und die päpstlidie Bestätigung des angefochtenen Statutes aufrecht erhalten worden war. Nr. 1. 1491 Juli 31. Crederem tarnen dominis meis minus praeiudicio, eciam si dominus episcopus Gurcensis haberet comissionem una cum brevi ut supra. Qui, si ad kal. octobres sentencia feratur, dummodo saltem talis comissio et breve absque damno vel eciam cum parva pecunia expediri possit, omnino omni die recessurus est repetendo Alamaniam. Haec causa bene esset eidem episcopo cordi. Sed modo non est acceptus pontifici; causa est, quia amplius non habet pecunias ex indulgenciis. Ego me obtuli P u Suae pro laboribus, quod domini mei recognoscent; sedse alienum adeo reddidit, ut bene contentor , (sed dubito, quia mos aliter se habet); inter aliaque dixit, ut virum decet etc., se unquam in vicia adeo prolapsum, ut aliquid pro quo caesar scriberet dono acciperet etc. Sed tantum est: faceret omnia, sed non est acceptus, idque est, quod antea scripsi: se cupiens exhonorare suspicans, ne cumulacione causarum impediretur, negocium suum obtineret minus. Praeterea sollicitavirnus coramauditore de Ferreriis 1 pro copiis habendis de actis causae saltem autenticis. Is se multum suspectum reddidit, primum se dicens hoc nunquam vidisse, quod parti debeant altera parte non audita copiae autenticae decerni; item quod inhibitum sit sibi de supersedendo, 2 unde omnino nolit decernere. Tandem medio D. Pauli nos dimisimus auditorem et venimus ad notarium causae, qui nobis ostendit registrum actorum. Cum quo pacti sumus de copiis collacionatis de toto registro, quod vidi et in veritate maximum est. 3 Sed dicta testium 1 Der die Verhandlungen dritter Instanz leitende Auditor der Rota war nach dem oben S. 1 Anm. 2 erwähnten Prozefiproiokoll Guilelmus de Perreriis, subdecanus Pictaviensis, gest. am 17. Nov. 1500 als Dekan des päpstlidien Geriditshofes. Vgl. über ihn N. Hilling, Die römische Rota und das Bistum Hildesheim am Ausgange des Mittelalters (1908) S. 13; W. v. Hofmann, Forschungen z. Gesch. der kurialen Behörden vom Sdüsma bis zur Reformation (1914) 1 S. 239 Anm. 6; 2 S. 116 Nr. 134. — Wenn Peutinger ihn in diesem Briefe de Ferreriis nennt und ihm im nächsten Sdireiben den Vornamen Petrus beilegt, so beruht das auf einer Verwechslung mit dem Vorsitzenden im Verfahren zweiter Instanz: Petrus de Ferrera. 2 Abgesehen von den oben S. 1 Anm. 2 erwähnten Vertagungen des Prozesses waren am 8. Juli 1491 allgemeine Geriditsferien bis zum 30. Sept. vom Papste angeordnet worden. 3 Das oben S. 1 Anm. 2 erwähnte Protokoll aus dem Besitz des Domkapitels umfaßt 987 Blätter! Die Kosten für diese Absdirift betrugen 15 Dukaten. Nr. 2. 1491 August 5. Ratisponae deposita non video. Quaesivi ex D. Paulo. Is michi retulit, quod nondum publicata sint. Imo ipse alias per quandam viam habuit copias et vobis miserit, quod tarnen non scio etc. Ceterum habebimus copiam tocius registri collacionatam. Et dedimus notario per arra unum ducatum. Tarnen, ut spero, quia per plures copistas rescribitur, in brevi habebo et sie non curo, quod auditor decernat, quia nunquam faceret. Doctor Paulus paratus fuit petere Augustam, ut michi dixit et ita in veritate ex plurimis coniecturis conspexi. Se humanuni, totum benivolum reddidit. Per hosque dies nil aliud feeimus nisi sollicitare speramus- que "melius responsum a S mo . Cardinales penitus nichil faciunt adeo instrueti, imo per falsam famam minus hoc tempore de imperatore et rege opinantur. Alia non sunt. Crederem, si esset aliquis orator aeeeptus pontifici imperatoris, ut est D. Rupertus de Bliterswick, 1 spem meliorem fore. Me humanitati tuae comendo plurimum velisque dominum decanum s. Mauricii 2 totamque fraternam societatem salutare plurimum. Scripsi celeriter, quia tempus interrupit. Dat. 31. die mensis iulii. 2. An Valentin Eber, 1491 August 5. Rom. Ergänzung der Mitteilungen vom 31. Juli. Klage über die Verderbnis der Kurie. Augsburg, StA: Peutinger. Urschr. — Adr.: Clarissimo viro D. Valentino über, decretorum licenciato, scribae Augusiae civitatis, domino ac patri suo observandissimo. Debita familiaritate praemissa. Clarissime vir, domine, pater honorande, dedi alias ad D" em Tuam litteras ad diem primum 1 Doctor Rupracht von Plitterschwigk (Blitterswidi) rittet, kaisers und kunigs diener hatte am 26. Febr. 1491 auf Anweisung Kolers für seine der Stadt Augsburg in Rom geleisteten Dienste 267 fl. ausbezahlt erhalten: Augsburg, StA: Baumeisterbudi 1491 fol. 48". 1490 war er Gesandter des Kaisers am römischen Hofe gewesen; vgl. ebd., Missivbuch 9: Schreiben des Augsburger Rates an ihn vom 12. Jan. 1490 mit der Bitte, Paul Koler in Rom zu unterstützen. 1 Jakob Kontzelmann, Dr. decretorum. 8 Nr. 2. 1491 August 5. augusti, 1 quas quidem cum scripsissem, antequam revidenditempus praestaretur (nimia tabularii festinacione impeditus) clausi. Unde si quid minus aptum reperies, me non incuses negligentiae velim, sed tabulario tribuas. Et ut D neni Tuam cerciorem de omnibus reddam: Scribo modo dominis meis, uti intelliges. 2 Scripseram D ni Tuae, quod Petrus de Perreriis, 3 causae huiusce auditor, noluit consentire, ut omnium actorum iudicialium copia in forma autentica daretur nisi citata altera parte priusque a summo pontifice obtenta comis- sione ad voeandum partes audiendumque, cum sibi dudum inhibi- tum, ne procederet in causa, usque ad alteram iussionem pon- tificis supersederet. 4 In qua re doctor Paulus egoque difficultatem cognovimus non modicam. Auditorem dimisimus, venimus ad notarium, qui causae registrum penes se habet. Is nobis promisit non tocius registri, verum omnium iurium, articulorum, exceptio- num ab utraque parte productorum absque observatione termi- norum copiam collationatam dare. Itaque in continuo labore de registro excribendo, cuius quidem copiam collacionatam ad dies quatuor vel modicum ultra habebimus. Aliter enim absque citacione partis adversae causaeque cognitione habere non possumus nee perspicere possumus terminos observatos dominis meis in aliquo conducere. Itaque causis hiis persuasi facilius dimisimus et copias actorum, reconventionum, articulorum et exceptionum simul omnium iurium mecum reportabo. Expedienda cetera ad domini imperatoris nutum desperata modo conspicio. Video ubique fata contraria, nullus nobis favoris praestatur locus, coloratur factum, fundantur sentenciae ex eo, quod civium non intersit, aguntur omnia sub fueo religionis. Habuimus ultimo responsum, quod iterum Urbinatensis epi- scopus, secretarius papae, dederat. Fuit, quod dominus papa salva sua consciencia et honore domino imperatori annuere non possit nee aliter expeetare deberemus. Nos tarnen contenti minus iterum sollicitavimus, prout dominis meis scribo etc. Venit ad diem 4. huius mensis quidam tabularius Udalrico 1 Nr. 1, tatsäMidi datiert: 31. Juli. 2 Dieser Brief ist nicht erhalten. ' TatsäMidi hieß der Auditor Guilelmus de Perreriis; vgl. S. 6 Anm. 1. 1 Bezieht sidi auf den papstlichen Vertagungsbefehl vom 12. Okt. 1490; vgl. S. 1 Anm. 2. Nr. 3. 1491 August 13. Westersteter, qui plures litteras portavit. Sednonpossumintelligere, quid portarit. Quidam tarnen Johannes Langer, adversae partis sollicitator, doctori Paulo inter cetera retulit, quod causa in Rotem- burg iam concorderetur essetque optima spes concordiae; hoc in litteris haberet, et quod omnis contraversia inter dominos meos et capitulum valde modicam haberet difficultatem. Nos huic rei non adhibuimus fidein, nisi per D" em Tuam certior modo fierem. Conspicio enim totam Curiam omni labe adeo refertam" ut vix aliquis honestati locus relinquatur. Ago quottidie Deo maximo gracias, quod hiis litibus vel pocius dicam negociacionibus (quarum Romae infinitus est numerus) me non immiscuerit. Video omnia venalia de supremo ad infimum. Laudantur astuciae, simulaciones, assentaciones; fucata religio et infinita turpia. Justicia omnis dormit etc. Lamentor aliquando plurimum, cum antiquitatum vesti- gia ruinosa ac fracta conspicio, ut huic famosissimae urbi gens ista peregrina praeesse debeat, quae sub ficta religione omnem pravitatem ac alia inaudita vicia exercet laudarique vult nee re- prehendi, sed ita fatatum esse, cum oppono, asserit. Aiunt enim: si Deus aliter vellet, aliter quidem facerent; sed Patrimonium Petri hoc modo (fatis volentibus) gubernandum fore etc. Possem quidem totam et longam historiam scribere. Sed nolo modo D" is Tuae aures ultro offendere. Ego me Tuae D"' comendo plurimum optoque tuam familiam salvam et incolumem fore. Dat. Rhomae die 5. augusti anno 91. Con. Peutinger. 3. An Valentin Eber. 1491 August 13. Rom. Abschluß des Berichtes über den hoffnungslosen Stand des römischen Prozesses. Will am 17. oder 18. Aug. über Padua die Heimreise antreten. Angabe seiner Rastorte an der Brennerstrasse. Augsburg. StA: Peutinger. Ursdir. — Adr.: wie Nr. 2. Clarissime vir, domine ac pater observandissime, posteaquam Romam venissem, binas ad Tuam D nem dedi litteras, unas sub dato prima die, alteras quinta die augusti scriptas, illisque D nem Tuam " refeetam Iis. 10 Nr. 3. 1491 August 13. de actis eousque certiorem reddidi, ut quasi hiis litteris scriben- dum restet nihil. Volui tarnen aliquid scribere, cum tabularius oportunus esset, tum ne quid negligentiae meae imputaretur. D. Raimundus episcopus Gurcensis ad quottidianam sollici- tacionem doctoris Pauli et meam P tas Sua reverenda se diligentem ac favorabilem exhibuit quantumque in eo fuit causam comendavit. Sed nichil obtinuit nee in nostra nee in aliis, imperatoriam simul ac regiam M tera conce.rnentibus, aliquid potuit. Aura papalis sibi contraria: Venit Romam diu noctuque expeetatus, ut magnam secum portaret peeuniam; is nullam sieque a papa spretus cul- patusque minimeque aeeeptus adeo, quod uberiores indulgentias nee eciam exeomunicationem Bohemorum regis obtinere non potuit. Repetit Alamaniam 1 infecto negotio ubique causamque nostram, antequam recederet, cardinali Andegavensi 2 comendavit. Cuius rev ma P tas se graciosam ostendit; nichil potuit. Responsum omne, quod ab episcopo Urbinatensi, papae secretario, habuimus, eo tendebat, quod ad kal. octobres causam per terciam sentenciam diffiniret, 3 adeo quod litterae imperatoris, simul manus propria nichil potuere. Collegium cardinalium per Sabellum et Senensem cardinales persuasum est, ut nichil in favorem civitatis agant, conspicioque omnia Romae nobis adversa fore. De hiis ceterisque D" em Tuam cum domum venero certiorem faciam. Tarnen illud praeterire" nolo: Papa ad imperatorem per breve quoddam ex- cusationem mittit, cur preeibus suis annuere non velit; illud breve episcopo Raimundo mittetur. Nos saepius ac saepius pro copia sollicitavimus; non potui- mus modo habere. Tarnen spero me per indirectum etc. obten- turum; haec res clam agitatur. Specto adhuc copias collacionatas registri actorum, ut alias scripsi; in triduo habebo. 8 praetire Hs. 1 Peraudi wirkte im Herbst 1491 in Ungarn für den Frieden zwisdien Maximilian und Wladislaw; vgl. J. Schneider, Die kirchliche und politische Wirksamkeit des Legaten Raimund Peraudi (1882) S. 30. 2 Jean Balue, Bischof von Angers, Kardinalbischof von Palestrina, schon bald darauf, am 5. Okt. 1491, gestorben als Legat in den Marken; Eubel 2 S. 15; Pastor 2* S. 372ff. u. ö. ' Die Entscheidung in dritter Instanz erfolgte tatsttdüich am 19. Okt. 1491. Nr. 3. 1491 August 13. \ \ Deinde ad Mercurii vel Jovis diem 1 ex urbe recedam. Doctor Paulus eius mentis est simulque statuit ire et substitutos pro- curatores 2 in causa informabit adeo, ut modicum agendum restet, nisi informatio in causa taxationis expensarum, quae facilis ad- modum est. Et cum vacanciae :i adhuc per sex septimanas durent, michi persuadere non potui, hie kal. octobres usque differre, cum et nee in mandatis habeam nee aliquod periculum inminere possit. Ibo cum doctore Paulo ad Venecias. Ego postea per aliquos dies Patavii manebo, 4 ille patriam repetet quamprimum. Ego op- timo maximoque Deo volente posthac veniam. Valeat D li0 Tua. Dominum decanum s. Mauricii 6 tuamque familiam et Jacobum Rechlinger, 6 ceteros tuos ac michi amicissi- mos salvos esse opto plurimum. Dat. Rhomae 13. augusti anno 91. Con. Peutinger. Nadisclirlft: Si tarnen domini mei vellent, quod tempore sentenciae ferendae Romae essem (ex quo impossibile est doctorem Paulum Koler ad id tempus reverti), potest D"° V ra ordinäre, ut michi proprius nunecius Patavium usque mittatur, et casu, quo iter eo tempore versus patriam arripuissem, quod vadat per Erenberg et Triden- tum usque. Hanc viam ibo Deo volente. Inveniet enim nie absque dubio (si non Patavii) in via ista, ubi in hospieiis infra notatis comittat causam, quo me in via non offenderet redeundo; meque Patavii in domo rectoris iuristarum expectet, in Ynspruck zum 1 17. oder 18. Aug. 1491. a In dem am 5. Okt. wieder eröffneten Verfahren vor der Rota er- sctieint Mag. Engelhard Funck als Prokurator der Stadt Augsburg. Es ist der später unter dem Namen Scintilla begegnende, dem elsässischen Humanistenkreise nahestehende Diditer, der sdion seit 1482 und nodi 1495 als Sadi- walter an der Kurie nadiweisbar ist und am 29. Nov. 1518 als Dekan von Neumünster in Würzburg starb; vgl. über ihn H. Holstein in der Zeitschrift f. vergl. Literaturgesdüchte N. F. 4 (1891) S. 446ff, wo S. 457 unter andern Gedichten audi ein Epitaphium auf den üben (vgl. S. 7 Anm. 1) erwähnten Rupredit von Blitterswidi abgedruckt ist. * Die am 8. Juli 1491 vom Papste angeordneten allgemeinen Geriditsferien. * Um hier zum Dr. legum promoviert zu werden; vgl. König S. 9. 6 Dr. Jakob Kontzelmann. '• Jakob Rehlinger wurde 1493 der Sdiwiegervater von Peutingers Vetter Ambrosius Höchstetter d. Ae; vgl. F. Warnecke, Augsburger Hochzeitsbuch S. 13. 12 Nr. 4 a. 1491 Dezember 1. Sixten, in Brixen in domo domini praepositi doctoris Anthonii Paungartner, 1 in Poczen in domo Eberwein, oriundi ex Augusta, in Tridento in hospicio Rosae. Ceterum me D ni Tuae comendo plurimum. 4a. Von Heckmair(?)* 1491 Dezember 1. Augsburg. Augsburg, StA: Peutinger. Urschr. — Adr.: Meinem herrn und gebieter Chunrat Peutinger doctor etc., zu Lincz. Darunter von Peulingers Hand: Praesentata 11. decembris in Lintz f 91. Berichtet dem am kaiserlidien Hofe in Linz 3 weilenden Peutinger über einige Geldauszahlungen, die z. T. den römischen Prozeß betreffen (Item 1 guldin hab ich Chunrat Mayting 4 geben, das er die nomiriacio und prozeß und iura gen Rom schicket; item 15 kreicer der Kolerin, als die brief, nominacio und exe- cutoriales von Rom komen; item 60 dn. dem notari Johanna Bair, 6 der die executoriales abcopiert und collacioniert etc.). Schluß: Item eur Schreiber gat mit dem Kristel 6 umb wein; waißt die 1 Ein älterer Bruder des von Nürnberg nach Augsburg übergesiedelten Handelsherrn Hans Paumgartner d. Ae., gleichzeitig auch Mitglied des Augsburger Domkapitels: gest. 1492 in Brixen. Vgl. W. Krag, Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg (1919) S. 25. 2 Wohl eine im Dienste Peutingers oder der städt. Kanzlei stehende, nidit weiter nachweisbare Persönlidikeit. 3 Peutinger war nadi einem Eintrag im „Gedenkbüchlin 1491" (fol. 15b) des Augsburger Stadtarchivs am 24. Nov. nach Linz gereist, vermutlidi um dem dort Hof haltenden Kaiser Eriedridi von dem Ausgange des Rotaprozesses (vgl. Nr. 1—3) zu beriditen. 4 Konrad Meuting war Faktor in der Fuggerschen Handlung und von 1497 ab Schwager Jakob Fuggers. Die Fugger hatten schon seit Beginn des Rotaprozesses die Zahlungen der Stadt nach Rom übermittelt; vgl. M. Jansen, Die Anfange der Fugger (1907) S. 38.52. 101 ff. Die der Stadt erwadisenen Gesamtkosten beliefen sich auf 8456 fl. 8501b. 10 sh. Id.: Augsburg, StA Baumeisterbudi 1491 fol. 49 v . 5 In der Urkunde Bisdiof Friedrichs von Augsburg über die Wiederbeisetzung der Gebeine des hl. Simprecht (vgl. Nr. 4b) vom 23. April 1492 unterzeichnet als Johannes Bayr de Haydenhaim, clericus Augustensis diocesis, artium liberaiium magister es decretorum licenciatus, publ. imperiali auetori- tate notarius. • Im Augsburger Steuerbudi von 1492 (StA) sind fünf Einwohner dieses Namens verzeichnet. Nr. 4 b. 1491 Dezember 1. 13 wirtzheiser alle wol. So hab ich im etlich heiser zaigt, da eur dieren in send. Er waißt das haus wol, da man die glogen leit; Wirt richtig, bis ir kumpt. Eur Heckmair. a 4b. Von Lukas Ravensburger d. Ae. 1 1491 Dezember 1. Augsburg. Berichtet unter anderem von der feierlichen Erhebung der Gebeine des hl. Simprecht in der Klosterkirche St. Ulrich und Afra. Augsburg, StA: Peutinger. Ursdlr. (mit dem vorigen Briefe auf demselben Blatte vereinigt). Lieber herr, ich hab euch gar in kirz auch 1 brief geschrieben pei ainem hiegen potten. Also hoff ich, das ir woll hinab sein kumen, und weit, das ir pald hie wart. Ich halt darfir, das ich mit Langen 2 muß rechten, ich verstand, das er nit änderst well. Item äff dat. sant Endrestag 3 hat man sant Simprecht aus dem grab dan, und da ist ain gross mengen gewesen von folk und gross und klain andacht als gemess mit gaistlichen und weltlichen an elfen allda versandet. 4 Sagt mir jedermann fill guten und willigen dienst und schribt mir pald neu mer. Ich befilch euch all Gott und Marian. 11 Nur die erste Silbe der Untersdirift ist sidier lesbar. 1 Lukas Ravenspurger d. Ae., ein Augsburger Kaufmann, war Peutingers Stiefvater; vgl. König, S. 2. 2 Wohl Paul Lang, der Vater des Matthäus Lang; vgl. über ihn P. Legers, Kardinal Matthäus Lang, Staatsmann im Dienste Kaiser Maximilians /., in Mttt. d. Ges. f. Salzburger Landeskunde 6 (1906) S. 453f. 3 30. November. * Zu der Erhebung der in St. Ulrich beigesetzten Gebeine des hl. Simprecht, Bisdiofs von Augsburg (vgl. aber die Feierlichkeit PI. Braun, Gesdiidite der Kirdie und des Stiftes der HU. Ulrich und Afra [1817] S. 380ff.), soll Peutinger die Veranlassung gegeben haben durch den Hinweis, daß die auf der Grabplatte eingemeißelten Budistaben DM nicht, wie man bis dahin glaubte, als „divi monumentum", sondern als n dis manibus" gelesen werden müßten, der Stein also nidit diristlidien, sondern heidnisdien Ursprungs sei; vgl. A. P. Gassarus, Annales reipublicae Augstburgensis, in: Mendten, Script, rer. Germ. 1 S. 1703. — Der feierlidien Wiederbeisetzung des Heiligen in einem ehernen Sarkophag am 23. April 1492 hat Peutinger betgewohnt; vgl die darüber ausgestellte Urkunde: Mon. Boica 23 S. 623ff. 14 Nr. 5. 1493 Dezember. Item herr Peter, 1 notari, hat mich gepetten, an meinen herrn doctor Jörg Schrettl 2 zu pringen, ob er ainen schriber well; so wolt er gern, das er sein bruder nem; sagt, ir kent in woll. Deucht es euch zu tund, so sagt dem herrn davon. Ich schrib euch pald mer. Datum darstag nach sant Endrestag 91 bei dem Gilgen. 8 L. R. 5. An den Rat von Augsburg. ^1493 Dezember.* Wien) Hat erfahren, daß auf Betreiben der Räte Herzog Georgs von Baiern-Landshut, so der begenknus und ander ir Sachen halb bis auf datum hie verhart, dem gleichfalls anwesenden Jakob von Argon a im Widerspruch mit der über diesen von dem 1 Peter Mor aus Aichach. Seine Unterschrift steht mit der mehrerer anderer Notare unter der über die Erhebung der Gebeine des hl. Siinpredit am 30. Nov. 1491 ausgestellten Urkunde: Mon. Boica 23 S. 620ff. a Dr. decr. Georg Schröttl (Schröttel, Sdiretl) war damals Prokurator am königlidien Kammergerieht. Für die ständige Vertretung der Stadt Augsburg erhielt er einen Jahressold von 40 fl.; vgl. Augsburg, StA: Bau- meisterbudi 1491 fol. 58, 1495 fol. 60. Schröttl vertrat aber auch andere Städte, z. B. Basel: vgl. R. Wackernagel, Gesch. der Stadt Basel 2, 1 (1911) S. 126. 3 Lukas Ravenspurgers jüngerer Bruder hieß Gilgen (Aegidius) undwar ursprünglich Goldsdimied, spater Mitglied der Kaufleutezunft: vgl. A. Werner, Augsburger Goldsdimiede (1913) S. 7. 1 Die Ansetzung des undatierten Briefes auf die Tage zwischen dem 7. und 18. Dez. 1493 ergibt sich einmal aus dem Datum des königlidien Geleitbriefes für Jak. v. Argon, dessen Ausstellung Peutinger noch verhindern zu können hofft: 18. Dez. 1493 (Absdir. der Urkunde im Augsburger St A.Maximilian), und sodann aus der Bemerkung, daß die Räte Herzog Georgs von Baiern-Landshut der begenknus und ander ir saclien halb bis auf datum hie verhart hätten: Mit der begenknus sind die feierlichen Exequien gemeint, die Maximilian seinem am 19. Aug. 1493 in Linz verstorbenen Vater am 7. Dez. im Stefansdome — in dessen Gruft war des Kaisers Leiche am 28. Aug. vorläufig beigesetzt worden — abhalten ließ (vgl. H. J. Fugger- Birken, Spiegel der Fähren des Erzhauses Österreidi [Nürnberg 1668] 2 S. 1074ff.). Vermutlidi war Peutinger Mitglied der vom Bürgermeister Hans Langenmantel geführten Gesandtsdiaft, die die Stadt Augsburg zu jener Feierlichkeit abgeordnet hatte. Genaueres über Dauer und Zweck seiner Reise nach Wien läßt sidi nidit feststellen, weil die Augsburger Stadtrechnungen (. Baumeisterbüdier') im Augsburger StA für 1493 und 1494 nidit erhalten sind. s Über Jak. v. Argon (er war ein Sohn des Augsburger Patriziers Peter Nr. 5. 1493 Dezember. 15 verewigten Kaiser verhängten Acht ein Geleitbrief aasgestellt werden soll, und sich darauf bei dem königlichen Kanzler Dr. (Konrady Stürzet vergeblich bemüht, diesen der Stadt nachteiligen Schritt zu verhindern. Will sich mit Wilhelm Marschall {von Pappenhelm), J der ihn über die Angelegenheit des Jakob von Argon unterrichtet hat, sowie mit Graf Adolf von Nassau 2 und Veit von Wolkenstein 3 nochmals bemühen, daß die Entscheidung so lange vertagt werde, bis der Rat darüber unterrichtet sei oder der König Maximilian nach Augsburg komme und dort von der Unbilligkeit des Vorhabens überzeugt werden könne. Empfiehlt im Einverständnis mit Johann Waldner 4 und Dr. Georg Schröttel, möglichst bald den Augsburger Standpunkt in der Frage dem Könige darzutun, damit er zuomöglich das etwa schon erteilte Geleit z&iderrufe. Der König werde wohl noch einige Zeit hier bleiben; niemand wisse, wann und wohin er aufbrechen werde. Er selbst werde mit Wilhelm Marschall und Dr. Georg Schröttel also entzveder noch hier anzutreffen sein oder, falls der König donauaufwärts ziehe, in dessen Gefolge.» Ohne Datum. Egen; s. über diesen ChDSt 5 S. 395ff. und Joadumsen S. 42), der wegen Straßenraubs, verübt an Augsburger Bärgern und Gütern i. J. 1465, von Kaiser Friedrich am 18. März 1466 in die Acht getan worden war und sidi auch weiterhin durdi wiederholte Gewalttaten wider seine Vaterstadt sdiwer vergangen hatte, vgl. ChDSt 4 S. 330; 5 S. 311; 22 S. 201 und354f.; Simons- feld 1 S. 296f.; die Achturkunde bei P. v. Stetten, Gesdi. der adelidien Geschlechter i. d. fr. Reidisstadt Augsburg (1762) Nr. 61. ' Über Wilhelm Marschalk von Pappenheim, Söldnerführer der Stadt Augsburg und des Sdiwäbischen Bundes, vgl. ChDSt 23 S. 54 Anm. 9. 2 Adolf Hl. von Nassau-Wiesbaden, Rat Maximilians und später zweimal (150011 und 1509J10) Kgl. Kammerriditer, mit Peutinger befreundet: vgl, unten seinen Brief vom 12. Dezember 1510. 3 Rat Maximilians. 4 Kais. Protonotar. 5 Peutinger ist noch bis mindestens in den Febr. 1494 hinein in Wien geblieben. Das beweist ein von ihm geschriebener, nur unvollständig erhaltener Entwurf (im StA Augsburg: Peutinger) zu einem gemeinsamen Be- ridite der Augsburger Gesandten an den Rat über die auf Grund einer am 28. Jan. aus Augsburg eingetroffenen Instruktion beim Könige und seinen Räten unternommenen Bemühungen um Zurücknahme des Jak. v. Argon am 18. Dez. 1493 erteilten Geleites. Die in diesem Bericht erwähnte, von Peutinger eingereidite Bittschrift an Maximilian ist noch im Entwürfe erhalten (ebd.) Die Augsburger hatten fedodi audi mit ihren erneuten Anstrengungen 16 Nr. 6. 1498 August 14. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. — Auf den Text des Bericlües folgt noch die Bemerkung: Lintz pfarrhof. Bassau Laventaler. 1 Damit sind wohl die entweder von dem Boten oder von Peutinger selbst auf seiner Heimreise in Aussidit genommenen Einkehrorte gemeint. 6. Von Sigmund Gossembrot.* 1498 August 14. Frankenhofen bei Kaufbeuren. Befürchtet als Gegner des Eintritts Augsburgs in den Schwäbischen Bund Anfeindungen durch die Bundesmitglieder und bittet, ihm bei der Erlangung eines königlichen Geleites für sicfi und seine Gesellschaft behilflich zu sein, auf das er nach den früher dem Könige geleisteten Diensten Anspruch zu haben glaubt. Wünscht Auskunft über die Bestimmung einer von Hans von Landau an ihn gesandten Geldsumme. Matthäus Lang soll eine Verehrung von 60 Gld. und einen Dankbrief erhalten. Augsburg, StA: Peutinger. Urschr. Mein beraitwillig dinst wist bevor. Lieber herr doctor, ich hab hoffnung, das ir bei guttem gesond seiend; Got der herr fuge lang mit gnad. Lieber herr doctor, nachdem mir auch nit zweifelt, ir wissen habt, das etlich, die dem pund verwandt sein, mir etwas nit fast gunstig seind, umb das icli mich zu mer mall bei k. Mt. und andern orten merken hab lassen, das ich keins wegs wölt, das mein herren sich bewilliget, den pund anzunemen, mit meren reden etc. 3 Ich weiss auch, das etlich von stetten sich keinen Erfolg; sie wurden darauf vertröstet, daß der König an Lätare (9. März) in Augsburg, wo er nach dem ursprünglidien Plane seine Vermählung mit Bianca Maria Sforza zu feiern gedachte, anwesend sein und sich um die gütlidie Beilegung der Angelegenheit bemühen werde. Tatsächlich ist dann Maximilian aber nicht nach Augsburg gekommen, sondern Mitte Febr. über St. Polten, Wels und Salzburg nadi Hall i. Tirol gegangen und hat hier am 9. März das Beilager mit Bianca Maria und eine Wodie später in Innsbruck die Hochzeitsfeierlidikeiten abgehalten (ChDSt 23 S. 420). 1 Johann Laventaler (gest. 1501) war Domherr in Passau: vgl. L. H. Kridt, Das ehemalige Domstift Passau (1920) S. 53. 1 Sigmund Gossembrot, der zweite Sohn des aus der Geschichte des Augsburger Frühhumanismus bekannten Sigmund Gossembrot d. Ae., war einer der reichsten Augsburger Großkaufleute: vgl. Ehrenberg 1 S. 191 f. und Strieder S. 96f. 8 Augsburg war dem am 14. Febr. 1488 zunächst auf acht Jahre ab- Nr. 6. 1498 August 14. YI haben merken lassen, wann ich bei mein herren, so fast daran, den anzunemen, als ich darwider gewesen, so wären mein herren, auch ander stett, ir anhenger, 1 langst darin. Wiewol nun sollichs an mir nit glegen und meinthalben das, das mich für das pest ansichet, schuldig pin zu raten, so möcht mir doch für ander den schwären mandaten 2 nach und den leufen, so vor äugen sein, an vill enden und orten mit vill untreu und behendigkait etwas für ander zugericht werden oder begegnen, das mir und mein verwandten zu nachtail raichen möcht. Auf sollichs hab ich itz mit dem Lachaymer 11 red gehabt, mir etwas an euch vergreifen geschlossenen Schwäbischen Bunde von vornherein nur gezwungen beigetreten und 1496 — einem gemessenen Befehl Maximilians vom 15. Juli d. J. entgegen — der ersten Verlängerung des Bundes auf weitere drei Jahre ferngeblieben, weil die Satzungen zuungunsten der städtisdien Mitglieder abgeändert worden waren. Die gleiche ablehnende Haltung beobachtete die Stadt — damals vertreten durch Peutinger; vgl. Augsburg, StA: Baumeisterbuch 1498 fol. 43r — auf dem Ulmer Städtetag vom 3. Mai 1498 gegenüber dem Verlangen Maximilians, den Bund abermals auf 12 Jahre zu erstrecken. Selbst als ein königlidies Mandat vom 28. Juni 1498 allen früheren Bundesgliedern die Annahme der Einung bei der Strafe der Acht befahl, versuchte Augsburg mit sieben andern Städten auf einem an Laurenzi (10. Aug.) in Ulm abgehaltenen Bundestage seinen Beitritt von der Bedingung abhängig zu madien, daß die ursprünglichen Satzungen wieder in Kraft träten, wurde indes durdi die unnadigiebige Haltung der königlidien Kommissare, die auf unveränderter Annahme der neuen Bundesartikel bestanden, sdüießlich doch gezwungen, sidi Jn Gottes Namen" einstweilen zu untersdireiben. Seinen Widerstand gab es aber damit noch nidit völlig auf, sondern verabredete mit seinen Gesinnungsgenossen auf den 14. Sept. eine Protestversammlung nadi Dinkelsbühl. Dies ist der Tatbestand (vgl. dazu Ktüpfel 1 S. 30f. 37f. 48. 256f.; Hist. Tasdienbuch 6. Folge 2 [1883] S. 127; 3 [1884] S. 93ff.), den das Schreiben Gossembrots, damals als Vertreter der Gesdilediter zum 8. Male Bürgermeister von Augsburg (Langenmantel, Historie des Regiments in ... Augspurg [1725/ S. 55), voraussetzt. 1 Es waren Reutlingen, Sdiwäbisdi-Hall, Heilbronn, Dinkelsbühl, Wimpfen, Kaufbeuren und Donauwörth; Klüpfel 1 S. 257. * Das S. 16 Anm. 3 erwähnte Mandat Maximilians vom 28. Juni 1498. 8 Joh. Laudiaymer war Schreiber in der städtisdien Kanzlei; als soldier erwähnt in den Augsburger Baumeisterbüdiern von 1497 (fol. 65') und 1498 (fol. 73r). An ihn hatte sich Gossembrot gewendet, weil Peutinger damals als Vertreter der Städte Augsburg, Sdiwäbisdi-Hall, Rothenburg, Heilbronn, Wimpfen. Kaufbeuren und Donauwörth auf dem Reichstage von Freiburg weilte. Aus einer von Peutinger verfaßten Darstellung der Verhandlungen dieses Tages (Augsburg, StB; cod. 2» Aug. 385) geht hervor, daß er am König, Peutingers Briefwechsel 2 18 Nr. 6. 1498 August 14. mit der statt prief. Auf das pitt ich euch fraintlich, ir wollen fleiss haben, mir von k. Mt. ain glait für mich und mein gesell- schaft unsern leiben und gutten auszupringen, das ich mich doch versieh, mir kains wegs abgeschlagen werden solt durch k. Mt. Vermaint auch, mein gunstiger herr doctor Matheus Lang 1 solt mich auch damit getreulich finden, dann S. k. Mt., auch doctor Matheus haben gut wissen, das ich [zu zeiten] auf S. k. Mt. be- geren und schreiben zu zeiten meins pruders an vill enden und orten gelt aufgepracht und merklich umb die weg hab miessen schicken 2 mit merern anzaigen, das an not ist, euch vill meidung zu tun, nachdem ir der ding merer verstendig sänd. Es war auch mein mainung nit, sollich glait fir schulden oder unpilliche mai- nung zu haben und, so ferr es euch pillich und zimlichen ansächen, bei k. Mt. zu begeren, änderst nit, dann das ich und mein ge- sellschaft vor unpillichen beschwärnissen dester halt verhut werden möchten. Ir versteet die meinung; der wurdet ir auch auf mein muntlich reden, mit dem J. Lachaimer getan, bas bericht etc. Auch, lieber herr doctor, ich hab hie empfangen in namen herr Hansen von Landaw 3 686 fl. rh., deshalb ich im ain prieflin gesandt hab und das zu wissen getan. Nun wirdet mir kain antwurt, was ich mit solchem gelt tun oder wem ich das ausrichten sol. Wolt gern, ir hett mit im darvon geredt und dabei mein willig dinst gesagt. 26. Mai in Freiburg eingetroffen war; wie lange er dort geweilt hat, läßt sich jedodi daraus nidit sidier ermitteln, da der unvollständig erhaltene Bericht mit dem 26. Juni mitten im Satze abbridit. Sidierlidi war er aber am 14. Aug. nodi in Freiburg — der Reichstag wurde erst am 6. Sept. geschlossen (Neue Samml. d. Reichsabsddede 2 S. 54) —, und Gossembrots Brief ist dorthin geriditet; die in ihm enthaltenen Aufträge setzen ja auch Peutingers Anwesenheit am königlidien Hoflager (seit 18. Juni in Freiburg) voraus. 1 Damals Sekretär in der kgl. Kanzlei. a Mit Sigmund Gossembrots und der anderen Augsburger Handelsfürsten Unterstützung hat sein Bruder Georg, Pfleger von Ehrenberg und in den Jahren 1492 — 94 und dann wieder seit 1498 bis zu seinem 1502 erfolgten Tode der führende Mann in Maximilians Finanzverwaltung, zum guten Teil die vom Könige benötigten Geldmittel aufgebradü; vgl. darüber zuletzt Th. Mayer, Die Verwaltungsorganisation Maximilians I. (1920) S. 48f. und 97f. und die dort angeführte ältere Literatur. s Hans von Landau, Rat und Schatzmeister Maximilians, war ein jüngerer Bruder Jak. v. Landau, des kgl. Landvogts in Schwaben. Nr. 7. 1499 Januar 29. 19 Lieber herr doctor, das zettelin, so ir mir zu mein handen geschriben habt von wegen doctor Matheus Langen zu vereren: nun hab ich das nit lesen wollen lassen, doch deshalb mit andern red in ain ratt gehabt, die pillichen eraisten, in zu vereren, auch dabei ain dankprieflin zu schreiben, das ganz auf eur gutbedunken und gut ansechung gesetzt ist. Ir habt auch solcher händel halb verstanden, am nächsten in ains rattz schreiben bei euren firdrern und verwandten red zu halten und fleiss firzu- keren und kain kostung sparen, und säch mich pesser an, doctor M. zu vereren mit 60 fl. dann mit etwas minus, damit es seinthalb nit verächtlich gehalten wurden und dester mer fleiss tätt, und ob ir im ain merers anzaigen tätten auf hinfur, so ir etwas durch sein hilf oder anderer erlangen möcht verfenklichs oder zur ver- lengerung, so wer man wolfeil darumb. So wollet auch selbs dan einen schicken und kain potenlon sparen auf den tag gen Dinckells- pill 1 und her. Damit bewar euch der allmächtig Gott allzeit. Dat. bei Frankhoffen erchtags vor Mar 27. Jan. 1499. 6 Anton Welser .der Alte", der Begründer der Größe seines Hauses. Vgl. Ehrenberg 1 S. 194ff.; Welser 1 S. 64ff. Nr. 8. 1502 März 28. 21 Velim me tui et rerum tuarum continuo observantissimum diiudices et me rev" 10 Vangionum episcopo 1 humilitercommendes. Ex taberna nostra libraria 4. kal. februarias 1499. 8. An Sigmund von Rorbach. 2 1502 März 28. Augsburg. Kann den vom Könige erhaltenen Auftrag, sicli wegen der Söhne des Herzogs von Mailand zu Rorbadi nach Regensburg zu begeben, erst nachkommen, sobald er in Innsbruck bei Maximilian eine Angelegenheit des Augsburger Rates erledigt hat. Augsburg, StA: Literalien. Entw. — Adr.: Dem edlen gestrengen herren Sigmunden von Rorbach, ritter, Ro. ku. Mt. und des heiligen reichs hauptman zu Regenspurg etc., meinem insonder gunstigen und lieben herren. Edler, gestrenger, gunstiger und lieber herr hauptman etc. Auf sambstag vor datum 8 ist mir ain kuniglicher brieve, antreffend des herzogen von Mailandt sune, so sich zu Regenspurg aufhalten, 4 mitsambt ainem brieve an euch und ain instruction an uns baid lautend, zukomen. Den selben euren brieve und in- struccion mitsambt ainer copei meins briefs ich euch hiemit zuschicke, als ir zu verneinen haben. Und dweil" dan ich in ainem merklichen handel, mein herren burgermeister und rete der stat Augspurg betreffend, vor etlichen tagen zu ku. Mt. abgefertiget bin und auf datum den weg hinnein gen Ynsprug annemen wird, 6 a dweil (durdistridien) mich Hs.; Peutinger hat, als er während der Niedersdirift die Fassung des Satzes änderte, versehentlidi dweil statt mich getilgt. 1 Joh. v. Dalberg, Bisdwf von Worms, mit dem Peutinger wohl auf dem Reichstage von Lindau 1496 bekannt geworden war. 2 Sigmund v. Rorbadi zu Puedihausen war kgl. Küdienmeister und seit 7. Jan. 1499 Reichshauptmann von Regensburg; vgl. C. Th. Gemeiner, Regensburgische Chronik 4 (1824) S. 9ff., 18, 30ff. 3 26. März; der Brief ist nicht erhalten. * Massimiliano und Francesco Maria Sforza, die damals 11 und 10 Jahre alten Söhne des am 10. April in französisdie Gefangensdiaft geratenen Herzogs Lodovico Moro von Mailand, wurden unter der Obhut Maximilians in Deutschland, zumeist am Hoflager ihrer Base, der Königin Bianca Maria (vgl. z. B. ChDSt 23 S. 453), erzogen. Vgl. L. G. Pe/issier, Louis XU. et Lttdovic Sforza 2 (1896) S. 208. 6 Die Augsburger Stadtrechnungen verzeichnen unter dem 26. März 1502 It. 32 fl. docior Beuttinger uff den rit zu ko. Mt; Augsburg StA: Baumeisterbuch 1502 fol. 27v. 22 Nr. 9. 1502 April 29. hab ich mich diser zeit zu Eur Strengkeit nit mögen verfuegen und doch daneben von mein herren bevelh hab, so ferr ku. Mt. gemaint sein wirdet, von Ynsprug aus nach ervolgung meines obgemelten handeis mich zu euch gen Regenspurg zu fuegen. Das ich solchen volg tun soll, das ich Eur edlen Gestrengkeit als meinem insonder gunstigen herrn dinstlichs fleis nit verhalten" hab wellen lassen etc. Dat. Augspurg, montags in osterfeiren anno etc. 2°. 9. An Blasius fiölzl. 1 1502 April 29. {Augsburg.} Begleitschreiben zu dem Bericht an den König über die Ausführung seiner Sendung nach Regensburg wegen der Söhne des Herzogs von Mailand. Augsburg, StA: Literalien. Entw. — Adr.: Dem wolgeachten herren Blasien Holczel, Ro. ku. Mt. secretaricn etc., meinem insonder gunstigen und lieben herren. Gunstiger und lieber herr secretari etc. Ich schick euch hierin verschlossen, wie und in was gestalt mein herr hauptman und ich zu Regenspurg mit den walhen, furwar ainem wilden volk, ain Ordnung hergenommen,* davon ich meinem herren tumbrobst zu Augspurg 3 auch ain copei zugeschickt hab. Meins bedonkens erfordert die notturft, das ku. Mt. gegen dem ungeschickten volk ain ander einsöhung tue, dan sonst werden die armen fursten nit woll fursöhen, sonder si verlassen, aigner nutze und boche mer gesucht werden. 5 Die walhen haben auch meins bedonkens mer ampter inen selbs zugemessen weder die notturft erfordert, c und wa der fursten gesind ain wenig gereutert wurden, das gelt, so den fursten monatsweis zugestelt, bas er- schiessen würde. •' unverhalten (verbessert aus unverkondet^ Hs. 11 an Stelle von gestrichenem: dan die verlassen und der aigen nucze bei inen mer gesucht wirdet. 0 an Stelle von gestrichenem: weder mein g. h. herzog arg hat. 1 Sekretär Maximilians und Mitglied des jüngeren Augsburger Humanistenkreises, der Sodalitas literaria Augustana; vgl. über diese König S. 22 Anm. 1. 2 Vgl. Nr. 8. ' Matthäus Lang. Nr. 10. 1503 März 2. 23 Wollet disen beigepouden briefe heim Galeacien von sant Severin 1 antwurten lassen und mich zu euren diensten altzeit bevolhen haben etc. 2 gülden sein mir an der zerung über worden; hab ich damit die ainspennigen knecht, so mit mir geriten sein, verert. Dat. in eil freitags nach Georgii anno etc. 2o. Conrat Peutinger doctor. 10. Von Bürgermeister und Rat von Nördlingen. 2 1503 März 2. Nördlingen. Dankschreiben für ein Rechtsgutacliten. Nördlingen, StA: Missivbüdier 1503 fol. 28v. Absdir. Bestätigen den Empfang seines Rechtsgutachtens: Und daran befunden, das ir euer erbieten, in worteri gegen unsern altburger- maister Ulrichen Straussen deshalben beschehen, mit den werken völligklich erstattet habt; des alles wir eu gar ernstlichen vleissigen dank sagen und zu ainer klainen ergötzlichait euer gehapten muhe vereren wir eu hiebei mit vier Gld. rh. Und wiewol wir ermessen können, das ir ain bessere erung verdient habt, so bitten wir eu doch vleissig, ir wöllent es ietzmals von uns in gut annemen; wollen wir, wa das iendert zu schulden kompt, darzu mit sonderm willen umb eu verdienen. Dat. donrstags nach Estomihi. B. und rate zu Nördlingen. 1 Galeazzo von San Severino, der damals am Hofe Maximilians weilende frühere Diplomat, Feldherr und Sdiwiegersohn des Lodovico Moro. Er war ein Univei sitätsfreund Willibald Pirckheimers; vgl. E. Reiche, Der Humanist W. P. in seiner Jugend und in seinen ersten Briefen: Unterhaltungsbl. d. Frank. Kuriers 1912 S. 93 und 116. 2 Das folgende Schreiben bezeichnet den Anfang der engen Beziehungen, die seitdem zwisdien Peutinger und der Reichsstadt Nördlingen, der Heimat seiner Mutter Barbara aus der noch heute dort blühenden Familie Frickhinger (vgl. König S. 2), bestanden haben. Nach Ausweis der Nördlinger .Redien- büdier (StA) war er von 1507—1545 besoldeter Reditsgutaditer der Stadt; sein Gehalt betrug 24 Gld. Jahr um Jahr enthalten die Nördlinger .Missivbüdier" (StA) Sdireiben des Rates an Peutinger, in denen dieser um seine Meinung in allen möglidien Rechtshändeln gefragt wird. Seine Antworten sind in den losen „Missiven" (StA) nur zum Teil erhalten: viele von ihnen mögen zu den verschiedenen Prozeßakten gewandert sein. Im folgenden werden 24 Nr. 11. 1503 April 22. 11. An Johann Reuchlin. 1503 April 22. Augsburg. Die Lateinstudien der kleinen Juliane Peutinger. Neuigkeiten des Augsburger Bücliermarktes. Bitte um Unterstützung seiner Arbeit am Kaiserbuch. Gedruckt: 1. Clarorum virorum epistolae fol. e hf. — 2. Illustrium virorum epistolae fol. e 5». — 3. Reudilins Briefwechsel Nr. 86. Conradus Peutinger, iur. utr. doctor, Joanni Reuchlin Phorcensi S. D. P. Gaudeo plurimum nie tibi tantum esse cordi, quod nuncium tuum ad me vacuum ire non permisisti. Agimus tibi ego, uxor et filiae gratias. Vehementius etiam ageremus, si filiae agere überaus possent. Sed omnia in Julianam filiam conferemus, quae et literas modo Latinas legere didicit et memoriter absque scripto repetit et syllabas etiam (dum ei munus aliquod licet exiguum dono) discit. 1 Petis a me quippiam ex rebus professionis nostrae. Scito apud nos nihil vel parum esse, quod tu non habeas prius. Bibliopola tarnen attulit opera Aristotelis uno volumine, traductiones seil. Joannis Argyropoli Byzantini, Leonardi Aretini, Hermolai Barbari et Georgii Vallae. 2 Item Marsilium Ficinum de christiana religione" et opera M. Antonii Sabellici prosa et Caroline. 4 Quod si ex his aliquod habere volueris, reddito me certiorem, transmittam quidem quantocius. Superioribus diebus praepositus Augustensis 6 suas ad me dedit litteras, (; quarum ad te exemplum mitto atque rogo quid sentias mihi significes. Et cura, quod patronus noster Dalburgius 7 den Grundsätzen dieser Ausgabe entsprechend, von dem Briefwechsel Peu- tingers mit Nördlingen nur jene Stücke berüdisidttigt, die für seine Lebens- geschidite oder für die Würdigung seiner Persönlidikeit von einiger Bedeutung sind. 1 Juliane, Peutingers erstgeborenes Kind, hat am 30. Jan. 1504 im Alier von 3 Jahren, 10 Monaten und 24 Tagen den in Augsburg einziehenden König Maximilian mit einer lateinischen Ansprache begrüßt, deren Wortlaut ihr Vater am Schlüsse seiner 1505 erschienenen Insdiriftensammlung (Romanae vetustatis fragmenta) veröffentlidit hat. 8 Paris 1497 (Panzer 2 S. 316 Nr. 414). 3 Venetiis 1500 (Hain * 7070). * Venetiis 1502 (Panzer 8 S. 357 Nr. 145). 1 Matthäus Lang, ° Nicht erhalten. ~ Bischof Joh. v. Dalberg. Nr. 12. 1503 September 24. 25 aliquando caesares suos 1 vel saltem nomismatum inscriptiones ad nos mittat. Sum modo in nostris Suevis caesaribus, in quibus ob incuriam maiorum labore maiore opus est. 2 Tu si quid habes, quod nostrae diligentiae accedit, rogo accomodes. Vale et me ama ut soles. Uxor et Juliana suo et Constantiae nomine te salvum Optant. Iterum vale. Dat. Augustae 10. kal. maias. Anno 1503. 12. An Konrad Celtls. 1503 September 24. Augsburg. Wundert sich, daß Celtis so lange nicht gesdirieben hat, und bittet ihn um Übersendung seiner neuesten Veröffentlichungen. Empfehlung an Cuspinian. Klage um den Tod von Dalberg, Occo und Tolhopf. Wien, Nationalbibliothek: Cod. 3448 fol. 150'. Absaht: D. Conrado Celti Protutio poetae Conradus Peutinger legum doctor S. P. D. Quod nihil ad me scribis, miror. Vel etiam miraris tu quoque, quod nullas hucusque ad te dederim litteras. Sic tu, ego item. Crura invicem sagittis praebemus. Sed forte eas depello, cum te prius alloquor, quod facies etiam aliquando, dum ocium nan- cisceris commodius. Ferunt te opuscula multa formis excussa Viennae publicasse 3 simulque Romanae vetustatis Augustensia fragmenta.* Quod si factum est, magis miror, ut pro exornanda 1 Gemeint sind Münzen römischer Kaiser. Über Dalberg als Münzsammler und -forsdier vgl. K. Morneweg, Joh. v. Dalberg (1887) S. 155. 1 Ältestes Zeugnis für Peutingers Arbeit am .Kaiserbuch"; vgl. darüber Joachimsen S. 205ff. und König S. 43ff. 3 Das Gerüdit war falsch. Des Celtis letzte Veröffentlichung war ein in Wien am 1. Febr. 1502 handsdiriftlidi abgeschlossener, am 5. April 1502 zu Nürnberg im Druck vollendeter Sammelband, der an erster Stelle die Libri quattuor amorum, außerdem u. a. die .Norimberga" enthält. (Über diese und eine zweite Nürnberger Ausgabe vom gleichen Jahre, in der ein Teil der Druckfehler der ersten berichtigt sind, vgl. A. Werminghoff, Conrad Celtis und sein Budi über Nürnberg [1921] S. 95f.) 4 Peutinger war damals selbst mit der Vorbereitung seiner Ausgabe der Romanae vetustatis fragmenta in Augusta Vindel. et eius dioecesi (erschienen 1505) beschäftigt; denn unter den Freunden, die zu diesem Werke empfehlende Verse beigesteuert haben, befindet sich auch der bereits am 24. Juli 1503 gestorbene Augsburger Arzt Adolf Occo. 26 Nr. 13. 1504 Mai 18. bibliotheca nostra ad me transmiseris nihil. Sed hoc est, quod velim atque rogo: lila nova opuscula tua diligentia impressa ad me transmittas et ut transmittantur Johanni Velser 1 in domo Geldrichs, 2 quem Ladislaus 3 cognoscit, des pretiumque eorum mihi significes, quod et tibi dandum curabo. Vale et me Cu- spiniano 4 mihi adhuc ignoto, sed docto perspecto commendes. Uxor, Juliana Latina filia 6 te salutant. Conditionem Germaniae miseram tribus doctis hoc anno defunctis, Dalburgio, G Adolpho 7 et Dolopio, 8 non aeque fero. Vale herum. Datae Augustae in aedibus nostris 8. kal. octobris anno 1503. 13. An Kurfürst Berthold von Mainz. 1504 Mal 18. {Augsburg.} Bericht über den Beginn des Landshuter Erbfolgekrieges: Huldigung mehrerer bisher zu Baiern-Landshut gehöriger Orte für Herzog Albrecht von Baiern-München. Vorrücken Albredits von Augsburg nach Aichach. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. — Verkleinerte Abbildung: M. Jansen. Kaiser Maximilian I. (1905) Abb. 65 S. 116. 1 Wohl der Sohn Bartholomäs IV., der nach Welser 1 S. 50153 von 1484 bis 1502 in den Augsburger Steuerbüdiern ersdieint; er wäre dann im letztgenannten Jahre nicht, wie a. a. O. S. 53 vermutet wird, gestorben, sondern, wie unser Brief lehrt, nadi Wien verzogen. - Die Geldridi waren eine Wiener Patrizierfamilie: ein Friedridi Geldridi begegnet um die Mitte der neunziger Jahre (1494—96) als Bärgermeister von Wien: Vgl. Quellen z. Gesdi. d. Stadt Wien 4. 1 (1917) Nr. 5514, 5515. 5516, 5534, 5539, 5573, 5581; JKSK 17, 2 Nr. 15524 15540, 15542. 3 Ladislaus Suniheim, Hofhistoriograph K- Maximilians: vgl. über ihn Joadiimsen S. 164 ff., 199f.. 255 Anm.87. 4 Joh. Cuspinianus (Spießheimer), Arzt und Humanist, .die bedeutendste lirsdieinung im Kreise der Maximilianisdien Hofgesdiiditsdireibung": vgl. ebd. S.209ff. '' Vgl. den vorigen Brief. fl Joh. v. Dalberg starb in Heidelberg am 28. Juli 1503; Eubel 2 S. 296. '■ Der Arzt Adolf Occo d. Ä., aus Osterhausen in Friesland, Mitglied der Sodalitas literaria Augustana, starb am 24. Juli 1503; Epitaph im Kreuzgange des Augsburger Domes (Abb. bei B. Riehl, Augsburg [1903] S. 73). Vgl. über ihn M. Radlkofer in ZHVSch 20 (1893) S. 26ff. 8 Joh. Dolhopf (Janus Tolophus) war einer der ersten humanistisdien Lehrer an der Universität Ingolstadt (s. G. Bauch, Die Anfänge des Humanismus in Ingolstadt [1901] S. 4ff.), später Domherr in Regensburg und Propst des Kollegiatstiftes in Fordiheim. Das genaue Datum seines Todes ist unbekannt. Nr. 14. 1504 Mai 24. 27 Hochwirdigister, hochgebornerfürst etc. Dweil ich disen poten, so auf Wießbaden laufet, vergebenlich gehabt, hab ich nit under- lassen wollen, E. f. G. zu schreiben. Nach abschid E. f. G. aus Augspurg 1 haben herzog Albrechteii und herzog Wolffgangen huldigung tan Fridberg, Aichach, Hochstetten, 8 Gundelfingen, Wembdingen, 3 Haidenhaym und, als man sagt, Manhaym. 4 So haben die von Laugingen 5 ku. Mt. geschworen, uf S. ku. G. auf- söhen zu haben, bis die sach zwischen den fursten usgetragen wirdet. Dem nach herzog Albrecht am freitag vor datum 6 mit allen pundsverwandten, als vill der bei im sein, von Werd 7 wider auf Augspurg und daselbs für in Bayrland der guten prucken nach geruckt und auf heut datum mit dem veldleger zu Aichach sein werden. So ist ku. Mt. zu Dillingen. Was weiter furgenomen und gehandelt werden soll, ist mir verporgen. Das alles E. f. G. ich nit wolt verhalten lassen, der ich alzeit undertaniglich zu gedienen ganz willig were. Dat. sambstags vor Exaudi anno etc. 4. E. f. G. undertaniger Conrat Peutinger doctor. 14. An Kurfürst Berthold von Mainz. 1504 Mai 24. Augsburg. Fortsetzung des Berichtes über den Landshuter Erbfolgekrieg. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. Hochwirdigister, hochgeborner fürst etc. E. f. G. schreiben, mir bei disem poten zukomen,* hab ich underteniglich empfangen und E. f. G. fuege zu wissen, das ich sambstags vor Exaudi nächst verschienen laut diser eingeschlossen abschrift bei meins g. herren I Kurfürst Berthold war auf dem Augsburger Tage zugegen gewesen, auf dem nadi langen ergebnislosen Verhandtungen über die baierische Erbfolgefrage am 23. April Herzog Albredit von Baiern-Mündien und sein Bruder Wolfgang mit dem Erbe Georgs des Reidien von Baiern-Landshnt belehnt und der Bund zwisdien ihnen und Maximilian gegen den am vorgenannten Tage geäditeten Sdiwiegersohn Georgs, Rupredit von der Pfalz, abgeschlossen worden war. Zu den folgenden den Landshuter Erbfolgekrieg betreffenden Briefen (Nr. 13—22) vgl. Ulmann 2 S. 198—239 (wo einige von Peutingers und Hölzls Sdireiben bereits verwertet sind); J. E. Knöpfler, Die Belagerung und Eroberung Kufsteins durch König Maximilian i. J. 1504 (1904). - Hödistädt. * Wemding. * Monheim. '• Lauingen. II 17. Mai. 7 Donauwörth. 8 Nicht erhalten. 28 Nr. 15. 1504 Juni 1. grawe Adolf zu Nassau poten geschriben hab. 1 Seither nit sonders begegnet, dan das ku. Mt. noch zu Dillingen ist und bei ir des bapsts und kunigs von Hispanien potschaft, 2 desgleichen mein g. herr von Augsburg. 3 So sein auf aftermontag nacht vergangen* zu Ingoldstat eingeriten baid fursten herzog Albrecht und herzog Wolfgang, mit den auch gezogen alle pundsverwandten, als vill sie der bisher bei inen gehabt. Soll davor am sambstag 5 herzog Ruprecht mit 300 pferden und 500 ze fuß zu Neuburg aufgewest sein, hinab auf Landshut geruckt und am ziehen etlich dorfer, herzog Albrechten zugehörig, anzünden lassen haben. Herzog Albrecht hat auch das schlos Krangsperg, 6 nit fern von Freisingen gelegen, gewunnen. Praunau 7 ist vor etlichen tagen nit verloren gewest, sondern sein die herzog Ruprechtischen mit geschossen dafür komen, aber die von Praunau haben sich in die wer gerist und si an 24 manen beschcdiget, deshalben si ungeschaft ab- geschiden sein. Hat woll nachmalen hie verlaut, die von Braunau und Wasserburg sollen sich an herzog Ruprecht ergeben haben; aber ich hab des kain warheit entpfangen, hat sich auch dermaßen mit der sag nit verfolgt. Aber herzog Ruprecht hat innen Burck- hausen, Landshut, Neuburg und Rain. Was furter mit baider fursten und des punds ristung von Ingolstat aus furgenomen wirdet, will ich E. f. G. nachmalen nit verhalten etc. Dat. Augspurg freitags nach Exaudi anno etc. 4. E. f. Q. unterteniger C. Peutinger. 15. An Kurfürst Berthold von Mainz, 1504 Juni 1. {Augsburg.) Zweite Fortsetzung des Berichtes über den Landshuter Erbfolgekrieg. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. Hochwirdigister, hochgeborner fürst etc. Dise vergangen tag und nachdem E. f. G. ich nächst geschriben hab, ist mein g. herr ' Nr. 13. 2 Botschafter des Papstes bei Maximilian war Mariano Bartolini (vgl. Pastor 3* S. 597), der Spaniens hieß Don Pedro de Ayallas (Ulmann 2 S. 165 und 167 Anm. 2). 1 Der Augsburger Bischof Friedridi v. Zollern. 4 21. Mai. B 18. Mai. 6 Kranzberg (BA Freising). " Braunau a. Irin. Nr. 15. 1504 Juni 1. 29 herzog Albrecht mit den pundischen, zu den komen sein margrave Friderich 1 mit 400 pferden und herzog Friderich von Sachsen zeug, auf 200 pferd angeschlagen, von Ingoldstat herauf gen Erding gezogen, des willens, grave Hansen zu Sonnenberg, so Erding von S. f. G. wegen inhat, zu retten. Dan der selb grave vormalen den Ruprechtischen Erding abgewunnen und von inen wider belegert worden was. Aber eemalen der zeug heraufkomen, ist herzog Ruprecht von dannen geruckt und auf Wasserburg, so am Inn ligt, gezogen, daselbs eingelassen worden und, als nachmalen hie verlaut hat, soll er das geschlos her Sigmunds von Fronberg 2 auch erobert und ine in glubd genommen haben. Auf solchs alles mitwochen vor dato 3 herzog Albrecht mit den obgemelten zu Munichen aus verruckt und stracks den weg auf Wasserburg zu furgenommen hat und, als ich mich versehe, an gestern daselbst hinkomen sei. Wie sich die Sachen an dem selben ort femer schicken werden, ist mir verporgen; dan sovill wird gesagt: herzog Ruprecht hab aus Wasserburg trei schiff mit dem, das S. f. G. gelegen gewesen ist, geladen und das furtab auf Burckhausen fueren, auch Wasserburg in klainer verwarung gelassen. So ist ku. Mt. am hailigen pfinztag 4 zu Dillingen, montags darnach zu Radau 5 bei Augspurg gewesen und aftermontags furter geruckt gegen dem gepirg, zuversichtlich als verlaut, gen Ynspruck ziehen wellt. Soll sich auch inmaßen wie Laugingen 6 S. ku. Mt. ergeben haben Rotenberg, die stat, 7 desgleichen Kopf- stain, 8 aber das schlos zu Rotenberg 4 wuchen ain bedacht ge- nomen haben. So sein der von Straspurg fußknecht woll gerist und bei 500 am montag nach dem heiligen pfinztag 9 herkomen mit vier karrenbuchsen und etlichen geraisigen, die sein auf after- 1 von Brandenburg-Kulmbadi. 2 Sigmund v. Frauenberg zum Haag, Georgs des Reidien Hofmarsdiall und Testamentsvollstrecker, war einer der rührigsten Anhänger des Pfalzgrafen Rupredit. Maximilian wußte ihn aber für sidi zu gewinnen, indem er ihm die für neutrales Gebiet erklärte Grafsdiaft Haag am 20. Juni 1504 zurückgab und ihn zu seinem Rate ernannte. 1512 war er kaiserlidier Kammer- riditer, als solcher erwähnt in Peutingers Brief an Sernteiner vom 5. Juni 1512. Vgl. über ihn Hund, Bayrisch Stammenbudi 1 S. 64f., Riezler, Gesdi. Baierns3 S. 573ff. und 601; R. Smend, Das Reichskammergeridit 1 (1911) S. 247. 3 29. Mai. * 26. Mai. ° Sdiloß bei Göggingen, s.-w. von Augsburg. 8 Lauingen. 7 Rattenberg i. Tirol. 8 Kufstein. 9 27. Mai. 30 Nr. 16. 1504 Juli 11. montag dem hör auch zugezogen. Anders gewissers ist mir diser zeit nit begegnet. Das E. f. G. ich nit wolt verhalten etc. Dat. sambstags vor Trinitatis anno etc. 4. E. f. G. undertaniger Peutinger doctor. 16. An Kurfürst Berthold von Mainz. 1504 Juli 11. {Augsburg.) Hat den Kurfürsten gegen den Vorwurf säumiger Leistung der ihm von Reichs wegen auferlegten Hilfe in Schutz genommen. Dritte Fortsetzung des Berichtes über den Landshuter Erbfolgekrieg. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. Hochwirdigister, hochgeborner fürst etc. Bei kurz verschinen tagen ist mir E. f. G. ainer ir gnadiger briefe zukomen, 1 des inhalt ich undertaniglich vernomen, und nachdem davor an vill orten verlaut hat, wie E. f. G. mit zuschicken irer aufgelegten hilf gemach tue, 2 hab ich als der, so bisher bei E. f. G. vor anderen mit gnaden alwegen bedacht worden ist, vill rede nit von wenigen stenden muessen hören, die ich nach meinem pesten versteen E. f. G. zu gut alwegen verantwurt, nachvolgend auf E. f. G. schreiben mer besteet und in dem allen mich nit änderst gehalten, dan als ob ich E. f. G. gelobter diener gewesen were. Das auch aus vill Ursachen billich getan hab und hinfüro mit erfreutem herzen zu tun ganz willig und schuldig bin, E. f. G. eer und wolfart zu furderen, als verr ich vermag. Gnadigester herr, mein g. herzog Albrecht mitsambt dem veldleger hat vor etlichen tagen Landau 3 erobert, davon die herzog Ruprechtischen in der nacht davor gewichen sein, fast alle mans- bilder aus der selben stat mit inen geuomen, also das nichtz da innen gefunden dan priester und weiber. Es ist auch die selb stat sackman gemacht und die maur nidergebrochen worden, und soll S. f. G. mitsambt anderen am sambstag vor dat. 4 aufgebrochen, wohin aber gezogen, ist mir noch verporgen; etlich sagen auf Landshut, etlich auf Dindelfingen 6 (ligt vier meil davon). Sich hat auch vor Landau nit wenig irrung erhebt wegen der fueß- knecht; die haben, umb das Landau erobert ist, ain monat sold 1 Nicht erhalten. 2 Vgl. dazu Ulmann 2 S. 202. 3 Landau a. d. Isar. 4 8. Juli. '•> Dingolfing. Nr. 17. 1504 Juli 13. 31 von herzog Albrecht wollen haben. Aber als ich hör, soll solhs an mein g. herren margrave Friderich 1 gestelt und damit gestilt sein. Ku. Mt. ist jetzo etlich tag hie gewesen und auf dat. fru gen Schwebischen-Werd 2 verruckt, des furnemens, als verlaut, Neuburg und Rain abzebrechen. Ziehen auch S. ku. G. vill zu roß und fuß zu, und sollen an heut von dem gravenpund etlich hundert heer und nachvolgend von Munichen 2000 fußknecht zu- komen mitsambt vier quartonen. Herzog Ludwigs von Bayren 3 raet, nemlich Morshaimer und ain cometor sant Johans ordeus, sein auch hie bei ku. Mt. gewesen, aber ir handlung und Werbung hab ich nit erfaren mögen.* Wirtenberg fi soll von Pretau 0 weck und für Besigkau 7 gezogen sein. Mein herren haben E. f. G. erlegung der 1000 gülden hinder die von Franckfort zu sonderem undertanigen dank vernomen, werden auch E. f. G. verschreibung auf künftig Franckforter Herbstmesse gegen entpfahung der gedachten 1000 gülden laut E. f. G. schreiben erlegen. Das alles E. f. G. ich nit wolt verhalten etc. Dat. in großer eil an dem 11. tag iulii anno etc. 4. E. f. G. undertaniger Conrat Peutinger doctor etc. 17. An Sebastian Brant. 1504 Juli 13. Augsburg. Beklagt anläßlich des Landshuter Erbfolgekriege?, die den Bestand des Reiches gefährdende Zwietraclit der Deutschen. Straßburg, StA: IV 105. Ursdir. — Adr.: Praestantissimo ulriusque iuris doctori D. Sebastiano Brandt Argentoratensi, amico observando. S. P. D. Clarissime domine doctor, habebam modo tabella- rium. Hunc ad te vacuum ire nolui, ut, si quid iam longo tempore amicitiae studii aliquando inter nos conciliatae hucusque intermissum fuisset, in eum quo esset consensum statum revo- caretur. Spero te et familiam tuam salvos meque incolumem scito, sed flagrante Baioarici belli fremitu a litterario exercitio ita se- motum, ut praeter institutionem meam vivam. Sumus equidem 1 von Brandenburg-Kulmbach. 2 Donauwörth. 3 Bruder des Pfalzgrafen Rupredit, der spätere Kurfürst Ludwig V. von der Pfalz. 4 Es handelte sich um einen vom Kaiser vvrgesdilagenen Waffenstillstand, den jedoch Rupredit ablehnte. 5 Herzog Ulrich von Württemberg. 6 Bretten. " Besigheim. 32 Nr. 18. 1504 nach Mitte Juli. et adeo vicini, ut Licus amnis Vindelicos nos a Baioarico limite disterminet. Mars ipse ludit spectaculaque innumera et coedis et captivitatis exhibet. Timeo, ne tumultuariae heae seditiones nobis Germanis vires atterant, quibus amissis iugum subire exterum erit necesse. Fuisset imperium Romanum immortale, nisi ipsi inter se, ut T. Livius 1 ait, soevissent. Hilduvici Pii filii imperium, quod pater et avus eorum propagaverant, conflictu Fonthanetico agroque Altissiodorensi* acto adeo imminuerunt, quod nee ipsi nee posteri eorum restituere poterant. Quid plura? Nisi Dominus custodiret nos, frustra vigilabimus. Vale et D. Johannem Guilhel- mum de Rotwil 3 meo nomine salvum dicito. Dat. Augustae 13. iulii anno etc. 4*°. Tuus Coradus Peutinger Augustensis. 18. Von Sebastian Brant. 1504 nach Mitte Juli. Straßburg. Antwort auf Nr. 17. Düstere Betrachtungen über die Zukunft des Deutschen Reiches, das seinem Untergange entgegenzugehen scheint. Empfehlung des Baccalaureus Erlinger. Straßburg, StA: Thomasarchiv, Univ. 1 fol. 589f. Absdir. Wenckers (= Wi). — Gedruckt (fehlerhaft, mit zwei größeren Lücken und einem anderen Schluß): J. Wencker, Apparatus et instruetus archivorum (1713) S. 26—29(= Wi). S. D. P. Ego vero tibi, suavissime praeeeptor, grates ago im- mortales, qui etiam inter oecupationes tuas ingentes et in medio ferme Baioarici Martis mei tarnen tui amicissimi alioquin curam geris literisque tuis visitare non es dedignatus. Ex quo profecto animi tui bonitatem agnosco, qui quos semel amare oecoepisti eos etiam Iongius absentes, quin et amicitiae legem iamdiu negligentes ex penitissimis tarnen cordis tui fibris excidere non pateris. Quod sane doles tumultuariis hiis Teutonum seditionibus 1 Vgl. Livius 2, 44, 8. 1 In der Schlacht bei Fontenoy-en Puisaye, s.-w. von Auxerre, wurde Lothar I. am 25. Juni 841 von seinen Brüdern Ludwig dem Deutschen und Karl dem Kahlen entscheidend geschlagen. 8 Hans Wilhelm v. Rotwil (Rotweil) war als Vertreter Straßburgs auf den Reichstagen von Lindau 1496, Worms 1497 und Augsburg 1500 (Neue Sammlung d. Reichsabschiede 2 S. 35 und 38; ChDSt 23 S. 78) mit Peutinger bekannt geworden. _ Nr. 18. 1504 nadi Mitte Juli. 33 nobis Germanis atteri vires: vehementer ego hactenus itidem indolens iam paene dedolui, posteaquam inexorabilis fati stamina ita exigere perspicio. Sunt etenim et sceptris et diadematibus non secus atque hominibus sua fata, quae et volentem ducunt, trahunt nolentem. 1 Invida" fatorum series summisque negatum stare diu nimioque graves sub pondere lapsus inquit Lucanus; In se magna ruunt. Laetis hunc numina rebus Crescendi posuere modum, nee gentibus Ullis commodat in populum terrae pelagique potentem invidiam Fortuna suarn.' Nec te rursus (ut arbitror) latet, me abhinc decennium circiter haec cum saepe tum vel maxime in Fragmentis nostris Narra- gonicis 3 de perverso rerum ordine liquido praecinuisse, quin figuram constellationis huius pestiferae coniunetionis errantium siderum superiorum praescripsi. 4 Qui sive significationis aliquid habeant astrorum influxus, ut multi, sive nihil eorum coniuneti vel oppositi affectus portendant, ut Pico nostro placuit, 5 certe utcumque in hoc heu vates nimium verus fui, quin inter alia cecinisse memini: Nulla sed o superest hodie concordia nostris Germanis nec pax, lex nec amicitiac. Sed euneti inter se grassantur more leonum raptorisque Student vivere more lupi. Heu quantum vereor bella horrida, bella nephanda intestina simul surgere et ire procul. Inde alio timor est regni traducere seeptra Fortunam et nostrum deficere imperium. Regna etenim divisa cadunt, aditus datur 1 ' hosti perfacilis, dispar vertit aratra iugum. Die Zitate aus Lucanus fehlen W 2. x ' datus W 1. 1 Vgl. Seneca, Epist. 107,11. 2 Lucanus, De bello civili 1, 70f., 81—84. 8 Vgl. Narrensdiiff 99, 95ff. 4 Vgl. Varia Sebastiani Brant carmina (Basel bei Johann Bergman von Olpe 1498) fol. a 1: Bildliche Darstellung der Planetenstellung am 2. Okt. 1503 (Saturn, Mars und Jupiter im Sternbild des Krebses) und ebd. fol. a 7 ein erläuterndes Gedidit dazu (.Figura coeli 1503"). 6 Joh. Picus Mirandulanus, Adversus astrologos libri 12; vgl. dazu J. Burckhardt, Die Cultur der Renaissance 2 7 S. 245ff. König, Peutingers Briefwechsel 3 34 Nr. 18. 1504 nach Mitte Juli. Multa quidem nobis astra et fera fata minantur; cogitat at a nullus tarn prope adesse diem. Tempus 1 ' erit sceptrum a nobis tolletur et ibit Iongius. Ah'' saltem Teutona terra, dole! 1 et id genus cetera, quae, quo tempore a nie exarata fuere, ipse ego credere non potui, quo nunc apparent eventura modo. Non est igitur, cur mutari cursum rerum miremur, neque enim ita Germanicae glebae adscriptum est Romanum imperium, ut alio migrare non liceat. „Si ceciderit lignum ad austrum aut ad aquilonem: in quocunque loco ceciderit, ibi erit", ut dixit Concionator Ecclesiastes. 2 Eodem nempe calle, quo ab Assyriis in Persas, a Medis in Graecos, a Graecis in Romanos rerum dominos et ab illis in Germanos venerit imperium, eodem quo- que et migrare abireque licere, cum Fortuna volet, nemo est qui ambigit. Et ad ruinam et ad imperium ascenditur. Omnem aetatem questam ait Seneca, habuitque omnis aetas, quod quereretur, habituraque cunctis saeculis, quod conqueratur. 3 Fuit, quando prope veraciter ab imperatore dici potuit: Ego mundi dominus, praesertim cum quorsum hodie redierint res videamus, ut intelligi detur, quam sit tutum stultis et ignavis, magna committere, quanta Providentia quantum in furorem, quantus labor quantaque diligentia quantum in torporem inciderit. Non est amplius gaudii materia Romanum imperium, sed humanae fragilitatis et fortunae variantis indicium. Non meliora succedent tempora; vereor potius, ne peiora, quia, ut magni divinarunt viri et apertis indiciis res declarant, peiores erunt homines. Siquidem in Vitium et ruinam prona sunt omnia. Quodsi haud absimiliter Germani etiam sceptri interitum conicere libeat, quis putas nisi is futurus sit illi finis, qui maximorum imperiorum et regnorum hactenus fuit quique » autern W 1. W 2. >> tempus—Iongius fehlt W 2. ° mW l.W 2. 1 Die Verse sind zusammengesetzt aus Stellen zweier Gedidite Brants in dessen Varia carmina von 1498: „Thurci irruptio" V. 17 — 22, 5f., 29f. ffol. bc 1) und „Figura coeli 1503" V. 15—19 (fol. a 7). Vgl. audi den Neudruck des ganzen Zyklus, zu dem sie gehören („De corrupto ordine vivendi pereuntibus"), in Zarnckes Ausgabe des Narrenschiffs S. 121 ff.; die im Briefe angeführten Stellen sind hier die Verse 435—40, 423f., 447f., 319—22. 8 Eccle. 11, 3. 3 Vgl. Seneca, De beneficiis 1, 10, 1: Hoc maiores nostri questi sunt, hoc nos querimur, hoc posteri nostri querentur: eversos mores, regnare nequitiam, in deterius res humanas et omne nefas labi. Nr. 18. 1504 nach Mitte Juli. 35 omnium erit: pulvis scilicet, cinis, sparsi lapides, nudumque nomen. Nihil diuturnum atque idem stabile in rebus mortalium usquam, nil humanuni praeter animam immortale, coepta desinent, facta deficient, structa ruent. Volvendum idcirco nobis est animo se- cessiones, simultates, discordias et bella civilia semper magna vertisse imperia esseque omnibus constitutum terminum, qui praeteriri non poterit, suumque finem cunctis, quae sub sole sunt, imminere. Etsi paululum differatur, affuturum tarnen. Ut quid ergo Germaniam nostram remur exemptum imperio Fortunae, cum sit mundus ipse mortalis? Coelum" ruet ac terrae, montes et maria movebuntur, et cuncta de nihilo in nihilum redigentur. Cedit idem retro, de terra quod fuit ante, in terram, sed quod natum est ex aetheris oris, it rursus caelum splendentia sidera tangens inquit Lucretius. 1 Et, ut ait Flaccus, debemus morti nos nostraque: Mutat terra vices et dccresccntia ripis flumina praetereunt. 2 „Regnum transfertur de gente in gentem", dixit Ecclesiasticus. 3 Ne miremur igitur, si bello circumstrepenti simus impliciti, quasi contumaces enim et pueri discholi b sine verberibus sapere noluimus in pace bellum, in bello pacem quaerentes. Tametsi et periculo quorundam didicerimus: solere nonnunquam pacem urbibus mutationem rerum afferre pestiferam. Quo fit plane, ut, etsi optima sit pax ipsa, pessimis tarnen plerumque circumvoluta comitibus, iniquis legibus, fluxis moribus, occultis odiis, aperta tyrannide. Quantos hactenus in amplissima Germaniae pace tyran- nos urbibus bonisque civibus inmanissimos nostra etiam tempe- state vidimus, ut mehercule multo lorica felicior quam; toga, campus securior quam thalamus, tuba quam tibiae, sol quam umbra tutior fuisset pacisque abusu comprobari poterit id, quod de se Caesar dixit: Viro forti nil tutius bello. " Coelurn—Ecclesiasticus fehlt W 2. b distholi Wl. W2. 1 Das Lukrez-Zitat ist stark verändert; die Verse lauten: Cedit item retro, de terra quod fuit ante, in terras, et quod missumst ex aetheris oris, id rursum caeli rellatum templa receptant (De rerum natura 2, 999 ff). 2 Horat., Carm. 4, 7, 3 f. 3 Eccli. 10, 8. 3* 36 Nr. 18. 1504 nadi Mitte Juli. Et a haud ab re civili olim bello praesagus ille dixisse videatur: Superos quid prodest poscere pacetn? Cum domino pax ista venit etc. 1 Quatuor nobiscum habitant pacis hostes: avaritia, invidia, ira, superbia; hos si principes nostri in exilium pellerent, pax gratissima foret. Sed cum ob eas causas nobilitas urbium ampli- tudinem et magnificatum sustinere non possunt, operae pretium est, urbibus in pace oculos providentiae adaperire, ut ei paci studeant, quae nihil habitura sit insidiarum. Videmus porro usu evenire quibusdam principatuum tyrannis, qui pace perniciosiores, bello vero minus utiles etiam comperti fuerint; quos contra bella eiere nihil aliud est, nisi ut deineeps in pace vivere liccat. Notum est illud satirici, qui, cum de causis priscae illius Romanae virtutis multa disseruisset, inter quas est et proximus Urbi Hannibal etc., ad exemplum intulit: Nunc patimur longae pacis mala, saevior 1 ' armis luxuria ineubuit victumque ulciscitur orbem. 2 Ita et apud Germanos nostros: longa pax virtuti odiosa fuit belloque vitiorum domestico et carente indueiis-------prineipum oppugnati, boni mores in exilium pulsi, voluptates exercitae, virtus oppressa, rapinis et fraudibus omnia passim exposita. Quo fit, ut huiuscemodi pacis comites, licentia seil, et libido, dis- crimina nee pauciora nee minora bellum urbibus intulerint. Et ut paucis omnia concludam: Raro pax sine vitiis nisi quae coe- litus missa venit. Sed de hoc plussatis quam volui: Vides, optime praeeeptor, quam loquacem ex muto tua provocatione feceris, dabis autem veniam garrulitati, si displicuerit. Sin tibi nostra placent scripta, rescribe velim. Ceterum est apud nos maioris ecclesiae nostrae plebanus integerrimus magister Johannis Goetzonis Augustensis," praestantis ingenii theologus omnifarieque doctus, mihi autem propter in- credibiles suas virtutes apprime charus utque fere alter ami- cissimus. Is ex sorore nepotem habet, bonae indolis iuvenem a Et haud — displicuerit nur in W 2, der damit schließt. h semur W 2. 1 Vgl. Lucanus, De bello civ. 1,669f. • Vgl. Juvenalis.Sat. 6,287—93. 8 Joh. Gop.tz. Mit ihm war Brant schon eng befreundet, als sie beide noch in Basel lebten; vgl. Ch. Schmidt 1, S. 197. ___ Nr. 18. 1504 nadi Mitte Juli. 37 iam pridem in liberalium artium palaestra baccalaureatum. 1 Utro- que parente Augustensi natus, patre quidem Laurentio Erlinger, 2 matre vero Otilia, filia quondam Johannis Goetzonis, 3 dicti ma- gistri Johannis sorore legitima, qui, si peculium suppeteret, in literario studio provehi anhelaret. Obstat vero bonae eius vo- luntati „res angusta domi". 4 Accepi porro esse quoddam-------• apud vos et salubre pro pauperibus in scholis promovendis institutum de annua quadam ex aere publico contributione. 5 Id si tuo praesidio patroeinioque huic pauperculo, alioquin tarnen industrio et ingenioso adolescenti communis amici gratia impertiri contingeret, tuamque ad hoc operam (potes namque omnia) navares, faceres mihi rem non minus gratam, quam si pro filiolo meo beneficium quodcunque amplissimum conferre procurares. Fac itaque, mi patrone, eiuscemodi mei intuitu exercens humani- tatis officium, quod mihi cum dederis, cumulatum morte relinquam, 6 et praeterea amicissimum nostrum confratrem Johannem Goetzonis perpetuo tibi obstrinxeris et benivolentiae et gratitudinis nexu. Utinam aliquando utrique nostrum concedatur non (ut modo) petendae, sed et referendae tibi gratiae occasio. Senties profecto uulli nos ingravationi obnoxios. il :l obnexios W 1. 1 Der später als Budidrucker bekannt gewordene Georg Erlinger, der am 23. April 1502 an der Universität Ingolstadt immatrikuliert worden war; vgl. aber ihn K. Sdiottenloher, Die Buchdmdtertätigkeit Georg Erlingers in Bamberg von 1522 bis 1541 (Samml. bibliothekswiss. Arbeiten H. 21. 1907) S. 7 und den Nachtrag dazu im Zentralbl. f. Bibliothekswesen 28 (1911) S. 64. Durdi unseren Brief wird die schon von Sdiottenloher vermutete Herkunft Erlingers aus Augsburg endgültig sidiergestellt. 2 Lorenz Erlinger ist bis zum Jahre 1500 in den Augsburger Steuerbüchern (StA) verzeidinet; seit 1501 ersdieint dort an seiner Stelle seine Witwe Ottilie. 3 Zwei Weber dieses Namens (Joh. Goetz) waren 1489 und in den folgenden Jahren Mitglieder des Augsburger Rates; vgl. das oben S. 1 Anm. 2 genannte Prozeßprotokoll fol. 880v und die Ratsprotokolle im Augsburger Stadtarchiv zu den Jahren 1489ff. *■ Juvenalis, Sat. 3, 164 f.; 6. 357. 5 In Augsburg bestand ein am 28. Sept. 1464 von Ulr. Langenmantel, Chorherrn bei St. Moritz, gestiftetes Stipendium zur Unterstützung von fünf armen, Theologie studierenden Bürgersöhnen; A. Werner, Die öff. Stiftungen /• Zwecke d. Unterrichts u. d. Wohltätigkeit in Augsburg (1899) S. 4 und 14. 6 Vgl. Verg., Aen. 4,436: quam mihi cum dederis, cumulatum morte remittam. 38 Nr. 19. 1504 Oktober 7. Iamque vale semperque vale, vir maxime, meque comenda- tissimum semper habere velis. 19. Von Blasius Hölzl. 1504 Oktober 7. Vor Kufstein. Bericht über die Beschießung Kufsteins durch Maximilian. Augsburg, StA: Peutinger. Ursdir. — Adr.: Herrn Cunrath Peutinger, doctor etc., meinem sundern lieben herrn und guten freunt. Augspurg. Gedruckt: F. Dörnhöffer im JKSK 18 (1897) S. 47 Anm. 8. Lieber herr doctor Peutinger, eure schreiben, mir nachain- ander getan, 1 hab ich vernomen und hab warlich, seit ich zu ku. Mt. kumen pin, dies nit.sovil mugen besteten, daz S. Mt. eur schritt, so ir gen Venedig zu schicken willens weret, abgehört hette. Ich hoff aber, ich will es heut oder morgen gewisslich verfuegen. Die ku. Mt. hat gester frue angefangen schießen, nemlich am ersten mit großen slangen und nachmittag mit quartanen, und etlich gar guet schuß tan in die polberken, darin si sich enthalten haben, also das wir uns versehen, si haben an etlichen personen schaden genomen. Item gegen den abent hat ku. Mt. aufgehört schießen und zunacht gessen und nach dem nachtmal etlich haubtstuck hinzu geschanzt und umb die mittnacht widerumb angefangen schießen, doch nur mit den quartanen. Aber die im schloß haben sich so still gehalten und so wenig wider heraus geschossen, daz man gedenkt, es mocht sein, daz gester im tag etwer namhafter im sloß erschossen were. Heut wurdet man mit den haubtstucken anfahen schießen, und hoffen, als sich die maurn gester erzaigt haben, si werden sich heut zum tail gegen uns diemütigen und naigen. Die ku. Mt. Jigt rund umb das sloß mit 3 beeren, darin bis in 8000 mann sein. Das sloß und statt scheußt ku. Mt. über den In, des sich die veind nit versehen haben und deshalb an demselben end am wenigisten gepaut. Gott geb uns gluk, daz wirs schier zuhaufen vellen, des wir wenig fursorg tragen . . . .* ' Nidit erhalten. 2 Es folgt noch eine Bitte liölzls, ihm zwei in seiner Kammer zu Augsburg zurückgelassene abgesetzt panzerfleck zu schidien: s. diesen Absatz des Schreibens bei Buff Nr. 8540. Nr. 20. 1504 Oktober 19. 39 Schluß : Damit alzeit der eur. Gruest mir eur hausfrau und mein Lulilana. 1 Dat. vor Kopffstain im heer am 7. tag octobris anno etc. 4. Blasi Höltzl. Eur scharsach oder schermesser und darzu ain Pehemschen scharschan hab ich euch durch Zoth zu antworten bestellt. Nembt vor guten sufficiat, daz si an der Behemischen slacht 2 erobert sein. 20. An Matthäus Lang. 1504 Oktober 19. Augsburg. Widmungsbrief zu den „Sermones convivales". Gedruckt in den verschiedenen Ausgaben der „Sermones convivales Conradi Peutingeri de mirandis Germaniae antiquitatibus": 1. Joannes Priis in aedibus Thiergarten Argentinae imprimebat .... 5. idus febr. anno 1506. 2. Argentorati apud Christianum Egenolphutn 1530. 3. In: S. Sdiardius, Hi- sloricum opus Tom. 1, Bas. 1574, S. 401 ff. 4. In: Sdiardius redivivus sive RerumGermanicarumscriptoresvariietc. Tom.l, Gieß. 1673, S.200ff. 5. Jenae apud Tob. Oerling 1684. 6. Augustae Vindelicorum 1781 (besorgt von G. W. Zapf, mitzahlreidien willkürlidien stilistisdien Änderungen). 7. Augustae Vindelicorum 1789 (Titelauflage der vorigen Ausgabe). Revdo in Christo patri D. Mathaeo Lang, ecclesiarum Gurcensisadministratori,Augustanaepraeposito,sacrae caesareae Maiestatis consiliario, domino suo inprimis observando, ConradusPeutingerus utr. iur. doctor S. P. D. Urbs Augusta Vindelicorum, unde nobis origo est, gaudet plurimum et hac praecipua voluptate afficitur sibi te eum ex Patricia gente civem natum atque datum esse, qui naturae bonis Omnibus refertissimus continuusque apud imperatorem caesarem Maximilianum augustum, patrem patriae, degeres et universitati tui nativi soli et ecclesiasticae et saeculari praeesses. Obtines quidem post rev m " m episcopum dignitatis gradum primum, primus item patriae patronus, utriusque honor atque decus, quibus potissi- mum accedit singularis illa tua bonarum litterarum eruditio atque humanitas. Hiis enim circa te fortuna mutavit nihil. Nee (ut ' Peutingers Töditcrdien Juliane, die kleine Lateinerin (vgl. oben S. 24 Anm. 1), konnte demnadi ihren eigenen Namen noch nidit aussprechen (vgl. auch Nr. 22, 28 und 30). 2 Maximilians Sieg aber ein böhmisdies Söldnerheer bei Sdiönberg (n.-ö. von Regensburg) am 12. Sept. 1504. 40 Nr. 20. 1504 Oktober 19. plerique solent) quicquam süperbe tumideve, nihil denique cupide vel libidinose agis, sed omnes ad te ingredientes benevolentissime excipis, comitaris, prope eos subsistis, omnibus et occurris. Haere- mus lateri tuo quique accedimus, quod, etsi emines, ambulas tarnen inter nos, quasi pares tibi essemus. De insigniis militaribus ordineque equestri tibi partis omnes gratulantur. Dum pridie idus septembris noster invictus caesar Bohemorum quattuor milia in campis Noricis non longe a Ratispona Danubiana, sua et Imperii Romani libera civitate, primus ante suos hasta congressus fudit, profligavit, occidit et plerisque captivis vitam elargitus sarcinisque, armis et universis eorum impedimentis in praedam concessis cum exercitu ovans atque triumphans Ratisponam est reversus, ubi tu etiam una tuis stipatus, iustum sacri Imperii bellum fovens, armatus insidens equo, quid Marte fremente valida manus possit, conflictu expertus es. 1 Admirandum et illud profecto, quod invictus caesar tarn incunctanter celeritateque nimia apud Rhenum sita oppida, arces, genteset provincias subiugaverit.* Danubium deinde petens, Bohemica victoria potitus ad fines Alpium tandem Rhaeticarum oppidum Kuefsteinium munitissimum super Aenum flumen, ab accolis Inum appellatum, in Baioarico ducatu non longe ab illustris comitatus Tirolensis finibus situm, per dies continuos decem, quibus id et arcem eius obsidione cinxerat, tormentis minacissimis (quas a sono bombardas nuncupant) adeo con- quassavit, ut muris solo aequatis facilem sibi ingressum apperuerit, oppidoque 5. idus octobris in deditionem coacto a. d. 17. kal. novembris 3 ipsam denique arcem quasi inoppugnabilem muris laceratis atque fractis cepit. Deo itaque maximo optimo adiutore M ,em eius in dies maiora aggressuram speramus. Sed ut tandem ad te redeam, qui virtutibus tuis perpollentibus eam tibi famam conquisivisti, ut omnes in amore tuo quottidie 1 Matth. Lang hat am 27. Sept. 1504 von Augsburg aus an den Kanzler Cyprian von Serntein einen Beridit über die Sddadit bei Schönberg gesandt; ein Auszug daraus ist veröffentlidit von O. Redlidi in den Mitt. d. Inst. f. Osten. Gesdiiclüsforsdi. 9 (1888) S. 109 Mm. b. 5 Über Maximilians erfolgreidien Feldzug in der Ortenau im Aug. 1504 vgl. Ulmann 2, S. 214f. 3 Diese beiden Daten sind nidit ganz richtig: die Übergabe der Stadt Kufstein erfolgte am 12. (nicht 11.) Okt., die Einnahme der Feste Geroldseck am 17. (nidit 16.) Okt. Nr. 21. 1504 Oktober 19. 41 devincaset, nesplendori(quitibiaccumulatissimeaccedit)quicquam deesset, ad 7. idus octobrisloannem Caprum, divinarum humanarum- que rerum interpretem doctissimum, nobiles ac venerandos ecclesiae tuaecanonicos Bemhardum Walchirchium J etlheronymum Lochner simul quoque Sebastianum Ilsung, aeque patricia domo Au- gustensi natum, iureconsultos disertissimos, Ioannem Iungseniorem et Ioannem Othonem, artis medicae ac sideralis scientiae exper- tissimos professores, et etiam me prandio tuo praesentes esse voluisti. Ad convivium invitati convenimus recte scilicet instruc- tum atque lautissimum et accumbentibus nobis severitate omni postposita de variis et admirabilibus ipsius naturae et aliis rebus inter nos iucundissimus plenusque voluptatis et, ut Seneca* ad Lucillium scribit, „nullam rem usque ad exitum adducens, sed aliunde alio transiliens" sermo habebatur: Es folgen die „Sermones convlvales". Schluß: Haec sunt, quae Dig ni Tuae referre volui: Gallos nunquam fuisse dominatos Germanis, quod ne in posterum fiat, Germani maiorum suorum exemplis, animorum magnitudine, simultatibus intraneis longe sepositis, innata fortitudine militari et, ut iure naturae patriae adstricti sunt, conatu omni studere, eniti et efficere atque curare debent. Valeat Tua D li0 , cui me plurima humilitate commendo. Dat. Augustae in taberna nostra libraria 14. kal. novembris anno salutis 1504. 21. Von Blasius Hölzl. 1504 Oktober 19. Vor Kufstein. Schickt eine Darstellung der Eroberung Kufsteins für den von Peutlnger in Maximilians Auftrag an Venedig zu sendenden Bericht über des Königs Taten im Landshüter Erbfolgekriege. Peutingers Geldforderung ist bewilligt. Bitte Hölzls, ihm in Augsburg eine passende Gattin zu verscliaffen. Augsburg, StA: Peutingcr. Ursdll: — Adr.: Herrn Cunradten Peutinger, doctor etc., meinem besunder lieben herrn, in sein selbst band. Augspurg. Gedruckt (teilweise): Buff Nr. 8541. 1 Bernhard von Waldkirdi, gleich den übrigen im Text genannten Männern Mitglied der Sodalitas literaria Augustana. 2 Seneca, Hpist. ad Lucilium Nr. 64 (7, 3). 42 Nr. 21. 1504 Oktober 19. Besunder lieber herr doctor, euch sein alzeit mein willig dienst zuvor berait. Besunder lieber herr, anfenglich pitt ich euch umb gnad, darum daz ich euch so selten schreib. Ich hab auf die erobrung Kueffstains gewart, und so dieselb geschehen ist, 1 so schreib ich euch hiemit und fueg euch zu wissen, daz ku. Mt, mich mit eur copei, gen Venedig gehörend, für und für aufgezogen hat; nemblich auch umb des willen, damit ir dieselben veldmer, die erobrung Kueffstain betreffend, auch mochtet mit schreiben, und damit ir solchs tun muget mit grünt, so schick ich euch dieselben veldmer hiemit nach der leng. 2 Die wisst ir in eurm schreiben wol ordenlicher und formlicher anzuzaigen und zu stellen. Und ist der ku. Mt. befelh, daz ir die handlung von der slacht 3 und desgleichen von Kueffstain schreibet und anzaiget, wie ir wol zu tun wißt, doch nit anders, dann wie die baid an inen selbst ergangen seien; dann beid sachen sein an inen selbst hochloblich und erlich genueg, also daz nit not ist, über den text kain glos zu machen. Daneben ist ku. Mt. befelch, daz ir auch anzaiget, daz S. Mt. noch für und für far, der hoffnung, vil erlichs und guets auszurichten. Daz ir dan alles mit pesten fuegen wol wißt anzuzaigen. . . .* Ferrer tue ich euch zu wissen, daz eur sach bei ku. Mt. bis in 300 gülden ausgericht ist, massen Villinger 6 und ich euch bei nechster potschaft clerlichen anzaigen wellen. Damit tue ich mich euch befelhen also, daz ir mich schier mit ainem frummen weib versehet, die mir und ich ir gemes sei, als der meins bedunkens zu Augspurg wol weren. So wil ich warlich die puebenschuech als ferr von mir werfen, als ir tan habt. Das schreib ich euch in sunderm hohem und gehaimen vertrauen und tue mich euch in allen Sachen befelhen. Dat. vor Kueffstain im veld den 19.tag octobris annoDomini etc.4. Ku. Mt. wurdet sich morgen hie erheben und auf Rosen- haim ziehen. E. W. Blasi Höltzl. 1 Am 17. Okt. 2 Nicht erhalten. 3 Die in Nr. 19 und 20 bereits erwähnte „Böhmenscliladit" vom 12. Sept. 1 Die ausgelassene Stelle enthält die Bitte Hölzls um Übermittlung einer Geldsumme an ihn durch den Fuggersclien Faktor Hans Suiter in Innsbruck und um Verwahrung seiner in Augsburg zurückgelassenen Wertsadien. 5 Der damalige Hofkammerbuchhalter, späterkaiserl. Generalsdiatzmeister Jakob Villinger. Vgl. über ihn Ulmann 1 S. 819ff.; Kalkoff S. 129ff. Nr. 22. 1504 November 2. 43 22. Von Blasius Hölzl. 1504 November 2. Kloster Baumburg. ' Fürchtet, daß seine letzten Briefe an Peutinger verloren gegangen seien, und bittet um Auskunft darüber. Berichtet über die Kriegsereignisse seit der Eroberung Kufsteins. Augsburg, StA: Peutinger. Urschr. — Vermerk von Peutingers Hand: Rescripsi freitag ante Martini (8. November). Besunder lieber herr Peutinger, ich hab euch jungst auf eure schreiben, mir etlich mal nachainander getan, 2 clare antwort und dabei in gehaim etwas anders auch geschriben, doch bisher darauf von euch kain antwort wider empfangen, des mich in an- sehung eur embsikait etwas befrembdet; und sorg, euch seien meine Schriften nit zuekummen. Pitt euch, mir auf das furder- lichist antwort zu schreiben, ob euch solich mein schritten zuekummen seien oder nit. Damit gruest mir eur hausfrau und mein junkfrau Lulilana 21 und laßt mich euch alzeit befolhen sein. Dat. Baunburg den 2. tag novembris anno D. etc. 4. Blasi Höltzl. Für neu veldmer fueg ich euch in summa zu wissen, daz wir seit Kopffstain erobert haben anfenglich ain sloß, ein meil von Rosenhaim, genant Altpeurn,-' 1 item darnach die klausen am Grassertal, 4 item darnach das dorf Gras, 5 item darnach das sloß Marquartstain, item darnach ein sloß und stat genannt Traunstain, daraus herr Jörg von Rosenperg, 6 herr Adam Terringer 7 und etlich mer bis in 80 pferd und 150 zu fues ain halb stund, vor und ee wir für die stat kumen, fluchtiglich binden durch die stat ausgerennt und danach geflohen sein. Item darnach haben wir erobert ain sloß, genant Berchtenstain;** item darnach ain sloß und ain stat oder markt, genant Trostburg, 9 und gester auf den 1 Bei Altenmarkt, s. von Trostberg am Zusammenfluß von Alz und Traun. 2 Nidit erhalten. 2n Vgl. S. 39 Anm. 1. :) Sc/t/oß bei dem Dorfe Neubeuern (BA Rosenheim) 4 Das Tal der Kössener Adie. l Grassau, n.-w. von Marquartstein. '• Feldhauptmann Rupredits. 1 Adam v. Törring zum Stein, des verstorbenen Herzogs Georg von Baiern-Landshut Rat und Feldhauptmann Rupredits, später Statthalter der Pfalzgrafen Ottheinridi und Philipp in Neuburg. 8 Pertenstei/i, halbwegs zwisdien Traunstein und Trostberg. 0 Trostberg. 44 Nr. 23. 1504 November 5. abent haben wir uns gelegert in und umb ain kloster, das haist Baunburg. Da sein wir heut still gelegen. Was ferrers fur- genomen, wurdet euch von mir auch unverhalten. Ich hett euch noch vil zu schreiben, das ir gern hören wurdet, wie wir uns gegen den feind und si sich gegen uns halten, Kan aber itz nitsein. Dat. in eil zu Baunburg am 2. tag novembris anno Domini etc. 4. Blasi Höltzl. 23. Von Blasius Hölzl. 1504 November 5. Rosenheim. Beklagt sich, daß Peutinger auf seine Frage nach einer für ihn passenden Gattin in Augsburg nicht geantwortet hat. Augsburg, StA: Peutinger. Ursdlr. — Adresse wie bei Nr. 21. Besunder lieber herr doctor, ich hab eur schreiben vcr- nomen. 1 . . . . 2 Ich hab bisher die gewonhait gehabt, daz ich euch nit allaiu auf all artikl eurer briefe, mir übersendet, geantwort, sunder hab euch über Verantwortung derselben artikl gewonlichen etwas weiters von neuen zeitungen oder anderm geschähen. So merk ich wol, daz ir mir nit allain nichts sunders schreibt, sunder mir auch mein artikl, darüber ich euch geschoben hab, nit all ver- antwort, als ir, wann ir meinen übersandten briet 3 anseht, wol funden werdet; und darüber wurd ich mich hinfuran auch also hoflich halten, was ich nit gern tue, das ichs auch nit verantwort. Dan man spricht: kain antwort ist auch ain antwort. Ir sorgt villeicht, ich wolte gern eur swager werden, und dieweil euch dasselb villeicht nit zumuet ist, last ir mir den artikeln unverantwort. a Dat. zu Rosenhaim am 5. novembris anno Domini 1504. Blasi Höltzl. 24. Von Blasius Hölzl. 1504 November 14. Innsbruck. Meldet, daß Maximilian mit Peutingers Kriegsbericht an Venedig zufrieden ist. Ist fest entschlossen, in den Ehestandsorden einzutreten. a Der letzte Satz ist auf einem angeklebten Zettel nadigetragen. 1 Nicht erhalten. 2 Die ausgelassene Stelle betrifft die in Nr. 19 erwähnte Geldangelegenheil. 3 Nr. 21. Nr. 24. 1504 November 14. 45 Augsburg, StA: Petitinger. Ursdir. — Adr.: Herrn Cunraden Peutingern, doctornetc.,meinembesundern vertrautenlierrn und freind. In sein hant.Augspurg Besunder lieber herr doctor, ich hab eur schreiben 1 ver- nomen etc. Daz ir die veld- und heermer nach dem text und on alle glos gen Venedig geschoben habt, 2 des tregt ku. Mt. gnedigs gefallen. Des heiligen ordens halben 3 hab ich doch zuletzt ain antwort von euch heraus pracht, die sich tief gründet. Hab aber dersachen kain grausen. Dan ich pin jetz lang zeit darauf bedacht und mich wol entslossen hab darfur, wo es darzu kern, daz ich den orden annemen sollte. Ich wolte mich dermaßen halten, darob sich manicher gesegnen solte. Mein frolikait, bisher gepraucht, ist nit aus pöser leichtferkait entsprungen. Sed solus Deus est scrutator cordium et non homines. Dabei laß ichs pleiben und pitt euch, ob ir indert ain kloster desselben ordens wisset, mir gemes. Item wellet helfen zum gotsdienst. Die puebenschuech sein so weit, alspald ich nur ain fues schütten, würden si an zweifl selbst abfallen. Eures hausfolkes grües sag ich euch und inen fruntlichen dank. Dat. Inspruck 14. novembris anno etc. 4. Blasi Höltzl. 25. Von Anton Welser d. Ae. 1504 Dezember 11. Augsburg. Der am königlichen Hofe weilende Peutinger soll von Maximilian für die Welser-Gesellschaft einen Empfehlungsbrief zu erlangen sudien, daß sie trotz dem von Herzog Philipp von Burgund erlassenen Silberausfuhrverbote das nacfi den Niederlanden von ihr eingeführte Silber auch wieder ausführen darf. Augsburg, StB: Cod. 2» Aug. 382a (ljVIII). Ursdir. — Adr.: Dem wirdigen und hochgelerten herrn Conrat Peutinger, der recht doctor etc., an Ro. k. Mt. hoffe, meinem günstigen herrn. Gedruckt: B. Greif jim 26. Jahresber. d. Histor. Kreisvereins im Regierungsbezirk von Schwaben und Neuburg f. d. J. 1860 (Augsburg 1861) S. 163~b6. t Jhus Maria 1504 in Augsburg an dem aulften tag decembris f Mein fraintlich ganz unverdrossen und willig dienst und gruoß seien Euer Wird zuvor berait. Hochgeierter und wirdiger ' Nicht erhalten. 8 Vgl. Nr. 21. ' Vgl. Nr. 21 und 23. 46 Nr. 25. 1504 Dezember 11. lieber herr doctor, ich pin in Gott guoter hofnung, E. W. seie mitsampt den geferten wol und mit lieb an der Ro. ku. Mt. hoff chomen 1 und befinden euch aldar in guter wolmigender gesont- hait. Seien hier auch ale in zimlichen guoten wesen. Gott sei gelopt! Der welle uns durch sein gnädig fredenreiche zuokonft und mentschwerdong in allen guoten bestetten. Wierdiger und lieber herr doctor, mir ist auf 9. dec. ain brief von Anttorf 2 zuochomen von den unsern aldar, die erbar compagnia 3 antreffend; meldend uns under anderm, als ir im auszug darvon 1 hierin abnemen migt, nemlich etlicher sorgfeltig- kait halben, so uns enspringen ist vom hinsenden unsrer silber von dann gen Ulixbona. 8 Dan, als ir in gemelter copia hierin verstaun migen, es vom prinzen verpotten ist, ainig silber aus Seiner Gnauden land ze fieren. Nun were unser fleissig und ernstlich gepett an E. W., ir uns (wa es mit ainchem fuog gesein mecht) von Ro. ku. Mt. ain furdernusbrief erlangten und impet- trierten an herzogen Philips 6 aufs formlichest, als dan E. W. fil paser waist, weder wiers angeben kinden, das unsere silber, 1 Nadi Innsbruck. Die Augsburger Stadtredinungen erwähnen unter dem 7. Dez. 1504 einen Ritt Peutingers dorthin, wo er dem Rate die königliche Vollmadit zur Hinriddung zweier Mörder erwirkte, die nach Augsburger Stadtredit nodi nidit das straffähige Alter erreicht hatten; vgl. darüber ChDSt 23 S. 108ff. 5 Antwerpen. 8 Die Weiser-Gesellsdiaft. 4 Wortlaut der Beilage: (Auszugains briefs aus dem Nidcrland von Anttorff, dat. 18. noff., in Augspurg enpfangen auf 9. dec. 1504: Ersam lieb herren, ir band vor wissen, daz stetz verpotten ist, silber aus disen landen zc fieren. Und seider silber aus dem schiff hulka, als ir wist, geraupt, ist das land vol, die Teutsclien fieren nichtz dann silber; und haut man schonn etliche gietcr zuo Zirichsea (Zieriksee in Seeland), kisten und mer guot, das verdechtig gewest ist, geöffnet; haut der Balgin silber gesuocht, und wan si also etwz fendent, were es aun gnaud verloren. Zuo Zirichsea gaut es biebisch zuo. Sollichs ist von Armua minder ze sorgen, dann da. — Nun aus solcher und mer ursach wer guot, man hette auf solchs fürsorg, von herzog erlauptnus zu erlangen, daz wir silber durch und aus seim uff land und wasser fieren mechten; dann wier es doch in der mainong in dis land fieren, das wir es wider daraus fieren wollen, und wier kauften es hie in sein landen nit. Wz ir uns, lieb herren, rauten deshalb, laund uns wissen. Man mecht von Ro. k. Mt. befelhbrief zuwegen pringen an herzog Philips, das kain frumer Kaufman von Teutscher Nazion aus dem Obernland, under dem adlcr gesessen, nit ersuoclit wurd oder dergeleichen etc., für uns und unser geselschaft alain procurieren laussen. 5 Lissabon. 6 Erzherzog Philipp der Sdiöne von Burgund. Nr. 25. 1504 Dezember 11. 47 die wier von hinnen etc. aussenden per Ulixbona, freien und sicheren pas hetten durch S. G. gepiet uff land und wasser, des der pil- lichait (als uns gedeucht) wol gemes wer; dan wier die silber, die wir fir Ulixbona vermainen, nit in S. G. land aufkaufen, sonder von hinnen etc. darsenden. Welt euch, lieber herr doctor, die sach anligen lausen und uns in dem und anderm fir enpfolchen halten,* des wir mit sondrem fraintlichen und wolgenaigten willen umb E. W. begeren zuosampt fil pillichen ze beschaden. Weiter, lieber herr, zaiger ditz ist Hans Sayter von Kempten, unser diener, den wir euch von der sach wegen zuofiegen, ob E. W. so lang am kinglichen hoff nit verharren wird pis zuo aus- druck oder end des handls, das dan E. W. gemelten unsern diener hinder euch verlaussen mit befelch und auch 1er, wie er die sach in der kanzlei etc. solitzitiern und solh brief erobren mige. Hoffen, er solle nichz versäumen, so ferr ir ims weisen. Hoffen darneben der ku. Mt. brief an Fra. kunig, 1 auch der brief in Indiam. 2 Ich hoft, her Plese Heltzl 8 solt wol migen furdern. Gunstiger und lieber herr doctor, Cristof 4 hat euch hievor aus meim bevelh in meinem namen geschriben, 6 was uns aber anligt im Niderland und wie unser nottorft erfordert, uns unser gene- digister herr erzherzog Filips 6 den pass unseri silber durch S. f. G. land und gepiet auf land und wasser gnediglich verliehe und zuogeb. Dan nit alain von dessen wegen, das wir si in S. G. a halben Hs. 1 Ludwig XII. von Frankreidi. 2 Gemeint sind die von Maximilian erbetenen Empfehlungssdaeiben an die Könige von Frankreidi und Portugal für die Teilnehmer an der berühmten Indienfahrt, die einige Augsburger Handelshäuser unter Führung der Welser damals vorbereiteten und am 25. März 1505 von Lissabon aus ins Werk setzten. Vgl. darüber Hübler S. 15ff.; s. auch Nr. 26f. 3 Blasius Hölzl. 4 Christoph Welser, der älteste Sohn Anton Welsers, später in den geist- lidien Stand getreten (siehe unten seine Briefe an Peutinger aus den Jahren 1511 und 1513), war anfänglidi im väterlidien Geschäft tätig, wie für das Jahr 1495 audi aus Lukas Rems Tagebuch, herausgegeben von B. Greiff im 26. Jahresbericht d. Hist. Kreisvereins im Regierungsbezirk Sdiwaben und Neuburg (1861) s'7, hervorgeht. Vgl. über ihn Veith, Bibl. Augustana 2 S. 155ff.; A. Schulte, Die Fugger in Rom 1 S.28ff.; Welser 1 S.94ff. 6 Bis hierher ist der Brief von Christoph Welser gesdirieben, das Folgende von Antons Hand. 6 Philipp der Sdiöne. 48 Nr. 26. 1504 Dezember 28. land nit erzuigen, sonder aus disen landen hinabsenden für Ulis- bona 1 vermainend, sonder auch darumb, das solhe silber, so also gen Ulisbona kumend, aldau gegen spetzeri und andern kaff- manschaft übergeben, die wir darnach in S. f. G. porten, land, stoetten etc. fiern und gewerb damit treiben, dardurch die zoll, land und narungen auch S. f. G. undertanen genutzt und gemert werdend und der handl daselbst behalten. Wir fiern auch nit alain silber in und durch S. G. land, sonder auch fil gwands, das in S. f. G. landen gemacht und berait wirt in mer stoetten, das als S. f. G. und dero undertanen zu nutze und fuog walten ist. E. W. wirt das und anders der sach zu guot wol bequemlich und fruchtperlich einzufuern wissen. Not ist, die furschrift ku. Mt. fast statlich gestelt und, obs euch guot gedeicht, darin auch angeregt, wa den silbern der pass gespert werden und beleiben, so wurd es unwird und abfal im silber gebern, das dan S. ku. Mt. an iren silbern nit zu chlainem nachtail raichen. Auch so mechten durch Sperrung des pass die silber an ander port des mers, dem Fra. kunig oder diem von Hispania gehörig, oder gen Jeno 2 gefiert, die hendel und gewerb dardurch den Niderlanden entzogen werden etc. Nun ir wisst den dingen wol färb und ge- stalt ze geben und fruchtpers erlangen. Des und alles guoten der Almechtig euch und uns genaud verleichen, euch mit freden wider anhaim helfen well. Amen. Anthoni Welser. Item, lieber herr doctor, was für uns brief von ku. Mt. erlangt werden, da wollend verhelfen, das uns coppeien derselben zuochumen. 26. Von Blaslas Hölzl. 1504 Dezember 28. Wels. Mitteilung über den Stand von Peutingers Angelegenheiten am königlichen Hofe. Augsburg, StA: Peutinger. Ursdir. — Adr.: Herrn doctor Conraden Peittinger zu Augspurg, meinem sondern lieben herrn. Lieber her doctor, es wirt euch meins wirt, des appotteggers, knecht Märten etlich eingemacht federn, so der ku. Mt. zugehören, uberantwurtn; bit ich euch, ir wollet mir dieselben auf daz firderlichest an hof senden. Verrer so verkund ich euch, daz 1 Lissabon. * Genua. Nr. 27. 1505 Januar 13. 49 ich euch daz gescheft umb die dreihundert gülden verfertigt hab. 1 So bin ich auch in der arbeit; itzo eurem schweher die furdernis an Frankreich und Portigal 2 zu fertigen, und so ich dasselb auch fertig, will ichs bei eurs schwehers diener 3 auch als zuschiken und weiter darbei schreiben. Dat. Wels 28. dec. anno etc. 5. Blasy Höltzl. 27. An Blasius Hölzl. 1505 Januar 13. Augsburg. Antwort auf Nr. 26. Dankt für die Erledigung seiner Geldforderung an den König. Philipp Adlers Braut. Bittet um beschleunigte Ausfertigung der königlichen Empfehlungsbriefe für die Augsburger Indienfahrer. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. Gedruckt (teilweise): 1. B. Greif/ an der in der Vorbem. zu Nr. 25 angegebenen Stelle S. 171 (mit falsdiem Tagesdatum). — 2. H. Harrisse, Bibl. Americana vetustissima 2 (Paris 1872) S. 116f. Gunstiger und lieber herr Blasien, mir ist in kurz verschinen tagen von euch ain brief worden, des datum zeigt: Wels, am 28. tag decembris,* darauf ich euch die federn hiemit zusend. Großen dank sag ich euch der vertigung des geschefts halben, und so ferr ir das meinem herrn camermeister 5 nit zugeschickt hetten, bitt euch, wollend das firderlich tun, und so er das, auf die stat zu Augspurg gemacht, nit hat wollen annemen, sonder sonst, laß ich mich bewegen auf sein fruntlich zusagen, mir zu Insprug getan; dorumb halben von mein wegen fleis will ich verdienen. Villinger ist hie und ißt disen tag bei des Adlers 6 praut, die für ander jung und fast hipsch ist; acht, ir kennt sie: was die junkfrau mit der gaiß neben meinem garten, furwar zuchtig und ganz erber. 1 Vgl. Nr. 21. 2 Vgl. den vorhergehenden Brief. 8 Der im vorhergehenden Briefe genannte Hans Seyter von Kempten. * Nr. 26. 6 Wohl der in Nr. 30 genannte Kammermeister Balthasar Wolf von Wolfsthal, ein Sohn des Nürnberger Handelsherrn Heinrich Wolff; vgl. Ehrenberg 1 S. 190 f. • Der Augsburger Handelsherr Philipp Adler heiratete Anfang 1505 Anna öhem; vgl. Warnecke, Augsburger Hodizeitsbudi S. 19. König, Peutingers Briefwechsel 4 50 Nr. 28. 1505 Januar 21. Meins schwehers brief wollen auch vertigen, dan die scheff zu Portengall schier gen India faren werden. Und uns Augs- pirgern ains groß lob ist, als für die ersten Teutschen, die India suchen. Und ku. Mt. zu eren hab ich in die brief gesetzt, wie er als der erst Romisch kunig die schickt: dan solchs von kainem Romischen kunig vor nie geschehen ist. Mocht auch woll leiden, das in briefen stund, das anwalt des kunigs von Portegall in India die Teutschen, ku. Mt. zugehörig, den indianischen kunegen von wegen seiner ku. Mt. anzeiget etc. Wird meines schwehers zu willen, das er die brief an Portegall und Frankreich bald hab; dan es tut not. 1 Ich schreib hiemit ku. Mt. selbs. 2 Bitt ich euch, als ir söhen wirdet zu üben, damit mir furderlich antwurt werde etc. Dat. Augspurg am 13. tag ianuarii anno etc. 5. Peutinger. 28. Von Blasius Hölzl. 1505 Januar 21. Rottenmann. Peutingers Geldforderang an Maximilian. Brief an Bernhard Rehlinger. Reiseplan Maximilians. Augsburg, StA: Peutinger. Urschr. — Adr.: Herrn Cunradn Peutinger, doctor, zu Augspurg, meinem besonder liebn herrn. Besunder lieber herr doctor, ich schick euch hiemit eur ge- scheft umb die 300 gülden, so euch ku. Mt., als ir wißt, aus gnaden schafft. 3 Damit wißt ir weiter wol zu handeln. Ich schick euch auch ain briefl an den Relinger, so doctor Jörgen von Stras- purg wittib hat an eur gassen; main, er heis Bernhart; 4 den wellet im in sein hand lassen antworten. Sunst stet es alzeit in dem alten satz. Wo ich euch oder den euren gedienen kan, pin ich willig. Die ku. Mt. zeucht heut hie aus auf Rasstat 8 und, als die sag, auch S. Mt. mainung ist, furter auf Insprugkh. Damit grüst 1 Vgl. Nr. 25. 2 Nicht erhalten. * Vgl. Nr. 21 und 26. 4 Bernhard Rehlinger war seit Ende 1503 mit Ricardis Mißbech vermählt; vgl. Warnecke S. 18. Sein von Peutinger entworfener „Heiratbrief" (ohne Datum) im Cod. 2° Aug. 390, fol. 231—34, der Augsburger StB. B Radstadt (Salzburg). Nr. 29. 1505 März 4. 51 mir eur gesiecht von Israhel und sunderlich unsere poetin Lulilana. 1 Dat. zum Rottman 2 am 21. tag ianuarii anno etc. 5. Blasi Höltzl. 29. An Matthäus Marschall von Pappenheim.* 1505 März 4. {Augsburg. ,> Über Ursprung und Namen der Stadt Bergamo. Gedruckt: Hinter den .Sermones convivales Conradi Peutingeri" (Vgl. die Vorbem. zu Nr. 20). Venerando et nobili viro D. Matheo Marescalco iuris- consulto, Augustensis ecclesiae canonico, domino suo inprimis observando, Conradus Peutinger S. P. D. Legi nudius tertius eum Iuniani Maii locum, quem tu tui- que concanonici, nobiles et doctissimi viri Bernhardus et Conradus Adelmanni* mihi de Brenno ostendistis, ubi inquit: „Bergomum Gallicum verbum a Sennonibus Brenni militibus condita, quorum lingua montana a urbs significatur, inde Bergomenses". 5 Quod etsi auctorem non nominet, ego tarnen diligentius investigando compertum habui ad eandem Bergomi interpretationem Iohannem Tortellium 6 Polycratum 7 referre, nobisque ex vocabulo Gerrnanico a monta Erstdruck. 1 Vgl. S. 39 Anm. 1. 2 Rottenmann (Steiermark). 3 Domkapitular und Mitglied der Sodalitas literaria Augustana; vgl. Veith, Bibl. Augustana 2 S. 84 ff '.; Th. Wiedemann, Joh. Turmair gen. Aventinus (1858) S. 70 ff.; W. Vogt in der ADB 25 S. 161 f. 4 Die Brüder Bernhard und Konrad Adelmann von Adelmannsfelden. 5 Junianus Malus, De priscorum proprietatibus verborum (seit 1475 mehrmals gedruckt) s. v. „Bergomum". 0 Vgl. loannes Tortellü Arretini Commentariorum gramaticorum de Ortho- graphta dicttonum e Graecis tractarum opus (seit 1471 in zahlreidien Auflagen ersdiienen) s. v. „Bergomum". 7 Tortellius a. a. O. erwähnt die Gründung Bergamos durch die Gallier des Brennus Polycrato teste; gemeint ist der „Polycraticus" des Johannes von Salisbury; die Stelle über Bergamo steht hier im 6. Budt, Kap. 17 (Migne PL. 199 Sp. 612 f.; Ioannis Saresberiensis ____ Polieratici libri VIII, recogn. C J. Webb, 2 fOxonii 1909] S.45). 4* 52 Nr. 29. 1505 März 4. „Berg", quod montem significat, ea interpretatio placet. Fortissimum enim ex vocabuli nomine argumentum, etiamsi id in Latinam linguam effluxerit coalueritque, Bergomum non a Gallis, verum a Germanis conditam vel restitutam fuisse. Refert enim Strabo de orbis situ libro VII.: 1 Sennones Suevorum natio, ut superius dixi, partim intra partim extra silvam habitant, Getarum contermina genti; et Cornelius Tacitus de Germaniae situ: 2 „ve- tustissimossenobilissimosqueSuevorumSennones". SedcredoSen- nones Suevos sicut alios Germanos in Galliam concessisse anti- quitus. Reddit tarnen me ancipitem Caesar dictator, qui de bello Gallico libro V. 3 ait: Sennones „civitas firma et magnae inter Gallos auctoritatis", quam Plinius 4 in Lugdunensi Gallia locat. Item Bren- num Plutarchus in Camillo 5 regem, T. Livius 6 regulum et ex Trogo Pompeio Iustinus, 7 Valerius quoque Maximus 8 ducem Gallorum appellant, qui, posteaquam Galli Celtici Prisco Tarquinio supra Romanos et Ambigato supra Gallos regnantibus sive ex intestinis discordiis et assiduis domi dissensionibus sive Bellovesi, Ambigati sororis filii, augurio sive optimi vini admiratione allecti in Italiam venissent, Romanos integros et nondum tactos aput Alliam flumen victoria insigni profligavit, urbem Romam captam incendit et etiam, ut idem Iustinus ait, una Gallorum portione in Italia dimissa per Illyrios penetrans Pannonios domuit et divisis agminibus per Belgium ducem Macedoniam depopulatus Ptolo- maeum, eius provinciae regem, interemit; ipse Graecia devastata et caeteris regibus ultro non lacessitis pecunia pacem mercari coegit; victoria tarnen insolenter usus in Macedoniam contendens Delphos civitatem et templum Apollini dicatum ob spem praedae ingentis oppugnare constituit, scurriliter tunc in deorum cultum iocatus ait: locupletes deos largiri hominibus oportere ipsosque opibus nullis egere, cum eas praestare aliis soleant. Quare per 1 Strabo, Geogr.6,3; Strabo spricht an dieser Stelle von den germanischen Semnonen, die Peutinger mit den keltischen Senonen zusammenwirft. 2 Tacitus, Germ. c. 39; auch bei Tacitus ist von den Semnonen, nicht den Senonen, die Rede. 3 Caesar, De bello Gull. 5, 54. 4 Plinius, Nat. hist. 4, 107. B Plutarchus, Vita Camilli c. 17. e Livius 5, 48. 7 Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi 24, 6. 8 Valerius Maximus, ed. Kempf (Bibl. Teubneriana), S. 14. Nr. 29. 1505 März 4. 53 Delphos deo supplicantes, viribus etiam minores, repulsus et montis portione ex terrae motu abrupta cum suis stratus, dissi- patus item et etiam saucius vulnerum dolore, quem ferre non poterat, oppressus pugione sibi mortem conscivit. Hie Brenni exitus. Strabo quoque libro IV. 1 eundem Delphos ineursavisse et a plaerisque Prausum" appellatum suosque b tunc sacrilegio con- taminatos et etiam sequenti tempore casibus adversis iaetatos fuisse. Idem Maximus 2 : „Brennus Gallorum dux Delphis Apollinis templum ingressus dei voluntate in se manus vertit". Refert idem Livius 3 solum Elitovium cum manu Germanorum favente Bello- veso, cum transcendisset Alpes, Gallorum vestigia secutum eo saltu, ubi nunc Brixia atque Verona sunt, in Italiam venisse. Praeterea Iustinus 4 ait Tuscos a Gallis eiectos avitis sedibus amissis Alpes oecupavisse et eorum ducis nomine Rhoeti gentem Rhoeciorum condidisseque Gallos Mediolanum,Brixiam, Veronam, Bergomum, Tridentum et Vincentiam. Sed ad Bergomum revertamur, quam Plinius 5 refert et Comum et Liciniforum ex Catone et Cornelio Alexandro, Orobiorum stirpis; sed originem eius gentis Cato se ignorare fatetur, Alexander vero esse e Graecia docet nominis interpretatione: vitam in montibus degentibus. Ego relegi Catonis de originibus frag- mentum, quod in manibus habeo, quo ait: 0 „qui cum Orobiis colonis ibi primus insedit, quorum origo incerta, uti Comi, Ber- gomi, Licinifori et aliquot circa populorum". Vocabulum ergo adventicium, quod non solum unam, sed linguas diversas reeipit, 0 Pransum Erstdruck. b quodque Erstdruck. 1 Strabo, Geogr. 4,13. 2 Valerius Max., ed Kempf, S. 14. 3 Livius 5, 35; statt Germanorum ist Cenomanorum zu lesen. Auf die gleidie Liviusstelle mit der irrigen Lesart Germanorum (die in allen damaligen Ausgaben stand und erst von Glarean beseitigt worden ist; vgl. Joachimsen S. 95) beruft sidi übrigens Peutinger in den Sermones convivales, um die Angaben des Strabo und Tacitus über das geringe Alter des Germanennamens zu widerlegen. * Justinus, Epitoma 20, 5. 5 Plinius, Nat. hist. 3, 124f. 6 Peutinger benützt im Folgenden nidit ein echtes Fragment aus den .Origines" des Cato, sondern den von Annius von Viterbo (Commentaria antiquitatum, Romae 1498 = Hain * 1130) herausgegebenen und kommentierten .Pseado-Cato"; die angeführte Stelle aus dem Text steht hier fol. C4®, die aus des Annius Kommentar fol. C 5r. 54 Nr. 30. 1505 März 6. incertum est. Alexandri iccirco argumentatione negata de ortu incerto modestius locutum fuisse Catonem commentator eius credit. Graece quidem „oros" mons et „bios" victus sive vivens dicuntur, quasi: in montibus viventibus. Verum non solum Graecum, sed Orobium Sagum Aramaeum vocabulum est, quorum lingua idem commentator Sagos Ianigenas a x usos existimat, aput quos et Hebraeos Talmutistas ,oros' etiam mons dicitur, „bit" filius vel filia: hinc Orobii filii montis, quem incolunt. Orobii ergo, Comenses et Bergomenses, convenae Tuscorum, Alpium incolae, quodsi tum Catoni vel etiam Alexandro cre- dendum, nee Galli nee Germani Bergomum condiderunt, sed coniieiendum erit: cum oppidum Orobiorum Barra interiisset, ut Plinius scribit, 2 nomine editissimi montis retento Germanos Suevos Sennones tunc sub Brenno militantes Bergomum resti- tuisse potius et a vero suo Germanico vocabulo „Berg" eam Bergomum cognominavisse. Caeterum Tuae D ni officium erit, si quid habes, unde Bren- nus coniectura saltem Germanus comprobetur, me doceas, quod ut facias, non solum efflagito, sed diligentia ea qua possum rogo. Vale et me tui obsequentissimum diiudicato. Ex taberna nostra libraria 4. nonas martii anno christianae salutis 1505. 30. Von Blasius Höhl. 1505 März 6. Innsbruck. Antwort auf Nr. 25 und einen weiteren, nicht mehr erhaltenen Brief Peutingers. Augsburg, StA: Peutinger. Ursdir. — Adr.: wie bei Nr. 28. Besunder lieber herr doctor, ich hab die schreibfedern empfangen 3 und sag euch der mue, so ir darin gehabt habet, dank. Wils wider verdienen. Des Röhlingers brief 4 hab ich auch em- a lanigenas Erstdruck. 1 Über das Volk der Sagi, dessen Stammvater der mit Frau und Kindern aus der Sündflut gerettete Janus gewesen sei, vgl. Pseudo-Cato und Annius a. a. O.fol. B >, B 3v und B 4'. 2 Plinius, Nat. hist. 3, 125. 3 Vgl. Nr. 27. * Vgl. Nr. 28. Nr. 31. 1505 Mai 31. 55 pfangen und im wider geschriben. Dasir dem camermaister Wollten 1 in abwesen herrn Hannsen von Landau 2 die ku. brief gen Werd 3 geschickt, habt ir ku. Mt. wol an getan. Sagt junkfrau Lulilana, das si ain rueten zuberait, wenn ich gen Augspurg kumm, das si mich streich, bis das ichs recht lern nennen und schreiben. 4 Es mecht sich zutragen, ich" kern in kurz gen Augspurg, wo ich nit neben für reit. Dat. Insprugk 6. marcii anno etc. 5. B. Höltzl. 31. Ludwig Hoser und Konrad Peutinger 1505 Mai 31. An den Rat von Augsburg. Köln. Melden ihre Ankunft in Köln beim Reichstag. Augsburg, StA: Peutinger. Ursdir. von Peutingers Hand. Wir sein auf aftermontag vor dat. 6 wol herkomen und die von Nurmberg, so lang vor uns ausgeriten, für eilt, vor inen Colen erraicht haben. Dan Antoni Tetzel 6 zu Bingen das scheff verlassen, zeland geriten und ain wagen bei im gehabt und nach- fieren lassen. Deshalben Wilpold Birchemayr, 7 so zu scheff gefarn ist, zu Pund 8 sein zwen tag gewart hat. . . , 9 a in Hs. 1 Balthasar Wolf von Wolfsthal, Pfleger von Donauwörth und könig- lidier Kammermeister. 2 Vgl. oben S. 18 Anm. 3. 3 Donauwörth. * Vgl. Nr. 19, 22 und 28. 6 27. Mai. 6 Nürnberger Patrizier, sdion von den Reichstagen von Lindau 1496, Worms 1497, Freiburg 1498 und Augsburg 1500, auf denen er seine Vaterstadt vertreten hatte (Neue Samml. der Reiahsabsdiiede 2 S. 35 38, 54; ChDSt 23 S. 78), mit Peutinger bekannt. Vgl. über ihn E. Reiche („Der Sturz des Losungers A. T. 1514") im Unterhaltungsbl. d. Frank. Kur. 1909 Nr. 2 S. 15. 7 Willibald Pirckheimer, der seine Sendung zum Kölner Reidistage von 1505, wo Nürnberg den Landgewinn aus dem Lands- huter Erbfolgekriege bestätigt erhielt, in seiner Selbstbiographie erwähnt: W. Pirckheimers Sdiweizerkrieg, herausg. von K. Rück (1895) S. 146. 8 Bonn. 9 Der übrige Text dieses Beridites wie audi die von Peutinger geschriebenen weiteren der Augsburger Gesandten auf dem Kölner Reichstage (vom 6., 17., 23. und 28. Juni, sämtlidi im Augsburger StA, Peutinger; der Beridit vom 23. Juni auch bei Buff Nr. 8543) enthalten nidits. was für Peutinger persönlidi von Belang wäre, außer daß Bürgermeister Hoser im letzten dieser Sdireiben mitteilt, er habe es beim König erreidit. daß Peutinger einen ihm in königlidien Angelegenheiten aufgetragenen Gesandtsdiaftsritt 56 Nr. 32. 1505 August 16. 32. Von Valentin Fernandez Aleman. > 1505 August 16. Lissabon. Sendet einen Bericht über einen Inschriftenfund bei Lissabon. Die Expedition D'Almeidas nadi Indien. Rückkehr einer Handelsflotte von dort. Ankündigung der Genealogie der Kaiserin. Stuttgart, LB: Htst. Iis. 2° Nr. 248 fol. 57rff. Abschr. Gedruckt: 1. F. Kunstmann in den Abh. München 8 (1860) S. 787f. — 2. E. Hübner im Corp. inscr. Lat. 2 S. 7* Nr. 30* (nur die 1. Hälfte). — 3. B. Greiff an der in der Vorbem. zu Nr. 25 angegebenen Stelle S. 172 (nur die 2. Hälfte). Valentinus Moravus doctori praestantissimo Conrado Peutinger Augustensi S. Anno a nativitate dominica a 1505 die 9. augusti regnante D. Hemanuele, Portugalliae rege excellentissimo, regni vero sui fere 10., in ultimis suae ulterioris Hispaniae finibus versus solis occasum in calce Lunae promontorii, quod Rocham de Sintra vulgus appellat,* secus maris oceani littus tres sub terra ex in- sperato compertae fuere ex saxo columnae quadrata forma, pris- cis temporibus characteribus Romanis una tantum quadra incisis, quarum basis recta ordine inmutato paululum in caput erigebatur, a domincae Hs. nach Besancon und Salins in der Freigrafschaft Burgund nodi vor Schluß des Kölner Reichstages am 30. Juni antreten und dann unmittelbar nadi Augsburg zurückkehren dürfe. In einem weiteren Beridit vom 4. Juli (Augsburg, StA: Peutinger) meldet Hoser dem Rat, daß der Stadtschreiber am 30. Juni seinen Ritt nadi Burgund über Trier und Metz angetreten habe (vgl. dazu Herberger S. 37f.) Maximilian habe seine frühere Abfertigung zugestanden auf Hosers Vorstellung, daß nach eingelaufenen Mitteilungen der Augsburger Rat Angelegenheiten zu erledigen habe, die er an den doctor nit müg ausrichten, wan er al ding bei seinen banden hab. Bei der Verabschiedung vom König habe Peutinger die zerung gefordert. Saget S. ku. Mt., er müsse doch sunst hie zern; ob ain ratt S. ku. Mt. nit in dem dienen wölt. Doch kam es daran, das Plesy Holtzlin (Blasius Hölzl) mit im gerätt. Vgl. dazu den Eintrag in den Augsburger Stadtrechnungen von 1505 fol. 44v unter dem 16. August: It. 22 g. doctor Beuttinger, so er uff ko. Mt. ritt weiter verzert het, dann die 50fl., so burgermeister Hoser von ko. Mt. aus den im empfangen liet. 1 Über den deutschen Drucker und Handelsagenten Valentin Fernandez (Valentinus Moravus) vgl. Steiff in der ADB 22 S. 214 und 26 S. 830f.; Häbler S. 10; Joadiimsen S.254 Anm. 70. 1 Cap da Roca bei Cintra, w. von Lissabon. Nr. 32. 1505 August 16. 57 caput vero proprium in basim ex industria (ut apparebat) de- fixum conspeximus evulsisque ferro et arte decoctis lateribus durisque lapidibus, quibus praefatae mirandae columnae subtus alligebantur, tandem iam in una iam directe conversa has figuras liquide annotavimus (nam aliarum litteras in lucidum explicare non satis nobis fuit integrum, quia temporum vetustate ac maris irnbriumque afflatu erant paene consumptae): Sibillae vaticinium occi. diis aeternis decretum. Volventur saxa litteris et ordine rectis cum videas occidens orientis opes Ganges, Indus, Tagus erit mirabile visu merces commutabit suas uterque sibi. Soli aeterno ac lunac dicatum.' Haec, doctor egregie, tanquam quoddam speetaculum tibi decrevi mittere, et verba superius annotata non mea, sed supremi secre- tarii regis sunt, qui D. regis in praesencia ex columna meliori modo quo potuit declaravit. Classis 30 navium anno praesenti in Indiam est profeeta 2 ad domandum regem de Calicud et ad construendum tria for- tissima castra: primum in Zoffala, 3 terra Aethiopiae, 400 leucas ultra caput Bonae Sperancae, ubi auri copia; seeundum in Ania- diva insula, 4 quae tria milia a continenti distat, 30 leucas de Cananor 5 versus Indum fluvium, ubi Cambaia, 6 nobile tocius 1 Den vorstehenden Beridit hatte Valentin Fernandez schon am 9. Aug. audi an Hieronymus Münzer in Nürnberg gesandt (veröffentl. in der In- sdiriftensammlung des Petrus Apianus und Barthol. Amantius: lnscriptiones sacrosanetae vetustatis, lngolstadii 1534, S. II). Die Insdirift selbst ist eine Fälschung, die in Portugal die Lust zu den Indienfahrten anregen sollte; vgl. E. Hübner im Corp. inscr. Lat. 2 S. 7* (Nr.30*). 2 Gemeint ist die berühmte Unternehmung Francisco D'Almeidas, die am 26. März von Rastello ausging und zur endgültigen Unterwerfung Indiens unter die portugiesisdie Herrschaft führte. Dieser Fahrt hatten sidi audi die drei von den Augsburger Kaufleuten unter Führung der Welser nadi Indien gesandten Sdiiffe angeschlossen (vgl. oben Nr. 25), die am. 22. Mai und 15. Nov. 1506 zurückkehrten; vgl. Häbler S.21 f. 1 Sofala in Mozambique. 4 Angediva, Insel an der indisdien Küste südl. von Goa. Die von Almeida 1505 hier angelegte Festung hat Albuquerque im folgenden Jahre wegen der bedrohlidien Nähe Goas wieder sdileifen lassen; vgl. F. Hümmeridi, Vasco da Gama und die Entdeckung des Seewegs nadi Ostindien (1898) S.89ff. b Cannanore an der Malabarküste. c Cambay. 58 Nr. 33. 1505 nach August 16. Indiae emporium; tercium vero castrum eciam in Aethiopia in promontorio Arabici sinus nomine Godorfon, 1 in opposito civitatis Aden, in defensione navium, quae Mecham et Cayrum tendunt. De 10 oneratis navibus, quae die 22. iulii ex India Ulix- bonam pervenere, et qualiter ipsae permagnas 14 naves cum nonnullis parvis in Pandarane 2 circa Calicud plenasditissimisopibus conbusserunt, non dubito, quin tui satis evidenter tibi scripserunt. Genealogiam serenissimae imperatricis augustae tibi in brevi mittam. Peto, ut socerum tuum aS meo nomine salutes. Vale. Ex Ulixbona die 16. augusti anno 1505. 33. Von Valentin Fernandez Aletnan. 0505 nach August 16. Lissabon.} Sendet eine Genealogie aller Könige und Fürsten der Pyrenäen-Halbinsel. Stuttgart. LB: Hist. Hs. 2o Nr. 248 fol. 34rf. Absdir. Gedruckt (z.größtenTeil): W. Heyd in den SB München 1872Bd. 2S. 480. Valentinus Moravus doctori praestantissimo Conrado Peutynger, utriusque virtutis officiosissimo. Scribis, doctor optime, Leoni tanquam filio 4 supplicans, ut tibi mitterem genealogiam strenuissimi regis Romanorum Maxi- miliani ex parte matris, 5 qua stirpe ipsa processerit, quia, ut dicis, te collegisse suam ex parte patris. G Quem a ducentis et a tuo Hs. 1 Gardafui. 2 Hafenort, 5 Leguas nördl. von Calicut; in Pandarane war das Ge- sdiwader Vascos da Gama nach seiner Ankunft vor Calicut Ende Mai 1498 vor Anker gegangen; vgl. F. Hümmerich a. a. O. S.43. 3 Anton Welser. 4 Damit ist wohl der Welsersche Faktor Scipio Leveston gemeint, der seit Anfang 1503 neben Simon Seitz in Lissabon das Augsburger Handelshaus vertrat; vgl. Tagebuch des Lukas Rem (26. Jahresber. d. Hist. Ver. f. Schwaben) S. 7. 6 Leonore von Portugal. 0 Ein solcher von Peutinger verfaßter Stammbaum ist nidit mehr vorhanden. Über Peutingers Beteiligung an den Vorarbeiten zur Genealogie K. Maximilians vgl. S. Laschitzer im JKSK 7 (1886) S.17 u. 43f.; D. Schonherr ebd. 2,2 (1881) Regest Nr. 1270 (dazu Laschitzer ebd. 7 S. 29). — Clm. 4012 (aus Peutingers Bibliothek stammend) enthält in Fase, d und e: Memoria beatorum et eorum, qui in divos relati sunt ex maioribus et progenitoribus imp. caes. Maximiliani aug., kalendario Romano coniuneta. Nr. 34. 1505 vor September 17. 59 ultra annis e stirpe regia et caesarea haud dubium est ipsum emersisse Et quia in his ultimis finibus nostrae habitabilis non reperio libros Latinos, qui gesta Hispanorum regum continerent, nisi vulgares et illos maxime discordare, quia non colligunt nisi ea, quae in favorem sui principis inveniunt, et propter maximos labores, verificare et colligere tempora et nomina regum, non potui, ut optabas, satisfacere, pro meliore declaracione regum Lusitanorum, unde procedunt, tibi mitto genealogiam omnium regum et principum Hispaniae incipiendo a Tubal, filio quinto Iaphet, qui primatum Hispaniae meruit et eam habitare, et deinde successores ipsius usque ad praesentem S. Ferdinandum, Ara- goniae et Castellae regem etc. Non quod velim docere Minervam aut Solem facibus adiuvare, cum tu, praestantissime domine, quadam singulari prudencia non solum primatum reipublicae ob- tines famosissimae civitatis Augustae, sed et tua disciplina irrigas totum Imperium, a quo omnia tanquam ex vivo fönte rivuli omnia irrigua re,nascuntur. Quapropter summus gubemator sacri Imperii in te puritates sui consilii tanquam in scrinio claudit et aperit, quae quidem autoritas manum tremulam mihi afficit, cum ad tarn prudentem tanquam excellentem virum ausus sum calamum arripere. Parce ergo ineptiae parceque caracteri, si actenus me scribendi calor evexit; amicicia etiam non eloquentiam petit supplicetque amor, quod facundia negat. Es folgt die „Genealogie" fol. 34 v —47 r . 34. Von Konrad Celtis. 0505 vor September 17.} Augsburg. Erinnert an seine frühere Aufforderung, Peutinger möge seine Inschriftensammlung veröffentlichen, und äußert die Absicht, dessen Kaiserbuch der von ihm selbst geplanten „Germania illustrata" beizugeben. München, StB: Cod. Lat. 4028 fol. 1 r f. Abschr. von Peutingers Hand (Die Hs. ist ein als Druckvorlage gedachtes eigenhändiges Manuskript von Peutingers Inschriftensammlung „Romanae vetustatis fragmenta in Augusta Vindelicorum et eius dioecesi". Der Brief des Celtis und die Antwort darauf {s. den folg. Brief] sollten sie nadi der ursprünglidien Absidit des Verfassers eröffnen. In der am 24. Sept. 1505 abgesdüossenen Druckausgabe sjnd die beiden Briefe jedoch weggelassen und durch den als Nr. 36 folgenden Wid- mungsbrief an den Leser vom 15. September 1505 ersetzt). 60 Nr. 34. 1505 vor September 17. Conradus Celtis Protucius, Germanus poeta, Conrado Peutingero Augustensi, utr. iur. doctori, foelicitatem. Quum nuper aput regem Augustae, ut scis, agerem et pro nostra amicicia et amore tu in patriae tuae laudem ex Romanis monimentis, quae aput me maxima dona fuere, epitaphia et in- scriptiones obtulisses: ne autem heae diucius delitescerent, admonui te atque efflagitavi, ut impressoribus traderes edendas atque publicandas, adderes eciam sodalitatis nostrae Augustensis epigramata, quae sodaliter quisque in tuas illas collectas vetu- states inserat. 1 Magnam eciam his rebus michi spem et conso- lacionem absolvendae nostrae illustratae Germaniae 2 iniecisti, dum per universam Germaniam a te collectas antiquitates viderim. Nemo te in antiquis conquirendis nomismatis per Germaniam avarior et, ut ita dicam, insaciabilior. Consulum imagines et nomismata tu una cum concivibus tuis CCLXVIII collegisti, im- peratorum caesarum augustorum et tyrannorum. Romani Imperii usque Karoli Magni Germani caesaris augusti tempora CLXXV vitas, a Karolo autem in Maximilianum fere omnes. 3 Neque alius describendis Romanis monumentis, quae passim ad Rhoeni et Danubii ripas (quae fines Romani Imperii olim fuerant) inveniun- tur, te diligentior." Nobilem enim Librum augustalem' 1 collegisti, quod opus pulcherrimum tuum nostrae Germaniae adiciemus. Proinde Conrade, vir michi amantissime, opus illud tuum singulare, partui vicinum, labore, cura et diligencia tua enitare, ut 11 Folgt durchstrichen: de quorum eciam fluviorum ortu et exitu aliisque nostris fluminibus inclytis illis se miscentibus. 1 Diese Epigramme der Augsburger Socialen (Matthäus Lang, Konrad Mörlin, Matthaeus Marsdialk von Biberbach, Bernhard von Waldkirdi, Bernhard und Konrad Adelmann von Adelmannsfelden, Adolf Occo, Sebastian Ilsung, Johannes Collauer, Blasius Hölzl, Konrad Celtis, Christoph Welser und Johannes Foeniseca) stehen in Clm 4028 auf fol. 5"" ff.; in der Druckausgabe sind sie bis auf das des Foeniseca und dessen Gedicht über den Perlach, die sich dem Brief an den Leser ansdüießen, weggelassen. 2 Über die von Celtis jahrelang geplante, aber nicht ausgeführte .Germania illustrata" vgl. Joachimsen S. 155 — 167. 3 Peutingers .Kaiserbuch". Die vorher erwähnte. Sammlung von Münzbildern der römischen Kaiser sollte zu seiner Illustrierung dienen; vgl. dazu König S. 43—47. ' Auch damit ist das .Kaiserbuch" gemeint. Nr. 35. 1505 vor September 17. 61 utriusque nostrum labor et diligentia posteris ad maiora ela- boranda argumenta esse queat. Vale ex aedibus tuis, contubernio nostro litterario Augustensi. 35. An Konrad Celtis. 0505 vor September 17. Augsburg.), Hat, der Aufforderung des Celtis folgend, seine Inschriftensammlung dem Drucker Erhard Ratold zur Veröffentlichung übergeben. Das noch nicht ganz vollendete Kaiserbuch kann erst nach Prüfung und Verbesserung durch Celtis und andere Gelehrte herausgegeben werden. München, StB: Cod. Lat. 4028 fol. Jvf. Eigenhändige Abschr. (Vgl. die Vorbem. zu Nr. 34.) Conradus Peutinger Augustensis, iur. utr. doctor, Conrado Celti Protucio, Germano poetae, S. P. D. Pro solita tua pietate et diligencia, quibus Germaniam nostram illustrare atque exornare non desinis, tum amore patriae nostrae Augustensis et quo reverendos nobiles et egregios viros, ecclesiae maioris canonicos, et cives conterraneos nostros et eciam me, plurimum tibi deditos ac litterariae tuae sodalitatis institutae com- militones, prosequeris, efflagitatas a te tociens vetustissimas in- scriptiones, quae aput nos et in dioecesi Augustensi marmoreis lapidibus prisca erudicionis et nobilitatis nostrae testimonia in- veniuntur, impressoribus traderem, ut hominibus studiosis vetu- statem ipsam venerantibus comunefierent; quae quidem res cum satis honesta videretur, patriae eciam nostrae non ingrata, ego vero, tametsi mediocriter valeo, summum in hiis conquirendis Studium adhibui, ut tu et caeteri candidi aestimatores facile diiudica- bitis. Sed quia diuturnitate temporum lapides ipsi imaginibus atque inscriptionibus vetustis sculpti plerumque detriti, conlapsi, obruti et, quod iniuriae veterum monumentorum accedit inscicia et negligencia nostrorum hominum, vel igne in calcem soluti vel in fundamentis aedificiorum positi sunt, docent haec portae, porticus, horti, domus quoque plurimae. Quicquid autem incuriosae vestutati superfuit, id est fragmenta, conlegi, descripsi et Erhardo Ra- toldo concivi nostro, opifici artis impressoriae diligenti et docto, qui etsi caeteros facile supereminet omnes, tandem imprimenda dedi. Is enim cura et impensa sua inscriptiones has novis formis 62 Nr. 36. 1505 September 17. atque maioribus iucundissimi probatissimique litterarum characteris impressit. 1 Imperatores caesares augustos atque tyrannos Romani Imperii a C. Iulio dictatore usque ad invictum caesarem Maximilianum pium fidelem augustum, patrem patriae, una cum imaginibus et insigniis prope absolvimus; sed nee edentur neve publicabuntur, nisi tu caeterique eruditi recognoverint castigaverintque. 2 Vale et me ama, ut soles. 36. An den Leser. 1505 September 17. (Augsburg) Gedruckt: Romanae vetustatis fragtnenta in Augusta Vindelicorum et eius dioecesi. Anno Chr. salut. 1505 8. kal. octobr. Erhardus Ratoldus Au- gustensis impressit. Rückseite des Titelblattes. Conradus Peutinger Augustensis, iur. utr. doctor, Lectori S. D. imperatoris caesaris Maximiliani pii fidelis augusti, invicti et foelicissimi prineipis, iussu mandatoque Romanae vetustatis inscriptionum fragmenta in hac urbe Augusta Vindelicorum et eius dioecesi marmoreis lapidibus priscam illam erudicionem et nobi- litatis vestigia prae se ferentia, non sine venerandae sodalitatis litterariae Augustanae (tarn maioris ecclesiae canonicorum quam coneivium nostrorum) ope a nobis perquisita et conlecta, Erhardo Ratoldo coneivi nostro, artis impressoriae opifici diligenti et docto, dedimus imprimenda, qui cura et impensa sua novis formis atque maioribus iueundissimo litterarum charactere easdem impressit, ut tu, candide lector, facile diiudicabis. Addenda et aliae fuissent; sed diuturnitate temporum lapides ipsi imaginibus atque inscriptionibus vetustis sculpti plerumque detriti, conlapsi, obruti et, quod iniuriae veterum accedit inscicia et negligentia nostrorum hominum, vel igne in calcem soluti vel a fundamentis aedifi- ciorum positi sunt. Docent haec portae, porticus, horti, domus quoque plurimae. Vale ex taberna nostra Iibraria anno christianae salutis 1505 15. kal. octobres. 1 Der Drudt wurde abgeschlossen am 24. Sept. 1505. 2 Tatsächlich ist das » Kaiserbuch" — von einem kleinen Abschnitt abgesehen — niemals veröffentlicht worden; vgl. König S.48. Nr. 37. 1505 Oktober 13. Nr. 38. 1506 Februar 25. 63 37. An Blasius Hölzl. 1505 Oktober 13. (Augsburg:} Geldanweisung. Ankunft Matthäus Längs. Augsburg, StA: Peutinger. Urschr. — Adr.: Herrn Blasien Höltzel, Ro. k. Mt. secretarien etc., meinem lieben herrn. Lieber herr Blasi, in der stund ist mir ain brief von euch worden, darauf ich bestellt hab, so ir gelts nottirftig wirdet, das euch Andre Ymhoff das geben soll. 1 Auf anders, so ir mir ge- schriben habd, will ich euch pei nächster post antwurt schreiben. Der tombrobst 2 ist gestern spat komen her in Augspurg. Dat. am 13. tag octobris anno etc. 5. Peutinger. 38. An die Bürgermeister von Augsburg 1506 Februar 25. Hieronymus Welser und Ulrich Arzt. Wien. Meldet seine Ankunft am königlichen Hoflager in Wien. Der König ist gestern nach Klosterneuburg geritten und hat heute auch ihn dorthin beschieden; er weiß noch nicht, weshalb. Augsburg, StA: Peutinger. Urschr. — Adr.: Den fursichtigen, ersamen und weisen herren lheronimo Welser und Ulrichen Artzt, beiden burgermaistern zu Augspurg, meinen gunstigen und lieben herren. Fursichtigen, ersamen und weisen etc. An sontag vor dat. 1 zenacht bin ich woll herkomen und ku. Mt. noch hie gefunden, der ich mich auch den selben aubent angezaigt und darauf ab- genotnen hab, das S. ku. Mt. solch mein zukunft in gnaden verstanden hat. Gelegenheit des kuniglichen hofs oder was fur- nemens S. ku. G. hinfuro sein werd, wais ich diser zeit mit gwissheit nit zu schreiben, dan zweifelhaftig verlaut wirt, der zug gen Rom 4 oder auf die Steyrmarckt und gen Kernthen. Doch hat 1 Endris Imhoff, Faktor der Welser in Köln, sdireibt am 30. Okt. 1505 von dort an den in der Richtung auf Mainz abgereisten Hölzl, es sei kurz nach dessen Weggang ein Brief Peutingers angelangt mit dem Auftrage, ihm 120 G. rh. auszuzahlen. Falls er Geld braudie, möge er in Mainz bei seiner Herren Faktor Klaus Fautt die Summe erheben. Augsburg, StA: Peutinger. — Ebd. Bescheinigung Hölzls d. d. Mainz, 6. Nov. 1505, daß er von Claus Fautt, Bärger zu Mainz und der Welser Faktor daselbst, 50 G. rh. empfangen habe, die er Anton Welser durch Dr. Peutinger zurückzahlen solle und wolle. 2 Matthäus Lang. 3 22. Febr. 4 Über die im Frühjahr 1506 von Maximilian betriebenen Vorbereitungen zum Romzuge vgl. Ulmann 2 S.284; M. Jansen, Jakob Fugger der Reidie (1910) S. 205. 64 Nr. 39. 1506 März 1. S. ku. Mt. mir selbs gesagt, sich innen und umb Wien noch zehen tag zu enthalten und furter weck zu schaiden, aber wahin nit gemeldet. Demnach S. Mt. am aftermontag vor dat. 1 mit 150 pferden gen Closter Neuburg gezogen und mich auf dat. nach mittentag auch dahin beschaiden, als ich dan daselbs hinreiten wird, aber noch nit vernemen mögen, warumb ich erfordert bin. Ist ursach die fassnacht, das rennen, stechen, bankettieren und tanzen, so bisher tags und nachts gehalten worden sein. Deshalb ich dan und umb des willen, das bisher in österreichischen Sachen allain gehandelt worden ist, E. Wt. Sachen halben nichts hab mögen anbringen. So sein hie Salczburg, 2 Passau 3 und Gulch,* auch ain potschaft von Ungarn, genant der von Mesericz, 6 des handlung ich auch noch nit erfaren hab etc. Dat. Wien am äschernmitwuchen anno etc. 6. E. Wt. williger Conrat Peutinger. 39. An die Bürgermeister von Augsburg 1506 März /. 6 Hieronymus Welser und Ulrich Arzt. {Klosterneuburg.) Ist zum König beschieden worden, um die das Haus Österreich betreffenden Urkunden durchzusehen und darüber zu berichten. Erst nach Erledigung dieser Angelegenheit will Maximilian den Anliegen der Stadt Augsburg Gehör schenken. Augsburg, StA: Peutinger. Urschr. — Adr.: Wie bei Nr. 38. Gedruckt (teilweise): Buff Nr. 8550. Fursichtigen, ersamen und weisen etc. Ich hab vor etlichen kurz verschinen tagen E. Wt. meiner zukunft halben gen Wien geschriben 7 und darauf auf erforderung zu ku. Mt. gen Closter- neuburg geriten, mich versöhen, der pot, so mir zugesagt het, 1 24. Febr. 2 Der Erzbisdiof von Salzburg, Leopold v. Keutschadi. 3 Der Bischof von Passau, Wiguleus Frösdil von Marzoll. 4 Der Herzog Wilhelm III. von Jülich und Berg. 6 Wohl der auch als Inschriftenforscher tätige Siebenbärger Sachse Johannes de Megyeridie (Mezerzius), Ardiidiakon von Kolocz b. Klausenburg; vgl. über ihn Mommsen im Corp. inscr. Lat. 3 S. 153 — 56. 6 Da dieser Brief nach dem vom 25. Febr. geschrieben sein muß, ist seine Datierung montags nach Estomihi (= 23. Febr.) irrig; es muß heißen montags nach Invocavit. ' Nr. 38. Nr. 39. 1506 März 1. 65 solt mitler zeit weck gezogen sein, das aber nit besehenen, sondern hie beliben ist. Demnach fueg ich E. Wt. zu wissen, das ich bei ku. Mt. zu Closterneuburg trei tag gewesen bin und daselbs allain in ainem stuck, warumb ich erfordert sei, erfaren, nemblich das etlich S. ku. G. gelert rete und ich die brief des haus von Osterreich besichtigen und S. Mt. davon underricht geben, auch ich mitsambt anderen ain auszug davon machen sollen. 1 Sonst hat S. Mt. von allen orten cronica und historien bringen lassen und mir obgemelt Sachen halb in dem schlos zu Wien ain aigen gmach eingeben, und ist S. Mt. umb Wien herumb bisher gewesen, als sich dan die auf dat. zu Lachsenburg enthalt und, als ich mich versihe, sich in 3 oder 4 tagen wider her fuegen und nachmalen auf die Steyrmarckt ziehen wirt. Ains erberen rats Sachen 2 hab ich an S. ku. Mt. gebracht. Sagt anfangs mit lachen: hette mich allain in sein Sachen erfordert, weit den vor endschaft machen; doch so solt ich copeien ains rats halben stellen und S. ku. Mt. nachmalen hören lassen; wolt sich recht darin halten. Also bin ich der selben und ander copien halben in ubung und will neben S. Mt. Sachen mit fueg gut abfertigung zu erlangen allen möglichen fleis ankören. Dan so ich umb S. Mt. bin, mag ich zu S. G. den zugang fast woll haben; es soll auch an mir kain fleis erspart werden, wider anheim zu komen. Dweil aber S. G. in ir selbs Sachen fast ernstlich handelt und vill auf mich beschiden hat, hab ich mich des erlaubens nit merken lassen; dan in obgemelten sachen noch kain rechter anfang gemacht worden. Sonst ist nichtz besonders hie, dan das in vill grossen irrungen gross verhör gehalten worden etc. Dat. montags nach Estomihi anno etc. 6. Peutinger. 1 Vgl. hierzu JKSK2,2 (1881) Regest Nr. 1014: Max .befiehlt, die alten kaiserlichen Freiheiten und andere Briefe, besonders jene, weldie Österreidi betreffen und in Innsbruck liegen, abzuschreiben und nach Österreidi zuschicken". Der Peutinger erteilte Auftrag steht wohl in Zusammenhang mit den Vorarbeiten für Maximilians „ Genealogie"; vgl. oben S. 58 Anm. 6. Als Belohnung für seine Arbeit erhielt Peutinger auf königlidien Befehl vom 9. März 1506 einen vergoldeten Silberbedier; vgl. JKSK. 3, 2 (1882) Regest Nr. 2590. * Peutinger sollte von Maximilian mehrere Privilegien für die Stadt Augsburg erwirken, was ihm im Laufe des April auch tatsächlich gelungen ist; vgl. Herberger Anm. 38. König, Peutingers Briefwechsel 5 66 Nr. 40. 1506 März 15. Randbemerkung: Man hört hie nichtz von dem Rom- noch ungrischen zug, darumb ist on not den stetten des punds, 1 ir botschaft herab zu schicken. 40. An Bürgermeister und Rat 1506 März 15. der Stadt Augsburg. Wiener-Neustadt. Berichtet über verschiedene Vorgänge am königlidien Hoflager in Wiener-Neustadt. Augsburg, StA: Peutinger. Urschr. — Adr.: Den fursichtigen, ersamen und weisen herren burgermaistern und rate der stat Augspurg, meinen günstigen und lieben herren. Gedruckt (teilweise): Buff Nr. 8551. Fursichtigen, ersamen und weisen etc. Ich hab vor etlichen verschinen tagen euch herren burgermeister geschriben, der Zuversicht, solch mein schreiben seie euch wol worden. Am son- tag vor dat. 2 bin ich von ku. Mt. aus Wien zu S. ku. G. alher zu der Neuenstat erfordert worden und am montag darnach her- komen, auch bis auf dat. hie gewesen. Haltet sich ku. Mt. im schlos fast verspert. Hat vill handeis mit den buchsenmaister. So sein S. G. raet zum teil zu Wien, zum teil hie, und kan nit er- faren, was S. Mt. furnemen sein werd. Etliche mandat in das reich sein heimlich gefertiget worden; hab die bisher nit söhen mögen, acht aber, si betreffend das zusagen, zu Colen beschehen. 3 Der bischof von Salczburg ist wider heim, der von Passau ligt noch zu Wien, 4 und sein noch vill hendel vor äugen. Ku. Mt. hat mir selbs gesagt, das S. Mt. ob 2000 spenn in disen landen anzaigt -------------- . 1 des Schwäbischen Bundes. 2 8. März. ' Auf dem Kölner Reidistage von 1505 hatten die Stände Maximilian eine Reichshilfe von 4000 Mann bewilligt für die voraussichtlidi nötige Wahrung seines Erbrechtes auf Ungarn, das inzwischen (Okt. 1505) durdi einen alle Fremden vom Thron ausschließenden Beschluß des ungarisdien Reidistages angefochten worden war; vgl. den Kölner Reidisabsdiied vom 31. Juli 1505 bei J. J. Müller, Reichstags-Staat unter K. Maximilian I. S. 508 f. Die in diesem und dem folgenden Schreiben Peutingers erwähnten Verhandlungen mit den Ungarn drehten sidi um die von Maximilian geforderte Zurücknahme des Besdilusses vom Okt. 1505. Als sie schließlich verweigert wurde, kam es zum Kriege. Vgl. dazu Ulmann 2 S. 278 ff. * Vgl. S. 64 Anm. 2 u. 3. Nr. 40. 1506 März 15. 67 worden sein, also das des Reichs sachen bei den österreichischen fast ain instand haben. Der von Serntein 1 verwaltet die canzlei und hat nichts richtigs von Schreibern, darumb all sachen in Verzug gesteh, also das ich bisher im handel, die appellacion 2 und ander sachen betreffend, nichtz endlichs hab mögen be- schluessen. Bin doch in stiller ubung und hoff in 14 tagen, so ferr die ku. Mt. hie nit verruckt, mit der hilf Gottes fertig ze werden, es falle dan anders für, das ich nit wais. Konrad von Rot 3 versudie, den König gegen die Stadt aufzuhetzen und ihn für seinen Anspruch auf die Ausdehnung des Wildbanns im „Burgholz" über die der Stadt gehörigen unteren Wertachauen* zu gewinnen. Maximilian habe Peutinger sagen lassen, er möge sich deswegen mit dem von Rot vertragen. Das habe Peutinger in einer Unterredung mit diesem abgelehnt, weil er dazu weder Vollmacht habe noch über die Sadie genügend unterrichtet sei. Und begab sich, das ich ain klein bewegt ward und zu dem von Rot saget, E. Wt. wurd für ander unbillich in die ku. Mt. tragen. Aber die stigel wer an dem ort nider, und ich wolt ku. Mt. furhalten, das S. Mt. unparteiisch commissarien verordnet. Die Angelegenheit sei darauf zum Stillstand gekommen. Der Rat möge aber für alle Fälle die erforderlichen urkundliclien Unterlagen hersenden, damit Peutinger den König über den wahren Sachverhalt aufklären könne. So wer ich der hoffnung, S. Mt. dermaßen zu berichten, das solchs zu gefallen verstanden werden müßt. Dan mich will bedunken, das gelt mag durch etlich leut nit verdient werden, si tragen dan euch und ander in ku. Mt. 1 Cyprian von Northeim, genannt von Serntein, Tirolisdier Kanzler Maximilians. Vgl. Ulmann 1 S.815f. Eine Biographie ist von Dr. P. Pangraz Stollenmayer zu erwarten. 2 Peutinger sollte von Maximilian unter anderm ein Privilegium de non appellando erwirken; er erhielt es am 1. April. Vgl. Herberger Anm.38. 3 Kgl. Forstmeister in der Markgrafsdiaft Burgau und Rat Maximilians. * Die Stadt Augsburg hatte erst im Jahre vorher auf dem Reidistage von Köln die Freiheit der Jagd in der Herrschaft Sdiwabeck und außerhalb des „birkholzes" in den Auen derWertadi vom Könige verbrieft erhalten; Vgl. die oben S. 55 Anm. 9 erwähnten Berichte der Augsburger Gesandten in Köln (Bürgermeister Ludwig Hoser und Peutinger) im Augsburger StA, Peutinger. 68 Nr. 41. 1506 März 30. Sonst ist nichtz sonders vor äugen. Auf der Steyrmarckt ist ain großer landtag. 1 So hat ku. Mt. der kaiserin, seiner muter, jartag an gestern lassen begien und nachmalen ain ampt von St. Leupold singen. In der proceß das erzherzoghuetlin und anderen kleidung von roten samat getragen worden sein etc. Dat. zu der Neuenstat in großer eil sontags Oculi anno etc. 6. Ich bin des poten erst gwer worden. Peutinger. 41. An Bürgermeister und Rat 1506 März 30. der Stadt Augsburg. Wiener-Neustadt. Ist im Auftrage Maximilians zweimal nadi Ödenburg geritten, das erste Mal, um dort mit einer ungarischen Gesandtschaft zu, unterhandeln, das zweite Mal, um diese Gesandtschaft zum Könige nach Eisenstadt zu geleilen. Kann über Inhalt und Ergebnis der Verhandlungen nocli nichts mitteilen. Rückkehr des königlichen Gefolges nach Wiener-Neustadt. Augsburg, StA: Peutinger. Urschr. — Adr.: Wie bei Nr.40. Fursichtigen, ersamen und weisen etc. Ich hab E. Ft. am sambstag vor Laetare 2 nächst verschinen geschriben und mich versöhen, der pot were des selben tags weck gezogen, wie er mir zusaget. So ist er bis auf Unser Frauen tag 5 durch mein herren von Gurck* aufgehalten worden. Mitler zeit hab ich von wegen ku. Mt. ziehen müssen, wie hernach volgt. Am bemelten sambstag spat sein von wegen ku. Mt. herr Jacob von Landau 5 und ich mit 16 pferden zu der ungerischen potschaft, nemblich herren Gregorien vonFrangepan, erzbischoven zu Coleczan, 0 Som Josue graven zu Temesburg 7 abgefertigt worden mit credenz- und instruccionbrieven. Desselben tags riten 1 Über diesen Landtag ist nicht Näheres bekannt; vgl. F.v. Krones in den Beiträgen z. Kunde Steiermark. Geschichtsquellen 2 (1865) S. 106. 2 21. März. 3 25. März. i Matthäus Lang. 6 Kgl. Landvogt in Sdiwaben. 6 Kalocza-Bacs. 7 Temesburg -= Temesvar. In der Vollmadit der ungarischen Großen für die von K. Wladislaw zu Maximilian gesandten Friedensunterhändler (d. d. 1506 Juni24) nennt der Graf sich Josa de Som, comes Themesiensis ac parcium regni Hungariae inferiorum capitanus generalis; vgl. A.F.Kollar, Auctarium diplomaticum ad Gasp. Ursini Velii de bello Pannonico libros X (Vindobonae 1762) Nr.XVS.268. Nr. 41. 1506 März 30. 69 wir spat aus bis gen Mettersdorff 1 und kennen am sontag Laetare* gen Ödenburg zu beinelter potschaft, mit den wir baid den ganzen tag gehandelt haben, und montags wider gen der Neuenstat komen sein. Am aftermontag darnach ist ku. Mt. von hinnen weck und auf Vorchtenstein 3 gezogen und an Unser Frauen tag in die Eyssne stat 4 komen. Desselben tags fru wurden von hinnen zu S. ku. G. erfordert Prunswick, Gulch, Anhalt, Passau, Trient, Gurck, Zollern, Fronberg, Landau r> und ich, und die anderen raet be- liben all zu der Neuenstat. Am donerstag darnach aus bevelh ku. Mt. riten herr Jacob und ich wider gen Ödenburg und holten die botschaft zu S. ku. G., mit den wir morgens geessen und desselben tags mit inen in irem wagen gefaren sein bis in ain dorf bei der Eyssne stat. Daselbs der von Trient und herr Len- hart von Fronberg mit allem hoffgesind si angenomen und zu ku. Mt. in die Eyssne stat gebracht. Aisdan si von stund an audienz gehabt und nachmalen durch Fronberg, Landau und mich wider in bemelts dorf belait, daselbs si die selb nacht beliben und morgens durch den von Trient und Fronberg wider in die Eyssne stat gefurt worden, von ku. Mt. antwurt entpfangen und darauf abgescheiden sein. Aber die handlung zu schreiben will mir diser zeit nit gepuren, mag auch mit kainem grund erfaren, ob krieg werd oder nit. 6 Angestern sein aber vill fußknecht komen, am freitag vor dat. 7 schuff ku. Mt. uns all obgemelt wider in die Neuenstat und hat die ir wesen umb die Neuestat herumb, und warten all stund, wan S. Mt. auf die Steyrmarkt ziehen werd etc. Dat. Neuenstat montags nach Iudica anno etc. 6. Peutinger. Die potschaften haben gehabt bei 150 pferden, zwainzig wägen und sonst vill kostlicheit; haben nit teutsch kundt, sonder 1 Mattersdorf, halbwegs zwischen Wiener-Neustadt und Ödenburg. ' 22. März. 3 Schloß Forditenstein bei Forditenau (sw. von Mattersdorf). * Eisenstadt. '' Herzog Eridi von Braunsdiweig, Herzog Wilhelm 111. von Jülich und Berg, Filrst Rudolf von Anhalt, die Bisdiöfe Wiguleus Frösdil von Passau, Georg v. Neidedi von Trient, Matthäus Lang von üurk, Graf Fitelf ritz v. Zollern, Leonhard v. Frauenberg (Sohn Sigmunds, vgl. oben S. 29 Anm. 2) und Jakob v. Landau. 6 Vgl. S. 66 Anm. 3. 7 27. März. 70 Nr. 42. 1506 April 22. der bischoff gut latein, in der selben sprach er auch geredt hat. Ich hab auch E. Wt. vil brief geschriben und hab nit wissen, ob die geantwurt werden sein oder nit. 42. Von Blasius Hölzl. 1506 April 22. Wien. Dankt für die Nachrichten vom Hoflager; meldet, daß Cus- pinian Peutingers brieflich erteilten Auftrag bereits ausgeführt hat; ersucht um Erledigung einer Geldangelegenheit und kündigt seine vielleicht baldige Ankunft am Hoflager an. Augsburg, StA: Peutinger. Reinschr., nur die Untersdirift eigenhändig. Ich hab eur schreiben, 1 des datum stet zu Gretz 2 am 11. tag aprillis, vernommen und dank euch des trosts meiner gesundhait, desgleichen der hofmer, so ir mir darin verkündet; will die hofmer, wann sich das wetter verkert und ich am hof und ir darvon seit, widerumb vergleichen. Lieber herr doctor, mainen wirt doctor Cuspinian hab ich vermant, das er die sach, darumb ir im von der Neunstadt geschriben habt, verfolg. Das hab ich getan und dagegen von im in antwurt emphangen, er hab sollichs alles schon ausgericht. Sonst wais ich euch diser zeit nichts sonders zu schreiben, dann das ich bis noch an ain klains purgatzel für künftig zuefal von Gots gnaden genesen bin. Bittet Peutinger, in Augsburg an Johanni in seinem Namen von Dr. Veit Fürst 3 gegen Rückgabe des beiliegenden Schuldsdieines eine Summe von 100 Gulden in Empfang zu nehmen und zu verwahren. Damit steen alle sachen in altem satz und recht und ich bin und beleih alzeit der eur. Verkund euch auch darbei, soverr mir von ku. Mt. in Kernn- den zu reiten, mein vitztumbambt und pfleg 4 einzunemen und 1 Dieses wie audi das im folgenden erwähnte Sdireiben an Cuspinian sind nicht erhalten. 2 Graz, Aufenthaltsort des Königs seit 10. April: vgl. Ch. F. v. Stalin in: Forsch, z. deutsdien Gesch. I S.366. 3 Agent Maximilians. 4 Hölzl war später Pfleger des Sddosses Vellenberg (w.-s.-w. von Innsbruck) ; vgl. dazu das Gedidit des R. Sbrulius „ De vita et gestis BlasiiHoelcelif: ... Sic Velleburgam pariter tibi tradidit (seil. Maximilianus') arcem, | quam re- paras miris condecorasque modis, \ ut merito possis talipro munere dici | Vel- lembrugensis(!) conditor et dominus. In: Complurium eruditorum vatum car- Nr. 43. 1506 Mai 14. 71 zu verwesen, zu verordnen auf mein undertenig bit, so ich an S. Mt. hab tun lassen, nit erlaubt wird, das ich alsdann, ob Got will, in kurzen tagen bei euch am hof erscheinen will etc. Dat. Wienn 22. tag aprillis anno etc. sexto. Blasi Höltzl, secr. etc. 43. Von Blasius Höhst. 1506 Mai 14. Wien. Wiederholt seine Bitte um Erledigung der im vorigen Schreiben erwähnten Geldangelegenheit; ersucht Peutinger außerdem, sich bei dem Augsburger Plattnermeister Lorenz nach dem von ihm bestellten Harniscli und dessen Preis zu erkundigen. Nachrichten aus Ungarn. Augsburg, StA: Peutinger. Ursdir. — Adr.: Dem hochgelerten, ersamen, fursichtigen und weisen herrn Chunraden Peutinger, beder rechten doctor, Ro. k. Mt. rat etc., meinem besonder lieben herren. Augspurg. Gedruckt (teilweise): Buff Nr.8552. Besunder lieber her doctor, ich hoff, Hanns Müe, ku. Mt. zollschreiber, so kürzlich von hof aus auf Augspurg geritten ist, hab euch ain schrift von mir und ain obligatz umb 100 gld. von doctor Veit Fürsten zuepracht. 1 Darauf pit ich euch, ir wellet dieselben 100 gld. von bemeltem doctor Veiten auf sand Johanns tag zun sunebenten schiristkunftig gegen gedachter Obligation zu meinen handen emphachen und bei anderm, so ir von mir in eur gewalt habt, behalten. Lieber herr doctor, ich bit euch, ir wellet mir ain gesellengang zulieb tun zu maister Lorentz, planier, 2 in die schmidgaß und dasselbst ain küris oder kürisle, so er mir gemacht haben und berait sein solle, besichtigen und mir bei negster potschaft aigentlich schreiben und anzaigen, wie sollicher küris gemacht mina ad Iioelceliiun, Augustae 1518, fol. H 5 r . Vgl. audi G. Tinkhauser, Topograph.-histor.-statist. Besdir. d. Diözese Brixen 2 (1856 — 61) S. 280. 1 Das Schreiben Hölzls vom 20. April hatte demnach Peutinger nicht mehr am kgl. Hoflager erreidil, sondern hatte dem inzwischen Abgereisten nach Augsburg nachgesandt werden müssen. Am 20. April muß Peutinger noch beim Könige gewesen sein, da das letzte der drei von ihm für Augsburg erwirkten Privilegien dieses Datum trägt; Herberger Anm. 38. 2 Über den berühmten Augsburger Waffenschmied Lorenz Helmsdimied und seinen Sohn Koloman vgl. W. Böheim im JKSK 14 (1893) S.332 u. 338ff. 72 Nr. 44. 1506 August 15. und euch gefeilig sei, auch an demselben maister Lorentzen oder seinem sun aigentlich erkunden, was si für sollichen küris von mir zu haben vermainen, und mir dasselb in eur schrift auch an- zaigen. Und ob maister Lorentz oder sein sun sich merken ließen, als ob si wolten, das ich mein küris und si ir gelt darumb heten, so tuet so wol und gebt in guten trost, also das ich sollichen küris, wo ich wißte, das er ausberait wer, kain zeit ungelößt lassen wurd, und das si mitler zeit geduld habn und von dem küris niemand nichts verkaufen. Sollichs mugt ir als von euch selbs mit in trostlich reden; dann ich denselben küris furderlich, nachdem ich eur schrift hierauf emphangen hab, zu losen verordnen will. Habt hierin kain verdrieß; ich will euch in gleichem fall auch zu willen werden...... Lieber herr doctor, ich solt euch vil neu mer von hin hinauf schreiben. So waiß ich in der warhait selbs kaine. Der ku. Mt. sei wir widerumb hieherr gewarten, die österreichisch land- schaft, so ungeverlich in acht tagen den nechsten alhie zu Wien gerüst sein sollen, zu besichtigen und zu mustern. Die Ungern empörn sich gegn uns noch wenig; aber zu Stuelweyssenburg sollen si sich itzund zusamen versamblen auf ain rackusch. All teutschen kaufleuten und andern sollen die Ungern zu Ofen aus- gepotten haben, doch ist des noch kain gruntlich wissen vorhanden. Mein sach hat sich von Gots gnaden wol gepessert und bin ain zeitlang mer ku. Mt. Sachen, dan meiner krankhait halben hie. Damit bin ich alzeit der euer. Und schreibt mir furderlichen wider hieher gen Wien in doctor Cuspinian oder Wolfgangen Lyepharten haus zue. Dat. Wien 14. tag mai des 1500 und sechsten jars. Blasi Höltzl, secr. etc., per manum propriam. 44. Von Giov. Francesco Pico 1506 August 15. Mantua. della Mirandola. 1 Peutinger soll Thomas Wolf d. ./. in Straßburg antreiben, die von ihm übernommene Veröffentlichung der Schriften Picos zu beschleunigen. 1 Mit dem Philosophen Giov. Francesco Pico von Mirandola, dem Neffen des berühmten Giov. Pico — vgl. über ihn Hurter 2 2 Sp. 1226f. --, war Nr. 44. 1506 August 15. 73 Gedruckt: 1. Ioannis Francisci Pici, Miraudulac domini et Concordiae comitis, Epistolarum libri quattuor. S.l.a.a. Fol. F7 f. — 2. Opera omnia loann. Francisci Pici, Mirandulae domini Concordiaeque comitis. Basileae, ex officina Henricpctrina 1573. Tom. 2 S.1378. Ioannes Franciscus Picus Mirandulanus Conrado Petttingero iureconsulto. Salve. Dum nonnulla cum Mantuano principe 1 negocia (ut quandoque fit) agitarem, offendi Henricum nunc vestrum Augustensem 2 Italis gratum, et cum inter loquendum in tui tnen- tionem incidissemus illeque significasset brevi se Augustam re- diturum, rogavi hominem, ut meis tibi verbis plurimam salutem diceret et testimonium redderet meae erga te propensae volun- tatis. Uli ipsi has ad te litteras perferendas dedi, ut, si verbis eius minus fortasse fidei praestares, vadimonium accederet litterarum. Ego quidem cum ob tuas virtutes, tum quo me amore prose- queris is sum, quo uti potes arbitratu tuo. Caeterum si me am- plius demereri cupis, da operam, ne Wolphius 3 ille noster diutius me maceret et mearum elucubrationum,' quas procuravit formis Peutinger wahrscheinlich im Sommer 1502 bekannt geworden, als der Graf in Angelegenheiten seines Hausbesitzes in Augsburg beim Könige weilte: vgl. darüber Picos Brief an Pirckheimer vom 15. Dezember 1502 in 1. F. Pici Epistol. libri IV fol. B 3vf. Bin zweites Mal waren die beiden Montier im April 1505 in Straßburg als Gäste Thomas Wolfs d.J. zusammengetroffen; Ulridi Zasius erwähnt dies in seinem den „Sermones convivales" Peutingers auf fol. A 3 der Erstausgabe vorangestellten Briefe an Wolf: . . . Franciscus Picus, comes Mirandulanus, omniuni doctrinarum lumen, nuper cum Peutingero illo noslro ... hospitio tuo exceptus. ... Die Zeit dieses Zusammentreffens ergibt sich aus dem aus Straßburg datierten Schreiben Picos vom 28. April 1505 an Matthäus Lang (Epistolar. libri IV fol. E 2) sowie aus zwei Eintragungen in den Augsburger Siadtredinungen vom 19. April und 3. Mai 1505 (fol. 42v und 43*), die sidi auf einen rit zu ku. Mt. gen Strasburg beziehen. Audi in späteren Jahren blieben Pico und Peutinger in freundsdiaftlidien Beziehungen : vgl. unten den Brief Picos vom 13. Nov. 1512. 1 Francesco II. Gonzaga, Markgraf von Maniua (1484—1519). 2 Wer mit diesem „Heinrich* aus Augsburg gemeint ist, vermag ich nidit zu sagen: sidier nicht der Augsburger Bischof Heinridi von Lichtenau (so Herberge r Anm. 127). 3 Thomas Wolf d. J. in Straßburg: vgl. über ihn G. Knod, Deutsdie Studenten in Bologna (1899) S.642f, und ADB44 (1898) S.52ff. 4 Pico hatte am 24. Nov. 1505 seine bis dahin verfaßten Sdiriften durdi Matthias Ringmann Philesius zur Drucklegung nadi Straßburg an Thomas Wolf d. J. gesdiiekt, nachdem dieser ihn wiederholt dazu aufgefordert hatte: 74 Nr. 45. 1507 Januar 14. excudendas, expectatione continua discruciet. Iam paene peperisset elephas, ex quo hinc meorum librorum gravidus ad eum Philesius 1 discessit. Sed vos frigido sub coelo nati longi incubatus foetura ma- turiores fortasse partus editis in lucem. Quaeso te, Wolphio vel indi- genti calcaribus oestrum epistolae subinferas vel torpenti Germana glacie vocis zephirum inspires. Nee ambigo nostrum Henricum nonnihil caloris allaturum ex Italia; ni forte is tardiusculus acces- serit, utpote cui facile remoram attulerint tot nomismatum veterum imperatorum, quibus onnustus ad vos proficiscitur, nee aliam ob causam, quam ut tibi studioso antiquitatis gratificetur. Vale Mantuae 15. augusti properante calamo anno 1506. 45. An Sebastian Brant. 1507 Januar 14. Augsburg. Dankt für das zu seinen „Sermones convivales" beigesteuerte Gedicht Brants und entschuldigt sein langes Schwelgen mit der Überlastung durch amtliche und private Geschäfte. Straßburg, StA: Thomasardüv, Univ. I fol. 604 r . Absdir. Wenckers. — Adr.: Clarissimo iurium doctori D. Sebastiano Brandt, cancellario liberae urbls Argentinae, domino et amico suo observando. Sebastiano Brant amico integro Conradus Peutinger S.P.D. Litteras tuas pro amplitudine humanitatis et benevolentiae tuae redditas michi gratissimas seil, et aeeeptissimas legi et relegi. Quod fausta et prospera michi precaris quodque mutuo nostro respondes amori, tum etiam, quod Sermones nostros convivales carmine tuo pro ingenii tui magnitudine dudum exornavisti col- vgl. Picos Briefe an Wolf vom genannten Tage und an Ulridi Zasius vom 21. Nov. 1505: Io.Fr. Pici Epistol. libri qualtuor, fol. E3*>—F U. Der Druck dieser Werke, deren Reihe das umfangreidiste, die „De rerum praenolione libri IX", eröffnet, wurde beendet am 31. Jan. 1507 in der Offizin von Job. Knoblauch unter Aufsicht von Matthias Sdiilrer. Letzterer hebt in einem Brief an den Leser (vor dem Kolophon der Ausgabe) ausdrudilidi hervor, daß die Ausgabe duetu auspieiisque nostri ThomaeWolphii iunioris zustande gekommen sei. Vgl. Sdimidt2 S.77 f. — Wolf war übrigens audi der Herausgeber der Peutingerschen Sermones convivales, die ihr Verfasser im April 1505 (vgl. oben S. 72 Anm. 1) nadi Straßburg mitgebradit hatte: s. den (in der gleidien Anm. erwähnten) Brief des Zasius. 1 Matthias Ringmann Philesius, Mitglied des elsässisdien Humanistenkreises : vgl. Sdimidt 2 S. 87ff. Nr. 46. 1507 Januar 20. 75 laudastique, 1 tibi non solum ago, sed et plurimas habeo gratias referamque, si quando facultas dabitur. Verum si id serius a me fit, non ingratitudini meae, cum cupio semper tibi bene esse, sed et publicis tum privatis meis occupationibus adscribas rogo. Heae enim a dandis ad amicos litteris et plerumque retrahunt. Et quia scio, certo quidem scio, me a teex animo et vero diligi etperspectis- sima bonitate tua amari plurimum, amicitiae ergo et familiaritatis tuae nunquam deero. Quod et non solum de me speres, sed et confidas velim. Amicum tuum, de quo scribis,' 2 ita commendatum habebo, ut commendationem hanc tuam non sentiet esse vulgarem. Sup- plicationum ephimeridum exemplum unum formis excusum» tibi dono mitto, alterum, quoniam duplicatum habebam, apud me retinui. Vale et me ama, ut soles. Ex Augusta 19 kal. febr. anno 1507. 46. An König Maximilian. 1507 Januar 20. Augsburg. Sendet eine Berichtigung zum Stammbaume Maximilians. München, StsB: Cod. Genn. 896 (= FI. J. Fuggers Spiegel der Ehren des Erzhauses Österreich) fol. 318». Abseht: — (Auch in anderen Hss. des Euggerschen Werkes enthalten, z. B. Dresden, LB: Hs. L 3 [mit orthogr. Abweichungen]. In S.v. Birkens Druckausgabe [Nürnberg 1668J fehlt der Brief.) E. kai. Mt. haben abermalen an mich begert, denselben E. k. G. den arborem zuzeschicken, den ich dann bei dem Mahusch 4 geschickt und aber in demselben, als vil kaiser Carol des grossen geschlecht beruert, in frau Bega vater geirret. Dann irer und Grimoald, den ich für iren vater gesetzt hab, vater gewesen ist Grimoald und Grimoald ist gewesen ir brueder. Darumb E. k. Mt. den namen in nechstem cirkel ob Bega austun und Bega an des 1 Brants Gedicht steht in der Erstausgabe der „Sermones convivales" auf fol. e 4 (abgedruckt bei J. Knepper, Nationaler Gedanke und Kaiseridee bei den elsässisdien Humanisten [1898] S. 188f.). 2 Der Brief Brants ist nidit erhalten. 3 Wohl eines der beiden bei Erhard Ratold in Augsburg 1506 ersdiienenen Diurnalien für Regensburg und Freising; vgl. Panzer 6 S. 136 Nr. 37f. 4 Wohl der in einem Sdireiben Maximilians an den Augsburger Rat vom 24. Sept. 1510 als Bote erwähnte tapisier Mahusch Primberger (Buff Nr. 8572). der schon 1490 im Status Ro. ku. Mt. hofgesinde als Mahu tapissier (JKSK1 11880] S. XXVI Nr. 174) erwähnt wird. 76 Nr. 47. 1507 Februar 11. ausgetonen namen stat setzen lassen wollen. So steht alsdann der arbor von Lutreich 1 und Brabant ganz recht. Der von Stauffen wappen will ich erkunden und das E. k. Mt. anzaigen, der ich mich in aller undertenigkait bevelhen tun. Dat. Augspurg am zwainzigisten tag ianuarii anno etc. 7. E. k. Mt. gehorsamer diener Cunrad Peutinger, doctor etc. 47. An Sebastian Brant. 1507 Februar 11. Augsburg. Soll, sooft er Boten nach Augsburg, Ulm oder Nürnberg gehen läßt, vorher Johann Anshelm davon benachrichtigen, da dieser mit Anton Welser in Geschäftsverbindung steht. Straßburg. StA: IV, 105. Urschr. — Adr.: Pracstantissimo iurlum doctori D. Sebastiano Brandt, cancellario Argentoratensi, amico suo observando. S. P. D. Praestantissime Sebastiane, si quid exiguum tibi dono misi, 2 grates habere non opus est; mereris et maiora. Me tui obsequentissimum diiudicato petoque hoc unum ad te: si tabellarios ad nos, Ulmam vel Nurmbergium miseris, curato, ut hü Anshelmum Iohann 8 certiorem reddant; habet quidem cum socero meo 4 commercium pluriesque eidem rcscribit. In hoc michi et socero meo plurimum gratificabis. Consalutavissem nomine tuo communem amicum nostrum Gabrielem Morde!, 8 sed Argentoratum reversus est. Vale. Ex Augusta 11. die februarii anno etc. 7. Tuus Conradus Peutinger. De rebus Confoederatorum 6 perscripsissem ad te, ut tabel- larius nomine tuo petiit, sed quia omnia modo ex Mordel intel- ligere potuisti. . . .» a Der Rest des Satzes fehlt. 1 Lothringen. 2 Vgl. Nr. 45. 3 Wohl ein — nicht weiter nachweisbarer — Straßburger Kaufmann, wahrscheinlich verwandt mit dem bekannten Drucker Thomas Anshelm, der seine Tätigkeit 1488 in Straßburg eröffnet hat (ADB1 S.483). 4 Anton Welser d. A. 6 Wiederholt Vertreter Straßburgs auf Tagungen des Schwäbischen Bundes und Reichstagen (Augsburg 1505 und Worms 1509). Vgl. KKIpfel 1 S.537f.: FRC 2. 2 S. 766. « des Schwäbischen Bundes. Nr. 48. 1507 April 7. 77 48. An Sebastian Brant. 1507 April 7. Augsburg. Äußert sich zur politisclien Lage (Schwäbischer Bund, Papst Julius IL), empfiehlt den Straßburgern Johannes Rehlinger als Prokurator beim Kammergericht und erzählt von seinen aus Indien erhaltenen redenden Papageien und sonstigen Merkwürdigkeiten. Straßburg, StA: Thomasarchiv, Univ. I fol. 601. Absein: Wenckers. Salvus sis, praestantissime Sebastiane. Gratias tibi habeo plu- rimas, ut tabellarium vaeuum litteris tuis ad tne perventurum noluisti. Quae de Confoederatis scribis, audivi. 1 Si populus iste bene ageret faceretque, quantum Germanum decet, singula nobis accumulatissiine accederent. 2 Nova apud nos pauca sunt. Ponti- fex maximus Romain perveniet. An Galli vel Hispani regis partes foveat, nemo satis intellexit, quod Gallus contra Venetos aperto Marte progredi noluit. Papa, qui Venetis invisus, mox.Bononiam relinquens Romam contendit. 8 Bella canunt astrologi. Fiatid quod bonum est, aliud iure gerere non possumus, Deus ipse totum nisi bonum facit. Tu vale cum coniuge filiisque tuis. Coniunx nostra te salvum optat. Item salvum ex me dicito D. Johannem Guilhelmum Rotwilium. 1 Audio dominos Argentinenses in camerae iudicio procura- toiem habuisse, qui in fata concessit. Si alium petunt, tibi doc- torem Io. Rechlinger, hominem omni honestati deditum ac dili- gentissimum, commendo; 8 quare rogo, ut eundem senatui commendes, meliorem credo procuratorem habere non possent. Et si quid intellexeris, michi rescribito. Vellem, ut aliquando videres papageios meos humane lo- 1 Brants Brief ist nicht erhalten. 2 Peutinger wünscht vom Schwäbisdwn Bunde wohl vor allem die Bewilligung von Maximilians Forderungen für seinen Romzug. 8 Julius II. hatte am 22. Febr. 1507 Bologna verlassen. Des Papstes Ab- sidtten gingen schon damals auf ein allgemeines gegen Venedig gerichtetes Bündnis, für das er außer Maximilian sowohl Spanien wie Frankreidi gewinnen wollte; vgl. Pastor 3* S.625. 4 Vgl. oben S.32 Anm.3. 5 Dr. Joh. Rehlinger erscheint schon 1498 als Prokurator am Kammergericht (vgl. Harppredit 2 S. 142; FRC 2, 2 Nr. 783). 1501—3 vertrat er dort den Schwäbischen Bund: vgl. Klüpfel 1 S. 439 u. 488. 78 Nr. 49. 1507 nach April 7. quentes (psitacos non appello, cum alium quem Plinius 1 describit colorem habeant) multaque alia ex India a nostris factoribus quae mihi transmissa sunt: ligna, arcus, pela, conchae et alia. herum vale. Si longior fui, veniam dabis. Ex Augusta 8. id. aprilis anno 1507. Tuus Peutinger. 49. Von Johann Reuchlin. 1507 nach April 7. 2 Stuttgart. Erörterung der Frage, ob der Apostel Paulus verheiratet gewesen sei. Manchen, StsB; Cod. hat. 4007 fol. 18v—20r. Abschr. Gedruckt: Lotter-Veith S. 156—59. Ioannes Reuchlin Phorcensis, legum doctor, Chuonrado PeutingeroAugustano, iur.utr. doctori, S.P.D. Iniuriis a quodam monacho 3 affectum te suspicaris, et id tecum caeteri quoque putant. Ego vero huiuscemodi contumeliis tunc haud interfui. De Paulo Cilice non te insimulem male scripsisse, quam- vis tua hucusque ne penderim quidem ad trutinam. Sed tarn 1 Plinius, Nat. hist. 10, 117. 1 Das Sclireiben Reudüins ist die Antwort auf eine nicht erhaltene Anfrage Peutingers. Dieser hatte gehört, daß er wegen des die Ehe des hl. Paulus betreffenden Abschnitts seiner .Sermones convivales" von einem Stuttgarter Mönch auf der Kanzel heftig angegriffen worden sei, und sidi darauf offenbar bei dem in Stuttgart wohnenden Reudilin nadi dem Vorgang erkundigt. Am 22. April kommt er in seinem Briefe an Brant auf die Angelegenheit zu sprechen und nennt da audi den Namen seines Gegners: Wigand. Damit kann nur der Dominikaner Wigand Wirt gemeint sein, der damalige Prior seines Stuttgarter Klosters. Dieser hatte vorher mit den Elsässer Humanisten (Brant, Wimpfeling, Thomas Wolf d. Ä.) heftige Fehden über die Unbefleckte Empfängnis ausgefochten (Vgl. Sdimidt 1 S. 218ff.) Peutinger durfte also gerade in Straßburg und nicht zuletzt bei Brant wegen seines Zusammenstoßes mit Wirt auf besondere Teilnahme redinen und hat daher sicherlich die erste Gelegenheit benützt, um seinen dortigen Freund Brant darüber zu unterrichten. Da nun sein Brief an diesen vom 7. April (Nr. 48) die Angelegenheit nodi nidit berührt, ist somit der Sdüuß gestattet, daß er damals von Wirts Angriff nodi nidits wußte. Seine Anfrage bei Reudilin und erst recht dessen Antwort ist also nadi dem 7. April 1507 anzusetzen. " Wigand Wirt: vgl. die vorige Anmerkung. Über den Ausgang des Streites mit ihm vgl. unten Nr. 98. Nr. 49. 1507 nach April 7. , 79 humana de te mea est opinio, ut te credam nihil unquara con- scribere posse, quod limam exigat. Nee te mendacem recte quis appellaverit mea sententia, qui non tua, sed maiorum dieta recitas, praesertiin in re non solum tarn minutula et nihil ad fidei arti- culos conferente, verum etiam quae post tot et tantorum virorum, ecclesiae primitivae luminum, dispares opinioues hactenus in neutram partem catholica sit constitutione decisa, ubi nemo pri- scorum tarn vecors fuit unquam, nemo tarn impudens, qui alium obsimiliter sentientem in ea causa mendacem diceret. Scripserunt fontanae puritati propiores viri Paulum Tarsensem uxorem ha- buisse, sed evangelio suseepto de utriusque consensu continentiae dedisse operam. Astipulatur Ignatius, 1 confitetur Eusebius, 2 quos tu enumeras. 3 Ego, si vis, addam Origenem, magistrum theo- logorum et doctorem irrefragabilem uno Periarchon dempto, qui liber ei per calumniam famose imponitur. 4 Ait autem epistolam Pauli ad Romanos explicans Rufino interprete hoc modo: „Paulus ergo, sicut quidam tradunt, cum uxore vocatus est, de qua dich ad Philippenses scribens: Rogo etiam te, germana compar, adiuva illas." 5 Quae verba si Graece legantur, ut sunt ab Apostolo scripta, nullos iniieiunt scrupulos. Sic enim ad Philippenses capite IV. Graece scripsit: KvoMav naQanakG> xal 2vvrvii]v TtagaxaXcö to avro (pQovetv h< xvqi'co. JYal Iqcotö) xal o£, ov^vye yviqoie, ovÄ- Aa/Ltßdvov avialg, ahtvee iv m> evayyi-lko ovi'tföhjoäv /wi. 6 Id est: Euodian adhortor et Syntychen adhortor, idem sentire in do- mino. Certe rogo etiam te, CON1VNX LEGITIMA, comprehen- daris eisdem (quasi dicat connumereris eisdem), quae in evangelio collaboraverunt mihi, hoc est: in earum sanetarum mulierum 1 Pseudo-Ignatius, Ep. ad Philadelphenses c. 4, 5; vgl. Patres apostolici, ed. F.X.Funk,2* S, 131. 2 Eusebius-Rufinus, Kirdiengesdi. 3,30 (Ausg. von Ed. Sdiwartz und Th. Mommsen in: Die griedi. diristl. Sdiriftsteller d. ersten drei Jahrhunderte 9. Abt. 1, S. 262/.). 8 In den Sermones convivales (Erstausg. fol. b 2v) hat Peutinger nur die Ignatiusstelle in lateinisdier Übersetzung (nadi der 1498 ersduenenen Pariser Ausgabe der erweiterten Rezension der Ignatiusbriefe, besorgt durdi J. Faber Stapulensis) angeführt; die Stelle bei Eusebius- Ruf inus sdieint er in seinem Briefe an Reudilin als weiteren Beleg genannt zu haben. 4 Die Schrift Ihql d.Qx<üv gilt heute als edites Werk des Origenes. " Migne PG 14 Sp. 839 B. * Phil. 4, 2f. 80 Nr. 49. 1507 nach April 7. societate et amicicia. inveniaris, quarum nomina sunt in libro vitae. Hanc linguae proprietatem Graeci melius norunt quam Latini; quare dixerunt Paulurn habuisse uxorem, immo et caeteros apostolos. Cui non valde repugnat Hieronymus contra Iovinia- num ita scribens: „Ut ei ex superfluo interim concedam: ha- buerunt quidem uxores, sed quas eo tempore acceperant, quo evangelium nesciebant. Qui absumpti postea in apostolatum reli- querunt officium coniugale." 1 Ex quibus Hieronymi verbis illud Apostoli scriptum lucidius intelligo prima ad Corinthios VII.: „Volo autem omnes homines esse ut me ipsum." 2 Nam continuo ante dixit: „Ne temptet vos satanas propter incontinentiam ve- stram." 3 Voluit ergo omnes post evangelium esse continentes, licet ante evangelium habuerint uxores, sicut et ipse post evangelium susceptum conthorali coitu abstinebat. Quare sequitur: „Dico autem non nuptis et viduis: bonum est illis, si sie per- manserint sicut et ego." 1 Pro non nuptis dixit: äyä/xoig, id est: innuptis. Quo vocabulo Apostolus non prorsus pro non nuptis illis, qui nulla unquam contraxerunt coniugia, usus est; sed potius pro relinquentibus officium coniugale, quamvis statu matrimoniali cotnprehendantur. Quod ex sequentibus verbis licet intelligere, cum ait: „His autem, qui matrimonio iuneti sunt, praeeipio non ego, sed Dominus, uxorem a viro non discedere, quodsi disces- serit, manere innuptam"; 8 Graece sie: juevheo äya/uos, id est: maneat innupta. Quoniam igitur hoc verbum äyajuog nuptias non negat, sed castitatem astruit matrimonialem et coitu privat, quaero abs te, quo possit argumento quisquam urgeri, ut credat apostolum Paulum nunquam fuisse coniugatum. Nam qui se innuptis et viduis similem dixit, nondum se virginibus coaequavit. Eo magis, quod, ut contra Iovinianum scribit Hieronymus, „apud Iudaeos gloria erat et in partubus et in parturitionibus et male- dieta sterilis, quae non habebat semen in Israel." 0 Quum igitur Paulus ante coruscationem evangelii vir erat (ut ex verbis Ananias cognoseimus Actuum IX.: „Audivi a multis de viro hoc, quanta mala fecerit sanetis tuis") 7 et viro erat ignominiosum, sterilitatem caelibatu fovere (Ieremiae XXII.: „Haec dicit dominus. Scribe 1 Migne PL 23 Sp. 245 B. 2 / Cor. 7, 7. 3 1 Cor. 7,5. * 1 Cor. 7.8. '- 1 Cor. 7.10 f. 0 Migne PL 23 Sp. 241 B. ' Act. 9,13. Nr. 50. 1507 April 22. 81 virum istum sterilem, virum qui in diebus suis non prospera- bitur" 1 ), et inter benedictiones Deuteronomii scriptum est: „Non erit apud te sterilis utriusque sexus", 2 recte consequitur neminem sancto Paulo, qui sub nomine Saul in lege praecessit evan- gelium, his verbis detrahere, quod dicat ipsum fuisse coniugatum. Quilibet igitur in sensu suo abundet, alius quidem sie, alius autem aliter. Non tarnen alter alteri struat iniurias nee mendacia innocenti cuiquam impingat. Si quis est, qui hac in re cum Ambrosio sentiat (scribit enim idem super epistolam ad Corinthios bis verbis: „Non diceret Apostolus: ,Bonum est innuptis, ut sint sicut ego', nisi esset integer corpore, nee diceret: ,omnes homines volo esse sicutme ipsum', si habuisset uxorem" s ), si quis, inquam, Ambrosii partes fovet: is velim autores tuos non contemnat, sicut nee ipse ab aliis contemnitur, licet diversa scribentibus. Quamvis enim dicat idem Ambrosius in seeunda ad Corinthios epistola, quod omnes apostoli excepto Ioanne et Paulo uxores habuerunt, 4 tarnen Hieronymus contra Iovinianum c. XIV., si recte memini, scribit, quod Ioannes fuerit apostolus maritus et virgo. 5 Maritum vocat hie: non mentitur; sine uxore asserit ille: non mentitur. Quippe ambo stellae fidei lucentes in perpetuas aeternitates. Ita qui Paulum habuisse uxorem dixit, non mentitur; et qui dicit non habuisse, non mentitur. 1 ' 1 Sicut futurorum contingentium altera contradic- toriarum est vera et altera falsa, sed neuter alteram mentitur, ita est de praeteritis incertis, quae nondum saneta probavit ecclesia. Vale feliciter et bene valeat uxor tua mihi tanquam soror dileeta, inter faeminas clarissima, honestissima, pudicissima. 50. An Sebastian Braut. 1507 April 22. Augsburg. Politische Machric/iten. Bevorstehende Ausgabe des Li- gurinus. Wigand Wirts Angriff auf Peutinger. Anwesenheit von Celtis und Suntheim. Straßburg. StA: Thomasardüv, Univ. 1 foi.600?f. Absdu: Wenckers. 1 Jer. 22, 30. 2 Deut. 7,14. 3 Migne PL 17 Sp. 217 C: die Schrift gilt heute als unedit, als Werk des „Ambrosiaster". * Migne PL 17 Sp. 320 A. 5 Migne PL 23 Sp. 247B. ' Nach H. Leclercq (s. v. „celibaf im Dictionnaire d'archeologie chretienne 2, 2[19101 Sp. 2804) ist aus Mangel an eindeutigen Quellenzeugnissen die Frage, ob der hl. Paulus verheiratet gewesen ist, auch heute noch nicht sicher zu entscheiden. König, Peutingers Briefwechsel 6 82 Nr. 50. 1507 April 22. S.P.D. Quod tantam michi impendis humanitatem, ut tabel- larios tuos vacuos ad me mittere non velis, tibi gratias ago et non solum ago, sed et habebo. Confoederati apud nos sunt 1 et inprimis dux Albertus; 2 is auxilium gerit. Palatinus conies Nurmbergenses, 3 et comites de Hohenloe Hallensers accusant. 4 Multae apud nos audiuntur clades. Tu apud tuos vicinos et nos apud nostros bella suspicamur. Quorsum tandem copiae illae Alpinorum transgressae sunt, Mediolanum an Genuam versus vel contra Venetos tendant, adhuc incertum apud nos fuit. 6 Gallus rex 6 ad 24. diem mensis huius cum toto exercitu (ita enim constituit) veniet praemisitque ex Mediolano bompardas XXXVI, quae cum equis divehuntur. Ita nostri ex Mediolano scribunt. Deus ipse in nos agat, quid volet; velit autem id, quod bonum est. Ligurinus, qui accuratissime res Friderici primi conscripsit, formis apud nos excuditur, quem absolutum tibi transmittam.' Videbis aetatis illius et poetam et oratorem consumatissimum. Diu latuit, sed per Celtem postliminio restitutus in publicum prodibit. 1 Der Schwäbische Bund. Über diese Augsburger Tagung enthält die Aktenveröffentlichung von Klüpfel nichts. 2 Herzog Albrecht IV. von Baiern, Mitglied des Schwäbischen Bundes. Die Hilfeleistung ist wohl auf den beabsichtigten Romzug des Königs zu beziehen. Die Stände des Bundes hatten am 7. März eine solche abgelehnt; vgl. oben S. 77 Anm. 2. 8 Über den Streit zwischen Kurfürst Philipp von der Pfalz und Nürnberg, der das von der Stadt im Landshuter Erbfolgekriege eroberte oberpfälzische Gebiet betraf, vgl. Klüpfel 1 S.540 u. 546ff.; E. Reiche, Geschichte der Reichsstadt Nürnberg (1896) S.508ff. u. 521 ff. 4 Es handelt sich wohl um den von J. Gmelin, Hüllische Geschichte (1896) S. 597f. erwähnten Streit zwischen den Grafen Albrecht und Georg v. Hohenlohe und der Stadt Schwäbisch-Hall wegen Vogelsteilens zweier Bürger von Hall am Streifelesberg. r ' Die im Frühjahr 1507 für Frankreidi angeworbenen 6000 Sdnveizer wurden bei der Wiedereroberung Genuas verwandt, wo eine Volkserhebung die französisdie Herrsdiaft beseitigt hatte; vgl. J. Dierauer 2 2 S.451; E.Ga- gliardi, Der Anteil der Sdiweizer an den italienischen Kriegen 1 (1919) S. 612ff. 6 Ludwig XII. 7 Der Druck der Erstausgabe des Ligurinus ist laut deren Kolophon nodi im April beendet worden: s. die Vorbem. zu Nr. 51. Über die Ausgabe und deren Geschichte vgl. Joachimsen S.113; 245 Anm. 84; S. 249 Anm. 39. J. Sturm, Der Ligurinus. Ein deutsches Heldengedicht zum Lobe Kaiser Friedridi Rotbarts (1911) S.5ff. Nr. 51. 1507 April. 83 Vigandus monachus, 1 ut caeteris solet, propter divi Pauli assertum coniugium mihi graviter inviciatus est; modo cmnia negat. Nihil ego de Pauli coniugio asserui, sed quod audivi et legi retuli. Homines isti sunt cacodaemones, quia omnia maledicentia sua polluunt atque corrumpunt. Tu vale et me ama, ut soles. Tabellarium aliis implicitus per tres horas diu- tius continui, quare veniam dabis. Ex Augusta 22. aprilis anno 1507. Celtis et Ladislaus, 2 qui modo apud me sunt, siiniliter et uxor mea te plurimum salvere optant. Tuus Conradus Peutinger. 51. An den Leser. 1507 April. Augsburg. Gedruckt: Auf dem Titelblatt der Erstausgabe des „Ligurinus", ersdiienen im April 1507 bei Erhard Oeglin in Augsburg (Panzer 6 S. 136 Nr. 41). MarquardusdeStain.ecclesiaeBambergensispraepositus, MatheusMarschalck, Bernhardus etChunradusAdelman de Adelmansfelden canonici, Chunradus Peutinger ac Georgius Herbart Augustani'' Lectori S. Venit hiis diebus Augustam Chunradus Celtis, 4 vir tum in bonis artibus apprime doctus tum eciam diligens admodum veterum scriptorum indagator, quem cum pro nostra erga eum amicicia allocuti fuissemus, rogavimus, si aliquos libros antea nobis incognitos peregrinando perGermaniam reperiisset, uteorum pro sua in omnes humanitate copiam nobis faceret. Retulit Ligu- rinum quendam aegregium poetam de rebus gestis per Fridericum primum caesarem in monasterio quodam Franciae Orientalis, quam nostrates Franconiam appellant, se invenisse. Eundem cum legendum ac per ocium conspiciendum nobis tradidisset, exi- stimavimus profecto dignum fore, qui per ora virum volitaret. Adhortati itaque Chunradum fuimus, ut exprimi formis curaret neque diueius delitescere permitteret, cumque post aliquos trac- tatus sibi cum artifice parum conveniret atque hinc abire de- 1 WigandWirt; vgl. zum folgenden oben S.78 Anm.2. 3 Ladislaus Suntheim. ' Die damaligen Mitglieder der Sodnlitas lit. Augustana. 4 Vgl. Nr. 50 am Schluß. 6* 84 Nr. 52. 1507 April. crevisset, verebamur, cum unicum solum exemplar extaret, ne aliquo iniquo sidere iacturam aut periculum aliquod pateretur. Nostra itaque opera et aere tandem effecimus, ut artifex ille onus subierit partim, ne vigiliae et lucubraciones Ligurini perirent, partim eciam, ne incliti caesaris nostri Friderici primi labores et egregia facinora oblivioni traderentur. Accessit hiis peculiaris amor patriae. Cum enim origo nobis et quidem omnibus ex Suevia foret, pulchrum admodum videbatur, Fridericum, qui et ipse ex gente Sueva originem duxit, Suevorum potissimum auxilio ex taetro carcere et post aliqua saecula iterum in lucem prodire. Multa quidem inclito nostro Friderico propter innumeros labores, quos pro Romani Imperii decore ac maiestate con- servanda pertulit, Germania nostra debet, sed longe plura uni- versa christiana respublica, pro qua insignem ac sanctissimam illam expedicionem ad res christianorum in Asia restituendas sus- cepit et in qua, postquam Armenios feliciter devicerat, ut pium et religioni christianae devotum caesarem decebat, vitam quoque cum maxima christiani populi iactura amisit. Solius enim Friderici per eam tempestatem virtus et rei bellicae peritia tuto Saladini regis victoriae ac felicitati opponi et inclinatam rempublicam christianorum in Asia erigere potuisset. Quisquis igitur es, qui haec legis, Ligurinum hunc egregium virtutum Friderici caesaris praeconem ex Germania proficiscentem ne despicias, sed alacri animo amplectere atque revolve. Reperies revera pleraque, quae te legisse non modo non paenitebit, verum eciam plurimum iuvabit. Vale Lector. 52. An K- Maximilian. (.1507 April. Augsburg.} Über Herkunft und Werke Ottos von Freising und den Brief Kaiser Friedrichs I. an ihn. Gedrudä: Erstausgabe des „Ligurinus" (vgl.dieVorbem.zuNr.51) fol.Lßv. D. imperatori caesari Maximiliano augusto Conradus Peutinger Augustanus foelicitatem. Illustris marchio orientalis Leupoldus (ita enim se in litteris erectionis monasterii Neunburg Danubiani' appellat), clementissime 1 Klosterneuburg. In der Urkunde vom 29. Sept. 1136 (Pez, Thes. anecd. 6 a S.316 Nr.94), auf die sich Peutingers Angabe allein beziehen kann, nennt Nr. 52. 1507 April. 85 caesar, ex Suevorum ducibus progenitus, ob maximam eius in Christi religionem observanciam beneficentiamque in pauperes pius atque überaus dictus et anno proximo pontifice maximo adsenciente praesenteque eius oratore dexterrimo Mariano Barto- lino Perusino et M te Tua curante in divos relatus. 1 Is cum viveret, coniugem sibi matrimonio copulavit Agnetem, imperatoris" caesaris Henrici IV. augusti filiam ac Friderici senioris Sueviae et Franconiae ducis, imperatoris caesaris Friderici I. augusti avi, relictam viduam, sustulitque ex ea inter caeteros filios Othonem, maximae erudicionis virum et ob niorum gravitatem Frisingensis b ecclesiae episcopum declaratum, qui historiam rerum gestarum a mundi inicio ad Eugenii III. pontif icis maximi caesarisque Conradi III. augusti, eiusdem caesaris Friderici patrui, tempora abundantissimam rerum copia et sentenciarum varietate in libros VII digessit addiditque octavum de duabus civitatibus, quos omnis caesari illi Friderico nun- cupatim inscripsit dedicavitque, in quorum prologo, ut erat non solum humanissimus, sed et singularispromptitudinis et diligenciae, petit, ut idem caesar res a se gestas per notarios conscriptas ad se mitteret, quas et ad historiam conferre vellet.* Quod cum impetrasset, tres de ipsius caesaris gestis edidit libros et tandem ante caesarem in fata concessit; quos propediem M" Tua com- probante abbreviacione quadam publicabimus. 3 Verum quia haec, B imperatori Erstdruck. h Frinsingensis Erstdruck, sidi Leopold Leupaldus nobilis marchio orientalis. Peutinger dürfte diese Urkunde während seines Aufenthaltes in Klosterneuburg Ende Eebr. 1506 (vgl. Nr. 39) gesehen haben. 1 Die Kanonisation Leopolds war sdion am 6. Jan. 1485 durch Inno- cenz VIII. erfolgt; vgl. Pastor 3 i S.260 und V. O.Ludwig, Der Kanonisations- prozeß des Markgrafen Leopold III. d. Hl. (1919). Peutingers Bemerkung bezieht sidi auf die feierliche Erhebung der üebeine Leopolds, die am 15. Febr. 1506 in Klosterneuburg in Anwesenheit Maximilians und des bei ihm von Frühjahr 1504 bis Frühjahr 1506 als Vertreter Julius 11. beglaubigten Mariano Bartolini (vgl. Pastor 3* S. 597 und Nuntiaturberidite aus Deutschland I.Abt. 1 S. XLIf.) stattgefunden hatte; s. Pez, Mist. s. Leupoldi (Viennae 1747) S. 149 f. 2 In der Sdiulausgabe der Chronik des Otto von Freising (ed. A. Hofmeister) S.3. 3 Diesen Plan hat Peutinger nidit verwirkliaht. Die Erstausgabe der Werke Ottos, die 1515 in Straßburg erschien, ist von Cuspinian unter Mitwirkung des Beatus Rhenanus besorgt worden; vgl. A. Hofmeister in seiner in der vorigen Anm. genannten Ausgabe der Chronik S. LXXXVIIIf. 86 Nr. 53. 1501 September 6. quae caesar Othoni episcopo rescripsit, 1 in manibus nostris ad paucos dies fuerunt,'-' ea ipsa cum Ligurino nostro emittere et efferre operae precium duximus, cum quod verba principis tum eciam Ligurino ipsi ad annos plerosque testimonio essent, voluimusque in hiis inmutare nihil, ut nee eciam debemus. Quare si pulchram illam Lacialem Romanamque linguae elegantiam atque exornationem non prae se ferant, cogitabis caesarem supra legem et grama- ticae regulis utpote alciora cogitantem minime subiectum esse. Mos hie erat veteribus scriptoribus, quod monumenta (Antonio apud M. T. Ciceronem 3 dicente) sine ullis ornamentis solum tempomm, hominum, locorum gestarumque rerum adnotarent, relinquerent nihilque aliud ipsam praeter brevitatem collaudarent. M tas Tua modo principis responsionem benigne, ut solet, audiat. Es folgt der Brief Friedrichs I. an Otto von Freising. 53. Von Johannes Trithemius. 1507 September 6. Würzburg. Lehnt das Anerbieten, im Solde Maximilians als freier Gelehrter in Augsburg zu leben, ab, erklärt sich aber bereit, bei der vom Könige geplanten Herausgabe der mittelalterlichen Chroniken mitzuwirken. Gedruckt: 1. lohannis Tritemii abbatis Spanhemensis lipistolarum familiarium libri duo (Haganoae ex officina Petri Brubadiii 1536) S. 338ff. — 2. lohannis Trithemii opera historica quotquot reperiri potuerunt omnia 2 (Francofurti 1601) S.570. — 3. G. W. Zapf, Merkwürdigkeiten der Zapfischen Bibliothek (1787) S. 446 ff. 1 Den Brief Friedrichs I. hat Otto seinen Mesta Friderici" vorangestellt; vgl. die Schulausgabe von B. v. Simson S. 1 — 5. 2 Peutinger besaß damals noch keine Hs. der Werke Ottos. Im Frühjahr 1509 hatte er eine leihweise bei sich; vgl. Nr. 59. Die später in seinem Besitz befindliche (vgl. Nr. 126) ist heute in St. Paul in Kärnten; s. KönigS. 157. Peutingers Bemerkung in unserem Briefe bezieht sidi möglicherweise auf die damals Dr. .loh. Fuchsmagen gehörige Ms. des Otto von Freising (heute cod. 3334 der Wiener Nationalbibl.), die er i. J. 1506 nachweislidi in Händen gehabt hat — vielleicht während seines Wiener Aufenthaltes Ende Febr. 1506. s. oben Nr. 38 —: vgl. dazu H. Ankwicz-Kleehoven in den Mitt. d. Inst. f. oest. Gesdtichtsforsdi. 38 (1918) S.525. 3 Vgl. Cicero, De oratore 2,12. Nr. 53. 1507 Septembei 6. 87 Ioannes Tritemius, abbas monasterii s. Iacobi in suburbano civitatis Herbipolensis, Conrado Beutingero, iur. utr. doctori, S. Bilibaldus Pirckenheymer 1 communis noster amicüs scripsit ad me ante paucos menses eam mihi conditionem ad instantiam tui et amicorum a regia M te dispositam, qua si velim sub certo sufficientique stipendio quoad vixero libere mihi deinceps liceat in civitate Augustana philosophari; domum quoque aptam cum caeteris vitae necessariis copiose fore constitutam nihilque restare amplius, nisi quod meum in his dumtaxat praebeam consensum. Gratias caesareae ago M (i , tibi quoque et caeteris in communitate amicis habeo non vulgares pro tanta benevolentia in me vestra. Conditionem vero, quam mihi proponitis, nullatenus acceptare possum, quia locum deserere meum, quem mihi dominus rev ,n " s praesul et princeps Herbipolensis sub fide et confidentia singulari commisit, 2 non solum turpissimum foret, verum et i-ngratitudinis vitio plenum. Malo enim omnibus vitae meae diebus in paupertate consueta hie latere in exili coenobio quam meo discessu tantum prineipem offendere aut parem turbare patronum. Enimvero confidentiam eius, quam semel ad meam visus est habuisse personam, quantum in me est nunquam infirmabo. Neque meo convenit proposito, qui monachus sum et in regulam Benedicti voluntate spontanea dudum iuravi, relicto coenobio in civitatibus conversari et post gustatam utcumque coelestis secreti dulcedinem mundi rursus oecupari tumultibus. Non enim decet homines, 1 Willibald Pird;heimer; vgl. dessen Brief an Trithemius vom 1. Juli 1507 (Trithemii Epistolar. familiarium libri duo S. 279f.). Danadi hatten sich vor allem Konrad Celtis und Peutinger darum bemüht, dem ehemaligen Abte von Sponheim eine sorgenfreie Stellung in Augsburg zu versdiaffen. Sdton in seiner Antwort auf dieses Sahreiben Pirckheimers vom 18. Juli 1507 (a. a. O. S. 281) hatte Trithemius das Anerbieten mit der gleidien Begründung wie in unserem Briefe dankend abgelehnt. S. audi seinen Brief vom 16. Nov. 1507 an Abt Gerhard von Hassel, veröffentlidit von Lager im Trierischen Ardiiv 17)18 (1911) S. 189 ff. - Trithemius war, nadidem er auf die Abtei Sponheim wegen seines Streites mit dem dortigen Konvent resigniert hatte, am 12. Okt. 1506 zum Abte des Sdiottenklosters St. Jakob in Warzburg gewählt und zwei Tage später vom Würzburger Bisdiof Lorenz v. Bibra in seinem neuen Amte bestätigt worden; vgl. J. Silbernag/, Joh. Trithemius' 1 (1885) S. 114. 88 Nr. 54. 1507 Dezember 18. imo nec licet, qui se divinis semel mancipaverunt obsequiis, ad actus redire saeculares neque habitare in urbibus, qui monasteriis sunt addicti. Piscis in coquina et monachus in principis curia ab extremo nihil videntur distare periculo, quoniam morti uterque est proximus, alter videlicet vitae et carnis, alter spiritus et mentis. Nam sicut impossibile piscem videtur diu in culina differendum a morte, cum propterea sit illatus, ut comedatur ab hominibus, ita non est possibile, quod monachus in curia principis vel in tumultu mundanae actionis propositum suum monasticum in- violatum custodiat, maxime si eum ambitionis aut avaritiae cupido extra monasterium trahat. Secus est iudicandum, si ad hoc ipsum compellat quempiam ratio pietatis. Ego autern quietis et pacis amator, qui tumultuosam propterea dimisi abbatiam Spanhemensein per invidiam aemulorum praestita mihi occasione istamque revera pauperculam assumpsi, ut a curis mundi aliquantulum liber et absolutus mihi et studio vacem scripturarum, in consilio mentis dudum iam Studium teuere et continuare decrevi solitudinis, et quantum sine iniuria fieri potest curae pastoralis, nullam de mundi negociis habere sollicitudinem. Quodsi M las regia pro chronicorum aeditione meo delectatur officio, voluntarius et paratus sum,hicinmeofacerecoenobiolo, quicquidlucubranduminiunxerit, modo labor ipse meus aliquantulum pro loci recompensetur necessitate, ne gravis persona iudicetur mea alienis intenta vel onerosa. Amicissimo tarnen affectui tuo erga me gratias iterum atque iterum ago et ne moleste feras hanc meam sententiam oro. Vale sanus et foelix longoque tempore salvus. Ex Herbipoli sexta die mensis septembris. Anno christia- norum 1507. 54. An den Kardinallegaten 1507 Dezember 18. Augsburg. Bernardino Carvajal. Sucht unter Berufung auf die Verdienste der deutschen Könige und Kaiser um Papsttum und Kirche, sowie auf die guten Absichten Maximilians die päpstlichen Bedenken gegen den Romzug des Königs zu zerstreuen und fordert den Legaten auf, zwischen Julius II. und Maximilian zu ihrer beider und der ganzen Christenheit Heile ein Bündnis zustande zu bringen. Nr. 54. 1507 Dezember 18. 89 /. Stuttgart, LB: Hist. Hs. 2o 248 fol.4'—8v: Abschr. (=A). — 2. München, StsB: Cod. Lat. 4029 fol.226r-231v. Abschr. (= B). Gedruckt: Hinter „ Ch. Peutingeri. . . Oratio . . . pro . . . civitate Augusta Vind. imp. caes. Carolo ... Brugis ... Iiabita" in einem von dem Antwerpener Stadtschreiber und Humanisten Petrus Aegidius veranlaßten, von Simon Cocus und Gerhardus Nicolaus am 1. Mai 1521 in Boxstege vollendeten, heute seltenen Druck (Exempl. in der Augsburger StB) (= C). Rev mo in Christopa tri et dorn in o D.Bernhard in oCarvasalo, episcopo Tusculano, sacrosanctae Romanae ecclesiae cardinali s. Crucis patriarchaeque Hierosolimitano et D. Iulii secundi pontificis maximi* ad dominum nostrum b regem Maximilianum augustum a latere legato integerrimo," Conradus Peutinger Augustanus, iur. utr. doctor, salutem et foelicitatem optat. d Statueram iamdiu, pater amplissime, pro exigua Status mei condicione ad te Sublimitate Tua dignum quid perscribere, ut e plerique flagitarunt; et quia mea sponte te colo atque veneror, libens laetusque provinciam hanc subivissem, si causa non tarn ardua visa esset et me ad rem hanc idoneum magis agnovissem. Verebar enim Tuae Sublimitati incognitus, a qua eciam nee lacessitus nee provocatus, litteris si quid a me attentatum foret (ut non diu scriptum nee saepe tractum), temeritati pocius quam obsequentissimae promptitudini meae adscriberetur. Sed quia excusacioni locus datus est nullus et, utcumque scriptum a me misset, tuae solitae humanitati pergratum fore existimavi, cum petencium tum patriae amore duetus pauca hie exaravi. Primumque rogo atque obsecro[r],< ut, quiequid ad te virum amplissimum et fausto et auspicatiori illo legationis munere exornatum parce et minus apte minusque eleganter dixero, ignoscas et, ut soles unumquemque benevolenter excipere, me benigne audias. Deus etenim optimus maximusque adorantis puram et castam mentem plus diligit quam eius, qui carmen meditatum infert. Seimus regem nostrum imo tuum cum universis Germaniis adventu tuo 1 :l pontificis maximi fehlt A. >' nostrum fehlt A. ' integerrimo fehlt B. '' in B lautet die Übersdirift: Ad rev 1 """ 1 . . . Chunradi Peutinger Augu- slani iur. utr. doctoris epistula. Salutem et foelicitatem. " ut cui B. f obtestor B. 1 Kardinal Bernardino Lopez de Carvajal, ein Spanier, war am 16. Juli 1507 zum Legaten bei Maximilian ernannt worden, hatte am 6. Aug. Rom 90 Nr. 54. 1507 Dezember 18. gaudio maximo adfectum, cum quod te non obscuro genere, sed et foris et domi auctoritatis summae claris atque nobilibus parentibus ortum 1 novit, tum, ne tuo gentilicio huic stemati deesset quicquam, a te pulcherrimam illam virtutum tuarum con- geriem eciam multiiugam accumulatissime comparatam esse et multorum testimonio et tuae consuetudinis praesencia abunde edoctus est, siquidem a tenera tua aetate bonis litteris imbutum, moribus optimis institutum et singulis corporis animique dotibus magis atque magis in hanc usque diem te abundantissime ex- plenduisse patet, ut eciam tu pius, tu modestus, tu verus, tu iustus omnia ut homo frugi singula quaeque et prudenter et temperanter et fortiter et magnanimiter feceris confecerisque. Adiunxisti eciam prudenciae tuae sapienciam, temperanciae libera- litatem, fortitudini constanciam, magnanimitati perseveranciam ex hiisque tibi modus ille praecipuus et singularis agendi, guber- nandi principandique conquisitus. Non postulantibus amicis, non populari gracia, non diviciarum exuberancia cardinalatus digni- tatem a sacrosancta Romana ecclesia tibi debitam renuisti, petitus coactusque acceptavisti, quod non a solum tibi et tuis, sed et nobis Germanis omnibusque christianae religioni deditis pro fide, integritate et stabilitate tua prodesses plurimum. In hac ergo re subeunda, peragenda continuandaque 11 nullus tibi labor gravis, nullum periculum difficile fuit. Quae legacionem tuam quantum exornent, quantum augeant et amplificent, nemo est qui nesciat. Deinde huiusce legacionis tuae et honestatem et utilitatem et necessitatem amplectemur. Iulius pater augusto filio diu orbatus fuit. Filius hereditatem dico sibi debitam hactenus non vidit nee adire nee patrem veneracione solita consalutare potuit. In patrimoniis sibi ipsis iure debitis lacerati ruerent de- " non quod A; quod fehlt B. '' continuenda A. ° pater fehlt A. verlassen und war Mitte Sept. am hgl. Hoflager in Innsbruck eingetroffen. Er sollte den Romzug Maximilians hintertreiben und den König im Hinbiidt auf ein allgemeines Bündnis gegen Venedig zur Aussöhnung mit Frankreidi bestimmen. Vgl. Pastor 3* S. 626f. Der Kardinallegat hat auch zweimal in Augsburg geweilt, Mitte Okt. und um Weihnachten 1507; vgl. ChDSt 23 S. 115f. Bei letzterer Gelegenheit hat ihm Peutinger wahrsdieinlich seinen Brief persönlidi überreicht. 1 Der Kardinal entstammte einem der vornehmsten Adelsgeschlechter Kastiliens. Nr. 54. 1507 Dezember 18. 91 struerenturque ambo, nisi sibi suorumque saluti mature consulerent. Quid quaeso honestatis pietati accomodacius, quam ut pater et filius mutuo se observent venerenturque? Quid utilius: ut sua tueantur sibique iniuria ablata repetant; ad haec quidem et obligati et adstricti sunt. Animos ergo eorum foedere coniungas, eos eciam conliga et mutua observancia copulato. Fidem, spem et charitatem ambo in te reponunt. Et ut pontificis maximi amorem et benevolenciam et humanitatem, quibus te prosequitur, prae- teream, modo caesaris nostri fidem explorato, ad quam ipse tibi tuque Uli adinvicem obligati estis. Caesar regina matre Lusitana genitus, tu quoque Lusitanus nobilis. Erat caesaris filius Philippus Hispaniarum regum primum gener, mox rex; caesaris praeterea nepotes Karolus et Ferdinandus Hispano regio sanguine pro- geniti regesque sunt. Num Hispanis atque Germanis medii inter- iacentes hostes quidam a gloria invident, quae rogo animorum unquam coniunctio maiorfuit, cum hostem 1 ' Hispani atque Germani victoria illa insigni Apuliae regno Siciliaeque abigerunt. 1 Hinc castrense illud adagium apud nos invulgatum est: facile hostis hie profugus latitat, cum contra se Hispanum et Germanum progredientes conspicit. Sed ut ad te revertar: sunt aliqui, quibus Hispanorum et Germanorum res invisae sunt. Hos, ut audivimus, indoluisse plurimum munus illud maximae tuae legacionis tibi demandatum et iniunetum fuisse. Isti quidem cognoverunt et nos cognovimus te non solum Hispanorum, sed et Germanorum tuorum patronum diligentem, patrem pium, defensorem inconeussum propugnatorem- que acerrimum. Gaudio ergo maximoadfectaeGermaniae plurimum exultate vos talem modo pontificis maximi Saedisque Apostolicae legatum naetas esse! cl Christo Ihesu gracias agimus, quod salvum a Für hostes quidam in A ursprünglich hostes Galli; hostes quidam fehlt B. b Hinter hostem getilgt Qallum A. '' Für hostis hie in A nrspriinglidt hostis Gallus alis submissis. *' naetasse B. 1 In der den Kampf um Neapel zugunsten der Spanier entscheidenden Sdiladit am Garigliano (30. Dez. 1503) hatten im Heere Gonsalvos de Cor- dova audi deutsdie Truppen gegen die Franzosen gefoditen. Maximilian hatte sie im Herbst 1502 dem spanisdien Feldherrn auf dessen Bitte zu Hilfe ge- sdiickt. Vgl. Ulmann 2 S. 120. 92 Nr. 54. 1507 Dezember 18. et incolumem te ad nos divertere permisit nobisque coram videre concessit. Vivas, vivas salvus et foelix! Insuper cogitabis, ut ad res tandem sacri Romani imperii perveniam: a l post Romanos, ut Graecos modo praeteream, caesares augusti insigniores saltem fuerunt vel Hispani vel Germani. Docent haec cum Ulpius Traianus, Aelius Hadrianus, Theodosius, Arcadius, Honorius, Theodosius alter et Alfonsus quoque decimus, tum Karoli, Ludovici, Lotharii, Othones, Conradi, Henrici, Friderici, Rudolfi, Alberti et caeteri ex principum Germaniarum proceribus, quibus Romanum imperium iure debitum. Id quoque hactenus annis fere 34 supra 700 (postquam in eos in Karolum Magnum augustum, origine Germanum, ut docebimus, dominantemque super Gallos, translatum est) tenuere. Hü sunt seil. Germani, qui animorum observancia, munerum atque beneficiorum grati- tudine christianam religionem, pontifices quoque maximos et sacrosanetam Romanam ecclesiam veneracione summa coluerunt, amaverunt, auxerunt, amplifieaverunt, tutati sunt, quae potissimum et ut ex innumeris pauca referam: Germani caesares augusti, postquam Christi fidem suseepissent, hactenus hanc firmiter ob- servaverunt, quod nee fecerunt Constancius (Maximi Constantini filius), Iulianus, Valens (Valentiniani frater), Anastasius, Iustiniani duo, Heraclius et eius nepos Constantinus, Philippus seeundus, Leo tercius et Constantinus quintus. Hü omnes vel Arriana labe vel alio dogmate perverso polluti fuerunt. Karolus Magnus, Ludo- vicus Pius filius et Karolus tertius augustus nepos eius praeter Germanias in Hispaniarum plerasque provincias, in Pannones, in Bulgaros Christi fidem propagarunt. Non minoris observanciae fuerunt primi Heinricus atque Otho, Heinricus item seeundus. Obmitto Karolomanum monachum professum. Germani caesares atque prineipes cantum ecclesiasticum reformare summa diligencia curaverunt idem Magnus, Lotharius primus, Karolus tertius, Hein- a Hinter perveniam in A getilgt: nullum vero origine Gallum huic prae- fuissc unquani; fehlt in B. 1 Die folgenden Ausführungen über die kirdilidien Verdienste der deutschen Könige und Kaiser stammen aus Lupolds von Bebenburg .Libellus de zelo christianae religionis veterum principum Germanorum" (1491 in Basel von Jakob Wimpfeling herausgegeben; Hain *2725). Nr. 54. 1507 Dezember 18. 93 ricus Othoque primus et Rupertus Gallorum rex, 1 Othonis eiusdem ex sorore nepos. Karolus eciam Marcellus sacrosanctam ecclesiasticam rempublicam a Gothis salvatam pacatamque resti- tuit, qui eiusdem Magni avus et ex Germania inferiori Lothariciae ducum Pipini Heristellii filius, Angisi nepos, divi Arnulphi pro- nepos, Arnulphi primi adnepos, Ansberti Alpai atnepos, cuius eciam Germaniae inferioris ex ducibus Brabantinis diva Bega avia, Pipinus alter proavus, Karolomanus abavus erat. Sic quoque clare comprobamus Karolum Magnum non Gallum ori- gine, sed Germanum iuisse. Pipinus vero parvus, Marcelli filius, Karoli Magni pater, Zachariae pontificis maximi hortatu Childerico regi, quod a moribus progenitorum suorum, qui ex Germanis Francis sive Franconibus (ut eos M. T. Cicero ad Atticum scribens appellat 2 ) regnum Francorum Germanorum in Gallias protenderunt, descivisset illecebrisque Gallicis teneretur, subrogatus est. 1s eciam Stephano secundo pontifice maximo petente Aistulphum Langobardorum regem suppressit. Karolus ipse Magnus, ut Hadrianum primum pontificem maximum et ecclesiam Romanam a tyrannide liberaret, Desiderium regem et filium eius Adelchium sive Adilgisum subtulit submovitque. Lu- dovicus Pius Sarracenos Romanos depopulantes insigni victoria profligavit. Arnulphus caesar, ipse eciam Germanus, Pii pronepos, Formosum pontificem maximum contra Romanos rebellantes restituit. Otho primus caesar Germanus Iohanne XII. pontifice maximo flagitante Berengarium tercium et filium suum Italia pulsos in Franconiam relegavit. Otho tercius augustus, primi nepos, Crescendo et Iohanne Placentino sublatis Gregorium quintum pontificem maximum liberum fecit. Imperator caesar Heinricus tercius augustus pontificibus tribus abdicatis Bambergensem epi- scopum dementem secundum pontificem maximum subrogari curavit. Caesar Lotharius tercius augustus Innocencium secundum contra Rogerium Normannum, Siciliae occupatorem, defendit. Dona vero et munera, quibus caesares Germani augusti ecclesiam 1 Robert I. von Frankreich, Sohn und Nadifolger Hugo Capets, regierte 996-1031. 2 Cicero, Bp. ad Atticum 14,10. Die liier genannten Frangones haben mit den Franken nichts zu tun: vgl. O. Bremer in: Beiträge z. Gesch. d. deutschen Spradie u. Ut, hg. von H. Paul und W. Braune, 25 (1900) S. 223 f. 94 Nr. 54. 1507 Dezember 18. Romanam adfecerunt exornaveruntque, subticenda non sunt: Ra- venna cum aliis civitatibus quinque Pipini Parvi donacione ec- clesiae cessit, quam Karolus Magnus filius ratam habuit eique ultro dedit Spoleti et Beneventi ducatus. Idem et sequentes caesares Germani Bononiam et Romandiolam ipsam ecclesiae Romanae donavere. Obmitto thesauros maximos, quos cum ex hostium Arrianorum Hunnorumque praedis et manubiis, tum ex suis caesares et principes Germani ecclesiae eidem intulere. Testes sunt liberalissimi idem Magnus, Heinricus Foroiuliensium dux, 1 Hein- ricus secundus, Heinricus tercius, Otho quartus, Fridericus primus, Fridericus secundus, Rudolfus Hapspurgius et alii. Neminemque retro principem eciam quantumcumque christianam religionem foventem tanta ac tarn maxima fecisse legimus; nee Constantini (licet Germana matre genitus esset) donacio 2 hiis comparari potuit; diva Mechildis, 5 quae etsi ex provineiis, quas ecclesiae conferens Patrimonium divi Petri aecrescere fecit, ex matre Beatrice, Heinrici tercii caesaris neptis, Germana tarnen erat. Caesares eciam Germani, ut maximam suam erga pontifices christianae religionis supremos gratitudinem ostenderent, ab ipsis solis diademate et Corona augustali hactenus insigniri voluerunt, quod ante imperii in Germanos translacionem factum non est. Quorum eciam fides, ut magis constabilita innotesceret incon- 1 Heinridi von Baiern, dem sein Bruder König Otto I. 952 auch die Mark Friaul gegeben hatte. ■ Peutinger erwähnt die Konstanünisdie Sdienkung audi in der Epistola de nomine Augusto (Stuttgart, LB: Hs.2° 248 fol.lSv) und in der Sdirift De snpremae imperatoriae maiestatispraeeminentia etpotestate (Wien, National- bibl. Cod. tat. 12986 fol.40 r ). An beiden Stellen äußert er seinen Zweifel (si modo facta est; — si quae facta est). Außerdem hat er sidi im Cod. 2» Aug. 384 der Augsburger StB die gegen die Donatio geriditete Stelle der Con- cordantia catholica des Nikolaus von Cues abgesdirieben. Wenn er in dem Briefe an Carvajal seinen Zweifel unterdrüdit, so hat das wohl seinen besonderen Grund: Der Kardinal hat nämlich zur Verteidigung der Echtheit und Reditmäßigkeit der Konstantinischen Sdienkung eine eigene Sdirift verfaßt: De restitucione Constantini. Sie ist ansdieinend angedruckt und umgenannt in des Johannes Butzbach Auctarium scriptorum ecclesiasticorum (Hs. in der Universitätsbibl. zu Bonn). Die einsdilägige Stelle ist abgedruckt von Ed. Boedting, Vir. Hutteni operum supplementum 2, 2 S.308. Ebenso wie Joh. Butzbach konnte das Vorhandensein jener Sdirift auch Peutinger bekannt gewesen sein. l die Markgräfin Mathilde von Tuscien. Nr. 54. 1507 Dezember 18. 95 cussaque servaretur, Otho Magnus ultra praedecessores suos primus Iohanni XII. pontifici maximo iuramentum fecit. Privilegium, quod Karolus Magnus ab Hadriano pontifice maximo acceperat, Ludu- vicus Pius renuit. Id vero ab Othone praedicto resumptum Hein- ricus quintus Calixto secundo pontifici maximo denuo remisit. Nee refero templa christianorum per Germanos caesares et prineipes ereeta, instaurata exornataque et quot archiepiscoporum et episcoporum et caeterorum ecclesiasticorum ordinum sedes institutae, ubi idem eciam prineipum dignitate adornati caesarum augustorum electioni intersunt. Nonne apud solos Germanos ordo ecclesiasticus a Friderico secundo, Karolo quoque quarto con- stitucionibus eorum übertäte praeeipua donatus est? Quotpraeterea synodus, concilia, conventus pro Romana ecclesia tutanda con- servandaque Germani habuerunt? Longum vero esset recensere singula. Sed omnia dominus Iulius seeundus pontifex maximus, Tua D 1 ' 0 et caeteri cardinalatus sublimitate adaueti examussim cognos- eunt. Quid restat, rogo, quod pontifici eidem maximo, suae eciam laudi et gloriae propius, aecumulatius et, ut verius dicam, condu- cibilius unquam contingere poterit, ut pulso tyranno Bononiam, a multis annis iniuste oecupatam, denuo reeeptam 1 Maximiliano et Germanis suis auxiliantibus tutus conservet et frustra moliatur idem apud quos exul vivit, ut eam iterum arripiat horum ut audio consilio? Res ista clanculum agitur. 2 Quibus eciam cum ponti- ficis maximi tum caesaris iustum imperium suspectum est et qui utriusque villas, oppida, urbes provinciasque ablatas oecupavere et tenent timentque debitam iure restitucionem. Foveat et am- plectatur pontifex maximus Iulius pater caesarem Maximilianum augustum filium, qui pacatos Germaniarum prineipes atque paratos habet, quorum eciam copiae exercitusque quottidie adeurrunt. Nil aliud caesar nostrique Germani petunt desiderantque, nisi 1 Julius II. hatte Bologna nadi dem Sturze des Giov. Bentivoglio mit französisdier Hilfe am 10. Nov. 1506 wiedergewonnen; vgl. Pastor 3 4 S.615. 2 Giov. Bentivoglio hatte sich nadi Mailand unter französisdien Sdiutz begeben; vgl. Sanuto, Diarii 7 S.53.59.68. Ludwig XII. von Frankreich, der dem Papste bei der Wiedergewinnung Bolognas nur widerwillig Hilfe geleistet hatte, drohte schon im Febr. 1507, den Bentivoglio wieder nach Bologna zurückzuführen; vgl. Pastor 3* S.619. 96 Nr. 54. 1507 Dezember 18. ut ablata ecclesiae et imperio restituantur, quod et pontifice maximo et adnitente et adjuvante facile facient atque conficient. Pontifex eciam maximus sibi hoc modo caelitus demissum a Deo inunus habebit, hoc seil., quod praedecessores eius Sixtus quartus, Inno- cencius oetavus, Alexander sextus et Pitts tercius non potuerunt, ipse possit Iulius, ut augustum propriis suis manibus caesarem inungat" coronaque augustali insigni et decoret, nostrum dico Maximilianum, non cruentum ut Phalarim, non sumanum ut Mydam, non iaetabundum ut Ancum, non periculosum ut Caium, 1 non socorder. ut Claudium, non superbum ut Tarquinium, non avarum ut Sergium Galbam, nee pudicitiae prostitutorem ut Nero- nem, non turpi infamia notatum ut Tiberium, non obscoenum illecebrosumque ut Heliogabalum, non virginum violatorem ut Proculum, non temerarium ut Silvium Othoneni, non sumptuosum ut Aulum Vitellium, non truculentum ut Domicianum Caracallam- que, non bibosum ut M. Antonium, non impudentem ut Com- modum, non deliciosum ut Oppelium Macrinum, non frau- dulentum ut Iulium Philippum, non pavidum ut Didium Iulianum, non tardum ut Pescennium, 1 ' non ociosum ut Gallienum, non saevum ut Dioclecianum, non vilem ut Helvium Pertinacem, non infoelicem ut Valerianum, non a fide christiana deficientem ut Iulianum alterum, sed similem religione Constantino Maximo, fortitudine Scipioni, benevolencia Pompeio, reformacione et amore Octavio, pomparum recusacione Vespasiano, mansuetudine Tito, liberalitate Nervae, iustitia Traiano, clemencia Hadriano, pietate Antontno, philosophia Marco, 2 promptitudine Septimio, diseiplina militari Alexandro Severo, gratitudine Gordiano, civilitate Decio, gravitate Claudio seeundo, severitate Aureliano, gubernacione Tacito et probitate Probo. Eia age, rumpe moras, 3 perge, proficiscare, ut caepisti! Gloriae tuae insuda, fove caesarem nostrum, ama ut soles Ger- manias tuas, tibi et omnibus Hispanis et devinetas et obligatas. Christus Iesus duos gladios esse voluit. Quos coniunge, ut re- bellibus devictis missisque sub iugum fides christiana defendatur facilius propageturque vehemencius. Sic et pacati et tuti erunt a insigniat B. b Pescenninum ABC. 1 Caligula. 2 Mark Aurel. 3 Vgl. Verg., Aen. 4, 569. Nr. 55. 1508 September 24. 97 pontifix maximus, caesar, Romana ecclesia Romanumque im- perium, quod citra omne iugum solam ipsam firmam et incon- cussam libertatem amplectitur. Sic divus Gregorius ad Mauricium rescripsit: Inter reges gentium et caesarem hoc interesse, ut Uli in servos dominarentur, caesares vero liberis civitatibus imperi- tarcnt. L Quare pontifici maximo et libertati ecclesiasticae gloriam, Maximiliano augusto Caesaris dictatoris fortunam imperioque Romano victoriam precamur et Tuam Sublimitatem bene valere et bene agere optamus, cui me devotissimum asseclam humiliter commendo. Ex Augusta Vindelicorum 15. kalendas ianuarii anno hu- manae salutis 1507. 55. An Kurfürst Friedricli von Sachsen. 1508 September 24. Augsburg. Übersendet In Augsburg hergestellte, mit Gold und Silber auf Pergament gedruckte Ritterbildnisse und wiederholt seine Bitte um Auszüge von Magdeburger Kaiser- und Königsurkunden für sein „Kaiserbuch". Augsburg, StA: Peutinger. Nietn abgesandte, weil korrigierte Reinsdir. Gedruckt: Buff Nr. 8560. In verschinem jare hat E. f. G. camerer, herr Degenhart Pef- finger, 2 mir kurisser, von gold und silber durch E. f. G. maier mit dem truck gefertiget, 3 geantwurt, mich damit bewegt, solliche kunst alhie auch zuwegen zu pringen. Und wiewol ich des ain 1 Die Stelle, auf die Peutinger liier anspielt, steht nicht in einem Briefe Gregors I. an den Kaiser Mauricius, sondern in einem an den Kaiser Phokas (Mai 603): Hoc namque inter reges gentium et reipublicae imperatores distat, quia reges gentium domini servorum sunt, imperatores reipublicae domini liberorum; vgl. Gregorii registrum 13,34: MGH, Epp.2S.397. Eine fast gleichlautende Stelle audi in dem Sdireiben Gregors an den Exconsul Leontius: Gregorii reg. 11,4 (ebd. 2 S.263). 2 Degenhard Pfeffinger, Rat Friedridis d. Weisen. 3 Nach Ed. Chmelarz (Jost de Negkers Helldunkelblätter Kaiser Max und St. Georg: JKSK15 [1894] S.392ff.) handelt es sich um mit Gold und Silber gedruckte Ritterfiguren, die nach Zeidinungen des sädisisdien Hofmalers Lukas Cranadi, des Erfinders dieses Holzschnittverfahrens, hergestellt worden waren. König, Peutingers Briefwechsel 7 98 Nr. 56. 1508 September 25. costen getragen, so hab ich doch von gold und silber auf pir- ment getruckt kurisser zuwegen gebracht, wie E. f. G. ich hietnit ain prob zuschicke, 1 E. f. Durchleuchtigkait undertäniglich bittende, wollen die aus gnaden besichtigen und mir zu erkennen geben, ob die also gut getruckt seien oder nit. Und dweil E. f. G. ich vormaln gebetten hab, bei meinem gnedigisten herren von Mey- denburg 2 und sunst in iren fürstentumb von alten keiserlichen und kuniglichen freiheiten die anefaung und tittel, auch die da- tum derselben brieve des jars Christi, keisertumbs oder kunig- reichs zu ziere meins furgenomen keiserbuchs zuwegen bringen, ist mir noch nichts worden, das also noch zu erlangen under- tanigs fleis dinstlich bitte,« und ob E. f. G. sunst ichts neus hette, mir sollichs auch aus gnaden mitzuteilen etc. Dat. Augspurg sontags nach Mauritii anno Domini etc. octavo. Undertaniger Conrat Peutinger doctor. 56. An Herzog Georg von Sachsen. 1508 September 25. Augsburg. Übersendet in Augsburg hergestellte, mit Gold und Silber auf Pergament und Papier gedruckte Ritlerbildnisse. 4 Augsburg, StA: Peutinger. Entw. — Adr.: Dem durchleichtigen hochgelerten fursten und herren Georgen, herzogen zu Sachsen, landgravcn in Turingen, margraven zu Meißen, kais. Mt. und des heiligen Reichs erbgub pater tuus, clarissimus medicus, 1 et frater tuus Onofrius, sacrae caesariae M tls ianuae custos, mihi plurimum humanitatum suarum officiis gratificati sunt, tum propter erudicionem tuam singularem et multas ingenii tui sua- vitates. Quare perge, ut coepisti, et Studium meum tibi devinc- tissimum expete. Nos tibi quae possumus profitemur. Insuper maximae meae iucunditati accessit, quodrev dus tuus etmeusabbas, 2 tu quoque (quod rarum admodum est in Benedictinis Germanis saltem) studia policiora Colitis, meus dico abbas, qui nos hie nullis nostris meritis quam humanissime complexus est. Recte Aristoteles 3 naturae diligentiam laudabat, quod corpora servorum robusta, ingenuorum hominum acres animos effinxisset: Ita enim et illi laborem perpetiuntur, hü vero perspiciunt solertius saga- tiusque. Et ut vere fatear: cum primum abbatem nostrum vide- bam, nee Ottenpurrhanum cognoveram, quod gratiliori corporis habitudine hominem ingenii splendidioris sapientiaeque maioris considerabam; et ut spero recte quidem iudicabam. Is equidem sponte sua, a me non provocatus, multa nobis non solum eleganter, sed et prudenter referebat. Vides praelatos plaerosque rüdes admodum, quod policioribus illis literis erudiri noluerint, quae tarnen aetatem omnem exigunt nunquam intempestive et ubique gentium magno celebrantur honore, cum virtus ipsa atque doctrina virorum insignium stemata excellant. Vobis etiam plurimum congratulandum est, quod divum Hieronymum imitamini eiusque seetatores eloquio Latino, Graeco et Hebraeo Studium et operam impenditis in exercitium utcunque amoenissimum et 1 Ulridi Ellenbog, 1472—78 Arzt in Augsburg, dann in Biberadi und schließlich in Memmingen, gest. 19. Jan. 1499. Vgl. über ihn F. Zöpfl, Der Arzt Ulrich Ellenbog, in: Archiv f. d. Gesell, d. Hochstifts Augsburg 5 (1916) S. 111 ff. ! Vgl. oben S. 100 Anm. 2. :1 Aristoteles, De re publ. 1,5 (1254"). 102 Nr. 60. 1509 April-Mai. contemplationi et actioni satis accomodum. Bibliam nostram He- braeam eo pacto tibi commendato mitto, ut ad nos redeat; aliud eius exemplum non habeo. Et quia historiae rerum gestarum nos multum oblectant, tu curato, ut aliquos ex te Codices vetustos ea etiam lege, ut restituantur, accipiam; cumque monasterium ipsum Ottinpurrhanum ob antiquam eius erectionem apprime veneretur, de norninibus et inscriptionibus procerum, principum, regum atque caesarum et de salutis, imperii et regni annis, ut in literis donationum privilegiorumque eiusdem habentur, me certiorem reddas. Haec Historiae nostrae augustali, quam de cae- saribus elucubramus,' accumulatim forte conducent. Iterumque curato, ut semel nos convenias. Vale et me abbati nostro pluri- mum commendes. Ex Augusta 15. kal. aprilis 1509. Cum has iam scripsissem literas vectoremque, qui tibi Bibliam portaret, spectarem, literae 2 mihi a rev d0 nostro domino abbate allatae sunt. Egout Suae Dig ni adparatissimus morem geram, Othonem Frisingensem vobis mitto; et quia hunc iure dominii non possideo, sed commodato accoepi, 3 curabis hunc restituere. Iterum vale. Remitte mihi aliquid ex tui monasterii antiquitatibus. 60. Von Nikolaus Ellenbog. (1509 April-Mai. Ottobeuren.y Antwort auf Nr. 59. Übersendet Auszüge aus Ottobeurer Urkunden; die Chronik Ottos von Freising hat er zurückgeschickt; die hebräische Bibel, die Peutinger nicht vermissen werde, möchte er bis auf weiteres noch bei sich behalten. Grüße vom Abt. Stuttgart, LB: Hist. Hs.4» Nr.99 fol. 65^—67 v. Abschr. Ellenbogs. Gedruckt: Zapf S. 139— 43. Frater Nicolaus Eilenbog Conrado Peutinger S. D. Humanissime doctissimeque vir, certo velim tibi persuadeas me paratissimum fore in omnibus, in quibus tibi de me optime merito gratificare-- 1 possem, nihilque gravius fero, quam non posse tibi ad nutum satisfacere. Attamen ea te modestia et discretione indubitato scio, ut non quantum velis sed quantum ego posshn a gratificarem Hs. 1 Peutingers „Kaiserbuch". '' Nicht erhalten. ;l Vgl. S.86 Anm.2. Nr. 60. 1509 April-Mai. 103 perpendas. Accipe igitur, vetustatis amator singularissime, frag- menta quaedam fundationis monasterii Ottinpurrani; fragmenta inquam: nam ob crebras ignium vastationes, quas coenobium passum est, literae origenariae plaeraeque Vulcano absumptae sunt. „Anno incarnationis dominicae septingentesimo sexagesimo quarto regnante Carolo Romanorum imperatore. Ego Sylachus ex Alemannia, vir nobilis et praepotens, et uxor mea Erminswint cum filiis nostris Gauciperto episcopo, Totone clerico simul et Tageberto laico monasterium in domate proprio, quod divisum et separatum liberalissime a cunctis coheredibus contraximus et possidemus, in loco qui vocatur Otinpurrha secundum eccle- siasticam institucionem et iudicum leges in Dei nomine con- struimus atque fundamus. Omnia igitur praedia vel mancipia totamque familiam nostram omnipotenti Deo et beato Petro apo- stolorum principi necnon invictissimo martyri sancto Alexandro abhinc in legittimam ac perpetuam dotem pro incolumitate utrius- que vitae et pro remedio animarum parentum nostrorum prae- fato monasterio delegamus eo pacto ea videlicet conditione, ut nulli hominum liceat hanc donacionem aliquatenus infringere." 1 Post combustionem et ecclesiae reaedificacionem consecrata est ecclesia in honorem beatorum martyrum Alexandri etTheodori, quorum corpora hie habentur etc. Totto praeterea clericus, fun- datoris filius, post admirabilem sacri corporis (ut in Translatione saneti Alexandri 2 videre est) acquisicionem valefaciens saeculo monachus effectus et in proprio humiliter coepit conversari monasterio et post aliquot dies abbas et dominus loci constituitur. Sequuntur capita et data privilegiorum et confirmationum. . . 8 Haec paueula, virorum integerrime, aequo animo suseipias. Feci equidem quod potui, etsi non tantum potui quantum volui. Chronicam Othonis ad te redire feci. Biblia Hebraea pedem 1 MuH, SS. 23 S. 611 f. Die Urkunde ist unecht; vgl. A.Hauck, Kirdien- gesdiidite Deutsdüands 2 2 S.582 Anm.4. Siehe audi Nr. 66. 2 Translatio Alexandri filii s. Felicitatis in abbatiam Ottenburanam; Acta SS. Juli 3, S. 18 ff. ' l Es folgen kurze Auszüge folgender Urkunden: MGH, Dipl. Karol. 1 Nr. 219; Boehmer-Fidter, Reg. imp. 5 Nr. 1081 u. 2187; Boehmer-Huber, Reg. imp. 8 Nr. 596; Boehmer, Reg. dironol.-dipl. imp. et reg. Nr. 4837; Boehmer, Urk. Ludw. d. B. Nr. 1239 u. 1732; Chmel, Reg. Ruperti Nr. 2203: Altmann, Urk. K. Sigmunds Nr. 1383 u. 2123. 104 Nr. 61. 1509 Mai 27. Nr. 62. 1509 Mai oder 1. Hälfte des Juni. referre non magnopere affectat. Quid in causa sit, me fugit, nisi forte liberalius hie a me quam istic traetatur. 1 Sed haec sim tecum iocatus; quia enim te pocioribus et studiis et negoeiis obrutum scio, quam ut Hebraicae literaturae operam des, aequani- miter te laturum speravi, si diutius apud me über tuus hospitetur. Porro si eo opus habes, fac ut sciam, et illico ad te volabit. Abbas (ut tu scribis) tuus, immo meus, immo noster, te bene valere optat, de quo omnia tibi persuadere potes; est enim per- pulchre tibi affectus. 61. Von Blasius Hölzl. 1509 Mai 27. Füssen. Bitte um eine Landkarte. Gedruckt: E.v.Oefele in den SB Mündien 1898 Bd.2 S.448. Adr.: An doctor Conradten Peutinger, kai. Mt. rat. Lieber her Peutinger, lasst mich wissen, wann ich die karten 2 gehaben mag. Mag si nit so gros abkuntrafet werden, so lasst si in minori forma verjüngt abmachen. Ich main, ich werd ir gar pald notturftig, dann kai. Mt. eilt vast auf Trient zum angriff etc. Dat. Fuessen 27. maii anno etc. 9. B. Höltzl. 62. Von Nikolaus Eilenbog. (1509 Mai oder 1. Hälfte des Juni. Ottobeuren.y Übersendet eine während seines Noviziates zusammengestellte Blutenlese aus den Werken Piatos mit der Bitte, zu prüfen, ob sie der Veröffentlichung würdig sei. Stuttgart, LB: Hist.Hs.4o Nr.99 fol.67vff. Absdir. FMenbogs. Gedruckt: Zapf S. 143f. 1 Am 24. April 1509 schreibt Eilenbog an Reudüin: Ego vero Bibliam impressam legens, quam mihi doctissimus ille atque humanissimus Conradus Peutinger commodato dedit. Reuchlins Briefwechsel S. 108 Nr. 105. 2 E. v. Oefele bezieht Hölzls Bitte auf die .Tabula Peutingeriana". die Peutinger auf Grund letztwilliger Verfügung ihres Entdeckers Konrad Celtis seit 150718 besaß. Man könnte jedoch auch an die erste .moderne" Karte von Mitteleuropa, die sog. Karte des Nikolaus von Cues denken, deren Kupferplatte Peutinger erworben hatte. Vgl. E. König, Konrad Peutinger und die sog. Karte des Nikolaus von Cues, in: Feslsdirift Georg v. Hertling z. 70. Geburtstage dargebr. v. d. Görres-Gesellschaft (1913) S. 337—41. (S. auch Nr. 143 f.) Nr. 62. 1509 Mai oder 1. Hälfte des Juni. 105 Frater Nicolaus Eilenbog Conrado Peutinger S. D. Humanissime atque doctissime vir, quod literis tuis opem et diligentiam literariam tuam polliceris omnem, gratias tibi habeo immortales. Venio autem nunc, etsi forsan intempestive occu- pationibus tuis maximis reclamantibus, operam tuam et consilium imploraturus. In principio conversionis meae ad vitam religiosam, dum adhuc novitium agerem, 1 ne ocio vacarem proindeque hosti tentandi locum relinquerem, in cella residens iugi lectione tempus absumpseram; et ut verum fatear, nunquam (in insipientia dico) minus solus eram, quam quum solus fui. Fateor autem ingenue: in perfectionem meam post saecularia studia 2 divinae literae minus succulentae sapidaeque videbantur. Ita enim instar febre laborantis intelligentiae meae sensorium infectum erat. Posthabitis itaque sacris literis Plato sumebatur in manus, 3 cuius lectione ita de- lectatus fui, ut primo eum perlegerem, secundo legere occeperim sententiasque potiores, quae fidei nostrae propius accederent et ad bene beateque vivendum spectare videbantur, exscriberem et more apum amplissimum Platonicorum operum campum trans- volans quae mellificanti commodiora videbantur delibavi. Huius- modi Epitoma pater dignissimus abbas meus, bonarum literarum amator praecipuus, apud me videns ac legens voluit ac decrevit, ut imprimeretur ac in publicum exiret, 4 cui etsi contraire mihi non liceat oboedientia seil, me vinciente, placuit tarnen doctiorum virorum super hoc iuditium expeetare. Mitto igitur ad te, doctissime vir, Breviarium Piatonis utcumque a me recollectum et 1 1504—1505: vgl. L. Geiger, Noch einmal Nicolaus Ellenbog, in: Oesterr. Viertel) ahrsschr. f. kath. Theol. 10 (1871) S.444; Bigelmair (vgl. oben S.99 Anm. 2) S. 22. 2 Ellenbog hatte an den Universitäten Heidelberg (seit 12. Juli 1497) und Krakau (seit 15. Nov. 1501) artistischen und astronomischen Studien obgelegen; vgl. Bigelmair S.21 f. 3 Ellenbog las Plato damals und später in der lateinischen Übersetzung des Marsilius Eicinus; vgl. seinen Brief an Reudüin vom 23. Juli 1509: Reuch- Uns Briefwechsel Nr. 110 S.113. * Abt Leonhard Wiedemann ließ 1509 in seinem Kloster eine eigene Druckerei einrichten. Vgl. den in der vorigen Anm. genannten Brief Ellen- bogs; Geiger a. a. O. S. 445; M. Bernhard, Die Budidruckerei des Klosters Ottobeuren, in: Wissensdiaftl. Studien u. Mitt. a. d. Benediktinerorden 2, 2 (1881) S. 313 ff. 106 Nr. 63. 1509 Juni 17. quidem unicum, ut illud recognoscas, emacules et elimines, modo tanto studio dignum iudicaveris. Quodsi minus, ad me nihilo- minus redeat codicillus perpetua clausura penes memansurus. Vale. 63. An Nikolaus Eilenbog. 1509 Juni 17. Augsburg. Antwort auf Nr. 60 und 62. Dankt für die übersandten Urkundenauszüge und bittet um den vollständigen Text der beiden ältesten Stücke. Lobt Ellenbogs Plalostudien und fordert ihn auf, seine Blutenlese aus Piatos Schriften, zu deren Prüfung er sich jedoch nicht berufen fühle, zu veröffentlichen. Stuttgart, LB: Hist. Hs. 4o Nr. 99 fol. 68*ff. Absdir. Ellenbogs. Gedruckt: Zapf S. 145f. Conradus Peutinger Nicoiao Eilenbog S. D. Binas quas ad me dedisti literas 1 legi tibique pro vetustis illis adnotationibus mihi transmissis non solum ago, sed et habeo gratias. Hoc unum abs te rogatum velim, si quae plura huic inscriptioni, cuius initium est: „anno dominicae incarnationis764", verba quam in exemplo mihi misso subiecta essent, me certiorem reddas. Dictio quidem illa „et caetera" ante versum „Totto cleri- cus" conlocata me ancipitem facit. 2 Quare, si quid deest et si commode poteris, literarum imperatoris caesaris Karoli Magni' 1 exemplum integrum ad nos mittito, quemadmodum et abba Cam- podunensis 4 de sui monasterii erectione amplissimc mihi grati- ficatus est. Quae de Sylacho ex me petis, non satis scio nee de eo usquam legi. Diligentia forte exaetiori videbis aliquando et Suevorum reges et duces a nobis conscriptos. 8 Quod Platonem, quem studio tuo magnopere amas, amplecteris, tibi plurimum gratulor. Est quidem urbanitate, disputandi subtilitate et senten- tiarum ubertate mirifice refertus; quem etiam sanetissimi religionis nostrae viri ad divinum collaudavere: cum eruditio eius et mores 1 Nr. 60 u. 62. 1 Peutinger hält also audi den mit Post combustionem beginnenden Abschnitt des Briefes Nr. 60 irrig für einen Bestandteil des Textes der Urkunde von 764. Ellenbog berichtigt das in seinem nädislen Briefe (Nr.66). ' von 769 = MGfi, Dipl. Karol. 1 Nr. 219 (unecht). 4 Abt von Kempten war damals Joh. Rudolf v. Raitenau (1507—23). ■ Peutingers „Kaiserbuch". Nr. 64. 1509 Juli 1. 107 tum opiniones cum fide nostra similitudinem quandam prae se ferunt. Et ut modo caeteros obmittam, docet nos haec de evan- gelica praeparacione Eusebius Pamphili a Gregorio Trape- zuntio latinitate donatus. 1 Quod autem velis excerpta tua Pla- tonica a me probari: ea mihi committendi tentatio non satis tuta videtur, qui cum Piatone, quem unice veneror, concertare non possum. Tu eum laborem subisti, quem dudum optabam. Quis tibi non plurimuin debebit hoc? Quod campo latissimo profusum erat, compendio quodam brevitatis selectum nobis restituis et violas rosasque et mel illud tuum optimum ex flagrantissimis Hyblaeis floribus confectum donas. Hoc etiam Plinius et Caesar dictator in collectaneis suis facere solebant. 2 Optima profecto res est, ne vitam veluti pecora ocio transeamus inani, societati humanae semper invigilemus et prodesse volentes beneficiis gra- tificemur. Quare perge, ut coepisti; diligentiae tuae et laboris munus, ut omnibus communefiat, curato emittitoque castigatum. 3 Rev d0 domino abbae, quod me valere optat, gratias nostro nomine agito. Vobis ego me plurimum commendo. Bibliam Hebraeam diutius apud te habere poteris. Ex Augusta 15. kal. iulii anno salutis 1509. 64. Von Heinrich Bebet. i 1509 Juli 1. Tübingen. Widmet seine Sc/irift „De laude, antiquitate, imperio, victoriis rebusque gestis veterum Germanorum" und äußert seine Genugtuung über die schwere Niederlage der Venetianer. Gedruckt: Opera Bebelii. Pliorcae in aedibus Thomae Anshelmi Baderisis anno 1509 mense augusto. Fol. 3*ff. 1 Vgl. Eusebius, De praeparatione evangelica lib. 11—13 passim (Migne PG 21 S. 842ff.). Die im Auftrage Nikolaus V. angefertigte lateinisdie Übersetzung des Georgias Trapezunlius ist in Venedig 1473 (Hain *6700) ersdiienen. 2 Über die Kollektaneen des Caesar und des älteren Plinius vgl. M. Sdianz, Gesdt. d. röm. Ut. 1,2 3 (1909) S. 125; 2,2-' (1913) S. 481. 3 Peutinger muß das Epitoma Platonicum gleidizeitig an Eilenbog zurück- gesdückt haben; denn am 23. Juli übersendet dieser einen Teil des Werkes, die Auszüge aus Piatos „Cratylas", mit der Bitte um Prüfung und Verbesserung an Reudilin. Vgl. Reuddins Briefwedisel Nr. 110 S. 114. * Über den namentlidi als Diditer und Philolog bedeutenden Tübinger Humanisten IL Bebet vgl. zuletzt Joadiimsen S. 97f. 108 Nr. 64. 1509 Juli 1. Clarissimo viro Conrado Peutinger, iurisconsulto atque archigrammateo Augustensi, Henricus Bebelius S.D. Cum proxime legissem, vir clarissime, Supplementum chroni- corum Iacobi Philippi Bergomensis, inveni inter caetera illum dicentem de Germanis in Othone I.: „Germani nanque Romanorum temporibus modici aut nullius ferme fuerunt precii, et propterea veteres scriptores pauca de eis scripserunt, quod ipsa Germanorum provinciapertemporaAugusti caesarisimperio coepit esse subiecta" etc. 1 Quae cum diligentius pensitassem longeque aliena a veritate esse non obscure scirem, coepi meo solius studio et labore omnes historicos rerumque scriptores, quos habere potui, evolvere diligentiusque perscrutari, quo hanc maculam non sine iniuria Germanis inustam repurgarem atque diluerem. Composui igitur ex variis scriptorum testimoniis quasi quoddam commen- tarium, ut traderem vel aliis materiam et ansam cultiori stilo meditatioreque studio vindicandi Germaniam ab omni iniuria defraudatae laudis, quod et ego ipse viginti capitibus pro virili portione feci. Ubi tarnen non studui, quam eleganter, sed quam verissime ostenderem Germaniam ante Othonem et priscis temporibus non nullius, ut ille dixit, sed maximi precii fuisse in omnique genere virtutum rerumque gestarum gloria omnibus gentibus praestitisse temporibus antiquissimis: quod cum vidisset laborem meum, laudavit diligentiam et Studium patriae vir op- timus atque doctissimus venerabilissimaeque senectutis Ioannes Nauclerus alias Vergenhans, 2 historiarum nostro tempore dili- gentissimus. Eram autem tecum communiter inscripturus nunc libellum Petro Iacobi Arlunensi 3 iurisconsulto omnium clarissimo, amico tuo non vulgari patronoque meo singulariter colendo, sed (o summam humanae naturae fragilitatem, o spem hominum 1 Jac. Phil. Bergomensis Suppl. chronicarum (Venetiis 1492 = Hain *28Ö9) Hb. 12 am Anfang (fol.y 4v). '* Über Jon. Naukter, Kanzler der Universität Tübingen, der in seiner 1516 erschienenen Weltchronik .das erste kritische Geschichtswerk Deutschlands" geschaffen hat, vgl. Joadiimsen S.91 ff. 3 Petrus Jakobi von Arlon (i. belgisdien Luxemburg), Propst von Backnang, früher Erzieher des jungen Herzogs Ulrich von Württemberg und einer der frühesten Korrespondenten Reuahlins (vgl. Reuchlins Briefwechsel Nr. 11 f. u. 17). Er starb in Worms am 13. Mai 1509. Vgl. über ihn Heyd in Klaibers Studien d. evang. Geistlichkeit Württembergs 3,1 S. 180—87. Nr. 64. 1509 Juli 1. 109 fallacissimam) surreptus est ille immatura morte e medio viven- tium non sine publico luctu totius Imperii principum atque pri- morum in conventu proximo Vormaciensi, quem inmortalis Deus ex ineffabili misericordia sua suis civibus in caelesti patria aggrc- gare dignetur. Illo igitur orbatus, cui potius dedicarem quam tibi non videbam, propterea quod scirem te esse cum eruditorum omnium atque studiosorum patronum singularem atque cultorem tum historiarum omnisque antiquitatis talem investigatorem tam- que peritum, ut tibi in ea re primas partes una cum Nauclero meo omnis per Germaniam eruditorum schola sine controversia concedat. Tu proinde laboribus meis Judicium tuum interpone studiumque meum adiuvato atque, si quid desit vel abundet, erudi- tionis tuae lima compleas vel reseces atque propter commune Studium adhibeas tecum iudices viros nobiles mihique licet ignotos, nomine tarnen et fama in omni genere eruditionis atque virtutum commendatissimos atque famigeratissimos, 1 urbis vestrae canonicos Marquardum de Stain, Bambergensis ecclesiae praepositum, Mat- thaeum Marschalk, Bernhardum et Conradum Adelman de Adel- manshusen 2 eiusque urbis patricium Georgium Herbart in bonis literis egregie eruditum, quorum adhibito iudicio si suffragia foeliciter obtinuero, quid alii senserint, praesertim detractores patrocinentur aut accusent, naucisum facturus omnino. De his hactenus. Sed o quanta rerum mutatio, quanti conatus hominum vani atque incerti! Anno exacto, quo haec scribebam, lamentabar Venetos propter nostras simultates regemque absentem auxilio regis Francorum invadere Germaniam nostram Goritiam- que e manibus nostris diripere, a qui vix ausi sunt hactenus corporum nostrorum umbram intueri, quae res ita me animumque meum consternavit tantoque dolore confecit, ut parum abfuerit, quin in proprio corpore in aciem descenderim atque cum aliis militibus miles hiis obviam ierim, a quo me deterruit, quod non esset iustus exercitus, qui posset tantae multitudini Venetorum et 1 Die folgenden Namen hat Bebe! der Vorrede des „Ligurinus" entnommen; vgl. Nr. 51. s Lies: Adelmannsfelden. 3 Die Einnahme von Götz durdi die Venetianer hatte am 16. April 1508 stattgefunden; vgl. Ulmann 2 S.346. Das Sdüußkapitel der Sdirift Bebeis. die er mit obigem Briefe Peutinger zueignet, enthält eine „Peroratio ad principes Germaniae", in der diese zur Befreiung von Görz aufgerufen werden. HO Nr. 64. 1509 Juli 1. Francorum contraire, et ut dicam quod sentio: quia nemo esset, qui reipublicae Germanicae misertus opem ferre curaret. Sed stultus ego, qui non intelligebam Venetos iusticiae iurisque ductori terrenoque Deo caesari sine causa adversantes iniuriamque in- ferentes propriae temeritatis, ne dicam stulticiae poenam daturos; non recordabar item caesarem Iulium olim dixisse consuesse deos immortales, quo gravius homines ex commutatione rerum doleant, quos pro scelere eorum ulcisci velint, hiis secundiores interdum res et diuturniorem impunitatem concedere. 1 Factum itaque est, ut beneficio deorum immortalium et virtute caesaris expiato in- commodo neque huic dolor longior sit relictus neque hostibus diutuma laeticia atque triumphus, quem plausibiliter vicatim atque per cunctas orbis partes iactaverunt, foeliciter perenneque reman- serit, ut bene dixerit Lucanus: O faciles dare summa deos eadeinque tueri difficiles. 2 Proinde, ut reliquorum imperatorum atque ducum res adversae auctoritatem minuerunt, sie huius e contrario dignitas incom- modo aeeepto in dies augetur; is enim suis recuperatis splen- didissimo foedere 3 summam illis rerum afflictionem intulit divi- nitus, ut credere licet. Cuius enim mortalium mentem unquam attigisset, nisi oeculto Dei iudicio factum esset, Venetia u eunetis Europae prineipibus potentior, 1 ' quae se habere voluit dominarn maris quaeque orbis totius imperium uti altera olim Roma agi- tavit, quod intra tarn breve tempus, hoc est inenstruum, amiserit non solum gloriam et maiestatem a patribus amplissime aeeep- tam, 4 verum etiam dominia urbesque amplissimasuna cum maxima internitione effusioneque sanguinis suorum inaudita, ita ut (nisi fortuna eos sereniori vultu respexerit aut regum ira resederit vel prineipes Germaniae contra decus suum honoremque et gloriam Germanicae nationis caesarem et prineipem dominumque suum adiuvare pertinaciter contempserint) nihil eis salvum sit futurum. ■ x Venetias Erstdruck. b potentiores Erstdruck. 1 Vgl. Caesar, De bello Galt. 1,14. 2 Lucanus, De bello civili 1,511. '■' Die am 10. Dez. 1508 abgeschlossene Liga von Cambrai. 4 Durch den glänzenden Sieg der Franzosen bei Agnadello am 14. Mai 1509, der auch Peutingers Freude erregte; vgl. seine bei König S. 18 wiedergegebenen Äußerungen darüber. Nr. 65. 1509 August 28. \\\ Possum igitur de eis dicere, quod ipsi responderunt caesari nostro Maximiliane» (non considerantes fortunae instabilitatem rerumque humanarum fidem fluxissimam), dum non sine eorum ope et auxilio dux Mediolani Ludovicus Maria est a rege Francoruin in captivitatem duetus: 1 „Optimus Deus noster detestabilium faci- norum vindex et ultor!" Cum diu et multum distulisset, noluit tandem differre amplius condignam Venetorum operibus retribu- tionem; cumque augustissimam christianissimamque Romani cae- saris M tem ad Status sui recuperationem excitasset inspirassetque, effectum est, quod eiusdem caesaris M tas eiusmodi honestissimi desiderii divino iudicio iam compos est facta. Quodsi quis novit et consideravit modum, facilitatem celeritatemque in tali recu- peratione secutam, necessario secum concludet non humanam, sed divinam omnino operationem extitisse. Sed exitum rerum expeetaturus nunc calamum retraham, contentus lamentationem meam in fine faetam fuisse nunc in risum et laeticiam conversam. Tu vale atque nie commendatum habe. Ex Tubinga kalendis iuliis anno 1509. 65. Von Frater Erasmus Huber 2 1509 August 28. Augsburg, (durch Veit Bild). Bittet, da er demnächst in seine Heimat Bozen reise, um Mitteilung über den Stand der Angelegenheit des Ludimagisters Petrus Tritonius in Bozen. Augsburg. OA: Hs. 81 1 fol. 189"". Absdir. Bilds. — Adr: Proprias ad manus iur. utr. doctoris eximii Conradi Beitinger, domini sui praecolendi. — Übersdirift Bilds: Htm 28. dieaugusli 1509 rogatu f. Herasmi infrascriptam scripsi cedulam. Regest: Sdiröder Nr. 24. 1 Über den von Venedig geübten Verrat an Lodovico Moro und seine Gefangennahme durdi die Franzosen am 10. April 1500 vgl. H. Kretsdimayr, Gesdi. von Venedig 2 (1920) S.408. Das Zusammentreffen Maximilians mit den Venetianer Gesandten fand im Okt. 1501 in Trient statt: vgl. Ulmann 2 S. 107 f. 2 Erasmus Huber aus Bozen, seit 1492 im Augsburger Benediktinerkloster St. Ulridi und Afra, hat sidi hier vor allem als Sdireiber und Illu- minist von litnrgisdien Büdiern betätigt, von denen eines als Gm 4306 noch 112 Nr. 65. 1509 August 28. Sese et quicquid in orationibus poterit. Egregie domine doctor, precibus iamdudum tarn meis quam aliorum ex parte perdocti omnis paene scienciae Petri Tritonii 1 V ra efflagitata Dig Us , prae cunctis a celeberrimo doctore N. Bamgartner. 2 Personam/ scienciam, mores actusque praefati Petri V rae Dig" haud dubito fore declarata. Sed quia spe dubia nullam propter sibi insinuatio- nem hactenus suspenditur, quod arduis tarnen causis fieri non mussito, ipseque ego paternos iam lares, s ubi et idem ludimagister magno in pretio habetur, visitaturus eidem responsum referre debite obligor: iccirco Dig tem V ram humiliter exoratam velim, me aliquibus de eiusdem certificare promissionibus speve concipienda seu litteris propriis praetacto rem sedatis praesentibus negotiis peragendam insinuare. Mente enim anxia litteris conditis me praenominatumque doctorem Bamgartner suis in causis laborare infestat. Quapropter Dig tem V ram (ut supra) humiliter requiro de actis agendisve eadem in re me certiorem reddere, quatenus laeva sibi vincla deferre possim. Valeat cum iis Dig tas V ra in Christo feliciter. F. Herasmus Athesinus, professus s. aput Udalricum. * Persona Hs. erhalten ist; vgl. A. Schröder im Arc/i. f. d. Gesdi. d. Hodistifts Augsburg 1 (1909ff.) S. 383f. — Über Veit Bild s. unten bei Nr. 106. 1 Der dem Kreise des Celtis ungehörige und nach dessen Tode (4. Febr. 1508) in seine Südtiroler Heimat zurückgekehrte Petrus Tritonius (Treibenreif) hatte im Frühjahr 1507 bei Erhard Oeglin in Augsburg unter dem Titel „Melopoeiae sive harmoniae tetracenticae super XXII genera carminum ..." vierstimmige Kompositionen über 19 Metren des Horaz und drei andere antike Strophengattungen ersaheinen lassen (es ist der älteste Notentypen- druck in Deutschland. Vgl. darüber /?. v. Liliencron, in: Vierteljahrsschr. f. Musikwiss. 3 [1887] S.26 ff.). — Tritonius scheint sich um eine Stelle in Augsburg beworben zu haben, sein Gesuch ist aber offenbar ohne Erfolg geblieben. 1513 ist er in Hall i. Tirol anzutreffen, 1521 in Schwaz, seine letzten Lebenstage hat er vielleidit in München zugebracht, wo er spätestens 1523 gestorben ist; vgl. über ihn F. Cohrs in den Mitt. d. üesellsdi. f. deutsche Erziehungsund Schulgesch. 8 (1898) S.261 ff.; Th. Kroyer in: Denkmäler d. Tonkunst in Bayern 3. Jahrg. (1903) 2,1 S. XXXIX. 2 Gemeint ist sidierlidi der Brixener Dompropst Dr. Anton Paumgartner (vgl. oben S. 12 Anm. 1). Der Budistabe N bedeutet nur, daß dem Brief- Schreiber der Vorname nidit bekannt war. 3 Bozen. Nr. 66. 1509. H3 66. Von Nikolaus Eilenbog. 0509. Ottobeuren.~> Sendet die hebräische Bibel zurück. Bedauert, die gewünschten vollständigen Urkundentexte nicht mitteilen zu können, weil der Abt von ihrer Bekanntgabe eine Schädigung des Klosters befürchtet. Erläutert und ergänzt seine früheren, von Peutinger teilweise mißverstandenen Angaben über die Otto- beurer Gründungsurkunde. Stuttgart, LB: Hist. Hs 4<> Nr. 99 fol. 69" f. Absclirift Ellenbogs. Gedruckt: Zapf S. 147f. Frater Nicolaus Eilenbog Conrado Peutinger S. D. Doctissime vir, Bibliam tuam Hebraeam, quam longo tempore et, ut verius loquar, plus quam par erat apud nie retinui, 1 pedem referre tandem feci. Fateor, humanissime vir, impudentiam meam; verumtamen nisi aliis et quidem pocioribus te studiis irretitum scivissem, tanto tempore librum apud me hospitari passus non fuissem. Habeo autem tibi gratias immortales et quidem longe maiores, quam aut lingua aut calamus testari possint. Deus optimus maximus, bonorum omnium retributor, et pro hoc et aliis plusculis mihi collatis beneficiis tibi pro tempore respondeat. Quod petis copiam literarum imperialium Karoli Magni, 2 velim aequo animo suscipias haue meam excusationem: Literae originariae, ut ex superiori epistola 3 edoctus es, igne sunt ab- sumptae. Quae vero adhuc habentur transscripta, fide minus digna sunt nulliusque ponderis. Adde, quod pleraque in eis continentur, quae, si publicitus exierint, facile monasterio in praeiuditium cedere possent. His aliisque nonnullis rationibus satis praegnantibus ponderatis abba noster satius iudieavit literas ipsas perpetua clausura servari, quam omnibus legendas in publicum dari. Ceterum quod scripsi 4 Totonem clericum in abbatem suf- fectum, non continetur in literis fundationis, sed ego addidi, ut, si quidpiam de origine monasterii Otinpurani Chronographiae tuae augustali inserere placuisset, copiosiorem haberes de fun- datoribus materiam. Quae vero in eisdem literis sequuntur, et prolixa sunt et lectu fastidiosa. Recensentur enim nominatim villae 1 Vgl. Nr. 59 u. 60. 2 Vgl. Nr. 63. 3 Vgl. Nr. 60. 4 Vgl. Nr. 60, von Peutinger in Nr. 63 mißverstanden. König, Peutinjjers Briefwechsel 114 Nr. 67. 1509 November 1. et praedia cum redditibus suis, quibus Sylachus monasterium dotavit. Abba noster bene meritus te bene valere optat. Ego vero me tibi plurimum commendo. Vale foelix. 67. An Johann Mayer von Ummendorf, 1509 November 1. Abt von Weißenau. {Augsburg.} Aufklärung über ein vom Kaiser begehrtes Darlehen. Kritik eines übersandten Papstbildnisses. Neuigkeiten vom italienischen Kriegsschauplätze. Bitte um Kollationierung seiner Macrobius- Ausgabe mit einer im Kloster befindlichen Handschrift. Anzeige der Geburt seines ersten Sohnes. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. — Adr: Dem erwirdigen in Qot vater und herren herren Johan, abte des gotzhaus Aue 1 etc., meinem gnadigen herren. Gedruckt (teilweise): Buff Nr. 8566. Erwirdiger in Got vater, gnadiger herre etc. E. G. schreiben, 2 mir auf dat. bei disem poten zukomen, hab ich seins inhalts vernomen. Und erstlich des ku. anlehens halben, so kais. Mt. mein allergnadigister herre an E. G. begert, hat es die gestalt, das S. kais. Mt. ainem erbern rat alhie, meinen herren, vill Obligation zugeschickt, mit bevelh, das anlehn, so S. Mt. ainem jeden aufgelegt hat, gegen uberantwortung der selben Obligation, wie sich gepirt, zu entpfahen, under den dan, so mir zu be- waren bevolhen sein, aine ist auf E. G. und 50 gld. rh. lautende, und dweil kais. Mt. begeren von etlichen den firsten, prelaten, graven und vill stetten alhie volziehens beschehen ist, bin ich ungezweifelt, E. G. wissen sich nach irer gelegenheit auch woll darein zu schicken. 3 Dan kais. Mt. ich des gelts halben, so ob- gemelter massen bisher hie gefallen ist, alwegen bericht hab, das E. G. ich guter monung nit wolt verhalten, wiewoll mich bedunkt, in betrachtung gegen anderen E. G. fast gering angeschlagen worden sein. Doch bit ich, mir solh mein bewegen in keinen Ungnaden zu vermerken. 1 Aue ist Weißenau oder Minderau, Prämonstratenserkloster im OA. Ravensburg. 2 Nicht erhalten. 3 Da der Wormser Reidistag (April — Juni 1509) Maximilian jede Reidis- hilfe verweigert hatte, sudite sich der Kaiser durdi Anleihen bei einzelnen Reichsständen Geldmittel für seinen Krieg gegen Venedig zu verschaffen; vgl. FRC 2, 2 S. 782 f. Nr. 979, 980, 982, 984. Nr. 67. 1509 November 1. 115 Die bildung des bapsts, 1 umb des willen, das E. G. derohalb mein gedacht hat, hab ich fast gern gesöhen und in sonder, demnach ich ain gebornen römer, der in dem goldschmid- und malerwerke fast furgeng und kunstlich ist, bericht wird, wie die masen am backen bei dem aug nahner steen und die naß bas gescherpft, mer über sich gesteh sein solt. So befinde ich auch solchs an ainem meinen guldin, 2 der an ungerischem golde vier ducaten wigt, an dem bemelten bapsten angesicht vill scherfer, weder E. G. gemeel formiert ist, wie dan E. G. auch an eingeschlossen plei zum teil seines angesichts und auch des Wappens halben an dem silberin grosche, wie das Sixtus quartus gefirt hat, 3 abnemen mag, bittende, mer bemelten plei wider zu schicken. Sonder neue zeitung auf das mall nit vor äugen, dan das kais. Mt. vor etlichen tagen 4 fast woll gerist zu Vicencz und Beren 5 eingeriten ist. Die beid stette S. kais. G. erblich geschworen haben, auf das sein kais. G. daselbs nit beharret, sonder zu feld gezogen und sich zwischen Vicencz und Padoa gelegert, das wasser Prenta, so zum teil gen Padoa fleißt, 6 wider abgraben lassen hat, des willens, da zu verharren und den Zugang zu weren. Ich schick E. G. hiemit mein getruckten Macrobium de som- nio Scipionis, E. G. sondern fleis undertaniglich bittende, die wolle ~^~JÜIiüsII. 2 Es handelte sidi vermutlich um eine der von den Fuggern seit 1508j9 geschlagenen päpstlidien Münzen; vgl. darüber A. Sdiulte, Die Fugger in Rom 1 S. 207 f. u. 217; 2 Taf. II Nr. I u. 2. a Sixtus IV. war der Oheim Julius II. Das Wappen ihrer Familie, der Della Rovere aus Genua, war eine Sieineidie (robur). 4 Die im Folgenden mitgeteilten Ereignisse liegen schon mehrere Wochen, z. T. länger als zwei Monate zurück. Der zuletzt erwähnte Entsdüuß Maximilians, Padua, das zwei am 20. und 29. Sept. unternommenen Stürmen getrotzt hatte, durdi bloße Absperrung von der Zufuhr zur Ergebung zu zwingen, gehört in die ersten Oktobertage; vgl. Ulmann 2 S. 388ff. Der bald darauf erfolgte Verzicht des Kaisers auch auf diesen Plan und sein Abzug von Padua waren Peutinger also am 1. Nov. nodi nidit bekannt. Die Auflösung des kaiserl. Fleeres erwähnt er erst im Sdireiben an Braut vom 15. Nov. (Nr. 68). 6 Verona. 6 Das Hauptbett der Brenta fließt mehrere km. n. an Padua vorbei. Die Belagerer sdinitten zunächst den Paduanern ihre Trinkwasserleitung von Limena ab; der Versuch, den Bacdiiglione abzuleiten, wurde durch einen Ausfall vereitelt; vgl. Ulmann 2 S. 389. 8* 116 Nr. 68. 1509 November 15. den gegen E. G. geschoben buch, das in E. G. gotzhaus und camer 1 ich gesöhen hab, durch zwen E. G. verstendig convent- herren überlesen und, was widerwertigs oder falsches darin gefunden wirf, mit bezaichnung der pleter mit fleis aufschreiben lassen, dasselb also schriftlich verfaßt mir mit meinem Macrobio wider zuschicken, den ich dan an vill orten mangelhaftig erfunden und hofnung hab, mit der zeit in recht form zu bringen. 2 Wa dan E. G. und bemelt conventsherren mein bedorfen, will ich auch undertanigen und willigen freuntlichen fleis alzeit dienstlich erfinden, etc. Dat. an Allerheiligentag anno etc. nono. E. G. williger Conrat Peutinger doctor. Mag auch E. G. nit verhalten, das Got der herre mich mit ainem sone fursöhen hat, des dan mein liebe hausfrau am 19. tag nächsten monats aus gotlicher hilf glicklich und mit freuden genesen ist. 3 Sein gotlichen gnad seie gelobt. 68. An Sebastian Brant. 1509 November 15. Augsburg. Fehlen sicherer Naclirlchten vom Kaiser. Bitte um Übersendung einer Druckschrift über den Berner Dominikanerprozeß. Straßburg, StA: Thontasardiiv, Univ. 1 fol.588^. Absdir. Wenckers. — Adr: Wie bei Nr. 47. 1 Wetßenau besaß eine an Hss. reiche Bibliothek. Heinrich Bebet nennt Alba Augia in einem Briefe an die im nahen Ravensburg wohnenden Brüder Hummelberg vom 27. Mal 1513 Tempe illa Suevica, ubi dicuntur esse antiqui libri et praesertim in historiis; A. Horawllz, Analekten z. Gesdi. d. Humanismus In Schwaben, In: SB Wien 1877 S. 245. Vgl. im übrigen über die Weißenauer Bibliothek und die bisher festgestellten aus ihrem Besitz stammenden Hss. P. Lehmann, Mittelalter/. Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz 1 (1918) S. 406ff. ■ Peutingers Macrobius-Exemplar (es ist die Ausgabe Brixen 1483= Hain * 10427) ist erhalten in der Mündiener StsB (L. impr. c. notts mss. 34™ in 2o); soweit der Kommentar über Ciceros .Somntum Scipionis" reicht, sind zahlreiche vom Drudi abweichende Lesarten am Rande und zwischen den Zellen eingetragen, auf den ersten Blättern von Peutinger selbst, dann von einer anderen gleichzeitigen Hand. Wir haben in ihnen sidierllch die ihm aus Wetßenau zugekommenen Kollationierungen mit der dortigen Hs. vor uns, deren Verbleib bisher nicht festgestellt ist. 8 Peutingers ältester Sohn Claudius Plus: vgl. Nr. 77. ________ Nr. 69. 1509 Dezember 5. 117 Praestantissime doctor, ago tibi gratias, quod tabellarium ad me destinatum ut me salvum tuo nomine diceret iussisti, tuque velim et opto salvus sis. Reddidissem te de caesaris rebus certi- orem, sed quid scribam, quod verum saltem sibi non habet. Exer- citus caesaris solvitur, 1 timeo proditiones, sed utrumque Deus bene faxit. Quae magister Johannes Götz 2 tibi meo nomine dixit, rogo expedias ac ad me rescribas mittasque michi processum formis excusum de monachis istis Bernae Vulcano datis, s pro quo si quid solveris tabellario, qui hunc ad me dabit, reddam. Vale et me ama, ut soles. Ex Augusta 17. kal. decembris anno 1509. Tuus Conradus Peutinger. 69. Von Ulrich Wanner.* 1509 Dezember 5. Augsburg. Im Begriff, Augsburg zu verlassen und die Universität Wien zu beziehen, übersendet er Peutinger eine Abhandlung 1 Vgl. Ulmann 2 S. 393. 2 Straßburger Münsterpfarrer; vgl. oben S. 36. 3 Der „Berner Jetzerprozeß"; vgl. über ihn Janssen-Pastor 2%> S. 58f. und die dort verzeichnete Literatur. Über den Prozeß, der wohl besonders deshalb Peutingers Interesse erregt hat, weil in ihm audi seilt Gegner Wigand Wirt (vgl. Nr. 50) eine Rolle gespielt hatte, waren alsbald mehrere lateinisdie und deutsdie Sdiriften erschienen. Sebastian Brant galt damals und später — mit Unredit — als Verfasser der einen oder anderen dieser Sdiriften; vgl. Schmidt 1 S. 222f. 4 Von demselben Udalricus Vannlus besitzt die Augsburger StB im Cod. 2° Aug. 439 ein auf ein einzelnes Großfolioblatt geschriebenes Gedidii über das große Schützenfest vom Juli 1509 (vgl. darüber ChDSt 23 S. 122): Descriptio amenissimi spectaculi variique generis in celeberrima imperiali urbe Augusta peracti. Pro honore consultissimorum dominorum eius urbis sena- torum carmine elegiaco ab Udalrico Vannio Augustano edita 1509. Audi unter den 1518 in Augsburg von Petrus Bonomus herausgegebenen Carmina ad Blasium Hoelcelium (vgl. unten Peutingers Brief an Bonomus vom 13. Aug. 1518) befindet sidi eines von Vannius, der sidi hier als iuvenis be- zeidinet: ebenso ist er in der Sammlung an Peutinger gerichteter Gedidite, die L. Geiger aus dem Nadilasse U. Förtngers erworben hat, mit einem solchen vertreten: vgl. Bibliotheca Föringeriana. Verzeidinis der hinterlassenen Bibl. des K. bayer. Hofraths und Oberbibliothekars H. F. (Mündien 1880) S. 122 Nr. 3229, 3; L. Geiger, Gedichte und Briefe an K. Peutinger, in: Viertel- jahrssdir. f. Kultur und Lit. d. Renaissance 2 (1886) S. 262ff. — Über U. Vannius ist sonst nichts bekannt. Vielleidit war er ein Sohn des Augsburger „Stadt- 118 Nr. 70. 1510 Ende April. „De poetarum iactara" und versichert ihn seiner dauernden Dankbarkeit für den ihm als Knaben zuteil gewordenen lateinischen Unterricht. Gedrudct: F. A. Veith, Bibliotheca Augustana 2 (1786) S. 125f. Auszug nach einer damals in der Bibliothek des Augsburger Jesuitenkollegs vorhandenen Handschrift, die nicht mehr auffindbar ist. Eximio tarn pontificii quam caesarei iuris interpreti, divi imperatoris a consiliis Augustanaeque urbis oratori famatissimo D. Conrado Peuttinger Udalricus Vannius Augustanus omni submisso obsequio salutem ac foeli- citatem, seque commendat. Solebant veteres Uli Rhomanorum ephaebi etc.......... Non etenim ut Tuam possit Dig tem delectare scribimus, sed ut nostram erga te observationem convenientiori quo fieri potuit modo manifestaremus. Quippe, doctor magnanime, quapiam for- tassis in me pullulante ductus indole (qua utinam non frustrere) puello adhuc mihi, primum vix septenarium egresso, castae lati- nitatis principia contulisti; e quibus quidquid emolumenti con- quisiverim, omne id tibi, praeceptor iucundissime, acceptum referam ........ Schluß: Reiiquum mihi est, oblongo huic epistolio extremam manum imponere, quod diurni circuli curriculo raptim editum Praestantiae Tuae consecro valedictionis loco. Quodsi deditissimi discipuli rudimenta non aspernabere, brevi ex Viennensi palaestra plura videbis. Interea tu et me et fratrem nostraque rudimenta boni consule. Vale! Ex Augusta 3. nonas decembres anno virginei partus 1509. 70. Von Nikolaus Ellenbog. 1510 {Ende April.' 1 '} Ottobeuren. Empfiehlt den Überbringer des Briefes, einen getauften Juden, der ihm die Aussprache des Hebräischen gelehrt hat, und bittet, ihm eine angemessene Stellung zu verschaffen. Stuttgart, LB: Hist. Ms. 4o Nr. 99 fol. 85'-f. Abschrift Ellenbogs. Gedruckt: Zapf S. 148 f. dieners" Wanner, der z. B. im Augsburger Steuerbudi von 1504 auf fol. 44 " und in den Stadtredinungen der Zeit alljährlich mit 24 fl. Jahressold aufgeführt ist. (StA) ' Zum Monatsdatum vgl. S. 119 Anm. 2. Nr. 71. 1510 August 5. 119 Frater Nicolaus Ellenbog Conrado Peutinger S. D. Doctissime integerrimeque vir, nisi dudum mihi explorata esset humanitas et singularis erga bonarum literarum studiosos affectus, insuper et tuus in me benivolus animus, nequaquam ad te, viroruin optime, has commendatitias literas dedissem. Precor itaque te, doctissime vir, ut Ioanni, 1 qui has tibi reddidit literas, ope tua non desis. Est homo ex Hebraeis natus, sed dudum baptismatis fönte renatus, quem doctissimus ille Capnion ad nos direxit, ut Hebraici sermonis pronuntiacionem mihi traderet; 2 quod et per mensem nunc fideliter fecit. Quum vero certis ob- stantibus causis diutius apud nos agere non possit, tantum tuam rogatam habeo humanitatem, ut magis non possim, quatenus ei adiumento esse velis, ut servitium quoddam honestum assequi possit. Est homo bonus et sine dolo, cui fidere tuto licet. Fac itaque, bone vir, ut hanc meam commendacionem ei profuisse plane intelligat. Quicquid insuper de me statuendum duxeris, nisi oboedientia, cui imprimis addictus sum, reclamet, studiosissime parebo. Vale bene et me, ut facis, ama. Ex Uttinpurra 1510. 71. An Bischof Georg III. von Bamberg. 1510 August 5. (Augsburg.} Politische Neuigkeiten. Augsburg, StA: Literalien. Entw. — Adr: Dem hochwirdigen fursten und hcrren herren Georgen, bischove zu Bamberg etc., meinem g. herren. ......... 3 Neue zeitung von Italia sein nit sonder her- komen, dan das die Teutschen das schlos zu Montsilice mit 1 L. Geiger (Das Studium d. hebr. Spradie vom Ende d. 15. b. z. Mitte d. 16. Jahrh. [1870J S. 16 Anm. 3 und Reudüins Briefwechsel S. 123 Anm. 3) sieht in ihm den Ioannes Kün conversus, der in einer Ottobeurer Urkunde vom 3. Januar 1512 genannt ist. 2 Reudüin hatte ihn auf Bitten des Abtes Leonhard Wiedemann und Ellenbogs mit einem Empfehlungsbriefe am 19. März 1510 nach Ottobeuren gesandt; vgl. Reuddins Briefwechsel Nr. 115 S. 123 f. Da Johannes nach Ellenbogs Angaben in unserem Briefe sowie in einem soldien an Reudüin vom 28. April 1510 (ebd. Nr. 117 S.124f.) einen Monat im Kloster geweilt hat, ergibt sidi als Datum für unsern Brief Ende April 1510. 3 Der Anfang des Briefes betrifft die von Peutinger übernommene Vermittlung in einem Rechtsstreite des Bisdwfs mit seinem Pfleger auf Sdüoß 120 Nr. 72. 1510 Oktober 2. dem stürm erobert, die auch mit den Franzosen und Spangiolen der Venedischen kriegsleut bei 600 todgeschlagen 1 und 62 für Padova henken lassen aus der ursach, das die Venedischen kriegsleut umb Felters 2 hievor ain turn wider erobert und die unsern, darin betretten, über zugesagt Sicherung leibs und lebens auch gehenkt haben sollen. Verlaut auch hie, das die Aidgenossen sich sperren, dem babst zuzeziehen. 3 Die franzosisch potschaft, von kais. Mt. aus dem gepirge wider herkomen, soll mit meinem g. herren von Gurck 4 eilends in Frankreich reiten; desgleichen die des kunigs von Engelandt potschaft hie durch und zu kais. Mt. gezogen ist. Es sein auch jetzo zum zwaitenden mal in sechs tagen post von Rom an kais. hof und herkomen; was neus vor äugen ist mir verporgen etc. Dat. am fünften tag augusti anno etc. decimo. E. f. g. undertaniger diener Conrat Peutinger doctor. 72. An Kaiser Maximilian. 1510 Oktober 2. Augsburg. Hat von dem ihm übergebenen kaiserlichen Sekretsiegel und Namenstempel auftragsgemäßen Gebrauch gemacht und beides wieder zurückgesandt. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. Gedruckt: Buff Nr. 8573. Federaun in Kärnten Sigmund von Dietrichslein (audi Ro. kais. Mt. silber- camererj wegen einer Geldforderung des letzteren. Weitere Schreiben in dieser Angelegenheit im Augsburger StA: Biscliof Georg an Peutinger, 1510 Juli29 (Literalien); Peutinger an Dielrichstein, 1510 Aug. 11 (ebd.): Dietrichstein an Peutinger, 1510 Nov. 27 (Autographensammlung); Peutinger an Dielridistein, 1510 Dez. 15 (Literalien). 1 Die Einnahme von Monselice durch französische, spanische und deutsdie Truppen war am 23. Juli erfolgt, wobei die gesamte Besatzung niedergemacht worden war; vgl. F. Berger, Der Krieg Maximilians 1. mit Venedig 1510. 2. Teil (Jahresber. d. bisdiöfl. Gymn. in Urfahr für 190415) S. 32. 2 Feltre. '■' 6000 von Julius II. angeworbene Schweizer waren Mitte Sept. unter dem Drucke von Drohungen Maximilians in Chiasso wieder umgekehrt; vgl. Dierauer 2* S. 459f. 4 Matthäus Lang, der am 17. Nov. als Bevollmäditigter Maximilians mit Ludwig XI l. von Frankreich den Bündnisvertrag von Blois absdüoß; vgl. Ulmann 2 S. 418f. Nr. 73. 1510 Oktober 2. 121 Allerdurchleichtigister etc. Auf kais. Mt; begern haben wir 1 E. kais. G. secret und katschet 2 verpetschaft entpfangen und damit laut der selben E. kais. G. schreiben, auch" ich Peutinger mitverzeichnet des S., 3 die brieve zu überlesen und sonst zu vertagen, getreulichen wol verwart und b mit allem fleis gehandelt, auch die gedachten secret und katschet mit unsern Signeten wider verpetschaft Wolfgangen Vogt 4 uberantwurt, die furter E. kais. G. und dem canzler zu uberantwurten fi etc. Dat. Augspurg am andern tag octobris anno 10. E. kais. Mt. gehorsamer diener. 73. An Cyprian von Serntein. 1510 Oktober 2. (Augsburg.} Zahlung an Paul von Liechtenstein aus den Reichshilfsgeldern. Von dem Goldschmied Georg Stör verfertigte Silberschüssel. Auftragsgemäßer Gebrauch und Rücksendung des kaiserlichen Sekretsiegels und Petschafts. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. . Edler gnadiger herre etc. Mir hat der postmeister 6 E. G. und her Paulsen 7 (schreiben) geantwurt, und dweil in seinem abwesen a Hinter auch ist gestridien: gehandelt. b getreulichen wol verwart und nadigetragen. 1 Peutinger und Hans Paumgartner d. Ä.; vgl. Nr. 73. 2 Ein Stempel mit dem Namenszuge des Kaisers. Auf dem Konstanzer Reidistage hatte Maximilian Ende Juli 1507 den Ständen die Anfertigung eines soldien zur Überlassung an Vertrauenspersonen, die königlidie Schreiben zu fertigen hätten, angekündigt; vgl. ERC 2, 2 S. 739 f. 8 Serntein. — Peutinger und Paumgartner hatten also jeder ein Sdireiben des Kaisers, Peutinger außerdem auch eines des Kanzlers Cyprian von Serntein bekommen. Diese drei Sdireiben sind nidit erhalten. 4 Kaiserl. Sekretär. 5 Der Brief ist ein weiterer Beleg für die von V. v. Kraus im Archiv f. oesterr. Gesdi. 87 (1899) S. 258f. gesdülderte Gewohnheit des Kaisers, ge- legentlidi Briefe zur endgültigen Ausfertigung an seine Räte zu sdiidien. Auch am 20. Mai 1511 gibt Maximilian seinem Kanzler Serntein den Befehl, eilends unser katschett unsers handzeichens an Peutinger nach Augsburg zu sdücken zur Fertigung eines gedruckten kaiserlidien Aussdireibens an das Reidi; am 24. Mai zeigt Serntein die Ausführung dieses Befehls an. Vgl. v. Kraus a. a. O. S. 259f. 6 Wohl Baptista de Tassis, der Hofpostmeister Maximilians und spätere Generaloberstpostmeister Karls V.; vgl. über ihn E. Ohmann, Die Anfänge des Postwesens und die Taxis (1909) S. 236ff. ' Paul von IJedüenstein, Landmarsdiall von Tirol. 122 Nr. 74. 1510 Oktober 2. etlich gelt gefallen ist, haben der Imhof und ich im die 300 gld. rh. bezalt. 1 Sonst bitten wir undertanigs fleis, wollen uns furder- lich auf all ander articul bescheid wissen lassen. Jörg Stör, goldschmid, 2 hat mir ain silberin schussel und disen zedel 3 geantwurt. So hat E. G. mir sein halben kein bescheid geben noch zugeschriben etc. Dat. am andern tag octobris anno etc. 10. . Wie kais. Mt. und E. G. Hansen Paumgartner und mir ge- schriben haben, mit dem secret und den katscheten zu handeln, also haben wir getan und die wider verpetschaft Wolfgangen Vogt, E. G. zu antwurten, übergeben. 4 74. An Georg von Emershofen. 1510 Oktober 2. {Augsburg.} Bitte, ihm den vom Kaiser bewilligten Maulesel oder Zelter für seine Gattin zu. verschaffen. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. — Adr: Dem edlen gestrengen herrn Jörgen von Emershofen, Ro. kais. Mt. rat und stalmeister etc., meinem lieben herrn. — Auf der Rückseite: Copia der brieve bei W. Vogt an kaiserlichen hove geschickt. Dat. 2. octob. anno etc. 10. Edler gestrenger etc. Lieber herr stalmeister, von wegen Ro. kais. Mt., meins allergnadigisten herren, hat mir Wolfgang Vogt zu erkennen geben, wie S. kais. G. bei Euer Gestrengkait mir für 1 Peutinger und der Augsburger Handelsherr Hieronymus Imhof (über diesen vgl. Roth 1 S.87 u. 111 f.) waren als Vertreter der Stadt Augsburg mit der Einsammlung und Verwaltung der dem Kaiser durdi den Augsburger Reichstag von 1510 bewilligten Reichshilfsgelder beauftragt. Vgl. Herberger Anm.40f.;FRC2.2Nr.l059S.839f. In Peutingers Nachlaßinventar von 1597 (Clrn 4021 d) ist auf fol. 6 V verzeidinet: Etlich kais. quitung zusammen- gepunden, des Reichs hilfsgelt betr. 1510. Nur auf die Reichshilfsgelder beziehen sich folgende Schreiben Peutingers: An Paul v. Lieditenstein, 1510 Juni 23 (vgl. Herberger Anm.38): an Jak. Villinger, 1510 Okt. 2 und 15; an einen ungenannten Hofbeamten, 1510 Nov. 8; an den kaiserl. Rat Mang v. Habsberg, 1511 Jan. 1; an Jak. Villinger, 1514 Jan. 20 (alle im StA Augsburg, Peutinger; Entwürfe). Vgl. auch unten Nr. 82f. u.86. Am 14. Dez. 1514 quittiert Maximilian Peutinger und Hieronymus Imhof die Redinungslegung über das auf dem Reidistage zu Augsburg bewilligte und von ihnen eingenommene Reichshilfsgeld: Wien, Staatsardüv: Reichsregisterbüdier QQfol. 47. 2 Der Name lautet sonst Stern; vgl. Nr. 82. 3 Nicht erhalten, * Vgl. Nr. 72. _____________________ Nr. 75. 1510 Oktober 17. ______________ 123 mein hausfrauen ainen guten maulesel verschaft hab. Bit ich mit sondern fleis, ir wollen in diser sache gemuet sein und helfen, das mein hausfrau versehen werde. Ob ir aber kein guten maulesel ankörnen mochten, bit ich, wollet uns ain guten zeiter, der hipsch, jung und gut seie, und uns in dem allen nit laussen etc. Dat. am andern tag octob. anno etc. 10. Conrat Peutinger doctor. 75. Von Dietrieft Reysacher. 1510 Oktober 17. Worms, ülückwunscli zur Geburt des ersten Sohnes. Hofft Peutinger auf dem bevorstehenden Straßburger Reldistag zu treffen. Fragt nach der Bedeutung des kaiserlichen Beinamens „Augustus". 1. Stuttgart, LB: Hist.Hs. 2o Nr. 248fOl. 12 a . Ursdir.(=A). — 2. Manchen, StsB: Cod. Lat. 4029 fol. 231 v. Absdir. (-=B). In ihr sind bereits die Kürzungen und Änderungen berücksichtigt, die Peutinger eigenhändig an der Urschrift vorgenommen hatte, weil er den Brief der beabsichtigten Ausgabe seiner Epislola de nomine Augusto (Nr. 77) voranstellen wollte. — 3. München, StsB: Oefeleana 7, IV (Peutingeriana) s. v. Risicheus. Absdir. Andreas Felix v. Oefeles mit falschem Datum (7. Oktober). Gedruckt: Lotter-Veith S. 104. Theodoricus Risichaeus Chunrado Peutingero S. P. D. a Eximie iureconsulte et amice observandissime, gratulor tibi de filio nato. 1 Deus optimus maximustibi illum incolumem servet, ut virtutes imitari paternas tuumque nomen immortalitati tradere possit. Scias b me cum coniuge et liberis apud Wangiones bene- valere; sed quam diu ibidem mansurus, ambigo. 2 Forsitan tu me cicius in conventu Argentinensi 3 intelliges. Quodsi evenerit, mei memor sis meque cerciorem reddas obsecro. Vale c fauste cum coniuge et liberis. a Von Peutinger in A zugesetzt, danadi in B. '' Scias — obsecro von Peutinger gestridien: fehlt B. c Vale—1510 in B mit vorangesetztem Herum an den Schluß gestellt. 1 Bezieht sidi auf Peutingers ältesten, am 19. Okt. 1509 geborenen Sohn Claudius Pius; vgl. Nr. 67 u. 77. 2 Reysadier war bairisdier Assessor am Reidiskammergeridit, das seit April—Mai 1509 seinen Sitz in Worms hatte: vgl. R. Smend, Das Reidiskammergeridit (1911) S. 102 u. 106. 3 Dieser nach Straßburg anberaumte Reidistag wurde vom Kaiser wieder abgesagt: vgl. Ulmann 2 S. 561 f. 124 Nr. 76. 1510 November 8. Ex Wormatia 17. oct. 1510. Nuper in quodam convivio sermo de caesare incidit, quare post Octavium frequenter omnes caesares „Augusti" appellati. Ego reiecta opinione Bartoli 1 dixi: ab augustiore forma. Allegavi Beroaldum, quondam praeceptorem meum, in commentariis Tran- quilli. 2 Sed eo responso plerique non saciati. üeliberaturum me statui teque antiquitatum restauratorem consulere. Quid igitur ea in re sentias, cum harum gerulo obsecro rescribas. Iterum a vale et me generoso comiti Adolffo de Nassaue 3 litteris tuis commendes oro. Tuus Theodoricus Reysacher, i. u. doctor etc. 76. An Matthias Khuen von BelasyA 1510 November 8. (Augsburg.y Ersucht, die auftragsgemäß gedruckten 200 „trittern" nach Anweisung der Druckkosten von ihm entgegenzunehmen und nach Innsbruck zu befördern. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. — Adr: Dem wirdigen, edlen und hochgelerten herrn Mathie Khuen von Bläsy, der recht doctor, kaiserlichem canzler etc., meinem sonder lieben herren. Wirdiger, edler und hochgelerter etc. Auf euer schriftlich be- gern hab ich die zweihundert trittern b trucken lassen, die nun gefertiget und mir uberantwurt sein. Bin auch mit dem trucker umb papier und truckerlon abkomen umb 13 gld. rh.; die wollen im hie durch mich zu bezalen verordnen, auch hernach bestehen vorgemelt 200 trittern von mir entpfachen und die gen Insprugk vertigen; dan ich die diser zeit hinnein zu bringen nit weis. Will • a Herum fehlt B. b trittern eingesetzt für gestridienes sextern. 1 Bariolus (1314 — 57), der berühmteste der „Kommentatoren" des römischen Redits, deutet Augustus als .Mehrer" (des Reidis). 2 Vgl. Phil. Beroaldi Commentationes in Suetonium Tranquillum (oft gedruckt), ad libr. 2 cap. 7,2. Filippo Beroaldo d. Ä. war in Bologna auch Peutingers humanistisdier Lehrer gewesen; vgl. König S. 6. 3 Damals kaiserl. Kammerrichter; vgl. Smend a. a. O. S. 245. 4 Dr. Matthias Khuen von Belasy (vgl. über ihn G. Knod, Deutsche Studenten in Bologna S. 282 Nr. 1944) war Verweser des Tiroler Kanzleramtes in Vertretung Capriatis von Serntein; vgl. S.Adler, Die Organisation der Zentralverwaltung unter Kaiser Maximilian (1886) S. 502. Nr. 77. 1510 November 14. 125 aber dannocht mitler zeit allen fleis ankeren, ob die kaufleit, so in das gepurge handeln, die hinnein zu furtern annemen etc. Dat. am 8. tag novembris anno etc. 10. Conrat Peutinger, beder recht doctor etc. 77. An Dietricli Reysacher. 1510 November 14. Augsburg. Antwort auf .Nr. 75. Dankt unter Beteuerung seiner Freundschaft für die seinem erstgebornen Sohne gewidmeten Glück- wilnsclie und übersendet eine umfangreiche Abhandlung über Bedeutung und Geschichte des Namens Augustus. 1. Stuttgart. LB: Hist. Hs. 2o Nr. 248 fol. 13'—-23* (= A). Absdir. mit eigenhändigen Verbesserungen, Naditrägen und Randschlagworten. — 2. Mündien. StsB: Cod. Lat. 4029 fol. 231*—243v. (=B). Absdir. nach A mit einigen eigenhändigen Verbesserungen. Chuonradus Peutinger Augustanus Theoderico Risichaeo S." Congratularis de filio mihi nato optasque Deum optimum maximum illum incolumem servare, ut virtutes paternas imitetur nomenque meum inmortalitati tradere possit. Quibus verbis tibi gracias agam, non reperio; habebo saltem. Merita tua erga me cum sint maxima et ego tibi pro officio meo satisfacere potui nunquam, velim hoc mihi contiugat, ut conmode facto ipso declarare possim cum eruditionis tum modestiae tuae singularis existimationem dignitatemque mihi carissimam esse intelligas. 1, Sed spero amiciciam nostram testibus non egere; me tui diiu- dices velim observandissimum. Et ut ad filium nostrum redeam: qui pro aetate sua corpore satis procaero nactus est annum unum dies duodecim. 1 Hunc intinctione sacra (ita divo Claudio, Bur- " Die frühere Übersdirift Praestantissimo iuris utriusque doctori Theoderico Reysacher, caesarii et sacri Romani imperii assessori consistoriali, dex- terrimo praeceptori et amico singulari, Chuonradus Peutinger Augustanus eiusdcm professionis doctor S. P. D. ist in A durch ein eigenhändiges vacat getilgt; fehlt in B. '" intelligas in B von Peutinger eigenhändig zugesetzt. 1 Danach wäre, da der Brief mit 14. Nov. datiert ist, Claudius Pius Peutinger am 2. Nov. 1509 geboren. Taisädüidi ist seine Geburt nadi Peu- tingers Brief an den Abt von Weißenau vom l.Nov. 1509 (Nr. 67) am 19. Okt. erfolgt. Der Widerspruch dürfte so zu erklären sein, daß Peutinger sein 126 Nr. 78. 1510 November 17. gundionum apostolo, devoveram) Claudium Pium adpellare feci. Opto, ut Deo auxiliatore bene agat. De Augusto vero quid tibi in litteris consummato rescribam, non satis scio, nisi noctuas Athenas feram vel ineptus forte Minervam ipsam doceam, cum plane perspicere non possim, quid tibi hac in re cognitum non sit. Ne tarnen pro instituta inter nos atque continuata amicicia incivilis prorsus et inhumanus videar, tibi non necessaria, sed supervacanea petenti morem gero. Es folgt nun bis fol. 23 v eine Abhandlung über Ursprung, Bedeutung und Geschichte des Namens Augustus; vgl. darüber die Inhaltsangabe bei König S. 29 — 35. Haec voluntate tua ex Augusta Vindelicia Augustanus ego ad te scribo. Cupio tarnen quid illis nostris collectaneis sentias audire, tibi cottidie maiorem habiturus graciam, ut ab erroribus me, si quos admisi, vel saepe vel eciam libere vindices. Vale. Te et coniugem et fil. salvos opto, quibus Patrimonium Deus fortunet. 18. kal. decembris anno salutis 1510. 78. An Kaiser Maximilian. 1510 November 17. Augsburg. Notwendigkeit weiterer Angaben für die Anfertigung des Eierbrütofens. Die Arbeiten an der „Genealogie" des Kaisers. Bitte um Zusendung altrömischer Münzen. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. — Auf der Rückseite: Ad caes. Gedruckt: Buff Nr. 8575. Allerdurchleichtigister etc. Auf E. kais. Mt. begeren, mir zu- komen, irem leibharnaschmeister Hansen Schwerer zu aufrichtung des pruetofens bin ich willig, nach allem meinem versteen ratlich und beholfen zu sein. Aber in der verzaichnis, uns beiden zukomen, haben wir etlich mengel befunden, nemblich der rörer halben, so in die aiernest geen, ob die mitten im nest oder an ainem ort darein gericht, ob auch außerhalb der aier ichts anders ferrer oder allein die air in das gemaurt nest erlegt und wie dieselben aier vor dem hitzloch, das die nit darein fallen, behuet werden sollen. So were auch not derselben hitze ain gwisen Schreiben an Reysadier schon am 31. Okt. begonnen und nach der Beendigung und Datierung am 14. Nov. vergessen hat, die Altersangabe dem endgültigen Datum entsprechend zu ändern. _________ Nr. 78. 1510 November 17. 127 beschaid zu haben, damit die aier nit zu hart oder zu wenig er- wermet wurden. Es ist auch die verzaichnis, uns zugeschickt, an etlichen orten nit gleich, sonder widerwertig lautend. Demnach meins bedunkens fast nutz und gut, das der meister, so solchs kan, selb entgegen were und ainmall dis sache selbs probiert bette; dan ich vor langest gehört hab, das zu Alkyro 1 solch ausprueten der hüner ganz gmein sein. Aber E. kais. Mt. zu under- tanigister gehorsam mein halb kein fleis erspart werden soll. 2 Der formschneider, so die form zu E. Mt. geschlecht bisher geschniten hat, 3 ist hinder mir und on mein wissen hie weck, und kan nit erkonden, wan der wider komet. Und sonst kainer, der solchs konde, zu Augspurg ist. Deshalben ich von dem haillosen man an E. Mt. arbeit verhindert wird. a Will aber, als vill an mir ist, allen fleis ankören, damit ich ine oder ain andern zuwegen bring, der die arbeit aus mach. Der maier alhie* ist ganz geschickt darzu. 0 Folgt durdistridien: und wa E. Mt. durch iren silbercamrer, den von Dictrichstain, ain formenschneider zu Straspurg hctten mögen zuwegen bringen, der alhie die form wol ausgeschnitten hette. 1 Wohl gleidibcdeutend mit dem in Peutingers Beridit aus Worms vom 19. April 1521 (DRTA 2 S. 857) genannten Alcayro, d. i. Kairo (El-Kähira). — Eierbrutapparale benützen audi die Bewohner von Utopien bei Thomas Morus; vgl. die Ausgabe der ,Utopia" von V. Midieis und Th. Ziegler (1895) S. 45: Pullorum infinitam educant multitudinem mirabili artificio. Neque enim incubant ova gallinae; sed magnum eorum nutnerum calore quodam aequabili foventes animant cducantque. Hi simulatque e testa prodiere, homines vice matrum comitantur et agnoscunt. In der neuesten deutsdien Übersetzung der -Utopia" von Gerh. Ritter (Klassiker der Politik Bd. 1 [1922] S. 44) ist auf Plinius, Nat. hist. 10, 54 (lies: 10, 55) als Quelle des Morus hingewiesen, wo es heißt: Nuper . . . inventum, ut ova in calido loco inposita paleis igne modico foverentur iiomine versante pariterque et stato die illuc erumperet fetus. 2 Die erbetenen weiteren Anweisungen für den Eierbrütofen sdieinen Anfang Dez. in Augsburg eingetroffen zu sein; vgl. Nr. 82. 3 Der Niederländer Jost de Negker, der die Zeidinungen Hans Burgk- mairs für die .Genealogie" Maximilians in Holz zu schneiden hatte; vgl. S. Lasdützer im JKSK 7 (1886) S. 42. 4 Hans Burgkmair; vgl. Lasdiitzer ebd. und Peutingers Abredinung über die Hansen Burckcmair, maller, dem schreiner und den zweien formschneidern f ur 92 bilder und anders ausbezahlten 113 fl. 24 er.: Buff Nr. 8581. Über Peutingers freundsdiaftlidie Beziehungen zu Hans Burgkmair vgl. im übrigen König S. 47 und G. Radiert im Archiv f. d. Gesdi. d. Hodistifts Augsburg 4 (1915) S. 490. 128 Nr. 79. 1510 Dezember 12. E. kais. Mt. auch in aller undertanigkeit bitte, wollen aus gnaden mir die alten heidnischen pfennig, davon mir E. Mt. hie zu Augspurg geredt haben, zuschicken lassen, 1 damit ich mein kaiserbuech dest statlicher fertigen und ausmachen mag etc. Dat. Augspurg am 17. tag novembris anno etc. decimo. 79. Von Dietrich Reysacher. 1510 Dezember 12. Worms. Dankt für die Abhandlang über den Namen Augustus. 1. Stuttgart, LB: Hist. Hs. 2° Nr. 248 fol. 12 b. Ursdir. (= A). — 2. München, StsB: Cod. Lat. 4029 fol. 243vf. Absdir. (= B), gekürzt und mit kleinen stilistischen Änderungen (vgl. die Vorbemerkung zu Nr. 77). — 3. München, StsB: Oefeleana 7, IV (Peutingeriana) s.v. .Risicheus". Absdir. Andreas Felix von Oefeles, mit falschem Datum (11. Dez.). Gedruckt (unvollständig): Lotter-Veith S. 105. Theodericus Risichaeus Chuonrado Peutinger S. P. D." Eximie et gravissime iureconsulte, domine et amice ob- servandissime, 1 ' accepi heri collectanea< : tua de origine Augusto- rum 2 ad meam voluntatem abs te docte congesta, in quibus nihil reprehensione, castigatione egens, nulluni denique errorem (etsi nemo tarn sapiens sit, qui non interdum erret), quin potius cuncta ad amussim et exquisita doctrina edita comperi. Inprimis ingenii tui dexteritatem ab annis multis mihi notam simul et inmensae memoriae tenacitatem summa eruditione conmixtam commendo. Dein quod litterulis meis motus tantos subieris labores, habeo tibi non quas debeo, sed quas possum grates, et ut mutuis studiis alternisque beneficiis literariis arctior inter nos amicicia et con- iunctior necessitudo fiat, sedulo curabo. Quo' 1 autem modo id * Überschrift von Peutinger eigenhändig in A zugesetzt, danadi in B. b observande B. c collectura B. ä Quo autem — dum fehlt B. 1 Die Unterredung Peutingers mit dem Kaiser über die römisdien Münzen dürfte während des letzten Augsburger Reichstages (2. März bis 22. Mai 1510) stattgefunden haben. Eine Folge davon ist wohl das Schreiben Maximilians an seinen Kammermeister Ulridi Möringer in Innsbrudt vom 20. Juni 1510, worin er diesem den Auftrag gibt, sidi nadi Hall zu begeben und sidi dort bei dem Bruder des verstorbenen Dr. Joh. Fudismag wegen der vielen alten münzen und antiquität, die der Verstorbene ihm habe zum Gesdienke madien wollen, zu erkundigen: JKSK 2,2 (1881) Regest Nr. 991. Vgl. auch unten Nr. 81, 83 u. 84. 2 Nr. 77. __ Nr. 80. 1510 Dezember 12. Nr. 81. 1510 Dezember 15. 129 fiet, intelliges a me Deo duce in proximo imperiali conventu, ubi aliquantisper a negotiis feriati mutuiter confabulabimur, dum interea cum coniuge et dulcissimo filio Claudio Pio, quem" non modo divum Claudium, sed et Antoninum Pium vivere opto, salutat te coniunx mea. Cursim. Ex Wormatia Wangionum urbe 12 ma decembris 1510. Tuus si suus Theodoricus Reysacher, i. u. doctor etc. b 80. Von Adolf Graf zu Nassau. 1510 Dezember 12. Worms. Bitte um Mitteilung von Neuigkeiten. Augsburg, StA: Literalien. Urschr. — Adr.: Dem hochgelerten unserm besondern gutem freund doctor Conrad Beuttingern. Wir halten auch dafür, ir habt die federn verlorn, das ir uns nichts neuhes mer schreibt, wiewol wirs dafür halten, ir zeitlich neuhe mer zu Augspurg habt. Ist darumb unser gütlich bit, ir wollent uns etzwas von neuher zeitigung, wo anders di Schreibens werde vorhanden war, verstendigen etc. Dat. ut supra (= Wormbs uf dornstag nach concepcionis Mariae anno D. 10). 81. An Kaiser Maximilian. 1510 Dezember 15. Augsburg. Ein vom Kaiser verbotenes politisches Geldgeschäft der Welser. Die „Genealogie" Maximilians (Schönsperger, Oeglin i De Negker). Die versprochenen römischen Münzen. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. Gedruckt (teilweise): Buff Nr. 8577. Allerdurchleichtigister etc. In kurz verruckten tagen sein von E. kais. G. mir trei brieve zukomen, 2 der inhalt ich auch in aller undertanigkeit vernomen hab. Und als E. kais. Mt. mir in dem ersten I. Mt. brieve, auch " quem — coniunx mea fehlt B; dafür Vale! b Untersdirift fehlt B. 1 Der Brief beginnt mit dem Brsudien, dem Speierer Apotheker Bernhard Scholtz wegen Auszahlung der ihm vom Kaiser überwiesenen Summe aus der Augsburger Stadtsteuer beim Rate behilflich zu sein. 2 Nicht erhalten. König, Peutingers Briefwechsel 9 130 Nr. 81. 1510 Dezember 15. daneben meinem schweher 1 in ainem andern brieve, aus gnaden zu erkennen geben, aus was Ursachen si den Wechsel zwischen dem babst und den Aidgenossen nit zulassen mögen, sein wir und billich zufriden, dan E. kais. G. in dem und anderm gehorsamlich zu erscheinen, wir in aller undertanigkaitalzeit bereit erfunden^ auch also E. kais. G. jungst zuschreiben wegen halten werden.* Dan als E. Mt. die Leohora Ä begerteh, denselben E. kais. G. zu gehorsam hab die dem alten Schonsperger 4 bevolhen, die E. kais. Mt. er selbs antworten soll. Derselb Schonsperger hat auf E. kais. Mt. begeren, in irem andern brief begriffen, mir zugesagt, sich von stund an zu E. Mt. 5 zu fuegen, dem ich auch vonwegen E. Mt. für sich selbtrit, als er anzaigt, zu zerung fünf- zehen guldin reinisch geben hab. Und auf E. Mt. bevelh hab ich mit dem buchtrucker 6 gehandelt. Der beclagt sich hart, wiewoll E. kais. Mt. auf nächst gehalten reichstag alhie 7 bevolhen heften, im an seiner schulde gelt zu geben, so were im doch nichtz worden, deshalben er erarmet und furwar schier gar verdorben ist. Aber er hat mir zugesagt, mit wälscher schritt furderlich an E. Mt. hove zu ziehen; versihe mich, dem volg tun werde, E. kais. Mt. bittende, wollen den armen gesellen gnadiglich bevolhen haben. 8 1 Anton Welser. 2 Die Weisergesellschaft hatte auf Betreiben Julius II. 40000 Dukaten in Wechseln nach der Schweiz schicken wollen, damit die Eidgenossen für den gegen Frankreich geriditeten Bund des Papstes mit Venedig.gewonnen würden. Dagegen hatte der damals mit Frankreich verbündete (vgl. oben S. 120 Anm. 4) Kaiser Einsprudi erhoben. Vgl. dazu M. Jansen, Jakob Fugger der Reidie 1 S. 211; s. auch die an die Städte Frankfurt und Augsburg am 11. und 12. Nov. 1510 ergangenen kaiserl. Erlasse, ihren Kaufleuten die Beteiligung an dem erwähnten Geschäft zu verbieten: ERC 2,2 Nr. 1036. ' Bildliche Darstellung von Maximilians Mutter Leonora von Portugal durdi Hans Burgkmair in der „Genealogie" des Kaisers. 4 Der Drucker der Burgkmairsdien Bilder für die „ Genealogie". 6 Nach Freiburg i. B., wo sich der Kaiser fast den ganzen Winter 1510111 aufhielt; vgl. V. v. Kraus im Archiv f. oesterr. Gesch. 87 S. 284 f. c Erhard Oeglin, k. Mt. buchdrucker quittiert am gleidien Tage, d. 15. Dez. 1510, Peutinger aber den Empfang von 6 fl. Reisevergütung und von 14 fl., die ihm der Kaiser schuldig geworden: Augsburg, Maximiliansmuseum: gedruckt: Buff Nr. 8576. Vgl. dazu Nr. 84. Es handelt sich um Arbeiten für die „Genealogie". ''Reichstag von Augsburg, Frühjahr 1510. 8 Vgl. auch Nr. 84. Nr. 82. 1510 Dezember 15. 131 Als dan ferrer E. Mt. in irem tritten brieve begeren, umb den formschneider,» der mir weckgangen ist, zu trachten und den an E. kais. Mt. hove zu ziehen beschaiden; dweil ich aber nit gwiss wissen hab, wa der hinkomen sein soll, kan ich ine diser zeit an E. kais. Mt. hove nit beschaiden; dan ainer sagt, er sei in kurzen tagen heimlich hie gewesen, ain ander sagt, er sei zu Nürnberg gewesen; ob dem also ist oder nit, hab ich bisher nit erfaren mögen. Und dweil zu jungst E. kais. Mt. in bemeltem irem brieve mir aus gnaden zu erkennen geben, die heidnischen pfennig kurzlichen alher zuzeschicken, will ich der also gewarten 2 etc. Dat. Augspurg am 15. tag decembris anno etc. decimo. • . ' ■ An Cyprian von Serntein. 1510 Dezember 15. Augsburg. Übermittlung kaiserlicher Mandate an Memmingen und Nürnberg. Das vom Kaiser verbotene Wediselgeschäft der Welser. Die Angelegenheit der Reichshilfsgelder. Weitergabe von Briefen und Auftrügen, u. a. an die Drucker Schönsperger und Oeglin und an den Goldschmied Stern, sowie eines kaiserlichen Verbotes an die Augsburger Drucker, die „Scfiweizer Cronica" zu drucken. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. — Adr.: Dem edlen herren herren Cyprian von Serntheiner, kais. Mt. canzler etc., meinem gnadigen lieben herren. Gedruckt (teilweise): Bit ff Nr. 8578. Edler gnadiger herr canzler etc. E. G. schreiben, des datum steet am 4. tag decembris, 3 hab ich seins inhalts vernomen und der mandat, Memmingen und Nürnberg betreffend, schick ich E. G. die bekandtnis, das die geantwurt worden sein, hiemit zu. Als dan E. G. mir ganz gnediger monung kais. Mt. gemuet und willen, den Wechsel betreffende, zu erkennen geben, haben mein schweher und ich S. Mt. abschlag ganz kein beschwerd, dan unser beider gmüte und wille nit änderst ist und sein soll, dan S. Mt. gar nichtz widerszu handeln und der nach gelegenheitunsers Vermögens in aller undertanigkeit gehorsamlich zu gedienen. 4 1 Jost de Negker; vgl. Nr. 78. « Vgl. Nr. 78. 3 Nicht erhalten. * Vgl. S. 130 Anm. 2. 9* 132 Nr. 82. 1510 Dezember 15. Die kais. brieve, mein herren 1 betreffende, haben sie ent- pfangen und dorauf den brieve an die von Frankfurt lautende inen zugeschickt. So ferr si aber kein bezalung tun, werden mein herren mit dem Stadt 2 ganz übel besteen. Doch was zu antwurt komt, will ich E. G. berichten. Auf mein vor uberschickten articul ist mir antwurt und bescheid worden. So ist auch bisher von des Reichs hilfgelt nichtz namhafts gefallen, dan allein das etlich schuldin mit dem hilfgelt gelediget worden sein, und wie vill das ist, will ich euch gnauer ungeferlich in 14 tagen auch berichten. Dweil sich dan E. G. des Imhofs 3 und mein halben so ganz gnadiglich erpeut, bitt ich, wollet unser baider und unser diener nit vergessen, denn furwar die arbeit fast groß und mein halb mit dem stadt vill großer weder ander Sachen. Den brief an herren Ernsten 4 hab ich im antwurten lassen; desgleichen Jacoben Fugger; Fuchsen 5 in seins schwehers haus, der nit zu Augspurg, sonder auf seinem sitze bei Kaufbeyren ist; desgleichen dem harnaschmeister,« Schonsperger und sonst alles gehandelt, wie E. G. mir geschriben hat; wais nit änderst, dan das Schonsperger, dem ich auf sein begern 15 guldin zur zerung geben hab, mit zaigern an hove komen sei; 7 so wirt der buchtrucker 8 bald hienach komen und die puchstaben des wälschen trucks mit im bringen. 1 Den Rat von Augsburg. 3 - status, „Etat"; gemeint sind die Reichshilfsgelder. Vgl. S. 122 Anm. 1. 3 Hieronymus Imhof. * Wohl der kaiserliche Rat Ernst von Weiden, der seit 1492 Schloß und Amt Seifriedsberg (BA Krumbach) auf Grund königlicher Verpfändung innehatte. Vgl. Herberger S. 49 Anm. 68; Th. Dilvel, Die Gütererwerbungen Jakob Fuggers (1913) S. 36 Anm. 3. 6 Wohl Konrad Fuchs, „kaiserlicher Mt. Diener", seit 1506 vermählt mit der Augsburger Patrizierstochter Anna Riedler und seit 8. Okt. 1508 Besitzer des s. von Kaufbeuren gelegenen Schlosses Ebenhofen; vgl. über ihn (A. Steichele-) A. Schröder, Das Bistum Augsburg 7 (1906—10) S. 139 f. * Hans Schwerer; vgl. Nr. 78: Es handelt sich wohl um die in diesem Schreiben erbetenen weiteren Angaben über den Eierbrütofen. 7 Vgl. Nr. 81. Zu zaigern ist zu ergänzen dis briefs. 8 Erhard Oeglin; vgl. Nr. 81 u. 84. Die im folgenden und wieder in Nr. 84 erwähnte wälsche Schrift (d. h. Antiqualettern) war wohl für den Druck von kaiserlichen Mandaten in italienischer Sprache bestimmt; vgl. dazu Nr. 91. Nr. 83. 1510 Dezember 15. 133 Mit dem Sternn, goldschmid, hab ich nach E. G. bevelh gehandelt und bestadt dabei. 1 Das mandat, das die trucker hie die Schweitzer cronica* nit trucken solten, hab ich inen allen verkondt; und dweil si die vorhin nit getruckt, haben si befrembden ab solchem gepot. Doch werden si sich gehorsamlich halten etc. Dat. Augspurg am 15. tag decembris anno decimo. 83. An Georg Kirc/imülner. 3 1510 Dezember 15. {Augsburg.} Dank für erwiesene Dienste und Bitte, ihm die römischen Münzen vom Kaiser zu verschaffen. Zahlungen aus den Reichshilfsgeldern. Bitte, seine Antwort an den Kaiser diesemvorzulegen. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. — Adr.: Ro. kais. Mt. secretarien herren Jörgen Kirchmulner, meinem lieben herren und freund. Gedruckt: Buff Nr. 8579. Mir ist von kais. Mt. ain brieve, den ir underschriben haben, zukomen, dorin ich abnim, das ir mein furderer und guter sol- licitator sein/ Will auch solhs, wa es zu schulden komet, umb euch mit fleis verdienen. Allein bitt ich, tut fleis, das mir die heidnischen pfennig werden, dan ich der zu meinem buch 5 not- turftig were. Ferrer so hab ich von euren wegen auf eur hundert guldin, im Stadt 6 begriffen, dweil völlege bezalung noch zur zeit nit geschehen mag, allein 57 guldin reinisch entpfangen und die meinem schweher 7 bezalt; dem Strengen* noch nichtz davon geben, dweil ir mir geschriben, ir wolten etwan selbs herkomen oder mir endlichen bevelch zuschreiben. Darumb wollet mich 1 Vgl. Nr. 73. 2 Es handelt sick wohl um Einblattdrucke („Neue Zeitungen") über die Vorgänge bei den Eidgenossen, die damals ebenso wie der Papst einen politischen Frontwechsel vorgenommen hatten und Gegner Frankteichs geworden waren, während Maximilian am Bündnis mit Ludwig XU. festhielt. Zwar War es ihm gelungen, den Zuzug von 6000 Schweizer Söldnern zum Heere des Papstes zu verhindern (s. oben S. 120 Anm. 3), aber die Rüdtkehr zum Bunde mit Frankreich und dem Kaiser lehnte die Eidgenossensdiaft hartnäckig ab. Vgl. Ulmann 2 S. 416. » Kaiserl. Sekretär. 4 Eines der in Nr. 81 am Anfang erwähnten kaiserl. Sdireiben. 6 Das .Kaiserbuch": vgl. Nr. 78. " Vgl. S. 132 Anm. 2. 7 Anton Welser. 8 Nicht weiter nachweisbare Persönlidikeit. 134 Nr. 84. 1510 Dezember 17. wissen lassen, wie vill ich ime davon bezalen oder solchs selbs darleihen soll. i.i Kais. Mt. hat jetzo in acht tagen treu brieve zuschicken lassen, daruf ich S. Mt. antwurt gib. 1 Denselben brieve wollet gwisslichen S. Mt. anzaigen etc. Dat. in eil am 15. tag decembris anno 1510. 84. An Kaiser Maximilian. 1510 Dezember 17. {Augsburg.} Bestätigt den Empfang der übersandten römischen Münzen und hofft auf weitere. Die „Genealogie" Maximilians, Auskunft über einen des Baues einer Sturmbrücke kundigen Meister. Empfehlung des Buohdruckers Oeglin. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. Gedruckt: Buff Nr. 8582 u. 8580. Auf sontag vor datum 2 hat E. kais. G. valkner Jörg Auer mir das verpetschaft truchlin mit den heidnischen Pfennigen ge- antwurt, das ich geofnet und darin vill guter pfennig, die ich vor nie gehabt noch gesöhen hab, erfaren, auch meins bedunkens die bei Landeck gefunden worden fast die pesten sein. Will aber die alle ordenlich registrieren, zu meiner notturft ab lassen machen und, wie E. Mt. mir zugeschriben haben, bis auf iren weiteren bevelh woll verwart behalten. Dweil E. kais. Mt. zu doctor Fuchsinagen saugen buch und den anderen sack mit den pfennigen 3 den schlüsel diser zeit nit haben, wie E. Mt. aus gnaden mir auch zu erkennen geben, bin ich der undertanigen hofnung, E. Mt. werden mit der zeit solchen Schlüssel wider zuwegen bringen und mir dieselben buch und pfennig auch zukomen lassen, die alsdan E. kais. G. auf ir erfordern wider zu geben, will ich berait und willig erfunden werden. Das E. Mt. Weifen geschlecht ganz gefunden haben, hab ich furwargeren gehört; trag grosse begird, das zu söhen; dan ich vill jar allen fleis ankört hab, das zuwegen zu bringen. 1 Und als E. Mt. die sibenhundert namen irer Mt. freuntschaft 6 von mir begeren, 1 Nr. 81. 2 15. Dez., offenbar nach Absendung der an diesem Tage abgefertigten Briefe Nr. 81—83. » Vgl. S. 128 Anm. 1. 4 Bezieht sich auf die .Genealogie". b — Verwandtsdiaft. Nr. 85. 1511 Januar 2. 135 hab ich den selben zedel, als E. Mt. nächst hie gewesen, verlegt; will den suchen und E. Mt. furderlich zuschicken. Der gnant Jörg Auer hat mir gesagt, das E. Mt. des meisters, der die prugken, über die Stadtgraben zu stürmen, machen soll, von dem Keller von Göppingen noch kein bericht entpfangen haben sollen. Nun hab ich an ine in ains rats namen brieve gefertiget und der mainung, das unser bestelter wundarzt Baltasar Stöfler, so ain barbierer gewesen und bolz traeen kan, derselb nit ist, als er uns bericht, der solch kunst könden soll, sonder ain andrer, als er acht, sein gesell, der E. kais. G. ain moster von solcher prugken geschenkt, Balthasar Saulauf gnant, etwan zu Degerloch oberhalben Stutgarten gewonet haben soll, aber er wisse nit, ob er sich diser zeit daselbs noch enthalt oder nit. E. Mt. mögen auch glauben, wa gedachter wundarzat solch konst gewusst, ich hette die langest von im erfaren. Den buchtruker, 1 zaigeren dis briefs, so E. Mt. auf ir begeren mit der wälischen schrift, zum tfuck gehörig, zuzeucht, E. kais. Mt. wollen, bit ich, gnadiglich bevolhen , damit er seiner aus- steenden schuld zu teil bezalt werde; dan er sonst von wegen E. Mt, als er mich bericht und zum teil wissen trag, gar verdorben ist. Ich hab im auch auf E. Mt. bevelh zu der zerung sechs und an E. Mt. schuld 14 guldin reinisch geben, 2 davon er bemelt schrift, die armut halben versetzt, wider gelösst hat etc. Dat. am 17. tag decembris anno decimo. 85. Von Johannes Pinicianus.* 1511 Januar 2. (Augsburg.} Hat die „Epistola de nomine Augusto" gelesen; rühmt Peutingers Gelehrsamkeit und Verdienste um die Wissenschaften. Wünscht in seinen Freundeskreis aufgenommen zu werden. War durch Krankheit verhindert, seiner Einladung zu Tische zu folgen, wird ihn aber vor seiner Abreise noch besuchen. München, StsB: Cod. Lat. 4029 fol. 244r f. Absdir. 1 Erhard Oeglin (vgl. Nr. 81 f.). 2 Vgl. S. 130 Anm. 6. 3 Über Johannes Pinicianus (Kening) vgl. Veith, Bibl. Augustana 1 S. 139ff.; P. Joadiimsen in der ZHVSdi 23(1896) S. 181 ff.; Th. Kolde in den Beiträgen z. bayer. Kirdiengesch. 8 (1902) S. 239. 136 Nr. 85. 1511 Januar 2. Chuonrado Peutinger iureconsulto Io. Pinicianus foelicia tempora. Libellum, quem super nomine Augusto paucis horis con- scripsisti, legi libenter l et nisi de tuo ingenio prius abunde edoctus fuissem, a quo tanquam a fönte aliquo copiosissimo omnium rerum doctrina largissime defluat, mirarer tarn subito et in tarn brevi temporis curriculo tot auctoritates pro unico duntaxat termino colligere te potuisse. Multum profecto (absit adulatio) aetas nostra tibi debet, qui bonas literas diu abiectas et sepultas in patriam nostram invehis et mirum in modum illustras. Utinam plures haberet Germania Peutinger, non haberent haec saecula, cur in- viderent antiquitati. Perge modo et literas quantum potes a situ recipe, ne splendor ille Romanae linguae injuria temporum penitus abolescat. Sed de hoc alias. Maxime a te peto, humanissime vir, ut nie, unum saltem e minimis et vulgaribus, tuis esse sinas. 2 Nam virtus et humanitas tua (ut de literis taceam) mihi ante multos annos et in praesentia magis cognita summam benevolentiam tuam pollicita est. Utinam liceret mihi, totos dies vestigia tua sequi. Decreveram hoc die 1 Peutinger hatte also eine Abschrift seines Briefes an Dietrich Reysacher (Nr. 77) Pinician zu lesen gegeben und ihn, wie der letzte Satz unseres Schreibens lehrt, um eine diditerisdie Beigabe zu der für die Veröffentlichung bestimmten Abhandlung gebeten. Pinician hat eine solche damals nidit beigesteuert, wohl aber später Johannes Aesticampianus; s. dessen Verse bei König S. 33. 2 Dieser Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Pinicianus, der noch in demselben Jahre 1511 Peutinger sein poetisdies Werk „Virtus et voluptas" mit einem Widmungsgedicht zueignete und sich 1512 dauernd in Augsburg als humanistisdier Lehrer niederließ, stand sdwn in den folgenden Jahren, wie einige Briefe von ihm an Veit Bild beweisen (Augsburg, OA: Hs. 81 III fol. 7'), mit dem Stadtsdireiber in freundsdiaftlichem Verkehr, widmete ihm 1515 sein „Promptuarium vocabulorum" (vgl. seinen Brief vom 20. Sept. 1515) und wurde endlich der Lehrer seiner drei älteren Söhne (vgl. den Brief der Konstanze Peutinger an den Vater vom 20. April 1521). Nodi am 7. Jan. 1529 nennt Pinician in einem Briefe an Andr. Althamer Peutinger seinen patronus singularis. Bald darauf aber muß eine Entfremdung zwisdien den beiden Männern eingetreten sein; denn am 20. Nov. 1534 klagt Pinician in einem Schreiben an Althamer, daß Peutinger sidr seit mehr als vier Jahren von ihm abgewendet habe nulla alia caussa (quoad ego sciam), quam quod ipsi nitnium Lutheranus visus fui. (Nach ungedruckten Briefen Pinicians im StsA Bamberg, Ms.-Samml. VI Nr. 3Pj 2 .) Nr. 86. 1511 Januar 13. 137 ad coenani ire, sed hac nocte nescio quid morbi sive defluxus in coxis pedis dextri exortus est, me miris modis excruciavit. Coactus sum, venam aperire et iam melius habeo. Quamprimum mihi integrum erit, ad te volabo, quo in loco ubi ero, in ipso Parnasso [nie] esse videor. Ego ad summum die Lunae 1 hinc abibo magis invitus quam volens. Tarnen te prius adibo. Vale patriae decus et vetustatis amator optime et me tibi conmendatum habe nee aegre feras ineptias. Adderem libello tuo rusticitatem meam, si triviali gauderes moneta. Vale ex aedibus hospitis mei 4. non. ian. 1511. 86. An Sigmund von Rorbach. 1511 Januar 13. {Augsburg.} Politische Neuigkeiten. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. — Adr.: Dem edlen gestrengen herren Sigmunden von Rorbach, Ro. kais. Mt. und des Reichs Hauptmann zu Regens- purg etc., meinem in sonder lieben herren. Kais. Mt. ist noch zu Friburg, und kau man nit gewissen, wa der reichstag werden soll. Woll ist abermalen hergeschriben worden, etlich kurfirsten und firsten sollen zu S. Mt. gen Speyr komen. Umb Beren stedt es noch fast woll. 3 Der babst ist aus Bononia gen Ravenna gezogen; 4 vermeinen etlich, er werde der Franzosen, die in großer merklicher anzall in Italia ziehen, nit erwarten. Wes sich die Aidgenossen auf der heiligen trei kunig tag nächst verschinen entschlossen haben der ainung oder ver- standts halben, von kais. Mt. und dem kunig von Frankreich begert, 8 hab ich bisher noch nit erfaren mögen etc. Dat. an der heiligen kunig achtenden anno etc. 11. 1 6. Jan. s Der Anfang des Briefes betrifft die Reidislülfsgelder. 3 Über die Behauptung Veronas für den Kaiser im Winter 1510111 vgl. Ulmann 2 S. 417 f. ' Julius II. hatte am 2. Jan. 1511 Bologna verlassen und sidi zunädist ins Feldlager vor Mirandota begeben: nach Ravenna ging er erst Mitte Febr. Vgl. Pastor 3* S. 659ff. 5 Die Bündniswerbung Ludwigs XII. hatten die Eidgenossen auf ihrer lagung abgelehnt; dagegen sdiloß die Mehrheit der Kantone wenige Wodien später (7. Febr.) mit Maximilian als dem Haupte des Hauses Oesterreidx- Burgund eine „Erbeinigung" zur dauernden Herstellung des Friedens. Vgl. Dierauer 2 2 S.461. 138 Nr. 87. 1511 Januar 26. : 87. Von Cyprian von Serntein. 1511 Januar 26. Freiburg LB. Peutinger soll die von dem Goldschmied gefertigte Silberschüssel einstweilen bei sich behalten und noch vier weitere bestellen. Sendet zur Bezahlungvorläufig 30 Dukaten und 50Gulden. Innsbrudt, LRA: Maximüiana XI, 82. Entw. — Oben am Rande: Zu regisl., weiter unten: R. Peutinger. Regest: D. Sdiönherr, Urkunden und Regesten aus dem Statthalterei- archiv Innsbruck, im JKSK 2, 2 (1881) Nr. 1009. Mein freuntlich dienst mit gutem willen zuvor. Lieber herr doctor, als ir mir jungst geschriben habt, wie euch maister N.,° goldsmid zu Augsburg, 1 ain silbrin beckin geantwurt hab, bitt ich euch demnach, ir wellet mir solich beckin bei euern handen, bis ich euch weiter wissen lass, behalten, dann ich des dizmals nit noturftig bin. Weiter schik ich euch hiemit ain wechselbrief umb 30 ducaten an den Fucker, wie ir 1 ' sehen werdet." So wirdet euch auch mein diener Theis Hartfaust, zaiger ditz briefs, 50 gülden r. geben; darauf ist mein begern, daz ir solh 30 ducaten von dem Fugker von meinen wegen einnemet und die mitsambt denselben 50 gülden dem berurten goldsmid über- antwurtet und bei im bestellet, daz er mir noch vier der grössern schusseln, inmassen er die vor gemacht, mache, und was die uberteur sein wirdet, mich desselben mitsambt der zeit, wann solhe schusslen berait werden, wissen lasset; so will ich im solh uberteur zu derselben zeit verordnen und die schusseln dargegen heben lassen. Und sagt dem goldsmid, daz er die schusseln mache, daz si wol inainander geen. Und ob der Fugker ain quittung umb die 30 ducaten haben wolt, so quittiert in von meinen wegen darfür un lasst michs wissen, so will ich euch aine von mir zuschicken und die euer damit ledigen lassen. Das will ich umb euch widerumb beschulden. Dat. Freyburg am 26. ianuarii 1511." a Folgt kleine Lücke; Schönherrs Lesung Zuagisch (?) beruht auf Mißverstehen des am Rande stehenden Vermerks zu registrieren). h über getilgtem du. '• werdet ist irrtümlidi wieder gestrtdien. d Freyburg—1511 von anderer Hand zugefügt. 1 Jörg Stern; vgl. Nr. 73 u. 82. Nr. 88. 1511 März 11. 139 88. Konrad Peutlnger und Hans Paumgartner 1511 März 11. an Paul von Liechtenstein. Augsburg. Teilen zur Danachachtung mit: es sei Jüngst im kaiserlichen Hof rat zu Freiburg i. B. in ihrem Beisein beschlossen und darauf dementsprechend auch dem Kammergericht vom Kaiser befohlen worden, daß die von den Herren von der Leiter wider den Dogen von Venedig erlangte Acht nicht auf andere Venezianer und die mit diesen Handel treibenden deutschen Kaufleute erstreckt werden dürfe. Augsburg. StA: Peutinger. Entw. — Adr.: An herren Paulsen von Lichtenstein etc. Wolgeborner gnadiger herr etc. Als wir beid bei kurz ver- schinen tagen an kais. Mt., unsers allergnadigisten herren, hove zu Freyburg gewesen sein, 1 hat uns daselbst hin unser vetter und schwager Ambrosi Hochstetter 2 in schrift zu erkennen geben, wie E. G. in namen kais. Mt. mit den herren von der Layter von wegen irer erlangten acht wider den herzogen zu Venedig zu handeln und fleis anzukören willens seie, damit die kaiserlichen Sicherheit und gleit, von S. Mt. und E. G. den kaufleuten geben, gen und von Venedig unverhindert gedachter acht gebraucht werden mochten. 8 Herauf dan E. G. wissen, was gedachter acht 1 Im Febr. 1511. Auf diese Reise Peutingers und Hans Paumgartners d.Ä. beziehen sich folgende Einträge in den Augsburger Stadtredinungen: Samstags post Mathiae (1. März). It. 170 fl. 23 er. doctor Beutingern und Hannsen Baumgartnern für zerung und anders, verrait von wegen des rits zu kais. Mt. getan gen Freyburg; und die haben sie also verrechnet: It. Dr. Beutingcr hat verzert von Augspurg aus gen Ulm und dasclbs auf dem bundstag in 8 tagen, auch für bottenlon und anders 13 fl. 4 er. . .. It. von Ulm aus haben Dr. Beu- tinger und Hanns Baumgartner mit 8 pferden und ainem esel gen Freyburg, Enshain (Ensisheim: hier weilte Maximilian vom 28. Febr. bis 3. März 1511; vgl. V. v. Kraus im Ardiiv f. oesterr. Gesdi. 87 S. 285) und wider gen Augspurg in 33 tagen verzert, auch den knecht für ir schlich und reitgeld geben 107 fl. 15 er. Augsburg, StA: Baumeisterbudi 1511 fol.31^. Weitere Einträge ebd. fol.26v u.31 r betreffen Auslagen für eine Weinspende der Stadt an Peutinger und Paumgartner (1. März) sowie für Botengänge zu ihnen (1. und 15. Febr.). a Ambrosius Höchstetters Mutter -mar eine Schwester von Peutingers Vater; vgl. König S. 2. 3 Die Herren von der Leiter, Joh. d. Ae. und Joh. d. J„ Gebrüder, Nadi- kommen des Paolo della Seala, der nadi Verlust der Herrsdiaft über Verona 140 Nr. 88. 1511 März 11. halben zu Friburg obgemelter zeit furgenomen worden und sich mit den genanten von der Layter destbas darein schicken mögen, haben der selben E. G. wir nit wollen verhalten, das in kais. Mt. hofrat, dabei wir auch gewest sein, auf anbringen doctor Dietrichs Rysachers, beisitzers am camergerichten, der dan etlicher mengel halben, das ca'mergericht belangend, zu kais. Mt. geschickt, beschlossen worden ist, dweil die herren von der Layter ir acht allein wider den herzogen zu Venedig mit urteil und recht erobert und darzu acht und aberacht si erlangt haben, das sich dan die auf ander birger zu Venedig und die kaufleit, so mit in handeln, nit strecken möge, angesehen, das under den herzogen und der gemeine herschaft daselbs nach gelegenheit irer oberkeit ain großer underschid sei. Deshalben der von der Layter pro- curator von iren wegen in seinen begeren allein den gedachten herzogen gemeldet, also nit zu gnugsamer rechtfertigung wider die herschaft zu Venedig und sonder burger daselbs gehandelt. Demnach kais. Mt. ain declaracion getan und dem camergericht bevolhen haben, 1 dermaßen mit recht auch zu erkleren, als E. G. ab eingeschlossner copien zu vernemen haben. Das alles dan dem gnanten doctor vom camergericht auch woll gefallen und solchs an camerrichter und sein beisitzer zu bringen angenomen hat. Wo dan diser weg am camergericht erlangt, wirde man den herren von der Layter nit sonders schuldig zu tun, zu dem auch 1408 nach Baiern übergesiedelt war (vgl. Ed. Wimmer, Oberbair. Archiv 31 [1871] S. 84 ff.), hatten während des Krieges gegen Venedig von der Republik die Zurückerstattung der früheren Besitzungen ihres Hauses gefordert und vom Kammergericht die Verhängung der Acht gegen den Dogen erwirkt. Dadurch waren die in Venedig lagernden und von dort auszuführenden Waren der Augsburger und anderer oberdeutsdier Kaufleute in sdiwere Gefahr geraten. Auf wiederholte Verwendung Peutingers hatte der Kaiser am 2. Jan. 1510 zunädist der Weiser-Gesellschaft erlaubt, trotz der Acht mit Venedig Handel zu treiben, und am 11. Okt. 1510 dem Kammergericht wie audi den Herren von der Leiter befohlen, dafür Sorge zu tragen, daß alle mit einem kaiserlichen Geleitbrief versehenen Kaufleute von der Adit unbehindert blieben. Vgl. Simonsfeld 2 S. 121 f.; die erwähnten kaiserl. Erlasse ebd. 1 Nr. 676 und 678, S. 384 f. und 386f. 1 Kaiserl. Mandat an das Kammergericht vom 21. Febr. 1511: Harp- predit 3 S. 262f. Sdion vier Tage vorher hatte Maximilian den Herren von der Leiter geboten, sein den Kaufleuten gegebenes Geleit zu aditen; Simonsfeld 1 Nr. 688 S. 395. Nr. 89. 1511 Mai 3. Hl in betrachtung, das kais. Mt. durch aufrechten krieg Beren und Vicencz 1 in iren gwalt gebracht und die bisher mit iren merklichen costen on zutun der von der Layter underhalten. Das alles E. G. wir zu guter geheim anzaigt haben wollen, sich von wegen kais. Mt. und ir selbs darnach haben zu richten. Dan wa wir beid zu Freyburg und in kais. Mt. rate nit gewesen, solchs dahin, als wir achten, diser zeit nit komen were etc. Dat. Augspurg am 11. tag marcii anno etc. 11. E. G. undertanige C. P. d. und Hans Paumgartner zu Augspurg. 89. An Bürgermeister und Rat 1511 Mai 3. Ulm. von Augsburg. Berichtet über seinen Ritt an das kaiserliche Hoflager und den guten Erfolg seiner namens des Schwäbischen Bundes geführten Verhandlungen mit Maximilian und dessen Räten, vor allem hinsiditlicli der in Schongau durcli die Herren von der Ixiter beschlagnahmten Augsburger Handelsgüter und des Geleites der Augsburger Kaufleute nach und von Venedig. Klagen über die Beschwerden der Reise. Augsburg, StA: Peutinger. Ursdir. — Adr: Den fursichtigen, ersamen und weisen herren burgermeistern und ratgeben der Stadt Augspurg. meinen gunstigen und lieben herren. Fursichtigen, ersamen und weisen etc. Auf sambstag vor datum 2 sein der apte von Salmsweiler 3 und ich gen Dubingen 4 komen und des selben tags noch nit wissen mögen, wa kais. Mt. iren weg hin nemen wolt. Also sontags darnach hielt uns beid der apt von Bebenhausen 5 auf. Doctor Lupfdich 6 was auch auf Rotenburg 7 verriten. In dem kam potschaft, das S. Mt. die selb nacht zu Weill 8 gewesen und des selben tags zu Dubingen sein 1 Verona und Vicenza, auf das die Herren von der Leiter als Nadi- kommen der della Scala Ansprudi erhoben. s 26. April. • Abt des Cisterzienserklosters Salmansweiler oder Salem (BA Überlingen) ivar damals Jodocus Necker (1510—29). * Tübingen. 5 Abt des Cisterzienserklosters Bebenhausen (OA Tübingen) war Johann von Friedingen (1493—1534). 8 Dr. Joh. Lupfdidi, Prof. der Rechte an der Universität Tübingen. ' Wohl Rottenburg. 8 Weil der Stadt. 142 Nr. 89. 1511 Mai 3. werde, als auch beschehen ist. Und als sich doctor Lupfdich gewent hett und wider zu uns gen Dubingen kam, hab ich uns auf mein anhalten gehör erlangt und sein von S. Mt. am mon- tag* zu nacht gehört worden. S. Mt. und ir rete haben auch den ersten articul, die pfandschaften betreffend, mit uns woll ain ganze stund disputiert, und zu jungst ward aus S. Mt. bevelhe durch den von Zoleren 8 und den von Serentein die antwurt geben: dweil es umb zehen höre in die nacht und also spat und S. Mt. willen were, aftermontags 8 ferrer zu rücken, so solten wir, bös herwerg zu vermeiden, auf Ulm ziehen, daselbs hin S. Mt. auch komen und ferrer mit uns handeln wolt. Also bedacht ich besser sein, am,ziehen bei S. Mt. zu beleiben, und ließ den apt und doctor Lupfdich auf Ulm ziehen, als auch beschehen ist. Demnach hat S. Mt. iren weg genomen aftermontags gen Reifungen, 4 mitwuchen gen Minsigen, 5 donerstags gen Ehingen und freitags gen Ulm, und wiewollich an gestern bei S.Mt. bis auf die zehendt höre in der nacht gewesen bin, hab ich doch nit erfaren mögen, ob die an heut hie beleiben wolle oder nit, so vill aber verstanden, als noch die monung ist, nit gen Augspurg. S. Mt. hat auch an gestern spat woll anderhalben stunde mit der englischen potschaft G gehandelt, und will mich bedunken, die sachen in Italia noch fast zweifenlich standen. 7 Got der almechtig schick, was gut seie. E. Wt. brieve, die herren von der Layter betreffend, 8 sind 1 28. April. a Graf Eitelfritz von Zollern. > 29. April. * Reutlingen. 6 Münsingen. 8 Sir Robert Wingfield; vgl. über ihn Dictionary of national biography 62 S. 191 ff. 7 Nacfi dem Scheitern der Mitte April 1511 von Matthäus Lang als Vertreter des Kaisers an der Kurie in Bologna geführten Verhandlangen über einen mit Julius II. und Venedig abzusdüießenden Frieden begann Anfang Mai der Kampf zwisdien dem durch deutsche Truppen verstärkten französischen Heere und den Streitkräften Venedigs und des Papstes von neuem. Vgl. Ulmann 2 S. 425ff.; Pastor 3 l S. 662ff. 8 Nicht erhalten. Der Brief enthielt wohl die Mitteilung, daß der Bürgermeister Ludwig Moser und der Ratsherr Hans Rehlinger am 28. April vor Herzog Wolfgang von Baiern gegen die auf bairisdiem Boden in Schongau erfolgte Beschlagnahme aus Venedig kommender Waren Augsburger Kaufleute durdi die Herren von der Leiter protestiert hatten und daß der Herzog am folgenden Tage die Entscheidung dieses Streites abgelehnt hatte; vgl. Simonsfeld 1 Nr. 685f. S. 389ff. Nr. 89. 1511 Mai 3. 143 nur auf donerstag 1 zu nacht zu Ehingen durch ain metzger von Ulm geantwurt worden. Darauf E. Wt. zu wissen fueg, das ich davor auf etlicher kaufleit beger ain ernstlich gescheft an camer- richter und beisitzer erlangt, im handel, wie E. Wt. wissen tragen, zu procedieren und peenalmandat, mitler zeit still zu steen, aus- geen zu lassen. 2 Mich haben der von Serenthein und Villinger beric'ht, das kais. Mt. selbs mit dem ainen von der Layter geredt hab, die kaufleit an S. Mt. gleit unbeschwert zu lassen. Und dweil ich aber des gedachten donerstags von S. Mt. nachts äb- gescheiden und fast spat was, hab ich am freitag fru die sach an S. Mt. laut E. Ft. verkonden und begeren langen lassen und erobert, das mir zugeben sein, treu niandat zu vertigen, nemb- lich ains an herzog Wolfgangen auf sein beschaid, die gueter zu Schongau on entgelt ledig zu schaffen, 3 ain peenalmandat an die von der Layter, die iren und sonst maniglich von iren und anderer wegen mit ir handlung stil zu steen, 1 auch ain peenalmandat in gmein an all stende des Reichs, niemand zu gestatten, die kaufleit, so kais. Mt. gleit haben, in ichten zu beschweren, 0 alles in pester form. Und dweil kais. Mt. an gestern nit still gelegen, haben die des selben tags nit gar gefertiget werden mögen. Will aber allen möglichen fleis ankoren, die an heut gar gefertiget zu handen zu bringen und E. Wt. bei eigner potschaft zuzeschicken, auch dabei mein ferrer gut bedunken auf E. Wt. Verbesserung euch zu erkennen geben. 6 Am hin- und herziehen ist furwar ganz muesam, brieve herauszubringen. Ob auch die von der Layter oder jemand von iren wegen ichtz handeln und solchs an mich gelangen wurde, 1 1. Mai. 2 Vgl. S. 140 Anm. 1. 3 Mandat Maximilians an Herzog Wolf gang von Baiern, die beschlagnahmten Güter in Sdwngau frei zu lassen, da er den Städten des Sdiwä- bisdien Bundes freies Geleit zugesidicrt und die Acht gegen Venedig für sie suspendiert habe: Simonsfeld 1 Nr. 687 S. 391 f. * Gegen dieses kaiserl. Mandat vom 2. Mai, das die Adit wider Venedig suspendierte, protestierten die Herren von der Leiter am 5. Mai und erklärten, das Geleit, das ihnen nicht zu Gesidit gekommen, nicht achten zu wollen; ebd. Nr. 689 S. 397f. 6 Mandat vom 2. Mai 1511 im Augsburger StA, Literalien. c Ist nodi am selben Tage gesdiehen. Dieser zweite Brief Peutingers v om 3. Mai 1511 (Augsburg, StA; Peutinger. Ursdir.) ist sonst ohne Belang. 144 Nr. 90. 1511 September 15. will ich allen möglichen fleis ankoren, E. Wt. und die iren zum pesten zu verantwurten. Ich hof zu Got, in diser sach nit nach- teil zu erlangen, dan kais. Mt. noch aufrecht ist. So langt mich an, das S. Mt. herren Paulsen > zu ir auf Memmingen beschiden hab, der, als ich hoff, in der sach mir auch ganz furderig sein wirt. Und wiewoll ich des umreisens fast gnug hette, in an- söhung, das uns zu unfall Ravenspurgers, meins Schwagers, 8 roß zwai vernagelt und sonst alle treu hinkend worden sein, bin also fast übel versöhen mit rossen; und wa die tagrais nit so kurz weren, mußt ich not leiden. Wollen die kaufleit woll trösten; dan in der sach hab ich gut hofnung. Doch so steet es alles zu Got und kais. Mt. Die franzosisch potschaft ist auch hie und etwas nit woll zufriden, 3 aber ich kan im grund nit erfaren, wie die Sachen standen. So wais ich auch nit, wen und wa wir vom pund 4 gefertiget werden. Dan nit jederman den pund gern siht. Hiemit bevelh ich mich E. Ft. als meinen gunstigen und lieben herren, bittende, mit diser schrift für gut zu haben; dan ich an gestern in der nacht erst nach zehnen bei und von kais. Mt. ain- mall gefertiget in die herberg komen und disen brieve an heut zu angeendem tag zu freien hören geschriben hab. s Dat. Ulm an heilig creuz seiner erfindung tage anno etc. 11. E. Ft. diener C. Peutinger doctor. 90. An Georg Kfrchmülner. 1511 September 15. Augsburg. Erklärt sein langes Schweigen und bittet, ihm aus der Kriegsbeute eine alte Handschrift zu verschaffen. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. — Adr: Wie bei Nr. 83. Gedruckt (teilweise): Buff Nr. 8587. 1 Paul von Liechtenstein, an den Nr. 88 geriditet ist. ' Lukas Ravenspurger d. ./., Gatte von Peutingers Schwester Anna; vgl. König S. 2 Anm. 4. 8 Vielleidit wegen der Unterhandlungen Matthäus Längs mit dem Papste; vgl. oben S. 142 Anm. 7. 4 vom Sdiwabisdien Bund. 5 Auf Peutingers Ritt zum Kaiser nadi Tübingen beziehen sidi zwei Einträge in den Augsburger Stadtredinungen (Augsburg, StA; Baumeister- budi 1511 fol. 33r und 99r), wonadi er am 9. Mai 3/1. 1 Ib. 15 sh. als .Reitgeld" für 14 Tage sowie seine Auslagen für 4 Pferde und Botenlohn ausbezahlt erhielt. Nr. 91. 1511 September 16. 145 Eur brieve, des datum stedt auf 19. tag augusti, 1 hab ich auf den 9. tag septembris entpfangen . . . . 2 Als ir mir dan schreibt eur verwunder, das ich euch nit schreib, dweil ir mein und der meinen halben kein mue und fleis sparen wollen etc., des ich euch mit fleis dank sag; will auch solchs umb euch mit allem fleis verdienen. Und das ich euch lang zeit bisher nit geschrieben hab, ist ursach, das ich nit sonders zu tun gehabt und kais. Mt. mir nit sonders bevolhen haben; doch das ich in bevelh gehabt, meinem prüder8 zwei mall zugeschickt. Aber mir ist nit sonder antwurt worden. Bit euch, ir wolt mir von feinden zu ainer peut ain alts geschriben buch zuwegen bringen; darf nit costlich sein etc. Dat. Augspurg am 15. tag septembris anno etc. 11. C. P. 91. An Cyprian von Serntein. 1511 September 16. (Augsburg) Hat die kaiserlichen Ausschreiben auftragsgemäß drucken lassen und Ulrich Möringer zugeschickt. Die bestellten Sllber- schüssetn liegen bei Anton Welser zur Abholung bereit. Mängel in Ausfertigung und Verschluß des Serntelnschen Briefes. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. — Auf der Rückseite: Serenthein in causa des welschen trucks, 1511 den 16. septembris gefertiget. Gedruckt: ßuff Nr. 8588. An dem 15. tag septembris ist von E. G. mir durch Jacoben Fugger ain schreiben uberantwurt, 4 das ich seins inhalts ver- nomen, E. G. daruff zu wissen fugende, das zu stund an nach uberantwortung desselben briefs ich die welschen copi 5 hab lassen 1 Nicht erhalten. 2 Das Folgende liandelt von privaten Geldangelegenheiten. ' Leo Ravenspurger, der Sohn der Mutter Peutingcrs aas ihrer mit Lukas Ravenspurger d. Ae. gesdüossenen zweiten Ehe (vgl. KönigS. 2 Anm. 5), der sidi demnach damals am Hofe aufgehalten hat. 4 Nicht erhalten. 5 Da diese welschen copi weiterhin als brief bezeichnet werden, handelt es sidi wohl um kaiserl. Aussdireiben in italienisdier Spradie, die vielleidit Maximilians im Sommer 1511 gegen die Venezianer errungene Waffenerfolge bekannt machen sollten: vgl. über entsprechende Aussdireiben an deutsche Reichsstande FRC 2, 2 Nr. 1056. 1060. 1061. 1064. König, Peutlngers Briefwechsel 10 146 Nr. 92. 1511 Oktober 6. abtrucken und an heut dato dem Ulrich Meringer x zugeschickt. Dan als E. G. weiter anzaigen, die schicken mir der Sachen halben ain brief an Ulrich Meringer lautende, das er die brief von mir annemen sol, hab ich sollichen brief nit empfangen, auch bei Jacoben Fugger nachfrag darumb gehabt, der mir auch davon nichts zu sagen gewisst. Von wegen E. G. silberin schissel 2 hab E. G. ich vormals geschriben, 3 das die gemacht und auf bevelh Baptista de Tassis 4 hinder meinen schweher 6 erlegt sind, dergestalt, wann er darnach schicke, das er ime die gegen ainer bekantnus überantworten sol. Darumb wo E. G. die haben wellen, bei demselben Baptista de Tassis sein bekantnus laut seins abschids nemen, so wirdet mein schweher demselben boten die schissein dagegen gewisslich überantworten. Ich will auch auf den zedel, mir von E. G. uber- schickt, über das, so mir der genant de Tassis abgerait, noch ain mal mit dem goldschmid raiten und was ich in raitung finde, E. G. weiter anzaigen etc. Damit dan E. G. gewisslich wissen, das mir E. G. vorgeend schreiben, die wellischen copi betreffend, unverbetschaft, auch onunderschriben, allein mit ainem schlechten faden zusamen- gebunden geantwort, schick E. G. ich dieselben hie inligend, darumb zu besichtigen. Dat. 16. september. 92. Von Christoph Welser. 1511 Oktober 6. Rom. Hat sich vergeblich bemüht die Verleihung der Propstei von Alt-St. Peter in Straßburg an Hieronymus Betschlin zu erreichen; sie ist dem kaiserlichen Sekretär Jacobus de Banissis gegeben worden. Hofft jedoch, da er sich die Gunst einiger Kardinäle und auch des Papstes erworben hat, künftig seine und seiner Freunde Angelegenheiten mit besserem Erfolge betreiben zu können. Übersendet die „Oratio pro concilio Lateranensi* des Angelo vonVallombrosa, ein Epigramm des Christoph von Suchten 1 Kaiserl. Kammermeister. 5 Vgl. Nr. 87. 1 Dieses Schreiben ist nicht erhalten. 4 Hofpostmeister Maximilians; vgl. oben S. 121 Anm. 6, ' Anton Welser. Nr. 92. 1511 Oktober 6. 147 auf Peatingers Söhnchen Claudius Pius und den Wortlaut der Tags vorher verkündeten „Heiligen Liga" zwischen dem Papst, Spanien und Venedig. Augsburg, StA: Welser-Selekt. Ursdir. t \Z, XZ f S. P. Ut primum mihi redditae sunt literae Tuae D" is , prae- stantissime D. doctor, quas ex Augusta 20. mensis augusti ad me dedisti, 1 navavi omnem operam et Studium, ut in praepositura ecclesiae ss. Petri et Michaelis Argentinensis 2 pro D. Iheronimo Bethlin 3 a S mo D. nostro papa impetranda tibi gratificarer, sed quum id pontificem orassem, respondit se praeposituras, quas ea potissimum de causa suae dispositioni reservaverit, ut bene- ficiis huiusmodi afficeret bene de se meritos, nullis aliis collaturum quam aut familiaribus suis aut illis, qui singularibus quibusdam ob- sequiis gratias huiuscemodi promeruerint. Quo audito etsi omnem paene spem eius praepositurae obtinendae iam tum posui, nihil tarnen praetermisi aliorum complurium vel magnae auctoritatis virorum intercessiones et opem implorando, quod ad hanc rem oportunum et operae precium putavi futurum. Verum ut quid actum sit brevibus intelligas: impetravit praeposituram illam D. Ionnes Cola, caesareae M tis procurator, 4 in personam D. Iacobi Banisii, quem volunt esse caesareum secretarium. 5 Itaque velim 1 Nicht erhalten. 2 Die Propstei des Stiftes Alt St. Peter in Straßburg war erledigt durdi den am 16. Aug. 1511 erfolgten Tod Thomas Wolffs d. Ae.; vgl. über diesen G. Knod, Deutsche Studenten in Bologna S. 642. 3 Hieronymus Betschlin, aus einer alten Straßburger Bürgerfamilie, war Kanonikus von St. Thomas und Alt St. Peter in. Straßburg; vgl. über ihn G. Knod, Die Stiftsherren von St. Thomas in Straßburg (Progr. d. Lyceums in Straßburg 1892) S. 16. * Johann Cola (Colla), kaiserl. Sekretär und damaliger Vertreter Maximilians an der Kurie, ist als soldier erwähnt in dem vielbesprodienen Briefe des Kaisers an Paul von Lieditenstein vom 16. Sept. 1511; vgl. A. Sduilte, Kaiser Maximilian I. als Kandidat für den päpstlichen Stuhl (1906) S. 19u.31. 6 Der Italiener Jacopo Bannissio war Vorsteher der lateinisdien Kanzlei Maximilians; vgl. über ihn Kalkoff S. 138ff. Er hat die ihm damals von Julius IL verliehene Propstei von Alt St. Peter nicht zu behaupten vermodit: Leo X. gab sie am 20. Dez. 1513 an den andern Bewerber Hieronymus Betsddin; vgl. Hergenröther, Leonis X. Regesta Nr. 5861. 10* 148 Nr. 92. 1511 Oktober 6. haec memorato D. Iheronimo et D. Martino de Baden' cum primis significes, et quamquam in hac re neque eorum desiderio neque meo potui satisfacere, non tarnen cesses, meam illis operam et Studium in quibusvis negotiis offerre idque declarare, quod et te scire velim, me mihi complures magna autoritate viros etiam ex rev morum cardinalium ordine et ipsum S m, " n D. nostrum pontificem benevolentia quadam non vulgari devinxisse et quendam qui expeditionum mearum solicitam curam gerat adhibuisse, ut et meae et amicorum nostrorum causae sive negotia eo facilius et diligentius expediantur. Caeterum quia te scio novarum rerum intelligendarum esse percupidum, accipe cum praesentibus exemplum orationis Angeli anachoritae pro concilio Lateranensi, 2 in qua quidem oratione quam prope auctor ille ad Graecanicum imo iam Italicum adulandi morem accedat tuae relinquo sententiae. D. Christophorus de Suchten, 3 ex Gdano Prussiae opido, 4 ubi noster Christianus Stro- band degit, 6 ortus et humaniores literas non mediocriter edoctus, quem ut superius memini in causarum mearum curialium solici- tatorem mihi ascivi, quamprimum ex literis tuis, quas ad me 1 Martin von Baden, der Sprosse eines alten zäliringischen Ministerialengeschlechtes, war Kanonikus von St. Thomas in Straßburg: vgl. G. Knod a. a. 0. S. 35. 7 Angeli anadioritae Vallis umbrosae Oratio pro concilio Lateranensi contra conventiculum Pisanum ersdüen 1511 in zwei Druckausgaben: s. I. et a. und Vallis umbrosae 1511 (Panzer 9 S. 111 Nr. 49: 8 S. 337 Nr. 1): vgl. Pastor 3 4 S. 693. ' Christoph von Suditen, mag. art. und Familiär Christoph Welsers, Kleriker der Diözese Breslau, erhielt von Leo X. unter dem 27. Febr. und 7. Okt. 1514 Anweisungen auf Kanonikate an der Breslauer Domkirche. Vgl. Mergenröther Nr. 6987 und 12152: A. O. Meyer, Studien zur Vorgesdiidite der Reformation. Aus schlesischen Quellen. (1903) S. 78 Anm.3. G. Baudi erwähnt ihn am Schlüsse seiner Abhandlung „Das Breslauer Domkapitel und der Humanismus" (Beilr. z. Literaturgesch. d. schles. Humanismus VI: Zeitschr. d. Ver. f. Gesdi. u. Altertum Schlesiens 38 [1904] S. 342) als einen der Breslauer Kapitulare, die als Humanisten gewürdigt zu werden verdienten. Ein Gedidit des „Christophorus Suditenius Gdanensis" an den Leser steht vor des M. Ant. Sabellicus „Carmina elegantissima de diva virgine Maria" (Hain* 14062). 4 Danzig. 5 Christian Stroband war Leiter der Welserschen Faktorei in Danzig, die jedoch 1512 aufgelöst wurde; vgl. F.hrenberg 1 S. 197. Nr. 93. 1511 November 11. 149 10. kal. martii nuper exacti anni dedisti, 1 legisset, iilium illum tuum Claudium Pium 2 quatuor mensibus et quatuordecim diebus ea longitudine corporis crevisse, ut palmos tres, digitos quinque aequarit, tantum pueri incrementum (quod foelix faustumque sit) admiratus rem eam senario carmine complexus est, quod ad te scribere non dedignor. Sunt autem versus huiuscemodi: Bis duo vix gelidae complevit cornua lunae Claudius ille, suae dulce parenlis onus, tris palmos digitosque aequavit corpore quinos. Qui si ita continuo creverit, Hector erit, Hector crit membris et si, quod spero futurum, Dii dederint mentis robor, Ulixes erit. Novitatum quae hie perferuntur nihil profecto dignum existimo, quod ad te perscriberem, nisi confoederationem inter S raum D. nostrum papam, regem Hispaniarum et Venetos initam heri esse solenmiter publicatam pro tuitione pontificis et construetione unitatis ecclesiae Romanae, ne quod setsma in ea, ut formidandum erat, oriatur, et contra oecupatores et detentores terrarum et bonorum ecclesiae quoseunquej» Mitto tibi cum praesentibus exemplum publicationis de verbo ad verbum, quod patri meo amantissimo et observandissimo praesentare non dedigneris et sibi nomine meo referre, qualiter sibi multa et varia cum primis scripturus sim et responsurus cum diligentia omnimodo literis suis. Vale et me ut soles ama tuamque coniugem, germanam meam, verbis meis salvere iubeas. Ex urbe 6. mensis octobris anno 1511. Tuus Christophorus Welser, scriptor apostolicus etc. 93. Von Christoph Welser. 1511 November 11. Rom. Bittet, ihn bei der Erlangung der ihm kürzlidi vom Papste verliehenen Pfründen, vor allem der Propsteien von Regensburg und St. Stephan in Bamberg und eines Kanonikates am Augsburger Dome, zu unterstützen. Näheren Aufschluß hinsichtlich der ihm gleichfalls verliehenen Pfarreien von Stilfs 1 Niefit erhalten. * Vgl. oben Nr. 67. 3 Die gegen Frankreidi geriditete „Heilige Liga" zwischen dem Papst, Spanien und Venedig wurde am 5. Okt. 1511 in S. Maria del Popolo feierlidi ■"erkündigt; vgl. Pastor 3* S. 683. 150 Nr. 93. 1511 November 11. (Diöz. Brixen), Rötungen, Leuzenbronn und Wettringen (Diöz. Würzburg) und eines Würzburger Kanonikates kann Peutinger von Dr. Veit Meier, dem er darüber ausführlich geschrieben hat, erhalten. Augsburg, StA: Welser-Selekt. Ursdir. — Adr: Eximio et praestanti viro D. Conrado Peutinger, iur. utr. doctori consultissimo, domino et sororio suo observandissimo. Augustae. t l£> XZ t S. P. D. Ex literis meis, quas ad Dig nem Tuam, praestantissime D. doctor, 6. die mensis octobris dedi, 1 existimo Tuam D nem abunde satis intellexisse, quid de praepositura ecclesiae sanctorum Petri et Michaelis Argentinensis actum sit et denique omnia, quae tunc ad te putavi scribenda. Quare ea omnia singillatim repetere supervacaneum arbitror. Ut autem de rebus meis aliquid scribam: contulit mihi nuper S mus D. noster papa unam Ratisponensem et aliam s. Stephani Bambergensis ecclesiarum praeposituras vacantes obitu quondam Marci Fugker hie apud Sedem Apostolicam vita funeti, 2 id quod Tua D ti0 facile et liquido prospiciet ex literis apostolicis, quas super huiusmodi praepositurarum collatione seu mandato de conferendo expeditas unacum processibus desuper decretis ac mandato procurationis ad genitorem meum inpraesen- tiarum transmitto. Itaque et tuam operam et curam in adipiscenda mihi illarum possessione expeto teque oro et pro necessitudinis nostrae vineulo obtestor, genitorem meurn et D. Vitum Meiler 3 consilio tuo adiuves, ne longum tenear eiusmodi possessionis desiderio idque inprimis eures, ut in locis praepositurarum com- morantes substituantur procuratores, qui idonei, diligentes et integri fideliter de fructibus respondeant, iura, privilegia et con- 1 Nr. 92. * Markus Fugker d. J., der älteste Sohn Georgs und Neffe Jakobs, war in Rom am 26. Okt. 1511 im 21. Lebensjahre gestorben; er besaß trotz seiner Jugend, von geringeren Pfründen abgesehen, fünf Propsteien und ein Archi- diakonat und war päpstlidier Protonotar und Skriptor. Vgl. A. Schulte, Die Fugger in Rom 1 S. 27f. 3 Dr. iur. utr. Veit Meier (Maeler), seit 1495 Domherr in Augsburg, außerdem auch Propst von St. Veit in Freising, war als Memminger Kind ein engerer Landsmann von Christoph Welsers Mutter Katharina Vöhlin; er starb 73jährig am 24. Nov. 1517. Vgl. C. Khamm, Hierardüa Augustana Pars IL S. 158 f. Sein Studienfreund Peter Schott aus Straßburg (vgl. Schmidt 2 _______________ Nr. 93. 1511 November U. 151 suetudines omnia ad praeposituras meas pertinentia pro me enixius defendant et manuteneant, habitationes illas satis (ut intelligo) fabre- factas conservent et bene custodiant ad laudem omnipotentis Dei. Praeterea impetravi etiam a S m0 D. nostro canonicatum et praebendam ecclesiae Augustensis ac parrochialem ecclesiam in Stilfs, Brixinensis diocesis, per obitum quondam D. Ioannis de Knörringen etiam hie defuneti 1 vacantes, et quamquam statutis et privilegiis Augustensis ecclesiae 2 abunde et sufficienter derogari obtinuerim, ita ut de iure meo optimo nihil prorsus dubitem, tarnen sub umbra gratiae et benevolentiae potius quam cum rigore iuris possessionem a venerabili capitulo assequi desiderarem. Idcirco enim derogationes illas statutorum, privilegiorum et in- dultorum etc. ad partem expediam et non in literis collationis seu mandati de conferendo. Cum enim venerabile capitulum me non natum filium civis seu civissae Augustensis considerabit, praeterea quod parens meus nisi cum conditione quadam Augustae habitat et consiliis civitatis se non ingerit, 3 et quanti semper illud venerabile capitulum fecerit, tunc spero rebus meis bene consuli et ab eodem venerabili capitulo mihi ex sententia satisfieri. Quamobrem in hac re Tuae Dig" is consilium et sententiam magno- pere expeto. Velim etiam, ut nie simul de tenore statutorum et privilegiorum praefatae ecclesiae Augustanae secretius informes, *■ 2ff0 hat in den Jahren 1479 — 90 an ihn, der damals an der Kurie weilte (seit 1482 sollicitator literarum apostolicarum: W. v. Hof mann, Forsch, z. Gesch. der kurialen Behörden 2 [1914] S. 197), zahlreiche Briefe gerichtet, aus denen hervorgeht, daß Meier damals ein eifriger Pfründenjäger gewesen ist. S. diese Briefe in Petri Schotti . . . Lucubratiunculae ornatissimac, Straßburg bei Martin Schott 1498. ' Vgl. A. Schulte a. a. O. 1 S.28f. Anrn. 1: 1511 5 id. oct. Christophoro Welser utr. iur. doctori, scriptori et familiari papae providetur de canonicatu et praebenda eccl. Augustensis vacante ex obitu Iohannis de Knoringen (nach Registr. Vat. 967 fol.90v—92v). 5 Über das Statut des Augsburger Domkapitels, das Söhnen Augsburger Bürger die Aufnahme verweigerte, vgl. oben Nr. 1 — 3, namentl. S. 1 Anm.2. 3 Christoph Welsers Vater Anton d. Ae. hatte, als er seinen Wohnsitz von Meinmingen unter Beibehaltung des dortigen Bürgerrechtes nach Augsburg zurückverlegte, sich in einem am 23. Juni 1498 mit der Stadt abgeschlossenen Vertrage u. a. ausbedungen, daß er nicht als Augsburger Bürger gelten und infolgedessen auch nicht mit Rats- und Gerichtsämtern behelligt werden sollte; vgl. Welser 1 S. 65f. 152 Nr. 93. 1511 November 11. ut illum in expeditione literarum specificare melius possim et illis privilegiis abundantius derogari curare. 1 Ut autem parochiali ecclesiae in Stilfs possessionem assequar, velis D. Vitum Meiler latius alloqui (illi enim de certis impedimentis ad longum scribo) et meas literas ad episcopum Brixinensem 2 perlegere et corrigere ad vestrum beneplacitum et ipsas postea obsignatas episcopo transmittere meque Suae rev" ,ae D ni sumopere commenda. Obtinui etiam a S" 10 D. nostro canonicatum et praebendam ecclesiae Herbipolensis 3 necnon in Rottingeu et in Laitzebrun ac in Wetringen, 4 locorum Herbipolensis diocesis, parochiales ecclesias, quos et quas quondam Albertus de Bibra dum viveret obtinebat. Causam autem, ob quam literas apostolicas desuper hactenus non expediverim, et praeterea multa alia D tio Tua ex D. doctore Vito Melier cognoscet, cui de omnibus pluribus scripsi. Ego quandoquidem scio vos quotidiana consuetudine invicem eademque iucundissima frui, supervacaneum duxi, singula ad unguem explanare Tuae D ni , quae ex ipso D. Vito procul dubio omnia intelliget. Quare unum hoc te vehementer oro: Studium, curam, diligentiam et consilium tuum parenti meo et D. Vito ita in his negotiis meis impartiaris, quemadmodum id nostrae postulat necessitudinis vinculum et mea in te singularis confidentia requirit. Comendo me Dig" Tuae, quam unacum tua uxore sorore mea et liberis optime valere cupio. Romae 11. die mensis novembris anno 1511. T. D nis deditissimus Christophorus Welser, scriptor apostolicus. 1 Über die weitere Entwicklung der Angelegenheit des Augsburger Kanonikates vgl. die Nr. 108—10, 117, 118, 121. 2 Christoph von Schrofenstein. 3 Das durch den Tod des Albrecht von Bibra (24. Aug. 1511; vgl. A. Am- rhein, Reihenfolge der Mitglieder des adeligen Domstifts zu Wirzburg: Arc.h. d. Hist. Ver. f. Unterfranken 33 [1890] S. 257) erledigte Kanonikat an der Würzburger Domkirdie hat Christoph Welser gegen eine Geldabfindung an Martin Trudiseß von Pommersfelden abtreten müssen; vgl. Hergenröther, Leonis X. Regesta Nr. 11571 f. (1514 Sept. 11); Amrhein a. a. O. * Rötungen (BA Odisenfurt), Leuzenbronn und Wettringen (BA Rothenburg o\T.). — Auf die Pfarrei Leuzenbronn mußte Christoph Welser am 3. Jan. 1515 zugunsten Konrads von Bibra gegen eine Geldzahlung aus den Hinkünften der Pfründe verzidüen: Hergenröther Nr. 14321 f. Nr. 94. 1512 März 29. 153 94. An Michael Hummelberg. 1 1512 März 29. Augsburg. Dankt für die erhaltenen Briefe und entscfiuldigt das Ausbleiben der seinigen mit Arbeitsüberlastung. Übersendet seine Inschriftenausgabe und den Entwurf der „Epistola Margaritae Vehertae ad Christophorum fratrem." München, StsB: 1. Cod. Lat. 4007 fol. 14'. Absein: — 2. Cod. Lat. 4018 Nr. 3 fol. 19v. Absdirift Hummelbergs, von diesem samt den Briefen Nr. 95 und 96 einer selbstgefertigten Absdirift der .Epistola Margaritae Velseriae" angehängt, die er wohl zu. veröffentlidien gedachte. Gedruckt: Lotter-Veith S. 148f. Chuonradus Peutinger Augustanus Michaeli Humelbergio Ravenspurgensi S. P. D. Quod vehementer me ames, omnes tuae literae, quae hac- tenus mihi sunt redditae, 2 significant, facileque ex hiis et erudi- tionem tuam et humanitatem et officium tarn dulce mihi quam optatum cognovi. Et quanto haec a te gratiora proficiseuntur, tanto a maiori ego tibi obligatione distringor, potissimum scilicet, quod hactenus ad te nullas perscripserim literas. Quare, etsi tibi mecum ingratitudinis causa pertraetanda foret, cum eam quam aliquando referre potuissem nee retuli gratiam, silentium hoc nostrumuteunque, si longius fuit, oecupationibus nostris et publicis et privatis vel etiam necessitati ipsi (cui nee repugnandum est) imputato. Habebis a me postea literas crebriores. Libellum, quem imperatori caesari Maximiliano augusto dieaverim, petis. Dedi plures, unum ex Romanae vetustatis fragmentis excusum formis 8 (non magni ponderis)transmitto. Collectaneavero coniugis nostrae, quae diligentia et manu sua auxilioque nostro ad venerandum praepositum Ratisponensem, fratrem suum, 4 dedit, ab exemplo a tanta Hs. 1 Über den Ravensburger Humanisten Michael Hummelberg vgl. A. Hora- witz in der ADB 13 (1881) S. 388 f.; G. Knod, Aus der Bibliothek des Beatus Rhenanus (1889) S.43f: K. Hartfelder in: ZGO N. F. 8 (1893) S.[13ff. 1 Nidit erhalten. 3 Die .Romanae vetustatis fragmenta" von 1505. Das Hummelberg geschenkte Exemplar (mit handschriftlidien Zusätzen des Besitzers) ist erhalten im Clin 4018 Nr. 1. * Christoph Welser. 154 Nr. 95. 1512 April 13. non satis mundo perspicere poteris. 1 Et cum haec nondum emi- serimus, velim pro tua singulari eruditione nisi a te recognita, castigata, exornata etiam vel (si collibuerit) expuncta ad nos redeant. Acceleratione tabellarii de communi nostro amico Bebelio ac etiam Brenno hactenus scribere potui nihil. Deus opt. max. velit, ut te vel praesentem videarn. Bene valeas. Ex Augusta 4. kal. aprilis anno salutis 1512. Epistolam hanc me dictante nostra uxor amanuensis loco scripsit. Iterum vale. 95. Von Michael Hummelberg. 1512 April 13. Ravensburg. Antwort auf Nr. 94. Preist Peutingers Gattin ob ihrer gelehrten Bildung; lehnt es ab, ihre Abhandlung zu verbessern, da dies Peutingers Aufgabe sei. Übersendet ihm ein Buch von Carolas Bovillus. Kündigt seinen baldigen Besuch an. München, StsB: 1. Cod. Lat. 4007 fol. 14*>ff. Absdlr. — 2. Cod. Lat. 4018 Nr. 3 fol. 19vff,: Absdirift Hummelbergs, mit stilistischen Änderungen dei Urgestalt; vgl. die Vorbemerkung zu Nr. 94. Gedruckt: Lotter-Veith S. 149ff. Michael Humelbergius Ravenspurgensis Chuonrado Peutinger, iur. utr. doctori, S.S. Margaritae Welseriae, coniugis tuae et castissimae et doctissi- mae, de vetustatis monumentis epitomen hilariter accaepi, vir clarissime. Eius frequenti lectione meum multum oblectavi ani- mum. Libellus etenim elegans et concinnus, nihil inepte, nihil inculte, nihil inerudite, sed omnia affabre, eleganter et Latiali eloquio venuste et copiose praescribens, multiiugae lectionis et penitioris cuiuspiam eruditionis a nullo ullo non legendus, non suspiciendus est, eo maxime, quod a cognobili faemina abv 'A&tjvq, rfj d&avdrcp naoflevo) 'JUgfifj re rq> xa>v QijroQmr vo/w) Kai 1 Es ist dies die von dem Augsburger Rektor von St. Anna H. A. Mertens 1778 unter dem Titel .Epistola Margaritae Velseriae . . . ad Christophorum frat rem" herausgegebene antiquarische Abhandlung, deren tatsädüidier Verfasser Peutinger selber war, wie P. Joadümsen (Gefälsditer Ruhm, Frankf. Ztg. 1903 Nr. 115 vom 26. April) nachgewiesen hat. Vgl. über das Werk und die vier fiss., in denen es überliefert ist, König S. 26 f. Das zur Verbesserung an Hummelberg gesandte und von diesem mit Zusätzen versehene Exemplar (Bruchstück, nur die Kapitel 9—28 enthaltend) ist Clm 4018 Nr. 4. Nr. 95. 1512 April 13. ] 55 taXg Movaaie di.ög /ueyäkoio {foyargämv, Minerva, Mercurio et Musis faventibus conscriptus est. Nihil, me Hercule, rarius miriusve quam faeminam ad lanam, pensa, fusum, vestes mollesque tuni- culas et texendi artem natam eruditione atque facundia viris vel doctissimis dubia pugna congredi et palmam sibi praeripere conari- Ramm et infrequens in terra Suevia latissime scribere faeminam et pro lana Iibrum, pro fuso calamum, stilum pro acu tractare (quod Politianus, Romanae glossae deliciae, de Cassandra Veneta puella scribit 1 ), non cutem cerussa, sed attramento papyrum linire. Quod non magis usitatum nee minus rarum aut novum, quam si de glacie media nascantur violae, si de nivibus rosae, si de pruinis lilia. Quum autem vetusta et longe hinc dissita saecula suas Musas Clio, Euterpen, Thaliam, Melpomenen, Terpsicoren, Erato, Polymneian, Uraniam, Calliopen, praeterea Sibyllas suas Persicam, Libicam, Delphicam, Cimmeriam, Erithraeam, Samiam, Cumaeam, Hellesponticam, Phrigiam, Albumeam et item poetrias Sappho, Telesillam, Corrinnam, Semproniam, Anyten, Erinnen, Praxillam, Sulpiciam, Cleobulinam suspiciunt et venerantur, iure optimo et nostram Margaritam miramur et eo magis stupemus, quo sub Iove pigro et frigido ad Vindae Licique fluenta nata multa vigilia et lucubratione, improbo labore et studio ingenium alioqui imbecille et fractum (quäle huic hominum generi natura comparatum est) optimis et quidem musicis literis eultius et amoenius reddidit illis, quibus spirant clementius austri suapte natura et ex caeli temperie ingenü acumine praestantibus. Certe Margarita illa nostra vere margarita et nobilis unio est, quae, ne Boeoticae sui (ut dicitur) et crasso duroque ingenio viro de- sponderetur, te ingenio florentem, iurisprudentia insignem et omni- moda eruditione darum consortem et coniugem divino munere assecuta est. Utinam Tithano servet vivaciorem. Sed de his satis superque. Recognitionem et castigationem abs te mihi deman- datum prorsus abnego. Tui hoc muneris est, tuae sunt partes, 1 Vgl. den Brief des Angelo Poliziano an Cassandra Fedele: Hpistolarum üb. 3 nr. 17 (in der Baseler Ausgabe der .Opera Politiani" von 1553 S. 38 f.). Audi den nächsten Satz und die weiterhin folgenden Namen von Dichterinnen des Altertums hat Hummelberg dem Briefe Polizianos entnommen. Über Cassandra Fedele vgl. H. Simonsfeld in der Beilage zur Allg. Zeitung 1890 Nr. 40 f. 156 Nr. 95. 1512 April 13. quas mihi non sumanv quum huic rei insolens sum et tantum crepidam (ut Appelleus sutor 1 ) possum censere. Quid quod omnia ita ad unguem et amussim sunt levigata, ut ne Momus ille Aeso- paeus 2 carpere et carbone notare queat; oihm xaX&g äxotiet ön r/iov fj yvvrj aov. Muneri tibi mitto C. B. s librum philosophicum et sane mi- randum, ex intimiore philosophiae penuario depromptum, quem singularis mihi erga te amoris pignus deposuerim. Invenies eo in libro nonnihil de Iulio pont. max., licet subticeatur eius nomen, 4 item de abbate Trithemio Spanhemensi mago; 8 et haec episto- larum libro. Tuae coniugi die salutem meis verbis. Adventum meum brevi expeeta. Tibi viro humanissimo et de me optime merito nihil negare possum, nihil debeo. Videbis hominem non qualem forsan ■ summam fis. 1 Vgl. Plinius, Nat. hist. 35, 36. 2 Vgl. Fabulae Aesopicae. ed. C. Halm, Nr. 155 S. 74. 8 = Caroli Bovilli: Charles Bouelles (Bouillee), Theolog und Natnr- philosoph (1470—1553); vgl. U. Chevalier, Rep. des sources hist., Bio-Bibl. 1 2 Sp. 678; Kirchl. Handlex. 1 Sp. 719. Das übersandte Budi war die bei Henricus Stephanus in Paris 1511 gedruckte Sammlung seiner Schriften und Briefe; vgl. Panzer 7 S. 546 Nr. 396. 1 Vgl. den Brief des Bovillus vom 9. Aug. 1508 an den Reimser Ratsbeamten und Humanisten Nikolaus Horius und dessen Antwort vom 28. Aug. (a.a.O. fol. 173v f., wieder abgedruckt und besprodien bei R. Durrer, Bruder Klaus 2, 2 [1920J S. 559 ff); Bovillus erzählt von seinem 1503 erfolgten Besudle der Klause des sei. Nikolaus v. d. Flile und besdireibt das Mittelstück des — heute in der Kirdie von Sachsein befindlichen — Visionsbildes des Einsiedlers (ein gekröntes Gotteshaupt inmitten eines sechsspeichigen Rades; s. Durrer 1 [1917] Taf. VIII) irrig als ein mit der Tiara gekröntes, langbärtiges, schreckenerregendes Männerantlitz, von dem sedis Schwerter ausgehen; Horius deutet dieses auf einen gottlosen, tyrannischen, unsittlidien Papst, d. h. wohl auf Alexander VI., ohne jedodi einen Namen zu nennen. Hummelberg bezieht die Vision dagegen auf Julius IL, der seit der Belagerung von Mirandola (Jan. 1511; vgl. oben S. 137 Anm. 4) einen langen Bart trug, wie ihn die Holzsdinittwiedergabe des Bildes in dem Budie des Bovillus zeigt; Peutinger pflichtet ihm hierin bei: vgl. Nr. 96. — Den Briefwechsel Bovillus-Horius hat übrigens noch 1528 Luther in einer eigenen kleinen Schrift herausgegeben und erläutert: s. Weim. Ausg. 26 S. 125ff. und Durrer 2, 2 S. 643 ff. ' Vgl. den Brief Bouillees vom 8. März 1509 an Germain de Ganay (a. a. O. fol. 172f.), in dem er von einem Besuche bei Trithemius erzählt. Nr. 96. 1512 April 18. 157 putas disertum et eloquentem, sed Pythagoristam et silentiarium, audiendi magis quam loquendi cupidum, qui parcam linguam thesauri non minimi loco habet iuxta hoc Hesiodicum: l'Xtöoai/s TO' ihjaavQÖc:* er &v&Qü>noiatv nQiaro; Bene valeas et me, ut facis, mutua charitate ama. Ravenspurgi. Eidibus april. 1512. 96. An Michael Hummelberg. 1512 April 18. Augsburg. Antwort auf Nr. 95. Dankt für das seiner Gattin und ihrem Werke gespendete freundsdiaftlidie Lob. Hat ihn dem Bischof von Passau für das Amt des Kanzlers empfohlen und erwartet seinen baldigen Bescheid auf dieses ehrenvolle Anerbieten. Dankt für das übersandte Werk des Bovillus. Manchen, StsB: 1. Cod. Lat. 4007 fol. 15*f. Absdir. — 2. Cod. Lat. 4018 Nr. 3 fol. 20 v f. Absdir. Hummelbergs; hier fehlt der zweite und dritte Absatz des Briefes; vgl. die Vorbemerkung zu Nr. 94. Gedrudä: Lotter-Veith S. 151 ff. ChuonradusPeutingerAugustanus.iur. utr. doctoretcaes. a consilio, Michaeli Humelbergio Ravenspurgensi S.S. Contraeta illa inter nos societas familiaritatem hanc amicitiarum aretissimam coniunxit, ut quid tibi viro eruditissimo in amore responderem non satis scio. Laudas superque laudas coniugem nostrain, opus etiam eius, quod recognitum et castigatum volebam ad nos remitteres. Verum literis tuis ea tribuis, quae nee agno- seimus nee fatemur: tua tarnen conlaudatio non quia verior, sed quod amicior maiorisque dilectionis grata est, quam et, cum nobis debebas nihil, ex humanitate et tua in nos benevolentia gratis dedisti. Quare cum plane nostram ornnem facultatem tuis erga nos meritis imparem esse perspieimus, tibi non solum non agere, verum etiam nee gratias commode referre possumus. Sed blandi- tnentis, assentationibus, quaebenevolentiae popularis ostentamenta sunt, abiectis proeul ego tibi officio meo nunquam deero. Episcopus Pataviensis 2 diebus proximis ad me scripsit, ut 8 i}eaav(>os Hs. 1 Hesiodus. Opera et dies 719f. i Wiguleus Frösdil von Marzoll. 158 Nr. 97. 1512 Mai 4. ab hac schedula manus eius 1 cognoscere poteris. Ego etsi" plures Dig" Suae commendare potuissem, tu solus (nescio quo fato, sed ut spero optimo) in animum decideras. Quare te, etsi statum tuum hactenus ignoravi, principi huic commendavi et nie de eo quod peteret te velle certiorem reddere et quid rescriberes Dig 1 ' Suae significare astrinxi. Quare adventum tuum ad nos, ut scribis, accelera vel quid institueris rescribe. Officium cancellariae ipsius honestum; princeps bonus, senex tarnen; aditus ad beneficia ecclesiastica eruditis apud eum facilis est. Librum tuum philosophicum profecto admirandum habui; gratias tibi ago. Bovilli illius, viri utcunque eruditissimi, nomen hactenus non audivimus. Epistolam eius mox, quam ad Nicolaum Horrium de visione Nicolai Alpini eremitae dedit, legimus; quid sit, cogitare potui. 2 Ego tibi pro munere isto vices aliquando reddam. Coniunx nostra te salvum optat. Vellem, ut rogavi, collectaneis nostris aculeos aliquos, b qui ad scribendum stimulos subdunt, ad- movisses. Sed de his praesens coramque loquar. Vale. Vel rescribe vel, uti volueris, ad nos venias. Ex Augusta 4. kal. maii anno salutis 1512. C. P. 97. An Cyprian von Semtein. 1512 Mai 4. Augsburg. Bericht über den Zustand der ihm übersandten beschädigten Kanzleitruhe. Die Tapeten aus den Niederlanden sind unterwegs. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. — Auf der Rückseite: 1512. canzlei- truhen, brieve in das reich, Teuerdanck. 3 Gedrudä (teilweise): Buff Nr. 8591. Der truhen halben, als E. G. mir geschriben auf 25. aprilis,* ist mir der selb brief auf 29. des selben monats worden. Daruf ich bei mein vettern, dem Hochstettern, 5 erkondt, das die truhen noch nit hie, sonder zu Ulm gewesen ist. Darauf gedacht Hoch- stetter auf mein begeren ain aigen poten gen Ulm geschickt, die et qui Hs. h alios fis. 1 Nidit erhalten. a Vgl. oben S. 156 Anm.4. 3 Worauf sich die beiden letzten Bemerkungen beziehen, ist nidit ersichtlich. * Nidit erhalten. 5 Der Augsburger Handelsherr Ambrosius Höchstetter; seine Mutter Barbara war eine Sdiwester von Konrad Peutingers Vater; vgl. König S. 2. Nr. 98. 1512 Juni 1. 159 gmelt truhen herzufuren bevolhen haben, die erst an datum her- komen und mir auf dise stund geantwurt. Und befind, das die hievor durch die von Ulm des entpfangen Schadens halben ge- ofnet und das, so darin gewesen, getrucknet und nachvolgend der Hochstetter diner daselbs übergeben worden ist. Die pirmetin brief und etlich copien haben schaden entpfangen, sonst ist nit sonders nachteiligs, das ich in der eil hab mögen söhen, vorhanden. E. G. schick ich hiemit die acta Ferrer contra Carpi und Ruffart contra Straspurg, wie ich die gepunden gefunden hab. Und dweil die schloß zu Ulm an der großen und kleinen truhen abgebrochen und wider mit kupfern negeln angeschlagen sein, die ich hie auch hab müssen ofnen, dan ich die selben beide schlos wider richten, anschlagen und vernieten, auch mit ainem schlussel zu ir jeder lassen fursehen, ob man mer daraus holen wolt, die schloß nit dermaßen zu brechen etc.; und was E. G. mir der halben weiter bevelhen werden, dem wir ich nachkomen; dan die truhen, wie mir die geantwurt ist, will ich in guter ver- warung halten.' E. G. hat mir davor etlicher tapezerei halben geschriben, derhalben ich erkondt, das die noch nit hie, aber underwegen ist. Und dweil Francisco de Tassis 2 in Niderland die aufgeben, so wirt die notturft eraischen, wa änderst die E. G. zugehört, mit Baptista de Tassis handeln, das er die von wegen E. G. erfordert und Vergnügung des costens bestelle, wie der gnant Francisco Ordnung geben hat. Weiter kan ich diser zeit nit erkonden etc. Dat. Augspurg am 4. tag maii in der virten stund nachmittag anno 1512. 98. Von Michael Hummelberg. 1512 Juni 1. Ravensburg. Sendet den ihm geliehenen Brief Reuchlins an Peutinger über die Ehe des hl. Paulus zurück und führt für diese ein weiteres Zeugnis an. Peutingers Sieg über Wigand Wirt. Mündien, StsB: Cod. Lat.4007 fol. IT»ff. Absdir. Gedrudä: Lotter-Vcith S. 153ff. 1 Über die Kanzleitruhe vgl. auch Nr. 99. 2 Niederländischer General- postmeisier,dereigentlidieSdiöpferderTaxissdienPost;vgl.überihnF.Ohmann, Die Anfänge des Postwesens und die Taxis (1909) S. 166 ff. 160 Nr. 98. 1512 Juni 1. Michael Humelbergius Ravenspurgensis Chuonrado Peutingero Augustano, iur. utr. doctori, moecenati suo, S.D. Epistolam illam Capnionis Pauli Tarsensis Cilicis coniugii adsertricem, 1 quam nuper Augustae commodato dederas in prae- sentia,* ad te remitto. Ea enim conditione abs te accaepi, ut quam primum ad te rediret. Legi illam atque iterum legi; nam praeter elegantiam eruditicmem etiam habet penitiorem. Pauli coniugium cum ex Origene tum ex ipsomet Paulo adserit et per ea, quae ab antiquissimis et sacrosanctis theologis notata sunt, comprobat. Ipse vero praeter a Capnione notata etiam aliud sacratissimi Pauli scriptum, quo se coniugatum indicat, adduco: ubi propriam uxorem se scribit potuisse quidem peraegre secum ducere, noluisse tarnen ob evangelii seil, gloriam, ne fide adhuc infirmis, quibus continentiam praedicabat, offendiculo esset. Prima enim ad Corinthios IX. inquit: „Nunquid non habemus potestatem, uxorem circumducendi sicut et caeteri apostoli et fratres Domini et Cephas?" 3 Petro siquidem (qui et Cephas appellatur) legittima coniux semper adhaerens per omnes Syriae (quae in sinu Issicu est, ut Mela et Plinius) urbes Balaneas, Palto, Qabalam et Laodiceam coniugem sequuta est, Matidia etiam matre Clementis (quem Petrus in episcopum ordinavit et cui praedicationis et doctrinae suae cathedram credidit et sibi a Domino datam potestatem ligandi ac solvendi tradidit) concomitante. 1 Sed oblatrabunt theologi Uli nostri, nihil ultra latinitatem progressi, Paulum non de uxore hoc loco scripsisse, sed muliere sorore, id est pudica et casta matrona, quae sororis habetur loco. Ita illi mulierem sororem interpretantur, in quo vel maxime hallucinantur: si enim Graecam linguam consulerent, qua et Apostolus eloquentissime scripsit, non mulierem sororem, sed uxorern legerent. Graece enim ywalxa scripsit Paulus, 8 id est uxorem; licet non ignorem apud Graecos 1 Nr. 49. '' In die Zwischenzeit zwisclien Nr. 96 und 98fällt also der in Nr. 95 von Hummelberg angekündigte Besudi in Augsburg. 3 / Cor. 9, 5. * Vgl. Pseudo-ClemensRom., Recognitiones 7.25 (Migne PO 1 Sp. 1365 A): die erste, von Jacobus Faber Stapulensis besorgte Ausgabe war 1504 in Paris erschienen; vgl. Panzer 7 S. 511 Nr. 93. 6 Als die bessere Lesart gilt heute ddeX zu besserung keinen, were S. f. G. bereit, inen auch alle frunt- schaft und guten willen zu beweisen, wa auch E. kais. Mt. gegen inen also zu friden geneigt. Als vill dan den furzunemen an S. f. sein werde, solt kein fleis gespart werden etc. Und dweil aber S. f. G. und ich bevelh heften, ine von wegen E. Mt. zu verhören, solt er sein bevelhe, den ime die bemelt herschaft geben hett, uns erofnen, damit E. kais. Mt. wir berichten mochten. Auf das er den credenzbrieve, an E. kais. Mt. lautende, auch furlegt und darauf mit der gleichen diemuetigen worten, meins enthaltens die ich von ainicher potschaft von Venedig vor nie gehört hab, ain lange red getan hat. Nach volendung der selben rede der gnant herzog Wilhalm und ich, damit wir beide der sache nit zu wenig noch zu vill tatten, an ine begerten, uns solch sein Werbung in schritt zu übergeben. Sagt er darauf, der Venediger brauch were nit, ir Werbung in schritt zu übergeben. Aber dan- nocht zu erwirdigung E. kais. G. wolt er solchs tun, als er auch getan hat, die mitsambt den credenzbrieven E. kais. G. der gnant herzog Wilhalm hiemitzuschicken, bezaichnet mit ainem A. Welche schrift auf begern des gnanten fursten ich in der eil von walisch 1 Am 6. April 1512 war zwischen Maximilian und Venedig ein Waffenstillstand, zunächst auf zehn Monate, geschlossen worden; vgl. Ulmann 2 s - 444. = tians Jakob v. Landau. 166 Nr. WO. 1512 September 1. in teutsche sprach gebracht hab, laut der abschrift mit dem B bezeichnet. Der Capellus hat sich auch neben bemelter übergeben schritt hören lassen, das die Venediger sich geprauchten, das ir potschaft in sachen daran gelegen were, nit offenlich oder vor anderen, sonder allein vor dem kunig oder herren, dahin die geschickt wurde, ir Werbung tatte; aber so E. Mt. solchs also halten, wolt er gehorsam erscheinen, mit ferrer anzaigung, wa er allein bei E. Mt. gewesen und für die zugelassen worden were, E. kais. G. vill eer und nutze geschaft haben wirde. Also hat der gnant herzog ine und die andern obgemelten zwei, auch Hansen Jacob und mich zu gast gehabt, 1 und wie- woll er erstlich ganz traurig, so ward er doch ob tisch froelich. Und insonder kan ich E. Mt. nit verhalten, als herzog Wilhalm und wir ander teutsch von den prunsten 2 zu red wirden, sprach herzog Ernst 8 unserhalben unbedacht frei heraus und mit lachendem munde, wan man den Walhen fragte, der mocht woll vom mordprennen sagen. Furwar diser fürst zu seiner jugend ist ganz geschickt, disputiert und redt geren latein, das ab S. G. ich ver- wundrung trag. Nachmalen auf den 27. tag ist gedacht potschaft durch den gnant mein g. herren herrn herzog Wilhalm mit belaitern ab- gefertiget und aus Landshut auf Salczburg, demnachsten auf Luencz 4 mit E. Mt. brieve zu herrn Michel von Wolkenstein, frei- herrn, geschickt worden. 1 Bei diesem prandium war hödistwahrsdieinlidi auch Joh. Aventinus, der Erzieher des jungen Herzogs Ernst, zugegen. Er beriditel in seinem .Hauskalender" zum 25. Aug. 1512: Venit Franciscus de Capeila, Venetus Senator, ad caesarem missus a republica, Missus Venetorum a conspectu caesaris pro- hibitus ad ducem Wilhclmum missus est, qui eum audivit iussu caesaris. De- duxere eum Ioannes de Landuno et Chunradus Peutinger doctor Augustensis. Thomas Loflholcz deduxit eum auspiciis ducis Wilhelmi usque Salisburgium. Vix tuto redire licuit ob de la Schala machinas et rusticorum in Alpibus, qui- bus pecora abegerant. Invitatus a duce ad prandium, Landshuet. J. Turmairs gen. Aventinus Sämtl. Werke 6 S. 24. 2 Einer der Hauptvorwürfe des Kaisers lautete, die Venezianer hätten Mordbrennerbanden nadi Deutsdiland geschickt; vgl. Sanuto 14 S.632: Item aver manda brigate in Alemagna per brusar le terre. s Der jüngste Bruder Herzog Wilhelms IV., damals 12 Jahre alt, später Bischof von Passau und endlich Erzbischof von Salzburg. 4 Lienz im Pustertal. Nr. 100. 1512 September 1. 167 Und dweil ich den gnant Capello hievor bei E. Mt. erkennen lernen, hab ich dannocht des mordprennens und giftes 1 halben vill mit im geredt; hat er fast sein entschuldigung getan, inmaßen E. kais. G. herrn Jacob hievor geschriben hat. Des practicierens bei dem pabst 2 laut gedachter instruccion will er gar kein wissen haben; henkt doch daran, es mocht in seinem abwesen was gehandelt sein, des er nit wissen trüge. Der handlung halben bei den stedten Kempten und Memmingen 3 hat er aus im selbs sich fast gegen mir entschuldiget, gar nach der gleichen monung gehandelt zu haben, wie bei herzog Wilhalm, als oben gemelt ist, allein maniglich zu bewegen, damit bei E. kais. G. die Venediger zu ewigem frid komen mochten. Er sagt auch, ob E. Mt. verdrieß truegen, das zu erlangung der absolucion zum papst sechs potschaften gesandt worden waren und er allein zu E. Mt. geschickt wurde und diser handlung zu ring were: wa es dan E. Mt. vermaint sein und er solchs bericht wurde, das E. Mt. noch merer potschaft von Venedig begerten, wolt er die erlangen und mitler zeit sich in der Venediger land erhalten. Darauf ich im kein ander antwurt geben hab, dan solchs an E. Mt. gelangen zu lassen. Er hat mich auch beid sein commission an E. Mt. und den kunig von Englandt lautende, mit den Venedischen plei, wie ir brauch ist, verwardt, lassen lesen, die seinem anbringen fast ge- meeß sein. Also meins bedunkens, wa si in iren gemueten und 1 Maximilian hatte die Signorie an erster Stelle besdaildigt, Edelleute zum Giftmord gegen ihn angestiftet zu haben; vgl. Sanuto a. a. O.: La prima che stante la tregua la Signoria ha mandä gentilhomeni et altri per tosegar la cesarea Maiestä. 8 Bezieht sidi auf den Vorwurf des Kaisers, die Signorie und der Papst hätten nach Abschluß des Waffenstillstandes mit den Sdiweizern über eine Teilung des Herzogtums Mailand verhandelt; vgl. Sanuto a. a. 0.: Item che stante la treugua il Papa e la Signoria con li Sguizari avea voluto partir la ducea di Milan. * Capello war vom Kaiser besdiuldigt worden, in Kempten, Memmingen und Ulm den Versuch gemacht zu haben, diese Städte Maximilian abwendig zu madien und auf die Seite Venedigs zuziehen; vgl. Sanuto a.a.O.: Esso orator esser andä per le terre franche, zoe Menin , Chelt e Olmo, e ave audo audientia publica, e questo per tirarle da la volta di Soa Maestä e farse amiche a la Signoria. 168 Nr. 100. 1512 September 1. herzen dermaßen stunden und bestendig beliben, wie die wort lauten, so hetten E. Mt. dest bas zu handeln. Wa dan denselben E. kais. G. solchs gwiß zu erfaren gelegen sein wolt, achtet ich, das es beschehen mocht durch ain person, die als ob die für sich selbs gen Venedig züge und von E. Mt. bevelh bette, allein zu hören und on E. Mt. willen nichtz zu beschluessen. Aisdan E. Mt. dest grundlicher handeln mochten. Auch seine wort er- zaigen sich ganz, als ob si der strengen begeren. Ich hab im auch mit vill worten anzaigt, dweil der Venediger vorelter sich zu Romischen keisern und kunigen, auch dem haus Osterreich gehalten, das si alwegen in aufnemen komen und nie kein grosseren abfall erlangt haben, dan da si E. Mt. widerwärtig worden seien; ine damit bewegt, das er wainet. Und als er von Landshut weck kam, an bemeltem 27. tag zunacht, ging ich mit dem genanten meinem gn. herren herzog Wilhalm spacieren, kam von angeschienten der ain herr von der Layter; fuell mir ein, dweil in namen E. Mt. der genant fürst die selb potschaft laut egerurt instruccion fueren und gelaiten lassen solt bis geen Luencz und die von der Layter die acht wider den herzogen zu Venedig erlangt hetten, 1 das dannocht in solchem gleit, wiewoll ich den herren von der Layter solchs keins wegs zugetrau, von anderen auf die acht dem genanten Capello ichts args zugefuegt werden mocht, also das der von Landau und ich solchs meinem gn. herren auf den 28. tag augusti anzaigten, der dis anzaigens, spot und nachreden zu verhüten, gefallen trug und von stund an mit dem selben herren von der Layter reden ließ, der im zugesagt hat, nichtz zu handeln, aber für sein prüder konde nichtz versprechen, auf das der gedacht fürst beratig worden und sein gleit mit etlichen mer pferden gestärk, auch mitsambt uns dem von Salczburg geschriben laut inligender abschritt (mit dem C bezaichnet), damit bemelter E. Mt. instruccion genug geschehe. Also haben E. kais. Mt. bericht, was der Venediger potschaft halben gehandelt worden ist. Am bemelten 28. tag bin ich nach abfertigung des genanten meins gn. herren wider auf Freysing geriten und den 29. tag 1 Vgl. oben S. 139 Anm. 3 und die Mitteilung Aventins oben S. 166 Anm. 1. Nr. 100. 1512 September 1. \ 69 durch mein gn. herren die bischove zu Freysing und Regenspurg, auch meinen gn. herren herzog Friderich in Bayren etc. gebrueder x aufgehalten worden und den letzten tag augusti vor dat. des briefs wider anheim komen. Also auf den selben tag von wegen E. kais. Mt. der jung Goldacher mir ain E. Mt. brieve, des dat. stedt auf 27. tag egerurten monats 2 uberantwurt hat, in dem E. Mt. anzaigen, was und wievill pfennig 3 mein gn. herre von Gurck 1 und Sprencz 5 mir uberantwurt haben solten, mit Übergebung zweier E. Mt. brieve, die ich inen auf das nechst zuschicken will, dan ich gedachter Pfennig kein entpfangen hab. Als auch E. Mt. in gedachtem brieve an mich begern, E. Mt. vorderen namen zu schicken, das zu tun und auf das beldest, so ich mag, willig bin. Ich hab auch auf E. Mt. geschlecht form- reisser und -Schneider über die hundert guldin reinischer, die in namen E. Mt. Sigmund von Dietrichstein auf nächst gehaltem reichstag zu Augspurg" geben hat, auf dieselb und ander E. Mt. arbeit, auch dis mein zerung gen Landshut zu genanten herzog Wilhalm bei den 72 guldin reinischer dargelihen, in aller under- tanigkeit diemutiglich bittende, die wollen irem camermeister dem Villinger bevelhen, so der herkombt, obgemelter sachen halben gepurend raitung von mir zu nemen und den rest meiner ausgab zu bezalen, auch zu handien meins dinstgelts halben, so E. kais. Mt. aus gnaden mir pflegen zu geben, der ich in den nächsten zwaien jaren als auf purificationis nächst verschinen nichtz entpfangen hab; macht 200 guldin reinischer etc. Dat. Augspurg auf ersten tag septembris anno 1512. Der von Mesericz 7 ist auf dat. hie weck geschiden. 1 Philipp, Bischof von Freising (1507—41), Johann, Bisdiof von Regensburg (1507—38), und Pfalzgraf Friedridi (Kurfürst von der Pfalz 1544—56) waren Söhne des Kurfürsten Philipp von der Pfalz (gest. 1508). 2 Nidit erhalten. 3 Darunter sind wohl „heidnisdie pfennig", römisdte Münzen zu verstehen. 4 Matthaeus Lang. 8 Sebastian Sprenz (Sperantius), Humanist und kaiserl. Sekretär, später Dompropst und endlidi (1521—25) Bisdiof von Brixen. Vgl. über ihn G. Bauch, Die Anfänge des Humanismus in Ingolstadt (1901) S. 73ff.; Kalkoff S. 109ff. 0 Frühjahr 1510. 7 Vgl. oben S. 64 Anm. 5. 170 Nr. 101. 1512 Okiober 10. 101. Von Michael Hummelberg. 1512 Oktober 10. Ravensburg. Entziffert und deutet einige griechische Münzinschriften. München, StsB: Cod. Lat. 4007 fol. 26rf. Abschr. Gedruckt: Lotter-Veith S. 159ff. Michael Humelbergius Ravenspurgensis Chuonrado Peutingero Augustano S. S. Graecorum nomismatum stelographian exscripsi verbotimque interpretatus sum, vir praecellentissime, non quidem minus im- pigre quam libenter, quod tibi omnium charissimo nusquam non placere studeam. Amoris etiam erga nie tui notam puto, quod ea mihi credis, quae in thesauro habes preciosissima, licet parvi existimentur, quae aerea solum sunt. 1 Amor tarnen et affectus (ut Ambrosii utar verbis) rebus pretium imponit. 2 Sunt autem nomismata nonnulla ita exoletis etattritis characteri- bus, ut non adeo oculatus sim, quod ex hiis quidpiam habere queam. Quid enim edax vetustas non tabefacit? Quae, ut Sophocles ait, omnia exurit: ndvi')' 6 ßiyag ygovog /uagalvet tf, xal ilmnog Evof.ßrjg. Id Latine est: imp. caes. M. Iul. Philippus pius, seu religiosus et si mavis: augustus, ut in Romanis et Latinis caesarum nomismatis est. Quod enim religiosum est, Tranquillo teste 4 et augustum est sacrumque et maiestatis atque venerationis plenum. Quod nomen tanquam Omnibus sanetius et reverentius Octavianus, divi Iulii filius, omnium primus adsumpsit spreto repudiatoque Romuli 1 Peutinger hatte ihm die Münzen offenbar gelegentlich seines Besuches in Augsburg (vgl. Nr. 98) zur Entzifferung und Deutung der Inschriften leihweise mitgegeben. 8 Vgl. Ambrosius, De offieiis ministrorum 1, 149 (Migne PL 16 Sp. 72 B): Affectus igitur divilem collationem auf pauperem facit et pretium rebus imponit. 3 Sophocles, Aiax 714. * Suetonius, Augustus c. 7, 2. Nr. 101. 1512 Oktober 10. 171 Quirini cognomine, quod hunc in imperio condendo et stabiliendo praevaluisse existimaretur. Reliqui etiamnum imperatores caesares omnes diutina usurpatione hoc sibi cognomen vindicarunt. 11 Habet nomisma hoc altera ab parte literas Romanas duas: L. A. Quid velint, nosti: 1 veterum enim Latinorum praesertim monumentorum, quorum diligentissimus inquisitor es iuxta et doctissimus, nihil te latere puto. Alterum eiusdem imperatoris nomisma sie habet: AYTOK. K. M. 10YAI. iureconsulto, viro docto et amico. Augustae. Gedruckt: loannis Francisci Mirandulae domini De expellendis Venere et Cupidine Carmen heroieum; eiusdem hymnus de divo Laurentio etc. loannes Sdiottus Argentinae pressit 1513. Fol a lvf. loannes Franciscus Picus, Mirandulae dominus etc., CuonradoPeutingero iureconsulto, viro docto et amico,S. Offendi hie Romae uxoris tuae fratrem; 2 cui ut nihil non ad te darem, communefeci opusculum de Venere et Cupidine expellendis, quod magnis animi in perturbationibus positi ad levan- dam molestiarum molem cecinimus. Tantum abest, ut amoeno in secessu aestiva umbra !l cantum excitarit aut animum curis vaeuum lauri et citriomm nemora odorata demulserint. b Argumentum praebuit carmini antiquum Veneris et Cupidinis simulacrum, ut in epistola ad Lilium non paucis retuli. 3 Sed sane eo in simu- lacro simul et artificis ingenium licebat suspicere et simul admirari vanae superstitionis tenebras verae 0 luce religionis ita fugatas, ■ Musa Fts. b demuleerint Erstdruck. '' vera Hs. 1 Horat.. Epist. 1, 6, 67 f. 2 Christoph Welser; vgl. oben Nr. 92f. 3 Vgl. Picos Brief an „Lilius" (der Dichter und Ardiäolog Lilio Gregorio Giraldi aus Ferrara, 1479—1552) vom 31. Juli 1512, abgedruckt in der römischen Ausgabe seines Carmen (veranstaltet vonJacobusMazodiius imDez. 1513) fol. B 4 r — Cl r : Es handelt sich danach um die kurz vorher ausgegrabene, von Julius 11. erworbene und im Garten des Belvedere aufgestellte Gruppe der Venus mit Cupido; vgl. aber sie W. Heibig, Führer durdi die offentl. Sammlungen klass. Altertümer in Rom 1 3 (1912) S. 87f. Nr. 139. Nr. 102. 1512 November 13. 173 ut nec ipsorum deorum imagines nisi a truncae, fractae et paene prorsus evanidae spectarentur. Ei ipsi dedi et hymnum in Lauren- tium martyrem, non eorum instar trium, quos longiore subsellio et edidimus et commentariis exposuimus. 1 Namque hoc loco non Homerum et Callimachum, quoad versuum attinet numerum, sumus imitati, sed Orpheum potius et Proclutn 2 et filum quoddam Vergilianum secuti, quo Herculeas laudes elegantissime poeta contexuit. 3 Hoc tarnen intererit, quod, si artis periculum fiat, post- habendos nos Ulis, de quibus sumus locuti, non recusabimus; si autem materiae rerumque ipsarum fiat expensio, longe habebimur ab aequo aestimatore superiores. Nos enim vera et solida cecini- mus, illi falsa penitus et inania. Mitterem, si per occupationes liceret, maioris et operae et diligentiae volumina. Nam post illa nostra et De praenotione rerum et De fide theoremata et alia, quae sunt Argentoraci stanneis impressa notis, 4 pleraque composuimus ac in manus habemus: De divino amore libros quatuor et Logicarum in- stitutionum libros quinque et De vanitate doctrinae gentium libros sex; qui quidem, 1 ' uti opinor, plurimum 0 sunt subituri sermonis. Reteximus enim universam philosophiam humano quaesitam in- genio Aristotelemque maxime in libra appendimus. Quam ob' 1 rem multas in me conflandas esse calumnias non sum animi dubius. Sed praestat mea quidem sententia, a veritate contra vanitatem stare contumeliis pressum, quam a vanitate contra veri- tatem laudibus onustum. 1 Sunt et alia. Neque enim f conficio nostrarum catalogum lucubrationum; quibus si aliquid ocii dabitur, et imponi extrema manus poterit et curari, ut in Germaniam usque perferantur tui gratia. Quem et nomine litterarum et veteris ami- citiae non diligi modo a nobis sed amari scias, plus etiam, quam tute ipse unquam arbitrareris. Vale. Romae idibus novembris 1512. __Tuus Io. Franciscus Picus, iur. consultus etc. a non Hs. *> quidam Hs. c plurimi Hs. ü in Hs. e honuslum Hs. ! non Hs. 1 Gemeint sind Picos zuerst 1507 in Mailand ersdiienene, mit umfang- reidiem Kommentar versehene Hymnen „Ad sanctissimam Trinitatem, ad Christum et ad virginem Mariam"; vgl. Panzer 7 S. 383 Nr. 51. 2 Proklos, neuplatonisdier Philosoph des 5. Jalirh., der audi orphisdie Hymnengediditet hat. 3 Vgl. Verg., Aen. 8,285—302. * Vgl. S. 73 Anm. 4. 174 Nr. 103. 1512 Dezember 12. 103. An Johann Reuchlin. 1512 Dezember 12. Augsburg. Dankt für die Übersendung der Reudüinschen Übersetzungen einer Schrift des Hippokrates und eines Gedidites des Rabbi Joseph Hyssopaeus. urteil über die Theologen im Anschluß an des Erasmus Charakteristik im „Moriae encomium". Fragt an, welches Tier 5. Mos. 14, 5 mit pygargus gemeint sei und ob etwa für das bei Plinius und Juvenalis vorkommende Wort pygardus (= Reh) auch pygargus gelesen werden müsse. Grüße an Georg Simler, dessen Griediische Grammatik er samt Reudi- lins Auslegung der Bußpsalmen durch Anshelm erhalten hat. Reuchlin soll sich um die gegen ihn gerichteten Angriffe nicht kümmern. Gedrudü: 1. Clarorum virorum epistolae. Fol. e2*f. — 2. IUustrium virorum epistolae. Fol. e 4'f. Regest: Reudüins Briefwechsel Nr. 158 S. 185. Conradus Peutinger iur. utr. doctor Ioanni Reuchlin Phorcensi, confoederatorum Sueviae triumviro, S. D. P. Tardiorem me vehementer suspicor non solum agendis in gratiis sed et habendis. Quare si quid in te ingratus deliqui, veniam peto; ignoscas velim, immo rogo. Affecisti me, fateor, dono non vulgari, Hippocrate seil, de hominis praeparatione et poeta Ioseph Hyssopaeo, quos tu Graecum unum, Hebraeum quoque alterum elegantia politiori Latinos fecisti. 1 Verum hactenus non respondi. Negocia, quibus obruor, excusare me possent, sed non satis integre, cum ocia literaria uteunque iueundissima nobis aliquando sint; iis cum vacabam, respondere potuissem. Sed rerum scribendarum moles fastigium ingerit. Nunc inter legendum elegans et pernecessaria Moria Erasmi Roterodami nostras in manus pervenit, 2 qua non solum nos iure- consultos Sisyphi saxum revolventes, sed et plaerosque super- ciliosos et irritabiles theologos taxat; ita hos solet appellare; et 1 Ober diese beiden im Febr. und März 1512 bei Thom. Anshelm in Tübingen ersdüenenen Übersetzungen Reudüins vgl. Geiger, Reudilin S. 96 und 139f. 2 Die erste Ausgabe des .Moriae encomium" war in Paris bei Aegidius Gourmont ohne Datum (Vorrede vom 9. Juni 1511), der erste Nachdruck bei Matth. Sdiürer in Straßburg im August 1511 erschienen; vgl. Panzer 6 S. 53 Nr. 225. Nr. 103. 1512 Dezember 12. 175 ut ipse ait: qui turmatim sexcentis conclusionibus adoriantur et ad palinodiam adigunt, recusantes protinus haereticos clamant. Ego eloquii divini cultores, eos seil., qui verbo et facto nobis christianis singulari sunt exemplo, non solum utiles, sed et per- necessarios veneror et observo, lividos, invidentes ac garrulitatis congestores taediosos admodum (si qui sunt) abominari et de- testari soleo. Vellemque, si qui fidei et professionis nostrae pro- pugnatores essent, sacras nostras leges non verbo solum et clamore, sed et opere colerent; tunc nulla cum inflatis, si qui sunt, oriretur controversia. Sed rem meam aggredior: A Mose Deuteronomii capite XIV. 1 inter quadrupeda, quae Hebraeis permiserat edenda, pygargus commemoratur. Aristoteles autem in Libro animalium VI. pygargum generis ait esse aquilarum, cui cauda albicans nomen dederat;* ubi Aldus Manutius Theodoro Gaza interprete vocabula referens albicillam vel nebrophonon, id est hinnulariam, dicit.» C. Plinius Veronensis libro Historiae suae naturalis X. et capite III. sub- scribens inquit: „Secundi generis aquilarum pygargus in oppidis e t in campis albicante cauda, sicut alibi melanaetos nigricans". 4 Idem libro VIII. capite XXXXIX. de semiferis animalibus ad calcem, si modo impressioni Parmensi fides est adhibenda, dixit: „Sunt et damae et pygardi". 5 Hermolaus Barbarus in Castigationibus suis Plinianis pygargum aquilam assentiens, non quadrupedem refert. 0 lunius Iuvenalis satyra XL: Sumine cum magno lepus atque aper et pygardus, 7 ubi ab ipso Domitio Calderino et Antonio Mancinello caprea esse interpretatur. 8 Aldus pygargum impressit;" et aquilam et quadru- 1 5 Mos. 14, 5. 2 Aristot., Hist. animalium 6, 6 (563b). 3 Die erste Editio Aldina der Übersetzung der Tiergesdüdite und anderer Aristotelischer Sdiriften des Theodorus Gaza von 1504 (Panzer 8 S. 370 Nr. 257) ist mir nidit zugänglich. * Plinius, Nat. hist. 10, 6. 5 Plinius, Nat. hist. 8, 214. Mit der impressio Parmensis ist wohl gemeint: Plinii Hist. naturalis cum correctiombus Philippi Beroaldi, Parmae 1481 (Hain* 13094). 6 Hermolai Barbari castigationes Plinianii (wiederholt gedrudtt) ad l 'b. 10, cap. 3. 7 Iuvenalis, Sat. 11, 138. 8 Iuvenalis cum tribus commentariis videl. Ant. Mancinelli, Domitii Calderini, Georgii Vallae, Venetis 1492 (Hain * 9709), fol. 155. 0 Die erste Editio Aldina des luvenal ersdüen 1501; vgl. Panzer 8 S- 341 Nr. 36. 176 Nr. 103. 1512 Dezember 12. pedem significari Sipontinus in Martialis epigrammate XXXV. retulit. 1 Animal utrunque pygardurn Ioannes Tortellius appellat. 2 Ambrosius Calepinus ex eodem Plinio pygardi in caprearum genere metninit, licet in pygargo postea Sipontino ipsi assentiri videatur. 3 Tanta est varietas autorum vel etiam librariorum, ut, quid sit credendum, non satis sciam. Modica est haec differentia et literae unius inversio. Ego erubescens, quod Graecas literas non di- dicerim, ab erudito quodam petiveram vocabuli huius apud Bibliam Graecam expressionem; is, valetudine adversa cum torqueretur, paucis respondit: multa me ex ingenio deducere, hoc sibi dixisse sufficeret literam Graecam pygargum, non pygardurn habere, quem Suidas etiam de aquilarum genere referret; 4 nee Mosen (quam- vis enumeraret illum inter animalia quadrupeda) asseruisse quadru- pedem, cum plus legi de arcanis mysteriis quam ordini aut ele- gantiis studuisset. Quodsi ita, errorem etapudluvenalem, Plinium, Calderinum, Tortellium, Mancinellum et Calepinum deprehen- demus ab alio nondum annotatum, litera quoque d ubique expungi deberet. Tum etiampygargum ut aquilam edendum simul et permisisse et inhibuisse; inquit enim: „Hoc est animal, quod comedere debetis, bovem et ovem, cervum et capream, bubalum, tragelaphum, pygargum, orygem, chamaelopardalim", B etsubiungit: „Omnesaves mundas comedite, immundasne comedetis, aquilam seil, et gryphem, haliaetum, ixon et vulturem ac miluurn."" Contra- rietatem hanc legis credet nemo, vel etiam pygargum ab aquila ut speciem a suo genere distinxeris. Sed legem ipsam de quadrupedibus utordine non ineleganti constitutam sane perspiciamus. Moses ipse post eorum annumerationem inquit: „Omne animal, quod in duas partes findit ungulam et ruminat, comedetis." 7 Sic pygargum de aquilarum genere ruminantem cognoscere non possum. Est autem ruminare eibum revocare ad rumen denuoque conficiendo con- 1 Mit „Sipontinus" ist der große Philolog Nicolaus Perotlus, 1458—80 Erzbischof von Siponte, gemeint. Über pygargus handelt er in seinem unter demTitel „Cornucopiae" oft gedruckten Martial-Kommentar beim 35. Epigramm. 2 Ioannes Tortellius (vgl. oben S. 51 Anm. 6) s. v. pygardus. :1 Ambrosii Calepini Dictionarium (seit 1502 oft gedrudü; vgl. über dieses bis ins 18. Jahrhundert fahrende lateinisdie Lexikon J. E. Sandys, History of classical scholarship 2 [1908] S. 373f.) s. v. pygardus und pygargus 1 Suidas, Lexicon s. v. Ttvyagyos (ed. G. Bernhardy 2 S. 540). 5 5 Mos. 14, 4 f. ° 5 Mos. 14, 11 ff. ' 5 Mos. 14, 6. Nr. 104. Nadi 1512 Dezember 12. [ 77 sumere. Quare velim et rogo hac in re, quid sentias quidve pygargus Mosis et an apud Iuvenalem Pliniumque pygardus pro caprea recte legi possit, me quamprimum certiorem reddas. Haec etsi magni non sint ponderis, habent tarnen aliquid literarii exercitamenti, quod (cum ociamur) delectare solet. Simler ipsum, hactenus mihi incognitum, virum ex Germanis nostris nunquam satis laudatum et qui nos post te graecissare curat, grammaticam cuius Graecam et in septem psalmos inter- pretationes tuas Thomas Anshelmus, elegans ille chalcographus, ad me misit, 1 salvum optato. Et pro dexteritate tua, ut magnani- mus es atque fortis, illecebras tibi iniuriantium ut muliebres more Socratico ne curato. Hoc unum sperant, dum invidia sua corro- duntur, ut, quae ratione non possunt, garrulitate et blacteratione vincant. 2 Tu vale. Coniunx te salvum optat. Ex Augusta Vindelicorum pridie idus decembres anno salutis 1512. 104. Von Johann Reuchlln. (Nacli 1512 Dezember 12. Stuttgart.} Antwort auf Nr. 103, besonders auf die Frage nach der Bedeutung des 5 Mos. 14, 5 vorkommenden Wortes pygargus. Gedruckt: 1. Clarorum virorum epistolae. Fol. e 3 r f. — 2. lUustrium virorum epistolae. Fol. f 1 r f. Regest: ReuMins Briefwccfisel Nr. 159 S. 185. Conrado Peutinger Ioannes Reuchlin S. D. P. Quod serius quam velim ad nos scribis, non negligentiam erga me tuam accusare, sed diligentiam erga res commodiores Iaudare debeo. Quapropter expostulatione tua opus non est, modo eandem mihi veniam concedas. Dedissem enim ad te literas et citius et fortasse crebrius, si non adversa occupatio iam me sisteret labori quotidiano calumniis adversariorum respondendi a consuetudine mea, ut nosti, longe alieno, sed necessario tarnen. 1 Georg Simlers Observationes de arte grammatica und Reudüins mit lateinischer Üoersetzung und grammatisdier Erklärung versehene Ausgabe des hebräisdien Textes der 7 Bußpsalmen (vgl. Geiger, Reudilin S. 133 ff.) waren im Frühjahr 1512 bei T/t. Anshelm in Tübingen ersdiienen; vgl. Panzer 8 S. 322 f. Nr. 8 und 16. 2 Anspielung auf den seit 1511112 entbrannten literarisdien Streit Reudilins mit Joh. Pfefferkorn und den Kölner Theologen in der Angelegenheit der Judenbüdier. König, PeiiUngers Briefwechsel 12 178 Nr. 105. 1513 Januar 1. De pygargo Moysi elegans ingenium tuum nimiae curiosi- tatis postulo, cum tanta sit in omni lingua de vocabulis rerum diversitas, ut non solum Plinius apud Latinos, sed et Athenaeus apud Graecos et alii de naturis rerum scribentes obsolescant, cuius in Rudimentorum nostrorum 1 libro primo facie 231. de iaspide memini. Ita in Hebraicis vocabulis tarn multus error est, ut supersticiosi quidam Iudaeorum a pluribus numero ab- stineant, quam in lege sint prohibita, ne ancipiti verborum in- telligentia transgrediantur. Tu vero, si legisti Rudimenta mea, invenies in libro primo facie 124. pro isto tuo pygargo ab Onkelo Chaldaeo, cuius autoris translationem haud aliter quam textum Hebraei venerantur, unicornem esse traductum, quod doctissimi Hebraeorum approbant. Ego eius animalis conditionem iam nescio nee de illo nunc investigare possum, ad alium palum ligatus. Nam si habeat caudam praeacutam, potest quoque py- gargus nominari. Est enim nomen compositum a pyge, id est cauda, et argus, quod aequivocum multa significat: album, can- didum, velox, acutum, segne, vaeuum; et canes veloces dieuntur cynargi. Ita potest rhinoceros aut unicornis quodlibet horum animalium caudam habere vel albam vel acutam, non solum aquilae genus. Vale. 105. Von Michael Hummelberg. 1513 Januar 1. Ravensburg. Sendet als Neujahrsgeschenk eine Beriddigung der in Peutingers „Sermones convivales" enthaltenen Angabe über die Sitze der Nantualen. München. StsB: Cod. Lat. 4007 fol. 29rf. Absdlr. Gedrudii: Lotter-Veith S. 162f. Michael Humelbergius Ravenspurgensis Chuonrado Peutinger Augustano S. S. Antiquissimi saeculi hactenus observatus mos est, vir prae- stantissime, quo kalendis ianuariis strenulas ineuntis anni feli- cissima omnia carissimis mittimus maximeque hiis, quos in tutellares deos (ut ita dicam) et patronos adsumimus quosque 1 Joann. Reudilin Phorcencis . . . de rudimentis Hebraicis. Nonis Martiis anno 1506. Nr. 105. 1513 Januar 1. 179 optimos probatissimosque consilio, autoritate et prudentia prae- cellere spectamus. Qua de re quum diutine animo et tacito in sinu (ut paroemia est) revolverem, quidnam ad te virum mori- bus literisque ornatissimum et amicum fidissimum atque Optimum potissimum mitterem, tandem praeter ,Cadmi nigellas filias, Melonis albam paginam notasque furvae sepiae Cnidiosque nodos" (quod iuxta ingeniosi Ausonii iambum 1 dixerim) occurrit nihil. Qui autem nihil aliud habet, id quod habet mittat necessum est. Id autem muneris observatio quaedam est, quam in tuis scriptis nuper animadverti. Scribis in tuo symposiacon et convivalium sermonum libello Constantienses antiquitus Nantuates adpellatos,* divi Iulii interpretem Marlianum 3 reor secutus, qui (ni fallor, quod nolim) pulcre te in hoc fefellit. Ego enim Nantuates ipsos Vallesienses potius quam Constantienses existimo et tres illos populos, Nantuates inquam et Sedunos atque Veragros, uno nomine Vallesienses hodie adpellari credo. Quod tum ex Stra- bone de situ orbis libro IV., 4 tum ex divo lulio Caesare de bello Gallico libro III.» conligitur. Siquidem apud Vallesienses Rhodanum exoriri nemo nescit. Fontis autem huiusce fluminis adcolas Nantuates Strabo tradit, cuius post descriptam trans- alpinam Galliam gentesque eam regionem tenentes de Alpibus earumque habitatoribus inter caetera haec verba sunt: Post istos et Padum Salassi sunt, super quos quidem in cacumine Ceutrones et Catoriges et Veragri et Nantuates lacusque Pele- mena, per quem Rhodanus effertur, et fluminis ipsius fontes. Caesar etiam Nantuates a Sedunis et Veragris non seiungit, sed eandem Alpium gentem adserit, tametsi nominibus censeantur diversis. In haec autem verba Caesar infit: „Quum in Italiam proficisceretur Caesar, Ser. Galbam cum legione XII. et parte equitatus in Nantuates, Sedunos Veragrosque misit, qui a finibus Allobrogum et lacu Lemano et flumine Rhodano ad summas 1 Ausonius, Epist, ed. K. Schenkt, 4. 74—77 (MQH, Auct. ant. 5, 2 S. 161). 2 In der Erstausgabe der „Sermones convivales" von 1506 auf fol. c3r 3 Vgl. den .Index . . . urbium, fluminum et tocorum" des Raymundus Marlianus am Schlüsse der Venezianer Caesar-Ausgabe von 1490 (Hain *4219) auf fol. q ff». * Strabo 4, 6, 6. 6 Caesar, De bello Gall. 3, 1, 1. 12* 180 Nr. 106. 1513 Anfang. Alpes pertinent." Haec Caesar. Ex quibus Nantuates non Con- stantienses, sed Vallesienses (vulgo: die walleser) haud temere scripserim. Neque id quidem omittendum perperam et mendose apud Caesarem allegato loco Antuates in impressis libris haberi, ubi vera lectio Nantuates habet. Quod ex venerandae vetustatis sinceraeque fidei libro in divi Victoris bibliotheca apud Parisios iam olim deprendi. 1 Vale faustiter. Ravenspurgi properatim kal. ianuariis anno domini 1513. 106. Von Veit Bild. 2 1513 (Anfang* Augsburg.'} Über Schreibwelse und Bedeutung des Wortes pygargus. Augsburg, OA: Ms.81 II fol. 74r. Absdir. Bilds. — Adr: Proprias ad manus egregii ac perdigni D. doctoris Conrad! Pcyttinger, sui obscrvandissimi. Gedruckt (sehr fehlerhaft): Braun 4 S. 173. Regest: Schröder Nr. 55. Benevalere. Egregie D. doctor, terminum pygardum quam diligentissime in eilen haddebarim (secundum neotericos elhad- forim), quem nos Deutronomium dicimus, indagasse sciatis, sed nequaquam inibi repertum, cum non Hebraicum, sed Graecum sit vocabulum, qua et de causa a doctore legum Ioanne Reuchlin suo in dictionario 4 credo esse obmissum. Ceterum nostrae biblio- thecae codicum duorum vetustorum Iuvenalis 3 in carminibus bis pigargum offendi necnon e requisitione unius commentarioli: b pigargus proprium est avis nobis incognitae. Denique pluribus solerter perlustratis voluminibus nullibi quam in dictionario Ioannis Tortellii 5 clarius per d scriptum, non gamma, utrumque significare repperi, ubi et carminis integra positio deprehenditur. Ait enim: Sumine cum magno lepus atque aper atque pigardus. 6 a Jumenalis Hs. h commentariolo Hs. 1 Hummelberg hatte 1503 —// in Paris humanistisdie, philosophische, theologische und canonistisdie Studien getrieben. 2 Über Veit Bild, Benediktiner bei St. Ulridi und Afra in Augsburg, vgl. A. Schröder in ZHVSdi (1893) S. 173 ff. und A. Bigelmair in: Briefmappe II (Reformationsgesdddül. Studien und Texte 40. 1922) S.117ff. 3 Der Brief ist nur mit der Jahreszahl 1513 datiert, gehört aber sidier- lidi in die unmittelbare Nähe der die gleiche Frage behandelnden Nr. 103 f. * In Buch I und II der Rudimenta Hebraica. ■• Vgl. S. 51 Anm. 6. 6 Juvenalis, Sal. 11, 138. Nr. 107. 1513 Anfang. Nr. 108. 1513 Februar 13. \%\ Aliis namque in codicillis metri circa finem „atque aper at pigardus" sillaba dimissa habetur. Secundum quem non pro alato, sed quadrupede 3 ponitur. Valeat iis D ti0 V ra in aevum mei memor. F. Vitus Bild Acropolitanus. 107. Von Veit Bild. {1513 Anfang. Augsburg.} Erkundigung nach dem Bücfierankauf in Venedig und Bitte um Übersendung von Ovids Fasti. Augsburg, OA: Hs.81 II fol. 74r. Absehr. Bilds. Gedruckt (sehr fehlerhaft): Braun 4 S. 173. Regest: Schröder Nr. 54. Bene valere et quicquid in orationibus poterit. Egregie D. doctor, de codicillis Venetiarum in oris nobis comparandis si quid V rae D"' constiterit, certior fieri Ovidianumque kalendarium orgia idolorum enucleans l praesentium per literarum latorem mihi dirigi, quod omni labe sine rugave citius remittere curabo. Valete. F. Vitus äxQonohravos. 108. An Kaiser Maximilian. {1513 Februar 13: 1 Augsburg.) Wiederholt zugleich im Namen seines Schwiegervaters Anton Welser die schon von diesem ausgesprochene Bitte, der Kaiser wolle durch drei Empfehlungsbriefe an den Papst und zwei Kardinäle Christoph Welser zu einer möglichst baldigen Entscheidung des wegen der diesem verliehenen Augsburger Domherrenpfründe in Rom anhängigen Prozesses verhelfen. 6 Augsburg, StA: Welser-Selekt. 1. Absdir. Anton Welsers (auf der Rückseite von Peutingers Hand: Copia supplicationis ad caes. per Banisium reddilae et transmissae per Andream, postbot.j 2. Ein stilistisdi an einigen Stellen etwas abweichender eigenhändiger Entwurf Peutingers (für die Gestaltung der Lautform und der Redilsdireibung, in denen Anton Welser von Peutinger mehrfach abweidit, herangezogen). quadrupe Hs. 1 Gemeint sind Ovids Easti; vgl. Nr. 112f. ' Das Datum nadi dem Begleitbrief an Jacopo Bannisio (Nr. 109). 3 Zum Verständnis dieses Briefes und der weiteren die Angelegenheit der Christoph Welser verliehenen Augsburger Domherrenpfründe betreffenden 182 Nr. 108. 1513 Februar 13. Allerdurchleichtigister, grosmachtigister kaiser, allergnadigister herre, als von E. kai. Mt. mein vetter Anthoni Rem 1 jetzo wider anheim komen ist, hat er mich bericht, wie dan E. kai. Mt. canzler, mein herr von Sernthein, mir auch geschrieben, 2 das E. kai. Mt. auf meins schwehers Anthoni Welsers anruffen E. kai. G. nit gelegen sein welle, auf das mal meinem schwager doctor Cristoffen Welser, dombrobst zu Regenspurg, ainichen rats- noch furdernus- brieve an babstlich Heiligkait zu geben, dweil die irrung, zwischen sein und dem domcapitul zu Augspurg sich haltend, zu Augs- purg merklich aufrur und Widerwillen geberen mochten, der halben E. kai. Mt. sich parteisch machen; demnach inen als Romischem kaiser geburte, in den einsechung zu tun, die selben Widerwillen und aufrur zufurkomen; wollten also aus gnaden selbs in der sache guetlich handien und gnadigen fleis ankeren, die zu vertragen 3 etc. Schreiben (Nr. 109f., 117f., 121) sei nadi den einschlägigen Urkunden und Akten im Münchener Hauptstaatsarchiv (namentlidi Augsburg, Hochstift, Urk. Fase. 640 f. und Lit. Nr. 776) und im Augsburger StA (Welser-Selekt) Folgendes vorausgesdiiakt: Christoph Welsers auf Grund der ihm von Julius II. erteilten Provision (s. Nr. 93) erhobene Forderung, ihn von der durch den Tod Johanns von Knörlngen erledigten Augsburger Domherrnpfrunde Besitz ergreifen zu lassen, war am 12. Jan. 1512 vom Kapitel unter Berufung auf das von Sixtus IV. und Innocenz VIII. bestätigte Statut über den Aussdiluß von Augsburger Bürgersöhnen (vgl. S. 1 Anm. 2) zurückgewiesen worden. Darauf erwirkte Welser in Rom eine päpstlidie Bulle, die jenes Statut außer Kraft setzte, und ein monitorium poenale an das Kapitel, das ihn ermächtigte, die Besitzergreifung der Pfründe nötigenfalls durdi geistlidie Strafen zu erzwingen. Am 23. Aug. ließ er durch seinen Anwalt vor Notar und Zeugen seinen Ansprudi erneut geltend madien. Das Kapitel verharrte auf seinem Widerstände und appellierte nach Rom, wo nun in der Angelegenheit ein Prozeß an der Rota eröffnet wurde. Finige weitere Finzelheiten s. in den Frlüuterungen zum Texte der Briefe. 1 Seit 1512 als Gatte der Ursula Welser Sdiwiegersohn Anton Welsers; vgl. Welser 1 S. 141. a Nicht erhalten. 1 Maximilian, der in dem Streite tatsädüich auf Seite des Kapitels stand — er hatte sich im Sommer des Vorjahres in einem Sdireiben an Julius II. für den Schutz der Privilegien und Statuten des Domstifts verwendet ■—, bat am gleichen Tage, an dem Peutingers Gesudi an ihn abging, auf Ersuchen einer vor ihm in Speier erschienenen Gesandtsdiaft des Kapitels den Papst, im Hinblick auf ein von ihm durch Sdireiben an beide Parteien anberaumtes Sdiliditungsverfahren den römischen Prozeß so lange zu hemmen, bis er über das Ergebnis jener gütlichen Verhandlungen Nadiridit erhalten habe; München, Nr. 108. 1513 Februar 13. 183 Allergnadigister herre, des ratsbrieve halben hette es nit sonder not, dan in demselben E. Mt. gnadig will und monung soll meinem schwecher und mir wol und billich in aller under- tanigkait gefallen. Aber das E. kai. Mt. aus erzelter Ursache den gnadigen furdernusbrieve abgeschlagen, haben mein schweher und ich des merklich und gros beschwerd entpfangen, in an- söhung, das wir den änderst nit begert haben, dan allein den genanten doctor Christoffen Welser bei babstlicher Heiligkait zu furdern, damit im in obgemelter spenniger sache das gepurend recht und des furderlicher austrag gestadt, auch er darinne mit gefarlichem aufhalten nit verzogen werde. Dweil dan solchs für sich selbs billich und recht ist, wie konden sich dardurch E. kai. Mt. in dieser sach parteisch machen? E. kai. Mt. bedorfen auch darumb gar kein sorg tragen, das von solchs spans wegen gros widerwill und aufrur entstien solten, dan ain erber rat zu Augspurg sich diser sache nit beladen, aus der ursach, das doctor Cristoff zu Augspurg kein burger und demnach der selb rat gedachtem capitul zu antwurt geben hat, er welle sich in diser sach gepurend und unverweislich halten, 1 also on merklich verursachet das capitul zu Augspurg ganz frei und sicher. Doctor Cristoff Welser will und monung nie gewesen ist, wider gedachts capituls Statut zu handien, dan er nit zu Augspurg, sonder im burgerrechten zu Memingen geporn. So ist auf heutigen tag Anthoni Welser zu Augspurg auch nit Hauptstaatsardiiv: Augsburg. Hochstift; Lit. Nr. 776 (korrigierter, wohl vom Kapitel vorgelegter Entwurf). 1 Am 28. Aug. 1512 war eine Abordnung des Kapitels vor dem Rate erschienen und hatte angesichts des bevorstehenden römisdien Prozesses unter Hinweis auf das zur Zeit obwaltende freundnadibarlidie Verhältnis zwischen Domgeistlichkeit und Stadt und auf die schädlichen Folgen, die ein Zwist zwischen beiden hervorrufen würde, gebeten, der Rat möge auf den alten Anton Welser und andere Verwandte Christophs einzuwirken suchen, daß sie Christoph, dem das Kapitel im Falle des Verzidites eine angemessene Entsdiädigung zu bewilligen bereit sei, zur Nachgiebigkeit rieten; vor allem aber hatten die Gesandten des Kapitels den Rat ersucht, sich in den schwebenden Reditsstreit nidit einzumischen. Der Rat willfahrte den ihm vorgetragenen Bitten. Anton Welser schrieb auch in dem gewünschten Sinne nadi Rom an seinen Sohn, erhielt aber, wie er dem Kapitel mit dem Ausdrucke seines Bedauerns mitteilte, eine abschlägige Antwort. Vgl. München, Hauptstaatsarchiv: Augsburg, Hodistift, Lit. Nr. 776. 184 Nr. 108. 1513 Februar 13. burger. 1 Dweil aber doctor Cristoff durch ain capitul als ains burgers sone zu Augspurg angefochten, ist er verursacht worden, sein notturft darwider zu suchen. Wan im dan gedacht capitul die possess seiner domherrnpfrind als ainem Meminger, wie war, geben, so were wider des capituls Statut gar nit gehandlet, hette sich auch des geren beniegen lassen. Dan gedachts capitul hievor und bei kurzen jaren doctor Anthoni Paumgartner, Hansen Paum- gartners bruder, der baider mutter ains burgers tochter zu Augspurg und daselbs geborn gewesen ist, zu ainem domherrn zugelassen hat. 2 Alain also unpillicher weis gedachts capitul gegen doctor Cristoffen neuerung sucht, die gepurender weis abzustellen und das gepurnd recht zu furdern E. kai. Mt. als ain liebhaber und höchster furdrer der gerechtigkait wol und gut fug und macht habend, mögen auch darumb in kein weg für parteisch geacht werden. So dan E. kai. Mt. mein schweher und ich oft nutzlich in aller undertanigkait gedient haben und das hinfuro noch geren tun, was wollen dan E. kai. Mt. uns, ir gehorsam diener, zeichen und solch gepurend furderung nit geben, dan auch aus solchem wir von unsern misgonnern darfur gehalten werden, als ob wir kein gnadigen kaiser haben und also von E. kai. Mt. keiner gnad noch hilf gwertig sein solten, das unser herzer mer belaidiget und beschwert, weder ainich widerwärtig sache, die uns alle unser lebtag begegnet ist. Wa auch in der guetlichaitE. kai. Mt. dem genanten doctor Cristoffen nach gelegenhait seiner guten gerechtigkait zu seiner domherrenpfrind zu Augspurg ain erlich und gut richtung aus gnaden machen wolten und derhalben von E. kai. Mt. ain gnadigen verstand haben mochten, so wurden wir berait sein, dweil wir noch zur zeit von ime kain gewalt haben, bei im allen fleis anzukeren, als vill an uns were, damit seins tails nach seiner gelegenhait E. kai. Mt. in aller undertanigkait wilfart werden solt. Also bei E. kai. Mt. dannocht gnadiger furderung und hilf uns nit gar begeben haben, wollen nochmalen in aller under- 1 Vgl. oben S. 151 Anm. 3. a Dr. Anton Paumgartners (vgl. oben S. 12 Anm. 1) Mutter war Klara Arzt aus der bekannten Augsburger Gesdilechterfamilie; vgl. W. Krag, Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg S. 19. Nr. 109. 1513 Februar 13. \ 85 tanigkait anruffen und bitten E. kai. Mt. in ansöhung, das solch unser bete für sich selbs billich und dem rechten gemes, auch dem capitul, so ferre das recht bette, nit widerwertig ist, auch unser onunderleslich dienst, E. kai. Mt. in aller undertanigkait und gehorsame treue getan, also von unser wegen dem genanten doctor Cristoffen obgemelter furderung halben trei brieve, nemb- lich ain an künftig babstlich Heiligkait, den andern an cardinal von Hungern 1 und den dritten an cardinal sant Georgii 2 geben und uns in solchen billicher und rechtmassiger sache nit verlassen, wie zu E. kai. Mt. gnad wir undertanig und gut vertrauen haben, das umb dieselben E. kai. Mt. wellen wir in aller undertanigkait geren verdienen. E. kai. Mt. gehorsamer diener Chuonrat Peutinger doctor, für mich selbs und Anthoni Welser, meinen schweher. 109. An Jacopo Bannisio. 1513 Februar 13. Augsburg. Bittet um Unterstätzung seines Gesuchs an den Kaiser in der Angelegenheit des Christoph Welser (Nr. 108). Augsburg, StA: Welser-Selekt. Entw. S. Venerande domine praeposite, alias in causa D. Cristo- phori Welser pater suus et ego diligenciae vestrae adhibitae in- memores non sumus, denuo rogamus: Dig. V ra apud ser" ,am caesaream M tem iuxta informationein hie occlusam 3 pro literis 1 Thomas Bakocz, F.rzbisdiof von Gran, Kardinalpriester tit. s. Martini in montibus. s 'Rafael Riario, Kardinaldiakon s. Georgii ad velum aureum. Er und Bakocz galten damals, wo man mit dem baldigen Ableben des seit Woriien ernstlich erkrankten Papstes Julius II. redinete, mit als die aussidüsreidisten Papstkandidaten; vgl. Pastor 3* (1899) S. 726ff.; 4, 1 (1906) S. 11. ' Aus dieser „Instruktion" (Augsburg, StA; Welser-Selekt; Entwurf), die das Gesuch an den Kaiser in lateinisdier Spradie umsdireibt und erläutert, seien folgende zwei Stellen mitgeteilt: Cavealis, ne in praesencia praepositi Nurmbergensis apud caesarea! quiequam sollicitetis, quoniam intelleximuslpsum capitulo procurasse, et quod omnia expediantur in secreto, ne aliquis intelligat factum, quoniam speramus scriptas et a caesarea M te signatas litteras Seren- 186 Nr. 110. 1513 Februar 14. tribus sollicitare et eas expedire velit; spero enim in brevi ponti- ficem maximum novum nos habituros. 1 Socer meus paratus est, ut scribit Baptistae de Tassis, Dig. V rae de nobis benemeritae 3 super diligencia et labore impenso satisfacere, et id ut fiat curabo. Quare denuo rogo factum hoc, ut soletis, bene expediatis. Ego me Dig. V rae plurimum commendo. Ex Augusta 13. februarii anno 13. 110. Von Christoph Welser. 1513 Februar 14. Rom. Dank an Peutlnger und Aegidius Rem für Ihre Bemühungen in seiner Augsburger Pfründeangelegenheit. Kritik der von Bernhard Arzt hierüber geäußerten Ansichten. Zweifel an der Stichhaltigkeit des Einwands, daß er kein Augsburger Bürgersohn sei. Unwesentlicher Erfolg der Gegner in Rom. Hoffnung auf vollen Sieg seiner Sache nach dem nahe bevorstehenden Pontifikatswechsel. Neuerscheinungen des römischen Büdier- marktes. Augsburg, StA: Welser-Selekt. Reinsdir; nur Untersdlr und Adr. (Egregio praestantissimoque viro D. Conrado Peutinger, u. i. doctori, sororio suo optimo) eigenhändig. S. P. Operam, Studium et diligentiam, quam tu observan- dissime D. sororie et noster Aegidius Rem 2 in causa commis- " benemerito Hs. teiner sigillare et subscribere coactus sit . . . Practendit caesar controversiam hanc velle componere. Nos, dum S. M'as pro honore et iure D. Christofori se intromittet et faciet bonam concordiam, quae erit honori et iuri eius conformis, curabimus, quantum in nobis est, ut S. M" D. Cliristophorus obsequatur, qui est homo eruditus, Romae bene observatus, pontificis scutifer et scriptor apostolicus et in magna benevolencia apud omnes, qui et pro S. M'e et cum magno honore Romae sollicitare posset et eciam absque impensa magna S. M"s. 1 Vgl. S. 185 Anm. 2. 1 Bruder des in Nr. 108 genannten Anton Rem; hatte in Pavia, wo er 1512 mit Hütten bekannt geworden war (s. Strauß S. 62), die Redite studiert, weilte in den Jahren 1513—18 an der Kurie (vgl. unten Nr. 140 und 188) und erhielt hier am 15. Juni 1514 ein durdi Verzicht Christoph Welsers erledigtes Passauer Kanonikat (Hergenröther, Leonis X. Reg. Nr. 9687f.). 1525—35 war er Bischof von Chiemsee. Vgl. Veith, Bibl. Augustana I S. 149 f. und 5 S. 63: Joadiimsen S. 116 und 251 Anm. 49; Hübet 3 S. 180. Nr. 110. 1513 Februar 14. 187 sionum compulsorialium per me navastis, ex literis vestris 1 abunde cognovi nee video, quid restet, nisi ut et tibi et Aegidio gratiam agam immortalem pro vestra erga me benivolentia et cura rerum mearum singularium. Magna eorum me tenet ex- peetacio intelligendorum, quae postea ea in causa acta sunt, quorum nuncium propediem ad me spero perventurum. Quae autem acta esse scribitis, ea singula recolere non est opus; satis est me in omnibus vestram intelligere sententiam. Ex exemplo literarum D. Bernardi Artzt 2 ad te datarum cognovi eum in plerisque passibus non recte sentire; nam quod ait statuti de non reeipiendis doctoribus extractione non esse opus adversariis, propterea quod hie minoribus impensis sump- tum ex registro bullarum apostolicarum habere possint, errat D. Bernardus satis evidenter: etsi enim sumptum literarum apostolicarum confirmationis statuti huiuscemodi facile haberi possit, non tarnen illud sumptum sicut nee ipsae originales literae apostolicae fidem facerent de statuto, quia in ea parte verbis papae in literis eius non creditur, cum proferantur ex assertione capituli impetrantium, quibus onus ineumbit de Ulis, quae in literis apostolicis circa statutum huiusmodi asseruntur, fidem praestare. Itaque pro verificatione literarum confirmationis necesse habuerunt adversarii extrahere in partibus copiam statuti supradicti. Quod etiam executorem compulsorialium D. Alantsee ;l recusare posse arbitratur tamquam suspectum, quod iurisdictioni decani subiectus sit, fallitur opinione sua. Quo enim pacto iam recusari potest is, in quo consensum hie nostrum praestitimus? Sed tarnen non video iudicem illum in magno nocere posse. Proinde circa recusationem eius non est morandum. Ceterum dum etiam affirmat D. Artzt executorem et iudicem compulsoria- 1 Nicht erhalten. 2 Propst von St. Moritz in Augsburg und Domherr in Eichstätt, Schwager Jakob Fuggers. Anläßlidi seiner Bewerbung um ein Augsburger Kanonikat i. J. 1484 hatte das Domkapitel zum ersten Male das 1474 geschaffene Statut über den Ausschluß Augsburger Bargersöhne mit Erfolg geltend gemacht (s. oben S. I Anm. 2); vgl. aber ihn Roth /' 5. 24. ' Dr. iur. utr. Joh. Alantsee, bischöfl. Vikar und später Propst von St. Gertraud in Augsburg: vgl. Veith, Bibl. Augustana 1 S. 12f.; F. Zoepfl, Joh. Altenstaig (1918) S. 22. 188 Nr. 110. 1513 Februar 14. lium non habere potestatem excommunicandi sartores ob non exhibitionem et editionem iurium et scripturarum, non ponderat verba literarum compulsorialium; quarum tenorem si bene per- spexisset, fateretur executori potestatem utique esse compellendi etiam per censuras ecclesiasticas eos, qui iura habent ad causam facientia. Laudo tarnen amici curam et Studium, quod multa in ea causa ponderavit, quae, etsi parum conferunt, summae eius erga nos benevolentiae sunt testes. Informatio tua super civilitate mea non mediocriter mihi placet, sed vereor nos incassum insistere huic exceptioni, quod filius civis non existam, quum ex multis rationibus tum ea po- tissimum, quod negari non potest parentem meum esse civem Augustensem origine sua et propria et paterna, et proinde me filium eius esse. Et quamquam civis ipse dici non possim origine propria, tarnen origine paterna. Quid prohibet me etiam civem esse, quum civilitati originis renunciari non possit? Hoc unum ego plurimum pondero, quae civilitatis interpretatio statuto adhibenda sit, an, quum quattuor modis civilitas acquiratur (allectione, adoptione, manumissione et origine), de ea, quae ex origine tarn paterna quam propria proficiscitur, statutum loquatur necne. In quo puncto summum ipsius quaestionis nodum esse arbitror. Verum quidquid sit: dispendiosum magis quam utile fore existimo de civilitate disputare; spem meam omnem victoriae in derogatione statutorum pono. Quamquam unum nuper praeter opinionem meam in hac causa accidit, quod pontifex, quem- admodum 23. ianuarii 1 tibi declaravi, adversariis bullam quandam declarationis concessit, qua declarat suae intentionis non fuisse, derogare statuto supradicto nisi ad effectum resignandi ius meum. 2 1 Nidit erhalten. a Christoph Welser zeigt sich hier sdiledit unterriditet; denn die Sacli- walter des Augsburger Kapitels hatten am 28. Jan. 1513 in Rom einen er- heblidi weiter gehenden, ja entsdieidenden Erfolg erreidü: unter diesem Datum erließ Julius II. eine Bulle, in der er nidit nur gleich seinen Vorgängern Sixtus IV. und Innocenz VIII. das Statut des Kapitels gegen die Bürgersühne bestätigte, sondern audi Christoph Welser als Sohn eines ge- bornen Augsburger Bürgers ausdrücklidi für untauglidi zur Bekleidung eines Augsburger Kanonikats und die ihm erteilten Provisionen und Mandate für nichtig erklärte. (München, Haupt Staatsarchiv: Augsburg, Hodistift; Urk. ____________________ Nr. 110. 1513 Februar 14. 189 Sed derogatio mea aliud sentit. Et quia regulae cancellariae de non tollendo ius quaesitum derogatum non est, arbitror de- clarationem per adversarios obtentam parum Ulis profuturam. Suadent tarnen advocatus et procuratores mei, ut in prosequenda causa parumper supersideam, quandoquidem pontifex iam multos dies continuis, ut aiunt, febribus confectus morti proximus sit. 1 Inquiunt enim eo vita functo omnia ex sententia nostra eventura. Quare lis mea nunc tepescit parum nee aemuli ad finem an- helant. Haec sunt, quae hac tempestate de causa Augustensi ad te putavi scribenda. Mitto tibi cum praesentibus nonnulla noviter excusa, ut quid novi habeas legere, et praesertim considerabis illam vehemen- tissimam implorationem seu advocationem, quam comes quidam cum uxore, filiis et filiabus suis saeco vestitus cardinalibus et pluribus aliis ipsum illo die praetereuntibus porrexerat. Contoralem tuam, sororem meam amantissimam, nomine meo salvam dicito et feliciter vale. Ex urbe 14. februarii 1513. Egregiae D nis Tuae deditissimus C. Welser, praepositus Ratisponensis. Fase. 641; Ursdirift.) Über die Tätigkeit der Gegner Cliristoph Welsers in Rom unterrichten einige Briefe Johann Laymans (vgl. über diesen, der später Weihbischof von Augsburg wurde, A. Schröder im Jahrb. d. Hist. Ver. Dillingen 9 S. 147 und J. Sdtledit in der Kirdiengesdtiditlidien Festgabe für A. de Waal [1913] S. 257), der am 28. Sept. 1512 als Sachwalter des Kapitels an der Kurie eingetroffen war, an den Augsburger Kapitular und Offizial Dr. Christoph v. Stadion, den späteren Bischof (Mündien, Hauptstaatsardiiv: Augsburg, Hodxstift; Lit. Nr. 903; Ursdiriften). Gleidi das erste Schreiben, das Layman am Tage seiner Ankunft in Rom mit einem Boten der Fugger in die Heimat sandte, lautet ziemlidi hoffnungsvoll: Adversarius, ut dicitur, non est in gratia summi pontificis inpraesentiarum, et eo velocius est laboran- dum. Mitte Dez. weilte Christoph v. Stadion selbst in Rom: Am 14. Dez. quittiert er Jacobo Fugger et nepotibus mercatoribus Romanam curiam sequen- tibus über 300 Dukaten, die er gegen einen am 20. Nov. vom Augsburger Stammhause ausgestellten Wechselbrief ausbezahlt erhalten hat (Mündien, Hauptstaatsardiiv; ebd.). 1 Der seit Wodien erwartete Tod Julius II. trat in der Nadit vom 20. zum 21. Febr. ein; vgl. Pastor 3 i S. 730. 190 Nr. 111. 1513 März 9. Nr. 112. 1513 April 5 oder 6. 111. An Sebastian Brant. 1513 März 9. Augsburg. Beklagt sich über die Undankbarkeit eines gewissen Jakob Maier, dessen Stiefvater er erfolgreich verteidigt habe. Aussichten der Bilndniswerbungen Frankreichs bei Venedig und den Eidgenossen. Straßburg, StA: Thomasarchiv, Univ. 1 fol.588*>f. Abschr. Wenckers. — Adr.: Clarissimo iurium doctori D. Sebastiano Brandt, cancellario Argentora- tensi, praeceptori et amico suo observando. S. P. D. Binas iam a te habui litteras, unas 13. kal. februarias, alteras kls. ipsis martiis datas," 1 humanissimas simul et mihi gratissimas a te utpote humanitatis et benevolentiae accumula- tissimo b profectas, simulque munimenta mea in Iacobum Maier accepi, hominem ingratissimum, cuius credo vitrici causam summa mea fide et diligentia defendi, impetravi et obtinui, etiam non sine meo impendio non mediocri. Mihi aliquando, ut is cui successit se erga me obligavit, satisfaciet. Video litteris" etiam tuis, quod me non solum diligis, sed et plurimum amas. Cum hiis, quae facultatis nostrae erunt, gratificabor. Si bos, si leo sique gallus aliquando (quod tarnen vix credo) coibunt, 2 natura ut sunt diversa, facile mutentur; tarditatem etsi veiocitas ipsa commovet, levitas tarnen, quae estinconstans, conturbabit ut solet omnia. Maiestates tot una morari sede erit difficillimum. Sed vale et me iure tuo utere. Ex Augusta 7. id. martii anno 1513. Tuus Chuonradus Peutinger, iur. utr. doctor. 112. Von Veit Bild. {1513 April 5 oder 6. 3 Augsburg.} Kündigt seinen Besucli an und bittet um Übersendung eines griechischen Wörterbuchs. a dabas Hs. Ij accumulatissimi Hs. c Videbit tibi et Hs. 1 Diese Briefe Brants vom 20. Jan. und 1. März 1513 sind nicht erhalten. 2 Wohl Anspielung auf die damaligen Bündniswerbungen Frankreichs (gallus) bei Venedig (leo = Markuslöwe) und den Eidgenossen (bos = Stier von Uri); vgl. z. B. die entspredienden Darstellungen der europäisdien Mächte auf den Bildern in Ulrichs von Hütten dem Kaiser Maximilian gewidmetem Epigrammatum über, in Ed. Boeckings Ausgabe von Huttens Werken 3 S. 229, 241 und 251. 3 Der undatierte Brief ist am selben Tage wie Nr. 113 oder am Tage vorher geschrieben. Über die Datierung von Nr. 113 s. S. 191 Anm. 3. Nr. 113. 1513 April 6. ]91 Augsburg. OA: Hs. 81 II fOl. 74r. Absdir. Bilds. Überschrift: Doctori Beyttinger. Gedruckt (sehr fehlerhaft): Braun 4 S. 173. Regest: Schröder Nr. 53. Incolumem fore. Egregie D. doctor, remittendo Ovidii credita mihi opera l D ni V rae significo patri Symoni Ridler mihique a prae- lato nostro 8 quam benignissime concessum, V rae D ,lis bibliothecam visere. Quapropter si V rae D ni complacuerit ociorumque oportunitas annuerit, Veneris (superis concedentibus) die proxirna aedes adire elegimus, super quo et certiores iamiam reddi efflagitamus. Valeat iis D li0 V ra in aevum feliciter. Item dictionarium Graecanicarum Htterarum mihi communicari oro suplex. 113. An Veit Bild. {1513 April 6. Augsburg.} Antwort auf Nr. 112. Bittet den angekündigten Besuch bis auf weitere Nacfiricht zu verschieben. Augsburg. OA: Hs.81 III fol. 9r. Absdir. Salvus sis. Fastorum librum habui. Dictionarium Graecum tibi mitto. Scribis Veneris die proxirna una cum" Symone nostro ad me venturum. Exciperem vos humanissime. Literarum dif- finitores ordinis Carmelitarum hie sunt et cum senatu negocia habent. 1 Quare suspicor, quod nee cras nee eciam Veneris die domi esse non possim. 3 Sed quamprimum abierint, tibi diem et horam scribo, quibus me commode 0 convenire poteris. Vale. Tuus Peutinger/ 1 !l tarn Hs. >' labent Hs. '' tantumodo Hs. (1 Peutinus//.s. mit roter Tinte von späterer Hand geändert /nPinicianus<.'>. 1 Vgl. Nr. 107. 2 Abt von St. Ulridi und Afra in Augsburg war seit 1510 Johannes Schrott: vgl. über ihn Roth 1 S. 26. 3 Der nur mit der Jahreszahl 1513 datierte Brief ist danach an einem Mittwoch geschrieben. Die Erwähnung der gleichzeitigen Anwesenheit der •iterarum diffinitores ordinis Carmelitarum in Augsburg gestattet, diesen Mittwoch als den 6. April zu bestimmen; die Anwesenheit der Oberen des Kar- neliterordens in Augsburg ist nämlich in den Wodienrechnungen des dortigen Karmeliterklosters St. Anna unter dem Samstag vor Misericordias Domini (9. April) sowohl unter den Einnahmen als auch unter den Ausgaben erwähnt: Recepta: It. a rev dis magistris et prioribus, qui conventum illum post 192 Nr. 114. 1513 April 7. Nr. 115. 1513 April 8. 114. An Johannes Aventinus. 1513 April 7. 1 Augsburg. Konnte auf die beiden erhaltenen Briefe wegen Überlastung mit Geschäften bisher nicht antworten. Verspricht freundschaft- licfie Förderung seiner Arbeiten durch sachdienliche Mitteilungen. Gedruckt: 1. E. Frh. v. Oefele. im Oberbayer. Archiv 44 (1887) S.16. — 2. Johannes Turmairs genannt Aventinus Sämmtlidie Werke. Bd. 6: Kleinere Sdtriften. Naditräge. Herausg. von G. Leidinger (1908) S. 83. Chunradus Peutinger Ioanni Aventino S. Accepi binas tuas litteras 2 una cum codiculo meo. Quod Annales tui redditi sint, gaudeo. 3 Ad litteras tuas, cum sint elegantes et non modicam prae se ferentes erudicionem, hactenus ob negocia, quibus paene obruor, respondere non potui; rescri- bam aliquando et libens, utpote in re litteraria. Interim si quid utile tibi perspexero, curabo, ut intelligas. Tu me amicum verum diiudicato. Vale et me ama, ut soles. Augustae 7. idus aprilis anno salutis 1513. 115. An Micliael Hummelberg. 1513 April 8. Augsburg. Entschuldigt sein Schweigen mit Arbeitsüberlastung. Übersendet ein Empfehlungsschreiben und gute Ratsdiläge für die beabsichtigte Romreise. Briefwechsel mit Beatus Rhenanus. Mündien, StsB: Cod. Lat. 4007 fol. 33". Absdir. Gedruckt: Lolter-Veith S. 165f. capitulum provinciale visitarunt et nobiscum aliquos dies manserunt, 12 fl. 4 sh. 20 r}). — Exposita: ... It. pro vino ad civitatem revü s magislris et priori- bus, qui conventum istum post capitulum provinciale visitaverunt, et magistro civium Nurnpergensium, qui eciam nobiscum hospitatus fuit per illam heb- domadam 7fl. 5 sh. 14^. Augsburg, StA: Hospitalardiiv Tit. I, Tom. 19. 1 Zu der von Oefele vorgenommenen Änderung des handschriftlich überlieferten Jahresdatums in 1523 besteht, wie Leidinger in den Anmerkungen zu seinem Abdruck zutreffend betont, kein Grund. Peutinger hat Aventin wahrscheinlich bei seinem Aufenthalt in Landshut im Aug. 1512 kennen gelernt; vgl. oben S. 166 Anm. 1. 2 Nicht erhalten. * Unter den Annalen sind nadi Leidinger die von 1511 zu verstehen, .wenn wir auch nidit wissen, wie wir das .redditi' zu erklären haben und in diesem Punkt auf Vermutungen angewiesen sind". Nr. 116. 1513 April 10. 193 Chuonradus Peutinger Augustanus Michaeli Humelbergio S.S. Scriberem multa ad te et in re literaria praesertim, si otio illo utcunque bono vacare possem. Verum tot et tarn ardua quottidie se ingerunt negocia et potissimum caesare nostro prae- sente, 1 ut alia modo progrediendum sit via. Mitto tibi literas commendaticias, 2 ut petisti; misissem et epistolam tuam, verum ex literis tuis sane intelligere non potui, quam peteres. Vis ire Romam: Valetudinem tuam curato et inprimis vires tuas dimetare. Spero te sororium nostrum et amicum habiturum non vulgarem. Beatus Rhenanus binas ad me dedit literas, cui respondi. 3 Vellem hominem coram videre. Super prioribus tuis literis respondebo, si modo potero. 4 Vale carissime Michael. Ex Augusta 8. die aprilis anno 13. 116. Von Michael Hammelberg. 1513. April 10. Ravensburg. Antwort auf Mr. 115. Dank für das Empfehlungsschreiben an Christoph Welser. Zeitpunkt der Abreise nach Rom noch unbestimmt. Beatus Rhenanus sein Freund und Studiengenosse von Paris her. Verweist auf des 1. Faber Stapulensis Paulus- Kommentar, wo an mehreren Stellen bewiesen werde, daß der Apostel verheiratet gewesen sei. Mündien, StsB: Cod. Lat. 4007 fol.33*> f. Abschr. Gedruckt: Lotter-Veith S. 166ff. Michael Humelbergius Ravenspurgensis Chuonrado Peutingero S. S. Commodum hoc ipso vesperi binas tuas literas accaepi, vir clarissime, alteras ad Michaelem tuum tuo nomine deditissimum, 1 Maximilian weilte in Augsburg vom 19. März bis 20. April 1513; vgl. V. v. Kraus im Ardi. f. oesterr. Gesdi. 87 (1899) S. 292. 2 An Peutingers Sdrwager Christoph Welser in Rom, wie aus Nr. 116 hervorgeht. 3 Weder die beiden Briefe des Beatus Rhenanus nodi die Antwort Peutingers sind erhalten. 4 Auf Hummelbergs Neujahrsbrief (Nr. 105) mit der Beriditigung der Nan- tuatenstelle in den „Sermones convivales" hat Peutinger nie geantwortet. Hummelberg sdireibt darüber am 30. Mai 1513 an Heinrich Bebet, der in einem Briefe an ihn vom 23. Jan. gleidifalls die Nantuatenfrage behandelt hatte: Quid König, Peutingers Briefwechsel 13 194 Nr. 116. 1513 April 10. alteras vero commendatitias ad D. Christophorum Welserum, soro- rium tuum, 1 quas inprimis, dum illuc adpulerim, mihi profuturas 8 facile crediderim, pro quibus etiam quas debeo habeo gratias. Verum quando hinc mihi solvendum sit, nondum satis novi, quum ab antistite Curiensi, 2 cuius comitatui et satellitio iam ad- scriptus eram, hactenus nihil responsi adcaeperim, arme solus (uti statuerat) profecturus sit, neque modo ullo e re mea esse putarim, ut tantum itineris solus capessam. Quare comitatus aliquis prius disquirendus est, quo veluti vehiculo quopiam hinc vehar et utinam atque utinam praepetibus (ut aiunt) avibus. 3 Scribis Beatum meum Rhenanum ad te dedisse literas. Meum autem meo iure dixerim, qui non trivialiter me amat, colit, venera- tur et ornat, qui iam olim, priusquam pontificio iuri me totum devoverem, eisdem in philosophia praeceptoribus Iacobo Fabro Stapulensi et Iodoco Clichtovaeo, viris philosophissimis atque theo- logissimis, mecum usus est, 4 quamquam, ut verum fatear, non- nihil felicius. Huius inquam literas non amusas, sed doctas, florulentas et penitus Ulysseas, i. e. facundissimas accepisti ho- minemque ad te videndum invitasti. Veniet me Hercule et tuae humanitati morem gerens propediem, quod auguror, te istic in- viset, qui et a me proximis diebus advocatus est, unde reor me hie viso etiam ad te iter arrepturum. Sed iam nimis (vereor) familiariter tecum ago et linguacem quendam xal äfAezooEnfj xa), äxQtr6/,ivdov (ut apud Hornerum est 6 ) profuturum Hs. Peutinger noster sentiat, nondum intellexi; tametsi ad me saepius scripserit, hac tarnen in re Harpocratem se gerit; vgl. A. Horawitz, Analekten z. Gesch. d. Humanismus in Schwaben, in: SB Wien 1877 S. 245 f. 1 Vgl. Nr. 115. 2 Paul Ziegler (1505- 41). Bruder des kaiserl. Rates und obersten Sekretars Nikolaus Ziegler. 3 Vgl. über diese Redensart Forcellini, Totius latinitatis lexicon s. v. praepes. 4 Über die gemeinsame Studienzeit des Beatus Rhenanus und Michael Hummelberg an der Universität Paris in den Jahren 1503 — 7 vgl. auch des Rhenanus Vorrede zu der von ihm besorgten posthumen Ausgabe der Epi- tome Grammaticae Graecae Hummelbergs, Basel 1534 (Briefwechsel des B. Rh. Nr. 283 S.405/.), wo unter ihren gemeinsamen Lehrern ebenfalls Jacques Lefevre d'Etaples (vgl. über ihn G. Bonet Maury in :RE5 Z S. 714 ff.; Hurter 2 2 Sp. 1301 ff.) und Josse van Clichtove (vgl. über ihn J. deSmet in derBiogr. nat. de Belgique4 Sp. 172ff.; Hurter 2* Sp. 1444 ff.) an erster Stelle genannt sind. * Vgl. Hom., II. 2,212 und 246. Nr. 117. 1513 April 15. 195 ostento Thersiten, in tantis praesertim negociis tuis, quibus ob caesareae M tis praesentiam distringeris. Unde optimo iure me ipldvQov ävÖQa, susurronem et garrulum adpellitare et tanquam hirundinem (iuxta Pythagorae aö/xßokov 1 ) tua domo proscribere quires, nisi humanitas tua et modestia omnia boni aequique con- sulere pernosceret. Quare de tua humanitate, praeclare, confisus vel id subnectere audeo simulque receptui canere: De coniugio spiritiferi et deodocti Pauli Capnion noster, totius Germaniae nedum Sueviae nostrae decus, aliquando ad te scripsit; 2 scripsi et ego, quibus verum felixque hoc coniugium defensitarem. 3 Siquidem tu de meis scriptis subdubitas, habes Fabri Stapulensis in Paulinas epistolas diviniloquentissimos commentarios nuper- rime apud Parisios editos, 4 qui fol. 180., item 119., item 115., item 117. omnem scrupum radicitus tibi eximunt meamque sen- tentiam probe muniunt et verum Pauli coniugium doctissime ostendunt, quod tumultuaria lectione iamiam propere admodum tibi adnotavi. Forsan et in aliis locis idem adserit, sed festinanti haec sufficiant. Siquidem tu libro hoc cares, rescribas velim, et ipse aut meum aut quae ad rem hanc sunt transscripta quam- primum ad te mittam. Est autem opus hoc (ut uno verbo dicam) a nemine ullo satis laudatum. Non discedam, quin prius literis aliis tibi dicam: Vale! Sed multa interim inter calicem supremaque labra cadent. Coniugi tuae, foeminae clarissimae, die salutem. Bene valeas et me redama. Cursim Ravenspurgi 4. idus april. 1513. 117. Von Christoph Welser. 1513. April 15. Rom- Anweisungen für das weitere Vorgehen in der Angelegenheit seiner Augsbürger Domherrnpfründe. Der neue Papst Leo X. und die auf ihn gesetzten Erwartungen. Mitteilung weiterer römischer Neuigkeiten. 1 Pseudo-Pythagoras, Symbolum 7; bei F. W. A. Mulladt, Fragmenta philosophorum Graecontm 1 (1860) S. 505. 2 Nr. 49. 3 Nr. 98. 4 5. Pauli Epistolae XIV ex Vulgata editione adieeta intelligentia ex Graeco cum commentariis lacobi Fabri Stapulensis, erschienen 1512 in Paris bei Henricus Stephanus; vgl. Panzer 7 S. 565 Nr. 557. 13* 196 Nr. 117. 1513 April 15. Augsburg, StA: Welser-Selekt. Reinsdir.; nur Nadisdirift, Untersdirift und Adresse (wie bei Nr. 110) eigenhändig. S. plurimam. Nisi suis te Aegidius noster 1 literis excusasset, iucundissime sororie, profecto non mediocriter miratus fuissem, quod tuarum nichil a 26. die ianuarii ad me dedisti literarum. 2 Sed et ipse non ignoro tuae te voluntati per occupationes satis- facere non semper posse. Non idcirco tarnen minus tibi rem meam Augustensis canonicatus scio fore curae. Quae hie ea in causa acta sunt, ex literis meis, quas ad te 14. februarii dedi,' 1 abunde didicisti. Nam ex eo tempore fere nichil in iudicio factum est, nisi quod declarationis sumptum in iudicio exhibuerunt adversarii et praeterea processum vigore compulsorialium specialem in partibus habitum produxerunt. Quae in ipso processu commeantur, ea omnia adhuc non habeo explorata. Mitto cum praesentibus ad te litteras compulsoriales generales ac mandatum ad eas deducendum.* Ulis oro curare velis, ut coram aliquo eli- gendo compulsore exhibeantur per genitorem meum compulsum litterae orienales contractus inter eum et senatum Augustensem habiti eo tempore, quo ipse genitor ad civitatem Augustensem reeeptus est sub certis condicionibus, 5 quarumquidem litterarum exemplum parens ille meus ad me nuper misit in vernacula lingua. Exhibitis huiusmodi literis producantur testes, qui sigillum senatus recognoscant, petatque procurator meus illas exemplari et autori- tatem compulsoris interponi. Sed unum advertendum est, ut Io. Layman, capituli procurator, 8 de cuius procurationis mandato hie constat in actis, aut si quis est alius procurator partis ad- versae in civitate Augustensi, is vel decanus et capitulum capi- tulariter congregati principales personaliter ad omnia citentur per compulsorem. Quodsi nee ipse Io. Layman nee alius quispiam capituli procurator praesto sit, qui vocari possit in persona, et decanus legittime requisitus capitulum convocare noluerit aut audienciam recusaverit dare, praemissa protestacione super huiusmodi requisitione et recusatione et confecto desuper instrumento publico citentur singulares capituli personae tot quot commode 1 Aegidius Rem; vgl. oben S. 186 Anin. 2. 8 Peutingers Brief vom 23. Jan. 1513 ist nidit erhalten. 3 Nr. 110. 4 Diese Beilagen des Briefes sind nidit erhalten. 5 Vgl. oben S. 151 Anm. 3. 6 Vgl. oben S. 188 Anm. 2. Nr. 117. 151.3 April 15. 197 apprehendi poterint. Et citacio etiam fiat per edictum in valvis ecclesiae Augustensis, quemadmodum et tu non incognitum habes fieri in similibus oportere, processum autem super praemissis ad me huc destinare quo citius non praetermittas, forte enim non parum ad nostram faciet intentionem conventio illa senatus et parentis, si utique de civilitate disputandum fuerit. Ceterum si qua alia sunt vobiscum munimenta, quibus excludi possit civitas parentis, quaeve ad hanc causam alias facere putaveris, ea simili modo exhiberi et edi procures ac ad me transmitti. De prote- stacione genitoris, qua innuit et declarat se nunquam pro vero cive et inmediato gessisse, etiam si quando se in litteris con- tractuum civem nuncupaverit, nescio quid dicavi. Si ex nun- cupatione litterarum huiusmodi verus civis esse comprobari poterit, quod tarnen non puto, non video, quid subsecuta prodesse poterit protestacio quasi facto contraria. Sed singula perscrutari non nocet. Velim etiam id, quod maximopere conducet ad ius meum, ut coram compulsore eures dari hos seu similes articulos Ulis, quos ad te praesentibus transmitto, producasque aliquos festes sex aut octo vel decem, quibus illos verificari posse confidis, mitfasque absque mora ad me huc processum totum tarn super exemplatione dietarum litterarum contractus genitoris quam super huiuscemodi testibus examinatis. Facient illi festes hie tantum fidem, quod eo facilius dabitur michi remissoria ad partes ad pro- bandum illud factum de Antonio Pamgartner. 1 Quia vero exami- natio testium vigore compulsorialium huiusmodi non poterit plenam facere fidem, ideo etiam non eures, si capitulum de nullitatibus aliquibus exciperet. Id unum eures, ut qualicunque modo festes examinentur et processus reieeta omni mora huc cedat, et id quidem, si fieri potest, infra duos hinc menses. Nam causa haec proeul dubio ante vacancias mensis iulii deeidetur. Sed ad unum hoc te velim advertere, ut articulos illos corrigas et emendes seeundum quod rei veritas se habet. Nam quo pacto omnia cum Antonio Pamgartner acta sunt, ignoro, nee ea hie explorari pos- sunt. Tu si et ipse ea incerta habes, facile Augustae indagabis. Habes quid modo fieri velim in Augustensi negotio. 2 D. Aegidio 1 Vgl. oben S. 184 Anm.2. 2 Christoph Welsers vorstehende Anweisungen über das weitere von seinen Vertretern in Augsburg einzuschlagende Verfahren waren, als sie bei Peutinger 198 Nr. 117. 1513 April 15. Rem perfunctorie et brevibus de hoc scribo. Facile enim ei omnia imparties. Quo die pontifex Iulius mortem obierit utque die 11. mensis martii rev mus D. Iohannes tituli s. Mariae in Domnica de Medicis Florentinus ad summum apostolatus apicem provectus sit et Iulio suffectus magno omnium favore et gaudio, quod is a teneris annis omnibus se virtutibus accomodavit et excoluit, 1 puto te ex aliis iam pridem didicisse. Nomen pontificatus sibi indidit Leo decimus, fortassis quod hoc animal insigne est Florentinorum. 2 Spes est omnium hunc pontificem bene sancteque rei publicae christianae consulturum. Eius rei argumentum ex vitae illius ante- actae ratione facile est colligere. Faxit Deus pro sua divina pro- videncia, ne, quod plerisque accidit, in tanta dignitate prioris suae humanitatis, benivolentiae et probitatis virtutumque aliarum omnium immemor efficiatur. Si quo ordine rev mi cardinales in conclavi commorati quemve locum sortiti fuerant scire cupis, leges ex hac cartula formis excusa orationis de summo pontifice eligendo habitae. 3 Item epistolae de Gallorum caede 4 ac bullae decreti quintae sessionis concilii 5 et carminis de monstro apud urbem nato exempla 6 tibi cum praesentibus mitto. Et me hiis tibi unice com- eintrafen, durch den ersten zwisdien den beiden Parteien gesdüossenen Vergleich (vgl. den folg. Brief) bereits überholt und gegenstandslos. ' Über die allgemeine Beliebtheit und den guten Ruf des neuen Papstes vgl. Pastor 4, 1 S. 18. 2 Warum Giovanni de' Mediä den Namen Leo gewählt habe, darüber gingen die Ansichten der Zeitgenossen auseinander; vgl. Pastor 4, 1 S. 17 Anm. 5. 3 P. Flores, Oratio habita Romae in basilica principis apost. ad s. col- legium cardinalium de summo pontifice eligendo lulii II. successore. Der gleichzeitige römische Urdruck ist erwähnt bei Pastor 4.1 S. 13 Anm.5. 4 Gemeint ist wohl die Schlacht bei Ravenna (11. April 1512), in der die Franzosen den Sieg über die Truppen der Hl. Liga mit schwersten Verlusten — audi ihr Führer Gaston de Foix war gefallen — erkauft hatten. Über diese Schlacht waren zahlreidie Beridite im Umlauf; vgl. Pastor 3* S. 703 Anm. 4. 11 Die in der 5. Sitzung des 5. Laterankonzils am 16. Febr. 1513 erneuerte und nochmals verkündigte Bulle Julius II. vom 14. Jan. 1505 gegen Simonie bei der Papstwahl; vgl. Pastor 3 i S. 733. 6 Der Ausdruck „exempla" läßt darauf sdiließen, daß es sich nicht um Drudtsdiriften, sondern um handsdiriftlidie Wiedergaben handelte. ____ Nr. 118. 1513 April Ende. 199 mendo. Vale faustissime tua cum coniuge, sorore mea, nostraque familia tota. Ex urbe 15. aprilis 1513. Hoc quoque te rogo, ut notarium capituli (quisquis is est), «i adhuc superest, compelli procures per compulsorem, ut ex- hibeat et tradat instrumentum apprehensae possessionis quondam Anthonii Paungartner, quod una cum processu, de quo superius niemini, ad me quam celeriter mitte. 1 Iterum vale, mi aman- tissime sororie, et negotium istud meum quamvis onerosum beni- volo tarnen animo suscipere non dedigneris, quod perhumanis- sime oro. Et res ista indiget maxima celeritate, ut me iudices hie per 15 dies ante vacantias bene armatum iuribus inveniant. D nis Tuae deditissimus C. Welser, praepositus Ratisponensis. 118. An Kaiser Maximilian. 0513 April Ende. 2 Augsburg.'} Bittet, in die Vertragsurkunde über den durch Paul von Liechtenstein zwisdien ihm als Vertreter seines Sdiwagers Christoph Welser und dem Augsburger Domkapitel zustande gebrachten Vergleidi die nachträglich vom Kapitel begehrten Zusätze nicht aufnehmen zu lassen. Augsburg, StA: Welser-Selekt. Entw. Allerdurchleichtigister grosmachtigister keiser, allergnadigister herre, auf E. kai. Mt. gnadig begeren hat herr Pauls von Liechtenstein zwischen dem erwirdigen domcapitul alhie und mein von wegen meins Schwagers doctor Cristoffen Welsers, doch bis auf meins schwehers 3 bewilligung, die spennig Sache under anderem dermassen gegen mir abgeredt, das der genant Welser sich verschreiben soll, hinfuro für sein person kein domherrenpfrund zu 1 In dieser Angelegenheit sdieint sich Peutinger an Bernhard Arzt (vgl. oben S. 187 Anm. 2) gewandt zu haben: dieser sdireibt ihm von Eidistätt aus <*m 29. Mai 1513, er halte es für unnötig, die literae provisionis piae recor- dationis A. Paumgartner vigore literarum compulsorialium extrahere; es ge- nti ge, Christoph Welser ihr Datum mitzuteilen, worauf er den Wortlaut aus denpäpstlidien Registern absdireiben lassen könne (Augsburg. StA: Welser- Selekt. Ursdir.). 2 Zum Datum vgl. unten S. 200 Anm. 4. 3 Anton Welser. 200 Nr. 118. 1513 April Ende. Augspurg anzunemen, des ich willig gewesen were, und ist darauf aus bevelh E. Mt. durch den Paungartner 1 und nachvolgend durch den Fugger 2 die sach entlich mit mir obgemelter massen beschlossen worden. 3 Und so aber der genant herr Pauls die verschreibung, wie obstat, hat wollen aufrichten, haben gedacht vom capitul begert, in die selb verschreibung zu seczen, das der genant Welser sich nit allein der domherrnpfrund, sonder auch aller officia, prelatur und personat verschreiben solt, die auf den selben stift nit anzunemen, das doch durch genanten herren Paulsen in der abrede nit allein mit mir nit geredt, sonder gegen mir nie gedacht worden ist, des ich mich auf herren Paulsen zeuche. Herauf E. kai. Mt. in aller undertanigkeit bitte, dweil auf E. kai. Mt. begeren und herren Paulsen abred ich meinem schweher nit änderst, dan wie gemeldt abred laut, furgehalten und ich deshalben gegen im an der warheit besteen mog, die wollen dem genanten herren Paulsen ernstlich bevelhen und bei im verfuegen lassen, das er unangesöhen des gemelten capituls ungepurend zusacz den Vertragsbrief laut seiner abrede furder- lich aufrichten und fertigen lasse. Das um E. kai. Mt. ich in aller undertanigkeit zu verdienen beger.* Ohne Datum. 1 Hans Paumgartner d. Ae. 2 Jakob Fugger. 3 Das Datum der Einigung läßt sich aus den von mir herangezogenen Archivalien in Augsburg und München niclit feststellen. Sie ist aber sicher während Maximilians Anwesenheit in Augsburg (vom 19. März bis 20. April; vgl. oben S. 193 Anm. 1) erfolgt. Als Entsdiädigung für seinen Verzicht auf das Augsburger Kanonikat sollte Christoph Welser, wie aus seinem Briefe an Peutinger vom 9. Mai (Nr. 121) hervorgeht, auf Lebenszeit eine jährliche Pension von 200 Gld. rh„ davon je 50 aus den Gütern Pauls von Liechtenstein und aus einem kaiserlichen Zoll, erhalten. Der Vergleidi trat übrigens nicht in Kraft; vgl. Nr. 121. 4 Peutingers Bitte entsprechend schrieb der Kaiser am 3. Mai 1513 von Kaufbeuren aus an Paul von Liechtenstein: . . . Als du zwischen dem capilel zu Augspurg und des Welsers son ain abred ains Vertrags aufgericht und gemacht hast, emphellen wir dir mit ernst, das du denselben vertrag, wie du den abgeredt hast, aufrichtest und verfertigest und dich kainer partei auszug darin irren oder verhindern lassest, damit dieselben parteien der Sachen zu end kernen etc. (Augsburg, StA: Welser-Selekt. Abschr.). — Auf Grund des Datums vorstehenden kaiserlichen Befehls läßt sich Peutingers Gesuch, das außerdem die Abreise Maximilians von Augsburg (20. April) voraussetzt, auf Ende April ansetzen. Nr. 119. 1513 Mai 5. 201 119. An Michael Hummelberg. 1513 Mai 5. Augsburg. Antwort auf Nr. 116. Rät, die Romreise auf die kühlere Jahreszeit zu verschieben. Freundschaftsbeweise des Beatus Rhenanus; sein Gedicht auf den schwer erkrankten, inzwischen genesenen Claudius Pius Peutinger. Wimpfeling gegen die Ansicht, daß Paulus verheiratet gewesen sei. Bitte, den Pauluskommentar des Faber Stapulensis für ihn zu kaufen. Manchen, StsB: Cod. Lat.4007 fol.34rf. Abschr. Gedruckt: Lolter-Veith S. 168f. Chuonradus Peutinger Augustanus Michaeli Humel- bergio Ravenspurgensi S. Quod Romam profecturus es, laudo. Vellem tarnen, pro vale- tudine tua autumno vel hieme id potius fieret. Calores enim et maxime nobis Germanis obesse solent; quare boni consule. Noster Beatus Rhenanus (nee solus tuus erit) alteras ad me dedit literas et Latiales atticissantesque. 1 Viden, quid in Claudium Pium filium nostrum luserit: Carmen Beati Rhenani in Claudium Pium Peutingerum Augustanum puerum adversa valetudine laborantem: Tl xl&ov sig (bösTva jioveiv: rX de T&xva tsxeoDcu; Mi] tehoi, d [ieXXoi jimSog Sqüv tidvaror. Accepi ab eo dono Gregorium Turonensem episcopum et Adonem Viennensem. 2 Periucundum profecto est et, ut mihi vere per- suadeo, decori nostro non medioeriter accedit a te et Beato ipso me non solum diligi, sed et amari plurimum. De Pauli coniugio quae ad me scripsisti, Beatus ipse non praeteriit, licet antea me certiorem fecerit Iacobum Wimphelingum subscriptos in adversam sententiam citasse: 3 Franciscum Maronis, 4 1 Nicht erhalten. 1 Gregorii Turonensis Opera etc. Adonis Viennensis Breviarinm chroni- corum de sex mundi aetatibus. Ed. Gull. Parvi Ord. Pr. Parisiis 1512 (Panzer 7 S. 571 Nr. 603). Das von Beatus Rhenanus Peutinger gewidmete Exemplar ist in der Augsburger StB nodi erhalten (Signatur: 2o Gs. Gregorius). 3 Entweder mündlidi oder brieflidi, da sich in Wimpfelings Werken keine einschlägige Stelle findet. 4 Eranciscus Mayronis, O. Fr. M. (f 1325), skotistisdier Theolog, sdirieb einen Kommentar zu den Sentenzen des Petrus Lombardus; vgl. Hurter 2 2 Sp.521ff. 202 Nr - I2 °- 1513 Mai. Antoninum, 1 Liram, 2 Petrum Tarantasianum 3 et divum Hierony- mum prius a Capnione relatum. 4 Quare rogo Fabri locos faber- rime factos et quae in eam rem elucubrasti mittas, et cito. Tuos Stapulanos in Pauli epistolas commentarios nolo. Verum alteros pro me, ut coemantur, curato; quod impendendum erit, diligenter exolvam. Scripsissem plura, sed tabellarius iste acceleratione sua mihi praepedimento fuit. Tu vale. Filius noster, ut spero, sanitati pri- stinae restituetur. Ex Augusta 3. nonas maii anno 1513. 120. Von Michael Hummelberg. {1513 Mal. Ravensburgs Antwort auf Nr. 119. Wird Peutingers freundschaftlichen Rat hinsichtlich der Zeit der Romreise beherzigen. Ist erfreut über, die Genesung des kleinen Claudius Plus Peutinger. Verteidigt gegen den in dieser Frage nicht sachverständigen Wimpfe- ling nochmals die Ansicht, daß Paulus verheiratet gewesen sei. Mündien, StsB: Cod. Lat. 4007 fol. 34 v f. Absdir. (Schluß fehlt). Gedruckt: Lotter-Veith S. 169ff. Michael Humelbergius Ravenspurgensis Chuonrado Peutingero Augustano S. S. Quia scripsi me propediem Romam petiturum, tu vero ne fervescentibus iam illic caloribus id facerem suasisti, immo certe persuasisti, quandoquidem nobis frigidiusculis auris assuetis mul- tum calescentes insalubres existimas. Non floccifacio consilium tuum, nam et expertus optime diiudicas. Laudo sollicitudinem tuam, cui non minus quam mihi valetudo mea curae est, ne quod discrimen incidat. Nota haec amoris est et amiciciae tuae, qua me mutuo amanter diligere et arcta familiaritate complecti non depuduit. 1 Der hl. Antoninus, Erzbisdwf von Florenz (f 1459), sdirieb außer einer Weltdironik eine Summa theologica; vgl. Hurter 2 2 Sp.958f. 2 Nikolaus von Lyra (f 1341), der bedeutendste spätmittelalterliche Bibel- exeget (Postillae perpetuae in Bibliam); vgl. Hurter 2 2 Sp.558ff. 8 Peter von Tarentaise, 0. Pr„ als Papst Innocenz V. (1276), Verfasser eines Kommentars zu den Sentenzen des Petrus Lombardus; vgl. Hurter 2 2 Sp.389f. * Vgl. oben S.SOf. Nr. 120. 1513 Mai. 203 Claudium Piurn filiolum tuum et optimae puellum indolis adversa valetudine laborare ex Graeco Beati nostri Rhenani elegiaco deprehendi et dolenter quidem; in calce vero literarum tuarum convalescere et pristinae restitui sanitati lego et voluptate adficior non parva. Quum enim tibi charus sit, non minus ob spem, quam de se praestat optimam, quam quia filius, etiam mihi, qui te aperto pectore (ut dicitur) ardenter complector, non potest non charus esse eoque in adversis moerorem, in secundis vero laeticiam mihi adferre solet. Delector tibi iucundam esse amiciciam Beati et te mutuiter illum amare. Dignus quippe est, quem effusissime ames. Non haesito, quin liberaliter tibi in amore respondeat. Tale mihi de homine utriusque studiosissimo facile persuadeo. Quod Iacobus Wimphelingius, vir impense quidem doctus et de Germania nostra quam optime meritus meique admodum Studiosus, nonnullorum scriptis seductus Paulum nostrum Tar- sensem, Theocritae filium, sacros non celebrasse hymenaeos as- serere ausit, non miror, quum neque ipse quidem Paulum in Paulo (ut facile auguror) unquam legerit, quem si iam aliquando legeret, profecto palinodiam caneret. Etiam manum non verterim, si pertinax stilum non verterit, sed eadem cantilena perpetuo raucesceret. Neque illum ipsum cum suo illo satellitio pluris quam pulicem elephas lecerim. Hac enim in re lolio victitantes turpiter coecutiunt et andabatarum more pugnant, quicunque nobis ad- versam sententiam defensitant (sed Hieronymum inter hosce non nominarim, cui tarnen in subsequentibus conlectaneis faberrimus Faber faberrime satisfecit). Paulum nimirum in Paulo, id est ea lingua, qua suas epistolas plerasque omnes conscripsit, non viderunt, non legerunt, non cognoverunt. Qui namque id potuis- sent Graecarum literarum studio nunquam dediti, sed huiusce literaturae penitus rüdes et ignari? Cuius si unquam studiosi fuissent, non semper in sole (nisi coeciores talpis fuerint) cal- ligassent, sed nobiscum recte sensissent, nos cum illis immo. Sed quid nobiscum? Immo cum deifero Ignatio, cum casto et sancto demente, qui in primaria illa ecclesia apostolorum comites et cooperatores extitere, immo plus cum ipso Paulo, qui in epistolis suis plus quam semel uxorem suam legitimam aperte signateque appellitat. Quod et superioribus annis Capnion noster et item 204 Nr - 12L 1513 Mai 9 - ego adnotavimus et ad te perscripsimus. 1 Quare caperata se- posita fronte Paulum non inquam in Paulo (quod tarnen, si pos- sunt, maxime velim) neque in ea editione, quam beatus ipse Hieronymus Vulgatam vocitat eiusque interpretem saepiuscule notat, vellicat et ignorantiae accusat, sed Paulum in Fabro fre- quentius lectitent, hoc est: in ea intelligentia et editione, qua nuper nobis (ut par est censere) ovqavödev, caelitus et divinitus, per Fabrum Stapulensem, virum omnis philosophiae cum humanae tum divinae doctissimum, fidelissima, verissima et prorsus sin- caera tralatione nobis tradita est et invulgata. 2 Et revera Fabri commentariis etiam lectis et sane simul intellectis luce pomeri- diana clarius videbunt et edocebuntur, quae hactenus perperam impugnarunt. Quod non modo de Pauli coniugio dixerim, sed et de aliis satis multis, ob quae theologi, si qui sunt, impendio loquaciores multa bella, multa praelia, multas digladiationes apud sententiarum assertorem inconsulte nee minus temere frequenter suseeperunt. Sed hie iam sistere calamum forsitan non malum, ne crabrones in me irritem. Ad ea igitur conlectanea, quae ex Fabri Stapulensis commentariis decerpsi, iam tandem devenia- mus-------------— 121. Von Christoph Weiser. 1513 Mai 9. Rom. Lehnt die in der von Peutinger mit dem Augsburger Domkapitel geschlossenen Einigung vorgesehene Entschädigung für seinen Verzicht 'auf das Kanonikat durch eine aus weltlidien Einkünften stammende jährliche Pension als simonistisch ab und schlägt eine aus dem Ertrage geistlicher Pfründen zu zahlende Entschädigung vor. Augsburg, StA: Welser-Selekt. Reinsdir.; nur Unterschrift und Adresse (Egregio atque praestantissimo viro D. Conrado Peutinger, iur. utr. doctori et sororio suo observandissimo. Augustae) eigenhändig. Salutem plurimam et tui amicissimi servicium et officium. Intelliges, charissime sororie, ubertim ex litteris meis ad te primo aprilis datis, s quo in statu versata erat eatenus Augustensis canoni- 1 S. die Nr. 49 und 98. 2 Vgl. S. 195 Anm. 4. :l Nicht erhalten. Nr. 121. 1513 Mai 9. 205 catus causa. Quae autem ex eo tempore acta sunt, genitor meus tibi ex litteris meis affatim declarabit. Sed de concordia per vos nomine meo cum capitulo inita 1 tecum aliquantulum altius com- mentabor, ut tibi in memoriam reducam hoc pacto litem transigi et canonicatum per me dimitti non posse. Nam si super boni s temporalibus D. Pauli Lichtenstein quinquaginta et super quodam theolonio imperatoris quinquaginta floreni Renenses in annuam pensionem michi assignari debeant et propterea ego meum canonicatum et praebendam ad disposicionem dominorum capituli resignare et ita ab actione cessare, profecto non video, quomodo huiusmodi concordia iure subsistere possit, cum meram sapiat simoniam. Nam sicut et tu, mi charissime sororie, optime nosti, beneficium pro temporalibus bonis vel spirituale pro temporali permutare non licet et simoniacum est. Es folgen längere kano- nistische Ausführungen, in denen der simonistische Charakter der in Augsburg getroffenen Abmachung dargetan wird. Quamobrem, mi D. sororie, amplectanda erit via, qua de summa ducentorum florenorum assecurer. Et quidem melior esse non potest, quam ut pensio huiusmodi annua 200 flor. super fructibus capitularibus ecclesiae Augustensis assignetur auctori- tate Sedis Apostolicae. Ad hoc ergo Tua D ti0 cum genitore meo conabitur. Quodsi capitulum pensionem huiusmodi super dictis fructibus capitularibus assignare noluerit, agant, ut illam aliquis abbas super fructibus mensae abbacialis aut aliquis praepositus alicuius ecclesiae cathedralis, qui pinguem obtineat praeposituram seu aliud beneficium, super praepositurae seu beneficii huiusmodi fructibus reservari per Sedem Apostolicam consentiat. Poterit tarnen aliqua pars pensionis, videlicet quadraginta floreni Renenses, super fructibus meorum canonicatus et praebendae, quas resignabo, constitui, ita ut is michi illos quadraginta florenos praestet, qui canonicatum et praebendam huiusmodi a capitulo obtinebit, et residuum, videlicet 160 floreni, super capituli aut abbaciae vel praepositurae, ut superius dixi, fructibus reservari. Si capitulum nulluni horum amplecti voluerit, non video, quo modo michi consuli poterit. Itaque si assenserint, fac ut ad me mittatur instrumentum procurationis eorum vel abbatis seu prae- positi ad consentiendum in assignationem pensionis huiusmodi. 1 Vgl. Nr. 118. 206 Nr. 122. 1513 Juni 4. Sed si ipsi domini de capitulo instrumentum tale ad suos huc procuratores missuros se promiserint, tandundem erit. Sed de promissione huiusmodi velim facias ad me mitti publicum instrumentum, ut, si promissa non implerent, S m0 D. nostro fidem facere possim de eorum perfidia. Sin vero nichil horum domini de capitulo amplecti velint, age, perhumanissime D. sororie, cum compulsorialibus litteris, prout superioribus paucis elapsis diebus tibi latius scripsi, et michi singula acta cum eisdem ante quintam- decimam mensis iunii diem 1 huc Romain mittantur. Sed si in dictam meam voluntatem domini de capitulo accesserint, compulsorialibus litteris nichil agendum erit. Habes, mi D. sororie, quid in hac causa modo a Tua D ne velim. Cetera ex genitore meo accipe. Et negotium istud meum pro tua erga me singulari amore et benevolentia proque mea erga te observatione cordi habere non dedigneris. Hoc enim beneficio perpetue tibi me obstringes et simul rebus meis quam optime consules. 2 Vale faustissime, mi D. sororie, cum tua conthorali, sorore mea, diu. Ex urbe 9. mensis maii 1513. Egregiae D nis Tuae deditissimus Christoph. Welser, praepositus Ratisponensis, S mi D. nostri camerarius. 122. Von Nikolaus Ellenbog. 1513 Juni 4. Ottobeuren. Bittet, eine griechische Bibel für ihn zu kaufen. Stuttgart. LB: Hist. Hs. 4o Nr. 99 fol. 159'f. Absdir. Ellenbogs. Gedruckt: Zapf S. 149f. Frater Nicolaus Cubitensis Conrado Peutingero legum doctori S. D. Humanissime vir, nisi dudum mihi te operamque tuam lite- rariam omnem pollicitus fuisses, forsan minus audenter inprae- 1 Beginn der römisdien Gerichtsferien; vgl. Nr. 117. 2 Die endgültige Erledigung der Angelegenheit erfolgte durdi Entscheidung Leos X. vom 21. Okt. 1513: Christoph Welser verziditete auf das Augsburger Kanonikat in die Hände des Papstes zugunsten Gregors von Stein gegen eine lebenslänglidie Pension von 212 Gld. rh. aus den Einkünften der Bamberger Dompropstei, die damals im Besitze von Gregors Bruder Marquard von Stein war. Hergenröther, Leonis X. Regesta Nr. 5039. Nr. 123. 1513 Juni 13. 207 sentiarum ad te scriberem. Sed et homini tui studiosissimo et ea, quae bonas literas respiciunt, petenti deesse qui posses? Fidenter itaque ad te, humanissime vir, has exaravi literas, petens, ut inopiae, qua artor, consulere velis. Inter innumeros libros, quos in libraria nostra Otinpurrhana habemus, deest mihi Biblia Graeca, quam habere maximopere affecto. Si itaque me amas, si literarum studioso patrocinari dignum ducis, fac quaeso tantam apud mercatores tuos adhibeas curam, ut brevi mihi contingat dudum desideratus über. Quantumcumque fuerit ex- pendendum aeris, indilate ac probe tibi restituam. 1 Vale bene, integerrime vir. Ex Ottinpurra pridie nonas iunias 1513. 123. An Beatus Rhenanus. 1513 Juni 13. Augsburg. Fordert ihn auf, den Sentenzenkommentar des Paolo Cortese neu herauszugeben. Gedruckt: 1. Paulus Cortesius in Sententias. Basileae Rauricorum .... loannes Frobenius Hammelburgensis imprimebat mense augusto anni 1513. Fol. A 2rf. — 2. Briefweclisel des Beatus Rhenanus. Nr. 33 S. 57f. Chuonradus Peutinger Augustanus Beato Rhenano Selestensi S. D. Non satis aliquando admirari solebam, Beate (qui singulari tua eruditione vere beatus es), homines plaerosque ea insolentia tumentes vel ut dicam potius ignorantiae squallore obtritos, ut, etiamsi disciplinas maximas profiteantur, eloquentiam ipsam odio habeant hancque ut fucatam insectari et devovere nitantur. Adeo omneis, qui propitia, ut aiunt, Minerva 2 bene et Latialiter vel etiam Graece dicere consuevere, quasi abiecto indigno ac etiam turpi nomine poetae inclamant, dilacerant et boatu suo a puerorum institutione ac etiam urbe pellendos putant. Sed proh inscitiae e t facinoris iniuriam! Non omnes etiam non mediocris eruditionis 1 Ellenbogs Bitte hatte keinen Erfolg. Denn am 1. Aug. 1513 sdireibt der Abt Leonh. Widetnann von Ottobeuren an Reuddin: Frater mihi in Domino dilectus Nicolaus Ellenbogius . . . dies noclesque instat, ut Bibliam sibi Grae- cam coömam. Cum vero hactenus venalem nullam invenerim, saltem habere nunc cupit Canticum canticorum in lingua Graeca. Reudilin möge ihm ein solches zur Absdirift leihen. Reuddins Briefwechsel Nr. 162 S. 188. 2 Umkehrung von Horat., Epist. 2, 3, 385. 208 Nr. 123. 1513 Juni 13. poetae sunt nee etiam poetae (de casus loquor) mali sunt, quibus mentem (ut alios christianae religionis viros censores obmittam) Magnus Basilius adhibendam putat, 1 cum virorum excellentium facta aut dieta commemorant. Tunc enim tota mente tnoveri atque inflammari debemus maximeque conari, ut tales ipsi simus quales Uli fuerunt. Verum ad ignavos atque perditos istos homines reditum facio, qui veram ipsam eloquentiam et quam (ruditate sua exiccati) gustaverunt nunquam, mordere, lacerare atque con- fodere Student. Haec tarnen ab eruditis nostris theologis christianae sapientiae semper coniuneta fuit. Paulus enim Cortesius, 2 qui in Sententias scripsit, divum Aurelium Augustinum et Hieronymum quasi limatiori dicendi genere usos accersit. Quare non iniuria etiam apud posteriores theologos (de eruditis loquor) eloquentia ipsa in precio semper fuit, quae rem exornando amplificat et (ut Cicero ait :i ) non solum ad augendum aliquid et tollendum altius dicendo, sed etiam ad extenuandum atque abiieiendum nobis potissimum accedit. Legant rogo isti qui vix nominandi sunt sophistae Dionysium Areopagitam, Florentem Tertullianum, duos Gregorios Nazianzenum et Nyssenum a tuo Conone Nori- montano diligentia tua Latinitate donatum restitutumque, 4 Magnum ipsum Basilium Nysseni fratrem, Origenem Adamantinum, cuius Homilias divus Hieronymus et Contra Celsum Christo impudenter obstrepentem libros sex Christophorus Persona Lätinos fecerunt, 5 Lactantium item Firmianum, Caecilium Cyprianum et Augustinum 1 Anspielung auf die 22. Rede des hl. Basilius „An die Jünglinge, wie sie aus den heidnischen Sdiriften Nutzen sdiöpfen können" (Migne PG 31 Sp. 563—90). a Paolo Cortese (1465—1510) war päpstlidier Sekretär und Protonotar. Vgl. Kirchl. Handlex. 1 Sp. 997; Harter 2* Sp. 1112. 3 Vgl. Cicero, De oratore 3, 104. 4 Divini Gregorii Nysseni episcopi. . . libri octo de homine etc. Latine redditi per loannem Cononem. Argentoraü 1512 ap. Matth.Sdiurerium . . . mense aprili (Panzer 6 S. 55 Nr. 249). Johannes Kuno, O. Pr., einer der Begründer der griediischen Studien in Deutsdiland (vgl. Mähly in: ADB 4 S.439f), hatte diese seine Übersetzung seinem Sdiüler Beatus Rhenanus, der dazu die Anregung gegeben hatte, gewidmet; s. den Widmungsbrief in dessen Briefwedisel, Nr. 25 S. 45ff. '• Die lateinisdie Übersetzung der 8 (nidit 6) Büdier des Origenes Contra Celsum von Christoph. Persona (unter Innocenz VIII. Präfekt der Vatikan. Bibliothek, gest. i486; vgl. Harter 2* Sp. 1029) war 1481 in Rom bei Georg Herold erschienen (Hain * 12078). Nr. 124. 1513 Juli 17. 209 ipsum et Hieronymum, Ambrosium, Rufinum, Leonem quoque pontificem maximum et alios innumeros: hos, ut persuasum habeo, isti videbunt minus barbara Latinitate inquinatos nee etiam sordescentes. Quocirca aetati nostrae, tibi et aliis eruditis, qui politiores et Latinas et Graecas Colitis literas, plurimum est con- gratulandum, tum inprimis Cortesio ipsi, quod sacras literas ab inculta atque temeraria lingua restituerit, hosce audaces homines politioris literaturae hostes adnotaverit, profligaverit atque vicerit, cui et nos et posteri plurimum debemus. Credo modo et hoc adsero firmiter literarum et doctrinae monimenta aliquantulum luci reddita ac ad claritatem pristinam evocata esse. Brevique aetas nostra (Deum optimum maximum ita rogo) perficiat, ut a caliginosa tempestate, ingenti ista socordia putrique barbarie ali- quando et integre liberemur. Quamobrem divinum hoc Pauli Cortesii maximaque philosophia conditum opus feliciter legito atque castigatum diligentissime denuo formis excusum emittito, 1 ut etiam Germanis nobis [et] uti literatis et salutis conservandae virtutis reetam et imaculatam eloquentia ipsa, eius quoque nitor et decor viam ostendat, quod actorum nostrorum gloriam et post fata imortalitatis memoriam consequamur. Vale. Ex AugustaVindelicorum 13.kalendas iulias anno salutis 1513. 124. Von Konrad Mutian. 1513 Juli 17* Gotha. Versichert ihn seiner Verehrung. Gegen Reuchlin soll der Glaubensprozeß eröffnet worden sein. Entrüstung darüber. Gedruckt: 3 /. lllustrium virorum epistolae. Fol. AI'f. — 2. Briefwedisel des Conradus Muliamis Nr. 298 S. 384 f. Cunradus Mutianus decretorum doctor Cunrado Peutingcro Augustano. Nisi angusto temporis spacio saeptus essem, ostenderem tibi, faeundissime iurisconsulte, pluribus verbis plenam pietatis 1 Der Sentenzenkommentar des Paolo Cortese war erstmals 1504 in Rom ersdiienen; vgl. Panzer 8 S.246 Nr. 12. 2 Das im Erstdruck überlieferte Datum 16. sextilis ist in 16. kal. sextilis zu verbessern, wie sidi aus der Antwort Peutingers (Nr. 125) ergibt. 3 Die einzige handsdiriftlidie Überlieferung des Briefes (Clm 4008fol. 18) ist ivertlos, weil Absdirtft J. G. Lotters (gest. 1737) aus den „lllustrium virorum epistolae", hergestellt für seine 1729 ersdiienene Peutinger-Biographie . K ö n ig , Peutingers Briefwechsel 14 210 Nr. 125. 1513 Juli 25. erga te voluntatem. Velim igitur, ut paucis agam, tibi persuadeas me tui esse amantissimum propter ingenii tui dotes et generosam ac multiplicem doctrinam. Quod superest certemus inter nos officiis mutuae charitatis, atque hac praefatione contentus puto me non infirmum ad amiciciam gradum fecisse, si studiorum similitudines conciliant (ut certo conciliant) animos. Salutavi hac hora numen meum, principem doctissimorum Fridericum, delectorem caesaris augusti, 1 et quod ad te daturus erat literas, 2 non potui non aliquid attexere, quamvis triste, quod vel festo die exultantes confunderet. Aiunt et quidem publice Ioannem Reuchlin, virum summo ingenio, singulari doctrina, philosophum praeclaruni, iuris et eloquentiae consultum, de bonis literis optime meritum, postulatum esse divinae laesae maiestatis. 3 Vah, tanti est vilis transfuga Iudaici sanguinis, 1 ut theologorum examen indocto, fallaci, insidioso faveat. Proh Deus immortalis! Levissimus xpe.vöoxQiOTo^vazrjg tantas turbas? tantasne tragoedias? Non feram, quantum in me est, non feram, tametsi probe novi, „quam sit mihi curta supellex", 5 tantum Germaniae lumen in- dicta causa extingui. Quasi vero Ioannes non habeat sententiae suae subscriptores bis mille. Illud a te peto, ut patrocineris pro virili tua viro eruditissimo, qui priscam theologiam et Platonicos renovare pergit. Non ideo Antichristi praeco, non in Christum impius. Licuit in iure civili Flavio scribae, cornicum oculos con- figere, G liceat etiam Ioanni nostro, hanc agyrin tangere, salva salute et facultatibus. Finem dolor facit et iam Degenhardus 7 festinat. Vale. Gothae raptim 16. sextilis anno 1513. 125. An Konrad Mutian. 1513 Juli 25. Augsburg. Antwort auf Nr. 124. Dankt für den erhaltenen Brief. Lob Friedrichs des Weisen. Hat von der Eröffnung des Qlaubens- 1 Kurfürst Friedrich der Weise von Sadisen. 2 Dieser Brief ist nidit erhalten. 3 Das Gerädit war den Tatsadien vorausgeeilt; vgl. die. Antwort Peu- tingers (Nr. 125). Zum „Reudilinschen Streit" vgl. die zusammenfassenden Darstellungen von Janssen-Pastor 2 2 ° S.44ff. und von G. Kawerau in: RE 16 (1905) S. 683ff. 4 Der getaufte Jude Johannes Pfefferkorn. s Persius, Sat. 4, 52. 6 Vgl. Cicero, Or. pro L. Murena c. 11. 7 Degenhard Pfeffinger, Rat Friedridis d. W. Nr. 125. 1513 Juli 25. 211 Prozesses gegen Reuchlin nocfi nichts gehört; teilt mit, was ihm über den Stand des Reuchlinschen Streites bekannt ist. Empfehlenswerte Neuerscheinungen des theologischen Büchermarktes (Cortesius, L.Valla, Faber Stapulensis). Verdienste Reuchtins um die christliche Wissenschaft. Klage über die Streitsucht der Theologen und den Verfall der Theologie. Gedruckt: 1 1. Illustrium virorum epistolae. Fol. Al v — A3 r . — 2. Briefwechsel des Conradus Mutianus Nr. 275 S. 360—63. Chunradus Peutingerus Augustanus Cunrado Mutiano iurisconsulto. Epistola tua ad 16. kal. sextiles data 2 multa nie iucunditate affecit, cum quod elegans et erudita, tum etiam tuum erga me amorem simulque dolorem comunis amici nostri Ioannis Reuchlin Capnionis conceptum a te insinuans. Ego ut tibi amore mutuo respondeam, quid dicam non satis habeo. Amas me non meis meritis, quia tibi nulla impendi, non etiam eruditione mea, quae tenuis admodum; quid tandem? Singularis illa tua est bene- volentia et humanitas, quibus me complecteris. Agnosco pietatem tuam erga me, charitatem, Studium atque fidem. Ago non solnm tibi gratias, sed et referre curabo, cum primum licuerit, et ut cito liceat opto meque tui observandissimum diiudicato. Perscripsit ad me illustrissimus princeps tuus, 3 immo meus, maiestas bene agentium et praecipue eruditorum et numen. Si dudum Germania nostra hos et similes congerminasset flores, consultum fuisset bene et maioribus nostris et etiam posteris. Ex Germanorum enim gestis facile perspiceremus multa, quae decori eorum et exornamento accederent. Haec torpore alias et desidia et incuria obliterata iacent. Capnionem nostrum laesae maiestatis divinae postulatum nondum intellexi.^ Consultationem suam super Hebraeorum libris, an comburendi sint necne, ut nosti, defendit. 5 In eum invectus 1 Zur handsdiriftl. Überlieferung des Briefes in Clin 4008 vgl. oben S.209 Anm.3. 2 Nr. 124. 3 Vgl. S.210 Anm. 2. 4 Reudilins Vorladung durdi den Glaubensinquisitor Jakob Hodistraten erfolgte tatsächlich erst am 9.Sept. 1513;vgl.ReudüinsBriefwedisel,Nr.l72S. 199. 6 Reuchlin hatte sein gegen die von Pfefferkorn geforderte Verbrennung aller Judenbücher gerichtetes Gutaditen vom 6. Okt. 1510 zunächst in seinem -Augenspiegel" (Aug. 1511) und dann nodimals in der Sdirift „Ain clare 14* 212 Nr. 125. 1513 Juli 25. est Arnoldus Tunger, theologus profundissimus et Laurentianae bursae regens Primarius; 1 ita enim se appellat arrogantis tituli vel ut potius dicam petulantis praeter theologorum officium, quo- rum virtus humilitatis nomine a christianis praedicari deberet, et ut Pythagoricorum Academicorumque praeceptione continetur, nunquam vel raro docere, doceri semper velle, iudicium odisse silentiumque amare. Obmitto, quod theologus non lacessitus accusatoris partes et iudicis assumpsit. Si contra Capnionem agendum, in iure et apud suum iudicem concertasset. Refert Ulpianus praetorem edixisse: ne quid infamandi causa fiat; si quis adversus ea fecerit, prout quaeque res erit, animadvertam. Generaliter autem vetuit, ne quid ad infamiam alicuius fiat. 2 Pulchrum erat et iudicio meo necessarium, Capnionem (si modo deliquisset) Arnoldus et complices sui populariter iudici debito denunciavissent, occasio data non fuisset, ut denuo Capnion honori suo consuleret. Sed qua animi sinceritate vel etiam boni theologi officio contra Capnionem pro Iudaeo, christiano novo, inceptum actumque sit, qui legerit scripta formis excusa atque emissa, facile cognoscet. Capnion Arnoldo denuo respondit, lacessitus non solum, sed et coactus. 3 Caesar, ante nuper quam Augustam venisset, Capnionis excusationem perhumaniter, ut solet, audivit et literas, quas inhibitorias appellant, decrevit et, si mihi recte relatum est, iniuria ut omni sublata iure manus consererent. Hae vero an emissae fuerint, nondum compertum habui. 4 Si quid aliter constitutum vel decretum in eum fuisset hactenus, credo intellexissem. 5 Arno, veneror et observo virum summa verstentnus in tlltsdi uff doctor Johannsen Reudilins ratsdilag von den iuden- büchern etc." (März 1512) verteidigt. 1 Arnolds von Tongern Sdirift führt den Titel: Articuli sive propositiones de iudaico favore nitnis suspectae, ex libello teutonico loannis Reudüin etc., erschienen Aug. 1512. » /. 15 § 25 Dig. 47,10. 8 Defensio loannis Reudilin .. . contra calumniatores suos Colonienses, erschienen 1513 bei Th. Anshelm in Tübingen. 4 Reudilin hatte seine Verleidigungssdirift Maximilian persönlich überreicht, als dieser am 10. Juni 1513 in Geislingen weilte (das Datum nadi V. v. Kraus im Arch.f. oesterr. Gesch. 87 [1899] S. 293), und hier ein kaiserl. Mandat erlangt, das beiden Parteien Stillschweigen auferlegte. Vgl. Geiger, Reudilin S.279f. 6 Inzwischen war tatsädilich ein weiterer, Reudilin ungünstiger Sdiritt des Kaisers erfolgt, der Peutinger offenbar noch nidit bekannt war: Maxi- Nr. 125. 1513 Juli 25.- 213 vitae et morum integritate, maxima quoque eruditione praeditum, cui pro facultate mea non deero. Dedi nuper Beato Rhenano et amico et perdocto Paulum Cortesium Romae formis excusum, ut denuo imprimeretur.' Scripsit is in Sententias christianas accuratissime stilo politiori et Latiali. A Gallis vero, quae Laurentius Valla in Testamentum novum annotavit 2 quaeve etiam Iacobus Faber Stapulensis in divi Pauli epistolas commentatus, 3 impressa circumferri solent, profecto iu- dicio meo non vulgaria, sed multae doctrinae et remotioris. Haec scribo, quod Capnionem ipsum philosophum praeclarum, iuris et eloquentiae consultum, commendas. Adde etiam, si velis, theo- logum eloquentem. Opus suum Verbi mirifici 4 et caetera prisca christianae eruditionis monumenta Hebraica atque Graeca 5 pul- cherrimo verborum nitore et sententiarum gravitate, non praecio vel aliquo avariciae studio, sed pietate, qua christianae religioni studet, motus contexuit atque interpretatus est. Utinam philo- sophi, theologi et omnes alii, qui liberalia studia se profiteri dicunt, vocabulis sordidis plebei sermonis fere et sophisticis argumentationibus non necessariis reiectis atque confossis, sen- ticosis captionibus et confragosis abstinerent, bonis et sinceris mentibus agerent et castiganda, si qua essent, pie, fide debita et surnmo iure castigarent, fugerent atque dispuerent bonarum literarum insciciam noctuinam, bene et melius gererentur omnia. Sed sunt homines plaerique in humanas et politiores literas ita male animati, ut philosophiam, humani atque divini iuris sapien- tiam vel alias etiam scientias nee Latine dici nee explicari posse non ob linguae egestatem (licet barbara et non Latina in dies fingant vocabula), cum alias Latialia ad promptum haberent (si modo ea perspicere et cognoscere vellent, vel etiam possent), sed humanas dico literas ut harum ignari doctrinas maiores im- pedire putant. Isti sunt utique furoris et invidiae iacula turbi- dorumque affectuum, ut scribis, fulmina et tonitrua, quibus bonis milian hatte am 9. Juli 1513 von Koblenz aus ein Verbot gegen Reudilins „Defensio" erlassen; Geiger, S.281. • Vgl. Nr. 123. 2 Des Lorenzo Valla „In Latinam Novi Testamenti interpretationem ex collatione Graecorum exemplarium adnotationes" waren schon 1505 in Paris bei Badius Ascensius ersdiienen; vgl. Panzer 7 S. 512 Nr. 108. 3 Vgl. oben S. 195 Anm. 4. 4 Erschienen Basileae 1494 (Hain * 13880). 5 Vgl. darüber Geiger S. 92ff. 214 Mr. 126. 1513 Juli 25. aliquando aversis et perterrefactis soli rerum potiri gliscunt. Ubi illa Hieronymiana, Ambrosiana atque Aureliana eruditio? Quis ex istis Hilarium Pictavorum episcopum, Leonem pontificem maximum, Cyprianum martyrem, Lactantium Firmianum, Florentem Tertullianum, Aurelium Prudentium, Prosperum Aquitanicum, Ioannem Damascenum, Caelium Sedulium, Iuvencum Hispanum, Aratorem subdiaconem, Servium Sulpitium, Gregorios utrosque Nazianzenum et Nyssenum, Basilium, Athanasium, Origenem Adamantinum vel, ut de nostris dicam Mirandulanis comitibus, Iohannes duos Picum et Franciscum, eius ex fratre nepotem, Marsilium Ficinum vel alium quemvis politioris literaturae theo- logum imitabitur? Pauci, suspicor. Prisca illa christiana eruditio quasi semper eloquentiam ipsam cum divina illa sapientia con- iunctam habere voluit. Sed longior apud te sum virum eruditum, non solum de bonis literis, sed et iuris humani atque divini scientia bene meri- tum et vitae dexteritate accumulatim exornatum. Capnioni de tua in eum humanitate rescribam et cito. Spero nunc tibi et merito gratificari. Ulustrissimo nostro principi duci Friderico et vere nobili comunique patrono nostro Degenhardo Pfeffinger humi- liter me et a servitio commendes. Vale amicorum optime. Ex Augusta Vindelicorum 8. kal. sextiles anno 1513. 126. An Georg Spalatin. 1513 Juli 25. Augsburg. Bedauert, daß seine Antworten auf Spalatlns zwei Briefe diesen nicht erreidit haben. Die Grabschrift Kaiser Ottos 111. Im Augburger Dom. Besitzt die vom Kurfürsten Friedrich d. W. gewünschten Lebensbeschreibungen der sächslsdien Kaiser und Ihrer nächsten Verwandten nicht in fertiger Ausarbeitung, sondern nur den zerstreuten Stoff dafür in seiner Sammlung mittelalterlicher Geschichtschreiber (Aufzählung), die er weder abschreiben lassen noch versenden kann. Mitteilungen über Herzog Liutolf, den Sohn Ottos d. Gr., nach der Chronik Hermanns von Relchenau. Übersendet leihweise eine Handschrift des Galfried von Monmouth. Gedruckt: J. Fr. Hekelius, Manipulus pritnus epistolarum singularium (Plaviae Variscorum 1695) S. 5—10. Nr. 126. 1513 Juli 25. 215 Praestantissimo bonarum artium professori Georgio Spalatino, ducali consiliario etc., praeceptori et amico observando S. P. D. Chuonradus Peutinger Augustanus. Litteris tuis ad 3. id. iunii scriptis mihique 8. kal. sextiles redditis 1 plurimum delectatus sum, cum quod elegantis et po- litioris litteraturae, tum quod admonuerunt veteris tuae optimae consuetudinis, cuius repetita memoria mihi plurimum grata fuit eaque gratior, quod nee sperassem, ut amicitiae diu intermissae aliquem a te fruetum consecutus essem. Hoc tarnen inprimis fateor me a te trinas antea habuisse litteras, 1 quas ut a ad eru- ditorum monumenta (ut apud me sunt) observo, sie etiam non solum lepidissime, sed et tua humanitate maxima exhortatus ipsas denuo legi. His, crede mihi, bis respondi. 2 Sed quod nostrae litterae tibi redditae non sunt, doleo, qui etsi in litteris dandis propter oecupationes non medioeres tardior admodum sum, te tarnen et quemeumque alium eruditum non soleo praeterire litteris etiam meis non satis comptis. Tibi vero, cui bene esse cupio, quod apud illustrissimum prineipem nostrum 3 es, congratulor, eum seil, iustitia, fide et humanitate praeditum et eruditorum, ut vere scribis, patronum munificentissimum, cui devotus semper fui et ero. Mea utinam voluntate obsequentissima frui posset et commode. Laudas non medioeriter inscriptionem illam imp. caes. Ottonis aug. III. Gaudeo me in studiosorum antiquitatis ordinem a te relatum, qui etsi, ut verum dicam, ex inscitiae b tenebris pedem aliquando moverim, promovi vero nihil aut parum. Laudatio tarnen tua, uteunque ex amore proficiscens, in vota nostra est reeepta. Canonici vero plerique, apud quos prineipis nostri factum hoc egeram, quod inscriptio illa sepulchralis, ut obscura, dilueida reddi deberet, cavillati sunt, qui etsi iudices harum rerum esse non possunt, Momi personam tunc indutos subaudivi. Nos tarnen aliquid et modicum in ea prineipis nostri iussu expunximus. 4 a et Erstdruck. b iustitiae Erstdruck. 1 Nicht erhalten. 2 Diese offenbar verloren gegangenen Briefe sind audi im Entwurf nidit erhalten. 3 Kurf. Friedrich der Weise von Sachsen. 4 Das Vorstehende bezieht sidi auf eine Marmorinschrift an einem Pfeiler im nordwestl. Teile des Augsburger Domes. Sie meldet, daß die Eingeweide 216 Nr. 126. 1513 Juli 25. Sed forte me Momum esse dicis. Is enim, Venerem cum non posset, sandalium eius culpaverat. Petit illustrissimus prin- ceps noster, immo tuus, vitas caesarum Ottonum, et Magni filii et nepotis," Luitolfi, 1 Ottonis 2 et Hermanni, 8 item Gregorii V. pontificis maximi, divi etiam caesaris Henrici II. et coniugis eius a nepotum Erstdruck. K- Ottos III. hier beigesetzt sind und daß Kurf. Friedridi III. von Sadisen am IL Mai 1513 die Anfertigung des Denkmals zu Ehren seines Vorfahren veranlaßt hat. Aus unserm Briefe (wie auch aus Nr. 131) geht hervor, daß die Abfassung des Wortlautes und die Sorge für die Aufstellung des Epitaphs Peutinger übertragen worden war. Im Clm 4029 fol. 206 hat er ihren Wortlaut (veröffentlicht bei Khamm, Hierarchia Augustana 1 S. 159f.) verzeichnet mit dem Zusatz: Illud epitaphium hortante Friderico, duce Saxoniae, ego edidi. Das Denkmal sollte eine ältere in den Fußboden des Domes eingelassene, von Bischof Joh. v. Werdenberg 1480 erneuerte Inschrift ersetzen, in der das Todesjahr Ottos III. irrig mit 1011 angegeben war. Peutinger hatte diese ältere Inschrift auch in den Entwurf seines Kaiserbuches (Augsburg, StB cod. 2° 145A, fol. 67'[) aufgenommen, nachdem er aber den Irrtum in der Jahresangabe gemerkt hatte, in einem Zusatz zum Texte der Darstellung des Lebens Ottos III. hierauf aufmerksam gemacht (ebd. fol. 66 v ). Später hat er die Inschrift gestrichen — wohl nachdem die neue angebracht war —, so daß sie in der Reinschrift des Kaiserbuchs (Augsburg, StB cod. 2o 145B) fehlt. Wahrscheinlich ist es auch Peutinger gewesen, der dem Kurf. Friedrich gelegentlich seiner Anwesenheit in Augsburg im Mai 1513 die Anregung gegeben hat, die fehlerhafte ältere Inschrift durch eine neue zu ersetzen. — Zum Inhalt der Inschrift ist zu bemerken, daß die Eingeweide Ottos III. tatsächlich nicht in der Domkirche, sondern in der Klosterkirche von St. Ulrich und Afra beigesetzt worden sind: vgl. Thietmar von Merse- berg 4, 31 (MGH, SS. 3 S. 782). In Augsburg war aber im 15. Jahrh. wohl nur die allgemeine Tatsache bekannt, daß des Kaisers Eingeweide in Augsburg ihre Ruhestätte gefunden hatten (vgl. etwa die Angabe in der Chronik Hermanns von Reichenau, MÜH, SS. 5 S. 118: Intestinis Augustae conditis Aquis- grani sepelitur), und so glaubte man sich daraufhin zu der Annahme berechtigt, daß dazu die vornehmste Kirche der Stadt, der Dom, ausersehen worden sei. Erst bei PI. Braun, Die Domkirche (in Augsburg} und der hohe und niedere Clerus an derselben (1829) S. 63 ist gelegentlich der Beschreibung des Epitaphs der Irrtum berichtigt. — Friedrich d. W. hat übrigens im gleichen Jahre 1513 auch im Aachener Münster, wo der Körper Ottos III. beigesetzt worden ist, ein Marmordenkmal anbringen lassen, das während der Franzosenherrschaft i. J. 1803 beseitigt worden ist; vgl. M. Manitius, Deutsche Geschichte unter den sädisischen und salisdien Kaisern (1899) S.246. 1 Sohn Ottos 1. J Sohn Liulo/fs. '■' Herzog von Sdiwaben f 948. Nr. 126. 1513 Juli 25. 217 Kunegundis augustae. 1 Verum has et gesta eorum non accumulatim concinnata, 2 sed undique sparsim collecta habeo et ultra autores hactenus formis excusos, quorum veterum et recentiorum mihi magnus est numerus, mea diligentia et etiam non mediocri im- pensa exscribi mihi curavi Reginonem abbatem Prumensem, 3 Ottonem Frisingensem i et Luitprandum Ticinensem 0 episcopos, apud quos Saxones Uli tui, ut res fert, haberi solent, quorum etiam meminit Procopius de Gothico bello, (! Gregorius Turonensis episcopus et Atto in breviario suo, nuper a Gallia mihi trans- misso. 7 Habeo praeterea Pauli Diaconi Foroiuliensis, Warne- fridi filii, rerum Langobardicarum libros sex, Iornandis item librum de bello Gothico 8 et alios plerosque, qui de Germanis septentrionalibus, veris Nortmannis, plura scripserunt. Haec omnia non sine impensa magna et tempore etiam longo exscribi pos- sent, nee etiam commode eosdem (si modo non habes) ad te vel alios transmittendos puto, thesaurum meum rerum Germani- carum, quem hactenus ab annis viginti collegi. Quos si ob viarum 1 für die im Auftrage des Kurfürsten von Spalatin zu bearbeitende Ge- sdndite der Wettiner, die allerdings nie vollendet worden ist; vgl. G. Müller, ADB 35 (1893) S.23, ferner unten Nr. 141 f. 2 Die betreffenden Abschnitte in Peutingers Kaiserbudi waren nodi unvollendet. 8 Heute in London, Brit. Museum, Cod. Harleianus 3676; vgl. über die Handsdirift F. Kurze in der Sduüausgabe des Regino S. XIII f. und im Neuen Archiv 15 (1890) S. 390. 4 Heute in St. Paul in Kärnten, Cod. no.XIX c\74; vgl. dazu A. Hofmeister in der Schulausgabe der Chronik Ottos von Freising S.XLVff. und B. v. Simson im Neuen Archiv 36 (1911) S. 683ff.; auch König S. 157. '- Heute im Brit. Museum in London, Cod. Harleianus 3685; vgl. dazu .!. Becker, Textgesdiidite Liudprands von Cremona (1908) S. 12 u. 24. ■ Diese Hs. hat Peutinger später Beatus Rhenanus für seine Prokop- ausgabe von 1531 zur Verfügung gestellt; vgl. Briefwedisel des Beatus Rhenanus Nr. 282 S. 404. Sie ist heute verschollen. ' Vgl. Nr. 119. 8 Diese Hss. hat Peutinger seiner Ausgabe des Jordanis und des Paulus Diaconus (Augsburg, bei Joh. Miller 1515; vgl. Panzer 6 S.143 Nr. 81) zugrunde gelegt. Sie sind heute versdiollen. Die Jordaneshs. muß aus einer Vorlage abgesdirieben worden sein, die nach Mommsen (MGH, Auct. ant. 5 S.LIXf.) dem Cod. Rhedigeranus repos. n. 106 der Breslauer StB, früher in Köln, nahegestanden hat. Die Paulushs. scheint eine Absdirift des Cod. Vindo- bonensis Nr. 443 (vorher in Sdüoß Ambras) gewesen zu sein; vgl. G. Wailz in der Schulausgabe des Paulus Diaconus S.25. 218 Nr. 126. 1513 Juli 25. pericula vel aquarum molestiam amitterem, tota mea opera ac quasi harum rerum gloria perderetur. Pauper quid tunc agendum, non satis perspicerem. Aliqua de Luitolfo subiungam, quae tarnen te latere non credo. Anno salutis 48. super 900. caesar Otto Magnus filium suurn Luitolfum Hermanno principe defuncto Suevorum ducem declaravit. Is deinde ad annum 5. patri rebellans ad Hilerum, Sueviae flumen, villam quoque Tirssen acie utriusque iam in- structa patri pugna congredi volebat. Verum divus Udalricus Augustensis et Hartpertus Curiensis ecclesiae episcopi bello in- fecto Luitolfo ipsi parentis gratiam impetraverunt. Luitolfus pro patre Italiam deinde concedens Berengario profligato, eius quoque filio capto Italiae regno potitus est, tandem Plombini Ottone filio relicto morte immatura occubuit; Moguntiacum delatus eo loci conditus iacet. Ottoni, cum infans esset, Burchardus in Sueviae ducatu subrogatur. Is, quod Italia denue rebellaverat, Adelberto fugato et Guidone fratre eius occiso Italiam ipsam Ottoni caesari iterum pacatam" reddidit. Anno deinde 65. supra 900. mortem obivit et Augiae, in insula Rhenana, est sepultus. Otto tunc, Luitolfi filius, paterno ducatui restituitur; et quod Heinricus, Magni Ottonis ex fratre Heinrico nepos, tum b quoque caesaris Heinrici augusti II. pater, cum Heinrico Augustensium episcopo a caesare Ottone II. defecerat, ducatui eius Baioarico (quod tenebat) substituitur, sed Ottone, Sueviae et Baioariae duce, mortuo Heinricus idem Baioaricum denuo recipit, Suevis vero Chuonradus dux dicitur. Haec ex Hermanno Veringiorum comite congessimus. 1 Gregorius vero Turonensis regum quorundam Thuringorum me- minit. 2 Sed de his alias. Galfredus de rebus Britanniae ad te vadit, eo pacto, ut redeat, quem velim remittas; aliud quidem exemplar non habeo. 3 Verum ut semel finem faciam, te colo et observo meque tui deditissimum diiudicato et principi nostro liberalissimo humiliter me commenda. Ex Augusta Vindelicorum 8. kal. sextilis anno salutis 1513. a paratam Erstdruck. b dum Erstdruck. 1 Vgl. MGH, SS. 5 S. 114 ff. 2 Gregorius Turonensis, Hist. Erancorum 3, 4. 1 Von der Historia Britannica des Galfridus Monmutensis war 1508 in Paris bei Badius Ascensius „cura et impendio magistri luonis Cavellati" eine ________ Nr. 127. 1513 August 19. Nr. 128. 1513 August 19. 219 127. Von Bürgermeister und Rat 1513 August 19. (Ravensburg.} der Stadt Ravensburg. Übersenden im Namen der Herren Wilhelm und Georg von Waldburg und in ihrem eigenen für erteilte ratschlag, so E. W. Irn Gnaden und uns Altdorffer walds halb gemacht hat, in ainer vererung und gedächtnus ain vergult Silbergeschirr durch den Stadtboten. 1 Dat. fritags vor Bartlomei anno etc. 13. Augsburg, StA: Peutinger. Ursctir. 128. Von Bürgermeister und Rat 1513 August 19. (Ravensburg.} der Stadt Ravensburg. Fragen um Rat, ob sie in einem Rechtsstreit mit dem Abte "von Weingarten 2 als Obmann den ihnen vorgeschlagenen Dr. Lam- parter, kanzler zu Wirtemberg 3 oder den von ihnen aucli in Aussicht genommenen Dr. Craften, pfarrer zu Ulm * annehmen sollen. Dat. fritags vor Bartlomei anno etc. 13. Augsburg, StA: Peutinger. Ursdir. erste Druckausgabe erschienen (Panzer 7 S.531 Nr. 266). Das von Peutinger an Spalatin gesandte Exemplar war aber eine Hs.: vgl. folgende, von A. F. v. Oefele einem seiner Bacher entnommene Randbemerkung: Galfridus Mone- mutensis. Eius historiam Britannicam habui manuscriptam, sed misi ad ducem Saxoniac. München, Staatsbibliothek: Oefeleana:Peutingeriana s. v. Galfridus. 1 Am 22. Aug. sendet Peutinger sowohl an Wilh. und Georg Trudisessen und Freiherren v. Waldburg wie auch an Bürgermeister und Rat der Stadt Ravensburg gleidüautende kurze Danksdireiben für das ihm zuteil gewordene Gesdienk: Augsburg, StA: Peutinger. Entw. Zu Ravensburg stand Peutinger, wie ich einer gütigen Mitteilung von Herrn Geheimrat Aloys Sdiulte entnehme, ähnlidi wie zu Nördlingen (vgl. oben S.23 Anm.2) im Verhältnis eines festbesoldeten ständigen Reditsberaters. Ein umfangreiches Gutachten von ihm über die Ravensburger Reidissteuer a. d. J. 1522 ist erhalten in einem Ravensburger Kopialbudi des StsA in Stuttgart. 2 Hartmann von Knöringen-Burgau (1491 — 1520). 3 Über Dr. Gregor Lamparter, der auch Rat Kaiser Maximilians war and 1516ganz in Habsburgisdie Dienste trat, vgl. v. Alberti in: ADB17 S.479. * Dr. iur. Ulrich Kraft, seit 1501 Pfarrer zu Ulm, war vorher (1495 ff.) Professor der Redite an der Universität Basel gewesen; vgl. R. Stintzing, Gesch. d. deutschen Rechtswiss. 1 (1880) S. 35. 220 Nr. 129. 1513 Aug. 19. Nr. 130. 1513 Aug. 22. Nr. 131. 1513 Sept. 1. 129. Von Bürgermeister und Rat 1513 August 19. (.Ravensburg.} der Stadt Ravensburg. Teilen mit, daß kürzlich Augsburger Kneclite auf der Durchreise nach Zürich (Zurch) den Ravensburger Bürgermeister gebeten hätten, ihnen ein Roß zu leihen, worauf man ihnen, weil die beiden einzigen zur Verfügung stehenden Reitpferde anderweitig dringend benötigt worden seien, ein Wagenpferd gegeben habe, mit dem sie weitergeritten seien. Auf der Rückkehr hätten sie in der Herberge unschickliche Reden geführt, als sei ihnen das erbetene Roß versagt worden, worüber sie in Augsburg berichten würden. Falls die Knechte dies getan haben sollten, möge Peutinger den Ravensburger Bürgermeister auf Grund vorstehender Aufklärung rechtfertigen, Dat. fritags vor Bartlomei anno etc. 13. Augsburg, StA: Peutinger. Ursdir. 130. An Bürgermeister und Rat 1513 August 22. (Augsburg.) der Stadt Ravensburg. Antwort auf Nr. 127 — 29: Dankt für das ihm verehrte Silbergeschirr. 1 Rät, Dr. Lamparter als Obmann zu wählen* Die reisigen Knechte, die übrigens damals nicht in Diensten Augsburgs, sondern in denen des Kaisers gestanden hätten, hätten die Ravensburger nicht verklagt; auch würde man ihnen in diesem Falle nic/it ohne weiteres Glauben gesdienkt haben.'* Dat. auf 22. tag augusti anno etc. 13. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. 131. An Kurfürst Friedrich 1513 September 1. (Augsburg.) von Sachsen. Der Denkstein für Otto 111. im Augsburger Dom. Bericht über den Sieg Kaiser Maximilians und Heinrichs VIII. von England über die Franzosen bei Guinegate und die Einnahme von Therouanne. Auszug der Eidgenossen nach dem Herzogtum Burgund. 1 Vgl. Nr. 127. J Vgl. Nr. 128. » Vgl. Nr. 129. Nr. 131. 1513 September 1. 221 Weimar, Emestinisdtes Gesamtardiiv: Reg.O 31? fol. 1 — 2. Reinschr. von Sdireiberhand. — Adr.: Dem durchleuchtigisten hochgebornen fursten und herren, herren Friderichen, herzogen zu Sachsen, landgraven in Duringen, marggraven zu Meussen, des hl. Ro. reichs erzmarschalk, churfursten und stat- halter general etc., meinem gnedigisten herren. Durchleuchtigister hochgeborner churfurst, gnedigister herre etc. E. churf. G. habe ich bei kurz verschinen tagen des steins halben, der mit schritt fursehen und zu kaiser Otto des dritten begrebtnus zu Augspurg in tumbstift gelegt werden, 1 undertänig- Hch geschriben, verhoffende, sollichs E. churf. G. vor etlichen tagen geantwurt sein solle. 2 Und dweil ich für und für in ubung bin, die selb arbait zu furdern, so hat sich doch diser zeit nit weiters notturftigs zu schreiben zugetragen. Demnach an vorigen schreiben erwinde, und wiewol ich acht, E. churf. G. die neue und glückliche wolfar, so Ro. kais. Mt., unserm allergnedigisten herren, zugestanden ist, angezaigt sein möcht, so hab ich doch aus dienstlicher undertänigkait E. churf. G. mit diser schrift auch wellen berichten, 3 und nemblich, das auf 9. tag verschinen monats augusti zu kais. Mt. der konig von Engenland zwischen der stat Arey 4 und dem englischen höre, so hievor Teruanna in Bicardia 5 belegert hat, komen, sich da- selbs erbuetlicher benaigung erzaigt, dagegen kais. Mt. sich in ganz guter fruntschaft auch merken lassen und vil artlich und tapfer vererung von dem englischen konig angenomen, und nachmalen S. Mt. bedeucht, die furgenomen belegerung vor Teruanna zu verendern und über das wasser daselbs 6 zu verrücken, als bescheen ist. In dem haben die Frantzosen geraisig, als man schreibt, bei zehen tausent stark, wol gerist, mit dreizehen großen fliegenden pannern kais. Mt. und konigs von Engenland höre 1 Vgl. S. 215 Anm. 4. 2 Der Brief ist nicht erhalten. 3 Vgl. zum Folgenden W. Busdi, Englands Kriege i. J. 1513: Guinegate und Flodden. 1, 2: Die Belagerung Therouannes und die Sporensdiladit bei Guinegate, in: Hist. Vierteljahrssdir. 13 (1910) S.17—32; die hier auf S.27 bis 29 gebotene ersdiöpfende Darstellung der Sdüadit läßt es als überflüssig erscheinen, den ungenauen und von Irrtümern nidit freien Beridit Peutingers im einzelnen zu ergänzen und zu beriditigen. 4 Aire (Dep. Pas de Calais). Die Begegnung der Herrscher fand tai- sädüidi am 10. Aug. statt: vgl. Busdi S. 23. '■' Therouanne (w. von Aire) liegt tatsädüidi im Artois. 6 Die Lys. 222 Nr. 131. 1513 September 1. wellen besichtigen, das kais. Mt. gewar worden und auf den 16. tag des bemelten monats augusti über si auf ain hohin ain tausent Burgundier zu roß geschickt, den von Frantzosen so nottrang beschehen, das si sollichs hinder sich in das höre entpotten, aber aus gluck das frantzosisch geschütze, so auf sie gericht, zu hoch und den Burgundier on schaden übergangen. Auf sollich zu entpieten kais. Mt. tausent und fünfzig teutsch geraisige zu roß den Burgundiern zu hilf verordnet und inen bevolhen, so dieselben Burgundier den Frantzosen under äugen ziehen, sollen si, die Teutschen, die Frantzosen auf der seiten angreifen und kain anders tun; als auch volzogen. Auf das die Frantzosen in die flucht komen sein, durch die dazumal den Teutschen und Burgundier der sig mit der hilf Gotes zugestanden, also das aus den Frantzosen von namhaften, so man dazemal erfaren hat, tod beliben sein sollen x der bastart von Vandegina, 2 der herr von Preins, 3 oberster stathalter general des konigs, oder derselb vielleicht auf den tod gewunt, ob den hundert edel und hartschier. Ain edelman under dem von Bergen hat den herren von Pelißa 4 gefangen und von im genomen sein schwert und hentschuch; aber er ist danocht davon gewichen. Sonst sein gefangen worden der herzog von Longavilla, der ain margrave ist von Rötel; 5 ain haubtman über hundert edel, die des konigs von Frankreich leib verwart haben, zwanzig edel aus den selben hunderten, der 1 Die folgende Aufzählung der namhaftesten Gefallenen und Gefangenen stimmt weitgehend überein mit der in dem besten bisher bekannten deutsdien Sdiladitbericht: „Newe gezeytung aus Ro. kais. Mt. und des konigs von Engel- lant here von Terebona in Biciikardia" (E. Weller, Die ersten deutsdien Zeitungen [Bibl. d. Lit. Ver. 111] S. 27f.). Der Nadiweis der in Peutingers Aufzählung genannten Persönlidikeiten wurde bei der starken Verderbnis der Namensformen nur soweit durchgeführt, als sie audi in den französisdien und englischen Sdilachtberiditen genannt sind. 2 Die „Newe gezeytung" schreibt Vandongna. 3 Die Chronique de Bayard (Budion, Coli, de chroniques 9 S. 104) nennt ihn seigneur de Pyennes, lieutenant general du roi; ebenso die Memoires de Fleurange (ebd. S.251). 4 Jacques de Chabannes, seigneur de la Palice, einer der bedeutendsten französisdien Heerführer unter Ludwig XII. und Franz I.; vgl. Chron. de Bayard a. a. O. 5 Louis d'Orleans, Herzog von Longueville, Graf von Dunois und Markgraf von Röteln (f 1516). Nr. 131. 1513 September 1. 223 hofmaister des von Rötels, der herr von Claremont, 1 des konigs viceamerall und hauptman über des von Angelem 2 volk, des von Angelem fendtrich, der herr von Fayegeta, 3 stathalter über des herzogen von Lansen kriegsvolk, der herr von Hubrekort, 4 hauptman über hundert lanzen, der herr von Wussy, 5 Wayart, 6 haubt- man über vierhundert lanzen und stathalter des herren von Moy, der herre von Bry, ain Normandier, haubtman über fünfzig lanzen, der fendtrich des marschalks von Armeniac 7 über fünfzig lanzen, der fenderich grave Galeacien von santSeverin 8 über hundert lanzen, der fenderich des herren von Framesole. n Mer sein aus den bemelten pandiern erobert worden neun fanen. Also darnach auf 22. tag augusti haben die zu Teruanna aus hunger die stat geben in der gestalt, das si mit iren leiben räumen und der selben stat und gutz halben, so daselbs ist zu handeln, steen sol zu kais. Mt. und dem konig von Engenland. Auf das haben kais. Mt. und der englisch konig furgenomen, den feindten zu ziehen. So sein die Aidgenossen auf 19. tag des bemelten monats augusti auch ausgezogen und, als man sagt, auf dreißigtausend stark. 1 " Vermeint man, beide höre, wa si mögen, zusamen rucken werden; soferr das beschehen, so were es umb die cron von Frankreich getan. Das alles, wie mir sollichs zum tail zugeschriben und zum tail gehört hab, E. churf. G. nit hab wellen verhalten etc. Dat. auf l.tag septembris anno etc. terciodecimo. E. churf. G. undertäniger Chuonrat Peutinger doctor. 1 Rene de Clairemont; vgl. den Beridit bei Bremer, Letters and papers foreign and domestic of the reign of Henry VIII Nr. 4402. 2 Angouleme. 3 Die „Newe gezeylung" sdircibt Vaygcta. 4 Die „Newe gezeytung" schreibt Anykort. 6 Nach den Mim. de Fleurange (a. a. O. S. 252): monsieur de Bussy d'Amboise. 6 Der berühmte Ritter Bayard. 7 Armagnac. B Vgl. oben S. 23 Anm. 1. 0 Nadi den Mem. de Fleurange (a. a. O. S.251): Robinct de Frameselle. 10 Über den Zug der Eidgenossen gegen Dijon und sein unrilhmlidics Ende vgl. Dierauer 2* S. 494 ff. 224 Nr. 132. 1513 September 30. 132. An Michael Hammelberg. 1513 September 30. Augsburg. Neuerwerbungen für seine Bibliothek. Naclirichten vom französischen und engliscfien Kriegsschauplatz. Bevorstehende Gesandtschaftsreise zum Kaiser. München, StsB: Cod. Lat.4007 fol.50r. Absein: Gedruckt: Lotter-Veith S. 174. Chuonradus Peutinger Augustanus Michaeli Humelbergio Ravenspurgensi S. Quae Zelymus Turcarum imperator perpetravit, a te edoctus sum atque exeripsi. Exemplum tuum remitto gratiasque ago. 1 Quod tarn diu siluisti, non satis scio; putabam te Romam se- cessisse. 2 Laurentium Vallam in Novum Testamentum a et in Pauli epistolas Fabrum 1 tuum coemptos habui; placet uterque; sacras literas expoliunt. Paulum Cortesium, quod Latialiter in Sententias scripserit, Beato Rhenano ut petivit transmisi, 5 quem in dies denuo impressum emittet, 6 opus eruditum et elegans. Teruana in Morinis capta, Tornacum se dedit, obsidetur Bolonia non longe ab Oceano Sita. 7 Turres LXXXVIII cum uni- verso muro Teruanae solo aequatae sunt. 8 Scotorum rex in Angli- cum irrupit, sed ab Anglis victus et caesus periit; 9 desiderati 1 Der Ausdruck „exemplum" läßt darauf sdiließen, daß es sidi wohl um eine handschriftliche „Briefzeitung" über die Taten Sultan Selims I. handelt, der im Jahre vorher seinen Vater Bajazet 11. vom Throne gestoßen hatte. Audi seine Pariser Freunde lac. Faber Stapulensis und lodocus Badius Ascensius versorgte Hummelberg im März 1514 mit Nadiriditen über den lürkisdien Herrsdier; vgl. Horawitz SB Wien 86 (1877) S. 260f. Über den Sieg Selims I. über Ismail Sofi vom 27. Aug. 1514 finden sich vier Briefzeitungen in der aus Peutingers Besitz stammenden Mist. Tis. 2° 243 (fol. 37 bis 42) der Stuttgarter LB. " Vgl. die Nr. 115 f. und 119. 3 Vgl. S.213 Anm.1. 4 Vgl. S.195 Anm.4. « Vgl. Nr. 123. 6 Die Widmungsepistel des Beatus Rhenanus an die sincaerioris litcra- turae Studiosi vor seiner Ausgabe des Paulus Cortesius (Panzer 6 S. 190 Nr. 114) ist vom 13. Aug. 1513; vgl. Briefwedisel des B. Rh. Nr. 35 S.59ff. " Über die Einnahme von Thirouanne (23. Aug.; vgl. Nr. 131) und Tournai (24. Sept.) vgl. W.Busdi a. S.221 Antn.3 genannten Orte S.36ff. 8 Über die Schleifung der starken Befestigungen von Therouanne berichtet auch Lukas Rem, der kurz danach die Stadt besudite, in seinem Tagebuche (26. Jahresber. d. Hist. Ver. f. Sdiwaben [1861j S.17). 9 Über den Sieg der Engländer über Jakob IV. von Schotttand bei Ftodden am 9. Sept. 1.513 vgl. Busch a. a. O. S. 351 ff. ______________________ Nr. 133. 1513 Oktober 5. _____________ 225 sunt ex Scotis XV milia, Anglorum X milia. Pro christiani sanguinis iacturam! Designatus sum ad caesarem pro Confoederatis nostris orator, l sed an ire velim, ex animi sententia nondum constitui, quod iter longum atque non satis tutum. ° Missus est mihi Dialogus Luciani de philosophorum con- vivio; 2 nunc ad te misissem, sed alius modo commodato habet. Coniunx et filius te salvum Optant. Vale ex Augusta pridie kal. octobres 1513. 133. An Kaiser Maximilian. 1513 Oktober 5. (Augsburg.} Römische Münzen und eine in Gänzburg gefundene Inschrift. Der Druck der Folioausgabe des „Gebetbuclies" durcli Schönsperger ist noch nicht beendet; Fortgang der Arbeiten an den Holzschnittbildern für den Theuerdank. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. Gedruckt: Buff Nr. 8597. Vor verschiner zeit ist von E. kais. G. mir ain brieve zu- komen 3 mitsambt sechs kupferin alten pfenningen, auch einer schrift, so an einem stein zu Ginsburg steen soll, 4 und lut derselben E. Mt. bevelh gemeldt pfennig zu andern ir zugehörig gelegt; aber die gemelt schrift ist mangelhaftig und caduc, also mir nit möglich ist, die zu lesen, doch neben sorg trag, das mangel am stein und abschreiben erschein; aber so zu E. Mt. ich selbs personlich kome, als ich hoff bald beschehen soll, 5 die in aller undertanigkeit furter berichten will. Nachvolgend ist ain E. kais. Mt. brieve, des datum stat zu 1 Peutinger sollte als Vertreter des Sdiwäbisdien Bundes mit dem Kaiser über das Vorgehen gegen den Landfriedensbredier Götz von Berlidiingen verhandeln; vgl. Klüpfel 2 S.73ff. Von dieser Gesandtsdiaftsreise sind Nr. 134 und 136 geschrieben. 2 Gemeint ist: Luciani Convivium seu Lapilhae lo. Mar. Cataneo inter- prete. S. I. et a. (wohl kurz vorher in Italien [Rom?} ersdiienen). Peutingers Exemplar ist erhalten in dem Sammelbande der Mündiener Staatsbibliothek »4° A. gr. b. 1129". 3 Nicht erhalten. 4 Vielleidit Corp. Inscr. Lat. 3 Nr. 5865 = Inscr. Baiuariae Romanae, ed. F. Vollmer (1915) Nr. 195. 6 Vgl. oben Anm. 1. König, Peutingers Briefwechsel 15 226 Nr. 133. 1513 Oktober 5. Terwanna auf 26. tag augusti, 1 durch Vinsterwalder gefertiget, mir auf 24. tag septembris durch E. Mt. singer, Vogels 2 bruder, alhie geantwurt worden, in dem E. kais. Mt. erstlich melden, als die mir bevolhen haben, Irer Mt. zehen betbuechlin zu- zeschicken, mit beger, dieselben buechlin auf das furderlichest E. kais. Mt. zuzeschicken, 3 darauf E. kais. G. in aller undertanig- keit zu wissen fueg, wiewoll mir derhalben nit sonder verschriben bevelh von E. Mt. zukomen, so ich doch solch buechlin, das die getrukt werden solten, von dem Schonsperger 4 vernomen, das Schonsperger bis zu Verfertigung derselben für sich far, bisher allen fleiß ankert hab, daruf im auch Paumgartner 5 20 guldin umb pirment und ander notturft dargestreckt hat. Sagt aber derselb Schonsperger jetzo, das er mangel an den pressen hab, darumb noch in sechs wochen kaum gefertiget werden mog. 6 Doch hat er mir ain muster auf pirment davon 1 Nicht erhalten. 2 Wohl der kaiserl. Kammerbeamte Georg Vogel; vgl. unten die Briefe vom 22. Dez. 1522, 1. Jan. und 19. Febr. 1523. 8 Es handelt sich um die in 10 Exemplaren auf Pergament in Folio hergestellte Prachtausgabe des .Gebelbuches Kaiser Maximilians", die nadi Karl Giehlows — von Georg Leidinger neuerdings in Zweifel gezogener — Vermutung den fürstlichen Mitgliedern des St. Georgen-Ritterordens (gegründet 1469 von Kaiser Friedrich III. und Papst Paul II, zur Bekämpfung der Türken) zugedadit waren. Das für den persönlidien Gebraudi des Kaisers bestimmte Exemplar (heute in München, Wien und Besancon) haben Albrecht Dürer (fol. 7r—56v) und andere Künstler mit den berühmten Randzeidinungen ge- sdimückt; vgl. die Facsimileausgäbe von K. Giehlow (Wien im Selbstverlag 1907) und die technisch noch bessere, von G. Leidinger eingeleitete, die 1922 im Münchener Kunstverlage von Riehn und Reusdi erschienen ist. — Ein anderes Exemplar, das der Kaiser Peutinger schenkte und dieser von einem Augsburger Maler mit Miniaturen zieren ließ, ist heute in der Vatikanisdien Bibliothek (Cod. membr. III 13, früher Ottobonianus 577; vgl. H. Ehrens- berger, Libri liturgici bibl. Apostolicae Vat. mss. [1897] S.367). Ein drittes, in der Bibliothek des Sir Thomas Brooke in Armitage Bridge (Huddersfield), war 1555 im Besitze Michael Hummelbergs aus Feldkirch, eines Neffen des gleidinamigen Humanisten, der es wohl durdi Peutinger erhalten hatte. Vgl. zum Vorstehenden K. Giehlow, Beiträge zur Entstehungsgesclüdite des Gebetbuches Maximilians I. im JKSK 20 (1899) S. 30—112 und die Geleitworte Giehlows (namentlidi S. 7ff., 13 und 19ff.) und Leidingers (namentlich S. 10f.) zu den oben genannten Facsimileausgaben. 4 Johann Schonsperger d. Ae., kaiserl. Budidrucker in Augsburg. 6 Hans Paumgartner d. Ae. ° Die Beendigung des Druckes erfolgte am 30. Dez. 1513; vgl. Giehlow, Geleitwort S. 8. Nr. 134. 1513 Oktober 25. 227 geben, das E. Mt. ich hiemit zuschick, und wirt demnach not, das E. Mt. an Paumgartner und mich ernstlichen bevelh geben, den Schonsperger mit ernst anzuhalten, damit er die furderlich zu ende vertige. An Schonsperger und andern formschneidern haben Paumgartner und ich sonst kein mangel, und sonderlich ist Paumgartner erbutig, das, so auf das abreissen und formschneiden gat, vonwegen E. Mt. treulich darzuleihen, und wir auch beid doruf genaigt, noch mer formschneider zu bestellen, damit E. Mt. arbeit gefurdert und zu end gebracht werde. Und also auf E. Mt. ferrer bevelh den hiemit zuschick alle figuren, die bisher ge- schniten, ausserhalb trei, so die formschneider noch under handen haben, desgleichen abgemacht figuren, so abgerissen hie sein und noch geschnitten werden sollen, damit E. Mt. abnemen mögen, den mangel, ob der darin erscheint, zu erstatten. 1 Auch weil ich mit der hilf Gottes bald bei E. Mt. zu sein verhoff, 2 die mit ferrer schritt nit hab wollen belestigen etc. Dat. auf 5. tag octobris anno 1513. 134. An die Bürgermeister von Augsburg 1513 Oktober 25. Georg Langenmantel und Ludwig Hoser. Speier. Wartet auf Weisungen vom Kaiserhofe für die Weiterreise. Stand der Dinge in Worms. Augsburg, StA: Peutinger. Ursdir. Ich hab auf samstag vor darum bei Hansen Widenmann ge- schriben; hoff, E. Ft. hab solchs entpfangen, in dem ich anzaigt, wie Villinger mir geschriben, das wir beid hie verharren sollen. 3 So wolle er von. dem kais. hove mir auf der post zuschreiben, 1 Das Vorstehende bezieht sidi wohl auf die Holzsdinittbilder für den „Theuerdank", die damals sdwn weiter gediehen waren als der Text dieses Werkes; vgl. Giehlow, Beiträge a. a. 0. S. 58. 2 Vgl. oben S.225 Anm.l. ' Dieser Beridit vom 22. Okt. ist nidit erhalten. Über die Veranlassung der Gesandtsdiaftsreise zum Kaiser, von der dieser und der übernädiste Brief gesdirieben sind, vgl. oben S. 225 Anm. 1. Peutingers Mitgesandter war Walther von Hürnheim, der adelige Hauptmann des Sdiwäbisdien Bundes: Regest der Instruktion für beide Gesandte im Repertorium der Literalien des Stadt- ardüvs Augsburg unter 1513 Nr. 7 (das Stüdt selbst ist abgängig). 15* 228 Nr. 135. 1513 Oktober 28. wie wir ziehen sollen; dan die Straßen unsicher sein und noch niemand wissen hat, wa kais. Mt. aus wollen, die noch zu Oberwesel l und zu ir erfordert haben Mencz und Pfalz, als man hie sagt. Wir warten stets auf die post; ob die aber auf datum nit kombt, wirden wir verreiten. Kais. Mt. sollen in der von Worms acht ain anstand gemacht haben; aber wie dem: die redelfuerer der gmein, ain schreiner und ain kursner, sollen über 40 gld. rein, nit vermögen, und verlaut, das die pfaffen daselbs vill haimlichs zulegens getan haben, damit der alt rat und vill fromer leit aus Worms gewichen und vertrieben sein. Got erbarms, das die Stadt also in armut komen soll. 2 Si haben auch von der gmeind daselbs gen Franckfort, Speyr und an ander ort allein an die gmeind der selben stedt geschriben, zu besorgen, des willens, die selben auch wider ain rat zu bewegen. Es ist allenthalben mue; Got schick es zum besten etc. Dat. auf aftermontag vor Simonis und Iudae anno 13. zu Speyr. Peutinger. 135. Von Michael Hummelberg. 1513 Oktober 28. (Ravensburg.} Entschuldigt sein langes Schweigen. Rühmt den von Beatus Rhenanus neu herausgegebenen Sentenzenkommentar des Paolo Cortese. Bittet, ihm den Lukianischen Dialog „Convivium" sowie die Handschrift des Apuleius „de herbis", die er emen- dieren wolle, leihweise zu senden. Herausgabe der Visionen der hl. Hildegard (v. Bingen) und der Mechthild (v. Hadteborn) durch I. Faber Stapulensis. Schatzgräberei der Bauern in Allmannsdorf. Mündien. StsB: Cod. Lat.4007 fol.50rf. Absclir. Gedrudä: Lotter-Veith S. 175. 1 Der Kaiser war in Oberwesel vom 20.—25. Okt., er zog von da über Bingen und Wiesbaden nach Frankfurt; vgl. V.v. Kraus im Arcti. f. oesterr. Gesch. 87 (1899) S. 295. 2 Über den Sturz des Wormser Rates durdi die Zünfte im Sommer 1513 und die Folgen dieser Empörung vgl. 11. Boos, Gesdi. d. rhein. Städtekultur 4* (1901) S. 121 ff. _________ Nr. 135. 1513 Oktober 28. 229 Michael Humelbergius Ravenspurgensis Chuonrado Peutingero, legum doctori, S. Literas tuas christiani cruoris plenissimas 1 accepi, vir omnium humanissime. Miraris diuturnum silentium meum. Certe diu me siluisse non inficior neque ullas occupationes causor, cum nihil mihi tarn frequens quam ocium, non turpe et ignavum, sed ho- nestum et literarium, quo inprimis veluti omnium iucundissimo atque felicissimo uti solito. Sed revera id in causa fuit, quod dignum occurrit nihil literis mandandum neque aequum censeo, nugis et levibus rebus te interpellare caesareis negociis semper obrutum, quamquam id pervelim ostendere, quam tui memor quamque tuo amori gratus sim. Paulum Cortesium, theologorum omnium elegantissimum, tuis auspiciis denuo aereis typis excusum 2 nuper Beatus noster Rhenanus muneri mihi misit. Nescio orationis filumne an Iec- tionis laborem demirer magis. Ita in utroque a lucernam ölet. Siquidem orationis characterem habet nitidum, florulentum et prorsus exquisitum, habet et multiiugae lectionis philosophorum theologorumque fere omnium recitata sensa luculentissimum testi- monium. Luciani philosophicum „Convivium" legendum mittas. 3 Sunt mihi et alii eius dialogi ab Erasmo et Moro, homine corpore pusillo, sed animo et eruditione maximo, Latinitate donati 4 et nonnulli Graeci. 5 Recipies dein ea qua miseris fide. Habes et aliud Apulei de herbis 6 inscriptum pervetustum exemplar; nescio, si ad exscribendum petere audeam. Tu si aequum censes, fac id apud te impetrem; polliceor librum bona fide me restitu- turum et, si videtur, nulli hominum communicaturum. Curabo demum, si quae Graece, scriptoris vitio, perperam exarata sint, restituam citra omnem tarnen tui libri labern, idque eo maxime, quo abs te olim facilius impressioni liber demandetur. Scripsit " introque Hs. 1 Nr. 132. 2 Vgl. Nr. 123. 8 Vgl. S. 225 Anm. 2. 4 Ersdiienen in Löwen bei Thomas Martin 1512 (Panzer 7 S. 259 Nr. 7). 5 Gemeint sind wohl die Dialogi nonnulli Graece, Parisiis s. a. (Panzer 8 s - 214 Nr. 2765). 6 Die Pseudo-Apuleisdie Sdirift „De herbarum medicaminibus", ein aus dem 5. Jahrh. stammendes Kräuterbudi zum Gebraudi des gemeinen Mannes; vgl. M. Sdianz, Gesdi. d. röm. Literatur 3 2 (1905) S. 138 f. S. auch unten Nr. 139. 230 Nr - IM. 1513 November 6. Beatus noster, ne se amplius Helvetium adpellem; nam sibi hoc nomen vendicantes Suiceros de caesare nostro pessime meritos 1 ait. Faber Stapulensis Hildegardis atque Mechtildis nostratium visiones emisit. 2 Fuit haec de stirpe comitum Andexiorum, Augustensis ni fallor diceceseos, illa aput Campidonenses fertur humata. 3 Aput pagum Almansdorf 4 rustica progenies malefico quo- piam (ut ferunt) auspice terram fodicans Alemanni parentis nostri thesaurum terrae olim creditum effodere nititur. Fossa autem instar ovilium circumsaepta est, ne cuiquam ingredi liceat; die noctuque ab armatis rusticis custoditur, qui tamquam a sacro prophanos procul arcent omnes. Profecto parturient fossae et nascetur ridiculus paganus, quando pro auro non nisi risum effodient et omnibus ludibrio erunt, quod et exitus probabit. Vale. 5. kal. novembres 1513. 136. An die Bürgermeister von Augsburg 1513 November 6. Georg Langenmantel und Ludwig Hoser. Dinkelsbühl. Mitteilungen über den Reiseweg des Kaisers. Augsburg, StA: Peutinger. Urschr. E. Ft. hab ich von Bischofsheym 5 aus auf der post ge- schriben, auch dabei meinen herren hauptmann Artzt 6 gepeten, E. Ft. das, so ich mein herren hauptleiten geschriben, auch hören 1 Durdi den Friedensvertrag von Dijon; vgl. J. Dierauer 2 2 S.495ff. 2 In dem im Juni 1513 beiHenricus Stepkanus in Paris ersdüenenen „Liber trium virorum et trium virginum spiritualium" (Panzer 8 S. 6 Nr. 649) hatte lac. Faber Stap. den Liber scivias der hl. Hildegard von Bingen und den Liber specialis gratiae der hl. Mechthild von Hackeborn veröffentlicht. 8 Hummelberg verwediselt hier nidit nur die hl. Mechthild von Hackeborn (j- 1298) mit der hl. Mechthild von Andedis, Äbtissin von Edelstetten (f 1160), sondern auch die hl. Hildegard von Bingen (f 1179) mit der gleichnamigen Gemahlin Karls des Gr. (f 783 in Kempten). 4 Allmannsdorf (BA Konstanz). 5 Tauberbischofsheim. Hier war der Kaiser, zu dessen Gefolge Peutinger wohl in Frankfurt gestoßen sein dürfte (vgl. oben S. 228 Anm. 1), am 3. Nov. gewesen; vgl. Kraus a. a.O. 6 Ulrich Arzt, Schwager Jakob Fuggers, war am 22. Juli 1513 zum städtischen Hauptmann des Schwäbischen Bundes bestellt worden: Klüpfel 2 S. 72. Vgl. über ihn W. Vogt in: ZHVSch 6 (1879) S. 282ff. Nr. 137. 1513 November 21. ________________231 zu lassen, als ich hoff, beschehen seie. Nachmalen haben kais.Mt. für und für geruckt und sein an gestern zu acht hören in die nacht herkomen; ziehen auf heut gen Nordlingen; haben S. Mt. mir gestern im feld anzaigt, das si zu Nordlingen ain tag still liegen wollen. 1 Darauf ob E. Ft. kais. Mt. zu laden furnemen, mögen ir auf Donauwerd auf das furderlichst zuschicken; dan niemand noch grundlich weis, wa IrMt. aus wollen. 2 Sein maniger- lei sag, die zum teil sich nit gepuren, der feder anzuhenken. Wie es aber der handlung halben stadt, darumb ich aus bin, 3 werden ir von meinem herren hauptman Artzt vernemen. Dat. Dinckelspuhell in eil am sontag nach Allerheiligentag anno etc. 13. E. Ft. gehorsamer diener Conrat Peutinger, doctor. 137. Von Michael Hummelberg. 1513 November 21. Ravensburg. Wiederholt seine Bitte aus dem vorigen Briefe und ersucht außerdem um Beschreibung der Peutinger aus Italien zugekommenen antiken Götterbilder. Wünsdit, daß die christlichen Fürsten Frieden schließen, um unter Führung des Kaisers den Vernichtungskampf gegen die Türken zu führen und nadi dem vom portugiesischen Könige In Indien gegebenen löblichen Vorbilde Seelen für Christus zu gewinnen. München, StsB: Cod. Lat. 4007 fol. 51 r f. Absdir. Gedruckt: Lotter-Veith S. 176. Michael Humelbergius Ravenspurgensis Chuonrado Peutingero S. P. D. Nisi caesarea te negotia totum rapiant, 4 proximas ad te literas meas, si memoria exciderint, relegas meque voti compotem facias 1 In Nordlingen blieb Maximilian am 7. und 8. Nov.; Kraus a. a. 0. 2 In Donauwörth traf der Kaiser am 9. Nov. ein; von da zog er über Wertingen nach Augsburg, wo er am 11. ankam und bis zum 23. Nov. blieb; Kraus a. a. O. Der Rat hatte den Bärgermeister Langenmantel und Hans Paumgartner dem Kaiser entgegengesdiidtt. um ihn zum Besudle der Stadt einzuladen: Augsburg, StA: Baumeisterbudi 1513 fol.39r. 3 Vgl. oben S. 225 Anm. 1 und den Abschied der Augsburger Tagung des Sdiwäbisdien Bundes bei Klüpfel 2 S. 75ff. * Maximilian war vom U' — 23. Nov. in Augsburg; vgl. oben Anm. 2. 232 Nr. 137. 1513 November 21. velim. 1 Et si iustis occupationibus tantum otii suffurari datur, id omne calamo tribues et idololatriae stultaeque gentilitatis el'dcoXa et simulachra illa, quae tibi ex Italia allata ferunt, 2 conscribes. Francisci Alberi Florentini de novae veterisque urbis Romae mirabilibus libellum, 3 si prius non videris, ad te dabo. Deum opt. max. assidue oro, ut christianis principibus ali- quando vera pace et mutua charitate reddita eos imp. caes. Maxi- miliano, optimo clementissimoque principi invicto a'ugusto, chri- stianae reipublicae fortissimo tutori, obsequentes faciat, ut simul felicissimis armis sumptis sub salutiferae crucis vexillo in Turcam, sanguinarium et truculentissimum christianorum hostem, moveant, eum funditus eradicent, conterant et tanquam pulverem proiiciant a facie terrae (ut prophetae regii verbis utar). 4 Iustis christianam rempublicam ulciscantur armis, non civilibus et intestinis praeliis" semper in mutuam ferantur caedem. Deploranda profecto ista haec domestica christiani sanguinis iactura, quam quottidie in- audimus, laudanda vero illa ad fidem Christi gentium adductio ab Lusitano regulo factita, quem iamiam felicem illam et auream chersonesum 5 aiunt expugnasse et innumeras animas sacris re- generationis undis admovisse. 0 Utinam atque utinam Germanorum praelis Hs. 1 Vgl. Nr. 135. Peutinger hat daraufhin seinen Wunsch erfüllt und ihm die Apuleiushs. gesdückt; vgl. Nr. 139. 2 Dazu gehörte ein marmorner Hercules, den Peutinger in seiner Abhandlung „Super numismatis cuiusdam inscriptione" {Wien, Nationalbibl. Cod. 3344; Stuttgart, LB, Hist. Hs. 2o 248 fol. 26—32) erwähnt: ... Sic etiam marmorea illa imago nuper a Roma adlata, quam caesarea M'as habitacione nostra coram vidit: Herculis seil, nudi, sub cuius manu sinistra leonis est adpensa pellis. Zur Entstehung der genannten Abhandlung (im Frühjahr 1514) s. unten Nr. 143 ff., namentlidi S. 240 Anm. 1. Über Peutingers Antikenbesitz vgl. M. Hauttmann, Dürer und der Augsburger Antikenbesitz, im Jahrb. d. preuß. Kunstsammlungen 42 (1921) S. 35ff. 8 Francisci de Albertinis, cler. Florentini, über de novae veterisque urbis Romae mirabilibus war 1510 in Rom ersdnenen; vgl. Panzer 8 S.249 Nr. 43. 4 Vgl. Ps. 50, 13. 5 Die Halbinsel von Malakka in Hinterindien, wo die Portugiesen unter Albuquerque im Juli 1510 Fuß gefaßt hatten. 6 Über die Anfänge der diristlichen Mission im portuglesisdien Indien vgl. A.Jann, Die kathol. Missionen in Indien, China und Japan. Ihre Organisation und das portugiesisdie Patronat vom 15. bis zur Mitte des 18. Jahrh. (1914) S. 62ff. ___________ Nr. 138. 1513 November 27. 233 domi forisque insignis virtus christiani belli palmarium aliquod sibi praeriperet et huiuscemodi christiana exerceret praelia, quae Christo adquirerent animas, non perderent. Quod ut fiat faxit Christus lesus dominus superbonus superbenedictus. Vale. Ravenspurgi 11. kal. decemb. 1513. 138. Von Michael Hummelberg. 1513 November 27. Ravensburg. Hat durdi den Pariser Drudier Badius Ascensius erfahren, daß das Gerücht vom Tode des Erasmus falsdi, dagegen I. Faber Stapulensis ernstlidi erkrankt sei, dessen Tod für die Theologie und Philosophie ein schwerer Verlust wäre. Neuersdieinungen aus der Druckerei des Badius Ascensius. Mündien, StsB: Cod. Lat.4007 fol.51* f. Absdtr. Gedruckt: Lotter-Veith S. 178. Michael Humelbergius Ravenspurgensis Chuonrado Peutingero, caesaris a consilio, S. Distringeris nuncnunc aliis negotiis et quidem arduis, scio. Non possum tarnen, quin te herum literis conpellem et alloquar. Adcaepi nuperrime ex Parisiorum Lutetia Iod. Badii Ascensii, viri utcunque docti et mei studiosissimi, literas 1 ex eo mihi iucundas, quod eam famam, quae de Erasmi nostratis immaturo obitu apud nos increpuit, vanam atque mendacem significat, 2 sed ex eo tristes, quod Fabrum meum Stapulensem, virum philosophissi- mum iuxta et theologissimum (ut ita dixerim), cum adversa vale- tudine conluctari scribit eaque causa eius partes in literis ad me scribendis obivisse. Unde sacrarum bonarumque literarum studio- sis nonnihil timendum est, ne viro hoc, philosophiae cum humanae tum divinae primario instauratore, priusquam literariae reipublicae satis conduxerit, orbentur. Solet enim plerumque gravibus morbis 1 vom 10. Okt. 1513; veröffentlidit von A. Horawitz in den SB Wien 86 (1877) S. 258. Über den Pariser Drucker Josse Bade aus Assdie in Brabant vgl. B. de Saint-Gcnois in der Biogr. nat. de Belgique 1 Sp. 610ff. 2 Das damalige falsdic Gerüdit vom Tode des Erasmus war durdi Beatus Rhenanus in der Vorrede zu seiner Ausgabe des Paolo Cortese (Briefwedxsel Nr. 35 S. 60) verbreitet worden; audi H. Bebet erwähnt dies in seinem Briefe an Erasmus vom 20. Jan. 1515: Opus epistol. Erasmi, ed. Allen, Nr. 321 (2 S. 45). 234 Nr. 138. 1513 November 27. mors ipsa cominus concertare et victoria potiri. Quare non parum angor tum philosophiae theologiaeque et humanioris literaturae studiosorum, tum meo nomine, qui ab ipso non parum diligor, quod familiarissima (dum illic agebam) conversatio et monumenta etiam eius in publicum edita testantur. Sed quid ad te ista? nisi ut, quum me diligas et desideriis tneis semper amicissime ob- sequaris, etiam in iis, quae vel oblectant vel angunt, similiter mecum afficiaris et aut voluptatem aut dolentiam capias, quum communia sint amicorum omnia. Badius sub literario praelo iam habet plusculos Luciani dia- logos ab Erasmo recentius Latina civitate donatos; 1 item T. Livium cum X exemplaribus conlatum milleque (ut ait) asteriscis eluci- datum; 2 item Sallustium ab Hieronymo Aleandro Germano, Graeco praeceptore meo, et Paulo Aemilio Italo, regio oratore et historio- grapho, post Aldum ad exemplar vetustissimum recognitum; 3 item Franciscum Barbarum de re uxcria* et alterius cuiuspiam Leges connubiales: 5 quas tibi, cui bellula coniux, bellula proles est, accomodatiores putarim quam mihi, qui nee sacre nuptum quempiam nee mulierosum et salacem Iovem nagä §iJQav eloßia- £6/u:vov xal tü>v fjdov&v oohoixiojuöv äyanwvTa 6 (praeter ianuam irruentem et voluptatum soloecismum adamantem), sed Hippoly- tum 7 Veneri longum valere renunciantem aemulabundus caelibem vitam selegi, non imprudenter forsan existimans bene mihi sie fore, ut sine multa sollicitudine et extraria cura Domino, literis quoque sacris serviam placeamque. .At haec obiter et forte for- tuna calamo non excidisse praestaret. Utcunque nolis velis tibi obstrepui, quo mihi nemo suavior, iueundior, gratior. Vale. Ravenspurgi 5. kal. decembris 1513. 1 Erschienen 1514; Panzer 8 S. 14 Nr. 710. 2 Erschienen 1513 ad nonas decembres; Panzer 8 S. 4 Nr. 626. 3 Die Aldina des Sallust (Panzer 8 S.398 Nr.485) war 1509 erschienen; die Ascensiana kam noch i. J. 1513 heraus; vgl. Panzer 8 S. 4 Nr. 630. * Erscliienen nonis octobribus 1513; Panzer 8 S. 4 Nr. 625. Peutinger besaß von diesem Werke auch eine Hs., heute Clm 12354. 6 Gemeint ist wohl das „Directonum aut potius castigatorium coneubi- nariorum"; Panzer 8 S. 4 Nr. 629. 6 Vgl. Lucianus, Nigrinus 31. 7 Sohn des Theseus in des Euripides nach ihm benannter Tragödie, schon dem Mittelalter, das ihn aus Ovid (Met. 15, 497ff.), Vergil (Aen. 7, 764 ff.) und Seneca (Phaedra) kannte, das typische Beispiel männlicher Keuschheit. Nr. 139. 1513 Dezember 8. 235 139. Von Michael Hammelberg. 1513 Dezember 8. Ravensburg. Kann Peatingers Vermutung, daß das zweite der in der Apuleiushandschrift enthaltenen Werke (De herba betonica) niclit von Apuleius, sondern von Antonius Musa, dem Arzte des Augustus, verfaßt sei, auf Grund der ihm gelungenen Entzifferung der Überschrift bestätigen. Sendet die Handschrift zurück und bittet, Peutingers Annotationes zu Apuleius de her- barum medicaminibus nach ihrer Vollendung noclimals sehen zu dürfen, ehe sie gedruckt würden. München. StsB: Cod. Lat. 4007 fol. 52rff. Absdir. Gedruckt: Lotter-Veith S. 179. Michael Humelbergius Chuonrado Peutingero S. Recte facis ac probe, quod omnia quaeque mihi communicas. Oblectat hoc me non parum et te nonnihil iuvabit id; ex prae- sentibus literis me totum Argum et prorsus Lynceurn teque ocu- latiorem agnosces. Nolim autem te de me semper optime meri- tum et tantopere dilectum male audire existimes, si superbiuscule iam quidpiam insonuerim et ea dixerim me invenisse, quae vel oculorum acumine acutissimo cuique inventu difficillima sint et te alioqui oculatissimum effugerint. Non omnium est omnia cer- nere, uti neque omnium (quod paroemia dicitur) Corinthum navi- gatio. 1 Miraris iam, scio, et quidnam id sit, desideratissime ex- pectas edoceri; caperas frontem, quod non edissero. Si autem edissero, vix credes. Cogam tarnen credere, quando conceptis verbis non coniecturam aliquam, sed veritatem ipsam asserere persancte iuraverim. Credes eo libentius, quo hoc tibi gratius; gratissimum autem et esse debet et revera est, quod a dubitatione liberat et omnem, aio, scrupum eximit. Sed te diutius anxium ne teneam, paucis id, quod est, accipe: In adnotationibus tuis, quas ad Apuleium de herbarum medicaminibus 2 doctissime simul et elegantissime meditaris, ais in antiquo exemplari tuo ob de- tritas vetustate literas nemini liquere posse, quisnam Agrippae destinati opusculi de vetonicae herbae medicaminibus auctor sit. Coniectura tarnen duceris Antonio Musae, Augusti caesaris medico, 1 Vgl. Horat., Epist. 1,17,36: Non cuivis homini contingit adire Corinthum. 2 Vgl. oben S.229 Anm.6. 236 Nr. 139. 1513 Dezember 8. adscribendum esse, licet afiirmare constanter nequaquam audeas. Ego Antonium Musam opusculi illius verum et genuinum auc- torem agnosco, non coniecturam ullam, sed opusculi praescrip- tionem sequutus, quam, licet aegre, legi tarnen et certe hoc modo legi: „Antonius Musa Marco Agrippae salutem." 1 Hoc rubris est scriptum literis, quod rubris iterum nigrisque mistim sequitur: „Caesari Aug." etc. Ex hoc iam tuas castigabis adnotationes et, ubiubi opus est, verum confodies. Sed etiam aliud est, quod, quemadmodum in Philippi codice 2 herbarii titulus etiam Musae opusculo praemittitur, ita et hie in tuo, in quo in primae lineae rubro ita lego: „Incipit herbarius Apulei Platonici", qui adposi- titius titulus Philippum illum fefellit, ut Musae opusculum etiam Apuleio adscripserit. Puto autem Apuleium a Musae opusculo, quod de betonica herba dumtaxat est, de herbarum medicamini- bus scribendi ansam arripuisse illudque tamquam exemplar suo praeposuisse, et id quidem non inconsulte, quod prorsus Musam aemulatus videtur, nedum imitatus. Unde contigit, ut utrisque libellis unus a librariis titulus praefixus sit et is potius sub Apulei quam Musae nomine, quod pleraque omnia Apuleium auetorem recognoscant, Musae autem epistolio nescio quid maneum aut mutilum magis. Sed de iis satis superque. Ingentes tibi gratias ago pro tantis in me offieiis, quando mihi semper tua communia vis esse et ea exhibes noscenda, quae alium nosse velles neminem. Apuleium ad te remitto, simul item et scripta tua pulchre inchoata, sed et limatius absolvenda. Quae cum absolveris, iterum speetanda (si videtur) exhibebis, prius- quam edas. Coepta maturrime perficito. 3 A te nullas literas exigo nisi bene otioso, et otium tuum nonnunquam in negotium vertes, 1 Die in den Hss. unter dem Namen des Antonius Musa, des Arztes des Kaisers Augustus, gehende Schrift .De herba betonica" (vgl. über sie E. Meyer, Gesch. d. Botanik 2/1858J S.48ff.) rührt tatsädilich nidit von ihm her, sondern ist ein Kapitel aus der Ps.-Apuleisdwn Sdirift de herbarum medicaminibus; vgl. M. Schanz, Gesch. d. röm. Lit. 2, l 3 S. 548 und 3* 5. 130 f. '' Die Erstausgabe der Schriften „De herbarum medicaminibus" und „De herba betonica" war erschienen unter dem Titel „Apulei Herbarium" s. I. et a., besorgt durch Io. Phil, a Lignamine (Hain* 1322). 3 Peutingers nie vollendete „Annotationes" zu Apuleius de herbis liegen vor im Cod. 2o 382 der Augsburger StB; F. A. Veith nennt sie in seiner Neuausgabe der Lottersdien Peutingerbiographie S.112 Nr. XX ein „sdiediasma Nr. 140. 1514 Januar 1. Nr. 141. 1514 Januar 17. 237 quo non Laconice sed Asiatice ad me rescribes. Coniugem tuam probatissimam matronarum speciem, item et filios iubeo valere. Bene valeas, Chuonrade omnium suavissime, et me mutuiter ex more semper diligito. Quam celerrime Ravenspurgi 6. eidus decembris 1513. 140. Von Aegldius Rem. 1514 Januar 1. Rom. Übersendet drei Dekrete des Laterankonzils. München, StsB: Oefeleana 7, IV (Peutingeriana) s. v. Rem; Absdir. A. F. v. Oefeles. Domine Peutingere. Salve observande domine. En tibi tria novissima Lateranensis concilii decreta seu mavis bullas. Horum unum pacem universae christianae reipublicae, alterum fidem ipsam („Coenam domini"), tertium Romanorum officialium re- formationem concernit. 1 Haec ea ex causa mitto, ut videas me promissorum memorem, qui discedenti pollicitus sum tibi me nihil novi praeteriturum, de quo saltein te non certiorem reddam. Vale et universam familiam tuam meis verbis saluta. Ex urbe kal. ianuar. 1514 sal. anno. 141. An Kurfürst Friedrich 1514 Januar 17. Augsburg, von Sachsen. Übersendet für Spalatins Oescfiichte der Wetüner Auszüge aus Ladislaus Suntheims genealogisclien Kollektaneen. Wird für baldige Aufstellung des Denksteins für Kaiser Otto III. Sorge tragen. seu opusculum rüde et itnpolitum". Midiael Hummelberg erwartete noch im Herbst 1525 das Zustandekommen der von Peutinger beabsiditigten Ausgabe; vgl. seine Briefe an Beatus Rhenanus vom 2. und 29. Nov. 1525 (Briefwedisel des B. Rh. Nr. 244 und 247. S. 342 und 347). Die Sdirift des Ps.-Musa hat dann Michaels Bruder, der Arzt Gabriel H., nadidem er sidi am 29. Juni 1531 nochmals bei Beatus Rhenanus nadi Peutingers Ausgabe erkundigt hatte (Briefwedisel des B. Rh. Nr. 279 S. 398), erstmals unter dem Titel des Antonius Musa gesondert herausgegeben. ' Über diese drei Dekrete der 8. Sitzung des 5. Allg. Laterankonzils vom 19. Dez. 1513 vgl. Hefele-Hergen- röther, Konziliengesdiidite 8 S.585ff.; Pastor 4, 1 S.562f. 238 Nr. 142. 1514 Februar 8. Weimar, Ernestinisdies Gesamtardiiv: Reg.O 31 c fol.3. Reinsdir. von Sdireiberhand. — Adr. wie bei Nr. 131. Durchleuchtigister hochgeborner churfurst, genedigster herre etc. Auf anregen maister Spalatins hat herr Degenhart Pfeffinger mir ain schrift zugeschickt, darin zu euer churfurstlichen cronica l er an mich begert, was mir von grafen von Mörseburg, marg- graven von Meissen und Lausacz, den grafen von Breun, 2 nachfolgend von landgrafen von Duringen und andern mer bewußt seie, solichs E. churf. G. zuzeschicken. Das ich dan denselben zu undertenigem gefallen zu ton willig bin und hiemit ain abschritt schick, als vil ich der obgemelten halben in weilend kais.Mt. cappellan Ladislaen Sunthaim verzaichnus 3 befunden. Sonst hab ich ain herzogen zu Dueringen auch gefunden, des gelegenhait in diser eil nit hab mögen aufschreiben lassen. An dem stain alhie über kaiser Otten grab halten Paum- gartner 4 und ich hart an, damit dis furgenomen arbait verstreckt werde, als ich hof bald gescheen sol 6 etc. Dat. Augspurg auf 17. tag ianuarii anno etc. 14. E. churf. G. underteniger diener Chuonradt Peutinger, doctor etc. 142. Von Kurfürst Friedrich von Sachsen. 1514 Februar 8. Torgau. Antwort auf Nr. 141. Ersucht um weitere Mitteilungen für Spalatins Geschichte der Wettiner. Weimar, Ernestinisdies Gesamtardiiv: Reg. 0 31c fol. 4, Entw., korrigiert. — Adr.: Uem hochgelarten unserm lieben besondern Conradtn Peutinger, lerer der recht etc., zu handen. 1 Spalatin arbeitete im Auftrage des Kurfüsten an einer Geschichte der Wettiner, die aber nie fertig geworden ist; vgl. G. Müller, ADB. 35 (1893) S.23. Außer Peutinger wurden auch Aventin, Pirckheimer, der Bischof Georg von Bamberg u. a. vom Kurfürsten um Mitteilung von Quellenstoff für Spalatins Chronik aufgefordert. Vgl. die Briefe im Weimarer Emesan. Gesamtardiiv, Reg. O 31 d—f, 38, 39, 40, 43. Die mit Aventin gewediselten Briefe sind gedruckt in dessen Sämtl. Werken 6 (hg. von G. Leidinger) S. 634 ff. 2 Brene, heute Brehna (n.-ö. von Halle), s Peutinger besaß die handsdiriftlidien Collectanea historico-genealogica des 1513 verstorbenen kaiserl. Historiographen Ladislaus Suntheim (heute in Stuttgart, LB: Hist. Hs. 2o 249; vgl. W. v. Heyd, Die histor. Hss. der k. öffentl. Bibl. in Stuttgart [1889190] S. 118). * Hans Paumgartner d. Ae. 6 Vgl. Nr. 126 und 131. _______ Nr. 143. 1514 Ende Januar—Februar. 239 Von Gots gnaden Fridrich, herzog zu Sachsen und chur- furst etc. Uns ist kurzlich hivor ain schreiben sambt etlichen verzaichnussn, derhalb magister Spalatin durch unsren kamrer Degenhardten Pfeffinger bei euch ansuchung getan, von euch zukomen. 1 Das alles wir empfangen und in gnedigem gefallen vernomen haben, auch von gedachten Spalatin vermerkt, das solchs zu furdrung unserer cronica fast dinstlich sein sol. Und nachdem ir in berurter euer schritt under anderm anzaigt, wie ir under anderm ain herzogn zu Döringen funden, des gelegen- hait in der eil nit het mögen ausgeschriben werden: weil dan unser cronica und angefangen werk, darinnen gemelter Spalatin in teglicher arbait steht, noch nit verendet, als ir sonder zweivel wissen mögt, begern wir gutlich, ir wellet uns desselben obangezaigten herzogn von Döringn gelegenhait, desgleichen dasjenig, so auf diser einverwartn zetl 2 angezaigt wirdet, zu eur gelegenhait übersenden und neben Paumgartner guten vleis furwenden, damit der stain uf kaiser Otten grab loblicher gedechtnus verfertigt werd etc. Dat. zu Torgau am 8. tag februarü anno etc. 14. 143. An Veit Bild. (1514 Ende Januar — Februar. % Augsburg.} Begleitschreiben zu einer Sendung von Bücliern und anderen Gegenständen. Augsburg, OA: Hs. 81 III fol.9r. Absdir. Gedruckt (unvollständig): Lotter-Veith S.211. Regest: Sdiröder Nr. 70. Charissime Vite. Mitto tibi Dictionarium Alberici Rosarii, 4 nomisma Herculis 6 et bullam Leonis papae, 6 praeterea orationale nostrum formis excussum, 7 quod subpriori ostendito, cartham eciam Europaeam. 8 Vale. Tuus Peutinger. a » Pericinger Hs.: darüber von späterer Hand Peutinger. 1 Nr. 14L 2 Nidü erhalten. 3 Der nur mit der Jahreszahl 1514 überlieferte Brief kann erst nadi Eintreffen des Sdireibens des Aeg. Rem aus Rom vom 1. Jan. (Nr. 140), mit dem Peutinger die Bulle Leos X. erhielt, ge- sdirieben sein, wahrsdieinlidi aber bald danadi. * Albericus de Rosate, Dictionarium iuris utriusque. S. I. 1506 (Panzer 9 S. 109 Nr. 25). 5 Vgl. dazu Nr. 143f. " Die mit Nr. 140 übersandte Bulle vom 19. Dez. 1513. 7 Wohl das Peutinger vom Kaiser gesdtenkte Exemplar der am 30. Dez. 1513 im Drudi vollendeten Pergamentausgabe des Gebetbudies Kaiser Maximilians; vgl. oben S.226 Anm.3. 8 Vgl. Nr. 144 und S.240 Anm.3. 240 Nr. 144. 1514 Ende Januar—Februar. 144. An Veit Bild. 0514 Ende Januar — Februar. Augsburg.} Ersucht Bild um seine Meinung über die übersandte Heraklesmünze sowie um Prüfung seines eigenen für den Kaiser bestimmten Gutachtens über sie. Die übersandte Landkarte ist nur für Bild, nicht für den Abt bestimmt. Augsburg, OA: Hs.81 III fol.9r. Absdir. Gedruckt (unvollständig): Lotter-Veith S. 211. Regest: Schröder Nr. 70. Ego ad te omnia, quae miseram, non petivi. Volui nomisma et quid de eo sentires, ut rescriberem caesareae M". Mentem meam ab exemplo tibi transmitto. 1 Tuum erit, ut rogo, singula vel bene perspicere vel, si non placent, despicere vel confodire velis. Expunge et adde; singula remittas cito, et si quid ex me volueris, iube. Verum chartam abbati tuo 2 non misi nee is bene intelligit; transmittendae sunt eruditioribus, cum paucas admodum fecerim exprimere. 8 De tua Charta, quam misi, silendum, nee abbati de ea dicas. Vale et rescribe, iterum rogo. _________ Tuus Peutinger. 1 Die mit Nr. 143 an Bild gesandte Silbermünze mit einer Darstellung des Herakles und der Umsdirift HPAKAEOY2 2QTIIPOS 6AEIQN stammte aus einem in Oberungarn gemaditen Münzfunde und war Peutinger vom Kaiser zur Deutung übergeben worden. Der Stadtscr., eiber hat darüber eine längere Abhandlung verfaßt, die in der Hist. Hs. 2° 248 (fol. 26—32) der Stuttgarter LB (Entwurf) und im Cod. Lat. 3344 der Wiener Nationalbibl. (Reinschrift) erhalten ist. Sie ist eingehend gewürdigt von K. Giehlow in den Mitt. d. (Wiener) Ges. f. vervielfältigende Kunst (Beilage der „Graphischen Künste") Jahrg. 26 (1903) S. 29—34. Vgl. König S. 28. 2 Johannes Sdirott. 3 Das bezieht sich auf die sogenannte Karte (von Mitteleuropa) des Nikolaus von Cues. Über sie und besonders Peutingers Anteil an ihrer Ver- öffentlidiung habe ich gehandelt in der Festsdirift der Görresgesellsdiaft für G. v. Hertling (1913) S. 337—41. Die obige Briefstelle (im Abdruck des Briefes bei Lotter-Veith nicht enthalten) war mir damals noch unbekannt. Durch sie wird nun meine schon a. a. O. S. 339 geäußerte Vermutung bestätigt, daß Peutinger von der in seinem Besitz befindlidien Kupferplatte der Karte zunächst nur wenige, für seine gelehrten Freunde bestimmte Probeabdrucke hatte herstellen lassen, von denen einer in dem Exemplar dei Münchener Armeebibliothek erhalten ist. Zu den .eruditiores", denen Peutinger einen Abdruck gesdddit hat, gehörte Dr. Johannes Eck, der die Karte 1518 in der Vorrede der von ihm besorgten deutschen Ausgabe des „Trac- tatus de duabus Sarmatiis" des Matthias von Miechow erwähnt; vgl. meine Abhandlung S. 338 f. Nr. 145. 1514 Ende Januar—Februar. 241 145. Von Veit Bild. {1514 Ende Januar — Februar. Augsburg.') Antwort auf Nr. 144. Deutet die Umschrift der Herakles- münze. Augsburg. OA: Hs. 81 II fol. 83v. Absdtr. Bilds. Gedrudd (sehr fehlerhaft): Braun 4 S.l 74. Regest: Sdiröder Nr. 69. Fr. Vitus utriusque iuris doctori excellentissimo Conrado Beytinger S. P. Lectis Dig tis V rae litterulis 1 res mihi dudum creditas non simul esse postulatas probe intellexi. Quae tarnen eadem ut tunc rescripsi superis testimonium reddentibus peticione, iuvenis inadvertentia, quae veniam facillime et merito meretur, revocatae fuere. Sed liaec inter charitatis V rae Dig tis ac fidelis mentis nieae erga Dig tem V ram soliditatem nihil ponunt, cum sincerissi- mum meum suplicemque affectum vestram erga charitatem praeter mortem adimat nemo. Ceterum super caesareae M lis numismatis postulacione declaratione sciat Dig tas V ra me testa lucem reparante quam dili- gentissime ascripcionem perlegisse ac nacta omnium intelligentia Djgiem v ram rem plenissime omni submota adulacione enucleasse et firmis super basim positis aedificacionibus ventorum procellis quorumcunque repagulum obiecisse ahenum. Vulgaris enim zedulae 2 continentia (salva scriptoris et me melius sentientium pace cum sincero loquar affectu) lucide elucubrat scripturam et scripturae (dimisso termino, qui rem agitat: üamcov») interpreta- cionem. Luce namque clarius aanngoc, h non satyros, HoaxXeow;, non Heraclius, vel Herculis (cum inter Herculein et Heraclium tanta sit differentia quanta inter album et nigrum) numisma prae se fert. Haec tarnen, mi amantissime domine doctor, non tantam potuissent obtulisse diligentiae exploracionem, licet V rae Dig ,: " exactissimum et ingenii clarissimum inde Studium comprobetur: :l ilaaiov Hs. ]> ocütsqo; Hs. 1 Nr. 144. ' Maximilian hatte Peutinger durdi Übersendung eines „losen Zettels", auf dem bereits eine Deutung der Münzinsdirift als „Heraclius satyras Thasion" versudit war, zur Äußerung über die Münze aufgefordert; vgl. Oiehlow a. n. O. S. 29. König, Peutinjjers Briefwechsel 16 242 Nr. 146. 1514 Februar 13. Praetacta enim Theutonicae declarationis ascriptio eadem facili- tate destruitur qua et construitur, cum et ex characterum de- pictione nonnisi vulgare resonet et plus literarum subtilitati quam orthographiae authoritati insideat. V rae enim Dig" cum Latinae eruditissimo linguae tum scripturarum antiquarum talium ex- perientiae fides attribuitur firmissima. Sentio namque, quod prius sensi, ocorr]Qog* genitivum a acorrjg, h non soterios (salutaris), simi- liter et 0aoia>v, c cum nullibi per & scriptum extra Dig ,is V rae meamque interpretacionem invenerim. Memini enim me Graece offendisse Taois, laaiog, quod sonat „extensio", sed non per 0 scriptum. Quare Dig üs V rae interpretacionem in Omnibus collaudo et secundum ingenioli mei capacitatem exalto. Commendans me iis Dig u V rae ad quaeque mihi possibilia semper obsequiosissi- mum, quam et utroque in homine valere tota cum familia sin- cero exopto corde. 1514. Fr. Vitus Bild Acropolitanus, Dig lis V rae confr. P. S. Summaria autem poterit esse talis haud spernenda interpretacio: Hercules 1 ' salvator, id est defensor vel liberator, casus pro casu, „Thasion" illorum populorum cum sit genitivus pluralis; vel ut „Herculis" 11 ponatur praerogative sive absolute et subintelligatur numisma et sit sensus: Herculis d numisma salva- toris Thasion etc. 146. An Cyprian von Serntein. 1514 Februar 13. (Augsburg.) Beklagt sich darüber, daß Regiment und Landtag in Innsbruck seinem Schwiegervater Anton Welser und dessen Gesellschaft trotz eines vom Kaiser erteilten Geleitbriefes und ungeachtet seiner und der Gesellschaft Verdienste um die Tiroler Regierung noch immer nicht die anderen Kaufleuten längst gegebene Durchfuhrerlaubnis für ihre in Venedig lagernden Güter bewilligt hätten, und bittet, sich dieserhalb nochmals beim Regiment zu verwenden.* Augsburg, StA: Peutinger. Entw. * o(otF,Qog Hs. b ocotf.q üs. c ßaolov Hs. ll Heraclius Hs. 1 Dieser Brief ist nicht abgesdiickt worden vgl. Nr. 148 am Anfang. Nr. 146. 1514 Februar 13. 243 Mein vetter Antoni Rem hat mir zu versehinen tagen ain E. G. brieve » zubracht, darin ich gelegenheit der kaufleit guter, die zu Venedig liegen und geren heraus haben wollen, vernomen hab; aber ich groß beschwerd trag, das kais. Mt. nit umb meins undertanigen verdienens willen mir für mein schweher 2 ain gleit wie anderen geben und ich auf E. G. aufziehen, anzaigen und bevelh meins schwehers geselschaft gueter in Venedig hab lassen binden, daselbs lassen liegen und mein gn. herren vom hoch- loblichen regiment und der landschaft der graveschaft Tyroll kein neuerung wollen machen, sondern auf E. G. vertrösten und zusagen meins schwehers geselschaft neben anderen, so der gleichen gleit haben, heraus komen zu lassen verhoft, aber auf des selben meins schwehers geselschaft und mein gehorsam haben ander daneben ire guter heraus bis gen Doblach 3 und Ynsprug gebracht, und muessen wir unverschuldter sachen und mit verderblichem schaden in Venedig beleiben, das über die gnad, der ich mich bei kais. Mt. bisher versehen, auch S. Mt. umb nichten schedlichs oder beschwerlichs nie geübt hab, auch sonderlich meiner undertanigen dinst halben, so ich hievor vill jar in sachen, bemelts regiment betreffend an mich gelangt, alzeit treulich und ernstlich fleis dargestreckt hab, dermaßen nit allein bei meinem schweher und seiner geselschaft, sondern auch bei den andern kaufleiten, die ir guter nunmalen aus der Venediger lant gebracht haben, geacht und gehalten werden muß für verklagter weder der wenigest derselben kaufmenner. So haben wir auch wider bemelt regiment und landschaft nie gehandlet, sondern je und je uns irer und E. G. willen beflissen, hievor zu verschienen zeiten kais. Mt. merklich anlehen an allen nutz und interesse getan, auch unser bemelte gueter zu Venedig nit nach dem verpot 4 erkauft sonder davor, den mererteil mit unsern 1 Nicht erhalten. 2 Anton Welser d. Ae. " Toblach. 4 Kaiser Maximilian hatte am 14. Juli 1513 jede Handelsverbindung mit Venedig untersagt und die Tiroler Pässe gegen Italien gesperrt (vgl. Simonsfeld 1 Nr.69l S.399f.; 2 S.122f.). Der Augsburger Rat hatte daraufhin sofort Hans Paumgartner und Anton Rem nach Innsbruck gesdiickt, um vom dortigen Regiment eine Durdifuhrerlaubnis für die noch in Venedig lagernden oder von dort gegen die Tiroler Grenze unterwegs befindlichen Güter Augsburger Kaufleute zu erlangen. Die Bemühungen der Gesandten waren 16* 244 Nr. 147. 1514 Februar 14. schulden einzogen, demnach also ganz unverdient und un- schuldiglich des entgelten und laider in verderblichen schaden gefurt werden sollen, das mich dan nit unbillich hoch und hart beschwert. Kan auch mit keinem erbern grund abnemen, wa- mit doch der graveschaft zu Tyroll geholfen werd, so ferr es wider krueg werden muß, das die Venediger uns unser guter taglich nemen mögen und wir darob verderblichen schaden leiden sollen. Hierauf E. G. mit allem höchsten undertenigen fleis bit, bei gedachtem regiment nochmalen zu handien, damit meinem schweher, seiner geselschaft und mir gestattet werd, unser gueter aus Venedig und also von iren zu unsern handen zu bringen, alsdann wollen wir der handlung zu Venedig woll ain zeit muessig steen, bis sich die lauft änderst schicken etc. Dat. auf 13. tag februarii anno 14. C. P. d. 147. Von Kaiser Maximilian. 1514 Februar 14. Rattenberg. Hat sich aus Rücksicht auf die Angelegenheiten des Reiches und seiner Erblande genötigt gesehen, den durch Beschluß der letzten Tagung des Schwäbischen Bundes in Augsburg 1 auf Montag nach Reminiscere (13. März) wiederum nach Augsburg anberaumten nächsten Bundestag, zu dem durch den BischoJ von Bamberg* und den Markgrafen von Brandenburg * in seinem Auftrage bereits die Ausschreiben und Vorladungen ergangen sind, ohne Änderung des Termins nach Linz zu verlegen. Übersendet Peulinger die die Verlegung verfügenden Erlasse an die genannten Fürsten und befiehlt, sie diesen zur weiteren Benachrichtigung aller in Betracht kommenden Stellen eilends zuzuleiten. Geben in unser statt Radtemberg am Yn am vierzehenden tag des monats februarii anno etc. im vierzehenden, unsers reichs, des Romischen, im achtundzwanzigisten iar. Per regem. Ad mandatum caes. M lis proprium. G. Vogt. Augsburg, StA: Maximilian. Ursc/ir. anfangs ohne Erfolg; vgl. Paumgartners Beridit vom 26. Juli 1513 (an Peu- tinger adressiert): Augsburg, StA: Literalien. 1 Nov. 1513; vgl. oben S. 231 Anm. 3. ' Georg Schenk v. Limpurg. 3 Kasimir von Brandenburg-Kulmbadi. Nr. 148. 1514 März 10. Nr. 149. 1514 April 11. 245 148. An Cyprian von Serntein. 1514 März 10. (Augsburg.} Bittet, der Welser-Oesellschaft für ihre noch in Venedig lagernden Güter von der Tiroler Regierung eine Durchfuhrerlaubnis erwirken zu wollen. Innsbruck, LRA: Maximiliana XIV, 62. Reinsdir. von Sdweiberhand. — Adr.: Dem wolgebornen herren, herren Ciprian von Sernthein, Ro. kais. Mt. canzler etc., meinem gnedigen lieben herren. Wolgeborner gnediger herre etc. E. G. hab ich hievor geschähen der Venedigischen guetter halben, so meinem schweher und seiner gesellschaft zugehörig und noch zu Venedig sein. Aber der selb brief ist bis auf datum verhalten worden. 1 Als E. G. in denselben beigebenden briefen 2 zu vernemen haben, haben 1 wir warnug aus Venedig, das es daselbs nit wol steet und zu besorgen ist, ir wesen in aufrur kommen möcht. Deshalben, wa unser gueter in Venedig lenger beleiben solten, uns verderblicher schade dar entsteen wurde. Nun mag gedacht geselschaft wol geloben, das bemelte ire gueter zu Venedig erkauft worden sein, eemalen kais. Mt. ir gepot 8 ausgeen lassen. Demnach haben bemelt geselschafter, sollichen verderblichen schaden zu verhueten, meinen schwager Lucas Ehern, 4 zaiger ditz briefs, abgefertigt, bei E. G. nochmalen zu sollicitiern, damit die Venediger durch unsere gueter nit vorteil erlangen, ain glait auszubringen, die selben unsere gueter aus Venedig und an der geselschaft gewarsam zu fueren. Darauf E. G. undertaniglich bit, in der sache zu handeln, wie unser aller obligend notturft eraischt und E. G. der genant Ehern berichten wirdet etc. Dat. auf zehenden tag marcii anno etc. 14. Chuonradt Pewtinger, doctor etc. 149. Von Veit Bild. 1514 April 11. (Augsburg.') Sendet Bücher zurück und bittet um Auskunft über den Wortlaut einer Cyrillstelle, die in der ihm vorliegenden Gestalt möglicherweise verderbt ist. " aber Hs. 1 Es ist Nr. 146. 2 Nicht erhalten. 3 Vgl. S.243 Anm.4. 4 Laux Ehems Mutter Ursula war eine geborene Welser, die Sdiwester von Pentingers Sdiwiegervater. Vgl. Die Welser 1 S. 77. 246 Nr. 150. 1514 April 17. Augsburg, OA: Hs. 81 II. fol.85 r . Abschr. Bilds. — Adr.: Iuris utriusque excellentissimo domino Conrado Peytinger. 11. aprilis. Peytingero secunda rescriptione. Gedruckt: Braun 4 S. 174 f. Regest: Schröder Nr. 73. Sese etc. Egregie domine doctor, libros remittendo, ut pro- misi, significo desiderium meum neutiquam fore impletum; nam quod quaesivi non inveni. Hac seil, in causa scribitur eodem in volumine capite 264., columna I., § cerula a me signato, quod Sabinianus haereticorum fautor duas in Christo asserens volun- tates et, quod peius est, inter se discordes etc., 1 quorum primum omnino catholicae non est contrarium professioni; nam ut docet Magister in III., dist. 17., § „quo circa" 8 et omnes asseverant theologiae professores, nullatenus est dubitandum duas in Christo duas seeundum naturas (divinam dico et humanam) fuisse volun- tates; quapropter hoc non erroneum censeri licet. Sequentia enim verba authoris dicentis „et quod peius est (quod haereti- cum est) inter se discordantes" praecedentium aliquid ponere ac affirmare intelliguntur. Quapropter vos exoratum velim, desuper vestra in bibliotheca quam operosissime perquirere, an impressoris inercia sentencia depravata fuerit seu alia quaevis inadvertentia evenerit. Angustiae enim sunt mihi undique: virum namque Cyrillum tarn sanetum taliter errasse dicere formido; id tarnen sanetae ecclesiae contrarium (salva me melius sentiencium pace) tenere nequaquam possum. Me igitur ultimato vobis quid cordi foret desuper scriptis peto cerciorem reddere. Valeat iis D ti0 V ra . 1514. Fr. Vitus Bild Acropolitanus. 150. Von Nikolaus Eilenbog. 1514 April 17. (.Ottobeuren.y Übersendet die zeitgeschichtlichen Aufzeichnungen seines Vaters, des Arztes Ulrich Eilenbog, mit der Bitte, sie nach vorheriger Durchsicht und Verbesserung in seiner Bibliothek aufzustellen oder, falls er sie der Überlieferung an die Nachwelt für würdig erachte, zu veröffentlichen. Er selber wolle die medizinischen Schriften seines Vaters herausgeben. 1 Das Werk, in dem Bild die vorstehende Cyrillstelle gefunden hat, und diese Stelle selbst nachzuweisen, ist mir nicht gelungen. » Petrus Lombardus, Sententiarum libri IV: Migne PL 192 Sp. 790. Nr. 150. 1514 April 17. 247 Stuttgart, LB: Hist. Hs.4o Nr. 99 fol. 169 vff; Absdir. Ellenbogs. Gedruckt: Zapf S. 150 ff. Frater Nicolaus Eilenbog Conrado Peutinger S. D. Fuit pater meus, 1 ut plane scire potes, homo literis de- ditissimus et diu noctuque literis vacans. Nihil illi dulcius, nihil iucundius videbatur, quam versari in literis et perpetua lectione quotidie doctior fieri. Nee medicorum dumtaxat volumina, quae sane erant ei familiarissima et e manibus eius rarenter excidebant, studiose perlegere solebat, sed et variarum doctrinarum campum apum instar pervolabat optima quaeque decerpens. Extitit autem historiarum amator praeeipuus. Nihil illi iucundius contingere poterat, quam audire novitates (ut verbis eius utar) rumoresque suo tempore passim rerum gestarum in diversis mundi climatibus. Literis etiam mandare solebat, ut erat scribendi impiger, si quid audiebat memoria scriptuque dignum. Quum itaque videam te historiarum et amatorem et illustratorem praeeipuum, pro nostra necessitudine dignum duxi, historias a genitore meo scriptas ad te dare. Quas etsi ignorare te minime sciam, utpote quae pro- ximis annis sint gestae, attamen pro mea germanique mei Ono- phori in te observantia non iniueundas tibi fore crediderim. Tuae itaque humanitati, praeclarissime vir, Chronicam parentis mei Udalrici Eilenbog (misericordia Dei veniat super eum) dedico ac devoveo, nihil inde emolumenti quaerens, nisi ut eam recognoscas. Et si quid naevi offenderis, totum emacules et censorio lavachro diluas et emundes. Et sie demum vel ultimum in bibliotheca tua tersissima simul et copiosissima possidere mereatur locum. Quodsi eam lectu dignum iudieaveris ac plane talem, quae in posteros disseminari debeat, fac quaeso operam des, ut in publicum prodeat* exeratque Ellenbog dudum mortuus caput sitque in ore omnium. Nihil enim quaero nisi honorem parentis, sicut divina praeeipitur voce: rpru* -ns$ -im, honora patrem tuum. 3 Non solum autem hoc opusculo genitoris mei nomen immortalitati 1 Über Dr. Ulrich Ellenbog, 1472 — 77 Arzt des Bisdiofs und des Domkapitels in Augsburg, gest. 1499 als Stadtarzt in Memmingen, vgl. F. Zoepfl im Archiv f. d. Gesch. d. Hochstifts Augsburg 5 (1916) S. 111 ff. * Peutinger hat diesen Wunsch nidit erfallt; vgl. unten Nr. 152, 160 und 165 und dazu Zoepfl a. a. O. S. 150f. Die Schrift ist heute versdiollen. 5 2 Mos. 20, 12. 248 Nr. 151. 1514 April 17. commendare conabor, sed et aliis longe maioribus operibus, si vita comes fuerit, quae ille in medicinis post se scripta reliquit, quae ego ad Dei optimi maximi laudem et mortalium utilitatetn suo tempore in publicum prodire faciam. 1 Cognoscentque omnes Udalricum Ellenbog non ocio nee inertiae, sed bonis artibus ac literis vacasse. Vale foelix. 15. kal. maii 1514. 151. Von Nikolaus Ellenbog. 1514 April 17. (Ottobeuren.'y Bittet, die in der Chronik seines Vaters enthaltenen Ortsnamen zu latinisieren und die allzu scliarfen Ausfälle gegen Karl VIII. von Frankreich und die Schweizer zu mildern oder zu tilgen. Hat das Manuskript absichtlich nicht einbinden lassen, zaeil das im Falle des Druckes für die Setzer bequemer sei. Stuttgart, LB: Hist. Hs.4o Nr. 99 fOl. 170*f. Abschr. Ellenbogs. Gedruckt: Zapf S. 152f. Frater Nicolaus Ellenbog Conrado Peutinger S.D. Offendes in hoc libello genitoris mei, Conrade doctissime, plurima nomina potissimum locorum et civitatum minus Latine, immo barbare inserta, quae primo omnium velim Latinitati reddas et pro mendosis inseras vera. Caeterum vehementer exarsisse videtur genitor meus in Karolum Franciae regem 2 neenon et in Helvetios. Discretioni itaque tuae commiserim, si non ab aemulis famosus pocius über appellandus veniat quam historicus. Quodsi et tu in eam ieris sententiam, curabis, ut sententiae acriores et Theoninae 3 aut mitigentur aut ex toto expungantur. Praeterea aequo animo feras, si librum minus expolitum et needum theca coopertum ad te miserim. Consulto id feci. Si enim chalco- graphis eum sub prelo exeudendum tradere volueris, aecomodus erit multum, si ligatus non fuerit. Sed nee ego aliud penes nie habeo exemplar ullum. Si enim impressus fuerit, potero utique exemplariorum habere copiam. Sin vero id tibi non probatur, saltem id lucri habuerim, ut posteaquam über per te recognitus fuerit et ad unguem castigatus, posthac emendatum et tersum transscribam. Porro si stilus sibi ipsi impar et dissidens visus 1 Aus diesem Plane Nikolaus Ellenbogs ist nidits geworden. 2 Karl VIII. 3 Vgl. Horat, Epist. 1, 18, 82. Nr. 152. 1514 April 20. Nr. 153. 1514 Dezember 19. 249 fuerit, scias plaeraque ex Theutonica lingua per nie translata, quae genitor ex literis mercatorum materna lingua signaverat. Vale foelix. 15. kal. maias 1514. 152. An Nikolaus Eilenbog. 1514 April 20. Augsburg. Antwort auf Nr. 150 f. Hat die Chronik des Ulr. Ellenbog zu lesen angefangen. Ob sie zum Druck geeignet ist, wird er später schreiben. Bedenken gegen die Veröffentlichung der un- geschminktenWahrheit über Zeitgenossen oder deren nächste Vorfahren. Ermuntert zur Herausgabe des „Epiloma Platonicum". Stuttgart, LB: Hist. Hs. 4o Nr. 99 fol 171 rf. Absdlr. Ellenbogs. Gedruckt: Zapf S. 154f. Chuonradus Peutinger Augus tan us Nicolao Ellenbog S.D. Dedicasti atque transmisisti rerum gestarum Annales, quos eruditissimus ille medicus, genitor tuus, solita sua diligentia con- legit. Tibi gratias non solum ago, sed et habeo referamque. Legi chartam primam, mox etiam caeteras, sed nee plures. Ita sunt oecupationes meae et diurnae et nocturnae, studia nostra prae- pedientes. An autem emittendi sunt, postea ad te rescribam. Videmus veritatem ipsam etiam odio affici, commaculari licet minus possit. Sicque eundum, ne tu, ego quoque incommodi- tatem aliquam nobis comparemus. Vivunt multi, qui et Quorum progenitores male gesserunt, nolunt tarnen, ut memoria serventur. Lege licet historica edictum est, ut veritate proposita fueus rerum vel assentatio vel vituperatio falsa evitetur. Sed de hac re posthac latius. Tuus sum. Si auetoritates Piatonis, quas antea congessisti, 1 in ordinem sunt redaetae, curato, ut impressae in publicum aliquando prod- eant. Vale et me venerando tuo abbati commendato. Ex Augusta Vindelicorum 12. kal. maii 1514. 153. An Johann Eck. 1514 Dezember 19. (.Augsburg.} Übersendet zwei Entwürfe für ein durch Jakob Fugger zu erwirkendes päpstliches Breve zugunsten der Disputationstätig- 1 Vgl. Nr. 62 f. 250 Nr. 153. 1514 Dezember 19. keit Ecks über die Zulässigkeit des Zinsnehmens. Heftige Ausfälle gegen die Pfründen häufende und die Laien unterdrückende höhere Geistlichkeit. Gedruckt: E. v. Oefele in den SB München 1898, Bd. 2 S. 448ff. S. P. Praestantissime Ecki, hesterna luce noster comunis amicus D. Sebastianus Ilsungus \ me de tabellario tuo, quod ex Monaco 2 rediisset, cerciorem fecit, sed nescio quo fato actum, ut exemplum, quod praesentibus ad te mitto, male repositum ad horas prope quatuor requisiverim et ad nonam, iam praesente decima, inter schedulas nostras inveni; quod mitto et ita mitto. Fuggerus, 3 literis tuis edoctus, volebat, ut exemplum brevis apostolici scriberem; dictavi, quod potui, vides; reliquum, quod in margine est, Ilsungus ipse volebat et bene, quod adderem. Fuggerus hortatu meo, ut spero, Romam mittet et ita mittet, ne atrati isti homines facile recognoscant se non solum imperatores vel reges, sed et tyrannos esse, ea seil, conhibentes, quae animis nostris ad felicitatem perpetuam conducant. 4 Ludunt boni, ut ita dicam, veritatis oppressores nescio qua alea, mercatores taxant, qui contractu hoc tuo innocentissimi sunt nee eodem usuram gerunt, ut ille cynicus dicebat: laxandas non esse habenas fraudi- bus usurariorum. Non sunt usurarii mercatores, qui de centum solvunt quinque, reeipientes: viduae, infantes, pupilli, or- phani et qui ob divitias sacerdotum multa deglutientium nee redditus nee alia bona emere possunt, quibus etiam id, quod habent, absque lucro in usus necessarios absum[m]ere improbatur. Fecit felicem Salvator noster eum, qui ex talentis quinque alia quinque et qui ex duobus alia duo lucro suo addidisset. 5 Mer- 1 Domherr in Augsburg; vgl. Über ihn die von J. Schlecht im Hist. Jahrb. 36 (1915) S. 27 Anm. 1 verzeichnete Literatur. * München. 3 Jakob Fugger. * Eck war durch ein Verbot des Bischofs Gabriel von Eidistätt gehindert worden, im Okt. 1514 an der Universität Ingolstadt über die Erlaubtheit des Zinsnehmens öffentlich zu disputieren. Dieses Verbot sollte durch ein durdi Vermittlung Jakob Fuggers in Rom zu erwirkendes päpstliches Breve an die Universität aufgehoben werden; Peutingers Entwurf für den Text dieses Breve, mit Änderungs- und Ergänzungsvorsdilägen llsungs, liegt dem Briefe an Eck bei und ist von Oefele a. a. O. S. 450ff. abgedruckt. Vgl. dazu J. Schlecht, Dr. Johann Ecks Anfänge, in: Hist. Jahrb. 36 (1915) S.20ff. r ' Vgl. Matth. 25, 20—23. Nr. 153. 1514 Dezemer 19. 251 cator, qui de centum solvit quinque, nescio quo iure et usurarius et fraudulentus appellari possit. Vestri sacerdotes binos et plures canonicatus gerunt; canonicus is est, qui horas in ecclesia sua dicit et canit: dum unus bino vel maiori numero fungitur canoni- catuum, non satis scio, quid oret. Habent episcopatus orationes diversas: absens canonicatus sui utens fructibus quid facit cogi- tandum. Res agitur principis indulgencia, imo salus hominis christiani apud eum, qui est Christus. Vellem ego, ut sacerdotes christiani se primum iuxta evangelicam doctrinam et eruditionem mundos redderent et mundi, si quae in laicis iure crimina ad- notarent, pie et Christi iuxta exemplum taxarent, non impii, non invidi, non sedicionum concinnatores, non avari et bonorum temporalium, quae plerunque religionem ipsam insolentissime invertunt, cupidi. Quid hoc est, non velle vel etiam publice dis- putare, quid vel quäle in contractu tuo sit peccatum — res pulchra, sed stupenda, tu iure ais, non peccatum — hie latrat peccatum. Res etiam inter vos sacerdotes invidia agitur et odio. Torquemur nos a vobis laici; inquirimus veritatem, nescio quo modo inquirendo eam vel offendimus vel laedimus. Sed si epi- scopus l non vult, ut intelligam veritatem, aecusabitur, credo, et condemnetur ab eruditione christiana, quae omnino veritatem ipsam fovet et publicatam iri vult. Si episcopus curat, ut lateat, vae animae suae et complicum! Sed haec postea. Quid Fuggerus Romam scribat, velim a secretis observes, ne Romae contra te quis machinetur. Spero ex hoc scismate et laudem tibi inmortalem comparari; quare perge ut ineepisti. Exemplum brevium apostolicorum primum, ut voluit Fuggerus, seeundum, ut Ilsungo nostro et eciam mihi necessarium videbatur, contexui; caetera, quae ad prineipes tuos 2 speetant, ab Ilsungo cognosces. Remitte, rogo, has meas ineptias, quas morosus admodum et moestica adfectus, quod ad manum exemplum praescriptum non habueram, scripsi et noctu. Tu vale et bene sperare. Iterum vale. 19. decembris anno salutis 1514. Tuus Peutinger. 1 Bischof Gabriel v. Eyb von Eidistätt. 2 Die Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. von Baiern. 252 Nr. 154. 1514115 Augsburg. Nr. 155. 1515 Januar 27. 154. An Cyprian von Serntein. {1514115. Augsburg.) Bittet um baldigste Ausfertigung eines bei der kaiserl. Kanzlei für den Tübinger Buchdrucker Anshelm nachgesuchten Privilegs und um Mitteilung des Wappens von Sernteins Gattin für das pergamentene deutsche Gebetbuch. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. Gedruckt: Buff Nr. 8608. ........> Ich hab kais. Mt. secretarien herrn Cristoffen Hofman Thoman Anshelm zu Tubingen, ains fast berumbten buchtrukers, halben geschriben 2 umb ain freiheit, wie der E. G. anzaigen wirt, undertaniglich bittend, wellen dieselben freiheit, wan er zum truken für ander geschickt und mit schöner guter kriechischer und latinischer schrift fursehen ist, auf das furder- lichest fertigen, mich auch E. G. gemahel wappen, so ich in das pirmetig teutsch betbuchel machen, berichten oder wisen, ob ich das an das wappen binden lassen soll oder nit etc. 155. Von Christoph Welser. 1515 Januar 27. Rom. Berichtet über den günstigen Stand von Reuchlins römischem Prozeß: nach Beendigung einer vom Gericht eingeforderten lateinischen Übersetzung des „Augenspiegels" sei die erwünschte Entscheidung bald zu erhoffen. Gedruckt: lilustrium virorum epistolae. Fol. B 3r. Christophorus Welser, praepositus Ratisponensis, Cunrado Peutinger, sororio suo, S. D. P. Cardinalein Adrianum 3 tuo nomine visitabo; Uli Capnionis causam sicut scribis 4 commendabo, quamvis eam habeat com- mendatissimam. Accepit enim elapsis diebus a Capnione doctam et elegantem epistolam apologeticam, 5 quam non sine admira- tione summae eruditionis legit, et tu hominis nasum nosti. Exinde 1 Der Anfang des Briefes betrifft die Reichshilfsgelder. 2 Der Brief ist nidit erhalten. 3 Adriano Castellesi von Corneto, Kardinalpr. v. Tit. d. hl. Chrysogonus; vgl. über ihn Pastor 3* S. 110 f.; 4, 1 S. 11 u. ö. 4 Der Brief ist nidit erhalten. 6 Stuttgart. 29. Dez. 1514: Reuchlins Briefwechsel Nr. 199 S.232f. Nr. 156. 1515 Februar 28. 253 illum cucullatum theologum' abhorret. Causa vertitur coram docto et probo iudice, rev m0 cardinali Grimano, 3 patrocinantur Uli bo- narum literarum sectatores omnes. Curant eam sollicitatores multi et fideles, adeo ut non possit nisi bene sperari de causae celeri et desiderata expeditione. Traducitur nunc opusculum illud eins Speculum oculare a quibusdam Germanis ad id a iudice deputatis ex Germanico idiomate in Latinum. 8 Produxerat enim monachus ille traductionem illius sub sigillo, ut aiunt, universitatis Coloniensis facultatis mutilam et mancam multisque falsitatibus refertam. Facta ista procedetur ad causae conclusionem, 4 cuius successum non negligam tibi significare. Si contigerit te Capnioni scribere, com- menda me illi enixe. Uxorem et liberos ineo nomine salutabis, quos tecum foelices valere opto. Romae 27. ianuarii anno 1515. 156. An 1515 Februar 28, Graf Hieronymus Nogarola.» Augsburg. Widmungsbrief vor der Ausgabe des Jordanes und Paulus Diaconus. Gedruckt: lornandes de rebus üothorum. Paulus Diaconus Foroiuliensis de gestis l.angobardorum. Augsburg bei.loh. Miller. 21. März 1515 (Panzer 6 S. 143 Nr. 81). Fol.A*rf. 1 Den in Rom anwesenden Glaubensinquisitor Jakob Hodistraten O. Pr„ Reudilins Hauptgegner. 2 Domenico Grimani, Kardinal von S. Marco; vgl. aber ihn Pastor 3* S.319; 4, 1 S.ll u. 0. 3 Für die durdi riditerlidie Entscheidung vom 13. Jan. 1515 eingeforderte Übersetzung des Reudüinsdien Augenspiegels war der Bremer Kanonikus Dr. iur. Martin Gröning gewonnen worden; vgl. L. Geiger, Jon. Reudllin S. 314. ' Diese Annahme war irrig; es erging keine Entscheidung, und im Juli 1516 wurde der Prozeß durdi päpstliches Mandat bis auf weiteres vertagt. Über die Einzelheiten des römisdien Verfahrens unterrichtet am besten der lange Brief, den Martin Gröning am 12. Sept. 1516 an Reudllin gesdirieben hat; er ist nur in einer von Peutinger veranlaßten und eigenhändig durchkorrigierten Absdirift im Cod. 2o Aug. 389 der Augsburger StB erhalten und daraus von J. Schledit erst kürzlich veröffentlidit xvorden: Briefmappe 2 (Reformationsgesdüditl. Stud. u. Texte Bd. 40, 1922) S.65ff. •"' Graf Hieronymus Nogarola, aus altem Veroncser Gesdtlcdit, ein Neffe der wegen ihrer Gelehrsamkeil berühmten Isotta Nogarola (s. G. Voigt, Die Wiederbelebung d. Iilass. Altertums D S. 441 f.). ivar Rat Kaiser Maximilians. 254 Nr. 156. 1515 Februar 28. Ad magnificum et generosum Hieronymum Nogaroli comitem, sacrae caesareae M tis senatorem, Chuonradi Peutinger Augustani iurisconsulti epistola. Imp. caes. Karolus augustus III., Hluduvici regis Orientalis Franciae filius, caesaris Hluduvici augusti Pii nepos, divi caesaris Karoli augusti Magni pronepos, qui a magnitudine corporis co- gnomento Crassus appellatus est (ut hoc exemplo potissimum ob authoris gloriam notissimo utar et alios retroacti temporis prin- cipes et multos nee obscuros praeteream), ex eo praeeipua laude dignatus est, quod viros doctos mirum in modum amaverit, iuverit, foverit ac multis ad scribendum praebuerit facultatem. Testes sunt plurimi, sed duo maxime: Anastasius, Romanae bibliothecae praefectus, et Ioannes VIII. pontifex maximus. 1 Caesar vero Maxi- milianus augustus qua benevolentia quave liberalitate non doc- tissimos solum, sed et vel medioeriter eruditos amplexetur, foveat atque ad aliquid semper in rem literariam conferendum compellat, notius est quam sit mea aut cuiusquam oratione celebrandum. Nee mirum, si favet ingeniis, cum ipse optimarum artium mul- tarum ac omnis fere diseiplinae studiosissimus sit nihilque in- veniatur aut tarn difficile cognitu aut tarn vetustate involutum, in quod ille intenderit, ut non quantum voluerit fuerit consecutus. Quin etiam suis stimulis et, ut verius dicam, calcaribus effectum est, ut multi libri et potissime historiarum (his enim maxime de- lectatur), qui diu temporum ineuria atque desidia desiderati, annis et pulvere obsiti exesique tineis tantum pastus iacebant, nunc miserrimo tandem carceris squalore liberati et übertäte donati exeant. 1 Peutinger hat hier offenbar den an Karl den Kahlen gerichteten Widmungsbrief des Anastasius Bibliothecarius (vom 25. März 875) zu der von diesem verbesserten Übersetzung des Ps.-Dionysius Areopagtta durch Joh. Scottus (Migne, PL 122 Sp. 102516; vgl. dazu M. Manitius, Gesch. d. lat. Lit. d. Mittelalt. 1 S. 333, 682 und 687), in dem eingangs des Königs wissenschaftliche Verdienste gerühmt werden, irrig auf Karl d. Dicken bezogen. Peutinger war dieser Brief zugänglich in der 1503 in Straßburg erschienenen Ausgabe verschiedener älterer und neuerer lateinischer Übersetzungen und Kommentare zu den Werken des Ps.-Dionysius (Panzer 6 S.30 Nr. 29); er steht hier unmittelbar vor des Joh. Scottus Übersetzung der .Coelestis hierardiia" auf fol. A 3v ohne Datum mit der Überschrift: Praefatio Anastasii apostol. sedis bibliothecarii ad excellentiss. et christianiss. regum Carolum. Nr. 156. 1515 Februar 28. 255 Sed haec est minima, quamvis sit maxima laus imperatoris. Itaque in hanc rem, cum de ea non sit mihi propositum, non ultra progrediar. Ipsius etiam ductu auspicatori» et nostra et Ioannis Stabii historiographi cura et diligentia Iornandis de Getarum rebus liber unus et Pauli Germani, Warnefrid filii (quem Dia- conum a Foroiulio appellant), Historiae Langobardicae libri VI, qui multos annos hactenus oblituerent, restituti typisque excusi iamprimum publicantur. 2 Sunt et nobis in manibus Eutropii Historiae Romanae libri XVII, cui alias impresso eiusdem Pauli additiones (ita enim inscribunt) falso subiunctae depraehenduntur. 8 Iornandem itaque ipsum et Paulum ad te primum mittere volui, quem amo plurimum, cum optimarum artium (a quibus nunquam alienus fuisti) studiosum, tum rerum agendarum usu non minus insignem quam fide memorandum. Huc accedit, quod qualem de me habeas opinionem nulli potest esse dubium, cum quid feceris appareat: Cum enim filium tuum Leonardum 4 ad,ules- centulum et ingenio praestantem et in literarum studiis maiores quam pro aetate progressus habentem, quem unicum melioris sexus habes, mihi credideris. Et cum tu esses Veronae, filius vero mecum 1 Maximilian hatte Peutinger für die Ausgabe des Jordanes und Paulus (und gleiahzeitig auch für die nicht zustande gekommene des .Itinerarium Antonini", womit die .Tabula Peutingeriana" gemeint ist) sdwn am l.März 1511 in Freiburg i. B. ein Druckprivileg erteilt, das außer in der Ausgabe (fol.lv) aU ah bei Lotter-Veith S.123f. abgedruckt ist. 4 Nur die Ausgabe des Jordanes war eine Erstausgabe; Paulus Diaconus war bereits 1514 bei Jodocus Badius Ascensius in Paris von Guil. Parvus, allerdings sdiledit, gedruckt worden, wovon Peutinger offenbar noch nidits wußte. Über Peutingers — für ihre Zeit vortrefflichen — Ausgaben des Jordanes und Paulus vgl. Mommsen, MG Auct. ant. 5 S. LlXf. und Beth- mann, Ardüv 7S. 314 ff. 3 Gemeint ist wohl Eutropius, Breviarium hist. Romanae, Romae 1471 (Hain *6726). Vgl. auch die bei Joachimsen S.251 Anm.45 abgedruckte handsdiriftlidie Bemerkung Peutingers in seinem Exemplar der Script, hist. Augustae, ed. Erasmus (Basel, Froben 1518). Über das tatsädilidie Verhältnis des Eulrop und Paulus Diaconus s. M. Manitius, Gesch. d. lat. Lit. d. Mittelalters 1 (1911) S.262. 4 Audi Graf Leonh. Nogarola trat gleich seinem Vater später in Habs- burgisdte Dienste; er war Rat Ferdinands I. ; vgl. z. B. W. Bauer, Die Korrespondenz Ferdinands 1. 1 S. 310 f. und 357 f. Über seinen weiterhin erwähnten Aufenthalt im Hause Peutingers und dessen Zeitpunkt ist sonst nichts bekannt. 256 Nr - l56 - I515 Februar 28. Augustae, tarnen illi bene consultum esse et ad mores et ad caetera necessaria iudicaveris. Declarasti tu quidem tantum mihi tribuere, quantum fortasse ego non agnosco nee postulo. Tali tarnen opinione tua ac iudicio facere non possum, quin et mihi gaudeam et tibi debeam. Accipe igitur libros tuo nomini dicatos quasi nunc demum editos vel saltem longo intervallo redeuntes in lucem. Quodsi quid erit in his maneum aut mendosum, peto non quidem a te, qui ultro hanc mihi veniam dares, verum a caeteris, si qui erunt huiusce historiae Studiosi, ut boni aequique con- sulant. Contulimus enim nos, quantum habuimus et quantum potuimus. Quodsi idem caeteri quoque facient, nihil fortasse deerit ad historiae Cognitionen!. Qui vero Gothi atque Langobardi fuerint, legendo hos quilibet facile cognoscet. Antonius Sabellicus libro septimae enneadis IX. Priscum referre ait Getas esse diversos a Gothis, Strabonem Capadocem aliter sentire, 1 ex lornande vero eosdem esse et Getas et Gothos perspicere licet. Sunt et Gothi primo origine Scythae, qui mox in Germanorum nomen abierunt nee proprie Ostro- gothos et Visigothos nisi literarum adiectione dieimus. A ventis enim (nominum Germanorum), quibus terrae partes disiungimus, nomina sunt sortiti: Ostgothi orientales, Westgothi occidentales; quemadmodum et vetusti Saxones campestres Germane Ostfelder et Westfelder appellati; hos posteriores aetate nostra Westvalos recte nuneupant. Langobardi et ipsi Germani fuerunt; quorum regnum etiam Italis nee crudele nee intolerabile erat, nam et scelera severissime vindicabant et omnia domi et foris tuta et secura continebant; Paulum etiam si quis perlegerit, Sabellici errorem vel authorum eorum quos ille secutus est librorum facile depraehendet. Scripserunt autem Iornandes et Paulus non florentibus Italiae rebus, sed eo tempore, quo Latialis lingua una cum rebus ipsis iam interierat. Quare non mirum, si nudas res ipsas sine aliquo verborum splendore posuerunt, neque aliud quisquam ab homini- bus illius temporis desiderandum fuit praeter verae historiae tra- 1 Vgl, Linneades AI, Antonii Sabellici ab orbe condito ad inclinationem Romani imperii, Venetiis 1498 (Hain * 14055), fol. GG 3v. Nr. 157. 1515 April 20. 257 ditionem. Quodsi quisquam alius, Iornandes et Paulus potissi- mum facere potuerunt; qui non modo eo tempore fuerunt, quo ea, de quibus scribunt, gesta sunt, verum etiam ipsi rebus inter- fuerunt, ut verisimile sit hominis nullius id rogatu facere ag- gressos, sed tarnen, ut res gestas et hi, qui in posterum futuri essent, cognoscere possent, nihil occultasse de industria, nihil addidisse non gestum. Neque, puto, mira alicui videbuntur, cum similem propemodum imaginem nostra tempestate viderimus. Nee ante nisi postquam res Romanae declinare coeperunt, Italia ubique quieta fuit, verum mutationes semper et magni motus quasi per successionem quandam ad nostra usque tempora pro- pagati sunt. Idque potissimum ob intestinas seditiones, quod adeo verum est, ut Livius gravis author tanto antea opinatus sit Romanorum res aeternas fuisse futuras, nisi inter se ipsi sedi- tionibus saevissent; id unum venenum, eam labern civitatibus opulentis repertam, ut magna imperia mortalia essent. 1 Unde urbis Romae, aliquando etiam orbis capitis, imperium, quod ab Oriente ad Indos, meridie ad Aethyopes, aquilone ad Sarmatas et occasu ad Gensoriacum Oceanum 2 erat protensum, irrum- pentibus in eum eiusque ditionem Gothis, Herulis, Turcilingis, Rugis, Vandalis, Alanis, Burgundionibus, Langobardis, Suevis, Saxonibus et Franconibus, quos Paulus a nomine Germanos appellat, facile in se ipsum inclinatum atque dissolutum est. Nee aliquid inter mortales ad nos pervenit tarn altis innixum radieibus, ut in perpetuum duret ac non aliquando vel tunc maxime, cum fortius habetur, frangatur et corruat. Tua magnifica D ,i0 benevaleat. Ex aedibus nostris pridie kal. martias anno salutis 1515. 757. Von Bernardinus Trebatius. 3 1515 April 20. Augsburg. Widmet Peutinger als seinem Wohltäter das Manuskript seiner lateinischen Übersetzung des Horapollon. 1 Vgl. Livius 2, 44, 8. 2 Gessoriacum ist der alte Name von Boulogne. ' Über den Vicentiner Humanisten Bernardino Trebatio, der seit Sept. oder Okt. 1514 in Augsburg weilte, um Deutsdi zu lernen, und nodi im Sommer und Herbst 1518 ebendort im Bekanntenkreise Huttens ersdieint (s. dessen Brief an Pirdiheimer vom 25. Okt. d. J.: Opera Hutteni, ed. Boedting, 1 S.214), vgl. Gottl. Friedlaender, Beiträge z. Reformationsgesdt. (1837) S.99ff. K ön Ig , Peutingers Briefwechsel 17 258 Nr. 157. 1515 April 20. Gedrudtt: Ori Apollinis Niliaci Hieroglyphica per Bernardinum Trebatium Vicentinum de Graecis translata. Basel bei Joh. Froben. 1518 (Panzer 6 S. 194 Nr. 144). Fol. a 2. Chuonrado Peutinger Augustano iurisconsulto Bernardinus Trebatius Vicentinus S.D. En Orum 1 Latinum, si modo id sum consecutus, exhibeo tibi, patrone optime. Sit enim haec tui verissima appellatio; nam ut omittam dicere de hominibus, patronus es reipublicae literariae, debet tibi oinne genus scriptorum. Siquidem sie omnium es Studiosus, ut omnes habere velis, conquiras undique. Nonnulli multos annos desiderati nunc demum tua opera legantur. Histo- riarum vero series omnis per te explicatur ac habent in te vivum exernplar. Antiquitas ipsa nullo magis gaudet alumno. Romani autem caesares quem alium malint curatorem? Non tibi eorum gesta cognovisse satis, eos ipsos signatos omnes in chartis, aere, argento, solido auro demonstras. Et quod vivi non potuerunt, mortui adepti sunt: ut eodem tempore et iuvenes et senes et in omni aetate quales fuerint conspici possint. Sed et ipsi Romani duces, quod non seeundo perierint, tibi aeeeptum referunt: tu eorum epigrammata colligis undeeunque et iam vetustate collapsa, dimidiata fere, restituis ac das, ut, postquam in marmore nequeunt, in chartis legantur. 2 Sed quid ego haec de te ad te? Aliis melius aliquando narrabo. Quin Graeci ipsi, si quis inferis sensus, tibi bene precantur. Nam cum iam desint ex eorum genere qui legant, 1 Über Horus Apollon oder Horapollon aus Nilopolis in Ägypten und sein wohl im 4. Jahrh. n. Chr. koptisdi geschriebenes, von einem gewissen Philippus ins Griechisdie übersetztes Werk „Hieroglyphica" vgl. Roeder in Pauly-Wissowa, RE d. klass. Altertumswiss. 16. Halbbd. (1913) Sp. 2313—19; der erste Druck des griediisdien Textes war in Venedig bei Aldus Manutius 1505 (Panzer 8 S.376 Nr. 309) erschienen. Die Wirkung des 1419 wiederentdeckten Werkes im Zeitalter des Humanismus behandelt auf breitester geislesgeschiditlidier Grundlage K- Giehlow (gest. 1913) in seiner leider unvollendet gebliebenen Abhandlung „Die Hieroglyphenkunde des Humanismus in der Allegorie der Renaissance, besonders der Ehrenpforte Kaisers Maximilian 1.", aus dem Nachlaß des Verf. herausg. von A. Weixlgiirtner im JKSK 32 (1915) S. 1-229. * Die vorstellenden Sätze beziehen sidi auf Peutingers nie vollendetes .Kaiserbuch" mit seinen Zusammenstellungen von Urkunden und Stein-und Münzinsdiriften (vgl. König S. 48 ff.) sowie auf seine 1505 erschienenen „Romanae vetustatis fragmenta". Nr. 158. 1515 Mai 21. 259 curas tu, ut a Latinis legi possint. Optarem vel hac causa patere mihi Graecorum penetralia, ut satis tuae possem facere voluntati. Debeo enim tibi omnia cum ob benevolentiam tum ob merita multa: tu mihi viso tantum omnia amicitiae vel antiquissimae officia praestitisti, domo me suscepisti, petenti omnia tribuisti, multa etiam ultro obtulisti idque nullis meis in te meritis. Quod etsi in omnes itidem humanus es et überaus, me tibi tarnen plus caeteris debere sentio. Verum in praesenti qui me memorem ostendam? Habeo nihil praeter animum et hoc quicquid est libelli, quem, quia non ingratum tibi fore sentiebam, transtuli maiori voluntate quam facultate. Nam et adhuc in hac lingua peregrinor et est libellus eiusmodi, ut ne a Graecis quidem ipsis totus legi possit. Inerunt et quae fortasse nugatoria ac frigida videantur, quae tarnen ego non ommisi. Non enim censoris, sed interpretis fungebar officio nee animus fuit ita relligiose vertere, ut verbum verbo redderem. Quid enim ineptius? Latinis enim, non Graecis laboravi. Quantum autem effecerim, tu facillime iudicabis et statues, an eiusmodi sit opusculum, ut ei in tua re- fertissima bibliotheca locus esse debeat. 1 Vale decus patriae ac meliora, si Deus annuerit, aliquando expectes. Augustae 12. calendas maias anno 1515. 158. Von Georg Kirclimülner. 1515 Mai 21. Wellenbarg. Peutinger soll beim Augsburger Rat dem kaiserlichen Hof- tiscliler Jörg Meckh die Erlaubnis erwirken, sich noch einen weiteren Gesellen zu halten, damit er S. kais. Mt. arbeit furder und ander seine konden nit verlier. Augsburg, StA: Maximilian. Ursdtr. Gedruckt: Buff Nr. 8605. 1 Peutinger hat das ihm gewidmete Manuskript, wie es natürlidi dem Wunsdie des Verf. entspradi, nicht in seiner Bibliothek stehen lassen, sondern an Joh. Froben in Basel zum Druck gegeben; vgl. dessen Bemerkung in der Vorrede: Eum insignis illc meliorum litterarum antistes Chuonradus Peutinger, apud Vindelicos Augustani senatus a secretis et caesareae M tis a consilio, libera- Hter non ita duduni communieavit. Vor der Vollendung des Frobensdien Druckes war aber bereits in Bologna i. J. 1517 eine andere im Sommer 1516 vollendete lateinisdie Übersetzung des Werkes von Filippo Fasanini erschienen (Panzer 6 S. 330 Nr. 93); vgl. aber sie Giehlow a. a. 0. S. 129ff. Die gleich- 17* 260 Nr. 159. 1515 Juni 26. Nr. 160. 1515. Juli 22. 159. Von Nikolaus Eilenbog. 1515 Juni 26. Ottobeuren. Bittet, ihm für sein „Epitoma Platonicum", das er Bernhard Adelmann von Adelmannsfelden widmen wolle, einen Drucker zu gewinnen. Stuttgart, LB: Hist. lis. 4<> Nr. 99 fol. 199"f. Abschr. Ellenbogs. Gedruckt: Zapf S. 155. Frater Nicolaus Eilenbog Conrado Peutinger S.D. Epitoma Platonicum, quod superioribus annis tibi recognos- cendum transmiseram, 1 hactenus apud me latitare feci, etsi non semel ut in publicum prodire facerem adhortatus sis. 2 Nactus sum autem virum mea sane opinione dignissimum, cuius nomine Epitoma tuto in publicum prodire poterit, Bernhardum loquor Adelman de Adelmanfelden, virum vere ingenuum et in omni virtute et doctrina praestantem et illustrem. Huic inquam humanis- simo viro mihique non mediocriter affecto Epitoma dedicare statui. 3 Quum vero tibi sit cum chalcographis familiaritas magna, velim aliquem convenias eique Epitoma ut imprimendum assumat per- suadeas.* Si enim olfecero librum brevi imprimi posse, illico eum istuc mittam. Vale memor mei. Ex Ottenpurra 6. kal. iulias 1515. 160. Von Nikolaus Ellenbog. 1515 Juli 22. Ottobeuren. Wiederholt kurz den Inhalt seines vorigen Briefes (Nr. 159) und erkundigt sich nach dem Schicksal der Chronik seines Vaters. Stuttgart. LB: Hist. Hs.4<> Nr. 99 fol. 200rf. Abschr. Ellenbogs. Gedruckt: Zapf S. 156. falls beabsichtigte Würdigung der Übertragung des Trcbatius zu sdireiben (vgl. ebd. S. 160). war Giehlow nidit mehr vergönnt; vgl. über sie C. Leer- mans, Horapollinis Niloi Hieroglyphica, Amstelodami 1835, S. XXIX. 1 Vgl. Nr. 62. 2 Vgl. Nr. 63 und 152. 3 Vgl. den Brief Ellenbogs an B. Adelmann vom 10. Juni 1515: Thurnhofer S. 139f. * Den Rat, sidi wegen des Druckes an Peutinger, cuius nutu cuncta hie imprimuntur, zu wenden, hatte Adelmann selbst in seiner Antwort an Eilenbog vom 16. Juni gegeben: Thurnhofer S. 140. Diesen Brief Adelmanns hatte Ellenbog seinem Schreiben an Peutinger beigelegt: vgl. seinen Brief an Adelmann vom 28. Juni ebd. S. 140f. Nr. 161. 1515 August 17. 261 Frater Nicolaus Eilenbog Conrado Peutingero S.D. Dedi ad te, Conrade Peutingere doctissime ac humanissime, 6. kal. iulii literas, 1 quas ideo interceptas suspicor, quia hactenus a te responsum habeo nullum. Operae precium itaque duxi, te vel his literis certiorem reddere de bis, quae superiori epistola tibi significavi. Paucis itaque quae volo accipias. Epitoma Platonicum, quod superioribus annis tibi recognoscendum transmiseram, nunc in publicum emittere statui sub nomine et tutela ingenui ac docti viri Bernhardi Adelman de Adelmanfelden, canonici Augustensis. Velim itaque, ut apud chalcographos efficias, quatenus über brevi imprimendus suscipiatur. Rem tenes brevibus. Fac itaque meani de te spem ne eludas. 2 Cupio insuper certior fieri, quid de Chronica paterna mihi sperandum sit. 3 Vale foelix. Ex Ottenpurra in die s. Magdalenae 1515. 161. Von Bürgermeister und Rat 1515 August 17. von Nor düngen. Nördllngen. Bitten, sich beim Kaiser und seinen Räten dafür zu verwenden, daß das Kammergericlit, falls es Worms verlasse, nach Nördllngen verlegt werde. Nördllngen, StA: Missivbilcher 1515 fol. 90?. Abseht. . . . Wir werden bericht, wie das hochloblich kaiserlich camer- gericht der schweren und unsichern leuf halben 1 zu Wurms gern aufwegig und an ein ander gelegen ort im Reich were. Dievveil wir nun bei uns befinden, das es uns erlich und nutzlich, den gemainen stenden des hl. Reichs alhie der gelegenhait und den- jenen, so dem cainergericht verwandt sind, der liverung, zerung und aller sachen nit ungelegen, annemlich und gefeilig sein möchte, so ist an E. W. als unsern besondern vertrauten lieben 1 Vgl. Nr. 159. 2 Peutinger hat Ellenbogs Wunsch nicht erfüllt. Über die weiteren Sdiicksale und den sddießlidien Verlust seines .Epitoma Platonicum- vgl. Thurnhofer S. 106f. s Vgl. Nr. 152 und 165. * Im Frühsommer 1515 hatte Franz v. Sickingen seine große Fehde gegen Worms eröffnet, durdi die die Verbindung des dort ansässigen hödisten Reidis- geridttes mit der Außenwelt zeitweilig unterbrochen wurde. Sickingen selbst hatte gefordert, es solle seinen Sitz verlegen, da er sonst nidit für seine Sicherheit aufkommen könne. Vgl. W. Friedensburg, F. v. Sickingen in: Im Morgenrot d. Reformation 2 (1915) S. 576f. 262 Nr. 162. 1515 nach August 20. herrn unser freuntlich und vleissig bit, wollend derhalben von unsert wegen sarapt unserm lieben herren und guten freund doctor Johann Rehlinger 1 bei kais. Mt, unserm allergnedigisten herren, und eurn herren und guten freunden den hofreten unsers sondern hochen Vertrauens mit treuem vleis sollicitieren und anhalten, damit das camergericht zu uns gelegt werd etc. Geben auf den sibenzehenden tag augusti anno etc. 15. Burgermaister und rat zu Nördlingen. 162. An Biirgermelser und Rat (1515 nach August 20. von Nördlingen. Augsburg.} Antwort auf Nr. 161. Hat wegen Verlegung des Kammergerichts von Worms nach Nördlingen an den Kanzler und mehrere Räte des Kaisers geschrieben. Nördlingen, StA:Missiven 1515. Reinsdir., nur die Unterschr. eigenhändig. Lieben herren, als ich mein schreiben von wegen euers spitals het gefertiget, 2 ist mir ain brieve ferrer von E. Ft. zu- komen, das camergericht betreffend. Auf das hab ich nach meiner gelegenheit der sach nachgedacht und in gleicher form laut ein- geschlosner copei 3 für mich selbs und als kais. Mt. verwandter" meinem gnadigen und lieben herren dem canzler, 4 probst von Wallkirch, 5 herren Jörgen von Emershofen, herren Jörgen Kirch- mulner als für mich selbs anzaigt. Ich het herren Niclasen Ziegler 6 auch geschrieben; so vermeint doctor Rehlinger, er hab bisher den von Worms solicitiert... . 7 Ohne Datum. Peutinger. - für — verwandter eigenhändig am Rande zugesetzt. 1 Neben Peutinger war audi der Augsburger Jurist Dr. Joh. Rehlinger (vgl. über ihn Roth 1 S. 89) ständiger Reditsberater Nördlingens; die Anfragen des Rates ergingen in vielen Fällen an beide zugleich. 2 Dieses Schreiben (Nördlingen, StA; Missiven 1515), das hier unberücksichtigt bleiben kann, trägt das Datum: 20. Aug. * Niefit erhalten. 4 Cyprian von Semtein. 5 Balthasar Merklin, Propst von Waldkircli; vgl. über ihn A. Hasenclever in: ZOO N. F. 34 S. 485ff; Kalkoff S. 1.11 ff 8 Der damalige oberste kaiserl. Sekretär, spätere Reidisvizekanzler Niklas Ziegler war ein Nördlinger Kind: vgl. über ihn Kalkoff S. 133f. ' Der Sdiluß des Briefes betrifft einen Rechtsstreit der Stadt. — Bürgermeister und Rat von Nördlingen haben, wohl nadi Empfang von Peutingers Schreiben, auch ihrerseits am 28. Aug. an Semtein, Merklin, Emershofen und Nr. 163. 1515 September 20. 263 163. Von Johannes Pinicianus. 1515 September 20. Augsburg. Widmet sein „Promptuarium vocabulorum". Gedruckt: Io. Piniciani Promptuarium vocabulorum. Augsburg bei Silvan Othmar. 26. Jan. 1516 (Panzer 6 S.145 Nr. 89). F.ol.ASrf. Chonrado Peutinger iureconsulto, domino ac patrono suo, Joannes Pinicianus S.D. Quoties tuorum erga me benefactorum magnitudinem ipse mecum repeto, praestantissime vir, novus semper in nie ardor et ingens ad amandum te desiderium concitatur. Fitque, ut me tibi totum omnibus studiis et offieiis meis committam omnemque litterarü laboris fruetum (qui tarnen tenuis est) cura et diligentia nostra partum tibi patrono meo offeram et dedicem. Cum igitur superioribus annis inter mutua nostra colloquia de Marii Grabaldi viri doctissimi lepidissimique dictionario, qui de partibus aedium inscribitur, 1 sermo fieret, Optimum factu arbitratus es, ut idem Hbellus (quoniam multarum rerum vocabula contineret) in linguam nostram vulgarem verteretur, ut nostri pueri utraque lingua, hoc est vulgari et Latina, recte res appellare possent, ne semper sordidis quorundam trivialium vocabulariorum sentimentis in- haerentes barbariem meram imbibereassuescant. Monuisti, ut (quoniam tibi propter maxima et quotidiana publica et privata negotia id facere non esset commodum) provinciam eam subire vellem. Assensi non invitus iustae et multis profuturae petitioni tuae eumque Grabaldi libellum, ut potui, breviter seeundum nostram Augustensem linguam vulgarem interpretatus sum. Et ut maior assurgeret libellus (neque enim totum Grabaldum ad verbum transtuli, sed rerum dumtaxat significata omissis authorum alle- gationibus et nonnullis aliis scitu quidem dignis, sed ad institutum nostrum parum conferentibus), de variis artificum instrumentis et aliorum, quae in communi et quotidiano usu versantur, adiunxi. Peto nunc nostrum laborem benigno aeeipias animo, qui prae- cipua tua iussione et favore ad nostrae Germanicae iuventutis Kirdimülner, sowie audi nodi an den kaiserl. Sekretär Wolf Kesinger und O'i Niklas Ziegler Bittgesudie wegen Verlegung des Kammcrgeridits in die Mauern ihrer Stadt geriditet (Nördlingen, StA: Missivbildwr 1515 fol.90v). 1 Franc. Marias Grapaldus, De partibus aedium libri duo. Parmae s. a. (Hain * 7868). 264 Nr. 163. 1515 September 20. commoditatem susceptus est; eum legas et relegas, atque, ubi opus erit, einendes puriusque vulgare expunctis et erasis a aliis ineptiis interponas, ut tute et secure inter risus et detractorum morsus elabi posset. Scio etenim taetricos censores, qui cum ipsi nihil scribant omnia tarnen taxant, numerant sillabas, regulis grammaticae regulant omnia adeo, quod nee litera quidem ab eis intaeta relinquatur, atque hoc magis invidiae stimulis moti quam recto animi iudicio faciunt. Iidem meum opusculum tanquam trium dierum laborem pensiculabunt, volumen ingens quatuor foliorum transtulisse et paueulos quosdam apices me adiecisse blacterabunt. Quorum etsi multis rationibus malevolentiam ef- fringere possem, nihil tarnen aliud respondeo, quam quod qui- libet huius rei studiosus respondere posset. Omnia enim ex multis congesserunt quieunque dictionarios scripserunt. Quare ergo et mihi non liceat, si ex ipsis Omnibus colligens atque aromatarios imitans ex variis flosculis et herbarum succis tandem unam com- positionem efficiam? Aut cur non liceat, materiariorum exemplo ex omnibus lignis excidere, quae aedificio meo aptiora videntur, et domuni unam construere? Non enim animus fuit, generalem dictionarium et omnium rerum significata congerere, cum claris- simos et Latinae linguae copiosissimos habeamus Cornucopiae, 1 Calepinum, 2 Nestorem, 3 Junium, 4 Tortellium, 5 M. Varronem, 6 Festum 7 et alios, sed de rerum voeibus quasi sub breviario quodam usitatiora colligere atque in ordinem per capita redigere, ne nobis semper tantorum librorum silvam percurrere necesse sit, sed quae ad quotidianum fere usum pertinent in promptu et ad manum haberemus. Ideo huic libro recte (ut opinor) nomen indidi Promptuarium vocabulorum. Quemadmodum enim in paenario multa et varia ad quotidianum usum esculentorum re- ponuntur, ita et in hoc libro multarum rerum vocabula, quibus frequentius uti in sermonibus solemus, pulcro ordine collocata a erasis et Erstdruck. 1 Von Nie. Perottus; vgl. oben S. 176 Anm.l. 2 Vgl. oben S. 176 Anm.3. 8 Dionysius Nestor, Vocabularius; seit 1488 mehrmals gedruckt. 4 Junianus Mains; vgl. oben S.51 Anm.5. r ' Vgl. oben S.51. Anm.6. 6 De lingua Latina, quemadmodum vocabula essent imposita rebus; seit 1471 mehrmals gedruckt. 1 Sextus Pomponius Feslus, De verborum significationibus; seit 1471 mehrmals gedruckt. Nr. 164. 1515 Spälsommer-Herbst. 265 sunt. Neque tarnen mireris, humanissime patrone, si aliquando minus congruum dictioni cuipiam vulgare appositum offenderis. Diversae etenim regiones diversa rerum nomina sortiuntur, et inulta in Augusta nostra dicuntur, quac ab aliis aliter appellantur. Praeterea inulta inexplicata praeterii, maxime in morborum, belli et instrumentorum multorum vocabulis, quorum omniuin vulgare vel omnino non est vel inventu difficile. Oportet igitur multa circumloqui vel ab liiis quaerere, qui ad libitum rebus novis quotidie nova vocabula imponunt, utsi a milite armorum et tor- mentorum vocabula, a medicis morborum et potionum atque ab aliis alia disquirere cupiam. Sed hoc mihi tarn facile erat, quam vel maris, piscium et coeli volatilium nomina cognoscere. Va!e literarum et patriae decus, doctor clarissime, meque ut soles ama. Ex aedibus nostris Augustae 12. kalendas octobris. Anno salutis nostrae 1515. 164. An? in Freiburg LB. 0515 Spätsommer-Herbst. Augsburg./ Anweisung für die Randzeiclinungen zu 18 Blättern des „Gebetbuches Kaiser Maximilians". Gedruckt: 1. Herberger S. 55 Anm.84. — 2. Buff, Vorbemerkung. — 3. K.Giehlow im JKSK 20 (1899) 5.7/. -----------------------guter frund, ich schick euch------------------- ---------------— ei trittern. An dem ersten------------------— ----------------------• soll unden ain bedeutung-------------------— ------------------- altigkeit artlicher weise ge- ----------------------- -----------------------zu anfang des selben gebets------------------ -------------------.— romisch art, der mein herr----------------------- -----------------------mein guter frund Dyrer gut------------------- ----------------------29 plat, der andern-------•---------------------- —--------------— zu dem gepet sant------------------------------- ----------------------obgemelter art, und------------------------------ — ■ ------------------ain sant Jörgen in vollem----------------------- —..— ---------------curisser mit dem trachen. 1 ----------------------- 1 Dieses einst von Herberger im Augsburger StA unter weggeworfenen Papieren aufgefundene Brudistüdi eines Peutingersdien Briefentwurfes war schon 1893 (vgl. Buff) nicht mehr vorhanden. Herberger hatte bereits richtig erkannt, daß sidi der Inhalt auf das Gebetbudi Kaiser Maximilians bezieht; 266 Nr. 165. 1515 November 16. 165. Von Nikolaus Ellenbog. 1515 November 16. (Ottobeuren.y Beklagt sidi, daß er die Chronik seines Vaters ohne die erbetenen Verbesserungen zurückerhalten hat. Übersendet sie nodimals mit der inständigen Bitte, Peutinger möge ihr dodi einen kleinen Teil seiner abendlichen Mußestunden widmen. Stuttgart, LB: Hist. Hs. 4» Nr. 99 fol. 204'f. Abschr. Ellenbogs. Gedruckt: Zapf S. 157. Frater Nicolaus Ellenbog Conrado Peutinger S.D. Perdocte vir, Chronicam genitoris a te missam accepi, sed non talem, qualem desiderabam. 1 Nihil enini in ea expunxisti, nihil immutasti nee mendas ullas, quibus scatet plurimum, trans- verso notasti calanio, quum tarnen id imprimis a te fieri efflagi- taverim. Tu forsan eam tanto studio dignam non iudicas, aut quondam ad me coneeptus fervor refriguit. Utcumque sit, librum tibi remitto, petens enixius, ut hac in re mihi non desis, sed tantillum tempus his protractioribus noctibus, quae utique actioni- bus publicis minus sunt idoneae, libello impertias ipsumque perlegas et in transcursu errata elimines ac reformes; quod ut facias etiam atque etiam rogo. 2 Vale. In die Othmari 1515. dagegen war seine Annahme, der Brief sei. an Dürer gerichtet gewesen, zweifellos irrig. Karl Giehlow hat (a. a. O. S. 71 — 74) sdiarfsinnig und Überzeugend dargetan, daß der Inhalt des Schreibens für den in Freiburg tütigen Maler Hans Baidung Grien bestimmt war, dessen Anteil an den Randzeichnungen des Gebetbudies genau drei trittern (= 3x3 Doppelblätter) umfaßt. Als Muster werden dem Künstler von dem mit der Leitung der Arbeiten betrauten Peutinger 29 plat (Doppelblätter) fertiger Zeichnungen, d. h. genau der Anteil Dürers (unter dessen Zeichnungen finden sich gerade auch die im Briefe erwähnten Darstellungen der hl. Dreifaltigkeit und des hl. Georg) und Lukas Cranadis, zur Verfügung gestellt. Giehlow nimmt an, daß das Schreiben nidit an Baidung Grien unmittelbar, sondern an einen der humanistischen Freunde Peutingers in Freiburg (vielleidit Dr. Jakob Mennel, mit dem Peutinger durdi gemeinsame Arbeiten für die „Genealogie" des Kaisers sicher in Verbindung stand) als Mittelsmann geriditet gewesen sei. Als frühestes Datum ergibt sidi der Spätsommer 1515, da Dürers Anteil erst im Juli dieses Jahres vollendet war und dann noch die Fertigstellung der Cranachsdien Blätter abgewartet werden mußte. x Vgl. Nr. 150f. 2 Peutinger hat auch diese wiederholte Bitte Ellenbogs nidit erfüllt. Das mag dazu beigetragen haben, daß dieser den brieflidien Verkehr mit ihm abbrach und erst am 8. März 1530 wieder aufnahm. Nr. 166. 1515 November-Dezember. 267 166. Von Veit Bild. 1515 {November-Dezember. 1 Augsburg.} Hat die geographische Breite von Augsburg neu berechnet und bittet, die beifolgenden, darauf aufgebauten astronomischen Tabellen zum Drucli zu befördern. Augsburg, OA: Hs. 81 II fol. 129". Abschr. Bilds. Gedruckt (sehr fehlerhaft): Braun 4 S. 175. Regest: Schröder Nr. 103. Fr. Vitus Acropolitanus utriusque iuris doctori excellentissimo C. Peutingero benevalere. Scias, patrone literatorum singularissime, me hactenus am- miratione esse suspensum quam maxima, cur super tantae im- perialis latitudine civitatis talem eius incolae, viri dissertissimi, passi sint discordiam: multi namque eorum 46. gradum, alii 47., alii 48. posuerunt, quorum discrepantia me desuper multocies et impatientem et invitum a complurium prohibuit instrumen- torum fabricatione. Postremo vero volens tantae aput meipsum socordiae finem imponere per nonnulla tempora quottidie ferme Phoebo lucente, non parvis tarnen sine laboribus, experientia tandem praefatae imperialis polarem altitudinem civitatis didici et offendi, quam frons chartae ad te missae ostendet. Qua in- venta eiusdem veros ortum et occasum, diei ac noctis quanti- tatem, solis in meridie altitudinem (quae indicibiliter instrumentis fabricandis utilis et necessaria est) cum Ioannis de Monte regio 2 solis ab aequatore declinatione supputatione exactissima exaravi. Quae singula eius incolis, praecipue mathematicae indagatoribus disciplinae, ut opus quam charissimum acceptandum spero. Quod tarnen, quia difficillime foret toties rescribere, iccirco te ut patro- num omnium litteratorum communem exoratum velim, ut tua iussione in lucem per impressionem prodiret. 3 Tibi enim, qui eiusdam civitatis es decor et gloria, inprimis dedicare operae precium duxi. Quapropter mentem mihi Tuae Humanitatis de- 1 Das ungefähre Datum ergibt sidi aus der Stellung des Briefes in der Handsdirift. 2 Joh. Müller aus Königsberg i. Franken (Regiomontanus), der Begründer der neueren mathematischen Geographie ;vgl.Janssen-Pastorl i0 (1913)S.157ff. 3 Die Drucklegung ist aus unbekannten Gründen unterblieben: vgl. unten Bilds Brief vom 23. Febr. 1522. 268 Nr. 167. 1516 Februar 21. Nr. 168, 1516 Juni 9. super scriptis enucleare digneris, servando, si ita placuerit, ad certos dies chartam praedicta continentem. Valeat Humanitas Tua salva in utroque homine. 1515. Tuus in omnibus confr. fidelis, pius et humilis. 167. An Kaiser Maximilian. 1516 Februar 21. {Augsburg.'} Übersendet 137 antike Frauennamen für die Geschütze des Kaisers. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. Gedruckt: Buff Nr. 8609. Ain E. Mt. brieve, des datum stet zu Potnoy auf 16. tag februarii nächst verschinen, 1 dorin E. Mt. an mich begern, hundert frauennamen zu I. Mt. scherpfenmetzen aufzuschreiben, hab ich an gestern in aller undertanikait entpfangen, darauf dis eingeschlossen namen aufgezaichnet darin sein. 2 Wo die E. Mt. nit wurden gefallen, als ich nit verhoff, so will ich noch mer auf- zaichnen etc. Dat. auf 21. tag februarii anno 1516. 168. An Kaiser Maximilian. 1516 Juni 9. {Augsburg.} Berichtet über den Stand der Arbeiten an verschiedenen künstlerischen Aufträgen des Kaisers (silberner Harnisch, Holzschnitte zum Weißkunig, Theuerdank, Freydal und Triumphwagen) und bittet um weitere Anweisungen für die fernere Ausführung sowie um Geldzahlungen für die Künstler. Legt eine von ihm verfaßte Liste der Vorfahren des Kaisers vor, die auf den vom Rat beschlossenen Fresken am Augsburger Rathaus dargestellt werden sollen. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. Gedruckt: Buff Nr. 8610. Ain E. kais. Mt. brieve, des datum stet zu Triendt auf 16. tag maii, mir auf ersten tag des monats junii geantwurt, 3 hab ich in aller undertanigkeit entpfangen, auch E. Mt. schriftlichen bevelh, 1 Dieser Brief aus Pettneu im Stanzertal (ö. vom Arlberg) ist nidit erhalten. 2 Auf einem beiliegenden Blatt sind 137 antike Frauennamen untereinander aufgesdirieben; abgedruckt bei Buff Nr. 8609. 8 Nidit erhalten. Nr. 168. 1516 Juni 9. 269 den silberin harnasch betreffend, Colman, platner, 1 ) von stund an anzaigt. Und dweil er zu solchem harnasch mer dan ain visierung und nit wissen hat, welche E. Mt. am fueglichisten sein wirf, bin ich beratig worden, aine stellen zu lassen und die E. kais. Mt. zuzeschicken, E. kais. Mt. ferrer gemuet willen 3 dorin zu erkonden, so ich dan verzaichnet hiemit zuschick, in aller under- tanigkeit bittend, mich daruf gnadigen bescheid auf das furder- lichest wissen zu lassen. Dan an getreuem sollicitieren, damit solcher harnasch furderlich geschlagen und ausgemacht werde, soll guter und gehorsamer fleis an mir nit erwinden. Der lengin und grossen halben des possen zu solchem harnasch hab ich aus obgemeltem E. Mt. schreiben guten und lauteren beschaid, will dem also nachkomen. Ich hab auch aus bevelh E. M. Schatzmeisters 2 den Colman gefragt, was costens über den harnasch seiner und des goldschmids arbeit halben geen werde; hat er mir zu antwurt geben, er trag des diser zeit nit wissen, aber E. Mt. sollen im aus gnaden vertrauen, so wolle er sich sambt dem goldschmid irer belonung halben erber und redlich halten; und damit er solch arbeit fueglich mog underhalten, begert er jetzo auf solch sein und des goldschmids arbeit fünfzig guldin reinischer auf erber rechnung und hat sonst auch etlich mengel, wie E. kais. Mt. aus seiner schritt, hie beiliegend mit dem A be- zaichnet, aus gnaden vernemen und mir dorauf auch furderigen bescheid schreiben lassen mögen, im den ferrer wissen an- zuzaigen. 3 Ferrer, allergnadigister herre, so haben E. kais. Mt. mir in obgemeltem brieve bevolhen, das ich die sechs figuren, so E. Mt. secretari Weschner 4 mir zugeschickt hat, davon zwo, nemblich sant Leupolds erhebung und der rock zu Trier, in den Weis- kunig 6 und die anderen vier in den Teurdank gehören, wie die anderen Weiskunig- und Teurdankfiguren seien, machen lassen ■ gemuet, willen [und wolgefallen] Hs. 1 Über den Waffensdimied Koloman Helmsdxmied und zum Folgenden vgl. W. Boeheim, Augsburger Waffenschmiede, JKSK 12 (1891) S. 172ff; 14 (1893) S.332 und 338 ff. 2 Jak. Villinger. 8 Vgl. Nr. 179. 4 Stefan Westner. 6 Von den beiden genannten Darstellungen findet sidi nur die Verehrung des 111. Rockes im. Weißkunig" (in der Ausgabe von A. Sdmltz im JKSK 6 S. 390). 270 Nr. 168. 1516 Juni 9. solle. Allergnedigster herre, nun haben aber E. kais. Mt. hievor in zuschickung der gemelten figuren in ainem E. Mt. schreiben, des datum stet Letsch am 28. tag februarii nächst verschinen, 1 disen eingeschlossen zedel, mit dem B bezaichnet, zusambt den gemelten sechs figuren mir zugeschickt, dorin nit, das all sechs figuren in Teurdank und Weiskunig gehören, inmassen wie obstat, gemelt wirt, sonder sollen trei in Freydall, aine in Teurdank 2 und zwo in Weissenkunig zugestelt werden, wie dan ge- melter zedel ausweist. Nun sein die trei figuren, in Teurdank und Weiskunig gehörig, laut desselben zedels vor langest gerissen, geschniten und ausgemacht worden; aber der freier figuren halben, in den Freydall gehörig, hab ich E. kais. Mt. hievor in mer meinen schreiben in aller undertanigkeit anzaigt, das Schonsperger nit wissen trag, wie gross die figuren, in den Freydall gehörig, durch den maier gerissen werden sollen; dorauf ich noch bisher kein bescheid entpfangen hab, demnach den gemelten zedel E. kais. Mt. wider zuschick, bescheid der grossin der Freydalifiguren halben von E. Mt. noch zu erlangen. Dan der Triumpffiguren 3 halben hat Stabius den merer teil derselben herbracht, der nunmalen zwo geschniten sein, der abtruck E. kais. Mt. hiemit zuschick, und will E. Mt. bald mer schicken. Und dweil aber Stabius nit mer dan ain formschneider zu Nürnberg 4 und mir, wie obstat, den merer teil derselben figuren zubracht hat, so hab ich jetzo fünf formschneider doran gericht und lass sonst vier die anderen obgemelten figuren schneiden und wart noch ains formschneiders aus Antwerppen, genannt Cornelius, 5 so vor auch hie gewesen ist, die all ich bisher mit guten Worten, so si nit arbait gehabt haben, aufgehalten hab; aber si bitten all umb den wuchenwartguldin, so si nit arbeit haben, wie dan von wegen der Niderlendischen form- 1 Dieser Brief aus Laatsdi (im Vintschgau) ist nidit erhalten. 2 Es handelt sich nadi F. Dörnhöffer, JKSK 18 S. 23 am das von dem Augsburger Künstler Jörg Breu gezeichnete Bild Nr. 31 (in der Ausgabe des Theuerdank von S. Lasdiitzer ebd. 8 S. 139). 3 Vgl. F. Schestag, Kaiser Maximilian I. Triumph: Ebd. 1 (1880) S. 154ff.; besonders S. 174 Anm. 1. 4 Hieronymus Andreae; vgl. Ed. Chmelarz ebd. 4 S.310. : ' Cornelius Lieferink; vgl. S. Lasdiitzer ebd. 8 S. 93. Nr. 169. 1516 August 28. 271 Schneider Hannort 1 dem Weschner hiemit auch schreibt; dorauf ich auch gnadigen bescheid bit; dan wa si nit arbeit haben, konden si on gelt nit lenger aufgehalten werden. Die vier figuren, in Weiskunig gehörig, so mir jetzo E. Mt. zugeschickt haben, hab ich von stund an zu reissen und schneiden geben, werden auch bald ausgemacht. Ferrer, allergnadigister herre, mir ist von dem rat zu Augs- purg das rathaus daselbs das angeben des gemeels daselbs be- volhen worden. Nun wird ich under anderem E. kais. Mt. geschlecht von Romischen kaiseren und kunigen, auch kunigen von Hispanien und Sicilien, daran malen lassen und des fur- nemens, wie ich die an dem zedel, hiebei mit dem C bezaichnet, aufgeschriben hab, dorauf E. kais. Mt. in aller undertanigkeit bit, mir hierauf gnadigen bescheid zu geben und solchs auf das furderlichest zu tun; dan ich bin in derselben arbeit auch, ob E. Mt. solchs also gefällig seie oder ain anderen monung haben wollen, mich in demselben nach E. Mt. beschaid und wollgefallen auch wissen zu halten. 2 E. kais. Mt. hab ich auch auf 23. tag maii neue zeitung aus Frankreich zugeschoben; verhoff, E. kais. Mt. haben die ent- pfangen. 3 So ich was weiters erfar, will ich E. kais. Mt. auch an- zaigen etc. Dat. auf neunten tag iunii anno 1516. 169. An Cyprian von Serntein. 1516 August 28. (Augsburg.} Ersucht um scfüeunige Angabe des Verhandlungsgegenstandes für den auf kaiserlic/ies Begehren nacli Augsburg auszuschreibenden Bundestag, damit ein „Hintersichbringen" der Abgeordnelen vermieden werde. Innsbruck. LRA : Maximiliana XIII. 256 (1514—22 Nr. 89). Ursdir. — Adr. (teilweise durch das Siegel verdedit): (Herren) Ciprian von Sernthein, \Ro. k>ais. Mt. canzler, in ab herren Hansen Renner, '■ Dörnhöffer im JKSK 18 (1897) S. 22. 3 Dieser Brief ist nidit erhalten. 272 Nr. 170. 1516 September 8. Wolgeborner gnadiger herr canzler, in diser stund hat mich angelangt, wie Ro. kais. Mt., mein allergnadigster herre, ainen pundstag gen Augspurg auf 13. tag septembris auszuschreiben begeren. Nun ist in dem selben schreiben kein ursach insonder gemelt, warumb I. M. den begeren. Und so aber bisher in solchen ausschreiben sich der gebrauch gehalten hat, so man der sachen halb, darumb ausgeschriben wirt, auf dem angesetzten tag entlichen bescheid begert, das in dem selben ausschreiben die sonder ursach, warumb das beschickt, lauter ausgetruckt wirt, darumb so trag ich fursorg, ob solch ausschreiben kais. Mt. und ire erbland beruren solt, 1 und die handlung oder sache erst auf dem angesetzten tag angebracht, so wurde alsdan nichtz ent- lichs gehandelt, sonder durch die raet ein hindersichbringen ge- nomen, und aus der ursach, das die sach, warumb si erfordert, nit ausgetruckt were, darumb si entlich zu beschluessen nit netten mögen abgefertigt werden, das aber kais. Mt. (so fer die sach ir) und der selben ain hindersichbringen und aber ain verzug geperen. Das hab ich E. G. aus schuldiger pflicht nit wollen verhalten, solchs in der eil kais. Mt. anzaigen, damit I. Mt. halben, so ferr es die notturft eraischt, dest fruchtbarlicher werde gehandelt etc. Dat. in aller eil auf 28. tag augusti zu fünf hören nach- mitterntag anno etc. 16. Peutinger. 170. An Cyprian von Serntein. 1516 September 8. Augsburg. Ersucht wiederholt um Ausfertigung einer vorgelegten Deklaration „die von Frandifort und gmein kaufleit betreffend' sowie um eine Geldanweisung für Wolf Kesinger. Innsbruck. LRA: Maximiliana XIII, 256 (1514—22 Nr. 90). Ursdir. — Adr.: Dem wolgebornen herren herren Ciprian von Sernthein etc., Ro. kais. Mt. canzler, meinem gnadigisten lieben herren zu handen. Wolgeborner gnadiger herre, E. G. hab ich hievor und bei kurz verschonen tagen aller sachen und insonder kais. Mt. secret, 1 Tatsädilidi begehrte der Kaiser damals vom Schwäbischen Bunde eine Meinungsäußerung darüber, wie gegen Ulridi v. Württemberg (vgl. unten Nr. 171 f.) vorgegangen werden sollte, sowie Bewilligung des auf dem Kölner Reichstage von 1512 beschlossenen Gemeinen Pfennigs; vgl. den Abschied des Bundestages vom 13. Sept. 1516 bei Klüpfel 2 S. 132f. Nr. 171. 1516 Oktober 12. 273 derselben und E. G. catschet 1 betreffend, desgleichen der de- claration halben, die von Franckfort und gmein kaufleit betreffend, 2 geschriben. Ist nochmalen mein undertanig bete, E. G. wollen die gedachten declaration furdern und fertigen, mir die zuschicken, dweil si doch der Ordnungen des Reichs gmeinem rechten nit zuwider, sonder der billicheit gemeeß gestelt sein. Der tax halben soll es kein mengel haben. Aber von wegen der von Franckfort E. G. hab ich etlich mittel ungeschlagen, darauf ich auch bisher kein antwort hab empfangen. Bin doch villmalen darob sollicitiert worden. Bit E. G., mich doch ainmall gnadigen bescheid wissen zu lassen. Ferner, gnadiger herr, ist Wolf Kesinger 3 lang zeit hie gewesen und hat kein underhaltung. Nun kan er nit von nichten leben und doch geren, als ich furwar bisher hab gesöhen, das best tatte. Ist darauf mein undertanig bete, E. G. welle von kais. Mt. ain geschrift an Philip Adler ausbringen und im zuschicken, damit er gepurender weis underhalten und nit verursachet werde, sich not halben au ander ort zu stellen etc. Dat. Augspurg auf 8. tag septembris anno 16. E. G. undertaniger diener Chonrat Peutinger, doctor. 171. An Sebastian Brant. 1516 Oktober 12. Augsburg. Berichtet über den Stand des Verfahrens gegen Herzog Ulricli von Württemberg. Bittet, ihm mitzuteilen, was in Straßburg zur Zeit gedruckt werde. Straßburg, StA: Thomasarciüv, Univ. 1 fol.601"". Absdir. Wenckers. — Adr.: Clarissimo iurisconsulto D. Sebastiano Brandt, cancellario Argentoratensi, domino et amico suo praecipuo. 1 Vgl. oben S.121 Anm.2. 2 Es handelt sidi hier wohl um dieselbe Deklaration, von der in zwei Berichten des Frankfurter Gesandten Philipp Fürstenberg vom Wormser Reidistag von 1521 (20. Febr. und 2. März; RTA 2 Nr. 143 und 151) die Rede ist: Denn aus dem ersten dieser ßeridite ist zu entnehmen, daß audi diese Deklaration gemein werbende und kaufleud und besonders die Städte Frankfurt, Augsburg, Nürnberg und Ulm betraf, und daß audi in Worms Peutinger, der eine Absdirift des Aktenstückes bei sidi hatte, sidi um Bestätigung durdi den Kaiser bemühte. Näheres ist über die Angelegenheit nidit bekannt; vgl. RTA 2 S. 802 Anm. 1. % Kaiserlidier Sekretär. König, Peutingers Briefwechsel 18 274 Nr. 172. 1516 Oktober 15. S. P. D. Tabellarium hunc nostrum, cum Argentoratum esset petiturus, vacuum ad te, etsi nihil esset quod scriberem, ire nolebam, ut saltem incolumitatem tuam, quam opto, intelligerem. Quae vero apud nosaguntur, paucisaccipe. Causa Wirtenbergensis, quam caesar iudex sedendo audivit, iure adhuc pendet; 1 student tarnen plerique, quod duco Optimum, ut amice componatur, et ob eam rem episcopus tuus Argentoratensis apud caesarem fuit; rediit ad ducem ipsum. 2 Verum responsionem, quae in dies ex- pectatur, nondum accepimus. Deus provideat, ne Germani nos adinvicem atteramus, quod malum maximum iugum vel potius servitutem protenderet. Reiiquum est, ut bene valeas, et me, quae modo calcographi tui imprimant, redde certiorem. 3 Ex Augusta die 12. octobris 1516. Tuus Cliuonradus Peutinger etc. 172. An Jakob Vlllinger. 1516 Oktober 15. Mitteilungen über den Stand der Angelegenheiten Ulriclis von Württemberg und Franzens von Stellingen. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. Edler gepietender lieber herr Schatzmeister etc ..... So wais ich euch nit sonders zu schreiben. Dan gestern haben kais. Mt. 1 In dem gegen Vir. von Württemberg wegen der Ermordung Hansens von Hütten und der Behandlung seiner Gattin Sabine von Baiein von Reidis wegen in Augsburg eingeleiteten Reditsverfahren hatte der Kaiser gegen den nicht ersdüenenen Angeklagten am 11. Okt. die Acht ausgesprodien, aber die Verhandlungen über eine gütliche Beilegung der Angelegenheit gingen weiter, um den drohenden Krieg zwisdien Ulridi einerseits und den Hütten und ihren Verbündeten, den Herzogen von Baiern, andererseits zu vermeiden. Vgl. H. Ulmann, Fünf Jahre württembergisdier Gesdüdite (1867) S.52ff. S. audi Nr. 172. 2 Wilhelm von Honstein. Er hatte Ulridi die letzten Forderungen des Kaisers zu überbringen; bis zum Eintreffen der Antwort hierauf sollte das Inkrafttreten der Acht aufgeschoben werden; vgl. Ulmann a. a.O. S.65ff. 3 Aus dem Jahre 1516 ist der nidit näher datierte Entwurf eines Briefes Peutingers an den Herrn von Laß erhalten, in dem er die an ihn gelangte Bitte Dr. Sebastian Brants weitergibt, daß diesem, der seit 14 Jahren als kaiserl. Rat in Maximilians Diensten stehe, aber von seinem Jahressold in Höhe von 50 Gulden rh. im ganzen nidit mehr als WO Gulden durdi den Schatzmeister erhalten habe, der Rest von 600 Gulden angewiesen werden möge. Augsburg, StA: Peutinger. Gedruckt: Buff Nr.8615. Nr. 173. 1516 Oktober 25. 275 mir spat gesagt, dweil die acht wider Wirtenberg ist ausgangen, so hab sich die sach mer weder vor zu richtung geschickt; und sein an gestern zu fünf hören nachmittags cardinall, 1 margrave Casimir, 2 probst von Walkirch 3 und Wolfstein* zu herzog Wil- halm und den von Hütten geriten, bei inen woll vier stund be- liben, das sich kais. Mt. an gestern haben versöhen, die sach solt ungekriegt beleiben. B Das Got der herre wolle verleihen. Man sagt, das F. von Sickingen alher zu kais. Mt. komen soll, hat gut practikanten am hoff; wirt der vertrag gemacht, das die von Worms als verderbt in armut beleiben und inen nit geholfen/ werden ir abnemen, das man des haus Osterreich scherm nit fast mer suchen wirt; hette vermeint, inen solt ernstlicher geholfen worden sein. Wais euch sonst nit sonders zu schreiben etc. Dat. auf 15. tag octobris anno 16. 173. Von L. Kuttenfelder.' 1 1516 Oktober 25. Füssen. Beschwert sich als alter Scliiller Peutingers über den förmlichen Ton seines letzten Schreibens an ihn. Der Kaiser bestehe darauf, daß Peutinger seine Klage gegen den von Stubenberg im Reichshofrat vertrete, habe ihn aber der Gesandtschaft nach Böhmen enthoben. Augsburg, StA: Peutinger. Ursdir. Hochgelerter gunstiger lieber herr, mein gar gehorsam willig dienst sein euch von mir als eurer zucht alzeit mit vleiß zuvor. Erstlich beswer ich mich über euch nit klain, daz ir mir also herrlichen schreibt; sonder mein gmuet und herz steet auf dise stund änderst nit gegen euch, als der zeit ich euer unwirdiger diener was, das ich der billichait nach selbst erkennen mueß etc. 1 Matthäus Lang. 2 von Brandenburg-Kulmbac/i. s Balthasar Merk/in. * Wohl Wilhelm (111) v. Wolfstein (gest. 1518), der im März 1507 als Mitglied des kaiseil. Hofrates nadvweisbar ist (s. A. Gümbel, Ardüv. Ztsdir. N.F.16 S.275J; vgl. über ihn J.D. Köler, Hist. genealogica dominorum de Wolf stein (1726) S.93. r ' Vgl. oben S.274 Anm.l. 0 Vgl. oben S. 261 Anm. 4. Tatsädüidi wurde Sidiingens Wormser Fehde am 16. Aug. des folgenden Jahres durdi kaiserl. Vermittlung in einer Weise beigelegt, daß Sidängen, dem weder Strafe nodi Sdiadenersatzpflidit auferlegt wurde, sidi als Sieger betraditen konnte. 7 Kaiserlidier Sekretär. 18* 276 Nr. 173. 1516 Oktober 25. Euer schreiben, des datum steet zu Augspurg am 23. tag octobris, 1 hab ich mit seinem inhalt verstanden. Erstlich den von Stubenberg 2 belangend, darinnen ir etlich beswerung an- zaigt, derhalben ir der handlung gern entladen weret, aus etlichen Ursachen, so ir in euerm schreiben anzaigt, die ich doch der kais. Mt. mit allem vleis und besten fuegen, so ich mögen, furgebracht und gern gesehen, daz I. Mt. euch der handlung nochmals erlassen hette, daz ich aber über solhen meinen mug- lichen vleiß nit erlangen können; und ist je I. Mt. mainung, daz ir in I. Mt. namen I. kais. Mt. clag und ansprach, so ich in schrift gesteh und hiemit meinem gn. herren canzler 3 zuschick, wie ir dan die hörn werdet, einlegen und ain claine red, wie dann der gebrauch seie, tuen sollet. . . .* Dann eurer rais halben in Be- haim 8 hab ich kais. Mt. mit allem vleiss und treuen bericht tan, und sovil kais. Mt. anzaigt, das I. Mt. selbst bekennt und ermißt, das es euch in vil weg ungelegen und beswerlich ist, nit euer person, sondern der statt von Augspurg halben, und ist I. Mt. ganz wol zufriden; will euch auch I. kais. Mt. der bemelten rais gnediglich erlassen und demnach doctor Johan Schad G an euer 1 Nicht erhalten. 2 Die Klage des Kaisers gegen den steirisdien Frhm. Kaspar v. Stubenberg betraf drei Punkte: 1. den lantsfal, darein er gegen Irer kais. Mt. als desselben von Stubenberg herren und landsfürsten, auch regierenden herzogen zu Steier gevallen ist mit dem, das er Lucasen Praitschwert, kais. Mt. ge- schwornen secretari, Irer Mt. als ir beider rechten herren meineidig gemacht und demselben Praitschwert die brief über das slos Wurmberg (in Steiermark, BH Pettau), so kais. Mt gehabt, umb gelt abkauft hat; 2. daß der von Stubenberg slos Wuermberg Irer Mt. vorhält, wiewol er aus den Urkunden weiß, daß er damit wider Gott, Ehre und Recht handelt; 3. daß er dem Kardinal von Grandas zur Krone Ungarn gehörige Schloß und die Herrschaft Kaisersberg (in Steiermark, BH Pettau) mit Gewalt vorenthält. Augsburg, StA: Peutinger. 8 Cyprian von Serntein. 4 Es folgen nähere Mitteilungen darüber, wie nadi des Kaisers Wunsdi in der Angelegenheit vorgegangen werden soll. Vgl. auch Nr. 174. h Peutinger hatte als Vertreter des Kaisers an einem von König Ludwig von Ungarn und Böhmen einberufenen böhmisdien Landtage teilnehmen sollen. Der Landtag wurde später auf Georgi 1517 vertagt, worauf Peutinger abermals zum Mitglied einer dorthin zu sendenden kaiserlichen Abordnung ausersehen wurde; vgl. die Nr. 178 und 180ff. 0 Kaiserlidier Rat, oft Vertreter Maximilians auf Tagungen des Schwäbischen Bundes; vgl. z.B. Klüpfel2 S.85. 90. 93. 98. 120 usw. Nr. 174. 1516 Nov. 5. Nr. 175. 1516 Dezember 22. 277 statt zu ziehen verordnet; als ich dann solhs dem canzler aus befelh kais. Mt. hiemit schreib, der euch solhs auch nit unanzaigt lassen wirdet. Das alles wollt ich euch als meinem gunstigen gebietenden herren nit verhalten, dann warinnen ich euch als euer alter discipl mit gehorsamen diensten ersprießen möcht, bin ich tag und nacht willig und berait. Grüßt mir euer hausfrau und kind. Dat. zu Fuessen am sambstag zu mitternacht am 25. tag octobris anno etc. 16. E.W. L. Kuttenfelder per manum propriam. Kaiser zeucht morgen gen Ernberg, 1 wo darnach hin, waiß ich nit, versiech mich aber nit, das wir weiter hinein ziehen werden. 174. An Kaiser Maximilian. 1516 Nov. 5. {Augsburg.} Dankt für die Enthebung von der Sendung nacli Böhmen, die ihm der kaiserl. Sekretär Kuttenfelder aus Füssen am 25. Okt. mitgeteilt habe. Dem ihm gleichzeitig übermittelten Auftrag des Kaisers, dessen Klage gegen den von Stubenberg vor dem Reichshofrat zu vertreten, ist er am 29. desselben Monats nachgekommen. Berichtet über den Stand dieser Angelegenheit* Dat. auf 5. tag novembris etc. 16. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. 175. Von Kaiser Maximilian. 1516 Dezember 22. Hagenau. Verlangt Auskunft über den in einer abscliriftlidi beiliegenden Urkunde genannten König „Zwentebulchus" und insbesondere darüber, ob dieser in des Kaisers „Genealogie" gehöre. 1. Mündien, StsB: Cod. Germ. 896 fol.316r. Absdir. — 2. Dresden, I.B: Hs. L 3, Bd. 2. Absdir. (Vgl. die Vorbem. zu Nr. 46.) 1 Ehrenberg. 2 Vgl. Nr. 173. Mit der kaiserl. Klagesadie gegen Kaspar v. Stubenberg befaßt sidi audi ein Schreiben Peutingers an Cyprian v. Serntein vom 25. Dez. 1516 (Augsburg, StA: Peutinger. Entw.), von dessen Wiedergabe abgesehen werden kann. 278 Nr. 176. 1517 Januar 4. . . . Wir fuegen dir zu vernemen, das uns jetz hie anzaigt ist worden, wie ain konig mit namen Zwentebulchus, der die Stiftung und confirmation, wie du aus hierin verschlossner sup- plication 1 vernemen wirdest, geton hat, des namen wir vor nie gehört haben. Demnach empfelhen wir dir mit ernst, das du dich desselben konigs halben erkundest, wie und was gestalt er geregiert und was land und wesen er gehabt, auch was geschlecht er gewesen sei, damit wir denselben, sover not were, zu den andern konigen in unser genealogibuech zu sezen wisen. Wollest uns auch hierin deinen rat und guetbedunken anzaigen, ob wir denselben konig in bemelte unser genealogi und wohin wir denselben sezen wollen etc. Geben zu Hagenau am zwenundzwainzigisten tag decembris anno etc. 16. :l unsers reichs im ainunddreissigisten iarn. Per regem. Commissio domini imperatoris propria. (Siegel.) S. Westner. 176. An Kaiser Maximilian. 1517 Januar 4. Augsburg. Eingehende Beantwortung der ihm in Nr. 175 gestellten Frage: Der Aussteller der vorgelegten Urkunde sei König Zwentebulchus von Lothringen, ein natürlicher Sohn Kaiser Arnolfs, zu unterscheiden von dem gleichnamigen Herzog von Mähren, seinem Taufpaten; in die Genealogie Maximilians gehöre er nicht. 1. Münclien, StsB: Cod. Germ. 896 fol. 316ff. Abschr. — 2. Dresden, LB: Hs. L 3, Bd. 2. Abschr. (Vgl. die Vorbern, zu Nr. 46). Allerdurchleuchtigister etc. Als E. kai. Mt. zu Hagenau auf den 22. tag decembris nechstverschinen ain I. Mt. bevelch an mich ausgeen und dabei ain abschritt ainer Stiftung aus genaden mir zuschicken hab lassen . . .: 2 den hab ich am 3. tag des monates ianuarii zunacht in aller undertenigkait empfangen und » 17 Hss. 1 Es war dies, wie aus Peutingers Antwort (Nr. 176) hervorgeht, König Zwentibolds Urk. für das Kloster „Münster im Gregoriental" vom 4. Jan. 896, deren Urschr. im Kolmarer Archiv überliefert Ist; vgl. Böhmer-Mühlbacher, Reg.imp. 1* Nr. 1961. * Folgt Wiederholung des Inhalts von Nr. 175. Nr. 176. 1517 Januar 4. 279 gedachtem konig nachgelesen, wiewol ich des hievor zum tail auch guet wissen gehabt, inmaßen wie hernach volgt: Konig Ludwig der Elter, so geregiert hat über die orientische 11 cron Frankreich, kaiser Ludwigs des Guetigen sone und kaiser Carlen des Grossen eniklin, hat gehabt drei eelich sone aus frauen Hemma, graten Hugen von Holland tochter, seiner eegemahel, geboren, und die nach seinem absterben der zal Christi in dem 876. jar verlassen, benamlich Carolman, Carol, nachmalen romischen kaiser, genant Faissten oder dritten des namens, und Ludwigen den jungern. Die drei gebrueder haben irs vaters verlassen cron und obgemelt konigreich undereinander getailt, und ist Carlman in derselben tailung zugestanden Bairn, Pannonien, Kerndten, Böhem und Merhern, aber Carlen Schwaben mitsambt dem Reinstram und etlichen stetten in Lothringen und Lothreich, und Ludwig dem jungern Franken, Turingen, Sachsen, Friesland und auch etlich stett in Lotreich; doch ist er auch konig zu Bairn worden. Hat sich aber aus Schickung des Allmechtigen zugetragen, das Carlen des Grossen geschlecht am kaisertumb und besonder den konigen der cron zu occidentischem Frankreich abgenomen; wie und weichermaßen, wer lang zu melden. Dann kaiser Karl der Faist und drit des namens an Vernunft, leib und gut ab- nam; ward das kaisertumb von im gewendt und auf Arnulphum, des obgemelten konig Carlman naturlichen sone von ainer edlen und vast schonen frauen aus Kerndten geboren, auch von seinem vatter umb seiner schone und ander gschicklichait willen Übermaßen lieb gehabt und demnach erstlich zu herrn zu Moos- purg bl und nachvolgend zu herzogen zu Kerndten und zu Bairn erhöcht, darauf auch zu Romischem konig genomen. Und als Romischer konig, auch darnach kaiser, hat er zu dem reich Bur- gundien, Lothringen, Merhern und Böhem gebracht. Nachmalen ist er auch konig zu Frankreich worden. Auch zu zeiten des genanten kaisers Carls des Faisten, auch nachvolgend hat ain mechtiger herr, von der geburt ain Scla- * orientischer Hs. '> Mörspurg Hs. 1 In Reginos Weltdironik ad a. 880 (Schulausgabe von F. Kurze S. 117), Peutingers Hauptquelle, steht Mosaburch, nach Dümmler, Gesdi. d. ostfränk. Reiches 2 S. 176 Zalavar an der Zala (westl. Zufluß des Plattensees). 280 Nr. 176. 1517 Januar 4. vonier, gelebt, genant Zwentibulchus, der von etlichen für ain konig und von andern für ain herzogen der Sclavonischen Merhern und auch bei den mißschreibern Zendebald oder Sende- bald genant wird, ain tapfer streitbarer mann; demnach er sich gegen obgemeltem setzet, herzog Arnulphum in Kerndten hart bekrieget, doch durch den genanten kaiser Carl zu gehorsam gebracht ward. Mitler zeit der genant konig Carlman in dem jar 880 gestorben und zu Altenoting begraben worden ist; und als Arnulphus, Romischer konig, nach absterben des genanten kaiser Carls des Faisten umb seiner manlichait willen sonder groß lieb zu gedachtem Zwentebulcho von Merhern gewan, hat er ime das herzogtumb Böhem verlihen, dardurch dem Romischen reich und auch der orientischen cron zu Frankreich unwiderbringlicher nachteil ist entstanden. Dann Zwentebulchus und ander seine Sclavonier mit solcher macht sich hoch erhebt und gesterkt haben, wie hernach wirt gemelt. Derselb Zwentebulchus hat auch ain bruder gehabt, genant Moymarus, 1 mit dem er auch in unainigkeit gelebt. Aus solcher lieb, die konig Arnulphus dem genanten Zwentebulcho trueg, vergont er im seinen naturlichen sone, so er da- zemal erobert hat, aus der tauf zu heben und ime sein namen zu geben, also das Arnulphi, nachmalen Romischen kaisers, naturlicher sone auch Zwentebulchus ward genant, der noch einen naturlichen brueder hat gehabt, genant Ratold. Der beider seiner naturlicher son halben kaiser Arnulphus noch in königlicher wirde mit großer mühe und arbait bei den stenden der cronen baider Frankreich erlangt, das si oder ir ainer, wa er kain eelichen sone verließe, zu regierenden konigen angenomen werden solten. Der genant erst Zwentebulchus, herzog von Merhern und Böhem, als gemelt, sich seiner macht dermaßen uberhub, das er über die treu und freuntschaft, ime von den kaisern bewisen, sich abermalen tet abwerfen und rebelliern, auch sich in dem so mechtiglich sterkt, das kaiser Arnulphus genottrengt ward, nit allain von herzog Vratislaen von Pannonien, sonder auch 1 Moymirus war tatsächlidi ein Sohn des vorgenannten Zwentibold von Mähren, hatte aber auch einen Bruder dieses Namens, den Peutinger mit dem Vater verwediselt. Nr. 176. 1517 Januar 4. 281 von den Hungarn, die noch nit Christen waren und erst etlich tail in Niderpannonien gewaltiglich eingenomen hetten, hilf zu begern, die ime mitgeteilt, und Zwentebulchus damit bezwungen ward, dem Romischen reich tribut jarlich zu geben. Aber die Hungarn des zugs herauf warnamen und dardurch nachmaln in Oberpannonien, Bairn, Schwaben, Burgundien und dem Reinstram hinab große beschedigung zuegefuegt haben. Und wiewol Zwentebulchus von Merhern und Böhem die baide land seinen sunen verließe, so seind doch die mit andern obgemelten landen durch die Hungarn auch gar verderbt worden. Kaiser Arnulphus hat sein naturlichen sone Zwentebulchum auch vast lieb gehabt, als etwan beschicht, das die mehr dann eeliche kinder geliebt werden, und demnach der zal Christi 895. jare mitverwilligung derstende des Reichs in der stat Wormbs denselben Zwentebulchum, den andern dis namens und sein naturlichen sone, zu konig von Lothringen und Galliae Belgicae erhocht, darauf auch aus verschuldten Ungnaden die nachbenanten grafen irer grafschaften entseczt: Steffan, Odacker, Gerhart und Matfriden," und die demselben seinem sone zugestelt. Aber Zwentebulchus dise grafschaften den seinen übergab und ime allain daraus vorbehielt ain closter genent Ad horrea 1 und ain closter zu Mez zue sanct Peter. b Demselben konig Zwentebulcho ist verheurat worden grafe Ottens tochter, genant Oda, die nach seinem umbkomen und absterben dem genanten grafe Gerharten zue gemahel vertraut ward. Konig Zwentebulchus (nit ist bewist, aus was Ursachen) hat sein getreuen und vast gehaimen rat herzog Reginarium ver- triben und sein herzogtumb, in seinem konigreich gelegen, eingenomen. Dardurch derselb herzog getrungen ward, sich mit dem genanten grafe Odacker, des konigs widerwertigen, zu verbinden und demnach mit weib und kindem sich nit fer von der Maß auf ain schlos, genant dazemal Durfos, 2 vast wol bevest geton, das der konig begund zu belegern. Aber konig Carl von occidentischem Frankreich dem herzogen zu hilf kam, und durch a Die Dresdener Hs. sdireibt falsch: Gotfridn. b Die Dresdener Hs. sdireibt falsdi: sanct Pelten. 1 St. Maria ad horreum in Trier. • Doverem bei Heusden in der Holland. Provinz Nordbrabant. 282 Nr. 176. 1517 Januar 4. baider tail pottschaften, so zusamen riten, sovil gehandlet, das solcher krieg on ain schlacht gericht ward und konig Carl sein zug wider über die Maß in Frankreich nam, also das gleichwol darnach konig Zweutebulchus wider bemelten herzogen nichts schaffen mocht. Kaiser Arnulphus hat in zeit seines Iebens von seiner ee- lichen gemahel Luitgarda (als die priester Laßla 1 nent, aber grafe Herman 2 benent sie Outa) erobert ain eelichen sone, genant Ludwig, wiewol er ander mehr eeliche sune auch gehabt hat, und als Arnulphus ainer eilenden krankheit gestorben, der zal Christi 900, ist sein sune Ludwig durch die stende des hailigen Reich zu Romischen konig geordnet worden und der letzt Romischer konig kaiser Carls des Großen geschlechts gewesen. Dieweil aber Zwentebulchus zuletzt aines bösen, ungeordneten Iebens ward, in seinem konigreich die landstraßen unsicher hielt, sein tapfern adel verachtet, vill durch weiber und andere nichtig leut ausrichtet, die kirchen zersteret, erzbischoffe Ratboten von Trier mit ainem prigel auf sein haubt schlug, ward er von aller weit verhaßt und veracht; auch demnach von den stenden seines konigreichs Ludwig, Romischer konig, erfordert, von inen zu irem herren angenomen, die im auch zu Dietenhofen, in latein genant Theodonis villa, geschworn und dardurch Zwentebulcho ursach geben haben, sein konigreich zu räumen, als er auch tet und bewegt das zu kriegen, auch dem vill beschedigung mit naum, raub und brand zuegefuegt, und zu jungst must er ain schlacht libern, in der er an der Maß von den genanten grafen Stephan, Gerharten und Matfriden zu tod geschlagen ward. Solches alles hab ich beschriben in abt Reginonis Preim,' 1 grafe Herman von Veringen, den man nent Contractus, aus der Reichenau, Otten, bischove zu Freysing und marggrafen zu Osterreich, auch des abts von Ursperg und andern mer buechern befunden. Aus dem allen volgt, das zwen konig, so genant worden Zwentebulchus, gewesen und gemainlich von den beschreibern 1 Ladislaus Suntheim in seinem historisch-genealogisdien Sammelwerk; vgl. oben S. 238 Anm. 3. 2 Hermann der Lahme von Reichenau in seiner Weltchronik: MG SS5 S. 110. * von Prüm. Nr. 176. 1517 Januar 4. 283 der historien unrecht benent werden Zendebaldus oder Sene- baldus. Solches wird numalen bewisen durch den bestettigungs- briefe sanctGregorien munster, darinn steht: „Zwentebulchus rex". 1 Das auch in demselben bestettungsbrief nit der erst, sonder allain der ander konig Zwentebulchus benant, kaiser Arnulphus naturlicher sone, wird also bewisen: dann oben im achtenden articul 2 anzaigt ist, als obgemelte autores melden, das kaiser Arnulphus sein naturlichen sone Zwentebulchum der zal Christi 895. jare zu konig zu Lothringen und Lutreich geordnet hab, das ist Galliae Belgicae, so steht das datum des bemelten bestettungsbrief es „896. und des reichs konigs Zwentebulchi im ersten jare"; so das ain und erst jar davon gezogen, so pleibt das obgemelt 95. jare, darumb die croniken durch denselben bestettungbriefe genugsamlich werden bewisen. Zudem ist der erst Zwentebulchus zu Merhern und Böhem gewesen, nichts in hochteutschlanden und insonder mit den bischofen und clostern, im bestettungbriefe begriffen, ze tun gehabt. So meldet auch der bestettungbriefe bischove Salomon zu Costentz, und gedacht autoren zum tail sagen, das in dem jar 891 abt Salomon von S. Gallen, der drit dis namens, bischove zu Costentz worden und dem bistumb daselbs dreissig jare vorgewesen seie. Aus dem volgt, bischove Salomon, in bemeltem bestettungbrieve benant, für den dritten des namens zu bischove zu Costentz zu halten. Das aber Rapotus erzbischove und canzler in bemeltem bestettungbriefe benant wird und erzbischofe zu Trier dazumal gewesen seie, spricht Regino, abt von Prim, anno 883: „ Bertulfus Trevirorum episcopus 4. id. septembris obiit, cui successit Rat- potus 7. id. aprilis." 3 Et Hermanus Contractusinquit: „Anno 900. Zwentebulchus, Galliae Belgicae rex, Rapotum Treverensem archi- episcopum baculo in caput percussit." 4 Darumb in eegeruerten confirmationbriefe Zwentebulchus konig genant, so wird von rechts wegen kain ander des namen abgenomen denn allain kaiser Arnulphus naturlicher sone. Also doch auch auf E. kai. Mt. gnedig willen und wolgefallen 1 Böhmer-Mtthlbadier, Reg. imp. 1 » Nr. 1961. * Oben S. 281. 8 Regino von Prüm, Sdiulausgabe von F. Kurze, S. 120. 4 MG SS 5 S.lll. 284 Nr. 177. 1517 Januar 10. kan ich meinem wenigen versteen nach nit abnemen noch befinden, das gedachter konig in E. kai. Mt. geschlecht soll oder mag gesetzt werden etc. Geben zu Augspurg am 4. ianuarii anno 17'"°. E. kai. Mt. gehorsamer diener Conrad Peuttinger, beeder rechten doctor. 777. An {Kardinal Matthäus Lang}. l 1517 Januar 10. {Augsburg.) Kann dem Begehren, sich zu den Anwälten und Räten des Kardinals nach Mühldorf zu begeben, diesmal nicht nachkommen, da der Rat von Augsburg ihm keinen Urlaub gewährt hat. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. Hochwirdigister fürst, gnedigister herr etc. E. f. G., auch der selben anwält und rate zu Muldorf 2 schreiben, mich gen Muldorf ain tag oder zwei vor dem achtenden der heiligen freier kunig tag 3 zu fuegen, sein mir gestern spat zukomen. Darauf ich an heut vor rat alhie, meinen herren, erschinen und solchs inen anzaigt. Dweil si aber mit besetzung ir rats- und gerichtz- amptern, wie von alter herkomen, diser zeit handeln und ir rat- schreiber Jörg Negelein, den si neben mir darzu gebrauchen, 4 mit krankheit beladen ist, haben si demnach auf das mall mir gen Muldorf zu reiten, wie E. f. G. ab irem schreiben, das si den gnanten E. f. G. anwält und raten getan, 6 vernemen mögen, nit vergönnen wollen. So sein mir auch gedacht brief spat zukomen. Doch solt sonst an mir kein mangel erschinen sein; 1 Der Empfänger des Schreibens ist niditmit Namen genannt; ein Brief vom gleichen Tage und gleichen Inhalts an die in unserem Sdireiben genannten „Anwälte und Räte" beginnt: Meins gnedigisten herren cardinals .. .schreiben. Damit kann aber nur der Kard. Matthäus Lang, Koadjutor von Salzburg, gemeint sein, dem vom Salzburger Erzbisdiof Leopold v. Keutsdiach die Städte Mühldorf und Tittmoning mit ihren Einkünften als Herrsdiaftsgebiet abgetreten worden waren; vgl. H. Widmann, Gesdi. Salzburgs 2 (1909) S. 3.58f. 2 Mühldorf am Inn. 8 also am 12. oder 11. Jan. 4 Georg Nagelin war seit Mitte Sept. 1505 als Ratsdireiber angestellt: Eigenhänd. Eintrag Peutingers in den Augsburger Ratsprotokollen Bd. 13 S.48 (StA). 6 Der von Peutinger geschriebene Entwurf dieses Briefes an die Räte des Kardinals ist erhalten: Augsburg, StA: Peutinger. Nr. 178. 1517 März 19. 285 dan ich auch vorlangest des willens gewesen bin, gen Alten- oting zu ziehen. Söhe mich auch für gut an, doch auf E. f. G. Verbesserung, so die hinfur mein bedorfen wurden, mein halben ainen rat alhie auch zu schreiben etc. Dat. auf den 10. tag ianuarii anno 17. 178. An Kaiser Maximilian. 1517 März 19. (.Augsburg.} Ist bereit, sicli als Mitglied einer kaiserlicfien Gesandtschaft zum Böhmischen Landtag zu begeben. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. Ain kais. Mt. brieve, des dat. stedt Prussel auf den 21. tag februarii, ist mir alhie erst auf den 17. tag marcii geantwurt worden, den ich auch in aller undertanigkeit hab vernomen. 1 Und dweil E. kais. Mt. under anderem darin melden lassen, das ain ander tag auf Georgii schierstkunftig 2 gen Pannaxa 3 bei Prag in Behem angesetzt sein soll, darzu E. Mt. neben dem bischove zu Eystedt* und Andrea de Burgo 5 mein begeren, und daneben, das E. kais. Mt. ich anzaigen solle, was die dem rat zu Augspurg umb mein erlaubnis schreiben und ich vermein, für jede wuchin für mein underhaltung und zum anzug zu haben, das auch E. kais. Mt. sich umb der costen, auf mein nächst getan reitung gelegt, mit mir gnediglich vertragen wollen etc.: Allergn, herre, dweil ich mich bisher nach gelegenheit meins wenigen Vermögens und versteens alwegen beflissen hab, E. kais. Mt. in aller undertanigkeit zu gedienen, so wird ich mich in disem E. kais. Mt. begeren auch nit sperren, doch mit der von Augspurg erlaubnis. Und hab auf solchs meiner underhaltung und andern Sachen halben E. kais. Mt. rat und obirsten secre- tarien herrn Niclasen Zieglern, herrn zu Bar 6 etc., mein nottirft, an E. kais. Mt. in aller undertanigkeit zu bringen, angezaigt. E. kais. Mt. in aller undertanigkeit bit, die wollen mich in solchem anbringen gnadiglich bedenken und bevolhen haben etc. Dat. auf 19. tag marcii anno 17. 1 Dieser Brief aus Brüssel ist nicht erhalten. ' 23. April 1517. 3 Benesdiau,ssö. von Prag. Über die Veranlassung des Landtags vgl. Nr.lSl. 4 Gabriel von Eyb; vgl. Nr. 180f. b Rat und politischer Agent Maximilians; vgl. z.B. Ulmann 1 S.814. 6 Barr im Unterelsaß. 286 Nr. 179. 1517 April 1. 179. Von Kaiser Maximilian. 1517 April 1. Turnhout. Übersendet einen Wechselbrief auf Jakob Fugger zur Beschaffung von Metall für die Grabmal-Brustbilder und für einen silbernen Harnisch. Wien, StsA: Reidisregistr. Bd. AA fol.20v. Absdir. Gedruckt: IL Zimerman im JKSK 1 (1880) S. LXVIIIf. Nr. 422. Ersamer gelerter lieber getreuer, 1 wir schicken dir hiemit ainen wexelbrief, auf unsern rate Jacoben Fugkher lautend, wie du sehen wirdest, und ist darauf unser bevelch, daz du ime zu- stundan denselben zustellest. Der wird dir dagegen dreissig mark Silbers und vierzig zenten kupfers, darzue noch ainen wexelbrief auf Wendlen Ypphover zu Ynnsprugg 2 umb dreissig zenten kupfers, die unserm rate und hauscamerer daselbs, Wolfgangen Haller, zue raichen, überantworten.» So ordnen wir dir erstlich die obgemelten vierzig zenten kupfers auf die pilder, so wir dir hievor giessen zu lassen bevolchen haben. 4 Verrer die dreissig mark Silber maister Colman zu Augspurg auf den silbrin kuris, so er uns jetzo machen soll, 5 und guet rechenschaft gegen seiner quittung raichest und gebest, und dann den obgemelten wexelbrief auf den Yphofer, umb die obangezaigten dreissig zenten kupfers lautend, von dem bestimbten Fugker herausnemest und den furter gegenwirtigen unserm diener Hannsen Carl überantwortest. Der hat alsdann verer von uns bevelch, denselben wexlbrief beruertem unserm hauscamerer zuzepringen. Dat. zu Turna am ersten tag aprilis anno etc. im 1517. 1 Der Empfänger des Briefes ist nicht mit Namen genannt, kann aber, wie schon W. Böheim im JKSK 12 (1891) S. 178 vermutete, nur Peutinger sein. 2 Faktor der Fugger; vgl. Jansen, Jakob Fugger d. Reiche S. 46 u. ö. 8 Die an Halter auszufolgenden 30 Zentner Kupfer waren für das Standbild Kaiser Friedrichs III. am Grabmal Maximilians bestimmt; vgl. dessen Brief an Haller vom 1. April 1517 im JKSK 1 (1880) S.LIX Nr. 423. 4 Damit sind, wie aus Peutingers Schreiben an Westner (Nr. 183) hervorgeht, die 32 ehernen Brustbilder gemeint, die nach Maximilians ursprttnglidiem Plane ringsherum auf seinem Grabmal aufgestellt werden sollten, sdüießlidi aber weggelassen wurden und heute versdwllen sind; vgl. D. v. Sdiönherr, Gesch. d. Grabmals Kaisers Maximilian /., im JKSK 11 (1890) S. 140f. und 149. 1 Vgl. oben Nr. 168. Maximilian hat die Vollendung dieses Harnisdies, auf den nach W. Böheim (JKSK 12 S. 178f. und 14 S.339) vier Zeidinungen Dürers zu Harnisditeilen aus dem Jahre 1517 zu beziehen sind, nidit mehr erlebt. Nr. 180. 1517 April 4. Nr. 181. 1517 April 4. 287 180. An Bischof Gabriel 1517 April 4. (Augsburg.) von Eidistätt. Ist erfreut, gerade mit dem Bischof zusammen als kalser- liclier Gesandter zum böhmlsclien Landtag reisen zu sollen. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. Hat aus einem am gleichen Tage eingetroffenen Briefe des Kaisers 1 erfahren, daß er mit dem Bisclwfe und Andrea de Burgo zu dem auf Georgi nacli Benescliau angesetzten Landtag nach Böhmen reisen soll. Und so ferr dan E. f. G. solch zug tun mochten, 2 nette ich des gros freud und ganz undertanigen guten willen, mit E. f. G. für ander zu ziehen, und wa also kais. Mt. nit änderst wollen, wird ich mich disen zug zu tun nit sperren. Solch E. f. G. und insonder auch, das herr Bernhart Adehnan von wegen E. f. G. mein gelegenheit dis zugs halben zu wissen begert hat, 3 nit hab wollen verhalten etc. Dat. auf 4. tag aprilis anno 17. 181. An Bischof Gabriel (1517 April 4. Augsburg.} von Elchstätt. Mitteilungen über die Tagesordnung des Böhmlsclien Landtags und warum sich der Kaiser dort durch eine Gesandtscfiaft vertreten läßt. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. Hochwirdigister fürst, gnadigister herre. Als E. f. G. ich an 1 Nicht erhalten. 2 ßisdiof Gabriel hat die Teilnahme an der Gesandtsdiaft offenbar abgelehnt. Denn aus einem Sdireiben Peutingers an Adam von Törring, Pfleger zu Neuburg, vom 17. April 1517, in dem er um Stellung eines Geleites für den Ritt nadi Böhmen ersudit, ist zu ersehen, daß außer Peutinger und Andrea de Burgo an Stelle des Bisdwfs die Herren Hans von Sdierfenberg und Christoph von Rorbadi zu kaiserlidien Vertretern auf dem inzwisdien um drei Wochen versdiobenen böhmisdien Landtag bestimmt sind. Dieses und nodi ein weiteres Sdireiben an Törring vom 21. April, gleidifalls den böhmisdien Landtag betreffend, im Augsburger StA: Peutinger. Vgl. auch Nr. 182f. 3 Beruh. Adelmann erwähnt Peutingers bevorstehende Gesandtsdiafts- reise nach Böhmen in zwei Briefen an Pirckheimer: Henmann, Documenta Uteraria S. 155; Thurnhofer S. 142 unter a. 288 Nr. 182. 1517 April 24. heut undertaniger monung geschriben, 1 hab ich nachmalen von dem erwirdigen und edlen herrn Bernhart Adelman von Adelmans- felden, domherren etc., meinem lieben herren, E. f. G. schreiben, des zugs halben in die cron gen Behem im getan, vernomen; und dweil darin E. f. G. zu wissen begeren, was man auf solchem tag handeln und ob der in wenig tagen sein entschaft nemen soll etc.: Hierauf E. f. G. undertaniglich tue anzaigen, das dis handlung den glauben nit beruren, sonder allein die irrungen, die herren und stedt zu Behem under inen selben haben, gmainen landfriden aufzurichten, den span der herren, bierbrennen betreffend und sonst etlicher ampter halben, und vill sonder spenne hinzulegen, damit merklich Widerwillen und aufrur zu verhütten, wie ich die dan alhie vor kais. Mt. durch die von herren und adel trefflichen potschaften gehört, es were dan jetzo ain neue- rung furgefallen, die mir unbewußt ist. Hab auch befunden, dweil die Behem an inen selben beachtlich sein und gedacht behemisch potschaften sich anheim berombt, kais. Mt. solle inen zugesagt, ainen fursten mitsambt anderen I. Mt. reten zuzuschicken, das auf nächsten gehalten tag I. Mt. schickens halben nachteil erwachsen seien, darumb die mit E. f. G. den furkomen wollen, si dermaßen angesehen haben. Dan kais. Mt. mitsambt dem kunig zu Polen des jungen kunigs von Hungern a vormunder und schuldig sein, durch ir geschickt potschaften und raet bemelt spenn, als vill an inen ist, hinzulegen. Und aber die ungerischen und polnischen potschaften hievor tapfer erschinen, das kais. Mt. nottirft erfordert, sich auch dermaßen zu erzeigen etc. 182. An Jakob Villinger. 1517 April 24. (Augsburg.) Die bevorstehende Gesandtschaftsreise zum böhmischen Landtag, insbesondere die ihm vom Kaiser dafür bewilligte Reiseausrüstung und die Unterhaltskosten. Augsburg, StA: Peulinger. Entw. 1 Nr. 180. Aus der Bezugnahme auf dieses Schreiben ergibt sidi das auf dem Entwurf nicht verzeidinete Datum des Briefes. 2 Maximilian hatte den damaligen Thronerben Ludwig von Ungarn und Böhmen am 20. Juli 1515, zwei Tage vor seiner Vermählung mit Maria v. Oesterreidi, zum Sohn angenommen und sidi nach dem Tode seines Vaters Nr. 182. 1517 April 24. 289 Edler gepietender lieber herr Schatzmeister etc. Ro. kais. Mt., meins allergnedigsten herrn, und euer brieve, an herrn Hansen vonScherfenberg, herrn Andrea de Birgo, Jörgen Sigharter, pfleger zu der Freinstadt, 1 und mich lautend, sein mir auf 16. tag aprilis zu nacht zu acht hören durch die post geantwurt worden. 2 Darnach auf 17. tag aprilis zu fruer tagzeit hab ich laut kais. Mt. und euren begem mit mein schweher Antoni Welser umb die 700 fl., desgleichen den rest für 18 eilen samat gehandelt. Der ist auf solch kais. Mt. begeren und eur zuschreiben willig gewesen, die bemelt suma on ainich interesse darzuleihen. Auf das hab ich von stund an und des selben tags zu neun hören vormittags ainen aigen fuspoten mit obgemeltem brieve gen Lintz zu dem gnanten de Birgo abgefertiget mit ainer certification von meinem schweher an die sein, so jetzo im Lintzer markt sein, gedachtem de Birgo 500 laut eurs bevelhs zu bezalen, als auch beschehen ist. Den rest, nemblich 200guldin reinischer, hab ich auf kais.Mt. und eur zuschreiben zu mein handen genomen. 8 Auch dweil ich von meinem herrn canzler 4 aus Insprugk bericht worden bin, das kunig Ludwig von Ungern den tag gen Penaxa 6 trei wuchen nach Georgi erstreckt und solchs kais. Mt. sol zugeschriben haben (auch mir sonst unmöglich wer gewesen, auf Georgi zu Wenischau zu sein), so hab ich die bemelt erstreckung den obgenannten comissarien auch angezaigt und be- gert, mich zu berichten, wan und wahin ich zu inen komen soll, den zug in die cron zu Behem zu verstrecken. 6 Darauf hat sich Wladislaw (Anfang 1516) nach dessen letztwilliger Bestimmung mit dem auf Grund der Goldenen Bulle als ältester Agnat zum Vormund berufenen Sigis- mund von Polen in die Vormundschaft geteilt; vgl. Ulmann 2 S. 550 u. 554. 1 Freistadt in Ob.-Oest. 2 Nidit erhalten. 3 In einem von Peutinger entworfenen Sdireiben (ohne Datum, wohl Ende April oder Anfang Mai) beriditet Anton Welser dem Sdiatzmeister Villinger aucfi seinerseits von den an Andrea de Burgo in Linz und an Peutinger geleisteten Zahlungen und ersudit, ihm die vorgestredtte Summe ohne Zinsen in Augsburg zurückzahlen zu lassen, da er und seine Gesellschaft zur Zeit in Antwerpen — der Kaiser weilte damals in den Niederlanden — kein Geld bedürften (Augsburg, StA: Peutinger). 4 Cyprian von Serntein; der Brief von ihm ist nidit erhalten. 5 Benesdiau b. Prag. 6 Sdireiben Peutingers an Hans von Scherfenberg und Christoph von Rorbadi vom 21. April 1517 (Entw.) im StA Augsburg, Peutinger, K8 nig, Peutingers Briefwechsel 19 290 Nr. 182. 1517 April 24. weiter zutragen, wie hernach gemelt wirt; dan ich zuvor eur schreiben ferrer verantwurten will. Kais. Mt. und eur brieve, mein halben an den rat zu Augs- purg lautend, hab ich geantwurt, der sich darauf kais. Mt. zu gehorsam willig erpoten hat. 1 Und als ir mir anzaigen, das kais. Mt. monung sein, das ich selbviert, als mein person, ain Schreiber und zwei knecht und ain trosroß, den zug in Behem furnemen sollen: mit diser anzall bin ich ganz woll zufriden. Aber der 45 guldin für zerung auf jeden monat trag ich etwas beschwerd. Dan mir gepurt davon auf ain person und pferd des tags allein 20 creuzer. Mögt ir abnemen, das mir nit möglich ist, damit auszukörnen. Aber dweil kais. Mt. mich umb das extraordinari, so über mich gen wirt, zufriden stellen wollen, will ich dannocht der undertanigen hoffnung sein, I. Mt. werden meinen schaden nit begern und mich der Sachen halben gnediglich bedenken, dweil mein ge- muet und will nit änderst steen, dan I. Mt. in aller undertanig- keit treulich zu gedienen, ich auch deshalben ganz keinen Vorteils beger, sonder I. Mt. mich in aller undertanigkeit bevolhen haben will; aber der hoffnung, 1. Mt. werden mich auf und in solcher reis kein schaden leiden lassen. Als dan I. Mt. ferrer verwilliget haben, mir für vorig 2 und jetzig ristungen 100 guldin reinischer von obgemelten 200 mitsamt den 18 eilen samat volgen zu lassen: damit I. Mt. willen und biilich furgee, bin ich auch zufriden, wiewoll mir niemalen auf beid ristungen ob den 100 guldin r. gnugen ist, on die trei roß (ains für mich, das ander für ain Schreiber und das trit für das velleis), die dan, so ich wider anheim kome, mit meinem schaden underhalten, verkauft und darzu den zwaien reisigen knechten, so sonst mit mir reiten, irer pferd halben auch für schaden sein muß. Das alles, bit ich, wollet kais. Mt. anzaigen, in hofnung, I. Mt. werden mich in denselben auch gnediglich bedenken. Wan ich aber auf ain oder mer pferd von I. Mt. für und für lifferungen hette, were on not, solchs gegen I. Mt. zu melden. Dweil ich aber des willens bin, I. Mt. in aller under- 1 Hinsiditlidi des Peutinger für den Ritt nach Böhmen zu bewilligenden Urlaubs. 2 vom Herbst 1516; vgl. Nr. 173 f. Nr. 182. 1517 April 24. 291 tanigkeit treulich zu dienen, versehe ich rnich, si werden sich gegen mich gnediglich halten. Der reitkleider halben auf mein diener ist war, das Iohan Lucas 1 mir die auf den vorigen zug geben hat. Aber die sein auf dem selben zug so eilends, vor angenomen, zergengt worden, der ich mich auf disen zug dermassen nit hab mögen gebrauchen, und wa I. Mt. nit änderst wollen, wird ich mich auf disen zug I. Mt. zu eren mit samatreitclaidern selbs fursehen. Ir mögen selbs gedenken, das die winterigen rock auf disen zug nit dienen werden. Die uberigen hundert guldin auf die zerung will ich also auf gut raitung behalten und gebrauchen. Dan des gelts halben, wie obstat, durch meinen schweher dargelihen, will der selb mein schweher die bezalung laut eurs Schreibens zu Augspurg annemen 2 und gegen solchem annemen mein quittungen Inhalt euren beschaids übergeben. Der zerung halben, so auf die anderen commissarien verraiten gangen ist und noch geen wirf, wie ir mir geschahen, hab ich in neben zuschickung der gleichen brieve auch lauter angezaigt. Ich hab auch mit der post gen Lincz, dweil ich bemelt erstreckung vermerkt, nit so fast (mereren costen zu vermeiden) geeilet und aus nachvolgend ferrer zukomner handlung nit unrecht getan. Denn auf 18. tag des monats aprilis hat eur schweher" zwischen siben und acht hören vormittag mir ain brieve von kais. Mt. geantwurt, 4 darin I. Mt. mir bevilht, dweil die aus Ursachen den tag zu Wenischau abkinden lassen haben, soll ich anheim beleiben und mich doch darnach richten, wan ain ander landtng in Behem angesetzt werde, das ich daruf zu erscheinen bereit seie. Als ir mir dan firter schreiben, das euch meins zugs gen Behem kein instruction, sonder allein die brieve, wie obstet, zu- komen sein sollen, het ich meinsteils woll leiden mögen, das die selb Instruktion mir zukomen were, mich destbas mögen zu verfussen. Das ir mir dien auf solchen zug gluk wünschen, sag ich euch, meinem lierrn, mit fleis dank, und so diser zug mein- Kaiserl. Schatzmeisteramlseiimehmer. 2 Vgl. S. 289 Anm. 3. Philipp Adler. * Nicht erhalten. 19* 292 Nr. 183. 1517 April 26. halb für sich geen, soll an mir kein fleis erwinden. 1 Ist darauf mein dienstlich bite, ir wellen aus solchen allen kais. Mt, als vill not ist, anzaigen und I. Mt. mich daneben in aller under- tanigkeit bevelhen. Dan meins pruders 2 halben hab ich aus bevelch euren brieve die Sachen, in betreffend, abcopieren lassen und will im die selb copien zuschicken, auch dabei laut eurs begers schreiben und versihe mich, er werde sich darin recht und gehorsam halten. Damit will ich mich euch als meinem lieben gepietenden herrn dienstlich haben bevolhen. Dat. auf 24. tag aprilis anno etc. 17. 183. An Stefan Westner. 1517 April 26. (Augsburg.} Antwort auf je zwei Briefe des Kaisers und Westners, die mit großer Verspätung in seine Hand gelangt sind, betreffend: den silbernen Harnisch, den Guß der Brustbilder für des Kaisers Grabmal, die Arbeiten für die „Genealogie" Maximilians (König Zwentebulchus, Holzschnitte der „zottenden Mendel", Prüfung des literarischen Nachlasses des Trithemius durch Stabius, Nachforschungen über die weiblichen Vorfahren des Kaisers) und ein in Nürnberg gedrucktes „Ketzerbuch". Augsburg, StA: Peutinger. Entw. Gedruckt: Buff Nr. 8616. Mein fruntlich willig dienst alzeit bevor. Lieber herr Westner, ich kan nit genugsam verwundern, wie so samsalig mit kais. Mt. und euren brieven, so ir mir zuschicken, gehandelt wirt. Dan 1 Am 24. April teilt Peutinger audi dem kaiserlidien Sekretär Nik. Ziegler mit, daß er mit der ihm von jenem erwirkten Reiseentschädigung für den Ritt nach Böhmen zufrieden sei und seinen Auftrag nadt Kräften ausführen wolle (Augsburg, StA: Peutinger. Entw.). Tatsächlich ist dann aus der Gesandtschaft Peutingers zum böhmischen Landtag audi dieses zweite Mal nichts geworden: Am 12. Mai befiehlt Maximilian in Turnhout dem Schatzmeister Villinger, die Dr. Peutinger auf kaiserliches Begehren von den Welsern ausgezahlten 200 Gulden rh. und 18 Ellen Samt im Werte von 40 G., die Peutinger übergeben worden waren, als seine nunmehr unterbliebene Reise nach Böhmen geplant war, diesem zu belassen, und zwar 100 G. für seine zweimalige Reiserüstung und 100 G. für seinen an Lichtmeß fälligen Sold als kaiserl. Rat (Wien, StsA. Reidisregistr.BBfol.62). 2 Leo Ravenspurger. Nr. 183. 1517 April 26. 293 an gesteren sein mir durch den brobst zu Nürnberg 1 bei ainem vergeben poten die nachvolgend brieve zugeschickt worden, die etlich mer dan trei monat underwegen gewesen sein. Ain euer brieve, des datum stet auf 14. ianuarii, ain kais. Mt. brieve, des datum stet 27. februarii, mer ainer von kais. Mt., des datum stet auf 7. tag marcii, mer ainer von euch, des datum ist auf 28. marcii. 2 Mögt ir abnemen, wan kais. Mt. an den sachen vill gelegen, were mir (wiewoll on mein schuld) großer verlust daraus entstanden. Darob bit ich, wollet solchs I. Mt. anzaigen und mich von wegen des spaten uberantwortens solcher brieve, das ich bisher darauf nit hab können antwurt geben, entschuldigen. Und erstlich auf euren brieve des 14. tags ianuarii, a das kais. Mt. auf mein underricht des kunig Zuentebulchen halben 3 gnedig gefallen getragen haben und den in ir genealogia nit setzen wollen, bin ich ganz woll zufriden, dan er darzu gar nit dienlich ist. Dan kais. Mt. silberin kuriß halben 4 wirt die nottirft erfordern, noch mer silber, wie ich anzaigt hab, zu bestellen und das furderlich herzuschicken; dan gar nach das ander silber alles verarbeit ist. Dan der prustbilder 6 und 100 guldin halben, die mir nit Vinsterwalder, 6 sonder Joan Lucas geben hat, schreibt ir, das kais. Mt. monung seie, von dem selben gelt kupfer zu kaufen und die arbeit zu bestellen. Wan I. Mt. nit änderst wollen, so wird ich dem bevelh nachgeen. Aber es wirt mit dem kauf des kupfers, zin, wachs, formschneider- und gueßerlon so vill auf- geen, das ich mit den hundert guldin nit vill, sonder gar wenig brustbilder fertigen und dadurch die gueßer nit hie behalten mag. Dan so die nit ain groß arbeit vor in haben, beleiben si nit hie. So ich aber das kupfer bevor hette, mocht ich mit den 100 guldin umb wachs, zin, formschneider- und gueßerlon gar nach bei il marcii Hs. 1 Der kaiserl. Rat und Propst von St. Sebald in Nürnberg Melddor Pfintzing, Bearbeiter des Theuerdanktextes. 2 Keiner dieser Briefe ist erhalten. a Nr. 176. 4 Nr. 179. 5 für das Grabmal des Kaisers; vgl. Nr. 179. 0 Der kaiserl. Sekretär Hans Vinsterwalder. 294 Nr. 183. 1517 April 26. 22 bilder fertigen. So was I. Mt. monung, als die hie waren. 1 Si wolten 100 zentner mir alher schicken lassen, und da ich darauf sagt, ich hette an 50 oder noch minder gnug, vermeint I. Mt., was ich zuvill haben werde, solt ich die arbeit davon be- zalen. Darob so erlangt mir in disem fall noch guten lauteren beschaid. Der „zotende mendel" 2 halben hat es die gestalt, das mir die gemalet in der Ordnung von kunig Karlein bis auf den pauren 3 geben, die alle gerissen und geschniten worden und bei mein handen sein. So hab ich dabei die gemaleten patron gegen ainander besichtiget, find gar kain mangel, aber auf kais. Mt. begeren will ich mit dem Knoder* handien. Ich wais jetzo über die eibenpogen kein weiter confiscation, so ich aber was erfar, will ich euch verkonden und darin kein fleis sparen. 1 Gemeint ist wohl Maximilians Aufenthalt in Augsburg 19. Sept. bis 20. Okt. 1516; vgl. v. Kraus im Ardi. f. oesterr. Gesch. 87 (1899) S. 310. - Der folgende Absatz des Briefes hat, seit Herberger ihn S. 60 ff. Anm. 104 veröffentlichte, viel Kopfzerbrechen verursacht; zuletzt hat F. Dorn- hoff er im JKSK 18(1897) S.ll f. darüber gehandelt und sich mit guten Gründen dafür entsdiieden, daß es sich um Holzschnittdarstellungen eines Teiles der männlichen Ahnenreihe des Kaisers handelt. Der Ausdruck zottende mendel ist bereits von E. Harzen (Maximilian des Ersten Stammbaum und dessen „zotende Mendl", im Deutschen Kunstblatt 5 [1854] S.240) richtig gedeutet worden als Bildnisse von Männern, die eine mit Zotten oder Zatteln, d. h. ausgezaditen Verzierungen versehene Kleidung tragen. Diese Ableitung des Ausdrucks von der Kleidung wie auch die Beziehung des ganzen Abschnitts auf die Arbeiten zur „Genealogie" Maximilians werden bestätigt durch eine gelegentliche Bemerkung Jakob Spiegels, der als Sekretär und Rat des Kaisers für gut unterrichtet gelten muß, in seinem Werke „De dictis et factis Alphonsi regis" S.22; Merovingicam originera .... (unde Habsburgicorum familia pro- manavit) caesar Maximilianus contexuit libro singulari, quem nostrate lingua ob vestitum ad priscum morem formatum inscripsit „die zottenden Menlen"; angeführt auf Grund eines Hinweises von G. Knod bei Ulmann 2 S. 752 Anm. 1. 8 Die Reihe der fraglidien Holzsdinitte (veröffentlicht, soweit in einer Sammlung von Probedrucken der Holzsdinitte zur „Genealogie" in der Hs. XX b Nr. 15 der Bibliothek der kunsthistor. Sammlungen des Allerh. Kaiserhauses in Wien erhalten, von Th. Frimmel im JKSK 10 [1889] hinter S. CCCXXVI) wird abgeschlossen durch einen müde an einen Baumstumpf hingelagerten Bauern. 4 der kaiserl. Hofmaler Hans Knoderer. Nr. 183. 1517 April 26. 295 Das dan kais. Mt. furgenomen hat, den Stabius zu dem jetzigen abt gen Sponheym zu schicken, 1 las ich mir woll gefallen. Dan ich hab je dafür, der alt abt von Sponheym, so gestorben ist, hab im mit seiner frankischen cronick zuvill getan. - Ferrer als kais. Mt. in bemeltem irem brieve an mich be- gerten bescheid der zottenden mendel halben, hab ich euch vor oft geschriben, aber ich will, wie obstat, mit dem Knoder handien und kais. Mt. furderlich bericht tun. Dan als kais. Mt. begeren in dem anderen I. Mt. brieve, der zottenden mendel mueter: der halben bin ich hievor in arbeit gewesen, die selben mueteren, als vill ich der erfaren mag, in ain register zu bringen und solchs I. Mt. zu schicken, und dweil 1 Vgl. Maximilians Brief an Joh. Stabius, aus Maastridit vom 22. Jan. 1517, mit dem Auftrage, sidi nadi Sponheim zu begeben und den literarischen Nadüaß des am 13. Dez. 1516 verstorbenen Trithemius wegen versdüedener, die Genealogie des Kaisers betreffenden Fragen durdizusehen. Über das Ergebnis der Reise des Stabius vgl. die in der folgenden Anm. wiedergegebene Äußerung Peutingers, über die von Stabius an den genealogisdien Arbeiten und dem auf dem gefälsditen „Hunibald" beruhenden „Compendium sive breviarium I. voluminis annalium sive historiarum de origine regum et gentis Francorum" (Mainz bei Joh. Sdtöffer 1515) des Trithemius geübte sdiarfe Kritik vgl. S. Laschitzer im JKSK 7 (1888) S.21—26. * Zweifel an der wissensdiaftlidien Zuverlässigkeit des Trithemius waren in Maximilians Umgebung sdwn früher rege geworden. Der Kaiser hatte für den l.Bd. der Frankendironik das Druckprivileg nur unter der Bedingung erteilt, daß Peutinger das Manuskript vorher prüfe; vgl. den Text dieses Privilegs und den Brief des Trithemius an Maximilian vom 22. Nov. 1515 bei Chmel, Die Hss. der Hofbibl. in Wien 1 (1840) S. 320. Peutinger hat darüber sowie über das Ergebnis der Nadiforsdmngen des Stabius in des Abtes literarisdiem Nachlaß (vgl. die vorige Anm.) in sein Exemplar der Frankendironik folgendes eingetragen: Compendium abbalis Sponheimiensis ea sola causa publicare permisi, ut nugae eius publice adnotarentur; cum nulluni citet Historiae suae verum auctorem, fingit quendam Hunibaldum, qui saltem ex scripto visus non est. Et ut ab optimo nostro amico loanne Stabio, caesareo historiographo, accepimus: cum is pro suprascripto autore post Tri- themii mortem Herbipolim missus fuisset, hunc non reperit, verum schedas quasdam, quibus Historiam suam subsequentem (d. h. die ungedruckte Fortsetzung des „Compendium"), ut voluit (über enim erat idem et calamus et chartae), saepe et saepius immutaverat, et ob falsum admissum a Casimiro marchione (von Brandenburg-Kulmbadi) apud Maximilianum caesarem super rebus Francorum me praesente accusatus fuit, verum iam defunctus. Id vero Pessimum duco, legem historiae, ut Cicero de oratore (2, 15) docet, hoc est ipsam veritatem non observare. Ch. P. Aug. 296 Nr. 184. 1517 Herbst. man die an vill orten suchen muß, ist mir nit möglich, dorin zu eilen, will aber allen fleis ankeren. 1 Das sollen ir kais. Mt. ansagen. Ferrer als ir in dem letzten euren brieve melden der kupfer und Silber halben, das kais. Mt. mit dem Schatzmeister handien und mir darnach bescheid geben lassen wolle, des will ich also gewartig sein und sonderlich auf das, so ich oben anzaigt hab. Ich hette auch auf euer schreiben das ketzerbuch, so zu Nürnberg getruckt worden ist, kais. Mt. gern zugeschickt. So wais ich kains mer anzukörnen, sonder alsbald die getruckt, sein si heimlich, als bericht bin, weck gefurt, und ist mir mit großer mue ains worden, das ich zu dem, so zu Leiptzig dawider ge- schriben worden ist, binden lassen hab. 2 Wa das I. Mt. je haben und mir wider schaffen wollen, will ich solchs I. Mt. leihen. Dan weßt sonst kains mer anzukörnen, und solt ich darumb komen, were mir laid. Doch was kais. Mt. wollen, dorin will ich gehorsam erscheinen. Euch auch dank der verkondung neuer zeitung. Will solchs und anders, wa es zu schulden kompt, umb euch mit fleis verdienen. Dat. in eil auf 26. tag aprilis anno etc. 17. 184. Von Kaiser Maximilian. {1517 Herbst.*) Peutlnger soll die „Ehrenpforte", die Stabius ihm schiclien wird, wohlverpackt mit der Post senden. Innsbruck, LRA: Maximiliana XI, 6. Entw. — Adr.: An doctor Peutinger. Regest: Schönherr im JKSK2, 2 (1881) Nr. 1302. 1 Maximilian war gerade damals bemüht, mit Hilfe der für ihn arbeitenden Gelehrten seinen Stammbaum nadi der weiblidien Seite zu erweitern. In dem umfangreichsten der der Genealogie des Kaisers gewidmeten Werke, der am 13. Mai 1518 in Augsburg vollendeten „Fürstl. Chronik Kaiser Maximilians, genannt Geburtsspiegel" des Dr. Jakob Mennel (Wien, Nationalbibl. codd. 3072 — 77) ist der 9. und letzte Teil den „erlauchten und berümbten weibern des loblichen Haus Hapsburg und Oesterreidi" eingeräumt: vgl. dazu S. Lasdiitzer im JKSK 7 (1888) S. 12ff. Von Peutingers Arbeiten an diesem Gegenstand ist nichts erhalten. 2 Mit dem ketzerbucli ist wahrsdieinlidi die im Dez. 1511 bei Hieron. Höltzel in Nürnberg erschienene „Apologia sacrae scripturae" (Panzer 7 S. 449 Nr. 72) der Böhmisdien Brüder gemeint, gegen die der Leipziger Professor der Theologie Hieron. Dungersheim 1514 unter dem Titel „Confutatio apologetici cuiusdam sacrae scripturae falso inscripti" (Panzer 7 S. 185Nr. 474) eine Gegenschrift hatte ersdieinen lassen. » Zum Datum vgl. die folgende Anm. Nr. 185. 1517 Dezember 16. 297 Ersamer gelerter lieber getreuer, wir haben unserm getreuen lieben Johann Stabius, unserm historiographo, bevolhen, dir unsern triumphwagen zuzeschicken. 1 Demnach emphelhen wir dir, wann dir derselb also zukompt, das du uns denselben, vor der ness und regen mit gewichsten tuchern wol verwart, auf der bost zuschickest und des nicht lassest. Daran tust du unser ernstliche meinung. Datum —. 185. Von Regiment und Raitkammer 1517 Dezember 16. In Innsbruck. Innsbruck. Übersenden den Entwurf einer von den Welsern zu unterzeichnenden Stundungsbewilligung über 4000 Gulden zur Prüfung und teilen mit, daß sie Peutinger für seine Bemühungen eine .Verehrung" von 100 Gulden angewiesen haben. Innsbruck, LRA: Missiven 1517 fol.268^. Absdir. — Adr.: An Conn- radten Peutinger, Ro. kai. Mt. rat. Hochgelerter lieber frund, wir werden durch der Ro. kais. Mt. etc., unsers allergnedigisten herrn, hof- und Tirolischen canzler herrn Ziprian von Sernntein und Blasien Höltzl, I. Mt. rat und phleger zu Vellemberg, 2 bericht, wie ir um die erstreckung der viertausend guidein reinisch, so den Welsern in kurz aus dem pfannhaus bezalt solten sein worden und sich noch ain jar lang stille zu steen bewilligt haben, auch sonst in kais. Mt. sachen und gescheften unzher mit sonderm vleis ganz treulichen und guetwilliglichen gehandlet habt, als sich dann in der handlung fruchtperlich erscheint hat, der Zuversicht, ir werdet furan, wo der kais. Mt., auch des regiments und camer sachen an euch ge- 1 Aus diesem Sdireiben des Kaisers an Stabius (Schönherr a.a.O. Nr. 1301) geht hervor, daß mit dem triumphwagen die .Ehrenpforte' (vgl. über sie Ed. Chmelarz im JKSK 4 [1886] S. 289 ff.) gemeint ist, und daraus ergibt sich weiter das ungefähre Datum unseres nicht datierten Briefes: Da der Kaiser am 1. Sept. 1517 nocfi nicht genau weiß, ob Stabius schon ausgedruckte Exemplare der Ehrenpforte zur Verfügung hat (vgl. seinen Brief vom genannten Tage im JKSK 1,2 Nr. 434), kann unser Sdireiben erst nadi dem 1. Sept. 1517 abgeschickt sein, und zwar nicht vor Okt., da der Kaiser bis Ende Sept. in Augsburg weilte (Stalin in: Forsdi. z. deutschen Gesdi. 1 S.382). 2 Vellenberg b. Innsbruck: vgl. oben S.70 Anm.4. 298 Nr. 186 1518 Januar 5. langen, euch abermals guetwillig und dienstlichen vleis erzaigen und halden. Und auf solchs der Welser stillestand haben wir ain copei ainer verschreibung gesteh, so wir euch hiemit zuesenden. Die wellet sehen und in furhalten, und wo si ainich mengl, des wir uns doch nit versehen, darin hiete, so wellet dieselben copei corrigiern und uns widerumb zusenden. So wellen wir alsdann die verschreibung aufrichten lassen und euch unverzogenlich zusenden. Und damit ir dennach befandet, daz wir, als pillich, solhs auch gegn euch erkennen, so haben wir verordnet, daz euch Ulrich Möringer, Tirolischer camermaister, hundert guidein reinisch schicken sol für samat und meder zu ainer schauben in namen der kai. Mt. Das wellet also gueter mainung zu ainer vererung annemen etc. Geben zu Ynnsprugg am 16. tag decembris anno etc. decimo septimo. Regiment und raitcamer. 186. Von Christoph Scheurl. 1518 Januar 5. Nürnberg. Dankt für die freundliche Aufnahme in Augsburg durch Peutinger und die Welser. Übersendet Luthers Ablaßthesen. Bittet um Unterstützung eines armen, nach Loretto wallfahrenden Spaniers. Nürnberg, Bibl.d. German. Nationalmus.: Sdieurl-Hs. G.fol.198 1 ". Gedruckt: Chr. Sdieurls Briefbuch, herausg. von F. Frh. v. Soden und J. K. F. Knaake, 2(1872) Nr. 156 S.40f. Ad doctorem Conradum Peutinger. Obsequia paratissima. Quod me superioribus mensibus, cla- rissime vir, multa humanitate excepisti, 1 cupio tibi aliquando gratiam referre; interea ago. Pari modo me honorarunt prae- 1 Vgl. Sdieurls Brief an Erasmus Stella vom 30. Mai 1517: His diebus apud Augusiam Vindeliciam super mensa amicissimi mei Conradi Peutingeri, Germani historiographi litteratissimi, de te incidit sermo et Germanis, Borussis et gemmis tuis; ea commentatus sum, quae viro humano illorum relegendorum maximum desiderium ingesserunt: Sdieurls Brief buch 2 Nr. 132 S. 18. Aus Augsburg, 15. Mai 1517. ist ein Brief Sdieurls an den dortigen Bischof Christoph v. Stadion datiert: ebd. Nr. 131 S. 16f. Nr. 187. 1518 März 16. 299 stantissime socer tuus et socii 1 aureis duodecim, etsi non totidem denarios meruerim. Ut illis me et operäs meas devoveas atque dedas, te oratum velim. Mitto Conclusiones amici Martini Luderi theologi, 2 quas auctoritate tua dignas sum arbitratus. Venit praeterea ad te Hispanus admodum pauper, quem- admodum vides. Non est, qui hominem excipiat, pascat aut in- telligat; sub divo dormit ut pecus, quem amici Saxones michi commendarunt et plane peregrini fortunam doleo sinceriter. Qua- tinus autem votum Loretanum persolvere queat commodius, te obsecro, ut causa Dei et pro ingenua facilitate tua famulum Dei omni ope destitutum iuves," amicis commendes vel eciam Triden- tino episcopo 3 atque eius iter dirigas. Non dubito facturum te gratum Deo, qui tibi una cum pudicissima uxore retribuat felici- tatem perpetuam. Nurembergae nonis ianuarii 1518. C. S. i. u. doctor. 187. Von Kaiser Maximilian. 1518 März 16. Innsbruck. Beauftragt ihn mit der Drucklegung eines kaiserlichen Mandats. Augsburg, StA: Maximilian. Urschr. — Auf der Rückseite von Peutingers Hand: kais. Mt. mandat contra landsknecht. Maximilian etc. Ersamer gelerter getreuer lieber, wir senden dir hiemit ain copei aines mandats, 4 wie du sehen wirdest, und a vives Hs. 1 Anton Weiser d. Ae. und seine Gesellschaft, in deren Diensten Christoph Sdieurls Vater, Christoph Sdi. d. Aeltere (gest. 24. Jan. 1519), stand; vgl. Welser 1 S.69ff. 2 Damit sind die Ablaßthesen gemeint; in einem Briefe vom gleichen Tage anJodocus Trutvetter (a. a. 0. Nr. 157 S. 41) nennt Sdieurlsie conclusiones Martini Luteri indulgentias interpretantes. Über die Frage der ersten Drucke der Thesen vgl. O. Clemen in seiner Ausgabe von Luthers Werken 1 (1912) S. 1 f. » Bernhard von Cles. * Gemeint ist das FRC 2,2 Nr. 1190 S.962f. verzeichnete kaiserl. Mandat an alle Stände und Untertanen des Reidies gegen die deutschen Landsknedite, die in Italien zu den Franzosen und Venetianern übergegangen waren und damals unter vielen Übeltaten im Reich umherzogen. 300 Nr. 188. 1518 Mai 16. emphelhen dir, das du dreihundert brief nach inhalt solcher copei vleissiglichen on das datum drucken lassest und die bei deinen handen behaltest bis auf unsern vereren beschaid etc. Geben in unser stat Ynsprugg am 16. tag marcii anno etc. im achtzehenden, unsers reichs im dreuunddreissigisten jaren. 188. An Sebastian Brant. 1518 Mal 16. (Augsburg.} Erklärt das verspätete Eintreffen dieses Briefes; meldet, daß Herzog Georg von Sachsen angekommen sei und der Kaiser bald erwartet werde. Straßburg, StA: IV, 105. Ursdir. — Adr.: D. Sebastiano Brandt, iuris- consulto etc., ad manus etc. Lieber herr doctor, zu verschinen tagen hat ain amptman aus Bar l von wegen herrn Niclas Zieglers mir etliche fässer ge- antwurt und mir dabei angezaigt, er bette mit im ain potten aus Straspurg alher gefurt, den er wider anheim schicken wurde, auf das ich dem selben amptman diesen brieve behendiget und mich nit änderst versöhen, er solt gedachtem poten den euch zu- zebringen bevolhen haben. Aber er hat gedachten poten von hinnen auf Ynsprug gefurt und gemelten mein brieve auf dem Lechfeld ainem Augspurger poten geben, mir den wider zu antworten, als auch beschehen ist. Des ich nit wenig verdries trag; billich solchen brieve am ersten nit angenomen haben solt. Aber damit mein fleis gespurt werde, so hab ich disen brieve aus mangel der poten gen Strasburg und sonderlich, dweil der reichs- tag alhie noch nit angangen ist, vergebenlich bei diesem poten auf Speir geschickt und zaig euch ferrer an, das mitler zeit und bemelter mein brieve geben mein gn. herr herzog Georg von Sachsen herkomen und noch hie ist. Ich wird auch bericht, daß kais. Mt. bald herkomen sol. 2 So das geschieht, will ich mein 1 Barr im Unterelsaß: Inhaber der gleichnamigen Herrsdiaft war der im folgenden genannte kaiserl. Rat Nikolaus Ziegler (als sokher genannt oben Nr. 178). 2 Maximilian kam zum Reichstage nach Augsburg erst am 27. Juni, nadi- dem er am 25. Mai Jak. Villinger, Peutinger und Phil. Adler seine Abreise von Innsbruck und baldige Ankunft in Augsburg gemeldet hatte (FRC Nr. 1187 S. 962 und Nr. 1192 S.963). Nr. 189. 1518 Mai 25. 301 herren von Straspurg (wa ich nit vergeben) ain aigen poten zuschicken etc. Dat. auf 16. tag mai anno 18 in eil. Peutinger. 189. Von Ulrich von Hütten. 1518 Mai 25. Mainz. Übersendet das Manuskript seiner Türkenrede. Entsclwldlgt sein bisheriges Sdvwelgen und beteuert seine Dankbarkeit für alle Ihm durch Peutinger erwiesene Gunst und Förderung (Empfehlung beim Kaiser, gastliche Aufnahme, Anfertigung des Lorbeerkranzes für die Dicliterkrönung durch Constanze Peutinger). Schildert seine Lage am Mainzer Hofe. Grüße an Spiegel, Stabius und Bonomus. Gedruckt: Ulridii Hutteni opera, ed. Ed. Boecking, 1 Nr. 81 S. 173 f. (und 5 S.99f.). Über die älteren Drucke — der älteste in der bei S. Grimm und M. Wyrsung in Augsburg 1518 ersdiienenen Erstausgabe von Huttens Türkenrede (Panzer 6 S. 149 Nr. 117) fOl.AI*f. — vgl. ebd. 1 S.33*f. Huldericus de Hütten eques Germanus Chunrado Peutingero patricio Augustano S. Declamavi his diebus, Peutingere, et causam, si diis placet, arduam declamavi; conatus sum tarnen, cum quia argumentum delectabat, tum vero quia ocium suppetebat. 1 Id qualecunque est, ad te mittendum putavi: primum, ut te aliqua novitate ut- cunque adficerem, deinde ut animo tuo suspicionem, si quam ex illo diuturno meo silentio concepisses, eximerem; videri enim poteram oblitus tuae in me benevolentiae segnius quam pro dignitate amicitiam nostram colere. Sed distinuit me quidam nuntians epistolam ad me tuam una cum nescio quo caesaris munere divagari et ad me propediem perventuram. Quam dum expecto, ut videam, quo me evehas (scio enim aliquid machinari te), simul sperans fore, ut in illo principum Augustae, qui nimis iam 1 Die für den Augsburger Reidistag von 1518 bestimmte Türkenrede: Ulridii Hutteni equitis Germani ad principes Germanos ut bellum Turcis in- ferant exhortatoria; Opera, ed. Boecking, 5S.97 — 136. Vgl. dazu D.F.Strauß. Ulridi von Hütten* (1895) S.212ff. und 245ff. Gegen den Versuch P. Kalkoffs (Ulridi von Hütten und die Reformation [1920] S. 62), die Rede als im Auftrage Albredits von Mainz verfaßt hinzustellen, vgl. P. Joadiimsen in der Hist. Zeitsdir. 125 (1922) S. 489. 302 Nr. 189. 1518 Mai 25. differtur, conventu 1 ipse coram de multis colloquar, nihil pro- perandum ad te putavi. Tu vero desine aliquid ingratitudinis suspicari: non sie memoria excidit, quanta tu nuper diligentia quantoque studio redeuntem ex Italia nie commendaverisMaximi- liano caesari, qui cum tua gravi oratione in consessu amplissimo- rum virorum de meis studiis deque illa aerumnosa per Europam peregrinatione, simul de quadam mea feliciter illi pugnata pugna persuasus esset, ut me honoraret, quos tu non magnificos titulos, quae non celebria nomina, quas immunitates, quae privilegia non protulisti, ut ingratissimus sim omnium qui usquam vivunt mor- talium, nisi te valde amem ac reverenter colam. Proinde continuo oculis meis obversatur, qua me primum hospitalitate in tuam domum aeeepisti; deinde qua praedicatione quibus amicis com- mendasti; postremo qua pompa ad caesarem adduxisti; ut ille tuo instinetu ad se admisit, ut coronam poeticam imposuit, illam aio coronam, illam lauream, quam tu ante domi tuae, aecurate contexente et adornante filia tua Constantia, omnium quae istic sunt puellarum et forma et moribus praestantissima, apparaveras. 2 Haerent ista mihi animo ac diutissime haerebunt, tarn quia per se magna satis sunt, quam quia augent" ea, quae b tibi, civitate pariter ac ordine diverso, aeeepta refero. Quod ubi cogito, et quia ab ineunte aetate sie vitam institui, ut quam gratissimus esse studeam, erga eos praesertim, quorum aliqua in me benignitas, nedum benemeritum, perspeeta sit, nunquam desino magnifice tuam in me benevolentiam tuaque ista merita commemorare. Quodsi molesta fuit haec tibi taciturnitas mea, da veniam iugi posthac literarum missione resarcire paranti. il äuget die bisherigen Drucke. b quod die bisherigen Drucke. 1 Der ursprünglich auf den 18. April 1518 nach Augsburg ausgesdiriebene Reidistag wurde erst Anfang Aug. eröffnet; vgl. FRC 2, 2 S. 959 und 964. 2 Die vorstehenden Sätze sind neben dem kaiserl. Privileg vom 12. Juni 1517 (U. Hutteni Opera, ed. Boedäng, 1 S. 143 f.) und Huttens Brief an Eras- mus vom 21. Juli 1517 (Opus epistolarum Des. Erasmi Rot., ed. Allen, Nr.611, 3 S. 25 ff.) die Hauptquelle für die Gesdiidite von Huttens Dichterkrönung; vgl. dazu Strauß a. a. 0. S. 198ff. und 0. Harnack, Ulrich v. Hütten, in: ,1m Morgenrot der Reformation"* (1915) S.495f. Zu den Worten de quadam mea feliciter illi pugnata pugna (Huttens siegreidier Kampf mit fünf Franzosen in Viterbo 1516) s. Strauß S.117. Nr. 190. 1518 Mai 29. 303 Et iam quaeris forte, quemadmodum me tractet aulica vita. 1 Nondum optime; quanquam quid non ferendum est apud vere principem Albertum archiepiscopum, sie humanuni, sie beneficum ac liberalem, deinde sie erga literas ac literatos omnes affectum? Alioqui valde ista nauseo, fastum aulicorum, magnifica promissa, sesquipedales salutationes, insidiosa colloquia et inanes fumos. Praecipua tarnen mihi consuetudo est cum Stromero 2 physico, quod se mira quaedam dedit, ut mihi videtur, in utriusque mores similitudo: simplex est, dexter et apertus; odit fueum, detestatur pompam, ac subinde mihi crebro inculcat quaedam adagia; ipse vicissim meos, quandoquidem agnovi talem, iocos communico: nam statim ab initio, ut in aulam reeeptus sum, perspeeta hominis probitate complecti coepi ac me ille mutuo. Verum tu quid agis isthic? Aut quando illud nobis, quod diu iam parturis, tandem paris? Si intelligis dilatum iri con- ventum, copiose scribe de multis rebus, praesertim ea, quae in erratica illa epistola inerant, retexe. Si ignoras enim: nondum aeeepi. Salutabis ex me Iacobum Spiegel secretarium, mire de nobis meritum, una cum Stabio mathematico, ac illi me com- mendabis omnium qui usquam sunt episcoporum doctissimo, Petro Bonomo Tergestino, 3 cuius mihi amicitiam promisisti. Gestio vos videre. Interim tu quoque recte vale. Moguntia. 8. calendas iunii. Anno post M. ac D. XVIII. 190. An Michael Hummelberg. 1518 Mai 29. (Augsburg.} Ratschlag in einer Testamentsangelegenheit. München, StsB: Cod. Lat. 4007 fol.98* f. Absdir. Gedruckt: Lotter-Veith S. 186f. 1 Hütten lebte seit Febr. 1518 in der Umgebung Albredits von Mainz, in dessen Diensten er seit dem Spätsommer 1517 stand. 2 Heinridi Stromer von Auerbach, der humanistisdi gebildete Leibarzt des Kurfürsten, später Prof. und Ratsherr in Leipzig, wo er den Hof mit .Auerbadis Keller" erbaute; vgl. über ihn die Biogr. von G. Wustmann (1902) und 0. Giemen im N. Ardi. /. Sachs. Gesdi. 24 (1903) S. 100ff. 3 Petrus Bonomus, Bisdwfvon Triest, früher in der Kanzlei Maximilians; ■vgl. Nr. 191. 304 Nr. 191. 1518 August 13. Chuonradus Peutinger Augustanus Michaeli Humelbergio Ravenspurgensi S. P. D. Putas in caussa illa testamentaria nön scribendum esse, cum legato acceptato testamentum Udalricus ille tuus ratum habuit, nee sibi ultra actionem competere. Et ita ego puto. Pactum qui- dem dotis vel doti adiectum testandi facultatem non impedit; cautius quidem id apponendum fuisset. Etsi testamentum illud iuris scripti solemnitate debita defectum non mediocrem patiatur, attamen nostri doctores id etiam adfirmant: quod constitutione sive (aiunt) statuto magnus ille numerus testium septem in pau- ciorem cogi possit, dum divinum ius, quod duos vel tres testes expostulat, non laedatur. Cui statutum Nurmbergense non re- pugnat, quo testari etiam coram duobus (dum ex senatu nominati fuerint) permissum est. Bene iudicio meo Udalricus egit, quod legato habito a lite et rixosa illa vexatione se quietum et liberum reddidit. Multa pro eo dici possent. An autem ex hiis utilitatem consequi valeat, nunc non satis diiudicare possum. Scripsi multa, sed, ut ingenue fatear, concludentia minus. Quod actum est, putavi et puto esse tutius. Te ut verum et integrum amicum fallere nolo. Quid alii opinantur, ipsi viderint. Haec tecum ut amico et pro amico scribo. De schedula non dubito hanc ut voluntatem ultimam et iuris solemnitate carentem oppugnari posse. Sed quid agitur, si testamentum ipsum firmum permanet? Quare remitto exempla, quae apud me dimiseras. Aegidius noster 1 nondum venit; cum venerit, cuius reditum in dies speramus, sibi tuas humanissimas literas perlegendas dabo. Vale. Tabellarius accelerat. Die 29. maii anno 1518. 191. An Petrus Bonomas, 1518 August 13. Augsburg. Bischof von Triest. Er finde sich gern damit ab, daß Bonomus die von ihm selbst längst beabsichtigte Herausgabe der Gedickte an Blasius Hölzl ihm vorweggenommen habe. Gedruckt: Complurium eruditomm vatum carmina ad magnificum virum D. Blasium Hoelcelium, sacri caesaris Maximiliani consiliarium, moecenatem 1 Aegidius Rem: vgl. oben S.186 Anm.2 sowie unten Nr. 199f. Nr. 192. 1518 Spätsommer. 305 eorum praecipuum. Augustae Vindelicorum in celeberrimo principum conventn impressa. 1518. Fol.A2v. Reverendo in Christo patri et domino D. Petro, episcopo et comiti Tergestino, domino suo singulari, Conradus Peutinger Augustanus felicitatem optat. Quantopere bonis artibus faveo quantumque ex hiis gaudium capio, rev de in Christo pater, tantum mihi subirasci solebam, quod hanc quam in publicandis illis non solum iucundis, sed et eru- ditis carminibus, quae Blasio Hoelcelio communi amico cum a Dig ne Tua, tum a caeteris vatibus dedicata sunt, tandem mihi praereptam et me ea voluptate privatum con- spicerem. 1 Id enim dudum ut fieret constitueram. Verum hoc eo facilius ac levius fero, cum mecum ipse reputem magna exoma- menta a magnis et claris viris commodius ac dignius ostendi et emitti posse, ideoque et libens cedo. Ferendus est enim ille suavissimus fructus. Et quia Blasium ipsum et officiosum et Htteratum et moribus etiam optimis praeditum non solum amo, sed et diligenter observo, mecum plurimum laetor et gaudeo car- mina illa cum eruditionis tum amoris gratissima pignora a Dig ne Tua iam emissa et publicata in lucem tandem prodiisse ac sub doctorum virorum oculos crebro revocanda et mihi et caeteris amicis futura communia. Felix valeat Tua Dig li0 . Ex aedibus nostris idibus augusti 1518. 192. Von Richardus Bartholinus. 2 . Absdir. Gedruckt: Lotter-Veith S. 189. Michael Humelbergius Ravenspurgensis Chuonrado Peutingero utriusque iuris doctori S. Quem ad alterum latus Mercurii tui 1 bovem sive taurum subsidere olim coniux tua scripsit, 2 ego hircum esse reor, non, ut opinor, levi ratione. Quam, si cupis, lubens perscribam, nunc non tantum otii est. Si rem acu tetigero (quod aiunt), probabis ingenium; 3 sin minus, non improbabis diligentiam et conatum ob tui amorem insumptum, pro quo nihil mihi unquam grave erit. Vale. Eidibus ianuariis 1519. 195. An das Regiment in Innsbruck. 1519 Januar 27. (Augsburg.} Hat mit der Welser-Gesellsdiaft wegen nodimaliger Stundung der 4000 Gld. auftragsgemäß unterhandelt: die Gesellschaft benötigt wegen eigener Verpfliclitungen die Summe mann an Aventin wegen Übersendung der Hs. nadi Augsburg, worauf er sie erhielt mit dem Auftrage, sie zu veröffenllidien; vgl. Aventins Sämmtl. Werke 6 S.84f. Erst viel später sdieint der Codex, nadidem Aventin selbst die Schrift 1522 herausgegeben hatte, auch in Peutingers Hände gekommen zu sein; vgl. unten seinen Brief vom 19. Juli 1527, mit dem er ihn an Aventin zurücksendet. 1 Dieses bei den Neubauarbeiten an St. Ulridi in Augsburg wohl bald nach 1500 ausgegrabene Merkurrelief, das Glanzstück in Peutingers Antikensammlung (heute im Augsburger Maximiliansmuseum), hat kürzlidi M. Hautt- mann (Dürer und der Augsburger Antikenbesitz, im Jahrb. d. preuß. Kunstsammlungen 42 [1921J S. 43 ff.) als Vorbild für Dürers Adam von 1504 nachgewiesen. 2 Intl.Kap.der.EpistolaMargaritaeVelseriaeadChrislophorumfratrem" (vgl. dazu oben S. 154 Anm. 1), das ganz dem Merkurbild gewidmet ist, heißt es von diesem: ... et ad latus aliud subsidebat bos sive taurus. 3 Peutinger hat sidi offenbar der Deutung Hummelbergs angesddossen; denn auf der Holzschnittabbildung des Reliefs, das der 2. in Mainz im Aug 1520 erschienenen Auflage seines Insdiriftenwerkes (vgl. Nr.203) auf fol. Bl* beigegeben ist, ist das Tier zur Rediten Merkurs deutlidt als Bock dargestellt 20* 308 Nr. 195. 1519 Januar 27. dringend und erwartet Zahlung in ungefähr fünf Wochen. Sollte das Regiment dazu nicht in der Lage sein, will er nochmals unterhandeln. Augsburg, StA: Peutinger. Entw.; das Datum von fremder Hand. — Adr.: An das regiment zu Ynsprug. Dweil E. G. und Gestrengkeit der kais. Mt., unser aller- gnedigister herre hochloblichister gedachtnis, abgang, dweil die durch Got den almachtigen aus diser zeit erfordert worden ist, 1 der I. Mt. seele gnadig und barmherzig sein welle, mit betruebtem gemuete ich undertaniglich tue clagen und als E. G. und Gt. hievor an mich begert haben, bei meinem schweher Anthoni Welser vor hülfen zu sein, ine doran zu weisen (doch das solchs mit gutem fueg und seinem willen beschehe), damit er das hauptgut der 4000 gld. rh. noch ain iar lang im ampt zu Hall ligen lassen solt, 2 dagegen E. G. und Gt. ferrer gnugsam verschreibung zusambt erber bezalung im zuhanden stellen wolten etc.: Demnach E. G. und Gt. zu wissen fueg, das der gnant mein schweher auf Martini nächst verschinen 3 tods auch verschiden (Got der herre seiner seel gnadig sein welle), und ist seiner geselschaft namen und handlung auf sein verlassen sone, meinen lieben schwager Bartholome Welser, gewachsen, mit dem und sein mitverwandten ich obgmelter Sachen halb red gehalten und bei inen, als vill si betriff, gegen E. G. und Gt. undertanigen willen befunden; aber daneben mir anzaigt, das ander mer, als auch war ist, in guter zall von inen und aus ir geselschaft komen, die ir anfall und nit unbillich von bemeltem gelt begeren; deshalben si nit woll lenger aufhalten mögen, auch mit bezalung der minz, wa inen gepirend aufwechsel auf das geld geben wirf, nit beschwert und die bezalung, wa es gesin mag, zu Ynsprug annemen werden, ungeferlich in fünf wuchen; dan si ain Wechsel aus Hispanien umb etlich anzall gelts auf ain, so zu inen komen soll, angenomen haben, etlich anzall fußknecht zu bestellen und die furter in das kunigreich Napels zu schicken; 4 deshalben si 1 Maximilian war in Wels (in Ob.-Oest.) am 12. Jan. 1519 gestorben. 2 Vgl. oben Nr. 185. * IL Nov. 1518. * Über die damalige starke Beteiligung der Welser an den Anleihen Karls von Spanien und Neapel vgl. Ehrenberg 1 S. 102f.: M. Jansen, Jakob Fugger der Reiche 1 S. 238. Nr. 196. 1519 Mai 8. 309 solchen gelts fast nottirftig weren und die bemelten, so teil daran haben, hie zufrieden stellen wurden. Ob aber E. G. und Gt. solch bezalung dermaßen, wie obstedt und E. G. si selbs schreiben, zu tun je nit gelegen sein wilt, will ich aldan allen möglichen fleis ankeren, bei inen ferrer zu handeln, wie E. G. und Gt. an si und mich begert haben, damit si der bezalung auf Thomae apostoli schirstkunftig 1 sambt derhalben gnugsamer verschreibung gewarten etc. Und bit des alles halben furdringlich gnadigen be- schaide, den meinem schwager und seinen verwandten wissen anzuzaigen. Dat. auf 27. tag ianuarii 1519. 196. An Ulrich Zasius. 1519 Mal 8. Augsburg. Billigt des Zasius Verteidigungsschrift gegen Ecks Angriff und versichert ihn seiner unveränderten Freundschaft; sucht ihn aber von der Bereditigung des Eckschen Standpunktes in der Zinsfrage zu überzeugen. Basel. Universitätsbibliothek: Mscr.1133 (Amerbadisdie Briefsammlung) f ol. 217. Ursdir. Gedruckt: Udalr. Zasii epistolae, ed. J. A. Riegger (1774), S.490f. Egregio et praestantissimo iurisconsulto D. Udalrico Zasio, ordinario iuris Friburgensi, amico et praeceptori suo observando, S. P. D. Clarissime doctor, literas tuas 2 et Apologiam in Ioannem Eckium a comunis noster amicus, praestantissimus christianae 1 21. Dez. 1519. ' Nicht erhalten. 3 U. Zasii . . . apologetica defensio contra J. Ediiuni . . . supra eo quod olim tractaverat, quo loco fides non esset hosti servanda. Basileae ap. J. Froben. m. martio a. 1519. Zasius verteidigte sidi darin gegen eine Streit- sdirift seines einstigen Schülers Eck (I. Eckii. . . de materia iuramenti acu- tissima decisio. Augustae ap. S. Grimm et M. Wirsung. 1518), in der dieser die von Zasius in seinen Quaestiones de Iudaeis parvulis baptizandis (Argen- tinae, J. Grüninger impr., 1508) aufgestellte Behauptung angegriffen hatte, daß einem öffentlichen Feinde gegenüber ein Vertrag nur dann Gültigkeit habe, wenn er mit Bewilligung des Feldherrn abgeschlossen sei. Vgl. dazu R. Stintzing, U. Zasius (1857) S. 192 ff. und J. Greving, Joh. Eck als junger Gelehrter (1906) S. 60 Anm. 4. 310 Nr. 196. 1519 Mai 8. veritatis concionator a Oecolampadius, 1 mihi reddi curavit. Apo- logiam ipsam ante legi et relegi. A Iacobo Spiegel 2 amico prae- cipuo nobis missa fuit. Verum tibi non solum ago, sed et habebo gratias. Mihi quidem et caeteris pluribus iura profitentibus, qui- bus Eckius cavillationibus suis in te congestis, ut parum in iure versatus, 3 dudum stomachum moverat, perbelle quidem et erudi- tissime responsione tua gratificatus es plurimum. Quae de generi tui 4 facto scribis, hoc ingenue fateor dolorem istum utcunque ex eo conceptum diu apud me non absque causa versatum fuisse, quem eciam continui ac silui; interim si mihi tecum amiciciae veteris nulla recordatio fuit, tibi tarnen nee infestus, ut scribis, nee eciam molestus fui nee nocui: sed apud alios, licet mea commendatione non eges, laudare te, ut par est, destiti nunquam. Et eo modo habebis me et recognosces. Quod Eckii consultacionem 5 subscribere nolueris idque Eckius suppunxerit, nonnisi tuis literis intellexi. Factum enim id a concinnator Hs. 1 Seit Nov. 1518 Domprediger in Augsburg, war Oecolampadius alsbald in freundschaftliche Beziehungen zu Peutinger getreten; vgl. Roth 1 S.53f. und unten Nr. 205. 5 Mit dem kaiserl. Sekretär Jak. Spiegel, dem Neffen Wimpfelings (vgl. über ihn G. Knods Schlettstädter Programme von 1884 und 1886 und Joadiimsen S. 122f.), war Peutinger seit Jahren befreundet. Von den zwischen beiden gewechselten Briefen ist nichts erhalten. Ein von ihm an den Stadtsdireibcr geriditetes Sdireiben wollte Spiegel urspranglidi der bei Knod 1 S. 36 Nr. IV beschriebenen Sdirift beigeben; s. Vadianisdie Briefsamml. Nr. 123 (1 S. 145 = Mitt. z. vaterländ. Gesch. herausg. vom Hist. Ver. in St. Gallen 24 [18901 S.221). Über Spiegels Beziehungen zu Peutinger vgl. noch Knod 1 S.28f. und 48; Opus epistolar. Des. Erasmi Rot. ed. Allen Nr. 863 (3 S. 386); Thum- hofer S.45f. sowie unten die zwischen Beatus Rhenanus und Peutinger am 14. und 24. Okt. 1536 gewechselten Briefe. 3 Zur Frage der juristischen Bildung Ecks vgl. J. Metzler im Corpus Catholicorum 2 S. 43 Anm. 6. 4 Wohl der Gatte der Katharina Zäsi, deraus einer Augsburger Kaufmanns- familie stammende Georg Funck, damals Professor der Redite in Freiburg. Vgl. über ihn Stintzing S. 163; Beatus Rhenanus, Briefwedisel Nr. 445 S. 588. Was unter dem factum zu verstehen ist, das Peutingers Schmerz erregt hat, vermag ich nicht anzugeben. 5 Gemeint ist wohl das „Consilium loann. Ecki theo logt in casu quinque de centennario" vom 11. Sept. 1514, erhalten in dem aus Peutingers Besitz stammenden Cod. 2» Aug. 391 der Augsburger StB., in dem Eck ebenso wie Nr. 197. 1519 Mai 15. 311 hactenus nie latuit nee ipse tibi, ut mihi persuadeo, casum ipsum ad integrum enarravit. Is enim, qui certam partem lucri cum mercatore ob peeuniam, quam negociationibus suis congerit, paciscitur, praeter solam ipsam confidenciam nee pro capitali nee pro lucro aliquam securitatem petit nee habet et, dum mer- cator iacturam patitur vel corruit vel decoquit, parum vel nihil solvit et sie reeipiens a periculo nunquam tutus est, licet bene speret ac sibi de fido mercatore prospiciat; is eciam, qui lucri causa partem certam solvit, ita curat, ne exolutio illa gratis fiat, sed ut labores suos commode recompenset. Sed haec hactenus. Bene vale et nihil de me vel sinistrum suspiceris. Ex Augusta 8. idus maii anno salutis 1519. Chuonradus Peutinger. 197. Von Johannes Alexander 1519 Mai 15. Brassicanns d.J. 1 Tübingen. Widmet unter wortreichen Klagen über den Tod Maximilians und unter Mitteilung eines Pasquills auf Leo X. sein auf den Kaiser verfaßtes Gedicht „Caesar". in seinen beiden Traktaten .De contractibus usurarüs" und .De contractu V de C" wie auch in seiner öffentlichen Disputation vor der Universität Bologna (12. Juli 1515) für die Erlaubtheit des Zinsnehmens eingetreten war. Wie Eck sicli über den Inhalt seiner Bologneser Disputation zustimmende Erklärungen italienisdier Theologen und Juristen verschafft hatte, die er nadi der Rückkehr aus Italien in dem Bericht über seinen Erfolg und z. T. audi in einem Anschlag am Schwarzen Brett der Universität Ingolstadt bekannt madite, so hatte er sidi offenbar — wie es scheint, erfolglos — audi bemüht, die Unterschriften deutscher Gelehrter für sein Gutaditen zu erhalten. Vgl. dazu J. Schlecht, Dr. Johann Ecks Anfänge, in: Hist. Jahrb. 36 (1915) S.26ff.; s. auch oben Nr. 153. 1 Über Joh. Alex. Brassicanus (Köl oder Köll), der seit 1518 in Tübingen, seit Herbst 1522 als Nachfolger Reuchlins in Ingolstadt über lateinisdie und grtechisdie Diditer las und im April 1524 Prof. des Zivilredits an der Wiener Universität wurde, vgl. W. Hartl-K. Sdirauf, Naditräge zum 3. Bande von J- v. Aschbadis Gesch. d. Wiener Universität 1,1 (1898) S.43ff; A. Goldmann, Die Wiener Universität 1519—1740 (1917) S.128 Nr.23 [S.-A. aus d. .Gesch. der Stadt Wien" Bd.6]. Der Druck des Peutinger mit dem obigen Briefe gewidmeten Panegyricus auf Maximilian war sdion im Juli 1518 im Gange: s - das Schreiben Brassicans an Mich. Hummelberg vom 3. Juli 1518 (bei A. Horawitz in den SB Wien 89 S. 108/.). 312 Nr. 197. 1519 Mai 15. Gedruckt: D. Ioannis Alexandri Brassicani, poetae et oratoris a caesare laureati, Caesar. In officina excusoria Ioannis Miller Augustae Vindelicorum 13. cal. augusti anno salutifero 1519. Fol. A 2'—A 3v. Clarissimo atque humanissimo viro Cuonrado Peutin- gero Augustano, divini et humani iuris consultissimo, domino et moecenati suo candidissimo, Ioannes Alexander Brassicanus, poeta et orator a caesare laureatus, S. P. D. Ornatissime vir, dici non potest, quam acerbe feram divi Maximiliani caesaris optimi maximi immaturum atque adeo Omnibus, qui vel boni viri pilum habent, importunitate ipsa im- portuniorem obitum. Sed quid Simonideae lachrimae 1 aut Niobes dolores prosunt? Abiit in communem locum, ingens humanae fragilitatis exemplum nihil esse tarn summum, nihil tarn supra pericula tendere, quod non insperatissimae mortis adamantinae feriant ruinae quodque non solstitiali morbo decidat. Serius aut citius sedem properamus ad unam. 2 O si viveret Maximilianus, amor mundi, orbis deliciae, Germaniae oculus, populi salus, bonorum orchestra, probitatis datus, caesar innocens, princeps clementissimus. Qui sacri Romani imperii vallum atque fossa fuit, quo melior non repertus, quo iustiorem non radiosus sol vidit, qui Germaniam bellis minime bellis fluc- tuantem composuit tanquam tranquillam quam mare, cum ibi educit pullos suos, alcedo reddidit, qui principes pulchram ap- parans fabricam tenacissimo fidei glutino coniunxit, qui intestinis aestuantes odiis aut volentes paci restituit aut nolentes obtorto collo totis evertit fundis, digna dignis undique tribuens, qui regionem cervigeram (palumbe iam ad aream usque adducta) omni oculi ictu hostibus expositam tarn longis anfractibus, tarn versicoloribus consiliis, ut modo res ipsa docet, tutatus est. O si viveret Maximilianus, qui Venetos sine cornibus hircos sybaritico turgidos spiritu, quibus nemo neque fuit, est aut erit unquam punior, non tarn magnis quam dignis adfecit incommodis, qui Bohemicae superstitionis perfidiam liquidis auspiciis fudit atque 1 Der große Lyriker Simonides von Keos (556 — 468 v. Chr.) gründete seinen Ruhm vor allem auf seine Totenklagelieder und eine Elegie auf die bei Marathon Gefallenen; vgl. W. v. Christ, Gesch. der griedi. Lit. l h (1908) S.209f. » Ovid., Met. 10, 33. Nr. 197. 1519 Mai 15. 313 compressit, qui Italiam merito Marte suam, suis tarnen recalci- trantem legibus curriculo in ordinem redegit — sed vulpes pilos, mores non mutat —, qui patriam suam, cuius fumus igne alieno luculentior, manu vindice nee minus regio quam magno instituto repetitam pace sanetissima atque eleutheriis perpetuis donavit. O si viveret Maximilianus! Qui (ut longis utar nominibus) amicos illos veluti mundi portentum Heliogabalus dicebat Ixionios x atque vere matulas, Nugipoliloquides, a Argentiexterebronides, Num- morumexpalponides, Tumsemelarripides et Nunquameripides, 2 peeuniarum meros aeeipitres atque vulturios toto inseetatus est pectore. Qui nunquam ad aures purissimas pestilentissimos crabrones nil nisi „Euge!" illud sonantes alienarum aurium dili- gentissimas aueupes admisit, qui incolis bene moratis, perfidia, speculatu, avaricia, ambitione, invidia, obtreetatione, periurio, in- diligentia, iniuria ceterisque illius chori vitiis exulibus pulchre munivit oppida. Qui dominum magno satellitio nudari credidit favore populi sui destitutum. Qui, ut infinita decora verbo com- plectar, Philippum genuit malis avibus tarn immaturo interitu Iovis pittacio b adscriptum; sed ille, prineipum decus, licet dudum Charonti danarem dederit, vivit tarnen incomparabili beneficio D. Desiderii Erasmi Roterodami," 1 quo candidiorem non tulit orbis neque fert neque feret unquam. O si viveret Maximilianus! Qui gentilitia insignia nobilitatisque imagines non divitiis, non favore, sed probatis gestis atque signatis moribus aestimavit. Qui novit pulchrius, bono ingenio quam auro multo ornatum esse; aurum enim intenta fortunae balista^ est, in natura autem bonum ingenium invenitur. Qui solus emortualem diem certis a Nugipololoquides Erstdruck. h pietatio Erstdruck. c intentae fortunae balistae Erstdruck. 1 Vgl. Ael. Lampridius, Heliogabalus 24, 5 (Script, hist. Aug., ed. Peter, 2 S.237). 2 Vgl. Plautus, Persa 703ff. Unsere heutigen Plautus- ausgaben lesen die Wortungeheuer in etwas abweichender Gestalt. 8 Gemeint ist entweder des Erasmus .Ad ill. princ. Philippum, Austritte ducem, Maxim, caes. filium, de triumphali profectione Hispaniensi deque felici in patriam reditu Panegyricus", der 1505 bei Jod. Badius Ascensius in Paris ersdiienen ist, oder die Klage des Erasmus über den frühen Tod Philipps des Sdiönen in seinem an Hieronymus Busleiden gerichteten Widmungsbriefe zum Supplement seiner Lukianausgabe von 1506 (Op. epistol. Des. Erasmi Rot, ed. Allen, Nr. 205 [1 S.434f.J). 314 Nr. 197. 1519 Mai 15. quibusdam calculis novisse creditur. Qui solus semper cavere novit esse dictum sapientissimi, nam vnb nav-ä UOm axogntcov evöei. 1 O si viveret Maximilianus! Qui sanctimonia Phocion, moderatione Scipio, integritate et continentia Cato, magnanimi- tate Pompeius, fide Fabritius, pietate Regulus, temperantia Curius, iusticia Camillus, magnificentia Lucullus, humanitate Marcellus, eloquio Tullius, sententiis Pericles, scite et breviter dictis Augustus, linguarum cognitione quemvis Mithridatem superans, in contem- nenda avaritia, omnium vitiorum metropoli, quovis stoico rotundo constantior, unus in omnibus omnia et cum, ut Cl. Claudianus poeta christianus scribit, mortalibus, ex quo tellus coepta coli, nunquam sincera bonorum sors ulli concessa viro. 2 At alia dos alio adsit homini: Maximilianus erat, in quem mixta fluebant omnia, quae in caeteros divisa. O si viveret Maximilianus. Tarn promiscua sese instruxisset opera, ut actum esset iam de crudo Turcarum collo. Nam si Romani pontificis decimationibus sub christianismi iugum Turcae mitti possent, iamdudum essent sine gladio et hasta devicti. Germania tandem sapit vacuo ventre legatum remittens apostolicum. 3 Sed libet per parecbasin Viatoris ac Pasquilli dialogum adponere. Est mihi amicus amicissimus in Utopia insula a Thoma Moro suo peni- cillo egregie illustrata. Qui mihi hunc columbae sub alas alli- gatum deferendum tradidit. Talis est: V. Cur Leo cardineum patrem dimisit ad oras Germanas? Trutina res eget illa gravi. P. Non opus est, multis labyrinthum involvere verbis: Quod rigidos posset ducere ad astra Qetas. V. Omnis homo mendax, mordaci rädere vero nemo audet, dicam; quae mihi coepta tarnen non dicam. P. Dicas. V. Regina peeunia cogit. Fer loculos, magni seeptra Leonis habes. Non amor illa movet tarn magna negocia, prineeps singula nummus habet, euneta moneta potest. 1 Vgl. Suidae Lexicon, ed. Gaisford-Bernhardy, 2 Sp. 1371. 2 Claudius Claudianus, De consulatu Stilidionis 1, 24 ff. (ed. Th. Birt: MGH, Auct. ant. 10 S. 190). 3 Der Augsburger Reidistag hatte am 27. Aug. 1518 die von dem päpstlidien Legaten Kajetan beantragte Türkenkriegssteuer abgelehnt; vgl. Pastor 4, 1 S. 169. Nr. 197. 1519 Mai 15. 315 P. Estne hoc esse hominum medicum, radicibus ipsis pcrdere et in caecum ducere cuncta chaos? V. Nomen adest Medici, sunt caetera nulla. P. Machaon si talis, quales credis adesse sibi? V. Nemo bonus. P. Iustos Rhomana palatia pusant. V. Iulius exemplo est. P. Plana Leone fides. Heu miseram ecclesiam. V. Periit. P. Date, numina, amicum pontificem. V. Ut vero coelica tuta duce. P. Quod scripsi scripsi. V. Nulla est meta nota. P. Per orbem Occultum fati lux sinit esse nihil. O si viveret Maximilianus! Qui doctis bonisque omnibus sacra fuit ancora operam celocem ferens, non corbitam. Qui suis, quantum Acheronti mortuorum est, quantum aquarum mari, quantum coelo stellae, bonae frugis attulit. O si viveret patriae pater! Procul dubio iam divum adamantino albo a Parcis nulli parcentibus inscriptus. Recte monet Phocylides Mrjäi naooixo/iirotai Hanois xovyov zeöv rjrog ovxixi yag ävvazat ro texiyfihiov eivai (xtvxtov. 1 Hinc dicere solebat vir undecunque doctus D. Ioannes Straeler, Sueviae triumvir, dominus et amicus noster praecipuus: 2 Certa dies nulli est. Mors certa. Incerta sequentum cura. Locet tumulum, qui sapit, ante sibi. Magnifice vir, extincta paulum adfectuum tyrannide lusi et ego aliquid in sacratissimum caesarem, non quod ille novi et per hoc aliquid inclyti splendoris ex nostris frigidis accipiat elegis — per se enim tantus est, ut nihil huic addi diminuive queat —, verum ut his quasi voluntatis egregiae symbolo si non omnibus emunctae naris 3 hominibus at mihi ipsi satisfacerem. Satisfecisse autem me vel maxime puto, dum reconditam musicam excitans qualem- cunque effudi concentum. Quodsi IUI nullus Musarum lepos, nulla Charitum venustas, nulla denique saeculi illius omnium studiorum genere beatissimi genuina accedit dignitas, nihilominus ' Carmen Phocylideum v. 55f., wo aber rjnao statt i)toq stellt. 2 Von Joh. Streler sind drei Briefe an Reudilin aus Florenz erhalten, wo er in den Jahren 149112 mit Martin Prenninger (Uranius) und Reudilins jüngerem Bruder Dionysius philosophisdien Studien oblag: Reudilins Brief - Wechsel Nr. 31, 33, 37. Später war er Reudilins Amisgenosse als einer der drei Riditer des Sdiwäbisdien Bundes. Als solcher ersdieint er im Widmungsbriefe von Mich. Ködilins (Coccinius) Sdirift „De imperii a Graecis tralatione" von 1506; vgl. Joadiimsen S.255 Anm.85. 3 Vgl. Horat, Sertn. 1, 4,8. 316 Nr. 198. 1519 Juni 9. nobis utroque pollice calculum dabis, cum tarn multi doctissimi indocti, Tyresia caeciores, tum carmine ineptiores quam in tra- goedia comici totis viribus aliquid canant, quo se quoque possint tollere humo atque virum volitare per ora victores. 1 Haec ego (nemo enim est qui non scribat suo cerebro). Quae si placitura Tuae Praestantiae videro, videbunt omnes caesarea, quorum tu columna es, Maximiliani apotheosin a nobis non tarn ingenio quam labore nuper heroico carmine conscriptam. Vale, vir praestantissime, atque me sub umbra alarum tuarum fove ac commendatum habeas in perpetuum. Tubingae ex larario librario anno conciliata Divinitate 1519. mensis maii die 15., aetatis suae anno 19. 198. Von Michael Hummelberg. 1519 Juni 9. Ravensburg. Bittet um Verbesserung, Ergänzung und Veröffentlichung des von ihm verfaßten Epitaphs für Kaiser Maximilian; teilt eine bei Bregenz ausgegrabene römische Inschrift mit; ersucht um Angabe der Summe, die er Peutinger für das kaiserliche Diplom noch schuldig ist. Mündien, StsB: Cod. Lat. 4007 fol.W8vf. Absdir. Gedruckt: Lotter-Veith S. 189ff. Michael Humelbergius Ravenspurgensis Chuonrado Peutingero Augustano S. S. Ianuario superiore antiquorum imitatus stelographias scripsi caesariMaximiliano epitaphium, mea sententia non eousque malum ut breve neque ita breve, quin magnificos titulos, iustos honores et praecipuas virtutes, quibus christianissimus caesar principibus antestabat omnibus, sim complexus. Verum, doctissime Peutinger, de loco, ubi caesar hominem exuit, 2 ambigo Austriaene an Bavariae tribuendus sit. Sunt qui utriusque provinciae limitem atque ideo utrique adscribi posse dicant. Ego Bavariae adtribui. Si contra sentis, in tuam sententiam lubens ierim. Quod autem vitae et imperii Maximiliani menses et dies (nam annos, ni fallor, recte habeo) desiderare me vides, tu rogo adpone. Habes, scio, eius 1 Vgl. Verg., Georg. 3, 9: Tollere humo victorque virum volitare per ora. 2 Wels in Ob.-Oest. Nr. 198. 1519 Juni 9. 317 natalem diem et quo Francofordiae in caesarem est electus. Absolutum epitaphium vel quae addideris mutaverisve ad nie remitte. Quodsi tibi probatum fuerit, in Augustalibus tuis i obelisci alicuius basin occupare sinas vel alias, ut lubet, in publicum edas adpicta caesaris effigie. Nosti ex frequenti historiarum lectione Druso, Tiberii fratre, defuncto et Quintillo Varo cum legionibus et auxiliis omnibus a Germanis caeso Augustum eam cladem vindicaturum contra Germanos Tiberium privignum suum misisse, vovisse etiam ludos magnos Iovi magno, si rem Romanam in meliorem statum ver- tisset, atque etiam tum permisisse (ut opinor) pro Tiberii itu et reditu vota publice suscipi. Unde illud Augustae domi tuae ad- servatum in honorem Mercurii ab Apio Claudio susceptum est 2 et hoc Briganti (ita adpellari credo ab antiquis opidum nostrate lingua vocatum Bregentz) a Severo sub cos, 3 illic superioribus annis terra effossum. Id cum te arbitrer non habere, existimavi me tibi gratificaturum, si eius te participem facerem: IN H DD DEO MERCVRIO ARCECIO EX VO TO ARAM POSVIT SEVERVS SEVE RIANVS SVB COS LEG III ITALIAE CORDIAN S. L* Aere tuo adhuc obstringor. Nosti, quod ob diploma caesareum profecto non mea negligentia vel ingratitudine, sed tua taciturni- tate fit, ut in eo quam par sit diutius adtinear, quando tuarum literarum interim accepi nihil. Proinde, ne mea caussa iacturam 1 Peutingers Kaiserbudi. 2 5. diese von Peutinger zuerst in seinen .Romanae vetustatis frag- menta" auf fol. A 4* veröffentlichte Inschrift im Corp. Inscr. Lat. 3, 2 Nr. 5793 und bei Fr. Vollmer. Inscriptiones Baiuariae Romanae (1915) Nr. 104 S. 35. 3 -= sub consulatu; vgl. dazu die folgende Anm. 4 Vgl. über diese heute verschollene Inschrift Corp. Inscr. Lat. 3,2 Nr. 5768 (mit einigen Verbesserungen der Hummelbergsdien Lesung: Severius, bf cos und Qordian.; 318 Nr. 199. 1519 Juni 12. Nr. 200. 1519 Juni 26. patiaris, quidquid illud sit, scribito et ex integro dissolvam. Vale feliciter, vir optime. Ravenspurgi 5. eidibus iun. 1519. 199. An Michael Hummelberg. 1519 Juni 12. (Augsburg.} Antwort auf Nr. 198. Grabschrift für Maximilian; Bre- genzer Insclirift; Hummelbergs vermeintliche Sdiuld an ihn. München, StsB: Cod. Lat.4007 fol. 109?f. Abschr. Gedruckt: Lotter-Veith S. 191. Chuonradus Peutinger Michaeli Humelbergio S. P. D. Literas tuas, quas ad affinem meum D. Aegidium 1 et me dederas, tabellarius ille Ravenspurgensis mihi reddidit. Mox D. Aegidio per Claudium Pium filium meum suas sibi dari curavi. Is hanc pecuniam, quam tibi obsignatam mitto, simul cum suis literis ad me misit. Quae de caesare nostro exarasti, gratissima nobis fuerunt, tum quod elegantia et vera sunt, tum etiam quod pernecessarium ducimus haec publicanda, dum menses dies quo- que adponentur, quos nondum rectos habemus. Vere ego nee „Austriam" nee „Bavariam" ponerem, sed potius „apud Anasanam Welsam". Provincia enim haec non Austrica nee Bavarica, verum supra Anasum 2 appellatur. Ego de illa tua inscriptione Severi Severiani latius posthac ad te perscribam, cum credam, ut recen- tius, nihil ad Tiberium caesarem. 3 Pro diplomate nihil solvi; quare ex peeunia tua retinere volui nihil. Utinam tibi commodo morem gerere possem. Vale et me ama, ut soles. 12. iunii a. 1519. 200. Von Michael Hummelberg. 1519 Juni 26. Ravensburg. Antwort auf Nr. 199. Wünsche für die Veröffentlic/mng der Grabschrift Maximilians; Freigebigkeit der kaiserlichen Kanzlei im Gegensatz zur päpstlichen. München, StsB: Cod. Lat. 4007 fol.l09v. Absdir. Gedruckt: Lotter-Veith S.192. 1 Ägidius Rem. * ob der Enns. 3 Die Inschrift stammt aus der Zeit des in ihr erwähnten Kaisers Gordian (238 — 44). Nr. 201. 1519 August 5. 319 Michael Humelbergius Ravenspurgensis Chuonrado Peutingero, iuris utriusque doctori, S. S. Recepi et literas et pecunias abs te et Aegidio nostro Rem mihi iam pridem per publicum hunc nostrum tabellarium missas. 1 Monumentum a nobis caesari positum si extra tuos Augustales publicandum evulgandumque omnino censes, 2 fac bellula aliqua pictura et caesaris characteribus ornetur, quo et spectantium ocellos et legentium aures oblectet utrorumque voluptati morigeretur. Eo linearum ordine exprimatur, qui tibi magis probabitur ex his, quos ipse posui, vel alio a utut lubet adsignato. „Anasanam Wel- sam" expuncta dictione Bavariae reponito; non mihi displicebit unquam, quidquid acri tuo iudicio placere cognoverim. Caesarea aula liberalior pontificia. 8 Haec quidem etsi gratis det gratiam, tarnen quibus eam muniat et gratam efficacemque faciat ceram et plumbum nonnisi multo venditat auro, quod etiam ab egen- tissimis avarissime exigit nee quidquam gratis omnino largitur etiam si maxime gratis. Castissimam coniugem tuam, pulchellas filias et optimae indolis puellos salvere opto. Cura, vir optime, ut belle valeas mei nusquam immemor. Ravenspurgi 6. kal. sextiles 1519. 201. Von der Universität Wien. 1519 August 5. Wien. Pfändung des Licentiaten Sebastian Wundert zugunsten seiner Augsburger Gläubiger. Augsburg, StA: Peutinger. Ursdir. — Adr.: Clarissimo et speetabili viro D. Conrado Peutinger, imperialis civitatis Augustensis prothonotario, fautori et observatori colendissimo. S. et promptissimam in Domino complacendi voluntatem. Clarissime ac speetabilis D. doctor, fautor et observator noster 0 alium Hs. 1 Vgl. Nr. 199 am Anfang. ' Peutinger hat das von Hummelberg verfaßte Epitaph Maximilians in seiner endgültigen Gestalt nicht in sein Kaiserbuch, das ja niemals bis zur Darstellung Maximilians gediehen ist, sondern in die zweite, im August 1520 veröffentlidite Ausgabe seiner Insdiriftensammlung (vgl. Nr. 203) aufgenommen; es steht hier auf fol. D 3v. 8 Vgl. den Sdüuß von Nr. 199. 320 Nr. 202. 1520 Juni 1. colendissime, ut Ciaritudo V ra spectabilis et observanda D cl ° de rebus licenciati mag. Sebastiani Winderl 1 certam habeat fidem, significamus V rae Claritudini nos ad arrestacionem, conclusionem, Observationen), taxacionem et vendicionem bonorum eiusdem licenciati processisse, prout eadem bona modo venalia et ven- dicioni exposita sunt, de quibus rebus venditis et in pecuniam mox conversis creditoribus in Augusta oportune quam celerrime satisfacere curabimus. • Dat. Viennae quinta augusti anno 1519. Rector et universitas studii Viennensis. 202. Von Johann Reuchlin. 0520} Juni 1. Ingolstadt. Kurze Meldung über die neueste Wendung in seinem Streite mit Hochstraten und den deutschen Dominikanern. Nürnberg, Bibl. d. German. Nationalmus.: Sdwurl-Hs. J. fol. 333v. Abschr." 1 Io. Reuchlin Conrado Peutingero S. Taxatam summam centum et undecim florenorum in sen- tencia Spirensi et executorialibus contentam habeo paratam et persolutam. Nescio, unde hanc supplicacionem Praedicatores debent expedire suis expensis et laboribus. 8 Non potui pluribus nunc, quia hie acceleravi. Kalendis iunii. Anglopoli. 1 Über den Lic. iur. utr. Sebastian Winderl oder Wundert (1512 immatr., 1520 Bewerber um eine Jurist. Professur und nodi 1525 an der Wiener Universität nachweisbar) vgl. A. Goldmann, Die Wiener Universität (1917) S. 127 Nr. 18 und S. 128 Nr. 23. Jm J. 1515 hatte er bei Hieron. Vietor in Wien eine Oratio ad Matth. card. Gurcensem (= Matthäus Lang) veröffentlicht; vgl. Panzer 9 S. 58 Nr. 335. 2 Christoph Scheurl hat den Brief im Okt. 1520 gelegentlidi eines Aufenthaltes in Augsburg bei Peutinger gesehen und sich samt der Beilage abschreiben lassen; vgl. Sdteurls Briefbudi Nr. 218 f. (2 S. 116f.). 8 Der Brief betrifft einen Teil der Zugeständnisse, zu denen sich die deutschen Dominikaner, eingeschüchtert durdi die Drohungen Franzens von Sickingen, vor einem Anfang Mai 1520 zu Frankfurt a. Main in der Reudi- linsdien Streitsache zusammengetretenen Schiedsgerichte verpflichtet hatten: Zahlung der 111 Gulden Prozeßkosten, die Hochstraten durch die in Speier am 29. März 1514 gefällte erste richterliche Entsdieidung auferlegt worden war (s. Geiger, Reudüin S.303f.), und Absendung eines Bittgesuchs an den Papst um Niederschlagung des ganzen Handels mit Schweigegebot für beide ___ Nr, 203. 1520 August. Nr. 204. 1520 Oktober 28. 321 203. An den Leser. (1520 August. Augsburg.} Widmungsbrief zur 2. Ausgabe der Inschriftensammlung. Gedruckt: Inscriptiones vetustae Romanae et earum fragmenta in Augusta Vindelicorum et eius dioecesi cura et diligencia Chuonradi Peutinger, Augustam iurisconsulti, antea impressae nunc dermo revisae castigatae simul et auctae. Mainz bei Joh. Sdiöffer. August 1520 (Panzer 7 S.413 Nr. 37). Fol. A /», Chuonradus Peutinger Augustanus lectori S. Annis superioribus iussu divi Maximiliani, principis felicis- simi, vetustarum inscriptionum fragmenta a nobis et caeteris bonis literis deditis in Augusta Vindelicorum, patria nostra, et eius dioecesi conquisita publicavimus et formis excusa emisimus, 1 quae nunc recognita et aucta industrius et elegans ille calcographus Joannes Schoeffer Moguntiacensis policiori literarum charactere denuo impressit. Haec si tibi iucunda et grata visa fuerint, benigne rogo excipito et vale. 204. An den Leser. 1520 Oktober 28. Augsburg. Empfehlung der ersten von Ludwig Senfl herausgegebenen Motettensammlung. Gedruckt: Über selectarum cantionum, quas mutetas appellant. sex, quinque et quatuor vocum. Augustae Vindel. 1520 (Panzer 6 S. 159 Nr. 188). Fol. 271«. Chuonradus Peutinger Augustanus iurisconsultus candido lectori S. Ingenua et praeclarissima illa ars musica, quae feras mitigare et etiam saevientis et furentis animi dolores pacare, amorem conciliare, laborantibus quietem opportunissimam et eisdem econtra incitamentum praebere ac etiam in bello animos suscitare, in templis quoque cantus et sonitus varii placandorum numinum Parteien: vgl. darüber Geiger a. a. 0. S. 444 ff. Reuchlins Brief an Peutinger lag eine Abschrift der eben erwähnten Supplik vom 10. Mai bei; ihr Wortlaut (s. Hutteni Operum Supplementum. ed. Boecking. 1 SAibf.) geht in der Scheurl-Hs. auf fol. 332r ff. dem Texte des Briefes voraus. 1 Die von Peutinger mit Unterstützung der Sodalitas literaria Augustana gesammelten .Romanae vetustatis fragmenta in Augusta Vindelicorum et eius dioecesi" waren im Sept. 1505 bei Erhard Ratold in Augsburg erschienen; vgl. oben Nr.35f. K ü n i g , Peutinger« Briefwechsel 21 322 Nr. 204. 1520 Oktober 28. gratia adhiberi solent. Verum cum ex cunctis disciplinis fere omnia orationi obnoxia sint, adeo ut quisque etiam eruditus numeros, tonos, vocum inflexiones, mutationes, caetera huiusce generis et etiam alias comptam et elegantem structuram ab arte ipsa desideret atque mutuet, qua facile perspicimus ipsam et cognitionem eius rerum causis et disciplinis fere omnibus capes- sendis non solum commodam, sed et pernecessariam et ab uno quoque minime negligendam esse authores non vulgares, sed et gravissimi testantur. Quare Themistocles, alias animo praestans, sed negligentior musices, eius artis cum imperitum se diceret, suam apud etiam amicos authoritatem non parum inminuisse fertur, et Aristophanes ait: O bone, equidem musicam nescio praeter literas et easdem quidetn malas male. 1 Cum autem cantus et vocum suavissima inflexio atque modulatio non minima musicae pars existat, factum est, ut peritissimi mei municipes Sigismundus Grimmius 2 medicus et Marcus Wirsungus 3 accurata eorum solertia, studio item exactissimo, labore summo et etiam impensa non mediocri librum hunc iucundissimum et artis plenum cantuum exquisitissimorum elegantioribus characteribus et rarissimis vocum notulis exornatum ab erudito et experto musico Luduvico Senfelio Augustano Rauracensi, quondam divi Maximiliani clementissimi nostri principis ab aedibus sacris," quam diligentissime (liberal! 1 Aristoph., Equites 188f. 2 Der Augsburger Stadtarzt und Buchdrucker Dr. Sigm. Grimm war mit Magd. Welser, einer Tocliter Peter Welsers, des Gründers der Zwidiauer Weiserlinie (vgl. Welser 1 S.57 f.), also mit einer Base von Peutingers Gattin, vermählt; vgl. über ihn die bei Roth 1 S. 82 Anm. 105 angeführte Literatur. 8 Marx Wirsung, ein reicher Augsburger Kaufmann, war 1518 — 22 Teilhaber der von Grimm gegründeten Drudierei. 4 Die vorstehende Erwähnung Ludwig Setifls ist musikgeschichtlich von Bedeutung. Sie ist das gewiditigste Zeugnis für die früher herrschende Annahme, daß Senfl, 1515—19 als Nachfolger Heinrich lsaaks Leiter der kaiser- lidien Kapelle in Augsburg und später herzogt, baierisdier Hofkomponist, aus Basel stamme. Diesem Zeugnis Peutingers stehen allerdings mehrere nicht minder gewichtige entgegen, die Senfl als Züridier (Tigurinus) be- zeidinen (vgl. über die Streitfrage die Darlegungen von A. Thürling in Th. Kroyers Einleitung zur Ausgabe der Motetten und Offizien Senfls in den Denkmälern der Tonkunst in Bayern 3. Jahrg. [1903] S. XV ff). Vielleicht lassen sidi indes die einander entgegenstehenden Zeugnisse — auch Thürling weist S. XXVI auf diese Möglidikeit hin — in folgender Weise ver- Nr. 205. 1520 Oktober. 323 tarnen authorum eruditione semper salva) recognitum et iam, ut vides, politissime excusum emiserunt et publicaverunt, quem tibi ob eius commoditatem et elegantiam commendo plurimum. Et velim atque rogo, ut animo sincaero et laeto a te excipiatur. Bene valeas, quisquis es, candidissime lector. Ex aedibus nostris 5. kal. novembris anno salutis 1520. 205. Von Johannes Oecolampadius. 1520 Oktober. Altomünster. Widmet seine lateinische Übersetzung der Schrift des Johannes von Damaskus „Über die im Glauben Entschlafenen". Gedruckt: Quantum defunctis prosint viventium bona opera sermo Ioannis Damasceni, Ioanne Oecolampadio interprete. Augustae Vindelicorum 1520 (Panzer 6 S. 160 Nr. 193). Ioannes Oecolampadius Cunrado Peutingero Augustano S. D. Neque praeter officium neque praeter decorum fuerit, Cun- rade ornatissime, quod huic lucubratiunculae nuncuparis patronus. Nam licet forensibus distrahare negociis, interim tarnen pia et sacra simul ita tractas, ut inter populäres IsQdQx^s dici queas. Id quod omnibus, quibus vel bibliotheca vel studia tua nota sunt, compertum satis, mihi vero multo compertissimum, cui istic agenti familiarius te permisisti. Quo vel solo nomine non tarn exiguum munus, sed quamvis maximum tibi deberem. Atqui hanc operam tu potissimum extorsisti, tametsi nescius. Ut primum enim in hanc Damasceni orationem incidi, recordatus sum eorum, quae olim in convivio, ad quod me una cum aliis vocares, disputata fuerunt. Nam cum forte eo die dixissem de sanetis omnibus et parcius einigen: Ludwig Senfls Vater Bernhard, der am 30. Juli 1488 das Züricher Bürgerredit erwarb, stammte aus Freiburg i. B. Möglidierweise hat die Familie bei ihrer Übersiedelung von dort nadi Zürich vorübergehend in Basel Aufenthalt genommen und ist Ludwig, dessen Geburtsjahr nidit bekannt ist, aber zwischen 1485 und 1490 angenommen wird — Kroyer S. XXXVIII mödite es um 1486 ansetzen —, dort zur Welt gekommen. Damit wäre wohl vereinbar, daß später Zürich als seine Heimat galt, weil sein Vater bald darauf dort ansässig wurde und er selbst dort seine Kindheit verlebt hat. Jedenfalls fällt es mir sdiwer anzunehmen, daß der in seinen Angaben sonst sehr zuverlässige Peutinger die Städte Basel und Züridi verwediselt haben sollte (so Thürling S.XXV). 21* 324 Nr. 205. 1520 Oktober. ob angustiam temporis commemorassem de iis, qui hinc emi- grando ad coelestia gaudia nondum forent admissi, sed adhuc purgantur, ut nostri aiunt, visi sunt quidam copiosiorem de ea re sermonem desiderare. Quocirca operae pretium duxi, si quod tum per necessitatem intermissum nunc per opportunitatem re- sarciatur. Iam quia tu nobis operae huius author es, tibi potissi- rnum dedicatur. Fungeris autem officio patroni apud eos inprimis, apud quos religiosior ille secessus meus male auditur ac dam- natur, 1 perinde atque a gratitudinis ac pietatis studio per eum nunc cessare cogar. Quod si maxime facerem, non ipsius, sed languescentis animi vitio dandum foret, cuius tarnen ingratitudine (Seneca teste 2 ) nihil difficilius probari queat. Equidem nulla solitudo tarn avia, nulla inopia tarn egestosa, quae homines (modo vires suas exerat animus) omnino a charitatis abarceat studiis. Caeterum ego eadem quae olim adhuc et volo et praesto, quantulacunque ipsa sunt. Verum hac lucubratiuncula apud te me expurgarim neque omnino me ingratum, quod ad amicos attinet, neque üovfißoXov, quod studiosi caeteri expostulant. Ut enim quaerimoniae faciant finem, patrocinor hac ratione pauperi- bus et iis, qui vita defuncti sunt. Neque id ociosum. Sunt enim clancularii quidam ecclesiasticarum consuetudinum irrisores etiam hodie, qui opinantur nulla vivorum suffragia defunctis prodesse. Sed ut impii hoc sermone arguuntur, ita superstitiosorum com- menta non probantur. Audaculi enim, ne quid asperius dicam, definitores dispensatoresque sententiarum et iudiciorum Dei minus quam cupient hie legent. Non enim hie claves tinniunt, non bullae crepant, nulli ad expugnandos christianos cruce signantur. Neque enim tale quiddam Damascenus, quamvis magnae autori- tatis tarn in oeeidentis quam in orientis ecclesia theologus, sub- oluit, etiam post Latinum illum sanetum Gregorium, cum tarnen 1 Am 23. April 1520 hatte Oecolampadius sein Amt als Augsburger Domprediger niedergelegt und war in das Kloster Altomünster eingetreten, zur Überraschung seiner humanistischen Freunde, die fast alle den Sdirilt mißbilligten. Vgl. darüber A. Bigelmair, Oekolampadius im Kloster Altomünster, in: Beiträge z. Gesdi. d. Renaissance u. Reformation, Jos. Schledit z. 60. Geburtstag dargebracht (1917) S.14ff.; ferner die zwisdien Bild und Oecolampadius im Juli 1520 gewediselten Briefe, herausg. von A. Bigelmair in: Briefmappe US. 117 ff. (Reformationsgesddchtl. Stadien u.Texte, Heft40,1922). 2 Vgl. Seneca, De benefieiis 4, 33. Nr. 206. 1510 November 9. 325 pro catholica sententia sua adstruenda quaedam haud plurimum comprobata in medium afferre non vereatur. Sed valeant illi. Tu sinceritatis et veritatis studiose quae sincerissima sunt et verissima hie leges. Vale. Ex monasterio divi Altonis in Bavaria. Anno domini 1520. mense octobri. 206. Von Erasmus. 1 1520 November 9. Köln. Teilt Peutinger mit, auf welche Weise nach der Ansicht des Dominikaners Joh. Faber die Saclie Luthers behandelt werden müsse, und bittet, auf dem bevorstehenden Wormser Reichstage in diesem Sinne tätig zu sein. Gedruckt: Opus episiolarum Des. Erasmi Roterodami, ed. P. S. Allen, Nr. 1156: Tom. 4 (1922) S. 372ff. (Kritische Ausgabe auf Grund aller älteren Drucke.) Insigni iuris utriusque doctori Conrado Peutingero, caesareo consiliario, Erasmus S. D. Sciebam tibi non esse vaeuum tempus legendis quorumlibet literis, vir eximie, nee mihi multo plus oeii fuit ad scribendum; tarnen huc impulit me Ioannes Faber, theologus ex ordine Dominieali,^ quem equidem, quo propius contemplatus sum, hoc magis experior esse virum longe dissimilem quibusdam eiusdem sodalitii. Nam praeter eruditionem solidam, praeter morum in- 1 Erasmus und Peutinger hatten sidi Ende Juli 1520 in Brügge per- sönlidi kennen gelernt. Erasmus gehörte dort zum Gefolge Karls V., den Peutinger am 26. Juli als Wortführer einer Augsburger'Huldigungsgesandtschaft mit einer lateinischen Rede begrüßen durfte. Vgl. darüber P. Kalkoff, Zur Lebensgeschidite Albredit Dürers III: im Repertor. f. Kunstwiss. 28 (1905) S.478ff.: zu Peutingers Rede auch König S.25 Anm.3. Erasmus erwähnt seine Begegnung mit Peutinger in einem Briefe an John Fisher vom 2. Aug. 1520: Brugis doctor quidam utr. iur., caesaris Maximiliani consiliarius quon- dam, vir eruditus et gravis, narravit mihi Reudilinum nostrum Ingelstadi agere atque illic ducentorum aureorum salario Graece et Hebraice prae- legere etc. Opus epistol. Des. Erasmi, ed. Allen, Nr. 1129 (4 S. 321). 1 Prior des Augsburger Dominikanerklosters und Generalvikar der deutschen Dominikanerkongregation. Vgl. über ihn und sein mehrfach anonym gedrucktes Gutachten zur Lutherischen Angelegenheit („Consilium cuiusdam ex animo cupientis esse consultum et Romano pontificis dignitati et diri- stianae religionis tranquillitati"), das sidi inhaltlidi mit dem Briefe des 326 Nr. 206. 1520 November 9. tegritatem atque etiam comitatem comperi non mediocriter valere et iudicio et consilio. Frequenter inter nos commentati sumus de ratione componendae huius Lutheranae tragoediae sine magno orbis tumultu. 1 Quem enim bene volentem rebus humanis non commoveat hoc fabulae exordium? quae, nisi prospectum fuerit, periculum sit, ne in catastrophen exeat christianae religioni peri- culosissimam. Ex levioribus initiis saepe nata sunt horrenda mundi dissidia. Ac mea sententia hie quoque verum est, quod scripsit Marcus Tullius: Pacem vel iniquam bello aequissimo potiorem esse. 2 Ac iam nunc fabula longius progressa est quam velim; et tarnen adhuc opinor malum esse medicabile; certe sanabilius est, quam si quibus coepit auetibus longius etiam provehatur. Sic autem sanari cupiam, ne malum ad tempus suppressum post maiore cum discrimine recrudescat: quod solet usu venire medicis, qui potione propellunt febrem, non ante purgatis venis, unde febris scatet; aut qui cicatrice obdueunt vulnus, nondum satis edueto pure. Quibusdam videtur optimum factu, ut res omnis saevicia coherceatur, a quibus nee Faber admodum dissentit, nisi metueret, ne parum feliciter cedat austeritas. Ait non satis esse, fortiter huc tendere, quo vocat animi voluntas. Plurima circumspicienda sunt: Primum ut sie consulatur dignitati et autoritati Romani ponti- ficis (cui merito favent omnes ut Christi vicario summo, qui Christum ex animo diligunt), ne quid iacturae patiatur evangelica Erasmus berührt: N. Paulus, Die deutschen Dominikaner im Kampfe gegen Luther (1903) S. 303 ff.: P. Kalkoff im Ardi.f. Reformationsgeschichte 1 (1903) S. 11 ff.; N. Paulus i. d. IM. Rundsdiau 1904 Sp. 81. Über Fabers freundschaftliches Verhältnis zu Peutinger s. seinen Brief an Pirckheimer vom 12. Aug. 1519: Heumann, Documenta literaria S.87ff. 1 Faber war spätestens im Frühjahr 1520 in Löwen mit Erasmus in Verkehr getreten und hatte sidi im Herbst mit ihm im Gefolge Karls V. zu den Krönungsfeierlidikeiten nach Aadien und von da Anfang November zu dem den Wormser Reichstag vorbereitenden Fürstentage nadt Köln begeben. Noch ehe er sich an Peutinger wandte, hatte Erasmus in Briefen vom 3., 4. und 8. Okt. Faber und seinen Plan eines schiedliahen Ausgleidis des Lutherischen Handels den einflußreichsten Personen in der Umgebung des Königs (dem Sdiatzmeister Villinger, dem Großkanzler Gattinara, dem Erzbisdiof Albredit von Mainz und dem Bischof Eberhard von Lüttich) empfohlen: vgl. Opus epistolarum D. Erasmi, ed. Allen, Nr. 1149—52 (4 S.357 ff.). 2 Cicero, Epist. ad fam. 6, 6, 5. Nr. 206. 1520 November 9. 327 veritas. Neque dubito, quin hoc animo sit Leo noster, ut tum demum se gloriosum esse putet, si doctrinam Principis sui viderit ubique florere. Negat hoc tantum esse spectandum, quid mereatur Lutherus aut si qui Luthero favent, sed quid conducat publicae orbis tranquillitati. Magni refert, qui manum admoveant huic malo et quibus remediis curetur. Admiscent enim sese huic negocio quidam, qui laeva sedulitate- 1 malum exasperant atque conduplicant, non tarn pontificis autoritati quam suis commodis consulentes. Breviter sie agunt, ut non minus laedant optimas literas ac linguas quam Lutherum. Neque aequum est, ob Lutheri causam laedere innoxia, imo sanetissima studia; nee expedit, sine causa plures in Lutheri negocium involvere. Addebat esse perpendendum, quo fönte natus fuisset hie tumultus: nimirum ex odio bonarum literarum, quas nunc mali- ciosa versutia conantur admiscere Lutherano negocio, quo nimirum eodem telo conficiant utrosque, licet multum inter sese semotos. Ita fieri, ut multi sint infesti Lutheri oppugnatoribus non ob aliud, nisi quod iidem tendant hisce euniculis in bonas literas; atque hoc odio commoti nonnulli favent Luthero, qui non erant alioqui fauturi. Ostendebat non sine magno dolore, quam paucis annis quam late sese sparsisset huius mali contagium. Sibi non ignotos esse Germanorum animos, qui ducantur citius quam cogantur. Nee rem abfuturam a periculo, si nativa gentis ferocitas saevicia quorundam exasperetur. „Videmus", inquit, 1 „hactenus pertinacem Bohemiam et ab hac non admodum abhorrentes finitimas regiones. Saevicia saepius hactenus tentatum est neque quiequam promotum; diversis utendum remediis." Odium Romani nominis penitus in- fixum esse multarum gentium animis opinor ob ea, quae vulgo de moribus eius urbis iaetantur et ob improbitatem quorundam, qui nonnunquam pontificis negocium non ex illius, sed ex suo gerunt animo et sibi gerunt magis quam illi, quum nee pontifici sit gerendum, nisi quatenus illius autoritas servit Christo gregique Christiane Video rem hactenus multo aliter esse traetatam, quam viri prudentes putarint esse traetandam. Lutherus, etiamsi vera scrip- !l leva saedulitate Erstdruck; danadi audi Allen. 1 nämlidi Faber in seinem „Consilium" 328 Nr. 206. 1520 November 9. sisset omnia, tarnen eo modo scripsit, ut veritati suum fruetum inviderit. Contra qui se huic negocio transversim ingesserunt, sie gesserunt rem apud populum, ut etiamsi causam habuissent optimam, tarnen illi plurimum obfuerint sinistro patrocinio. Ad- monitus est Lutherus, ut stilum verteret et atrocitatem temperaret; scribit in dies, ut audio, saeviora. Admoniti sunt hi, ut mode- ratioribus rationibus rem agerent; quidam sie egerunt, ut cum Luthero colludere viderentur. Est autem genus hominum, mi Peutingere, quod publico malo saginatur cuique res tran- quillis male est. Hi nihil magis affeetant, quam ut res mortalium sursum deorsum misceantur. Tum His placet saevis modis negocium hoc obrui magis quam finiri, nee laborant, quanto orbis malo, modo ipsorum bono. Mea sententia nihil agetur in hac causa, si qui rem traetant alium scopuin sibi proponunt quam Christi gloriam. Saxum illud hinc atque hinc tundi potest, loco moveri non potest, cui in- scriptum est illud mysticum elogium: „Novit Dominus qui sunt ipsius." 2 Quicquid a spiritu Christi proficiscitur, non potest humanis praesidiis opprimi, quantumvis prematur; quicquid huma- nis consiliis tentatur, temporarium est, quantumvis ardentibus studiis agatur, quantumvis operoso molimine ad perpetuitatem communiatur. Mei similium non est, de pontificum diplomatis iudicare. Erant tarnen, qui in bulla, quam attulit nuntius ponti- ficius, 3 mansuetudinem illam desiderarent dignam eo, qui mitis- simi Christi vices primarias gerit in terris, dignam huius Leonis ingenio, multo hactenus placidissimo, quod tarnen ipsi non im- 1 Griediisdies Spridiwort, zitiert von Plutarch, Vita Nie. 11 (530). •' 2 Tim. 2,19. 3 Mit der Verkündigung und dem Vollzuge der gegen Luther und seine Anhänger gerichteten Bulle „Exsurge" waren Aleander und Eck, durch Breven vom 17. und 18. Juli 1520 gleichzeitig zu päpstlidien Nuntien ernannt, nebeneinander betraut. liier ist natürlidi Aleander gemeint, dessen besonderer Wirkungskreis der Kaiserhof und die Niederlande waren und der sidi ebenso wie Erasmus damals in der Umgebung Karls V. aufhielt. Audi die weiterhin in unserem Briefe erwähnte Verniditung der Bildier Luthers paßt nur auf Aleander, der am 8. Okt. in Löwen, am 17. in Lüttich Luthers Schriften hatte verbrennen lassen. Vgl. Pastor 4,1 S. 277 und 286ff. Nr. 206. 1520 November 9. 329 putant, sed instigatoribus. „Iam uthac", inquit, 1 „saevicia tnaxime aboleantur libri Lutherani, ut ipse etiam tollatur c medio, metu- endutn est, ne malum exasperetur magis quam finiatur, et pro uno sublato exoriantur plures, donec res ad certamen et schisma deducatur." 2 Breviter: haec tempestas insignem aliquem artificem desiderat, qui negocii cursum moderetur, ut nee fluetibus obruatur nee illidatur vadoso littori et ita, quod aiunt, devitet Scyllam, ne rapiatur in Charybdim; ita malum hoc amputet, ne qua possit excetra repullulascere. Censet igitur Faber noster rei summam arbitris doctis, integris et ab omni suspicione alienis delegandam, non quod Romanus pontifex sit cogendus in ordinem et alieno subiieiendus arbitrio, sed quod existimet illius pietatem hoc sponte volentemque facturam, si cognovit ad publicam christianae religionis tranquillitatem conducere. Sed huius consilii viam ipse tibi copiosius exponet coram; quae si probabitur, adiunges tuae prudentiaeconsilium, ut inWor- maciae conventu statuatur aliquid, quod Omnibus bonis approbetur. Quanquam non dubito, quin hie Ioannes Faber sit tibi pro suis meritis commendatissimus, tarnen etiam atque etiam oro, ut tuo in illum studio nonnihil etiam accedat ex mea commendatione. Non potes Erasmum alio officio magis devincire. Ubi nunc sunt, qui clamitant Erasmum parum aequum huic ordini? Talis animus, talis eruditio, tales mores mihi vehementer placent sub quo- eunque pallio. Bene vale. Coloniae 5. id. novembris anno 1520. 1 Faber in seinem „Consilium". 2 Diese Mitteilung, daß Faber die Verbrennung der Lutherisdien Schriften in Löwen verurteilt habe, muß für Peutinger überraschend gewesen sein. Fr hatte nodi am 7. Nov. im Verlaufe seiner namens des Rates geführten Verhandlungen mit dem Augsburger Generalvikar Dr. Jakob Heinridimann über die Veröffentlidmng der Bulle „Fxsurge" in Augsburg sich auf eine ihm zugekommene Nadiridit berufen, nadi der der Dominikanerprior an der Löwener Büdierverbrennung persönlidi beteiligt gewesen sei. Vgl. A. Schröder, Die Verktindung der Bulle Fxsurge durdi Bisdiof Christoph v. Augsburg, im Jahrb. d. Hist. Ver. Dillingen 9 (1897) S. 166; Christoph Sdieurl, der im Okt. Peutinger besndü hatte (vgl. oben S. 320 Anm. 2), meldete am 13. Nov. einem Freunde sogar, daß Faber bei jener Gelegenheit von den Gegnern der F.xekution am Kopfe verwundet worden sei: Sdieurls Briefbudi Nr. 216 (2S.114). 330 Nr. 207. 1521 April 7. 207. An Bürgermeister und Rat 1521 April 7. von Augsburg. Worms. Bericht vom Reiclistage: Ankunft Ferdinands; Türkenrede der ungarischen Gesandtschaft; Verhandlung über die Mono- polienfrage; Eingabe von Grafen und Herren über den recht- liclien Austrag; Reichsregiment und Kammergericlit; bevorstehendes Ende des Reichstages; Angelegenheit des Bartholome Rem; Überfall auf Kaufleute bei Cronberg. Augsburg, StA: Petitinger. Ursdtr.; Scltluß fehlt. Größtenteils gedruckt: RTA 2 Nr. 182 S. 841 ff. Fursichtigen, ersamen und weisen etc. Am ostertag und montags darnach E. Ft. ich zwen brief auf die post zugeschickt hab; 1 verhof, die seien geantwurt und durch E. Ft. gehört worden; derhalben on not, ferrer meidung davon zu tun. 1 Außer den hier erwähnten beiden Briefen vom 31. März und 1. April hatte Peutinger, wie aus den Antworten des Rates an ihn (deren Entwürfe in den Uteralien des Augsburger StA erhalten sind) hervorgeht, sdton am 10., 13., 17., 22. und 24. Febr., 2., 5., 9., 14., 18., 19. und 24. März Beridite vom Reidtstage nadt Augsburg gesandt, wohin er Ende Jan. von Augsburg abgereist war (vgl. RTA 2 S. 779 Anm. 1). Diese Beridite sind ebenso wie seine späteren vom 22., 26. und 28. April, 8., IL, 16. und 18. Mai nicht erhalten. Die erhaltenen sieben Beridite aus Worms werden im Folgenden nur soweit im Wortlaut gegeben, als sie für Peutingers Lebensgesdtidite und die Würdigung seiner Persönlidikeit von einigem Belang sind (über ihre hervorragende Wichtigkeit für die Oeschidtte des Reidtstages vgl. RTA 2 S. 768). — Aus den Schreiben des Rates an ihn seien — abgesehen von ihrer gelegentlidien Verwertung in den folgenden Erläuterungen zu Peutingers Briefen — zwei Stellen hier mitgeteilt, weil sie Persönlichkeiten betreffen, die in der Literatur- und Kunstgesdüchte der Zeit eine Rolle spielen: Am 19. März sdireibt der Rat, es sei ihm soeben mitgeteilt worden, wie doctor Stabius das klain heus- lin, bei kai. Mt. grossen behausung gelegen, so weiland kai. Mt. hochloblicher gedächtnus unserm gunstigen herren Ziegler, vicecanzlcr, zugeaignet hat, bei jetziger kai. Mt. erlangt, die im das ergeben haben solle; understee sich aber doctor Stabius, den weber, dem das heuslin aufs geschaft herren Zieglers bis auf Michahelis schierist bestandswcis verlihen sei, jetzo auszetreiben, des sich der weber als ein armer man hart beclag und stee im sein verderben daruff. Peutinger soll dies Ziegler anzeigen und zu erreidien sudien, daß der arme Weber in seinem Redti gesdiülzt werde. Wir vernemen, das doctor Stabius im hof entlieh abgefertigt sei, des orts weiter nit dienst hab, darum wir ver- Nr. 207. 1521 April 7. 331 Auf aftermontag vor datum l ist erzherzog Ferdinandus hie ankörnen, dem engegen geriten sein kai. Mt, all churfursten und fursten, auch die Ungerischen potschaften. Am mitwuchen 2 haben kai.Mt. in aigner person, churfursten, fursten und ander stende dieselben Ungerisch potschaft gehört, die beschwerlich sachen von Türken angezaigt und vom Reich hilf begert, mit ainer scharpfen, langen red in Latein; 3 darauf ain bedacht genomen worden ist. An bemeltem mitwuchen und donerstag ist daneben in großen ausschus 4 in polliceisachen gehandelt worden, wie dan vor auch besehenen, und sein die artieul aus dem abschid des reichstag zu Colen, kaufleit und geselschafter betreffend, 6 nach lengs verlesen. Darauf vill geredt, der firkauf und monopolium mit vill beschwerden in scrift angetascht, gleichwoll mit etwas hitzigen und scharpfen worten, wie ich, so mir Got anheim hilft, auch anzaigen will. In summa: da sitzen der stedt und kaufleit misgonner, und wir von stedten sagen und schreien, was wir wollen; will das bei dem häufen nit firtragen. Doch so ist die sach jetzo dahin gericht, das man sich der monopolium, firkauf, auch anderen schedlichen kaufen in leibnarung und kauf- manswaren soll bas erkonden und nachmalen im reichsrat des niainten, hierin gut zu handeln sein. Peutinger, der mit Stabius befreundet war, sdieint dieser Auftrag peinlich gewesen zu sein; am 8. April gibt ihm der Rat die Versicherung: wollen hinfüro F.. W. mit sollichen und der gleichen Sachen, so maist wir mögen, unbelestigt lassen. — Aus einem im Augsburger StA zur Zeit nidit mehr auffindbaren Schreiben des Rates an Peutinger vom 3. Mai 1521 führt (auf Grund einer Mitteilung des früheren Augsburger Stadtardiivars Adolf Buff) \V. Böheim im JKSK 14 (1893) S.332 folgende Stelle an: Wir achten, das auch der betstain, unserm gn. h. von Strassburg (Bischof Willi, v. Honstein) zugehörig, nun durch Colman, blattner, furzukomen sei, daraus ir zu vernemen hapt, daß Adolfen Dauher euer brief vorlengst ge- antwurt worden ist. Über den Bildhauer Adolf Daucher vgl. Pli. M. Halm, Adolf Daudier und die Fuggerkapelle bei St. Anna in Augsburg (Studien zur Puggergesdiidite Bd. VI) 1922. 1 2. April. » 3. April. 3 Inhaltsangabe dieser Rede des Hieron. Baibus, Propstes von Preßburg: PTA 2 Nr. 108. 4 Peutinger gehörte ihm als Vertreter der Städte an: RTA 2S.811. r ' S. den Absdded des Kolner Reidistages von 1512 § 16—18: Neue Samml. d. Reidisabsdiiede 2 S. 144. 332 Nr - 207 - 1521 A P ril 7 - neuen regiments, so das firgenomen wirt, endlich beschlueßen. 1 In summa: wan es were wider straßrauber, wurd nit so vill fleis gebraucht. Über eine Eingabe von Grafen, Herren and Adligen wegen des rechtlichen Austrages mit Kurfürsten, Fürsten, Prälaten und Städten 2 ist noch kein Beschluß gefaßt, auf die dem Kaiser übergebenen Entwürfe für die Ordnung des Reichsregiments und Kammergerichts 3 noch keine Antwort erteilt worden ; 4 Landfriedensordnung und Polizeiordnung sind nocli einzureichend Aisdan die Sachen, wa änderst kain reichsanschlag vor banden ist, bald zu end laufen mechten, das Got der herr firdern wolle. Aber bei aller handlung sorg ich, so kai. Mt. aus dem land kompt, es werden im Reich vill aufrur entstien; darumb not und not ist, sich woll auf all weg zu fursöhen. Bartholome Rem 6 will sich mit dem erteilten Gelelt nicht zufrieden geben, wird aber kein anderes erhalten. Ob, mit wem und wann Erzherzog Ferdinand nach. Augsburg kommen werde, hat er noch nicht erfahren können; wird darüber so bald als möglich berichten. Der bei Cronberg in Hessen Überfallenen Kaufleute hat er sich bei Kaiser und Ständen angenommen, auf die Frage 1 Zur Monopolienfrage auf dem Wormser Reichstage vgl. den Art. 23 des Gutachtens des kl, und gr. Ausschusses (RTA 2 Nr. 30 I u. II, S. 351 ff. und 360 f.) und § 26 des Absdüeds (ebd. Nr. 101 S. 737); s. audi König S. 111 f. s Vgl. RTA 2 Nr. 26 A u. E. • Vgl. ebd. Nr. 13 u. 23. * Die Antwort erfolgte am 9. April: ebd. Nr. 16 u. 23. '- Vgl. ebd. 29 u. 30. 6 Bartholome Rem, aus der bekannten Augsburger Patrizierfamilie, lag seit 1517 mit den Höchstettern in Prozeß, weil ihm bei seinem damals erfolgten Ausscheiden aus ihrer Handelsgesellsdiaft statt der beanspruchten 33000 Old. nur 26000 Gld. als Geschäftsanteil ausbezahlt worden waren. Einen im Einverständnis mit beiden Parteien von der Stadt Augsburg vermittelten Schiedsspruch, der ihm 30000 Gld. zubilligte, hatte er wider die Abrede nachträglich nicht anerkannt, sondern sidi mit einer Klage gegen den Rat an den Kaiser und die in Worms versammelten Stände gewandt. Da er sich in Worms außerdem an einem Warentransport der Hödistetter vergriffen hatte, war er vom kaiserl. Fiskal gefangen gesetzt worden. Vgl. über die Angelegenheit, von der Peutinger als rechter Vetter des Ambrosius Hödistetter (s. KönigS. 2 Anm.4) auch persönlich berührt war, ChDSt 23 S. 146 ff.; Ehrenberg 1 S. 213 und unten Nr. 218 und 219. Nr. 208. 1521 April 14. Nr. 209. 1521 April 19. 333 nach dem Täter aber nur antworten können, man möge sich an den Landgrafen von Hessen, den Grafen von Königstein, den Grafen Wilhelm von Nassau und deren Amtleute wenden. Die von Antwerpen sind hier und unterstützen ihn, während von den Augsburger Geschädigten ihn noch keiner aufgesucht hat ------------ 208. An Bürgermeister und Rat 1521 April 14. von Augsburg. {Worms.} Bericht vom Reichstage: Mißglüdäer Anschlag Roberts von der Mark auf die Stadt Lüttich, Augsburg, StA: Uteralien. Entw.; der Anfang fehlt. Auszug: RTA 2 S.856 Anm.2. Ein von Robert von der Mark angeblich wider den Herrn von Emmeridi, tatsächlidi gegen die Stadt Lüttidi für den Karfreitag geplant getvesener Ansdüag, zu dem auch Frankreich Hilfe geleistet hat, ist mißglückt. Roberts prüder 1 ist bischoff zu Lutich und hie am hove; hab erst gestern mit im geredt. Jetzo sagt die franzosisch potschaft, sein kunig hab nichtz davon gewußt, sobald er die sacli erfaren, sein volk abgefordert. Ist aber erst beschehen, als bemelter anschlag kein furgang gehabt hat. So geen sonst vill seltzame sachen umb die weg, mit selt- zamen pratica, die diser zeit der feder nit zu anhenken sein. Demnach not ist, wie ich vormalen mer geschriben hab, sich fast woll zu fursöhen. All hendel wollen sich auf geschwindikeit ziehen. Got der herr woll E. Ft. und uns allen gnad verleihen. Dat. auf sontag Misericordia domini anno 21. 209. An Bürgermeister und Rat (1521 April 19. 2 von Augsburg. Worms.) Bericht vom Reichstage: Die ungarisdie Gesandtschaft vor dem großen Ausschuß und die auf ihr Gesuch um Hilfe gegen 1 Eberhard von der Mark. 2 Der Brief ist undatiert. Da die Vorgänge vom 18. April erwähnt sind, kann er frühestens an diesem Tage, da der 15. April montag vor datum 334 Nr - 2 °9. I52} A Vril 19. die Türken beschlossene Antwort; Luthers Ankunft und zweimaliges Verhör; Reichsregiment und Kammergericht; Eingabe der Städte gegen Grafen und Herren. Augsburg, StA: Literalien. Entw. Gedruckt: RTA 2 Nr. 194 S. 856 — 62, der Absatz über Luther zuerst von Th. Herberger in der Allg. Zeitung 1868 S. 2658 und danach von Th. Kolde, Analecta Lutherana (1883) S. 28—31. Fursichtigen, ersamen und weisen etc. Auf sontag Miseri- cordia domini nach lengs auf der post geschriben, 1 verhoff, das sei alles woll geantwurt worden. Seither hat sich zutragen, das montag vor datum 2 die Ungerisch potschaften vor dem großen ausschus der versamblung erschinen sein: Sie seien gezwungen, einen baldigen Bescheid des Reichstages auf ihr Gestielt um Hilfe wider die Türken zu verlangen, da auf der für den 23. April einberufenen ungarischen Reiclisversammlung die von den Türken gestellten Forderungen beantwortet werden müßten. Da ein baldiger Angriff des Sultans auf die Christenheit zu besorgen sei, begehrten sie noclimals von Kaiser und Reich ain tapfere hilf. . . . Und besser sei, die aus irem Vaterland zu schicken, dan des feinds anheim zu erwarten. . . . Und ob die tapfer begert hilf so eilend nit geschickt, solt ain geringe hilf, die ain jeder fürst woll tun mocht, verordnet oder inen zugesagt werden, die in etlich kurzen monaten zu schicken, damit si guten trost der cron zu Hungern brachten und verhueten mochten, das die nit gar in verzweifelung gestelt wurden; mit vill ernstlichen mer zugelegten worten, so mit hipscher Latein die sache alle furgetragen worden sein. Auf das all churfursten zusamen- gengen und mich zu inen erforderten, mit beger, ich solt die potschaften aus irem bevelh wider anheim schaffen; man wurde die sachen bewegen und in firter antwurt geben; das ich getan. Und als die abschieden, ward mir durch mein gnedigisten herren von Meintz 3 bevolhen, alle der potschaften red, wie die in Latein beschehen, solt ich in Teutsch anzaigen, das ich auch getan. genannt wird, spätestens am 21. April geschrieben sein. Aus Antworten des Rates geht hervor, daß Peutinger auf seinen Beridit vom 14. April (Nr. 208) weitere am 19. und 22. April hat folgen lassen. Den vom 19. April haben wir also hier vor uns. 1 Nr. 208. 2 15. April. 3 Erzbischof und Kurfürst Albredit von Brandenburg. Nr. 209. 1521 April 19. 335 Und ward darauf beratschlagt, man solt solchs alles kai. Mt. an- zaigen und bitten, das Ir Mt. ir gutbedunken den stenden auch zu erkennen geb, damit ain gleichförmig antwurt von Ir Mt. und den stenden den potschaften geben wurde. Auf solchs wurden zu kai. Mt. verordnet der bischof von Wirtzburg,i margrave Casimir, 2 doctor Kuchinmeister» und ich. Bei kai. Mt. hab ich den handel, wie obstedt, auch anbracht und gebeten, wie sich die stend entschlossen haben. Darauf ist von kai. Mt. die antwurt durch doctor Lamparter 1 geben worden: dweil des Reichs Sachen noch nit beschlossen und durch kai. Mt. ain hilf auch begert were, solt man inen ain aufzuglich antwurt geben. Darauf ist nach weiterer Beratung den Ungarn am 16. April im großen Ausschuß erklärt worden, der Kaiser wolle sich nach Beendigung der Reichsreform, die nicht nur der deutschen Nation, sondern der ganzen Christenheit zugute kommen werde, mit dem Papst und den christlichen Fürsten wegen des Türkenkrieges ins Einvernehmen setzen und sich alle Mühe geben, daß der Krone Ungarn geholfen werde. Ab solcher antwurt die botschaften kain benuegen haben wollen und ferrer anzaigt, babst und kunig zu Frankreich netten den Ungern oft hilf zugesagt, aber die nie getan, mit beger ain ander furtraglich antwurt und sonderlich Schriften, damit die cron gwise trostung haben mocht. Solchs ist auf bemelten tag in ain bedacht gestellt worden. 8 Am aftermontag vor datum 6 zu ailf hören ist doctor Martin Luter sambt ainem munich zu wagen gefaren herkomen, hat fast vill aufsöher gehabt. Ich hab dazemal mit herzog Jörgen von Sachsen geessen. Er ligt zu herwerg bei herrn Philips von Heils, 7 ritter, gehört herzog Friderich, dem churfursten von Sachsen zu. Am mitwuchen morgens hat er herren Hansen von Mincke- witz, ritter, so krank ist, zu beicht gehört und mit dem sacrament fursöhen; und darnach' 1 zu vier hören nachmittag ist er gen hof :l morgens hat er — und darnach am Rande nachgetragen. 1 Konrad von Thüngen. '' von Brandenburg-Kulmbad:. 3 Dr. Johann Kuchenmeister, kurmainzisdier Rat. 4 Kaiserlicher Rat und wilrttembergisdier Kanzler; vgl. über ihn oben S. 219 Anm. 3, außerdem Kalkoff S. 122f. 6 Die endgültige Antwort vom 19. oder 20. April s. RTA 2 Nr. 109. 6 16. April. ' Feilitzsdi. 336 Nr. 209. 1521 April 19. erfordert und in personlicher gegenwertigkeit kai. Mt., der chur- fursten, fursten, ander stende des Reichs und sonst vül leit in ainer hofstuben" durch den official von Trier 1 angesprochen worden: er hette vill geschähen und gelert; deshalben wurd man im etliche buecher, under seinem namen ausgangen, furhalten, darauf er solt antwurt geben, ob er die selben buecher gemacht und die für seine buecher halten, und ob er auch auf den selben buecher und was darin begriffen wer beharren oder die wider- ruffen wolt. Auf solchs waren seiner buecher vill entgegen, der titel aller gelesen. Dagegen er die antwurt geben, er hette nit allein die buecher, der namen gelesen, sonder noch vill mer gemacht, wolt die für sein buecher halten. Aber auf die ander frag, ob er auf dem, was dorin begriffen, beharren oder das widerrufen solt, dweil die gros wer, bette demnach um ain bedacht. Kai. Mt. underredt sich mit den churfursten, und ward im der bedacht bis auf donerstag* zu fünf hören nachmittag zugelassen. Am donerstag ist er auf bemelt zeit wider erschinen auf ainem grossen sal, daselbs auch kai. Mt., churfursten, fursten und ander stende alle personlich und sonst ain grosse menge volk von allerlei nation, doch babsts potschaft 3 nit. b Daselbs der gedacht official die sach wider anhub, erzelet im den zugelassen bedacht und begert ferrer sein antwurt, mit vermanung, dweil sein 1er durch babstlich Heiligkeit und etlich hochschulen verdampt, solt er die widerrueffen etc., mit vill Worten. Auf solchs er in antwurt komen und mit den titulen allein kai. Mt. und die weltlichen fursten angesprochen, doch daran gehenkt: dweil er zu hof nit erzogen, wolt er ainem jeden sein titel, wie der wer, geben haben. Und redt ferrer: er hette an gestern seine buecher bekent, darauf beharret er noch; doch ob im zuwidei etwas darein on sein wissen und willen getruckt were, das wolt er für das sein nit halten. 0 Der anderen obgemelten frag halben hette er trei monung vor im: zum ersten was er dem gemainen schlechten volk geprediget und geschriben, das wer der heiligen a in einer hofstuben am Rande nachgetragen. h von allerlei nation, doch babsts potschaft nit am Rande nachgetragen. 1 Folgt durdistrichen: darauf bestand er noch. 1 Dr. Johann von der Ecken. ' 18. April. s Aleander. Nr. 209. 1521 April 19. 337 geschrift nit entgegen, sein Widersacher hetten auch dasselb nie widerfochten; darzu wer on not, ainich widerruffen zu tun. Zum andern so hette er in denselben buechern auf bewegen seiner mißgonner den mißbrauch zu Rom angetascht, in ansöhung, das Teutsche nacion damit hart beschwert; und solchs zu furkomen getreuer monung gelert, das der heiligen geschrift nit zuwider, sonder gemeß were; das gedächte er auch nit zu widerruffen, dan im geistlichen rechten fursöhen und ausgetruckt were, was gleichwoll der babst satzte und für recht haben wolt: das dem gotlichen rechten und der ewangelischen leer» entgegen wer, das solt nit craft haben. b Zum tritten so hette er sonst vill geschriben und gelert, das huelte er der heiligen geschrift gleichmässig und so lang, bis er mit der heiligen geschrift und dadurch von jemand, wer der were, anders underricht und überwunden wurde, alsdan wolt er dasselb gern widerruffen; dan Christus were doch Got gewesen und hette im passion zum Juden gesprochen: hab ich übel geredt, so gib zeugnus von dem übel. 1 So er dan ain mensch und mocht geirt haben, wa im das in und mit der heiligen geschrift anzaigt wurde, wolt er tun wie obstedt; furwar mit vill hupschen reden. Dagegen der official ine noch fast auf das widerruffen vermanet und zaigt im an, er hette wider die heiligen concilia und insonder das zu Costentz gewesen geschriben, die doch von der christenlichen kirchen angenomen und bisher gehalten; auch nit not, fill mit im zu disputieren und ine zu überwinden, dan er nichtz neues, sonder, was hie- vor die armen von Leon, 2 Wiclepf, Huss und ander gehalten hetten, das alles doch von den concilien verdampf, in sein buecheren anbracht hette. Luter sagt dawider, die concilia hetten auch geirrt und zu mermalen widerwartigs und auch wider das gotlich recht 0 Satzung gemacht. Der official vermaint: nain, Luter: ja, und wolt solchs beweisen. Mit dem hat der handel auf das mall ain end gehabt. Ward ain gros geschrai, als Luter an dem ort wider abschied; in solchem er sich auch kai. Mt. a und der evangelischen leer am Rande nadigetragen. b Folgt durchstridien: Solchs wolt er auch nit widerrufen. c und auch wider das gotlich recht am Rande nadigetragen. 1 Joh. IS, 23. 2 Lyon; .Pauperes de Lugduno" oder J.eonistae" nannten sidt die Waldenser. König, Peutlngers Briefwechsel 22 338 Nr. 209. 1521 April 19. undertaniglich bevolhen hat. a Im besclilus sprach er die wort: Got kum mir zu hilf! Das erst mall, als er zu kai. Mt. hinein ging, was ich auch fast fornen, sprach er laut zu mir: Doctor Peytinger, seit ir auch hie? Und am donerstag kam ich vor der verhör zu im zu hof, sprach er under andern frolich zu mir: Lieber doctor, was tun weib und kind? 1 Ich haben in nit änderst gefunden und gesöhen, dan das er guter ding ist. Was furter aus der sach wirt, muß man gewarten. a Die wuchin ist nit sonders in reichssachen gehandelt, dan das kai. Mt. vergriff, die Ordnung des reichsregiment und camer- gericht betreffend, den stenden übergeben, 3 die den ubersöhen und ain supplication an kai. Mt. gesteh, mit beger, die sachen bei dem vergriff, wie die stend das regiment und camergericht gestelt haben, beleiben zu lassen. 4 Wir von stetten hetten woll leiden mögen, das kai. Mt. vergriff furgangen wer. 1 ' Der beschedigeten 5 halben ist all sach dahin gericht, das die kaiserischen raet mit den stenden handien sollen. Wir von stedten sein auch vor den churfursten erschinen und auf ain supplication, so die graven, herren und von adel il Ursprüngliche Fassung des vorstehenden Satzes: in seinem absdiid von kai. Mt. bevalh er sich der mit ainer hipschen red. b Der letzte Satz am Rande nadigetragen. 1 Luther hatte Peutinger während seines Aufenthaltes in Augsburg im Okt. 1518 persönlich kennen gelernt; am Abend des 9. Okt. war er bei ihm zu Gaste gewesen; vgl. Luthers Brief an Spalatin vom 10. Okt. 1518 (Enders 1 Nr.98 S.239), wo er berichtet, daß der Stadtschreiber sich seine Angelegenheit ganz außerordentliah habe empfohlen sein lassen. 1 Vgl. zu Peutingers Bericht über Luthers Ankunft und Verhör, der nadi A. Wrede die Grundlage für zwei unmittelbar darauf erschienene gedruckte Darstellungen der Vorgänge abgegeben hat (s. RTA 2 Nr. 194, Vorbemerkung), die Parallelberichte in den RTA 2 (die widitigsten genannt ebd. S. 452). — Peutinger war auch bei den Verhandlungen zugegen, die von einem ständischen Ausschuß am 24. April in der Herberge des Erzbischofs von Trier mit Luther geführt wurden (vgl. RTA 2 S. 561, 602f., 613) und unternahm am darauffolgenden Tage mit dem badischen Kanzler Dr. Hieronymus Vehus einen letzten Versuch, den Wittenberger in zweimaligen Bespredmngen zur Unterwerfung unter die Entscheidung des Reichstages oder eines allg. Konzils zu bestimmen. Eine Äußerung Peutingers hierüber ist leider nidit erhalten. Über die sonstigen Berichte (RTA 2 Nr. 79,85,86) vgl. zuletzt Kalkoff S. 320 ff. 3 RTA 2 Nr. 16 und 23. 4 Ebd. Nr. 17. 6 Gemeint sind die bei Cronberg Überfallenen Kaufleute; vgl. Nr. 207. Nr. 210. 1521 April 20. 339 ir anbringen der rechtfertigung erster instanz, 1 unser anbringen auch getan, 2 der monung, das wir nit bevelh haben, der stet freiheit zu abbruch ichtzt zu bewilligen, mit ander mer monungen, die si in schritt begert haben, die inen auch übergeben wirt. 8 210. Von Konstanze Peutinger. 1521 April 20. Augsburg. BerlMet dem Vater über das Leben der Seinigen daheim, über die Verschönerungen an Haus und Gärten und namentlicfi über die Sehnsucht seiner Bücfier nach der Rückkehr Ihres Herrn. Gedruckt: Collectanea van Gerardus Geldenhauer Noviomagus, uitgeven en toegelidit door J. Prinsen (Amsterdam 1901) S. 125f. — Zusatz Gelden- hauers* zur Absdirift des Briefes: Chirographum huius puellae epistolae dono dedit mihi Chuonradus Veccrius Lucenburgus, marchionis Brandenburgensis a secretis, 1521. Chuonrado Peutingero, patri suo indulgentissimo, Constantia filia S. P. Ex literis ad matrem missis 5 intellexi te perbelle valere una cum affine nostro charissimo Bartholomaeo Walser; 6 quae res mirifico nos affecit gaudio. Omnes enim nos, ut par est, de sanitate prosperaque fortuna tua gaudemus ex animaque petimus, ut laetus et incolumis nobis brevi restituaris, quodque votis maximis optamus, ut omnes Imperii res et christianae reipublicae status ex Dei voluntate antea componantur et ordinentur, ut in pace et ocio tuti deinde vitam agere possimus. Ego, mi suavissime pater, nihil novi tibi scribere scio, cum matrem nostram charissimam 7 1 RIA 2 Nr.26A Art. 4 S.246. 2 Peutinger hatte am Nadimittag des 18. April namens einer vor die Kurfürsten geladenen Vertretung der städtischen Gesandten gegenüber Art. 4 der Supplikation der Grafen und Herren (vgl. vorige Anm.) in den Fragen des besonderen Geriditsstandes der Städte und der Pfahlbürger den städtischen Standpunkt verfoditen; vgl. RTA 2 S.851 f. 3 RTA 2 Nr.26H. * Ober den Humanisten Gerhard Geldenhauer aus Nymwegen, der später (1531—32) erster Rektor der Gelehrtensdmle von St. Anna in Augsburg war, vgl. Roth 2 S. 68f.: P. S. Allen in: Opus epistol. D. Erasmi Roterodami 2 (1910) S. 379. •' Nidit erhalten. 6 Peutingers Schwager, seit Ende 1518 das Haupt der Weisergesellschaft (vgl. Nr. 195), scheint demnach damals in Worms geweilt zu haben. ' Briefe Margarete Peutingers an ihren Gatten in Worms sind nicht erhalten, ebensowenig dessen Sdireiben an sie. Wir hören aber von solchen in 22* 340 Nr. 210. 1521 April 20. ceterosque amantes tui omnia, quae necessaria sunt scire, ad te perscribere non dubito. Nos adhuc Dei benignitate belle vivimus sani et validi; domos aedificamus et hortos; nemo est, qui non aliqua in re occupatur, quae tu re ipsa ita invenies, cum redditus nobis fueris. Omnino enim aliam domus nostrae formam adspicies proque ruituro paene tugurio preciosam arcem extra portam offendes. In pomoerio vero, tuis deliciis, te ipsum amplius non cognosces, ita ornatum et cultum videbis. In horto vero Plutonis et Dianae quantam amoenitatem contemplaberis! In summa nihil hie erit, quod delectationem nullam afferat. Adsit modo corporum nostro- rum vigor et incolumitas, ut frui his liceat. Tres fratres, Claudius, Christophorus et Chrysostomus, strenue operam in literis navant sub eorum praeeeptore Piniciano. Una dumtaxat querela super te, pater mi! Quoties enim bibliothecam tuam ingredior, libri omnes clamant, praesertim Erasmi et Plinii, tum Hieronymi, inter- rogantes, quando dominus et patronus eorum redeat, quamdiu in carcere licet spacioso includi, a tineis et blattis corrodi debeant? Alioqui rosas, lactucas aliasque horti herbas facile pacaremus, soli libri absentiam tuam diutius ferre se non posse queruntur! Sunt inter eos, qui nuper abire volentes alas sumpserant; dice- bant enim se velle Wormatiam volare ad dominum et authorem suum, cui pro veritate tuenda 1 adstare vellent. Nos vero vix eos retinuimus affirmantes ipsum dominum non indigere opera eorum, sed Deum, summam veritatem, habiturum defensorem; quibus placati pedem retulerunt Haec sunt, pater observandissime, quae exercendi ingenii et manus meae gratia ad te scribere volui. Tu, si occasio oblata fuerit, Thomae Mori tui, viri clarissimi, filias nomine meo salutes.* zwei Antworten des Rates vom 19. März und 12. Mai. in denen Peutinger mitgeteilt wird, daß die den Berichten an die Stadt beigelegten Briefe an seine hausfrau dieser sofort zugestellt worden seien. 1 Die Sadie Luthers. 2 Mit Thomas Morus war Peutinger (ebenso wie mit Erasmus) Ende Juli 1520 am Hoflager Karls V. in Brügge persönlidi bekannt geworden: vgl. oben S.325 Anm.l und P. Kalkoff in dem dort genannten Aufsätze S. 479. Konstanzes Bitte an den Vater läßt darauf sdüießen, daß dieser mit dem englisdien Kanzler, der in Worms nicht anwesend war, in Briefwechsel stand, wovon sidi aber nidits erhalten hat. Über die drei Töditer des Morus Nr. 211. 1521 April 30. 341 Vale praesidium et decus meum! 1 Adventum tuum ad nos matura! Salutant te omnes tui, item et Regina et Carolus. 2 Ex Augusta Vindelicorum 20. die mensis aprilis 1521. 211. An Bürgermeister und Rat 1521 April 30. von Augsburg. {Worms.} Bericht vom Reichstage: Angelegenheit des B. Rem; Abreise Ferdinands, Matthäus Längs und anderer Fürsten; Reichsregiment. Augsburg, StA: Peutinger. Ursdir. ohne Untersdirift und Adresse. Größtenteils gedruckt: RTA 2 Nr. 207 S. 882ff. Dem Bartholome Rem 3 ist als Diener der Herzoge von Baiern auf Verwenden Christophs von Schwarzenberg* und auf Begehr der Kurfürsten und Fürsten vom Kaiser ein neues Geleit ausgefertigt, aber noch nicht übergeben worden, das ungefährlich zu sein scheint. Bedenklich aber ist, daß Baiern einen Untertanen Augsburgs gegen dieses in Schutz nimmt, gegen die Goldene Bulle, die Satzung des Schwäbischen Bundes und den Abschied von Köln {von 1512). Erzherzog Ferdinand und Kardinal Matthäus Lang von Salzburg, die heute früh nacli Heidelberg geritten sind, nehmen ihren Weg niclit, wie er tags vorher geschrieben hat, über Dinkelsbühl und Donauwörth, sondern über Bretten und durch Württemberg. Darumb wird not sein, das eur kuntschaft gehalten werd zu Schwebischen Werd 6 und zu Ulm.« Die husten heben an zu verrücken und lassen ir potschaft hie, das ich fursorg trag, wir Augspurger, so noch hie sein, nit vill geferten hinauf haben werden, also in sorgen aus Ursachen steen muessen. 7 (Margareta, Elisabeth und Caecilia) vgl. P. S. Allen in: Op. epistolar. Erasmi 4 (1922) S. 18f. (Anm.). » Vgl. Hör., carm. 1. 1, 2. 2 Jüngere Geschwister der Konstanze Peutinger. 3 Vgl. oben S. 332 Anm. 6. A Gehörte zum Gefolge des Herzogs Wilhelm von Baiern. h Donauwörth. r ' Erzherzog Ferdinand traf in der Wodie vor dem 11. Mai mit Matth. Lang in Augsburg ein; vgl. ChDSt 23 S. 150 Anm. 1. 7 Peutinger scheint bereits in seinem (nicht erhaltenen) Beridit vom 1. April seiner Besorgnis wegen der infolge der Unsidierheit der Straßen gefährlichen Heimkehr Ausdruck gegeben zu haben, worauf ihm der Rat am 8. April antwortete: Wir heften gut hoffnung, euer haimziehen solt euch nit so gar schwär, 342 Nr. 212. 1521 Mai 23. Es ist noch nichtz beschlossen, sondern wirt kai. Mt. macht und gewalt fast disputiert; die fursten wolten des gern fill an sich ziehen zu dem regiment, so will kai. Mt. wenig nachgeben; da steckt der handel. Dat. auf letzten tag aprilis anno 21. 212. An Bürgermeister und Rat 1521 Mai 23. von Augsburg. {Worms.} Bericht vom Reichstage: Angelegenheit des B. Rem; Reichstagsabschied; die von Frankreich und den Eidgenossen drohende Kriegsgefahr. Augsburg. StA: Peutinger. Ursdir. Größtenteils gedruckt: RTA 2 Nr. 233 S. 928 ff. Hat die Aufträge des Rates in der Angelegenheit des Bartholome Rem ausgeführt. 1 Am 22. Mai ist dem Kaiser von den Kurfürsten und einer Abordnung der Fürsten der Entwurf des Reichstagsabschiedes übergeben worden. Darauf hat der Kaiser die Kurfürsten und anwesenden Fürsten, während von sonstigen Reichsständen nur Peutinger zugegen war, durch Dr. Lamparter über die dem Reiche von Frankreich und den mit diesem verbündeten Eidgenossen drohende Kriegsgefahr* unterrichtet, mit beger, solchs den stenden furzuhalten und zu beratschlagen, was furter darauf zu handien sei, auch alsdan hilf zu tun; das anzubringen sich churfursten dan ander derzeit auch herauf ziehn, werden, zu denen ir euch befleissen und sunst auch desterbas versehen wolt, damit ir vor unrat verhüt werdent. Am 28. April hat er dann offenbar geschrieben, er wolle, abreisen und die Gesandten von Nürnberg und Ulm mit seiner Vertretung betrauen. Der Rat wies ihn daraufhin am 5. Mai an, nodi zu bleiben, da die für die Städte des Schwäbischen Bundes wichtigen Verhandlungen über Reichsregiment und Kammergericht noch nidit zu endgültigen Besdüüssen geführt hätten, aucli sunst ein großer anschlag vom Reich vorgenomen, darzu uns aus erfarung vorgeender reichstag wissend ist, daß gcwonlich erst im ende und aufbrucli der fursten, die ir ret zu Vollendung der sachen hinder inen verlassen neben anderer stend botschaften, das meist und pest gehandelt, auch beschlossen wurdet; RTA 2 S. 883 Anm. 2. 1 Über die weitere Entwicklung der Angelegenheit des Barth. Rem vgl. unten Nr. 218 und 219. 2 Vgl. darüber RTA 2 S. 361 ff. Nr. 212. 1521 Mai 23. 343 und fursten bewilliget haben. Darnach sein die verordneten fursten und ich mit inen abgeschiden und die churfursten allein bei kai. Mt. beliben. Ist die sag, der Franzoß soll den churfursten allein geschriben haben, das si kai. Mt. angezaigt; aber ob das der handel sei oder nit, hab ich nit grundlich bericht. Aber wie dem, der Franzoß zeucht auf Navaren, des willens, den vertriben kunig 1 einzuseczen; ist die sag, er woll ain höre auf die Nider- land auch schicken. Solten dan die Schweizer auch über Rhein fallen, als zu besorgen ist, mögen E. Ft. abnemen, wie sich die hendel so beschwerlich zutragen. In summa: es will laider dahin komen, wie ich alwegen besorgt hab. Got der almechtig wolle sein barmherzigkeit mittailen, damit solch gros übel verhuet werde. 2 . . . Günstigen lieben herren, auf die handlung, so wie obstet durch kai. Mt. an churfursten und fursten gelangt, ist an heut die versamblung bei ander gewesen, und durch die churfursten an- zaigt, das der Franzoß inen trei brief geschriben, 3 darauf kai. Mt. an si, di churfursten, ain verantwurtung, in Latein gesteh, 4 übergeben und mir bevolhen, die den stenden offenlich zu verlesen, als beschehen; waren vier pogen allenthalben eng uberschriben. Nachvolgend ist auf obgemelten furfall geratschlagt worden, 8 das kai. Mt. bei dem Franzosen und den Aidgenossen gut kund- schaft haben soll, was anschleg und anzug si gegen Teutscher nacion furnemen wollen, item das schlos und stet in der oberen Landvogtei am Elsas, Preisgau, Sungau, Schwarzwald, Hegau und am Podensee fursöhen werden und in guter warnung seien, die Aidgenossen inhalt der erbainigung G zu ersuchen, ob das haus Osterreich überzogen wurd, im zu hilf zu komen, zu er- konden, wie si sich halten wollen. Ob ain Überzug beschehe, soll man hilf tun; und so die beschehe, mocht die bewilliget Romhilf nit woll tan werden. In summa: die sachen steen all trueb, dan Wirtenberg 7 soll 1 Jean d'Albret, 2 Bis hierher ist der Brief sdion am 22. Mai gesdirieben. » RTA 2 Nr.39A,B.n. * Ebd. Nr. 40. » Ebd. Nr. 42. ' vom 7. Febr. 1511; vgl. Dierauer 2* S.46I. " Der 1519 durdi den Schwäbisdien Bund aus seinem Herzogtume vertriebene Ulridi von Württemberg. Seit Febr. 1520 war das Land im Besitze des Kaisers. 344 Nr. 213. 1521 Mai 24. auch zu fuß und zu roß kriecht aufnemen. Wer gut, das E. Ft. kuntschaft auf in machten, euch dest bas darnach haben zu richten; dan es wirt von vill und seltzamen anschlegen hie geredt, die ich zum teil anheim anzaigen will; ist not, das für und für gute fursöhung beschehe. Das jar wirt kain Romzug, wie ir auch verneinen. Gedenk, wir werden bald end machen. Ich hab den Stephan Stöcklin 1 bisher bei mir behalten. Mich daneben euch, mein lieben herren, bevelhend. Es stet aller- lai in dem brief, das nit alles zu offnen ist etc. Dat. auf donerstag nach Pfingsten anno 21. Es ist auch auf der pan, das die churfursten zwischen kai. Mt. und dem Franzosen guetlich handien solten; 2 ist aber noch nit beschlossen. P. 213. An Bürgermeister und Rat 1521 Mai 24. von Augsburg. (Worms.} Bericht vom Reichstag: Augsburger Münzfreiheit; die Herren von der Leiter und der Artikel 34 der Kammergerichtsordnung. Augsburg, StA: Peutinger. Ursdir. Größtenteils gedruckt: RTA 2 Nr. 236 S. 934 ff. Gunstigen lieben herren..... Was ich bisher der freiheit halben die münz 3 gehandelt, haben ir an beiligendem brieve in ainem zedel zu verneinen; und dem ist also, und das ich denselben brieve, wie E. Ft. be- geren, geren mit mir gefertiget anheim zu bringen willens bin. Hat bisher guter und getreuer fleis nit erwunden, auch den gefertiget zu werden für und für vervolgt. Aber herr Niclas 1 Bote: als Überbringer der Beridite Peutingers vom 8. und 14. April in den Antworten des Rates vom 13. und 21. April erwähnt. In seinem Sdireiben vom 16. Mai hatte der Rat den Stadtschreiber angewiesen, Stöcklin bei sidi zu behalten, bis er Zeit und Weg seiner Heimreise bestimmt mitteilen könne, worauf von Seiten der Stadt alles möglidie gesdiehen solle, um Peutingers billigem Begehren nach einem ihm entgegen zu sendenden Geleit nadizukommen. 2 Vgl. RTA 2 Nr. 41. 3 Augsburg bewarb sidi um das Privileg, Gold- und Silbermünzen sdüagen zu dürfen, durch das jedoch der bisher von der Stadt gemeinsam mit dem Bischöfe und dem Grafen Eberhard von Königstein betriebenen Münze kein Eintrag gesdiehen sollte: vgl. RTA 2 S. 935 Anm. 1 sowie den folgenden Brief. Nr. 213. 1521 Mai 24. 345 Ziegler 1 ist mir disen aubend der tax halben so streng begegnet, das ich mich des, so ich hievor mit Mospach, dem taxator, gehandelt und E. Ft. zugeschriben, als nemblich 100 guldin rh. zusambt anderm, so auf die canzlei und Schreiber gat, das doch nit sonder gross, nit versöhen hette und mir die gmain tax auf 150 gld. rh. gescherpft; ob er sonst ain laun gehabt oder was im zugestanden ist, hab ich nit wissen. Er hat mich diesen aubent woll aus- geriben, das ich, dweil ich in kenne, guetlich geduldet. Und morgen wider an in will, dan ich je geren die freiheit mit mir bringen wolt..... Der von Berne oder Laiter 2 halben hab ich vill seltzamer pratica gebraucht, wie E. Ft. von mir anheims vernemen werden. Die reichsstend von churfursten und fursten, auch derselben raet haben mir das alles widerworfen, kai. Mt. begeren hierin genz- lich abgeschlagen. Darauf ich bewegt worden bin, ain anderen articul zu stellen und den wie vor kai. Mt. hofraet den stenden des Reichs übergeben zu lassen, als besehenen; und ist der articul in der camergerichtzordnung passiert laut inligender copien, 3 es 1 Dr. Nikolaus Ziegler, Vicekanzler. Ihn betraditete die Stadt als ihren besonderen Gönner am Kaiserhofe. Gleidi in seinem ersten Sdireiben vom 23. Febr. hatte der Rat Peutinger den Auftrag erteilt, Ziegler 100 G. rh. zu verehren, ihm der Stadt Augsburg handel und Sachen getreulich zu befelhen und dieselben bei im fleissig zu sollicitieren. 2 Vgl. oben S.139 Anm.3. Die Herren von der Leiter hatten auf dem Augsburger Reichstage von 1518 erneut verlangt, daß die vom Kammer- geridit über Venedig verhängte Adit innerhalb der Reidisgrenzen streng durdigefährt werde. Die Frankfurter Gesandten melden dies am 4. Sept. 1518 ihrer Stadt, setzen aber hinzu, das Verlangen werde voraussichtlich abgeschlagen werden, weil es die Deutsdien mehr schädigen würde als die Venezianer (Janssen, FRC 2, 2 Nr. 1207 S. 982f.). Die wegen ihres lebhaften Handels mit Venedig von der Forderung besonders betroffenen Augsburger scheinen Peutinger beauftragt zu haben, bei Beratung der neuen Kammergeridüs- ordnung die Aufnahme einer Bestimmung zu beantragen, die den Bemühungen der Herren von der Leiter den Boden entzog. Schon am 27. März hatte der Augsburger Rat Peutinger gemahnt, die Sache aus vil Ursachen und bewegnus, wie vormals alhie davon geredt zu betreiben, und am 3. Mai sich erkundigt, ob das Gerücht zutreffe, daß die Herren von der Leiter Sidtingens Rat und Beistand suditen. 3 Es handelt sidi um den letzten Absatz des 34. Art. der Kammergeridits- ordnung (RTA 2 S.302), der bestimmt, daß die über einen Reidisfremden verhängte Adit gegen Reidisangehörige, die mit jenem in Verkehr geblieben 346 Nr. 214. 1521 Mai 26. wolle dan noch ain anders dorein komen. Weiter hab ich diser zeit nit erlangen mögen. Und dweil der gedacht articul allein auf vergangens stedt, dorein mit recht Venedig und Dantzig gezogen werden mag und soll, bedunkt mich, hab mein zerung woll verdienet, dorzu mir meine herren Schatzmeister, 1 Lamparter und Ziegler ganz treulich geholfen haben. Nun lig ich noch auf ainer andren ban, den gemelten articul auf künftig zufallend Sachen auch zu bringen. 2 E. Ft. werden in dem allen vernemen, was neue arbeit und sorgfaltigkeit auf diß sache gangen ist; dan der widerstand hat großlich gegen mir eräugt. In summa: Gott hab lob!..... 3 Dat. freitag nach Pfingsten in der zwölften stunde zu nacht a. 21. P. 214. An Bürgermeister und Rat 1521 Mai 26. von Augsburg. 'Worms.') Letzter Bericht vom Reichstag: Schlußsitzung der Versammlung; Peutingers Abreise; die von Frankreich und den Eidgenossen drohende Kriegsgefahr; Eintreffen eines englischen Gesandten; Augsburger Münzfreiheit; B. Rem. Augsburg, StA: Peutinger. Ursdir. Gedruckt: RTA 2 Nr. 241 S. 940 ff. sind, nur dann vollstreckt werden dürfe, wenn diese gegen ein eigens ergangenes kaiserliches Verbot gehandelt haben, und daß ihnen audi eine ausreichende Frist gewährt werden müsse, um die bestehenden Beziehungen mit dem Geächteten ohne eigenen Sdiaden zu lösen. Eine ähnliche Bestimmung war auf Peutingers Betreiben schon in den kaiserlidien Entwurf für die KGO vom 9. April (RTA 2 Nr. 23 Art. Z) aufgenommen und von dem Stadt- sdireiber am 18. April vor den Kurfürsten verteidigt (ebd. S. 852), von den Ständen jedodi am 17. Mai abgelehnt worden (ebd. S. 727), worauf Peutinger ihr eine andere Fassung gab, die dann mit unwesentlidien Änderungen in den § 34 der KGO vom 26. Mai überging. 1 Jakob Villinger. 2 Das wurde überflüssig durdi den dem Art. 34 der KGO naditräglidi, wohl auf Peutingers Betreiben, noch beigefügten Sdilußsatz, ivonadi künftig das Kammergeridit gegen Reichsfremde nur mit besonderer Bewilligung von Statthalter und Reichsregiment einschreiten durfte. 5 Der Sdiluß des Berichtes handelt von der Angelegenheit des B. Rem. Vgl. dazu unten Nr. 218 u. 219. Nr. 214. 1521 Mai 26. 347 Berichtet zunächst kurz über die Schlußsitzung des Reichstages am 25. Mai sowie über die Ernennung Erzherzog Ferdinands zum. Statthalter und fährt dann fort: Ich was des willens, auf morgen mit etlichen, die ich diser zeit der feder nit anhenken will, aufzusein; ist gewendt aus Ursachen, wie obstet. 1 So ich reifer nottirftig sein wird, will ich darnach schreiben; 2 dergleichen wirf Ulm auch tun; 3 wir haben mit der hilf des Almachtigen anhangs gnug bis woll hinauf, die sach wurd sonst spitzig zugeen. Es sein vill geschwinder practica vor äugen. Got der herre woll all sach zum pesten schicken. Ich gedenk, der Franzoß werde mit seinem entpören vill unru in Teutscher nacion, die sich sonst zugetragen hette, verhueten; 4 man tracht fast, um ge- raisig und fußknecht zu bestellen. Es ist auch kai. Mt. verwilliget, das von wegen aller stend den Aidgenossen geschriben und antwurt begert werden soll; 6 der poß wirf morgen auf die pan gericht. Von meinem weckziehen schreib ich nit vill. Got der herre, als ich hoff, werd das zum pesten schicken. 6 1 Der Kaiser hatte bestimmt, daß vor Ablauf von vier Tagen niemand von den Ständen abreisen solle. 2 Auf Peutingers (nicht erhaltenes) Sdireiben vom 18. Mai hatte der Rat am 21. Mai geantwortet; wollen also zuschickung der pfard halben verrer beschaid von euch gewarten und nachmals mit fursehung euer person zum getreusten und besten handeln. 3 der Ulmer Gesandte Bernhard Besserer. 4 Vgl. dazu Peutingers Äußerung gegen den Venezianer Gesandten Gasparo Contarini, dem er nach dessen Bericht vom 24. Mai (PTA 2 Nr. 235 S.933) über die dem Kaiser gewährte Reidishilfe u. a. sagte: che, se Sua M<* lo vorä anchor 4 o 5 mesi („Rötnermonate') avanti, non ge serä denegato, et etiam al presente, sc el rc de Franza venirä contra la Germania o lochi dcpendenti dal Imperio; . . . che a tuti questi principi despiaceva li movimenti Franzesi contra questa Mtä caes. . . . iste rex Francie e in causa per questi sui movimenti contra caesarem che siamo stä concordi in queste resolution et de- Mberation noslrc, il che mai ho pensato, ma iudicato certo, dovessamo venir a le arme tra nui. 5 RTA 2 Nr. 43. 0 Peutingers glüddidies Wiedereintreffen in Augsburg meldet der Rat am 15. Juni dem in Nürnberg weilenden Altbürgermeister Hieronymus Imhoff, der am 18. Juni zurüdisdireibt, er habe das gern gehört, da er nit wenig sorg auf im gehabt habe (Augsburg, StA; Literalien). Der Stadtsdireiber 'war, wie aus dem Eintrag in den Augsburger Stadtredmungen für das Jahr 1521 (fol. 139v) über das ihm am 2. Aug. ausgezahlte „Reitgeld" hervorgeht, 348 Nr. 215. 1521 August 17. Dat. sontag Trinitatis zu aubent spat anno 21 in eil. Auf freitag vor datum 1 ist widerumb ain treffenlich potschaft aus Engeland herkomen, nemblich herren Ruprechts von Winck- feld prüder; 2 ist vor nie in Teutscher nacion gewesen, furwar ain schon man. Hab den an heut zu den Prediger angesprochen in Lompardisch, dan er nit Latein kan. Vermaint man, Engeland soll auf unser seiten sein; hab aber noch nit gwisen grund. Auf datum ist der minzbrief noch nit gezaichnet; herr Maximilian Sybenberger, 3 mir fast woll verwandt, vermaint den morgen zaichnen zu lassen. Ich hab den in der still umb das gelt, wie ich E. Ft. hievor anzaigt hab, 1 heraus wollen bringen; aber die finanzer sein mir etlich für das Hecht gesessen, mus etwas dorauf legen, das mer ist weder ich anzaigt hab; will aber auf das wenigest handien, so mir imer möglich ist, wie ich mit der con- firmation auch getan hab. Die tax ist teur und verkört sich alle tag, so haben die leut geren gelt. Dat. ut supra. Des Reinen halben stend die Sachen wie vor. 215. An Bärgermeister und Rat 1521 August 17. von Nördlingen. (Augsburg) Gibt Auskunft, wie die unverhältnismäßig hohe Veranlagung der Reichsstädte für die Unterhaltung von Reichsregiment und Kammergericht auf dem Wormser Reichstage trotz Einspruchs der städtischen Vertreter zustande gekommen ist; rät zu einer Beschwerde bei einem künftigen Reichstage. Nördlingen. StA: Missiven 1521. Reinsdir. von Schreiberhand. — Adr.: Den fursichtigen, ersamen und weisen burgermeister und rate der stat Nördlingen, meinen lieben herren. Fursichtigen, ersamen und weisen etc. E. Ft. schreiben, des datum steet auf 14. tag augusti nechst verschinen, des Reichs an- im ganzen 126 Tage von Augsburg abwesend, d. h. also, wenn er am 28. oder 29. Jan. abgereist ist (vgl. RTA 2 S. 779 Anm. 1), bis zum 3. Juni. 1 24. Mai. 2 Sir Richard Wingfield; er kam, um Karl die Vermittlung Heinrichs VIII. zur Erhaltung des Friedens mit Frankreidi anzubieten; vgl. RTA 2 S. 927 und 948 Anm. 2. 3 Maximilian Transsilvanus (Siebenberger), ehedem Sekretär K. Maximilians. * Vgl. Nr. 213. Nr. 215. 1521 August 17. 349 legen zu underhaltung der furgenomen regiment und camer- gerichts betreffend, darin E. Ft. 325 guldin auf nechst gehaltem reichstag zu Wurmbs aufgelegt sein, 1 mit beger, dweil solher an- schlag E. Ft. beschwärlich sei, demnach vermogenlichen fleis fur- zuwenden, solh beschwerd abzulegen, das ich hierin mein gut- bedunken mittailen solle, wa jetzo oder zu künftigen zeiten dero- halben zu handeln sei, damit E. Ft. nit so hoch oder Ungleichermassen beschwärt beleiben, mitsambt anderm, hab ich seins inhalts nach aller leng vernomen etc. Und darauf E. Ft. erstlichen meins wissens zu erkennen gib, das die gesandten von gemainen bundsverwandten stetten, als die verordneten von Nürnberg, Ulm und ich, nechst gehaltem reichstage zu Wurmbs allen möglichen fleis ankert haben, damit des hl. Reichs bundsverwandten stette nit für ander beschwärt wurden, wie dann die bemelten verordneten und ich solhs meinem herren Ulrichen Artzt, haubtman, zugeschriben, ungezweifelt E. Ft. des von egerurtem meinem herren haubtman wissen entpfangen. Aber über solhs alles haben churfursten, fursten und ander stende des hl. Reichs uns von stetten den bewilligeten anschlag zu Costentz furgehalten und auf denselben endlich beschlossen, das jeder stände des Reichs auf den selben anschlag noch fünfmal so vill zu erhaltung des regiments und camergerichts, die zeit darin begriffen, geben solle. Über dieselben bemelten fünf tail haben graven und herren als stende des Reichs etlichermassen bei churfursten und fursten ir beschwärden auch anbracht* und bei den, so auf den reichstägen die merer stim haben, erlangt, das si inen in merung der fünf tail geringert und dieselb anzall irs nachlassens zum tail auf die fursten und zum tail auf die frei- und reichstett, als nemlich Coln, Augspurg, Nürnberg und Ulm 200 guldin reinischer, also auf bemelt jede stat 50 guldin mer weder die fünf tail Costentzer anschlags aufgelegt worden sein. Und wiewol die verordneten nit allain der bundsverwandten, sonder von allen stetten dawider offenlich geredt und protestiert, so ist es doch bei dem abschid zu Costenz, dweil der von allen stenden des Reichs bewilligt und angenomen, beliben, daraus churfursten, fursten und ander stende nit geen wellen. Wider demselben anschlag unser geordneten einrede nit hat mögen für- 1 RTAJ Nr. 56 II S. 440. 2 Ebd. Nr. 57 S. 444 ff. 350 Nr. 215. 1521 August 17. tragen. 1 Also das E. Ft. nunmaln wissen entpfachen, das aller beschluß auf dem bewilligeten abschid zu Costentz beruet, der von wegen underhaltung der regiment und camergerichts, jetzo furgenomen, fünf tail mer bezalt sollen werden, das von allen stenden niemand abgeschlagen, dan allain was wir von stetten darwider geredt, das all ander stende des Reichs nit angenomen, sonder furgefaren und die bemelten vier stett mit 200 guldin reinischer über gepurend fünf tail beschwert; aber solhs nit widertreiben mögen. Wie aber solhe E. Ft. die beschwärde, in bemeltem irem schreiben gemelt/ abtreiben und erledigen mögen, wais ich darin nit sonders zu raten; dann obgleich bei kai. Mt. ainich milterung oder nachlassung und entledigung gemainer stat Nord- lingen, ainich gnad oder freihait erlangt, so wurden die stende des Reichs auf künftigen reichstägen, so die anschleg machen und tun, darauf nit geben. Aber dieselben mochten dannocht ain jeden in sein beschwerden hören, aber wenig hilf den stetten zu gut hab ich bei inen befunden. Mir ist auch von etlichen zu Wurmbs under äugen gesagt worden, die bundsstett heften fursten vertriben, 2 darumb si dest baß tun mußten. Also im grund so wußte ich kain ander weg, dann allain auf ainem reichstag davon anbringen zu tun und zu handeln. Und in bemeltem anschlag ist mein ferrer gutbedunken, das E. Ft. zu Nürnberg bei ainem erbern rat ir aufmerken haben lassen solten, ob die stende des Reichs, weihe und wanne sie erlegen oder nit, E. Ft. zu berichten, sich ferrer darnach haben zu halten« etc. Dat. auf 17. tag des monats augusti anno etc. 21. Chuonradt Peutinger, beder recht doctor etc. 8 melden Hs. 1 Über das Zustandekommen des Wormser Ansdilags zur Unterhaltung von Reidisregiment und Kammcrgeridit vgl. ebd. S. 403 u. 426, über den Widerstand der städt. Vertreter die Beriahte der Straßburger und Frankfurter Gesandten ebd. Nr. 229f. S. 919ff. Peutinger hatte am 18. Mai im Aussdmß in längerer Rede gegen die ungeredite Belastung der Städte Einspruch erhoben: s. den Auszug dieser Rede ebd. Nr. 55 S. 421 ff. 2 Anspielung auf die Vertreibung Herzog Ulrichs von Württemberg durch den Schwäbischen Bund. 8 Neben Peutinger war auch diesmal (vgl. oben Nr. 10 Anm.) der Augsburger Rechtsgelehrte Dr. Joh. Rehlinger vom Nörd/inger Rate um ein Gut- Nr. 216. 1521 August-September. 351 216. Von Veit Bild. {1521 August-September. 1 Augsburg.) Freut sicfi, daß Peutinger ihren jahrelang unterbrochenen Verkehr wieder angeknüpft hat. Der Rat soll angesichts der um sich greifenden Pest zur Reinerhaltung der Luft große Feuer aus Eidien- und Wadiolderholz anzünden lassen. Sendet ein Schutzmittel gegen die Pest. Augsburg. OA: Hs. 81 II fol. 208v f. Absdir. Bilds. Gedruckt: Braun 4 S. 175f. — Regest: Schröder Nr. 188. Clarissimoutriusque iuris doctori D. ConradoPeitingero, patrono suo semper colendissimo. Praeservari per Christum ab omnibus malis. Variis aliquot per annos cogitacionibus haercns, celeberrime D. doctor, quidnam tuam in personam demeruerim, ut neque coram salutatione alibive aliquo literarum apiculo visiter, 8 quom dudum albo amicorum tuorum (licet immeritus) fuerim adscriptus: non praestantior occurrebat, fateor ingenue, occasio, quam quod me quarta natum luna non ignorares. Huius tarnen partem haud minimam mei recordatio, qua superioribus diebus super statum meum fideliter M. Blasium, 3 secretarium nostrum (virum integrae profecto vitae) interrogare dignatus es, abstulit. Eo namque cognito non potui te non hoc epistolio ocius adire initam aliquando cupiens renovare amiciciam, sie ut, si indignus videri habeam tecum in mensa consedere, saltem liceat cum familiaribus tuis tibi deservire. Caeterum te per viscera Iesu Christi obtestatum velim senato- ribus nostris, quibus reetarum actionum es instaurator, persua- surum, singulis uti diebus per quam maximos ignes quercinis seu iuniperanis lignis, si fieri poterit, sin, eorum aliquibus in- missis singulis vicis praeordinare velint, quo aer (quem nondum vere corruptum crediderim, aqua vero et terra dudum corruptis achten ersudit worden; er riet, unter Protest zu zahlen: RIA 2 S.923 Anm. 1. Über die weitere Entwicklung der Angelegenheit vgl. ebd. 3 S.269 Anm.l. 1 Das Datum ergibt sich aus der Erwähnung des immer stärkeren Umsichgreifens der Pest in Augsburg: diese brach dort Ende Juli 1521 aus und nahm bis Mitte Okt. zu; von da ab ging die Zahl der wöchentlichen Todesfälle wieder langsam zurück. Vgl. ChDSt 23 S.151f. 2 Seit Ende 1515 (vgl. oben Nr. 166) scheint der Verkehr zwisdien Peutinger und Bild geruht zu haben. 3 Blasius Hölzl. 352 Nr. 217. 1521 September 12. quantocius inficiendum) purificari ac mundus conservari" Deo optimo maximo opitulante, cuius et omnia haec nomine sunt facienda, poterit, ne saeva pestilitatis crudelitas, quae in dies vires assumit, regiam hanc civitatem penitus depopuletur. Nosti enim (sicut non dubito) perpetuae quid laudis erecta sibi statua Hypocrates promemerit, quom nobiliores Graeciae urbes hac via salubriter praeservavit. Valeat iis Dig tas Tua tota cum familia Deo commendata. Tuus ut suus F. Vitus Bild Acropolitanus, divum apud Hulderichum coenobita. Mitto in renovatae amiciciae ostensionem semen nigellum, quod holoserico involutum sacculo nudoque corpori applicatum a pestifero praeservare dicunt morbo. Sed audi, quaeso, et meum singulis paene horis remedium praeservativum. Aio enim: „Pater noster, qui es in coelis, fiat hac nostra in tribulaicone tua mecum voluntas, sie ut, si tuae divinae placuerit voluntati, me grassanti morbo de aerumnosa hac vita evocare, sis benedictus; si vero praeservare, herum sis benedictus. Fiat igitur voluntas tua sicut in coelo sie et in terra." Vale seeundario etc. 217. An Bürgermeister und Rat 1521 September 12. von Lübeck. Augsburg. Übersendet den Abschied und die Ordnungen des Wormser Reichstages. Es sei ihm niefit möglich gewesen, dem Auftrage ihres Gesandten Dr. Matthäus Pakobius ' gemäß durchzusetzen, daß Lübeck mit der Berufung ins Reichsregiment verschont werde. 1 Da aber die Regimentsordnung eine Vertretung der Fürsten durch andere zulasse, 9 werde dies wohl auch für die a verbessert aus praeservari. 1 Dr. Matthäus Plockenbusdi, Gesandter Lübecks auf detnWormser Reichs- tage; vgl. RTA2S.742. 2 Nach § 17 der Regimentsordnung (RTA 2 Nr. 21) gehörte Lilbedc zu den acht im Regiment vertretenen Reichsstädten. 1 Vgl. § 14 der Regimentsordnung. Nr. 218. 1521 Oktober 22. 353 Städte gelten. Der Rat solle sicli daher mit einer entsprechenden Bitte an das Regiment oder eine andere Stadt wenden. 1 Augsburg, StA: Literalien. Entw. 218. Von Ambrosius Höchstetter* 1521 Oktober 22. Burgwaiden. Bittet um Unterstützung in seinem Rec/itsstreit mit Bar- tholome Rem. Nachrichten vom nordfranzösisdien Kriegsschauplatze und vom Kaiser. Nachsdirtft: Umtriebe der Verwandten Rems und dessen Entweichen aus der Wormser Haft. Augsburg. StA: Peutinger. Ursdir. Jesus Maria. Anno 21 f adi 22. in ottober in Burckwalde. 3 Mein geflissen gutwillig dienst befor. Wissend, lieber her doctor, mir ist adi 21. ditto nachmittag ain brief von meister Marx Wylden, von Speyr ausgangen auf den 13. tag ottober, wol worden, ist zumall ain alten post. Schick ich uch hiemit die copei; darin vernemit, in was gehandlet ist worden bis auf 1 Peutinger ließ diesen Brief dural die Welser dem Nürnberger Kaufmann Jörg Bayer, der mit Lübedi in regelmäßigem Handelsverkehr stand, zur Weiterbeförderung übermitteln. Am 14. Nov. erfuhr er durdi ein Schreiben des Lübedier Rates vom 22. Okt., daß sein Beridit nodi nidit eingelaufen sei, worauf er ihn wiederholte (Entw. im StA Augsburg: Literalien). Unmittelbar nadi Absdiluß dieses zweiten Beridites erhielt er aber von Jörg Bayer die Mitteilung, daß diesem sein erstes Sdireiben an die Lübecker erst am 25. Okt. ausgehändigt und mit einem eigenen Boten weitergesdiickt worden sei. Peutinger spradi daraufhin Bayer in einem Briefe vom gleidien 14. Nov. seine Verwunderung über das verspätete Eintreffen seines ersten Beridites in Nürnberg aus und beschwerte sidi darüber, daß Bayer ihm den Sadiverhalt nicht sdion mit dem Lübecker Boten, der den Brief des Rates vom 22. Okt. nach Augsburg zu bringen hatte und vorher bei ihm in Nürnberg gewesen sei, mitgeteilt habe, wodurdi ihm viel Mühe erspart worden wäre (Augsburg, StA: Literalien. Entw.). 2 Über Ambrosius Hödisletter, den Träger eines der glänzendsten, sdiließlidi aber — infolge des furditbaren Zusammenbrudies seines Hauses i. J. 1529 — berüditigtsten Namen in der Augsburger Handelsgesdiidite, vgl. die Schilderung des Clemens Sender: ChDSt 23 S. 219ff. 3 In Burgwaiden (14 km. sw. von Augsburg) besaß Ambr. Hödistetter seit ungefähr 1506 ein Landgut (vgl. Sender a. a. O. S.225 Z.33; J. Rühfel i. d. Augsburger Rundschau 3 [1920J Nr.36ff.), wohin er im Sommer 1521 vor der in Augsburg herrschenden Pest (s. oben S. 351 Anm. 1) mit seiner ganzen Eamilie geflüchtet war: vgl. den Anfang von Nr. 219. König, Peutlngers Briefwechsel 23 354 Nr. 218. 1521 Oktober 22. denselben tag. 1 Darauf bit ich euch als mein heren und vötter, 2 ir weit hierauf, wenn es von noten were, meister Marx uren guten ratschlag auf dieselben handlung geben und den mein heissen lassen abschreiben und zu mein briefen binden, so ich hiemit auf Augspurg schick, mit befelch, das si denselben brief von stund an auf die post geben, doch verziehend damit auf uren beschaid. Also, lieber her, last uch der mie nit vertriessen und hierin helfen das böst ton; das will ich mit fleis verdienen. 3 So hab ich nix neus aus dem Niderland. Mein brief, so ich von hof hab, die seind auf den 9. tag ottober zu Brüssel ausgangen; seind auch alt genug; zeigen an, wie das hör durch Frankreich auf Dorneg -1 zu ziech, und der kaisser sei zu Bergen 6 in Hennegau und werd bald gen Brüssel komen. Damit alles, was uch lieb und dienst von mir ist. Seit Got dem heren befolchen. Dat. ut supra. Ambrosius Hochstetter. Die brief, so mein[en] heren, ain ersamer ratt geschriben hat den gmainen stetten Speyr und Wurems, 6 die werden woll zu spaten komen und wirt ain gut sach sein. Lieber her, mir ist auch in der stond ain brief von her Niclaus Ziegler worden, des datum stet zu Brüssel auf den 9. tag ottober. Der schreibt mir, wie das auf denselben tag der 1 nämlich in der Angelegenheit des Barth. Rem; vgl. oben S.332 Anm.6. Rem war, wie in der Nadischrift des Briefes erwähnt wird, am 9. Okt. ans der Wormser Haft entwidien, inzwischen aber — was Hödistetter jedodi noch nicht wissen konnte; er erwähnt es erst in Nr. 219 — in Speier von einem Wormser Beamten wieder festgenommen und nun zunädist dort gefangen gesetzt worden, bis er wieder nadi Worms zurückgeführt wurde. a Ambr. Hödistetter war der Sohn einer Schwester von Peutingers Vater; vgl. König S. 2 Anm. 4. " Im Augsburger StA (Peutinger) findet sidi ein von Peutinger eigenhändig geschriebener Entwurf zu einer Biitsdirift Höchstetters an den Kaiser, ihn und die Stadt Augsburg in ihren Rediten gegen B. Rem zu schützen und dessen fernere strenge Gefangenhaltung zu gebieten. 4 Doornik (Tournay), übrigens damals (bis 1526) noch niederländisch. 6 Mons. Hier hatte sidi Karl V. vom l.— ll. Okt. aufgehalten; M. Gadiard, Coli, des voyages des souverains des Pays-Bas 2 (1874) S. 31. 6 Am 15. u. 16. Okt. hatte der Augsburger Rat die von Speier und Worms um Unterstützung gegen Rem ersucht (Entwürfe von Peutingers Hand im Augsburger StA: Peutinger). Nr. 219. 1521 November 3. 355 Schatzmeister, her Jacob Vyllinger, zu im komen und im gesagt, wie das im sein schwecher Filip Adler geschriben hab, das Bartolme Remen frundschaft soll auf den 10. tag ottober zu- samenkomen zu Lagingen, 1 als Conrat Meytting, Kristof Herwart, 2 Wilhelm Rem, Endres Rem, sein bruder Hans Rem 3 und der Hans Rem, Bartolme bruder, und sollend sich ainer antwurt entschliessen, wie si die unserm heren kaisser geben sollend. Nu migen ir abnemen, wamit der Adler und sein anhang umb- gatt. Der Hans Rem, Bartolme bruder, ist auf den 9. tag zu Wurems am morgen aus der stat geritten, sein bruder Bartolme auf denselben tag umb elf uren aus der gefenknus gangen und auch aus der stat komen; und si solten zu Lagingen auf den 10. tag ottober die frund mit ainander rat halten. Wiewol reimpt sich, das es ist firwar ain spetlichen sach vom Adler und Filiinger, ich mus auch beschechen lassen, bis zu seiner zeit. Sollichs hab ich uch dennocht in guter mainung nit wollen verhalten. 219. Von Ambrosius Höchstetter. 1521 November 3. Burgwaiden. Meldet, daß er und die Seinen von der Pest noch verschont sind, und übersendet die ihm zugekommenen Briefe mit Nachrichten vom Kaiserhofe, über den Krieg gegen Frankreich, über die Weiterentwicklung der Angelegenheit des Bart. Rem und über den Türkenkrieg in Ungarn. Augsburg, StA: Peutinger. Urschr. — Adr.: Dem wirdigen, hochgelerten herren Conrat Peutinger, beder rechten doctor, meinem lieben herren und votier zu banden. t- Jesus Maria. Anno 21 adi 3. in nofember in Burckwalden umb 3 uren. Wirdiger hochgelerter lieber her doctor, mein geflissen gutwillig dienst ist Ur Wirde altzeit berait. Gunstiger lieber her, wenn es uch und uer lieben hausfrau wol geng, wer mir ain fred zu hören. Wist mich und all mein folch hie zu Burckwalde 1 Lauingen. 2 Vgl. aber ihn Roth 1 S.103Anm.9. 3 Vettern des Barth. Rem. Wilh. Rem, der Verfasser einer Augsburger Chronik (ChDSt 25. Bd.), war ein persönlidier Feind Peutingers, wie seine in der Chronik gegen den Stadtsdireiber erhobenen Anschuldigungen (a. a. 0. S.41 f., 115 und 156) zeigen. 23* 356 Nr. 219. 1521 November 3. all in redlicher gesuntheit, Got hab lob. So stat es noch umb mich auf ain meil ring herumb fast woll sterbat halben. Got well, das langer wirig sei. 1 Lieber her doctor, mir seind gestert und forgestert brief von hof und von Wurems komen, die frisch seind. In den briefen von hof hapt ir hiemit die copei, 2 was si mir von nuen meren schreibend, darin ir allen bescheid findend, was bis auf denselben tag fir äugen ist gewessen kriegslef halben. Weiter so hapt ir hiemit ein register, darin ir in fint allen mandat, was die kai. G. hat lassen ausgen von des Remen wegen: Erstmals ain copei (gedenk, stat auch in dem register); den truck hat S. G. geweit, das man si in ganzen Reich sol lassen aufschlagen. So seind darnach die mer hinab komen, wie das B. Rem wider gefangen sei worden zu Speyr. Auf dasselb wider andern mandat ausgangen seind, wie ir dan in den geschritten hiemit befint.» Weiter so fint ir hierbei ein copei, wie meister Marx die handlung zu Speyr und Wurems gehept hat und wie der B. Rem wider gen Wurems gefiert ist worden und in was gestalt er da gefangen leit, fint ir als lauter und clar. Was dan weiter darmit firgenomen wirt und mir zukompt, das wirt ich uch unverhalten nit lassen. So ist im wider ain rechttag gesetzt auf mitwuchen nach Allerheiligentag, ist auf 6. nofember, wie ir dan in der copei des briefs von Wurems clarlich fint. Mag man mitterweil hören, wie es ergat. Ich gedenk, die von Wurems werden kurz end darin machen. Aber in Niderland am hof hert man nit änderst dan fir die frundschaft des Remen, so die nechsten zeit dem B. erwerben haltend ein verlengerung des rechttags und sich deshalben fir B. erbotten haltend, das sei alles auf bieberei beschechen; als ich auch des acht, es sei not, es solt ein erbar rat billich dem Hansen Remen danken seiner guten dienst, so er zu Wurems ainem erberen rat und gemainer stat bewissen hat. Darbei las 1 Vgl. S. 353 Anm. 3. » Von den Beilagen des Briefes ist nur die in der folgenden Anm. erwähnte erhalten. 3 Unter den Peutingerpapieren im Augsburger StA findet sidi die Ab- sdirift eines Mandates Karls V. an Worms (Valenciennes, d. 16. Okt. 1521), in dem der Kaiser sidt über das Entkommenlassen des B. Rem aus der Haft beschwert und seine künftige strenge Bewachung anordnet. Nr. 219. 1521 November 3. 357 ichs. Aber wie wir weich in unsern Sachen seind, also gat es uns. Firwar, wen ich durch meinen heren und frund, so ich am kaiserlichen hof hab, nit also grossen fleis mit der Sachen det, ich weis nit, wie der handel etwan hinausgan mecht. Aber firwar, ich hab gross :i sorg und engsten darauf, darmit ich mich des buben und seinis an erwör. 1 So hapt ir hiermit ein copei, wie und was der Derick in Ungarn 2 —» hat; ist mir adi frisch zukomen; gat bösser, schreibt her Hans von — bürg. Ain finften , hie eben inlend , hat mir ain gut frund aus dem — zugesant. Ich hab brief von Offen aus der stat d. 12. ottober, schreibt — denk ich fast, die manung ist schwer. Also, lieber her, ich bit uch, w, das er si all adi lessen mag, und last uch der mie nit vertriessen; und wen ir nu die geschritten all genugsam urs willens gebraucht hapt, so bint si zusamen und gebtz mein leiten in die Schreibstuben wider, darmit sie mirs wider zuschicken, den ich nit copei behalten hab. Darmit alles, was uch lieb und dienst von mir ist. Seit Got dem heren befolchen. Sagt urer lieben hausfrau von mir, meiner hausfrau, dochterman 4 und dochter fill gut und fruntlich grüß. Ambrosius Hochsteter. B Diese und die folgenden Lücken sind durch Beschädigung des Briefes am unteren rediten Rande verursacht. 1 B. Rem wurde auf einen am 2. April 1522 ergangenen kaiserl. Befehl (vgl. Die Reidisregisterbüdier K. Karls V., herausg. vom k. u. k. Haus-, Hof- und Staatsardüv, Liefg. 1 [1913] Nr. 2596) hin von Worms nadi Augsburg überführt und dort bis zu seinem 1525 erfolgten Tode in Haft gehalten, da es zwisdien ihm und den Hödistettern zu keiner Einigung kam; vgl. ChDSt23 S. 148 f. 2 Soliman II. hatte am 28. Aug. 1521 Belgrad erobert und bedrohte seitdem audi das innere Ungarn und seine deutsdien Nadibarländer; Ofen schien damals sdion sdiwer gefährdet. 3 Ulrich Rehlinger; vgl. über ihn Roth 1 S. 88. Ambr. Höchstetter war seit 1493 mit seiner Sdiwesler Anna verheiratet. * Hans Franz Paumgartner, ein Neffe Hans Paumgartners d. Ae., war seit 1519 mit Ottilie Hödistelter vermählt; er wurde durah seine Versdiwen- dung mitsdiuldig am späteren Sturze seines Sdiwiegervaters; vgl. ChDSt 23 S. 221. 358 Nr. 220. 1521 Dezember 9. 220. An Erasmus. 1521 Dezember 9. Augsburg. Beglückwünscht ihn und Oberdeutschland zu seiner Rückkehr nach Basel. Erinnert sich beim Lesen seiner Schriften immer wieder lebhaft an die mit ihm und Morus in Brügge geführten Gespräche. Margarete Peutinger als kritische Leserin der von Erasmus verfaßten lateiniscfien Übersetzung des Neuen Testamentes. Breslau, StB: Cod. Rehdigeranus 254 fol.330. Ursdir. — /4rfr.:ando et maximae eruditiro d Desiderio Erasmo mo elc, domino et praeceptori observandissimo. Basileae. Gedruckt: 1. Briefe an D. Erasmus von Rotterdam. Herausg. von L. K. Enthoven. 1906. Nr. 7 f. S. 9ff. — 2. Opus epistolarum Des. Erasmi Roterodaml ed. P. S. Allen, Nr. 1247, Tom. 4 (1922) S. 607ff. D. Desiderio Erasmo Roterodamo etc. Chuonradus Peutinger Augustanus sanitatem et feli- citatem veram optat. Tuae Dig ü pro reditu suo in Basileam 1 gratulor; gratulor eciam Germaniae superiori, quod te quidem, ut omnino nobis sperandum est firmiter, non nisi fructu maximo [te] denuo ex- coeperit. Ita enim tuae optimae consuetudinis clarissimum decus accedit, ut non nisi studiosis et bonis omnibus prodesse velis, et eo eciam magis pro tua singulari prudencia, virtute et rerum cognitione exactissima prae caeteris magis splendescere, quanto pro tua singulari humanitate et benevolencia unumquemque com- plecti soles. Cuius rei et ego superiori anno Brugis experimen- tum iucundissimum habui. Non enim tuorum et omnis virtutis laude insignis et clarissimi Thomae Mori Britanni sermonum cum dulcium tum probatarum sentenciarum 2 oblitus sum, adeo ut me eciam absentem, cum Hieronymum presbyterum, policiori tua eruditione restitutum, 8 et caetera eruditissima opera tua perlega- 1 Erasmus halte im Herbst 1521 seinen Wohnsitz von Löwen nadi Basel verlegt. 2 Über Peutingers Zusammentreffen mit Erasmus und Morus Ende Juli 1520 am Hoflager Karls V. in Brügge vgl. oben S.325 Anm. 1. * Die von Erasmus veranstaltete Gesamtausgabe der Werke des hl. Hieronymus war 1516—18 in 9 Bänden bei Joh. Eroben in Basel er- sdüenen. Nr. 220. 1521 Dezember 9. 359 mus, quorum mira lectionis consuetudine, si quando a negociis forensibus vacare licet, uti soleo, imaginaria quadam fictione te docentem et videre et audire puto. Ecce quid heri actum: Erat haec dies dominica Adventus Salvatoris nostri secunda. Ocio laxatus nomismatis nostris et Historiae augustalis Cornelii Taciti» lectione me oblectabar. Sedebat prope, ab alia tarnen tabula, coniunx nostra Margarita. Haec tuas Novi Testamenti interpretationes Latinas 2 simul et eiusdem tra- lationem Germanam, vetustam admodum nee plane eruditam, in manibus habebat. Mox me ab oblectamentis Ulis revoeavit in- quiens: „Lego Mathaeum capite 20.et perspicio Erasmum nostrum Mathaeo quiequam superaddidisse." Respondi: „Et quid?" lila denuo: „At ille quae nee in Germana lingua habentur refert." Mox Evangelium Mathaei, quod idem Hieronymus commentatus, ad manum erat, ubi eciam verba illa „Et baptismo, quo baptisor, baptisabimini" non reperiebantur. 8 Ad tuas Annotaciones coge- bar; e quibus quam primum a te edocti ultra Marcum 4 verba haec eciam in Mathaeo ab Origene et Chrisostomo atque Vulgario referri. 6 Tum ipsa voluit, ut Origenes XII. et Chrisostomus LXVI. omilia super Mathaeum legeretur, ex quibus plane quae e Graeco restitueris cognovimus. fi Tibi spero non iniueundum fore te, praeeeptorem amplissimum, non solum me, sed et coniugem in dies docere. Urbs nostra, quae etsi peste aliquantisper grassata fuit, se nunc habet melius; 7 nam nive albescente et pruina perusta, gelu 1 Die Annalen des Tacitus. a Des Erasmus lateinisdie Übersetzung des N. T. erschien zuerst 1516 zusammen mit seiner Erstausgabe des griedusdien Textes, dann 1518 auch gesondert, nur mit den „Annotationes"; beides bei Jon. Frohen in Basel. Peutinger benützte die Sonderausgabe: vgl. unten Anm.5 n. S.360 Anm.l. » Matth. 20, 23. 4 Marc. 10, 39. 1 In der Ausgabe des lateinisdien N. T. und der „Annotationes" von 1518. Der Name des Vulgarius ist Zusatz dieser Ausgabe; in der Erstausgabe der Annotationes findet er sidi nodi nicht. Unter „ Vulgarius" (~ Bul- garitis) ist der byzantinisdie Kirdiensdiriftsteller Theophylaktos, Erzbischof von Adirida seit etwa 1078, zu verstehen, der Kommentare zu zahlreidien Büchern der Hl. Sdirift verfaßt hat. Die hier einsddägige Stelle seines Matth.- Kommentars steht bei Migne PG 123 Sp. 363 A. « Vgl. Migne PG 13 Sp. 1381 f. und 58 Sp. 619 f. ' Vgl. oben S.351 Anm.l. 360 Nr. 221. 1521 oder 22. atque glacie rigente terra vetus coeli clemencia reducitur. Aedes tarnen nostrae hactenus salvae permanserunt. Utinam commoditas se ita offerret, ut et in patria nostra Dig tem Tuam denuo coram invisere possemus. Schedulam, quam inclusi, uxor manu sua scripsit. Rogo te^ quae modo formis excudenda putaveris, me cerciorem redde. Digtas T ua bene valeat, quam uxor in Christo salutat. Ex Augusta Vindelicorum 5. idus decembris anno salutis 1521. Zettel der Margarete Peutinger: „Potestis bibere poculum quod^go bibiturus sum, et baptis- mate, quo baptizor, baptizari?" Dicunt ei: „Possumus." Aitillis: „Calicem quidem meum bibetis et baptismate, quo ego baptizor, baptizabimini, sedere autem" etc. „Mögend ir trinken den Kelch, den ich wird trinken, und mit dem tauf, darin ich getauft, ir getauft werden?" Si sprachen: „Wir mögen." Und er sprach zu in: „Vom- 1 meinen kelch werden ir trinken und mit dem tauf, darin ich getauft, ir getauft werden, aber zu sitzen" etc. 2 Comunis interpretacio Germanica hoc solum habet: „Mögend ir trinken den kelch, den ich wird trinken?" Si sprachen: „Wir mögen." Und der herr sprach: „Ja, mein kelch werden ir trinken" etc. Hie de baptismate nihil. Margarita Peutingerin Augustana. 221. Von Andreas Althamer. 3 (1521 oder 22.y Überreicht das Manuskript einer Landeskunde des alten Germanien mit der Bitte um Prüfung und Veröffentlichung. a Allen: Wan. 1 Die Erstausgabe der Erasmisdien Übersetzung des N. T. las hier: calicem, quem. 2 Matth. 20, 22f. 8 Über den Humanisten und lutherischen Theologen Andreas Althamer vgl. Th. Kolde, Andr. Althamer, der Humanist und Reformator in Branden- burg-Ansbadi (1895): Joadiimsen S. 146ff. Der aus Brenz in Württbg. Gebürtige war bei einem Oheim in Augsburg aufgewadisen und von Joh. Mader (Foeniseca), einem Mitgliede der Sodalitas lileraria Augustana (s. oben Nr. 36) und Freunde Peutingers, unterrichtet worden. 4 Das Datum ergibt sidi aus der Erwähnung der Drucklegung von Alt- hamers erstem Entwurf eines Tacituskommentars (.Stromata in C. Tacitutn Nr. 222. 1522 Februar 4. 361 Wolfenbüttel, LB: Hs. 17. 32 Aug. 4<> (Heinemann Nr. 3128) fol. 270' f. Absdir. Gedruckt:J.A.Ballenstedt,AndreaeAlthamerivita.Wolfenbutelael740.S.43. Chonrado Peuttingero musarum antistiti. Plerique magnis muneribus heroas sibi devinciunt, litterarum Studiosi claris monumentis editis doctos sibi devinciunt. Mihi nudo nullae Croesi sunt opes, non Ciceronis eloquentia aut Nestoris facundia, sed tenues sunt in corpore vires curtaque supellex. 1 Cogitanti dudum, quo pacto tuam mihi consuetudinem captarem, nihil video, quo eandem ambirem munere. Tandem visum est, has Miscellas de Germanorum rebus tibi destinare utpote homini vere Germano et de Germanis optime merito, qui multo sudore studueris, Germaniam magnam pristinae luci restituere eiusque antiquitates omnibus modis in hominum ora statuere. Unde mul- tum tibi debemus Germani, hoc est veri patriae amatores. Ego vero, quum ad eamdem rem plus aliis sim pronus et captandis amicis studiosior, volui hoc, quicquid est, tuo nomini dicare. Exposui populos, flumina, rivos, Silvas, urbes, pagos Germaniae, multoties coniecturam secutus. Tu belle enim nosti, quantum Germania sit mutata a vetustate sua et prima origine, pleraque uberius explicabimus in nostris Stromatis in C.Tacitum de Germania, quae iam antea excusimus. 2 Tu igitur haec utcunque con- suta Germanis etiam comunicabis, si iudicio tuo examinata fuerint. s 222. An Bürgermeister und Rat 1522 Februar 4. von Nördlingen (Augsburg.} Begleitschreiben zu einem Rechtsgutaditen: Ersucht, ihm in künftigen Fällen zur Abfassung seiner Ratschläge mehr Zeit zu lassen. Nördlingen, StA: Missiven 1522. Reinsdir. von Sdireiberhand, Untersdir. eigenh. de Germania'), die 1521 begonnen hatte, dann aber abgebrodien worden ist; vgl. Joadiimsen S. 147. ' Vgl. Persius, Sat. 4, 52. 2 Vgl. S. 360 Anm. 4. 8 Peutinger hat die Bitte um Veröffentlichung des Manuskriptes nicht erfüllt. Es sdieint als selbständiges Werk nicht erhallen zu sein, sondern ist vermutlidi später von Althamer in die geographischen Abschnitte seines umgearbeiteten Tacituskommentars (Nürnberg 1529 und 1536) aufgenommen worden. 362 Nr. 223. 1522 Februar 17. Fursichtigen, ersamen und weisen etc. E. Ft. schreiben und darin ain kurze underricht, mir bei disem botten zukomen, 1 hab ich irs inhalts vernornen, darauf mein bewegnus und gutbedunken in der eil gestelt, wie E. Ft. ab eingeschlossen Schriften zu verneinen haben. Der pot ist am sontag 2 spat herkomen. So hat man am montag und auf datum alhie rat gehalten, bin auch dieselb zeit mit andern sachen beladen gewesen. Hierauf in dem halben tag an gestern kaum in vier stunden tags zeit gehabt, sonder die nacht ob eur sach verzert hab. So ist es auch weder für euch noch für mich, das ich bei dem poten, so mir von euch meinen herren zugeschickt wirt, mein gutbedunken und ratschleg eilends verfassen und euch die zuschicken solle, sonder etwan mer zeit nach gelegenheit E. Ft. notturft und mein selbs sachen darzu erfordert. Ist darauf mein dienstlich bethe, so sachen, euch betreffend, vor äugen sein und E. Ft. darin meiner gutbedunken und ratschleg begern, mir die zeitlich zu schicken und nit alwegen bei dem botten, so mir solh schritten zubringt, aus E. Ft. eraischen und meiner gelegenhait meiner antwurt begern, sonder mir ain zimblich und gepurend zeit zu geben. Dan ich je E. Ft., als ferr mein verstand und vermögen raichen, mit gutem fleis gern dienen wolt etc. Dat. auf aftermontag nach Purificationis Mariae anno etc. 22. Chonrat Peutinger, beder recht doctor etc. 223. An die Bürgermeister 1522 Februar 17. von Augsburg. (JJlmy Die Hunde des Ulrich Arzt haben ihm die Episteln Pauli und die vom Ratsboten zur Kenntnisnahme überbrachten Schreiben teilweise beschädigt. Hält die bevorstehende Besetzung der 1 Es handelt sidi um ein Schreiben vom 31. Jan. 1522, in dem Peutinger um seinen Rat in zwei Rechtsfragen ersudit wird: Nördlingen StA, Missiv- biidier 1522 fol. Wvff.; Absdir. * 2. Febr. ' Der Ort ergibt sich aus der Aufsdirift des Briefes. Peutinger war damals mit Christoph Herwart Vertreter Augsburgs auf einer in Ulm versammelten Tagung des Schwäbischen Bundes; vgl. Augsburg, StA: Baumeister- budi 1522 fol. 47. Berichte der beiden Gesandten vom 5. und 6. März ebd., Literalien. Nr. 223. 1522 Februar 17. __________________363 Predigerstelle des Augsburger Franziskanerklosters mit Thomas Murner für nidit wünschenswert; der Rat soll sich bemühen, einen andern Prediger zu bekommen und die sofortige Abreise des jetzigen fordern. Augsburg. StA: Literalien. Urscfir. — Adr.: Herren Georgen Vetter und herren Hieronymo Inihof, beden burgermeistern zu Augspurg, unseren lieben herren. — Spätere Aufschrift von Peutingers Hand: Ab dem pundstag von Ulm anno 22 auf 17. tag febr. Provinzial von Straspurg. Gepietenden herren burgermeister, Paulin, pot, ist auf datum herkomenund hat mit im etlich brief, inainem papir eingeschlagen, [mit im] gebracht, mit dem anzaigen, ich soll die brieve besöhen. Auf das hab ich dieselben brieve, so mit ainem papir mit ainem schlechten faden umbunden gewesen sein, besichtiget, wie ir, mein herren, die hiebei finden, und dweil ich zum disch gefordert, die brieve auf meins herren hauptmans 1 disch neben anderem ligen lassen. Haben sein hunde mir ain buch, sant Pauls epistel, am ort ernagen, der Pymell 2 und ir verwandten copien, so ich zu mein handen gebracht, erkist und des provincials • brieve zum teil auch beschediget. Die selben brieve vom provincial sambt dem papir, dorin gelegen, schick ich euch, mein herren, hiemit zu, furter wissen zu handeln, wie sich gepurt. Paulin, pot, sagt mir, der provinciall schick doctor Murner zu ainem prediger zu den parfuessern zu Augspurg. Sorg, wir sein fursöhen, wie vor. 4 1 Ulrich Arzt, Stadt. Hauptmann des Sdiwäb. Bundes. 2 Die Bimmel waren eine aus der Weberzunft hervorgegangene Augsburger Kaufmannsfamilie; vgl. Strieder S. 146ff. ' Der Straßburger Franziskanerprovinzial Dr. Georg Hofmann: vgl. über ihn K Eubel. Gesell, d. oberdeutsdien (Straßburger) Minoritenprovinz (1886) S. 167. * Lesemeister im Augsburger Franziskanerkloster war damals Blasius Kern, dessen Abberufung der Rat vom Provinzial verlangt hatte, weil seine allzu entsdüeden katholischen Predigten die Ruhe in der sdwn überwiegend neugläubigen Bevölkerung zu gefährden drohten. Wenn Peutinger in dem temperamentvollen Polemiker Murner keinen geeigneten Ersatz erblickte, so war das immerhin audi sadüidi begründet: außerdem stand er aber zu ihm als dem Gegner seiner Freunde Wimpfeling und Zasius offenbar in keinem guten persönlidien Verhältnis (vgl. Th. v. Liebenau, Der Franziskaner Dr. Thomas Murner [1913] S.32 u. 123f.) und sdieint, als Murner Pfingsten 1522 dodi die Augsburger Stelle erhielt, seinen Einfluß dafür eingesetzt zu haben, daß jener die Stadt bald wieder verlassen mußte. Vgl. Roth 1 S. 156; v. Liebenau S. 185. 364 M-. 224. 1522 Februar 23. Aber meine herren mögen sich mitler zeit bedenken, ob der alt lesmeister von Reytlingen oder ain ander gen Augspurg taugen- licher auf nachstkunftig capitel gefurdert wurde. Acht, als vill möglich ist, am provinciall kain mangel erscheinen soll. Peutinger. Es folgt eine von Herwart und Peutinger gemeinsam unterzeichnete 1. Nachschrift über Angelegenheiten des Bundestages mit dem Datumsvermerk auf donerstag nach Estomihi anno 22 und endlich folgende 2. Nachschrift Peutingers: Die brieve, was der in das barfuesserkloster gehören, der trei sein, in ainander geschlossen, die wollen durch die zwen pfleger gedachts gotzhaus antwurten lassen und dem gardian ansagen, ains erberen rats begeren sei, das der alt lesmeister stracks weg ziehe und nit mer zu Augspurg beleih etc. 224. Von Veit Bild. 1522 Februar 23. Augsburg. Widmungsbrief zur geplanten Ausgabe eines auf Grund neuer Breitenberechnungen für Augsburg und Umgebung verfaßten Kalenders. Augsburg, OA: Hs. 81 II fol.213r. Absdir. Bilds. Gedruckt: Braun 4 S. 176f. Clarissimo utriusque iuris professori D. Conrado Peutingero F.Vitus Bild salutem optat perpetuam. Mirabar saepenumero Augustam primo veniens, vir cele- berrime, quur regiae huius civitatis certa latitudo a tot insignibus eius viris antehac inquisita fuerit a minime. Fabricandis namque operam impendere cupiens instrumentis diversis de eius latitudine prohibebar opinionibus. Alii enim (puto exteri) quadraginta sex graduum suis annotabant calendariis, alii 47, nonnulli 48, in Tantum (incuria forsitan chalcographorum) variantes, ut etunius triplex authoris codiculis latitudo adscriberetur. Quae diversitas in non- nullos totum negotium annos distulit. Ignorata nanque vera loci alicuius polari elevatione quid aliud quam errores erroneaque fabricantur instrumenta? Hortatus igitur desuper a nonnullis (imo a fuerint Hs. Nr. 225. 1522 September 30. 365 complurium importunitate amicorum yictus) laborem subii, ea quam diligentissime calculando, quae Augustanae (nee solum, sed et utrinque viciniori) deserviunt latitudini adiectis consulto annotationibus, quibus et aliarum multarum civitatum novae tabellae dictu facilius formari poterint. Placuit quoque et aliorum insignium virorum monumenta huic inserere calendario, praeeipue Clypeum egregii viri Andreae Stiborii, 1 divo quondam caesari Maximiliano dedicatum, quo praeter Astrolabii contenta plurima scitu dignissima (ut et eorum canones plenius a ostendunt) offen- des. Tibi igitur, singulari omnium literatorum patrono, filiisque tuis paternos prae se ferentibus mores has meos (etsi paueulos) adscribere labores volui beneficiorum non semel in me colla- torum haud immemor, quo mentem meam erga te tuosque per- noscas integerrimam, humiliter exorando, ut errata (sicut scis et potes) corrigas ac quaeque minus vel polite seu utiliter posita obliteres, rescindas exurasque, tibi ut placuerit. Tuae namque aliorumque christiana charitate praeditorum discretioni singula humillime subiicio emendanda. 2 Vale cum tuis in Christo et me, ut dudum coepisti, amore prosequere. Ex gurgustiolo meo Benedictino Augustae divum apud Hulderichum 7. kal. martias anno saeculi currentis 22. 225. Von Michael Hummelberg. 1522 September 30. {Ravensburg.} Hat Peutlngers Sohn Claudius Plus auf seinen Brief geantwortet. Regt die Herausgabe des Traktates ,,De translatione a plenius übergesdirieben über clarius. 1 Über Andreas Stiborius (Stoeberl), das Haupt der zweiten Wiener Mathematikersdiule, vgl. G. Baudi, Die Reception des Humanismus in Wien (1903) S. 126 ff. 2 Bilds Wunsch, die Ergebnisse seiner astronomisdien Beredmungen über Augsburg und Umgegend in Gestalt eines gedruckten Kalenders allgemein verbreitet zu sehen, ging diesmal ebensowenig in Erfüllung wie i. J. 1515, als er sich dieserhalb zum ersten Male an Peutinger gewandt hatte (vgl. oben Nr. 166). Sein „ Calendarium novum ad Augustanam Vindelicorum ac propinquiores utrinque latitudines quam peraecuratissime calculatum", das in der Hs. unmittelbar auf den Widmungsbrief folgt (bis fol. 215? reichend), schließt zwar mit dem Drudivermerk: Excudebatur opusculum hoc officina 366 Nr. 225. 1522 September 30. imperii" von Marsüius von Padua an. Beatus Rhenanus hat sich vergeblich bemüht, Erasmus während seines Aufenthaltes in Konstanz zu einem Besuche Augsburgs zu überreden. München, StsB: Cod. Lat. 4007 fol. 140 v f. Abschr. Gedruckt: Lotter-Veith S.198f. Michael Humelbergius Chuonrado Peutingero Augustano S. S. Si quid in te contulimus officii, satis nobis gratiarum relatum est, ubi illud candido et sincero animo susceperis. Non enim quod voluimus debuimusve, sed quod pro tenuitate nostra potui- mus, fecimus et id lubentissimo animo. Maiora sunt erga nos beneficia tua, quam ut ex aequo a nobis referri queant. Sed omnia apud bonos viros reconpensat prona voluntas. Claudio tuo rescripsi et paucis laudavi adulescentis ingenium, ut ad optima quaeque extimularem. 1 Laus enim excitat et gloria iuvat bonae indolis adulescentes. Pro aetatula sua satis et eleganter et erudite scribit et spem de se praebet maximam, quod in magnum crescat virum et sese nusquam et unquam sit neglecturus. Vellem te Marsilium Patavinum De imperii translatione, cuius libri in Pacis Defensore idem meminit, impressoribus demandare excudendum aut Basileam misso libro id muneris Hermanno Buschio commendare, qui Pacis Defensorem prologo adornatum a plerisque Omnibus invulgasse fertur. a Quod vero hortaris, ut Erasmum tuo nomine Augustam inet expensis clarissimi viri D. Sigismundi Grimma medicinae doctoris anno post Christi nativitatem 1522, ist aber tatsädilidi ungedruckt geblieben. Sigm. Grimm sandte ihm das eingereichte Manuskript im Dez. 1522 wieder zurück, weil andere wichtigere Arbeiten seine Druckerei vollauf beschäftigten: Sdiröder S. 183. 1 Hummelbergs Brief an Claudius Pias Pcutinger vom 24. Sept. 1522 ist nach Ctm 4007 fol. 140r gedruckt bei Lotter-Veith S. 197f. — Der noch nicht Dreizehnjährige (vgl. oben Nr. 67 am Ende) besaß damals bereits die Anwartsdtaft auf zwei kirchlidie Pfründen (am Kollegiatstift von St. Andreas in Freising und an der Reichsabtei Kempten), die ihm der Kaiser kraft des Rechtes der primae preces am 11. Jan. und 21. März 1522 verschafft hatte: Reichsregisterbücher K. Karls V. Liefg. 1 Nr. 1904 u. 2477. Sein Vater hatte diese Gunst während des Wormser Reidistages erlangt, was ihm von dem Chronisten Wilh. Rem im Hinblick auf seine Beteiligung an den Verhandlungen mit Luther den Vorwurf der Käuflidikeit eingetragen hat: ChDSt 25 S. 156. * Peutinger hatte die Sdirift .De translatione imperii" in einer Tegern- seer Hs. (heute Clm 18100 fol. 126—29) entdedtt und sie ohne Kenntnis Nr. 226. 1522 November 10. 367 vitem, non tarn diligenti opera quam lubenti animo facerem, nisi iam Basileiam 10. kal. octobr. redivisset. Aderat assiduus huius itineris comes Beatus noster Rhenanus. Is, dum Constantiae essent, l omnem operam impendit, ut Erasmum ad videndam Augustam pelliceret, sed nihil effecit. Laborat lithiasi Erasmus et iam Con- stantiam venisse nonnihil ob morbi molestiam dolebat nihilque adeo ut ad Basileam reditum meditabatur, ubi fumaria haberet sibi adcommodatissima. Nam hypocausta abhorret maxime, ipsis non assuetus. Dum ab episcopo nostro 2 invitatus esset ad pran- dium et fumarium in palatio non reperisset, molestissime tulit et paenituit, morem gessisse episcopo. Hospitem autem habuit pro animi sui sententia iucundissimum et liberalissimum D. Ioannem Botzhemum canonicum Constantiensem, studiosorum patronum, omnium horarum virum, cuius praecipue gratia Constantiam venerat. In istius aedibus pauci admodum familiarissime utebamur Erasmo, quibuscum vicissim etiam ipse unice delectabatur. Vale feliciter. Pridie kal. octobr. 1522. 226. An Bürgermeister und Rat 1522 November 10. von Nördlingen. Donauwörth. Übersendet, als Gesandter des Schwäbisdien Bundes auf der Reise zum kaiserlidien Statthalter Erzherzog Ferdinand ihres Verfassers, der in der Hs. nidit genannt ist, in einem seiner Gutaditen zur Königswahl von 1519 verwertet (vgl. König S. 78 und 148). Daß sie von Marsilius von Padua herrühre, erfuhr er erst, als i. J. 1522 s. I. (in Basel) die Editio princeps des .Defensor pacis" (Panzer 9 S. 131 Nr. 235) ersdüen, auf den in dem Traktat als auf ein Werk des gleidien Verfassers angespielt ist. Der Herausgeber der Erstausgabe des Defensor pacis, der sich unter dem Decknamen .Licentius Euangelus" verbirgt, ist bis heute nicht sicher festgestellt; vgl. A. Potthast, Bibl. hist. medii aevi l 1 S.768. Hummelbergs obige Mitteilung, daß allgemein der Humanist Herrn, v. d. Busche dafür gelte, verdient als Zeugnis eines über die Baseler Verhältnisse gut unterriditeten Zeitgenossen Beaditung. — Der Traktat .De translatione imperii" wurde erst 1555 durdi M. Flacius Illyricus und Wolfg. Weyssenburger in den „Anti- logia papae" erstmals gedruckt. 1 Über den Besudi des Erasmus bei dem Konstanzer Domherrn Johann von Botzheim vgl. K. Hartfelder, Der humanistische Freundeskreis des Desi- derius Erasmus in Konstanz, in: ZGO N. F. 8 (1893) S. 24 ff.; über Botzheim ebd. S. 5ff. Hummelberg war eigens von Ravensburg nach Konstanz gereist, um Erasmus persönlidi kennen zu lernen. * Hugo von Hohenlandenberg. 368 Nr. 227. 1522 November 14. nach Nürnberg begriffen, das beim Augsburger Rat erbetene, von Ihm verfaßte Verzeichnis der Augsburger Mänzmeister und Goldschmiede. Nördlingen, StA: Missiven 1522. Ursdu: — Adr.: Wie Nr. 215. Fursichtigen, ersamen und weisen etc. Als E. Ft. mein herren hievor irer munzmeister, goldschmid und kantenguesser halben geschriben, haben si mir bevolhen, der selben Sachen halben erfarung zu tun, dem ich willig erschinen. Der kantenguesser halben diser zeit nit sonders erfaren, aber von munzmeister und goldschmid ain verzaichnus begriffen; die mein herren hören lassen, und mir darauf von inen bevolhen worden ist, die E. Ft. zuzeschicken. Dweil ich von gmein stenden des punds auf nachst- gehaltem tag zu Nördlingen gen Nuremberg zu meinem gnadigesten herren erzherzog Ferdinando, stathalter etc., abgefertiget worden, 1 bin ich des willens gewesen, solch schritt E. Ft. selbs zu antwurten, das sich aber von wegen der reifer, so mich gen Nurmberg belaiten sollen, geendert hat. Darumb dis schritt, hierin verschlossen, E. Ft. hiemit zuschick, die si verlesen mögen und ob ainich mangel darin erschine, mir den anzaigen; will ich darauf bei denjenigen, so der sachen verstendig sein, allen möglichen fleis (doch wan ich wider anheim kome) ankoren, damit E. Ft. ferrer gut underricht darauf erlangen etc. Dat. in eil zu Werd auf sant Martins aubend anno 22. Ch. Peutinger, doctor. 227. An die Bürgermeister 1522 November 14. von Augsburg. {Nürnberg.} Ist tags zuvor von Erzherzog Ferdinand gehört worden, überläßt die Berichterstattung über den Reichstag Dr. Joh. Reh- linger. Nachrichten von Erfolgen gegen die Türken vor Rhodus und In Ungarn. 1 Auf den Nördtinger Tagungen des Sdiwäbisdien Bundes und der in ihm vereinigten Städte (Juni—Juli 1522) war Peutinger neben Konrad Herwart und dem Bundeshauptmann Ulridi Arzt Vertreter Augsburgs gewesen (Gemeinsame Berichte der Gesandten an den Rat vom 16., 17., 19., 20., 21., 24., 26., 28., 29. Juni und 1. und 2. Juli im StA Augsburg; Peutinger). Am 16. Sept. hatte der Bund Augsburg ersucht, Peutinger, als den, der ain Zugang und Nr. 228. 1522 November 17. 369 Augsburg, StA: Peutinger. Ursdir. — Adr.: Fursichtigen, ersamen, weisen herrenGeorgenndherrenHieronymorgermeistern/meinen gepietenn lieben herren. Augspurg. Fursichtigen, ersamen und weisen etc. Ich bin am freitag gestern gehört worden. Darauf erzherzog Ferdinandus ain bedacht genomen. 2 Nit wais ich, wan ich weiter erfordert wird. Ich will aber weiter handlung und antwurt verfolgen und allen möglichen fleis ankeren, damit ich abgefertiget werde. Des reichs- tags halben gedenk ich, doctor Rechlinger als der, so bei dem regiment ist, 3 die gelegenheit anzaigt hab, darumb ich diser zeit daran erwind; man tut noch gmach darzu, dweil allein Mentz von churfursten hie ist. Gestern ist dem erzherzogen ain post zukomen, das die Türken vor Rodis mit schänden und großem schaden abgezogen sein; 4 Got hab lob. So soll in Ungeren wider die Türken auch was guts gehandelt worden sein, aber ich hab des kain grund etc. Dat. auf 14. tag novembris anno 22. P. 228. An Bärgermeister und Rat 1522 November 17. von Nördlingen. Nürnberg. Hält den Zeitpunkt für die Abfertigung einer an den heute eröffneten Reichstag zu sendenden Ratsbotschaft für gekommen. Nördlingen, StA: Missiven 1522. Ursdir. — Adr.: Wie Nr. 215. vor andern handeln große geschicklichait hat, bei Erzherzog Ferdinand die Werbung des Bundes — sie betraf anscheinend die vom Bunde für die österreichischen Lande geforderte Türkenhilfe und das Verhalten gegenüber Franz von Sidtingen: vgl. Klüpfel 2 S. 227 und 233 — auf seine Kosten ausführen zu lassen; RTA.3 S.846 Anm. 3. 1 Georg Vetter und Hieronymus Imhof. 5 Vgl- S. 368 Anm. 1. 8 Dr. Joh. Rehlinger vertrat Augsburg seit 10. Okt. im Rate des Reichs- tegiments (RTA 3 Nr. 162 S. 818), außerdem, da Peutinger noch in der Angelegenheit des Schwäbischen Bundes beschäftigt und der eigentliche Vertreter der Stadt, sein Bruder Ulridi Rehlinger, einer der Bürgermeister des Jahres 1523, noch nicht eingetroffen war, auch auf dem am 17. Nov. eröffneten 2. Nürnberger Reichstage von 1522; RTA 3 Nr. 182 S. 848. * Die heldenmütige Verteidigung von Rhodus durch die Johanniter, die zwanzig Stürme der belagernden Türken abschlugen, konnte den schließlichen Fall der Festung — 21. Dez. 1522 — doch nicht verhindern. König, PeutingerS Briefwechsel 24 370 Nr. 229. 1522 November 19. Fursichtigen, ersamen und weisen etc. Als E. Ft. jetzo bei disem poten schriftlich an mich begert haben, E. Ft. zu berichten, wan mich für gut und not oder nit ansöhe, das si ir ratspot- schaft auf den reichstag alher verfertigen oder fueglichen under- lassen sollen: auf das ich E. Ft. zu erkennen gib, das ich nit von bemelten reichstag, sonder allein von gmains punds wegen, wie mich dan die stende gedachts punds auf nächst gehalten pundstag bei euch angesöhen und furgenomen worden, alher komen bin; 1 deshalben gedachten reichstags bisher wenig achtung genomen hab, 2 doch an heut gesöhen, das die stend des Reichs ain ampt vom heiligen Geist gehalten, des willens, den reichstag anzufahen, darzu dan mein herren von Augspurg auch schicken werden, 3 also das ich vermain, soferr E. Ft. disen tag durch ir erber ratspotschaft suchen wollen, das solhs nunmalen zeit were;* doch stelle ichs auf E. Ft. wollgefallen etc. Dat. Nurmberg auf 17. tag novembris anno 22. Peutinger. 229. An Bürgermeister und Rat 1522 November 19. von Augsburg. (Nürnberg.} Bericht vom Reichstage: Tür kenhilfe. Hat heute an Stelle Dr. Joh. Rehlingers die Stadt in der Versammlung vertreten, es jedoch abgelehnt, als Vertreter der schwäbischen Städte in den Ausschuß zu gehen, weil es ihm zu anstrengend ist. Die Ratsbotschaft möge bald kommen. Augsburg, StA: Peutinger. Ursdir. — Adr.: n fursichtigen, ersand weisen herren maistern und er stat Augspurg, gepietenden lieben herren. Gedruckt: RTA3 Nr. 180 S.846. 1 Vgl. S. 368 Anm. 1. * Vgl. Nr. 227. 8 nämlich Uli ich Rehlinger; er war am 26. Nov. noch nicht in Nürnberg: s. unten Nr. 230. * Der Nördlinger Rat hatte, wie früher in der Frage betr. des Wormser Anschlags (s. oben Nr. 215), so auch diesmal neben Peutinger Dr. Joh. Rehlinger um Rat gefragt, der am 16. Nov. antwortete, die Botschaft käme in 14 Tagen noch früh genug, dann aber am 25. Nov. zu ihrer baldigen Abfertigung riet (RTA 3 S. 866 Anm. 1), worauf die Stadt Dr. Paul Röttinger nach Nürnberg sandte (ebd. Nr. 195 S. 866). Nr. 230. 1522 November 26. 371 Stände und Regiment des Reichs haben heut die Gesandtschaften des Papstes, des Königs und der Krone von Ungarn und des Grafen von Kroatien, die alle Hilfe wider die Türken begehrten, angehört und darauf einen reichsständisclien Ausschuß gebildet. Und dweil doctor Rochlinger dem regiment auswart, hab ich E. Ft. vor gmainer versamblung vertretten. 1 Aber zum ausschus haben die von der Reinbank von stetten den von Straspurg 2 verordnet. Von der Schwebischen bank ist noch niemand hie dan Nurmberg; die haben an mich begert, ich solt von wegen der selben bank in ausschus geen, das ich abgeschlagen und solchs nit tun mögen; dan ich taglich in meinem handel umb bescheid, antwurt und abfertigung sollicitier. Braucht der burgberg alhie vill mue, bis ich zu fuß hinauf kome, lang oben wart, das ich zu dem ausschus nit komen kan. Also gat der Kreß' in ausschus. Ist von stenden des Reichs den gesanten von stetten, der wenig hie sein, angesagt, die anderen von stenden, so noch nit hie sein, zu erfordern, und auch die von stetten sollen bald hie erscheinen. Darumb so hat doctor Rochlinger und mich für gut angesöhen, das E. Ft. verordnet potschaft furderlich herkomen soll etc. Dat. am 19. tag novembris in der nacht anno 22. Peutinger. Geben dem poten sein trinkgelt. 230. An Bürgermeister und Rat 1522 (November}* 26. von Augsburg. (Nürnberg.} Bericht vom Reichstage: Augsburger Münze. Verkehr mit Konrad von Rot. Verhandlungen mit dem Nuntius Chieregati wegen der den Augsburgern nachgesagten Ketzereien. Augsburg, StA: Peutinger. Ursdir. — Adr.: Wie Nr. 229. Auszug: RTA 3 Nr. 214 S. 887. 1 Vgl. oben S. 369 Anm. 3. * Dr. Bernhard Wormser: RTA 3 S. 528. 8 Dr. Christoph Kreß, einer der Vertreter Nürnbergs: ebd. 529. * Im Datum fehlt die Monatsangabe. Da aber Peutinger am 28. Dez. 8 Uhr vormittags bereits wieder an einer Verhandlung in Augsburg beteiligt war (RTA Nr. 219 S.890), kann der Brief nur vom 26. Nov. sein. Die Datierung in den RTA (6. Dez.: s.den Nachtrag zu S.887 auf S.977) beruht 24* 372 Nr. 230. 1522 November 26. Berichtet über den Stand der Verhandlungen mit dem Grafen Eberhard von Königstein wegen der Augsburger Münzangelegenheit 1 und übersendet zwei von ihm und Dr. Rehlinger verfaßte Entwürfe für Briefe des Rates an den Grafen mit dem Ersuchen um Prüfung, allenfallsige Änderung und Abfertigung. Herrn Chonrat von Rot 2 halben wißt, das der wenig tag nach mir herkomen und sechs schwein mit im gebracht; dan der erzherzog hat mit den fursten ain gros banket gehalten. Bin auch vill bei dem von Rot zu hof gesessen; sein guter ding mit ainander gewesen . . . E. Ft. hab ich bisher, als vill ich meiner handlung halben zu hof gemogt, treulich verantwurt und vertretten. Will auch solchs bis auf ankunft meines herrn burgermeisters 8 tun; dan ich noch zur zeit nit bescheid hab, wan ich verreiten soll. Ferrer gib ich E. Ft. zu erkennen, das Lucas Rem, weilent Lucas* son, vor etlichen tagen zu mir komen und mir anzaigt, er hette an des babsts potschaft 5 herborg gehört, das die von Augspurg solten an Allerheiligentag allein ain meß und an Aller- selentag kain meß halten und offenlich predigen lassen, das kain fegfeur sein solt. Das ich doctor Rohlinger anzaigt, und sein bed ratig worden, des babst potschaft darumb durch mich anzusprechen und E. Ft. mit warheit deshalben zu verantwurten. Auf solchs bin ich erstlich zu meinem gnadigsten herren cardinal von Salczbirg 6 gangen, der dan mit der potschaft gut kundschaft hat, S. f. G. solch sach anzaigt und rat gesucht, was zu tun sei. Ist mir von S. f. G. auch anzaigt, si hette in der potschaft her- auf Mißverständnis des Ausdrucks vor dem garaus (nicht .vor Jahresende", sondern .vor dem Abendläuten"; denn .das garaus" heißt das Geläute, durch das in Städten wie Nürnberg, wo die sog. Große Uhr, die gesonderte Zählung der Tages- und Nachtstunden üblich war, der Untergang und Aufgang der Sonne verkündet wurde: s. E. Reiche, Gesch. d. Reichsstadt Nürnberg [1896] S. 562f.) und ist auch deshalb unmöglich, weil in diesem Falle das Schreiben des Augsburger Rates vom 24. {Nov.}, dessen tags vorher erfolgtes Eintreffen der Brief am Anfang meldet, nicht weniger als elf Tage unterwegs gewesen wäre! l Vgl. oben S.344 Anm.3. 2 Vgl. oben S. 67 Anm. 3. 3 Ulrich Rehlinger; vgl. oben S.369 Anm.3. 4 Verfasser des berühmten .Tagebuchs": vgl. Welser 2 S.28ff. 6 Francesco Chieregati, Bischof von Teramo; vgl. über ihn Pastor 4, 2 S. 88ff. « Matthäus Lang. Nr. 231. 1522 Dezember 9. 373 borg ain brieve gelesen, darin die von Augspurg hart antascht worden, und were auch ir rat, ich solt zu der potschaft geen. Das ich getan; mir erstlich bei ir, dweil er von Vicencz burtig und seins namens ich etlich schulgesellen zu Padoa» gehabt, der sein vater auch ainer gewesen ist, fast gut kundschaft gemacht, mich vill schritten von babst, neuen Zeitungen und Luters halben lassen hören. Nachvolgend zaigt ich ir an, wie mich anlangt, das mein Vaterland Augspurg bei ir angeben sein, .als solten si in mer weg unbillichs gehandelt haben und insonder wie obstat. Auf das si mir zu erkennen geben hat, die von Augspurg weren vor ir von glaubhaften leiten in schritt antascht worden, und wiewoll ich bei ir und dem von Salczbirg der selben leit namen zu wissen begert, ist mir doch solchs vieleicht von des pesten wegen abgeschlagen. Hab im aber gesagt, ich wer auf Allerheiligen- und selentag anheim gewesen, kain neuerung gehört noch gesöhen, wer auch bei allen ampteren und predig im dom- stift gewesen, daselbs mit singen und meßlesen alle brauch wie vor gesöhen, deshalben, die solchs anzaigt, den ungrundt fur- gehalten; hette auch nit wissen, das solch predigen vom fegfeur beschehen wer, sonder zu Augspurg were ain cristenlich, gehorsam und from volk, und ob gleich ainer oder mer und ainer grossen mengin liederlich gefunden, werde solchs zu Rom und etwan mer auch gesöhen und gehört, und er solt gmaine stat in gunstigen bevelh haben; ungezweifelt, so er gen Augspurg komen, werd solchs befinden. Ist er darauf woll zufrieden gewesen etc. Dat. auf 26. tag vor dem garaus anno 22. Peutinger. 231. An Bürgermeister und Rat 1522 Dezember 9. von Augsburg. (Nürnberg^ Bericht vom Reichstage: Angelegenheit der Großen Handels- gesellscliaften und Monopolien. Augsburg, StA: Peutinger. Ursdir. — Auszug: RTA 3 Nr. 200 S. 870. ... An heut ist mir in vertrauen gesagt, etlich gangen damit umb, das die geselschaften zwaimallhunderttausend fl. darleihen oder, wa nit, soll man si der monopolia halben rechtlich 1 Über Peutingers Studienzeit in Padua (1482—86) vgl. König S. 3ff. 374 Nr. 232. 1522 Dezember 22. Nr. 233. 1523 Januar 1. beclagen. In summa: von etlichen will den stetten hart zugeseczt werden. 1 Got wolle die sach zum pesten schicken. Dat. in grosser eil auf 9. decembris anno 22. 232. An Kurfürst Friedrich von Sachsen. 1522 Dez. 22. * Unterstätzt das Gesuch des Georg Vogel, Hofkammerbeamten weiland Kaiser Maximilians, ihm die vom Kaiser auf die Stadtsteuer von Nürnberg angewiesene lebenslängliche Pension von 100 Gulden auszahlen zu lassen. 3 Dat. auf 22. tag des monats decembris anno etc. 22. Weimar, Erneslin. Gesamtarchiv: Reg. E fol. 33 " Nr. 67, fol. 13. Reinsdir. von Schreibershand. 233. Von Kurfürst Friedrich von Sachsen. 1523 Jan. 1. Colditz. Bestätigt den Empfang des Schreibens in der Angelegenheit Georg Vogels (Nr. 232); hat diesem wieder schreiben lassen, wie Peutinger von ihm vernehmen wird. 4 ' Dat. zu Coldicz am 1. tage ianuarii anno domini 1523. Weimar, Ernestin. Gesamiardiiv: Reg. Efol. 33a Nr. 67, fol. 15. Entw. 1 Über die Frage der Großen Handelsgesellschaften und Monopolien auf dem 2. Nürnberger Reidistage von 1522 vgl. RTA 3 S. 554f., über Peutingers damalige Tätigkeit in dieser Frage: König S. 113f. 1 Ob Peutinger zur Zeit der Absendung dieses Schreibens noch in Nürnberg oder schon wieder in Augsburg war — sicher nachweisbar ist er hier am Vormittag des 28. Dez., vgl. RTA 3 Nr. 219 S. 890 —, läßt sidi nicht feststellen. 8 Die Anweisung Maximilians war am 12. Juni 1512 erfolgt; Kurf. Friedrich, dem schon früher 800 Gld. aus der gleichen Quelle verschrieben worden waren, hatte am 4. Juli 1513 sein Einverständnis erklärt (Weimar, Ernestin. Gesamtarch. Reg. E fol. 33 a Nr. 67). Auch unter Karl V. war Ende 1519 oder anfangs 1520 noch einmal eine Zahlungsanweisung über 100 Gld. an Nürnberg für G. Vogel ergangen (Reichsregisterbacher K. Karls V. 1 Nr. 6). Dann scheint der Kurfürst gegen die weitere Zahlung der Pension Einspruch erhoben zu haben unter Berufung darauf, daß ihm Maximilian und Karl die Nürnberger Stadtsteuer auf einige Jahre .ganz und gar" bewilligt hätten (vgl. Reichsregisterbücher 1 Nr. 2 und 1388 sowie die Anm. zu Nr. 235), worauf Vogel am 20. Dez. 1522 das von Peutinger — wie auch von Vogels Schwiegervater Ulrich Arzt — unterstützte Gesuch stellte (Weimar, Ernestin Gesamtarchiv a. a. O.). * Der Kurfürst schrieb am gleichen Tage an G. Vogel, die Nürnberger Steuer sei ihm von den Kaisern Maximilian und Karl auf mehrere Jahre Nr. 234. 1523 Ende Januar oder Anfang Februar. 375 234. An Veit Bild. 0523 Ende Januar oder Anfang Februar. Augsburg.} Rät, Joh. Schöner wegen des versprochenen Globus nochmals ernstlich zu mahnen. Leidet an Kopfschmerzen. 1. Augsburg, OA: Hs.81 III fol. 49. Absdir. — 2. München, StsB: Cod. Lat. 4392 fol.53^ (Absdtr. nach 1). Gedruckt: Lotter-Veith S. 212. S. Numbergae cum obtulerit Schonerius 1 globum, nee ad me de exolvenda peceunia verbum fecit, sed solum, quod ordinäres eum, qui aeeeptaret. Attamen consilii mei esset, ut ad eum tuas exhortatorias literas dares, quae in eum contuleris, admoneres simul, quod sponte promiserit. Si bonus est, fidem adservabit, sin lingua varius, saltem hominem, cui postea fidendum minus, cognosces. Dato ergo ad hunc litteras et serio plenas. 2 Interim vollständig verschrieben worden; er wolle aber das Gesuch seinen Räten in Nürnberg übersenden, von denen V. weiteren Bescheid erhalten werde. Vgl. auch Nr. 235. 1 Über den Mathematiker und Astronomen Joh. Schöner vgl. S. Günther, ADB32 (1891) S. 295ff. 2 Zum Verständnis des vorstehenden Briefes sei Folgendes bemerkt: Schöner hatte Bild, mit dem er i. J. 1518 in Augsburg bekannt geworden war (Schröder Nr. 139), als Gegengabe für verschiedene Geschenke einen der von ihm zuerst 1515 verfertigten Erdgloben versprochen. Peutinger hatte ihn offenbar während seines Nürnberger Aufenthalts (Nr. 227 — 31) in Bilds Auftrage an sein noch immer uneingelöstes Versprechen erinnert. Als der Benediktiner dann nach der Heimkehr des Stadtschreibers in dessen Hause .inter prandendum" die — übrigens irrige — Mitteilung erhielt, der ihm zugedachte Globus befinde sich in Pirckheimers Hause, bat er diesen am 22. Jan. 1523 um Zusendung des Globus durch den Überbringer des Briefes, und als er weiterhin hörte, Schöner habe für den Globus Bezahlung verlangt, richtete er am 29. Jan. ein zweites Schreiben an Pirckheimer, in dem er beteuerte, daß Schöner sich zur kostenlosen Überlassung verpflichtet habe (siehe die Briefe an Pirckheimer bei Braun 4 S. 182 f., die Daten berichtigt nach Schröder Nr. 237 f.). Um dieselbe Zeit hat Bild offenbar auch Peutinger gefragt, ob Schöner ihm gegenüber einen Preis gefordert habe, und darauf die obenstehende briefliche Antwort erhalten, die demnach Ende Jan. oder Anfang Febr., jedenfalls vor dem 19. Febr. geschrieben worden ist; denn an diesem Tage ließ Bild das ihm von Peutinger angeratene Mahnschreiben an Schöner abgehen (Schröder Nr. 148), das aber ebensowenig fruchtete wie Pirckheimers inzwischen unternommene persönliche Bemühungen bei dem Astronomen 376 Nr. 235. 1523 Februar 19. vale. Ego valetudine pedis adversa restitutus iam capitis dolore laboro. Ita misera hominum conditio. Tu dermo vale. Tuus Peutinger. 235. An Kurfürst Friedrich 1523 Februar 19. von Sachsen. Augsburg. Wiederholt auf Ansuchen seines Freundes Georg Vogel die Bitte, der Kurfürst wolle diesen auf sein voriges und jetziges Schreiben betreffs der 100 Gld. rh. von der Reichssteuer zu Nürnberg in genedigem bevelh haben. 1 Dat. Augspurg auf 19. tag februarii anno etc. 23. Weimar, Emesan. Gesamtarchiv: Reg. Efol. 33" Nr. 67,fol. 21. Reinschr. von Schreibershand. Auf einem beiliegenden Zettel: Gnedigster herre. Bei zehen tagen ist mir ein copi, diser eingeschlossen schritt 2 gleichlautende, von Antwerpen zukomen, und dieweil herr Georig Spalatin auch darin bestimbt, schick ich die hiemit, ob E. churf. G. von den erdpidem nechst ver- schinen jars nit bericht heten; den daraus zu vernemen, wie dann die amptleut des kunigs von Portugall irem kunig zu- geschriben haben. (vgl. Braun 4 S. 183). Erst gegen Ende des Jahres 1526 ward nach weiteren wiederholten Mahnbriefen Bilds (Schröder Nr. 228 und 240) endlich dessen seit vollen acht Jahren gehegte Hoffnung von Schöner erfüllt (Schröder Nr. 286). 1 Georg Vogels erstes Gesuch war von Hans von der Planitz, dem Nürnberger Rat des Kurfürsten, auf dessen Weisung vom 16. Jan. 1523 (Des kursächs. Rates H. v. d. Planitz Berichte aus dem Reichsregiment in Nürnberg, hg. v. E. Wülcker und H. Virck, Nr. 140 S. 327f.) abschlägig beschieden worden, worauf Vogel am 18. Febr. ein zweites Gesuch an Friedrich gerichtet hatte, ihm die 100 Gld. Pension, die seine einzige Belohnung für die dem Kaiser Maximilian geleisteten Dienste seien, auszahlen oder in ander weg von kai. Mt. verweisen zu lassen (Weimar, Emesan. Gesamtarchiv; a. a. O.). Auch dieses zweite Gesuch war vergeblich. Die Angelegenheit zog sich noch bis ins Frühjahr 1524 hin. Obwohl sich damals während des Nürnberger Reichstages nicht bloß der Bischof Bonomus von Trient, sondern am 7. März sogar Erzherzog Ferdinand persönlich beim Kurfürsten für Vogel verwandten, wurde dieser endgültig abgewiesen; vgl. H. v. d. Planitz Berichte S. 328 Anm. 4. 2 Nicht erhalten. Nr. 236. 1523 Sommer. 377 236. An Simon Seitz. 1 {1523 Sommer. Augsburg.} Bittet, ihm in der kaiserlichen Kanzlei die Erneuerung seiner Bestallung als kaiserl. Rat und die Bezahlung seines seit drei Jahren rückständigen Gehalts zu erwirken. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. Lieber herr Seycz, hiebei findt ir ain glaubbrief an herrn Maximilian Transilvan 2 auf euch lautend, dabei ain copei meins lateinischen ratsbrieve; die wollen im geben und bitten, das er von kais. Mt. mir ain neuen dienst- und ratbrieve, darein dan der alt, 3 als vill möglich ist, gezogen werde, zuwegen bringen. Und dweil mir von herrn Jacob Villinger allein ain jar mein dienstgelt als 100 guldin bei jetziger kais. Mt. bezalt worden sein, so stand mir noch aus 3 jar, die sich auf ersten tag februarii nachstverschinen geendet haben, macht 300 fl. Dieselben und hinfuro jarlich 100 fl. zu bezalen, dweil taglich mit B. Welser, meinem Schwager, und seiner geselschaft von wegen kais. Mt. umb Wechsel gehandelt wirt, were er erbutig, wa im solch be- zalung zu tun in hendlen zugestelt wirde, mir die zu raichen, wie ich dan solcher bezalung halben meinem gnadigen herrn großcanzler 4 auch geschriben hab; oder wa solchs nit sein mocht, das ich auf die camer zu Ynsprug verwisen und euch deshalben 1 Simon Seitz, Faktor und Teilhaber der Welsergesellsdiaft (vgl. über ihn B. Greiff, 26.Jahresber. des Hist. Kreisvereins f. Sdiwaben [1861] S.83f.; K. Häbler, Die überseeisdicn Unternehmungen der Welser [1903] S.Sff.; Welser 1 S. 68), war der Vertreter Augsburgs in der Gesandtschaft, die auf Grund eines Besdilusses des Speirer Städtetages vom 2. April 1523 (Klüpfel 2 S. 256 ff.) im Sommer des Jahres wegen der Reidiszollangelegenheit an den Kaiserhof nach Spanien ging. Vgl. A. Kluckhohn, Zur Gesdiidite der Handels- gesellsdiaften und Monopole im Zeitalter der Reformation: Hist. Aufsätze, dem Andenken an GeorgWaitz gewidmet (1886) S.690ff. und 697 Anm. 1; H. Baumgarten, Gesdi. Karls V. 2 (1888) S. 307ff. Peutingers Brief dürfte unmittelbar vor Seitzens Abreise aus Augsburg anzusetzen sein, deren genauer Zeitpunkt nicht bekannt ist. 2 Maximilian Transsilvanus (Siebenberger), früher Sekretär K. Maximilians, hatte Karl V. als Mitglied des Rates von Flandern nadi Spanien begleitet und war einer der einflußreidisten Männer in der kaiserl. Kanzlei; vgl. Kalkoff S. 91 Anm. 2. 8 Peutinger war kaiserl. Rat seit spätestens 1506: König S. 13 Anm. 3. 4 Mercurino de Gattinara. 378 Nr. 237. 1523 November 13. nottirftig brieve geben wirden, wiewoll ich bei mein schwegern solch bezalung lieber haben wolt, und das er das pest darin tue, woll ich umb ine mit getreuem fleis verdienen. Dan der großcanzler hat wissen, das ich etlich tapfer ratschleg kais. Mt. gemacht, die auch in Hispanien geschickt und furter gen Worms auf den reichstag gebracht worden sein, 1 davon ich nichtz gehabt. So mag ich kais. Mt. in underrichtungen des Reichs Sachen taglich für ander dienen, als ich acht kainer leb, der diser zeit mer Schriften davon hab; aber mit raisen meins alters halben nit mer dienen; das er mich also in dienstlichen bevelh hab etc. So ligt hiebei auch ein brieve an den großcanzler, ob- gemelten dienstgelts halben, den wollen, bit , antwurten und auch sollicitieren, das ich bezalt werde etc. Doch bit ich aber, wellet von diser handlung sonst denjenigen, so mit euch reisen, nichtz davon sagen. Also mit mir gemuet sein, will ich mit fleis umb euch und die euren verdienen. 237. An Hieronymus Walter. 2 1523 November 13. (Augsburg.} Dankt für ein theologisches Buch und bittet um gelegentliche weitere Sendungen. Walter möge sich bei dem Joachimsthaler Berghauptmann Heinrich von Könneritz für Erhöhung des Wechsels seiner in Bologna studierenden Söhne und des Grafen Christoph von Schlick verwenden. Augsburg, StA: Peutinger. Absdir. — Auf der Rückseite von Peutingers Hand: Leiptzigk, Hieronimus Walther. Lieber Walther, eur fruntlich schreiben * sambt dem zugeschickten buch hab ich zu sonderm fruntlichen dank empfangen und mag ganz woll leiden, das an sachen, das gotzwort be- langent, des selben verstendigen gehert, damit Got der herre, wie 1 Die beiden Gutachten über die Kaiserwahl von 1519, vielleidit auch das über die Reform der Bettelorden: vgl. König S.75ff. 2 Über Hieron. Walter, Ratsherr und Faktor der Welser in Leipzig, den Vorkämpfer der dortigen Katholiken, vgl. E. Kroker in: Neujahrsblätter d. Bibl. u. d. Archivs der Stadt Leipzig 4 (1908) S.93ff. und J. Strieder, Studien zur Geschichte kapitalistischer Organisationsformen (1914) S. 224 u. ö. 3 Nicht erhalten. Nr. 237. 1523 November 13. 379 ich bit, ainmall nach sein gnaden und willen die recht gotlich warheit wider an tag gebracht und wir damit dermaßen erleicht, das die bei uns bestendiglich angenomen, erhalten, beleiben und das, so der entgegen ist oder sein mocht, auch mit gutem gründe abgestelt werden möge. Und ob ir, was dergeleichen mer von buechern, so von gelerten ausgen, zuwegen bringen, mir die auch bestellen und zuschicken, das kaufgelt derselben und des nächst geschickten anzaigen: so will ich euch des zu dank wider vergniegen und solchs daneben umb euch fruntlich verdienen. Vor etlichen tagen ist mir diser beigeponden brieve 1 von herren Martin Lussel 2 aus Bononi zukomen, und dieweil meine herr grave Christoff Schlick 3 etc. und die zwen herren von Chonritz 4 sambt dem genanten Lussel auf iren zug geen Bononi alhie auch haimgesucht, fruntlich angesprochen und ich mich auch gegen inen dienstlichs und guts willens beflissen, hat mir egerurter Lussel bei ainem doctor der artznei von Nurenberg egerurten brieve zugeschickt (sonst ist mir davor kainer von im worden), darin si sich gelts halben hart beclagen. Und aber ich etwan, als ich jung und auf der schul gewesen, solch beschwerd auch gehabt, hab ich aus getreuem mitleiden mein lieben schwager Bartholome Welser der sachen halben auch angesprochen. Der hat mich bericht, das den genanten herren in nächst verschinen maien der wert fl. 150 und sonst bisher kain ander gelt in Bononi von der geselschaft bezalt worden seie, auch er und geselschaft, weiters inen zu bezallen, bisher kain bevelh, inen gelegen, hat. 5 1 Nicht erhalten. 2 Über Martin Lussel aus Jauer i. Sdüesien, damals Mag. art., später Dr. iur., Mitglied der juristisdien Fakultät, Stadtsyndikus und (1552—54) Bürgermeister in Leipzig, gest. 1558, vgl. G. C. Knod, Deutsche Studenten in Bologna (1898) S.322 Nr. 2210. s Graf Christoph von Schlick, 1525 Prokurator der deutsdien Nation in Bologna, starb 1527 während der Belagerung Roms an der Pest; ebd. S.496 Nr. 3344. 4 Über Andreas (gest. 1553 als Hof rat König Ferdinands) und Johannes (gest. während seines italienisdien Studienaufenthaltes in Venedig) von Könneritz, die Söhne des weiterhin genannten Heinrich von Könneritz, Berghauptmanns von Joachimsthal i. böhmisdien Erzgebirge, vgl. ebd. S.266f. Nr. 1835 f. 5 Die Welser standen als Teilhaber am erzgebirgisdien Silber- und Zinnbergbau (vgl. Ehrenberg 1 S.198; Welser 1 S.83f., 104f.; Strieder a.a.O. 380 Nr. 238. 1523 Dezember 30. Und so ir dan, wie ich bericht bin, mit herren Hainrich von Conritz, hauptman in Joachimstall, gute kundschaft haben sollen, 1 ist mein fruntlich bit, ir wellen möglichen fleis bei meinem herren hauptman ankerren, damit den genanten herren mer gelt zu irer underhaltung geordnet, das zu handen meiner schweger gesteh und als furderlich zu Bononi in das bezalt werden möge, also das si meiner getreuer furdernus genosen haben auch befinden. Daneben Got der herre uns bewaren welle. Dat. auf 13. tag novembris 1523. 238. Von Menrad Molther. 2 1523 Dezember 30. (Augsburg.} Glückwünsche zum Neuen Jahre. Rückgabe eines entliehenen Buches. Ist mit einer Neubearbeitung von Williratns Paraphrase des Hohen Liedes beschäftigt. Dank für Geldunterstützung. Gedruckt: E.v.Oefele in den SB München 1898 Bd. 2 S. 452f. — Adr.: Ad clarissimi viri doctoris Peutingeri manus deiur scheda. Ad clarissimum iuris utriusque doctorem D. Chuonradum Peutingerum, patronum suum. Preces ad alta dirigo, quas Deus inmortalis gratas habere dignetur, quo novus hie annus honori integritatique tuae sit salutiferus; tum quoque, ut laetis auspieiis ineat, laetioribus progressum faciat, laetissimis exeat et saepius recurrat, semper foelicior. Iacobum episcopum Christopolitanum 3 Tuae restituo Humanität' voto deposcens supplici, tarditati restitutionis ut ignoscas. Equidem ab eius lectione me invitum abstinuisse vel modus ipse 5. 229f. u. ö.) mit dem Joadiimsthaler Berghauptmann Heinridi von Könnet itz und dem Grafen von Schlick als den Inhabern der dortigen Münzstätte in enger finanzieller Verbindung. 1 als Leiter der Leipziger Faktorei der Welser, deren besondere Aufgabe die Pflege der Beziehungen zum sächsisch-böhmischen Bergbaugebiet war. 2 Über den aus Augsburg gebürtigen Humanisten und späteren lutherischen Theologen Menrad Molther, gest. 1558 als Pfarrer von Heilbronn, vgl. G. Bossert in der ADB52 (1906) S. 446f. 8 Gemeint ist das seit 1507 mehrmals gedruckte Werk .Cantica canti- corum cum expositione" des spanischen Augustiners Jakob Perez, seit 1468 Titularbisdwfs von Christopoli (Amphipolis-Emboli) in Mazedonien: vgl. über ihn Zedier, Univ.-Lex. 27 S. 371 f.; Kirchl. Handlexikon 2 Sp. 1404. Nr. 239. 1524 Januar 21. 381 restituendi declaret, quippe non partim multum mihi ex ipso auctore datum est auxilii, quum hisce diebus in Canticum canti- corum similem operam, non tarnen nostro (ut aiunt) Marte, sed Wilrammi abbatis Eberespergensis, ex laudatis antiquis scriptori- bus non infimi, expositionem in eundem librum l restituendo noctes atque dies perficere laborem. Is foetus quum iam tertio perinde quasi renascens editus fuerit, accuratiori diligentia, pura quoque ac propria translatione descriptus tuis luminibus non sub- trahetur; 2 ubi si Studium antiquorum, ut soles, laudabis, meum laborem vituperare non poteris. Coeterum quod me aere tuo in mea misera infoelicitate dignatus es, grates Tuae Praestantiae non quas debeo (debeo autem multas, quum amorem erga me tuum declarasti tanto munere quam maximum), sed quas possum persolvo; fore sperans confidentissime eam ipsam in me bene- ficentiam a Christo, omnium auctore largitoreque bonorum, re- munerandam. Cuius praesidiis semper tuta Tua sit Humanitas. Ex studorio meo 3. calen. ianuar., anno a nato Iesu 1524. Menradus Moltherus Augustanus, Tuae Praestantiae deditissimus. 239. Von Michael Hummelberg. 1524 Januar 21. Ravensburg. Beklagt den Tod seines Freundes Bernhard Adelmann von Adelmannsfelden. Hat ein Epitaph auf Ihn verfaßt und an des Toten Bruder Konrad gesandt. Mündien, StsB: Cod. hat. 4007 fol. 151 r. Absdir. Gedruckt: Lotter-Veith S. 201. Michael Humelbergius Ravenspurgensis Chuonrado Peutingero Augustano S.S. Bernardi Adelmanni, viri integerrimi, obitum 3 magno animi 1 Über Witlirams von Ebersberg (f 1085) Paraphrase des Hohen Liedes vgl. G. Ehrismann, Gesdi. d. deutschen Lit. b. z. Ausgang d. Mittelalters 2, 1 (1922) S.18ff. s Molthers Neubearbeitung, in der sowohl die lateinischen metrischen wie die deutschen prosaischen Erklärungen Willirams zum Vulgatatext des Hohen Liedes in humanistisches Latein übertragen sind, erschien 1528 in Hagenau mit Widmung an Peutinger vom 30. Nov. (vgl. unten Nr. 272). Sie ist der erste bekannte Druck des Werkes (vgl. Ehrismann S.21). * Bernhard Adelmann war am 16. Dez. 1523 gestorben; vgl. Thurnhofer S.79ff. 382 Nr. 240. 1524 Februar 2. dolore abs te et Conrado 1 accepi. Quam ille me amarit, crebrae literae omnis humanitatis plenissimae indicant; multi etiam libelli dono missi eius erga me beneficentiam observantiamque cum- primis testantur. 2 Iure igitur tarn carum amicum mihi sublatum doleo, cuius nunc tanto maiore desiderio teneor, quanto in me amando et observando fuit diligentior. Sed haec nobis lata est lex: Nascimur, ut moriamur, morimur, ut renascamur. Omnia in Domino facimus, quiqui voluntatem Domini et agnoscimus et lubenti animo facimus. Porro epitaphium, quod amico nuper vita functo hodie feci, Conradus Adelmannus, si voles, pellegendüm exhibebit. 3 Id arbitror tibi placiturum. Oblectaris enim his unice, quae ad antiquitatis imitationem sunt efticta. Volui cumprimis isthoc extremo in Bernardum officio meo Conradum etiam mihi demerere et obligare, in cuius gratiam et consolationem non minus quam fratris laudem et gloriam scripsi. Deus opt. max. te et coniugem tuam atque sobolem incolumem perpetuo servet in fide et charitate Dei et domini nostri Iesu Christi. Plurimam salutem tibi ascribere me iussit parens meus tui amantissimus. Vale feliciter. Ravenspurgi, 12. kal. februarias 1524. 240. An Bürgermeister und Rat 1524 Februar 2. von Memmingen. (Augsburg.} Ratschlag in der Angelegenheit des Memminger Stadtpfarrpredigers Christoph Schappeler. Memmingen, StA. Ursdir. — Adr. Den f ursichtigen und weisen burgermeister und rate der stadt Memmingen, meinen lieben herren. Fursichtigen, ersamen und weisen etc. In meiner herren von Augspurg brieve werden E. ersame Wt. vernemen, was si und mich bis auf weiter E. Ft. verbessern und wolgefallen irs pre- digers halben zu handeln gut bedunket* Ich kan auch diser 1 Bernhards jüngerer Bruder Konrad, Domherr in Augsburg. 1 Ober die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Hummelberg und B. Adelmann vgl. Thurnhofer S. 109f.; von den zwischen ihnen gewechselten Briefen ist nichts erhalten. 3 Vgl. den Brief Hummelbergs an Konrad Adelmann vom 21. Jan. 1524, dem das Epitaph im Wortlaut angehängt ist: Lotter-Veith S. 202f. 4 Der aus St. Gallen gebürtige, schon seit Jahren zwinglisch gesinnte Nr. 240. 1524 Februar 2. 383 zeit nit bessers finden, dan an dem ort zu handeln, da der prediger halben durch gmain reichsstende gehandelt worden und die kais. mandat ausgangen sein. 1 Demnach ich auf dat. oder morgen Lasaro Spengler, der von Nurmberg ratschreiber, als ainem diser Sache vill verstendigen und mir insonder wol vertrauten gen Nurmberg furschreiben will, 2 ob E. Erbarkeit durch schritt oder potschaft an ine gelangte, den furderig und beholfen zu erscheinen, als ich acht, er gern tun werd. Hat auch diser irrigen Sachen, als vill die neuerung diser schwebenden leuf berurend, für ander guten verstand. 3 Das hab ich E. Ft. diser zeit im pesten nit wollen verhalten. Mich gedeucht auch nit unfruchtbar sein, ob man in gheim ein geschickt mensch hette, das zu Dillingen ain Dr. Christoph Sdrappeier, Inhaber der seit 1479 von Konrad Vöhlin gestifteten Prädikatur an der Memminger Martinskirche (vgl. über ihn W. Vogt, RE17' S. 523ff), war wegen seiner Predigten, in denen er nioht nur am Wandel der Geistlidikeit, sondern audi an den jüngsten päpstlidien und kaiserlidien Erlassen in der Religionsfrage scharfe Kritik geübt hatte, am 13. Jan. 1524 von dem Augsburger Bischof Christoph von Stadion vor das bischöfl. Geridit auf das Dillinger Sdiloß geladen worden. Sahappeier weigerte sidi, der Ladung zu folgen. Der Rat der Stadt stand vor einer sdiwierigen Entscheidung: entzog er dem ungehorsamen Prediger seinen Sahutz, so standen in der überwiegend neugläubig gesinnten Bürgersdiaft Unruhen zu befürditen; stellte er sidi aber auf die Seite Sdiappelers, so geriet er in offenen Gegensatz zum Bischof und damit voraussiditlidi audi zum Sahwäbisdien Bunde und zum Reidisregiment. Nadi einigem Schwanken entschloß er sidi zu einer sdirift- lidien Eingabe an den Bischof, in der er die wider den Prediger erhobenen Vorwürfe entschieden in Abrede stellte. Ehe er indes das Sdiriftstüdc absandte, legte er es dem Rate von Augsburg und Peutinger zur Begutachtung vor. Beide verwarfen es — in dem eingangs unseres Briefes erwähnten Schreiben — als .zu unbescheiden und trotzig'. Vgl. E. Rohling, Die Reichsstadt Memmingen in der Zeit der evangelischen Volksbewegung (1864) S. 94 f.; F. Dobel, Memmingen im Reformationszeitalter 1 (1877) S. 29 u. 36ff. 1 nämlich in Nürnberg, wo auf dem Reichstage von 1522123 die letzten reidisgesetzlidien Entscheidungen in der Kirdienfrage (das kaiserl. Mandat vom 6. März und §28 des Abschiedes vom 18. April 1523: RTA 3 Nr. 84 S. 448 ff. und Nr. 149 S.603f.) ergangen waren und wo seit dem 14. Jan. 1524 die Reidisstände wiederum versammelt waren. " Briefe Peutingers an seinen Nürnberger Kollegen sind nicht erhalten. 3 Spengler befaßte sidi mit dem von den Städten in der Kirdienfrage zu beobachtenden Verhalten in seinem für die städtisdien Vertreter im Ausschuß des Reichstages bestimmten Gutachten vom 27. März 1524: RTA 4 Nr. 107 S. 489 ff. 384 Nr. 241. 1524 Februar 27. weil gelegen und vernomen, was und wie doch der bischof weiter procediert; und ob der prediger dem bischove geschriben: im wer das ort, in der citacion begriffen, 1 ungwonlich und nit sicher und sich damit seins ausbeleibens entschuldiget, auch sich daneben erpoten hette, auf gnugsame trostung und Sicherheit zu Augs- purg an gwonlichem ort zu erscheinen und menigklich, der zu im zu clagen vermaint, offenlich antwurt geben wolt, alles in ainer gepurenden form, die der prediger seiner nottirft nach woll zu stellen wais etc. E. Ft. und uns alle wolle Got der herre mit frid und ainigkeit verwaren. a Dat. auf Purificationis anno etc. 24. Mir ist auch eingefallen, ob der prediger im umb ain gleit zu Nurmberg hett lassen werben, allenthalben im Reich zu wonen, und auch umb ain mandat an E. Ft., ine ze schuczen und zu schermen, auf die kais. mandat, so vor ausgangen sein etc. Ch. Peutinger doctor. 241. Von Bürgermeister und Rat 1524 Februar 27. von Memmingen. (Memmingen.y Antwort auf Nr. 240. Melden, was sie in der Angelegenheit Schappelers vor und nacli Eintreffen von Peutingers Schreiben bisher getan haben, und bitten um weiteren Rat, wie sie sich nach der inzwischen erfolgten Exkommunikation des Predigers künftig verhalten sollen. Memmingen, StA. Absdir. Hatten schon vor Eintreffen von Peutingers Ratschlag an die auf dem Nürnberger Reichstag versammelten Vertretungen der Frei- und Reichsstädte unter Darlegung des Tatbestandes eine Supplikation gerichtet. Aber gar ungleichen ratschlag bei inen gefunden. In summa: si haben aus Ursachen, das es un- verfenglich und uns villeicht nachtailig sein wurde, nit raten wollen, weder dem regiment noch stenden des Reichs darunder zu suplicieren. 2 » Hinter waren ist irrig nochmals wolle eingefügt. 1 das bischöfl. Schloß in Dillingen. * Vgl. dazu den Bericht des Memminger Gesandten auf dem Nürnberger Reichstage (Hans Schultheiß) vom 9. Febr.: RTA 4 Nr. 183 S. 665. Nr. 241. 1524 Februar 27. 385 Haben dann, Peutingers Anregung folgend, Gesandte nach Nürnberg geschickt and Lazarus Spengler um Rat fragen lassen. Der hat inen denselben vertraulich und ratlich mitgetailt und ain copi ainer schritt an unsern herren von Augspurg vergriffen, guttermaßen laut der copei, hierin verschlossen. Dann des mer hat er in seiner copi gestöllt, das sich unser prödiger auf das begert glait nicht allain gen Augspurg, sonder auch gen Tillingen zu komen erpieten sollt. Als wir aber die copi unserm prediger vorhin hören lassen, hat er sich kains wegs gen Tillingen zu kumen verwilligen wollen etc. 1 und begert, die schrift an unsern herren von Augspurg gan zu lassen. Auf sollich unser schreiben hat uns unser herr bischoff wider geschriben, laut der copi, auch hierin verschlossen. 8 Söllicher ernstlichen widerschrift heften wir uns ganz nicht versehen. Seien hart in Sachen gestockt und beschwärt; achten und erkennen uns schuldig, dem wort Gottes mer dann des bischoffs trauung anzuhangen; wissen auch unsern prödiger über den großen gunst und anhang, den er nit allein in unser stat, sonder auch auf dem land hat, on sonder große sorg ains auflaufs nicht wol zu verlassen und sorgen doch pillich, das wir diser sach allain one hilf und beistand anderer nicht mugen vor noch wider sein, möchten wol unser arme statt in unüberwindlich verderben fueren. Nun ist aber unsers Wissens unserm prödiger der pann noch nit offen verkindt und haben wir in uns ain streit, ob wir dem prödiger, vor und ehe im der pan verkindt wurd, des bischoffs schreiben sollen hören lassen oder nit. Dann er ist cleinmutig, und sorgen wir, sollich unser eröffnen möchte dem prödiger ain nachtail geperen. Darumb so bitten wir euch abermals fruntlichs vleis, ir als der verstendig wollend dise unser anfechtung mit fleiß erwegen und ermessen etc. Dat. sambstags nach Reminiscere anno etc. 24. Burgermaister und rat zu Memingen. 1 Vgl. das Sdueiben des Memminger Rates an seinen Nürnberger Vertreter vom 22. Febr.: RTA 4 S. 667 Anm. 1. 2 Der Rat hatte in einer Eingabe an den Bisdiof vorgeschlagen, Sdtap- peler nadi Zusicherung freien Geleites in Augsburg im Beisein zweier Ratsmitglieder zu verhören; könne er dann audi nur eine seiner Lehren nicht durdi die Hl. Schrift erhärten, so wolle der Rat ihm seinen Sdiutz entziehen, andernfalls aber solle der Bischof von weiteren Schritten abstehen. Der Bischof hatte in seiner Antwort vom 25. Febr. diesen Antrag schroff zurück- König, Peutingers Briefwechsel 25 386 Nr - 24 -- I524 Fnde Februar. In einer Nachschrift teilt der Rat mit, daß gleldi nach Ausfertigung des Schreibens an der Kirchentür zu St. Martin ein ungesiegelter Zettel mit der Exkommunikation Schappelers l — man wisse nicht von wem — angeklebt worden sei. Wissen nicht, ob er Rechtskraft besitze und wie sie sich verhalten sollen. Bitten um Rat. 242. Von Veit Bild. 0524 Ende Februar.' 2 Augsburg.,) Übersendet und erläutert seine unter dem Decknamen „Johannes Gereon" veröffentlichte „Practica deutsch auf das 1524. Jahr" mit der Bitte, seine Verfasserschaft geheim zu halten. Ersucht, Ihm Plrckhelmers „Laus podagrae" zu verschaffen. Augsburg, OA: Hs.81 II fol. 229'. Abschr. Bilds. — Adr.: Ad praestan- tissimi viri manus D. Conradi Peutingeri, patroni sui unice in Christo prae- dilecti, dentur literae. Gedruckt (fehlerhaft): Braun 4 S. 177. Graciam et misericordiam a Domino patre etc. :1 Cognito nuper inter prandendum, vir clarissime, te aliosque senatores nostros nugas meas super cataclysmi iudicio audire desiderasse, fabellas meas praeterita aestate, non sponte seil., die uno horis quibus vacare potui descriptas 4 mittere placuit. Offendes credi- gewiesen und gleichzeitig mitgeteilt, daß er Schappeler mit dem Banne belegt habe: Rohling a.a. 0. S.96f. 1 S. den Wortlaut bei Schelhorn, Amoenitates literariae 6 S. 322. 2 Daß Bilds Brief noch im Februar gesdirieben ist, ergibt sich aus Pen- tingers Nachschrift zu seiner Antwort darauf (Nr. 244), wonach er diese am 29. Febr. verfaßt hat. » Vgl. Gal. 1, 3; 1 Tim. 1, 2; 2 Tim. 1, 2. 4 Es handelt sidi nadi den weiteren Angaben des Briefes um die „Practica deutsch Iohannis Gereonis philosophi auff das tausentfünffhundertundvier- undzwaintzigest jar des acht und viertzigisten grads höhe des Polus", die in zwei Ausgaben, einem (Augsburger) Urdruck (London, Brit. Mus.) und einem — wohl Münchener — Nachdruck (Mündten, StsB: 4° Astr. P.525 fI9J) vorliegt; genaue Beschreibung beider Drucke bei G. Hellmann, Beiträge z. Gesch. d. Meteorologie Nr. 1—5 (Veröff. d. K- preuß. meteorolog. Instituts Nr. 273,1914) S. 35. Diese Schrift, deren wirklidier Verf. bisher nicht bekannt war, ist eines der letzten Stücke aus der gewaltigen Masse astrologischer Literatur über die im Febr. 1524 eintretenden 16 Planetenkonjunktionen im wässerigen Zeichen der Fische. Nachdem der Tübinger Astronom Joh. Stöffler in seinen 1499 erstmals gedruckten, später häufig wiederaufgelegten astronomischen Nr. 242. 1524 linde Februar. 387 derim (ut vir sagacissimus) ubique et discrete multorum frivolas hac super re opiniones me refutasse et Deo optimo maximo omnia tribuisse; secretum tarnen aliquod eandem praesagire coniunctionem Optimum quemque admonuisse. Legere ergo Prac- ticam ad aeris usque mutacionem Schedaeque minutioni (ut vocant) adscriptos 11 canones digneris et mentem meam desuper totam experieris. Unum est, quo te admonitum velim: nonnulla perperam a calcographis posita, ut Practicae est titulus „Ioan. Ger. Phi.", quum itasit ame consulto positus: „Phi.Ico.Gereonis"; sub involucro volens per „Phi." Vitum, „Ico" agnomen, „Gere- onis" rei cuiusdam gestae velamen ponere (in Scheda vero per „Phi.Iconium" simili obtectione), eo quod Graece sixwv imaginem significet. Scatet nihilominus Schedae tabella (alias utilissima) compluribus mendis. Oro igitur, vir praestantissime, quatenus, quae tibi ut patrono meo singularissimo (cui et omnia debeo) clanculum revelam, secreto servare digneris, quum sint qui nee famae nee honori meo faveant. Tu autem cum tuis valeas in Christo. Amen. Raptissime. Dig u Tuae humillimus F. Vitus Bild. Carolo nostro, optimae indolis adolescenti, 1 salutes plurimas ex Servatoris nostri aeque meo nomine dicito. Rem mihi gratissimam praestares, si Podagrae encomium (seu defensionem) Birkhameri nostri per tabellarios, quos singulis diebus ad manus habes, acquisieris, precium praesentato libello pereepturus. 2 a adscriptae Hs. F.phemeriden („Almanadi nova") als erster auf jene Konstellationen „quae universo fere orbi. . . indubitatatn mutationem, variationem ac alterationem significabunt" hingewiesen hatte, waren seit dem Jahre 1517 in immer steigender Zahl in den meisten Staaten des Abendlandes astrologisdie Prognostiken und Streitsdiriften erschienen (es sind bisher 133 Drucke von 56 verschiedenen Verfassern festgestellt), die weiteste Kreise mit einer Panik vor einer neuen „Sündflut" oder dodi einer schrecklichen Hochwasserkatastrophe erfüllten. Vgl. dazu G. Hellmann a.a.O.S.Uff.; A. Warburg, Heidnisdi- antike Weissagung in Wort und Bild zu Luthers Zeit (SB Heidelberg 1919, 26.Abh.; 1920) S.30ff. » Peutingers jüngster Sohn Karl. 1 Willibald Pirckheimers „Laus podagrae" war 1522 in Nürnberg bei Friedr. Peypus (Panzer 7 S. 463 Nr. 167) erschienen. Bild, der selbst auch an der Gicht litt (vgl. Nr. 245), hatte schon im Jan. 1523 in dem ersten seiner an Pirckheimer geriditelen Briefe (vgl. oben S. 375 Anm. 2) seinem Verlangen 25* 388 Nr. 243. 1524 März 2. Item aeris quoque certam mutationem (ut alii solent) nus- quam, sed tantum dispositionem aliquam quoquomodo propter aspectus possibilem me posuisse offendes, toti quoque februario nil observandae alterationis adnectere voluisse. 243. An Bürgermeister und Rat 1524 März 2. von Memmingen. (Augsburg.} Antwort auf Nr. 241. Weitere Ratschläge für das Verhalten der Stadt in der Angelegenheit des Predigers Schappeler. Mahnt im Namen des Augsburger Rates, Unruhen und Aufruhr zu verhüten. Meinmingen, StA. Abschr. — Adr.: Wie Nr.240. Der Brief vom 27. Febr. hat ihn mit nicht geringer Sorge erfüllt: erstlich das auf eur gesandten anpringen bei den stetten, so zu Nurmperg sein, nichtz fruchtbars gehandelt, zum andern, das die sach bei dem regiment, daselbs doch in namen kai. Mt. das mandat und der gepotsbriew, die prediger belangent, 1 ausgangen, nichtz anpracht worden ist; dann dardurch die Sache, wie die jetzo vor äugen, doch in ain langen anstand gepracht worden sein mecht. Da aber die In Nürnberg vertretenen Städte slcli mit der Angelegenheit der Prediger änderst und ferrer weder vor, da E. Ft. botschaft bei inen gewesen ist, würden beschäftigen müssen, hält er es für empfehlenswert, daß die Stadt Memmingen ihr Schreiben an den Bischof und dessen Antwort In Abschriften den Städtebotschaften in Nürnberg mitteile und die Hilfe der Reichsstände anrufe, nit das gemain stendt dem bischoff weiter schreiben, sonder sonst bei den reichsstenden und wa es weiter die notturft erfordern handien sollten, damit gemain frei- und reichstett sollicher unpillicher belestigung von bischoven und ordinarii entledigt und den vor ausgangen kaiserlichen mandaten und gepotsbrieven gelept oder dis sach doch in ain gemain aufwart Kenntnis der Schrift Ausdruck verliehen, nadidem er sich als „confrater podagricus" dem Adressaten in besondere Empfehlung gebracht hatte. 1 Gemeint ist das kaiserl. Mandat vom 6. März 1523, das hinsiditlidi der Prediger bestimmte: es dürfe bis zum künftigen Konzil nidits anderes denn das hl. Evangelium nach Auslegung der Schriften, von der christlichen Kirche approbiert und angenommen, verkündigt werden. Nr. 243. 1524 März 2. 389 schub, bis die gemainlich von den reichstenden in ain bestendig cristenlich wesen gepracht wurde. Das der ein weg, so zu Nurm- perg diser zeit meins achtens zu handeln notturftig ist. Aber ferrer des bischoffs schreiben mag meins achtens in vil weg angefochten werden, wo es deshalb zu verhör komen solle; und darumb so ist not, das E. Ft. mit hilf und beistand anderer wie gemelt handien. Und so nun dem prediger eurs wissens der bann nit ver- kindt und er sich deshalben nit scheucht, so befind ich dannocht in dem gaistlichen rechten, das ainer, der gleichwol selbs in dem bann ist und des gut wissen tregt, ausgeschlossen der gottlichen ämpter, wie si es nennen, predig und das gotzwort wol hören mag. Ob nun der prediger über das und neben sollichem allen, wie er waist und auch oben begriffen ist, weiter predigen wille, das steet zu ime. Ich bin auch auf die stundt gegrundter mai- nung in dem gaistlichen rechten nit erfaren, ob ain priester, gleichwol mit dem gepurenden rechten in bann getan und des wissen habe, verpunden seie, das gotzwort zu predigen zu under- lassen, in ansehung, das mir die zeit bis auf datum zu kurz ist. Meine herren 1 haben mir auch bevolhen, E. Ft. guter und fruntlicher mainung anzuzaigen und zu vermanen, bei euch selbs und den iren allen ernstlichen getreuen und guten fleis an- zukeren, damit größer widerwill und aufrur, auch ergers, so daraus entsteen möcht, in E. Ft. statt verhuet werde, bis die sachen mit hilf des Allmechtigen in bessern stand gepracht werden. Ich acht auch, das E. Ft. nit schuldig sein, dem prediger anzuzaigen, was der bischove euch des banns halben geschriben, und insonder dieweil der bischoff in demselben seinem schreiben sollichs an euch nit begert hat. Aus dem auch volgt, das E. Ft. das angeschlagen zedelin, unbesigelt, auch in seinem wert oder unwert bleiben lassen und sich desselben nit annemen, 2 sonder mit fleis bestellen sollen, darmit etwan ain vertraut mensch, das sonst zu der sach für sich selbs lust hat, sein fleissig aufsehen 1 Der Augsburger Rat. 1 Der Rat hatte den an die Kirchentür gehefteten Zettel mit der Exkommunikation Sdiappelers sofort abreißen lassen, da er von seinem Bekanntwerden unter der Bürgerschaft Unruhen befürditete: Rohling S. 100. 390 Nr. 244. 1524 März 20. habe, so dergleichen mer zedel angeschlagen, die durch ine forderlich weggetan werden. Dat. 2. marcii a. 24. Conrat Beutinger b. recht doctor. 244. An Veit Bild. 1524 März 20. (Augsburg.} Antwort auf Nr. 242. Dank für die Schrift des „Gereon". Scharfe Ablehnung der astrologischen Prophezeiungen. Bitte um Berechnung der Planetenstellung für den Oktober des Überschwemmungsjahres 586. Nachschrift: Aufträge für den Überbringer des Briefes, den kleinen Karl Peutinger. Durchreisende Venezianer. 1. Augsburg, OA: Hs. 81 III fol. 51 "f. Absdir. — 2. München, StsB: Cod. Lat. 4007 fol. 49*'f. (Absdir. nach I. mit einigen Kürzungen und orthographi- sdien Abweichungen). Gedruckt: Lotter-Veith S. 212ff. Charissimo D. Vito Bild amico praecipuo. Salve in Christo, Vite charissime! Quod philosophi tui Ioannis Gereonis super hoc anno vigesimo quarto supra MD iudicium ad me misisti, tibi modo ago et in posterum habebo gratias. Congratulor utcunque eruditioni optimae. Is tuus Gereon, quis- quis est, non fucate, non temerarie, non frivole, non nugaciter ut plerique, a sed pocius ita scripsit, ut taxari atque reprehendi merito non possit. Quoniam autem coniunctionum illarum de anno salutis 670. recordatus est, ad historiarum plerosque scrip- tores me compulit, qui tarnen tempore illo de inundacione aliqua facta dicunt nihil, quod et hoc mense februario plane cognovimus. Mathematicos istos indoctos! Non omnes, sed quosdam male supputantes audaculos, qui vulgo indocto nugis suis non solum timorem incusserunt, sed et divinae potestati laqueos, licet falso, ponere attentarunt. Scriptum est: Non estvestrum, nosse tempora et articulos temporum, quos Pater in sua constituit potestate. 1 Sed de praeteritis agamus. Clarissimus Ioannes Colerius prae- a plerisque Hs. 1 Act. 1. 7. Nr. 244. 1524 März 20. 391 positus Curiensis, 1 ut solet mecum esse rerum antiquarum studio- sissimus, hiis proximis diebus Indicem quendam Charta perga- mena scriptum de ritibus orandi cantandique ecclesiasticis vetustum admodum mihi commodato dedit. A casu de rogationum diebus nunc legi, ubi multa de septiformi litania, 2 num Gregorius an Mamerius has prius ediderit. Sed referam pauca, quae ibi com- peri. Siquidem anno 15. Zenonis caesaris imperii, quo Mamerius episcopus praedictus orationum rogationes instituit, usque ad nonum Mauritii imp. annum, quo düuvium magnum in finibus Veneciarum et Liguriae tociusque Italiae factum est, quäle post Nog tempus non creditur fuisse, et subsecuta est e vestigio pestis inguinarum, qua cum Romae populus paene deleretur, Gregorius adhuc levita litaniam maiorem indixit Pelagio papa peste hac extincto. Matthaeus Palmerius Florentinus in Supple- mento ad Eusebii chronico hanc inundationem non in nonum, sed in septimum Mauritii annum (qui fuit salutis 586.) ad kalendas octobris reiecit.- Paulus Warnefrid Longobardus, diaconus Foro- iuliensis, huiusve maximae inundationis in Additionibus suis ad Eutropium meminit, quam non ad kalendas octobris, sed ad 8 hunc Hs. 1 Über Johannes Koler (Choler) aus Augsburg. Dr. iur. utr., Dompropst von Passau (1508—17; vgl. Krick, Das ehemal. Domstift Passau S. 5) und Chur, nadimals in Diensten der Fugger in Augsburg und dortiger Korrespondent des Erasmus, gest. 1541, vgl. Veith, Bibl. Augustana 4 S. 163ff.; Joadiimsen S. 119. Peutinger hat ihm später (nach 1531) seine unvollendet gebliebenen .Collectiones adversus Anabaptistas", zu denen Koler den Anstoß gegeben hatte, zueignen wollen; vgl. P. Joadiimsen, Peutingeriana in: Festgabe für K. Th. v. Heigel (1903) S. 285 ff. 2 Die sog. Litania maior, eine seit Gregor d. Gr. bezeugte, unter siebenmaliger Wiederholung des von Klerus und Volk wediselweise gesungenen .Kyrie eleison" abgehaltene Flurprozession, die am 25. April, dem späteren Markustage, in Rom veranstaltet wurde und sidi später im ganzen Abendlande einbürgerte; vgl. J. Braun, Liturg. Handlexikon (1922) S. 167f. s. v. .Litaniae" und „Litania maior". 8 Die von Peutinger angezogene Stelle findet sich in dem (seit 1475 sdion viermal gedruckten) Über de temporibus des Matthäus Palmerius von Florenz (gest. 1475; vgl. Potthast, Bibl. hist. medii aevi 2 a S. 891. Neueste Ausgabe von G. Scaramella in: Muratori, Rer. Hai. SS. Nuova Edizione 26, 1) in der Tat beim Jahre 586, das jedodi das 3. des Kaisers Mauritius (das 7. des Papstes Pelagius) war. 392 Nr. 245. 1524 April 3. 16. kalendas novembris refert. 1 Ioannes Piatina in Pelagio II. pont. max. hanc non praeteriit. Quare rogo, si commode poteris, pro solita tua erudicione suprascriptum 86. annum et eius tunc coeli figuram sive thema praecipue in mense octobri observes ac me certiorem redde, num tunc astra inundationem praescriptam signi- ficarint et an coniunctio illa planetarum maxima anni 70., cuius Gereon tuus mentionem facit, inundacionem aliquam perfecerit vel ne. Podagrae Birckemeri nostri exemplum ex Nurnberga petam. Vale et me tuum diiudicato. Dictaveram has litteras ultima februarii, sed postea negociis paene obrutus mittere neglexi. Carolus filius infans has tibi red- dere voluit ac saepius rogavit, ut darem. Sibi iniunxi, ut tibi peccata sua confiteretur. Quem exhortare, ut faciat, ac puerum infantem sincere, ut decet, admoneas ac cogas, ut referat, quae coram rev mo cardinali Campegio etiam armatus Latine dixerit. 2 Coeteium me rev d0 D. abbati 3 commendes. Ex aedibus nostris. Et cum hoc scriberem, convenit me Venetus quidam plane eruditus, qui doctorem Patavinum theologum minoritam a senatu Venetorum missum Nurnbergam asseruit, quem post horam ter- ciam in hospicio conveniam. Tu vale etc. et nos valere Deum deprecare. 20. marcii salutis anno 1524. Tuus Chunradus Peutinger Augustanus, iuris utriusque doctor. 245. Von Veit Bild. 1524 April 3. (Augsburg) Antwort auf Nr. 244. Hat infolge heftiger Erkrankung an Gicht die gewünschte Berechnung des Planetenstandes für den 1. Okt. 586 erst heute ausführen können. Augsburg, OA: Hs.81 II fol.232rf. Absdir. Bilds. Adr.: Clarissimo viro unicoque patrono suo D. Conrado Peutingero, literatorum maecenati, detur scheda. Gedruckt: Braun 4 S. 177f. 1 Vgl. die Fortsetzung der Hist. Romana d. Paulus durdi Landolfus Sagax: MGH, Amt. ant.2 S. 399f. 2 Der päpstliche Legat Lorenzo Campegio weilte auf der Durchreise zum Nürnberger Reichstage vom 9.—11. März in Augsburg. Vgl. ChDSt23 S.154f. 3 Joh. Sdirott. Nr. 245. 1524 April 3. 393 Graciam et pacem a Deo patre et domino nostro Iesu Christo. 1 Literas tuas, vir praestantissime, per gnatum tuum dulcissimum Carolum ad Palmarum diem 2 mihi missas hanc usque in lucem prae nimio podagrae dolore ad plenum non legi. Lecto enim in singulas horas decumbens, et vitae animam meam taedere credas; nisi enim Deus optimus maximus singulari nie curare remedio dignetur, actum de vita mea erit. Ne tarnen pigritiae forsitan me possis coarguere quove mentem meam erga te tuosque integer- rimam cognosceres, hodierna luce abacum in manus recepi ac tremulis manibus diffractisque (ut salva discretione loquar) pedibus medios motus planetarum cum figurae depictione ad annum quem proposuisti, quantum vires annuere, calculavi, post reddita (si Deo ita placuerit) sospitate et veros calculaturus. Caeterum Ioannis Gereonis supputationem ad 670. annum veram esse credas, sed neque anno eodem neque sequenti ali- quam inundationem alteriusve rei quid notatu dignae contigisse. Diversitatem quorundam, quam adsignasti, me latuisse scias minime, etsi horum sententiae," quos aeque doctissimos atque integerrimos facillime crediderim, multum tribuam, qui restitutae salutis annis 570. validam inundationem, similiter 586. diluvium ingens aput Venetos et Liguriam kal. octobris maximis cum toni- truis et peste Rhomae subsecuta, necnon 589. vim aquarum maxi- mam evenisse scribunt 3 etc. Haec sunt, quae te latere volui minime, donec reddita per Dei gratiam sanitate (seu, ut opto, iura mortis solvens alibi plenius instruar desuper) coram copiosius confabulari poterimus. Valeat interim Praestantia Tua Deo optimo maximo cum suis commendata. Ex gurgustiolo meo Benedictino 3. die aprilis saeculi cur- rentis 24. Dig" Tuae humillimus F. Vitus Bild Acropolitanus viribus paene destitutus. (Darunter die im Briefe erwähnten Angaben über den Planetenstand von 586 Okt. 1 mit Zeichnung.) " sententiae nachgetragen. 1 Vgl. Gal. 1, 3; 1 Tim. 1, 2; 2 Tim. 1, 2. " 20. März. • Vgl. Matth. Palmerius z. Jahre 589. 394 Nr. 246. 1524 Mai 11. 246. An Bürgermeister und Rat 1524 Mai 11. von Memmingen. (Augsburg.} Begleitschreiben zu einem Rechtsgutachten über den Fall des Predigers Schappeler mit Ratschlägen für das weitere Verhalten der Stadt gegenüber der vom Augsburger Bischof wider sie beim Schwäbischen Bunde erhobenen Klage. Memmingen, StA. Reinsdir. von Sdireiberhand mit eigenh. Untersdir. Fursichtigen, ersamen und weisen etc. E. Ft. schreiben, mir bei disem poten zukomen, hab ich verlesen und davor wol gewußt, das ain guetlicher tag gen Laugingen auf mitwochen in Pfingstfeiertagen angesetzt worden ist, 1 auch darauf mein gut- bedunken auf meins herren von Augspurg* supplication gestelt, das ich E. Ft. hiemit zuschicke, 3 nit der mainung, das inhalt derselben schritt auf bemelten angesetzten guetlichen tag durchaus dermassen gehandelt werden solle, sonder sich allain, ob die guetlichait nit erfunden noch verfallen wurde, weiter darauf zu bedenken und auf künftigen bundstag dest stattlicher antwurt [zu verfassen] zu geben. Und ist mein rate, doch auf E. Ft. Verbesserung, sich von wegen derselben in kain weitleufig handlung oder verantwurtung gegen dem bischove oder seinen gesandten einzulassen, sonder allain mit kurzer mainung den verordneten vom bund anzuzaigen, das sich E. Ft. des bischoves verclagen vor dem bund nit versehen, in ansehen der villerlai guetlich ansuchen und undertänig bete, an ine, bischove, von wegen E. Ft. hievor gelangt,* auch auf das schreiben, so die stett ab dem reichstag 1 Da der Rat von Memmingen Sdiappeler audi nach Verhängung des Bannes über ihn (vgl. Nr. 241) seinen Sdiutz nicht entzogen hatte, war die Stadt vom Bisdiof beim Schwäbisdien Bunde verklagt worden. Auf einer Tagung in Augsburg am 10. April hatte sich die Bundesversammlung zwar auf die Seite des Bischofs gestellt, es vor der rechtlichen Entscheidung der Sache aber noch einmal mit einer gütlichen Schlichtung versuchen wollen, für die als Termin der 18. Mai, als Ort Lauingen bestimmt worden war; vgl. Rohling a. a. 0. S. 100f. 2 Des Bisdiofs von Augsburg. 3 Über dieses Rechtsgutachten Peutingers (Memmingen, StA) vgl. König S.87f. (wo statt März: Mai zu lesen ist). 4 Schon vor Überreichung seiner Bittschrift vom 22. Febr. (vgl. oben S. 385 Anm. 2) hatte der Memminger Rat durch zwei Abgesandte, den Bürgermeister Hans Keller und den Zunftmeister Bernhard Strigel, dem Bischof Nr. 246. 1524 Mai 11. 395 zu Nurmberg getan, darauf er kain antwurt geben hette. Und dweil dise sache und handlung nit allain den prediger zu Me- mingen beruert, sonder auch allenthalben, soweit im hl. romischen Reiche eingerisen und ausgeprait worden, das ainer jeden ober- kait beschwerlich oder veleicht nit wol erheblich: wa und wan ainer, der sich berömbt, nichtz anders dann das war und clar gotswort geprediget zu haben, den darüber aus aigem furnemen unverhört von solhem zu dringen; demnach gar leichtlich widerwill und aufrur daraus entsteen möchten, das doch meniglich zu verhieten und zufurkomen schuldig. Hierauf billich, ain zu gepurender verhöre zu verglaiten. Wa er sich dann seiner handlung nit konde oder wußte zu verantwurten und sonderlich in ainer sache, das gotswort und desselben predig one alles mittel, also kain schmachsachen belangend, hette sein gestalt, wurden sich darauf E. Ft. ganz gepurend halten, und sonderlich, wa sich erfunde, das ainer wider das heilig gotswort geprediget haben solt, das doch one verstendig des gotswort nit wol bescheen möchte; dweil auch E. Ft. handlung hierin geübt nit allain [und] nit unbillich, sonder auch allen gotlichen und menschlichen rechten ganz gemeß und den nit allain nit entgegen, sonder auch ordenlichem gerichtszwang nit nachtailig were. Es möchte auch daneben die Ordnung und ausgangen mandat und gebotsbrieve in meiner heiligenden verzaichnus, desgleichen der abschid des reichstag, jetzo jungst zu Nurmberg gemacht und beschlossen, als vil die das künftig concilium und den tag, auf Martini gen Speyr angesetzt, beruren, 1 angezogen und darauf gebeten werden, den bischove dahin in der guete zu vermögen, dem prediger glait gen Augspurg zu verhöre und wider von dannen zu geben oder aber die sache auf bemelten tag gen Speyr anzustellen etc. Doch ob sonst leidlich, fraglich und unnachteilig mittel weiter ungeschlagen wurden, die möchten E. Ft. gesandten auf hinder sich bringen auch annemen, doch in allweg des Reichs abschiden, gemachten Ordnung und obgemelten ausgangen mandaten un- das Ansuchen unterbreitet, die Ladung Schappelers entweder zurückzuziehen oder doch wenigstens die Angelegenheit auf einen Monat zu vertagen; beides hatte Stadion abgelehnt; vgl. Rohling S. 95 f. 1 Vgl. den Abschied vom 18. April 1524: RTA 4 Nr. 149 S. 603ff. 396 Nr. 247. 1524 Mai 29. vergriffen. Das alles diser zeit und in der eil E. Ft. nit hab wellen verhalten etc. Dat. auf 11. tag maii anno etc. 24. Chuonrat Peutinger doctor. 247. An Bärgermeister und Rat 1524 Mai 29. von Nördlingen. (Augsburg.} Kurzer Ratschlag betr. des von dem Priester Paul Strauß begangenen Marktfriedensbruches; näheres Eingehen auf die Rechtsfrage war ihm infolge eines heftigen Fieberanfalls nicht möglich. Nördlingen. StA: Missiven 1524. Reinsdir. von Sdireiberhand. — Adr.: Wie Nr. 215. Fursichtigen, ersamen und weisen etc. E. Ft. schreiben, maister Paulsen Strauß, priesters, begangen Verhandlung betreffend, 1 hab ich verlesen. Ist daruf mein guetbedunken zu Handhabung E. Ft. freiheit, wo und soferr der priester sicherhait und porgschaft tete, mit E. Ft. umb begangen frevel abzukomen, das solichs angenomen, wo nit, das er dem bischof von Augspurg gen Dillingen geschickt, also das er daselbst enthalten und keins 1 In diesem Schreiben vom 28. Mai 1524 teilte der Nördlinger Rat Peutinger mit, daß drei Tage vorher, während der gegenwärtigen des hl. Reichs und unser hochgefreiten sumermeß, der Kaplan finalster Pauls Straus, gepriester, ain weibsbild, die etwan sein köchin gewesen ist, in seiner be- hausung gevarlichen verwartet und, als dieselb irer gescheft halben auf freier gassen unversehenlich ainichs übels oder argens ungevarlich für sein behausung furgeen wollen, ist er mit ainem guten, handvölligen bengel über si herausgewischt und si also mit der tat auf offner gassen vast übel geschlagen, doch durch ir gegenwer mit ainem eisin Kolleffel auch etlich straich davongetragen, alles wider unser und kunigl. freihalten gewonlich und offenlich besehenen. Sie hätten früher derartige Verletzungen des Marktfriedens an Leib und Gut bestraft, seien auch gewillt, den Priester wegen seines Frevels wie ain andern laien zu büßen unangesehen der gaistlichen freihalten und immunitet. Einige Ratsmitglieder aber rieten, daß soldies zuvorderst bei disen leufen und Zeiten, sonderlich das gemaine stat und wir neben oder für andere der neuen ler halben nit wenig beruft und beschraiet seien, es lieber nidit zu tun, sondern den geistlidien Übeltäter dem Bischof zur Bestrafung zu übergeben. Der Rat sei also zwiespältiger Meinung, wolle Strauß aber keinesfalls straflos ausgehen lassen von wegen des gemainen volks nachreden und bittet Peutinger um Rat (Nördlingen, StA: Missivbudi 1524 fol. 54 vf. Absdir.). Nr. 248. 1524 Juli 21. 397 wegs ausgelassen wurde. E. Ft. were dann umb begangen Verhandlung und frevel nach besag irer freihait benugen beschehen, doch alles auf E. Ft. Verbesserung gestellt. E. Ft. het ich geren ferrer anzaigen getann, bin ich aber dismals mit so schwerem bettlegerim fieber so hart beladen, das es nit sein mögen etc. Dat. auf 29. tag maii anno 24. Chuonrad Peutinger, baider rechten doctor. 248. An Bürgermeister Hans Keller 1 1524 Juli 21 von Memmingen. {Augsburg.} Rät, gegen das jüngste kaiserliche Mandat wider Luther nicht zu protestieren, sondern es anzuschlagen und nach Möglichkeit zu beobachten, wie dies auch Augsburg, Ulm und Nörd- lingen getan hätten. Memmingen, StA. Urschr. — Adr.: Dem fursichtigen, ersamen und weisen Hansen ler, burgermeistern zu bände etc. Gedruckt: RTA 4 Nr. 274 S. 795f. Fursichtiger, ersamer und weiser etc. Als ir nächst hie gewesen sein, hab ich guter getreuer monung euch gefragt, wie es mein herren von Memmingen auf uberantwurtung der kaiserlichen mandat 2 gehalten; haben ir mir dazemal meins enthalts den be- schaid geben, si hetten laut der von Ulm ausschreiben den sted- tag gen Speyr und als vil darin die bemelten mandat berurte 3 dem regiment zu Eßlingen zugeschriben, dweil der pot, so die mandat geantwurt, sich zu bald aus Memmingen getan. Darauf 1 Hans Keller war Anhänger der neuen Lehre, aber ein ruhiger, jeder gewaltsamen Überstürzung abholder Mann: Dobel 1 S.42. ' Gemeint ist der kaiserl. Befehl vom 5. Juli, das auf Grund des Nürnberger Abschiedes vom 18. April 1524 ergangene Mandat in der Luthersadie anzuschlagen und durchzuführen. 8 Ulm hatte am 1. Mai ein Aussdireiben an die Reidisstädte ergehen lassen, in dem für Juli ein Städtetag nacfi Speier anberaumt und außerdem mitgeteilt wurde, die in Nürnberg versammelt gewesenen Stltdtebotsdiaften hätten gegen die von den übrigen Ständen verlangte Erneuerung des Wormser Edikts Einsprudi erhoben (vgl. RTA 4 S. 507f. und 517f.) und sidi dahin geeinigt, etwaige in derselben Riditung ergehende kaiserliche Mandate nur unter Wiederholung jenes Protestes entgegenzunehmen. 398 Nr. 248. 1524 Juli 21. ich euch, mein herren von Memmingen, zu gut und si vor künftigem schaden und nachteil zu verhüten, aber getreuer monung anzaig, das mein herren alhie, dweil der pot, der dergleichen mandat geantwurt, weck eilet, im kain schriftlich antwurt geben noch auch dem regiment geschriben haben; gedenken aber, als vill möglich ist, dem mandat zu geleben, sich des grosseren Schadens zu verhüten. Zudem bin ich bericht, wiewoll mein herren von Ulm dem poten, so in dergleichen mandat geantwurt, ain schriftlich antwurt geben, wie zu Nürnberg durch etlich stedt beschlossen und durch si ausgeschriben ist, so haben si sich doch gewendt, das edict oder mandat, Luther belangend, aufschlagen und verwart halten lassen, auch burgermeister Besserer bevolhen, jetzo am hinabreiten gen Speir 1 zu Eßlingen vor dem regiment si zu verantwurten. Ich wurd auch ferrer bericht, das die von Nordlingen solch edict auch offenlich aufschlagen lassen haben; so mag euch auch bewußt sein, was etlich stende jetzo zu Leutkirch beschlossen 2 und bei den stedten, so zu Ravens- purg versamblet gewesen sein, 3 werben lassen haben. Das alles ich euch zu guter gehaim dorrumb anzaig: so mein herren von Memmingen dem regiment wider das bemelt edict abschlegig antwurt geben heften, mochte das regiment die- selb antwurt und abschlegig an die hand nemen und mein herren von Memmingen der kai. Mt. für ungehorsam achten und also mit straffen und veleicht der acht wider si wollen procedieren, das inen zu grossem nachteil möcht raichen, deshalben ich euch solchs getreuer monung anzaig, mein herren von Memmingen wissen zu warnen, dan ich solchs mit ganzen treuen maine; doch mein namen allein, den gar kainen inneren reten anzaigen etc.* Dat. auf donerstag vor Jacobi a. 24 in eil. Den poten hab ich bis auf datum zu mittag aufgehalten. 1 Zum Städtetag. 2 Auf einer am 5. Juli in Leutkirdi abgehaltenen Tagung hatten mehrere Prälaten (darunter die Bischöfe von Augsburgund Konstanz), Grafen, Herren und Städte beschlossen, die kaiserlichen Mandate zu verkünden und durchzuführen und sich im Falle gewaltsamen Widerstandes ihrer Untertanen gegenseitig nach Kräften Hilfe zu leisten: RTA 4 Nr. 153 S. 620f. 3 Eine Ravensburger Tagung der oberschwäbisdien Städte vom 8. Juni hatte sich für Aufrechterhaltung des Protestes gegen das kaiserl. Mandat in der Luthersache ausgesprochen. 4 Auf Grund der vorstehenden Ratschläge und Mitteilungen Peutingers Nr. 249. 1524 August 4. 399 249. An Bürgermeister und Rat 1524 August 4. von Memmingen. (Augsburg.) Kann infolge von Überlastung mit anderen Geschäften den gewänsditen Entwurf für die Verteidigungsschrift der Stadt an den Schwäbischen Bund in ihrem Streite mit dem Bischof nicht sofort, will ihn aber so bald als möglich abfassen und übersenden. Memmingen, StA: Reinsdir. von Schreiberhand. Adr.: Wie Nr. 240. Antwortet auf einen ihm durch den Memminger Alt-Stadtschreiber •' ausgehändigten Brief: er habe gehofft, sie würden sich inzwischen über seinen „Ratsdilag" und die in seinem Briefe vom 11. Mai' 1 gemachten Vorschläge für ihr Verhalten gegenüber dem Schwab. Bund in ihrem Streit mit dem Bischöfe beraten und ihm über das Ergebnis ain copi zu iren wolgefallen, ansehen und gelegenheit zu guter zeit vor dem bundstag zuschicken lassen haben, damit bei euch und mir in der sach wol- bedächtlig und als vil möglich fruchtbarlich antwurt den stenden des bunds geben worden were. Nun wirt aber von E. Ft. an mich jetzo und gar kurz bis auf den bundstag begert, dieselb antwurt zu stellen, dadurch si sich der sachen entschlahen, den bischove von seinem furnemen weisen sollen und die sache auf künftigen reichstag geschoben werde etc. So ist die zeit, wie gemelt, kurz; ich bin auch diser zeit mit ander reichsstende, und der in merklicher anzal sein, desgleichen in meiner herren gescheit 8 also beladen und insonder, dweil der angesetzt bundstag nahnet, das schier in meinem vermögen nit sein will, alles in solcher eil zu fertigen. Aber ich will mein möglichen fleis tun und E. Ft. mein ließ auch der Memminger Rat, nadidem die .Hilfer" der Zünfte als Vertreter der Gemeinde zugestimmt hatten, das kaiserliche Mandat verkünden: Rohling S. 104. 1 Ludwig Vogelmann, der Führer der Altgläubigen in Meinmingen; er hatte am 15. April sein Amt als Stadtschreiber niedergelegt; vgl. Dobel 1 S. 42. 2 Nr. 246. ' In Augsburg machten sich an dem Tage, da Peutinger diesen Brief schrieb, schon die ersten drohenden Anzeichen des kommenden Volksaufstandes wegen der tags vorher erfolgten Abschiebung des neugläubigen Franziskanerpredigers Joh. Schilling geltend; am 6. Aug. bradi dann der Sturm los. Vgl. darüber und über Peutingers Beteiligung an den Vorgängen als Spredier und Berichterstatter des Rates Roth 1 S. 159ff. 400 Nr - 25 °- 1524 August 9. copien, so ich in eurem namen an die stende des bunds stellen wird, auf das furderlichest, so das gesein mag, begreifen und E. Ft. zuschicken, l der ich solhs alles in der eil auf das mal nit wolt verhalten etc. Dat auf den vierten tag augusti anno etc. 24. Chuonradt Peutinger, beder rechten doctor etc. 250. Von Bürgermeister und Rat 1524 August 9. von Memmingen. (Memmingen.y Antwort auf Nr. 249. Legen die auf Grund seiner Ratschläge abgefaßten Verteidigungsschriften der Stadt und Schap- pelers in Originalen und Abschriften vor, mit der Bitte, entweder jene unmittelbar abzufertigen oder diese mit seinen Abänderungsvorschlägen sofort zurückzuschicken. Memmingen, StA: Entw. Haben sein Schreiben vom 4. August* samt dem Entwürfe für Ihre Antwort an die Stände des Schwäbischen Bundes erhalten und auf Grund dieses Entwurfes sowie seines von Ihm wieder in Erinnerung gebrachten „Ratschlages" und seines Schreibens vom 11. Mai ihre Verteidigungsschrift abgefaßt; übersenden Ihm davon und von der Verantwortung des Predigers (Schappeler) eine Abschrift zur Kenntnisnahme. Da aber die Zeit dränge, übersenden sie ihm gleichzeitig auch die verschlossenen, an die Stände des Bundes gerichteten Originale beider Schriftstücke mit der Bitte, diese dem Bundeshauptmann 3 übermitteln zu lassen, falls er mit Ihrer Fassung einverstanden sei. Andernfalls möge er, wenn noch genügend Zeit sei, die Originale bei sich zurückbehalten und Ihnen die Abschriften mit seinen Abänderungsvorschlägen bei tag und nacht eilends auf Ihre Kosten wieder zurückschicken, worauf sie sie sofort abschreiben und ausfertigen lassen würden. 4 Dat. aftermontags post Affrae anno etc. 24. Memmingen. 1 Peutingers Entwurf war am 9. Aug., wie Nr. 250 zeigt, bereits in den Händen des Memminger Rates; er muß also gerade während der aufregenden Tage des Augsburger Volksaufstandes gegen den Rat (vgl. die vorige Anm.) abgefaßt sein. 2 Nr. 249. 3 Ulrich Arzt. 4 Der Streit der Stadt Memmingen mit dem Augsburger Bischof wegen Nr. 251. 1524 Herbst. 401 251. Von Veit Bild. {1524 Herbst. 1 Augsburg) Übersendet eine alte Handschrift, die u. a. des Palladius Stundenberechnungen aus der Schattenlänge sowie astrologische Prophezeiungen auf das Pestjahr 1366 enthält. Sehnt sich nach einer persönlichen Aussprache mit Peutinger. Dieser soll die Handschrift womöglich durch seinen kleinen Sohn Karl zurückschicken. Augsburg. OA: Hs. 81 llfol. 235 r . Absein: Bilds. — Adr.: Clarissimo utrius- que iuris professori D. Conrado Peutingero, patrono suo singulari, detur scheda. Graciam et pacem a domino patre etc. 2 Offendi, vir claris- sime, hisce diebus, dum chartacea mea lustrarem scrinia, praesen- tem libellum, quem cautius perscrutans nonnulla veterum lectu digna perspexi ac inter caetera Palladii illius urnbras, quibus horae per pedum mensurationes observantur» (etsi a tuis in gradibus nonnihil discriminis habeant). Piacuit certe facilis illius duodeci- mae horae (1000 seil, passuum) adscriptio, quum tunc umbra in infinitum paene propter solis occasum proiieiatur. Horum ipse veram ad nostram latitudinem integrasque horas observationem non sine labore dudum calculavi. 1 Inveni post haec quasdam planetarumaliquarum coniunetiones, quae circa salutis annum 1366. contigere, quarum effectus nonnulli astrologorum adsignavere, ut videbis et in prophetia et epistola libri, 5 unde nee te latere dubito minime, quanta pestis universo in orbe eisdem quasi temporibus fuerit adeoque praevalida, ut a compluribus vix gentium pars quarta remansisse scribatur. Adserunt namque 1365." eandem :l verbessert aus 1366. des Predigers Sdiappeler scheint nicht zum rechtlichen Austrag gekommen zu sein; wenigstens fehlen weitere Aktenstücke darüber. Vgl. Rohling S. 101. 1 Das Datum des Sclireibens ergibt sich aus seiner Stellung in Bilds Briefsammlung hinter Stücken von Mitte September 1524: Schröder Nr. 263f. 2 Vgl. Gal. 1, 3; 1 Tim. 1, 2; 2 Tim. 1. 2. 3 Palladius Rutilius "Lauras Aemilianus. ein Schriftsteller des 4. Jh. (Sdianz, Gesdi. d. röm. Lit. 4, 1 - S. 189ff.), gibt in seinem Opus agricu/turae jeweils am Sdüusse der den einzelnen Monaten gewidmeten Büclier 2 — 13 die für die Stunden des Tages geltenden Längen des Leibessdia ttens in Fuß an. 4 Vgl. unten Nr. 259. 1 Hs handelt sidi wohl um eine der zahlreichen astrologisdien Prophezeiungen aus der Mitte des 14. Jh.. die an die Planetenkonjunktion vom König, Peutlngcrs Briefwechsel 26 402 Nr - 252 - 1525 A P rU 24 - coepisse, quare facile crediderim per libri huius scriptoris in- advertentiam annorum certam esse neglectam adsignationem. Haberem complura desuper tibi adsignare, sed aliis occupatus lampada cursu tibi trado. Faxit Deus optimus maxinius, ut ali- quando mutuis nos exhilaremus colloquiis. Interim vale cum tuis in Christo et, cum über tibi fastidio fuerit, remittas obsecro ac, si commode fieri poterit, per gnatum tuum dulcissimum regem nostrum Carolum, ut aliquando experiar, poenitentiam sacramen- talem sibi a me post auditam confessionem impositam compleverit necne 1 etc. Raptim ex gurgustiolo meo Benedictino. Dig" Tuae humillimus F. Vitus. Item perspiciet Dig tas Tua eo in libello circa kalendarium, quanta veteres opera lunares observarint incensiones. 252. An Willibald Pirckheimer. 1525 April 24. {Augsburg.) Bittet, sich um die gütliche Beilegung der zwischen den Augsburger Welsern und dem Rate von Nürnberg entstandenen Streitigkeiten zu bemühen. Nürnberg, StB: Pirckheimeriana 479, 2. Ursdir. — Adr.: (Herren) Wili- balden Purckzu Nurmberg, lieben herrende zu handen. Gepietender lieber herre, mein willig dienst alzeit bevor. Ich wird bericht, das mein herren von Nurmberg auf anregen etlicher der iren gegen mein schwegern und vettern Bartholome Welser und geselschaft etwa ain ernstliche monung furgenomen haben sollen. 2 Dweil mir dan solche irrung laid und wider sein und vill lieber zu frid und ainigkeit, die zu furdern, weder wider- März 1345 anknüpften und dieser eine Wirkung von 20 Jahren beimaßen; vgl. H. Grauert, Meister Johann von Toledo i. d. SB München 1901 S. 263f., 273 Anm. 1 und 275f. « Vgl. oben Nr. 244. 2 Der Rat von Nürnberg hatte sieh am 17. April beim Augsburger Rate darüber besdiwert, daß Bartholome Welser durcii Aufkauf des gesamten Ertrages der Kupferbergwerke von Kuttenberg i. B. und Verbringung des Erzes in seine Chemnitzer Seigerhütten die Nürnberger Handwerker sdiwer geschädigt hatte, die ihren Bedarf an böhmischem Kupfer bisher durdi den Nürnberger Hans Ebner bequemer und billiger hatten beziehen können. Näheres über Anlaß und Verlauf dieses Streites, dessen gütlidie Beilegung an den Welserschen Eorderungen sdieiterte, s. bei Welser 1 S. 104 f.; 2 S. 107'ff. Nr. 253. 1525 Frühjahr. 403 willen zu erwecken genaigt bin, und bedunkt mich, das mit grund mein schwegern und vettern und besonder auf ir jungst erpieten unfueg nit zugelegt werden mog, sonder acht, das si sich mer erpieten weder si zu tun schuldig sein. Ist herauf mein dienstlich bete, dweil ir auch zu frid und ainigkeit genaigt sein, ir wollen meiner schwäger und vettern jungst furgeschlagen mittel, wie ain erber rat alhie, meine herren, ainem erbern rat zu Nurm- berg die in schrift anzaigen, von inen oder von der Weiserischen factor vernemen der müe kain bevilhnus tragen und fleis ankoren, wie ir woll zu tun wißt, damit diss sache gestilt und in ain guettlichen vertrag gebracht, also ferrer unwill, unlust und Weiterung verhut werde, daran ir gegen Got und manigklich ain fast gut werk beweisen, das die genanten mein verwandten und ich umb euch mit getreuem fleis zu gedienen alzeit bereit und willig sein. Ich hab von der sache sonst nit wissen, dan wie mir an- gezaigt und die schritten mir vorgelesen sein etc. Dat. auf montag nach Quasimodogeniti anno etc. 25. Damit bevilh ich mich euch als meinem lieben herren, frund und furderer etc. Ch. Peutinger doctor. Lieber herr, ir mögt selbs woll ermessen, wa diser handel in guet nit abgelaint solt werden und anders daraus entsteen wurde, das solchs bei disen leufen und zuvor beden stedten und den iren zu beschwernus und anderm raichen mocht, das der erbern stedt misgonnern frid und sterk geperen etc. 253. Von Veit Bild. 0525 Frühjahr. 1 Augsburg.} Hat die von Peutinger gewünschten weiteren Auszüge astrologischen Inhalts aus der mit Nr. 251 übersandten Handschrift sowie ein begonnenes Gedicht auf die Hochzeit der Konstanze Peutinger infolge einer plötzlichen Erkrankung an Fieber und Podagra nicht vollenden können. Sehnt sich nach einer 1 Der Brief dürfte einige Zeit nadi der darin erwähnten, am 15. Febr. 1525 erfolgten Verheiratung von Peutingers Toditer Konstanze (vgl. die dritt- nddtste An/n.) geschrieben sein. Fr steht in Bilds Briefsamm/iing vor einem Schreiben vom 3. Juli (Sdiröder Nr. 271). 26* 404 Nr. 253. 1525 Frühjahr. Zusammenkunft mit Peutinger, zu der dieser ihm die Erlaubnis erwirken soll. Augsburg. OA: Hs. 81 II fol.236r. Absdir. Bilds. — Adr.: Clarissimo utriusque iuris professori D. Conrado Peutingero, literatorum singulari omnium patrono, detur scheda. Gedruckt: Braun 4 S. 178. Graciam et pacem a Deo patre et domino nostro Iesu Christo. 1 Codiculum et quidem vetustissimum, vir clarissime, aliquando tibi creditum 2 non ego (diutius enim tunc adsistebam), sed alius remissum" recepit his me nomine tuo allocutus verbis: Rescribas, si quid excerptis conforme offenderis. Ipse vero ocius codiculum operose lustrando pauca reperiebam prioribus simillima. Et licet talibus fidem adhibeam omnino nullam, haud ignarus dierum talium adsignationes tum bisextis tum sphaerae octavae continuo motu situm alternantes: Ut tarnen tibi aliquo mihi possibili grati- ficarer, excribebam et subito tum febrili tum podagrica divexari coepi perplexitate, adeo ut coepta perficere potui minime. Sit tibi eorundem verissimum argumentum, quod seil., relatu certior redditus gnatam tuam, virginem tunc aeque castissimam atque prudentissimam, nuptui a te traditam, :! vice encomii epithalamium quoddam seeundum ingenioli mei parvitatem scribere praesump- sisse, cuius inicium erat: Nuptias castae sobriae pudicac virginis, doetae pariter benignae etc., sed morbo praevalente quaeque compulsus omittere. Nolis ergo Vitum tuum tibi deditissimum morae aecusatum iri, quum non negligentia, sed infirmitas id fieri ocius vetuerit. Peroptarem, vir praestantissime, aliquando te coram alloqui ac solus cum solo fabulari, forsitan non in re futili. Tuum ergo esset, id impetrare. Interim valeat Praestantia Tua cum suis omnibus Deo optimo maximo commendata. Dig" Tuae humillimus F. Vitus Bild Acropolitanus. * remissum nachgetragen. 1 Vgl. Gal. I. 3; 1 Tim. I, 2: 2 Tim. 1. 2. 2 Vgl. oben Nr. 251. 8 Konstanze Peutinger hatte sidi am 15. Februar 1525 mit dem Ritter und Dr. iur. Meldiior Soiter von Windadi, Kanzler des Pfalzgrafen Friedridi II von Pfalz-Neuburg, vermählt: vgl. Lotter-Veith S.25f. und Stammtafel II hinter S. 24. Nr. 254. 1525 September. Nr. 255. 1525 vor Oktober 16. 405 254. Von Michael Hummelberg. 1525 September. Überlingen. Übersendet im Auftrage des Beatus Rhenanus dessen „Inschrift" auf das Verbrechen und die Hinrichtung des Hans Jakob Schütz von Traubach in zwei Exemplaren, mit der Bitte, eines an Aventin weiterzuschicken. München. StsB: Cod. Lat. 4007 fol. 156". Absdir. Gedruckt: Lotter-Veith S. 208. Michael Humelbergius Chuonrado Peutingero S. S. Schedas hisce literis meis inclusas Rhenanus ad me misit, ut alteram tibi, alteram Aventino, Bavarico chronicario, trans- mitterem. 1 Ego tibi ambas mitto, ut alteram eures Aventino red- dendam. Forte cupit Rhenanus pro suo erga patriam amore et reverentia id facinus historiis demandari, ut vel posteris clarescat innocentia suorum civium et abstergatur falso inusta proditionis nota. Cuique enim a calumnia sua patria tutanda est. Vale feliciter. Ex Überlingen mense septembre 1525. 255. Von Veit Bild. {1525 vor Oktober 16.* Augsburg) Bitte um Heilmittel gegen Schwindel. 1 Vgl. den Brief des Beatus Rhenanus an M. Hummelberg vom 1. Sept. 1525 (Briefwechsel d. B. Rh. Nr. 240 S. 334) .... Inter eos, qui sub evangelici nominis praetextu impostores agunt, primas tenuit Io. Iacobus Schutz, qui Sletstadiensi senatui pessimo calumniandi genere insidiatus est. . . Mitto tibi inscriptionem, quid gestum sit, edocentem: mittes unam Peutingero et unam Io. Aventino, chronicario dueum Bavariae; natn cupio rem illis esse notam. Hans Jak. Sdiütz von Traubadt hatte i. J. 1524 den Rat der Reidisstadt Sdüettstadt zu stürzen versudit, indem er ihm durdi Verbreitung eines gefälschten Briefwechsels zwisdien dem Bürgermeister Meldüor Ergersheim und der vorderösterreichischen Regierung hodiverräterisdie Ansdiläge auf die Freiheit der Stadt unterschob; der Betrug kam aber nodi rechtzeitig an den Tag, Schütz wurde festgenommen, überführt und im Nov. 1524 in Straßburg hingerichtet; vgl. darüber J. Geny, Die Reidisstadt Sdüettstadt und ihr Anteil a. d. socialpolit. u. relig. Bewegungen d. Jahre 1490—1536 (1900) S. 114ff. Die von Rhenanus auf dieses Ereignis verfaßte Inschrift, zuerst veröffentlicht in seinen Rer. Germ, libri III (Basel 1531) S. 159, ist wieder abgedruckt in seinem Briefwechsel S. 624. 2 Dieser Brief steht in Bilds Sammlung unter Stücken aus d. J. 1525. Daß er vor dem 16. Okt. dieses Jahres, d. h. vor dem Tage, an dem Peutinger 406 Nr. 256. 1525 November 1. Augsburg, OA.Hs.8I Ilfol. 249'. Absdir. Bilds. — Adr.: Clarissimo utrius- que iuris professori D. Conrado Peutingero, literatorum omnium patrono fidelis- simo, detur scheda. Regest: Sdiröder Nr. 277. S. Audii, clarissime vir, Praestantiam Tuam aeque scriptis atque experientia probatissima contra vertiginem habere remedia. Iccirco te humiliter et ex corde efflagito, ut si mihi eodem peri- culose laboranti morbo subvenire poteris, ne graveris, operam amico impendere, vices a Deo optimo maximo recepturus. Iis valeat Praestantia Tua Deo commendata. Tuus ut suus F. Vitus B. 256. An Bürgermeister und Rat 1525 November 1. von Nördlingen. (.Augsburg.} Rät, alles zu vermeiden, was in der Bürgerschaft Unzufriedenheit und Aufruhr erregen könnte, sich andrerseits aber nicht davon abhalten zu lassen, Widerspenstige und Aufwiegler zu abschreckendem Beispiel nach Gebühr zu bestrafen. Nördlingen, StA: Missiven 1525. Ursdir. — Adr.: Wie Nr. 215. Fursichtigen, ersamen und weisen etc. Auf E. Ft. schreiben und begeren, des datum stedt auf 27. tag octobris, 1 mir an gestern sein 60. Lebensjahr vollendete (vgl. König S. 1), geschrieben sein muß, ergibt sich aus der ursprünglidien Einleitung zu dessen seit dem Spatsommer 1526 entstandenen Abhandlung „In vertiginem scotomiamque morbos . . . Collec- tiones", die in Clm 4011 fol. 5'ff. überliefert ist (vgl. ebd. S. 61). Der Stadtschreiber hatte dieses Werk zunächst Bild zueignen wollen: später hat er jedodi die Widmung in der Übersdirift und die auf Bild bezüglichen Sätze der Einleitung getilgt und die Schrift seinem Sohne Claudius Pins zugeschrieben. In ihrer ersten Gestalt begann sie mit folgender Bezugnahme auf unseren Brief: Anno superiore, cum remedia non plane scio quae a me contra vertiginem pecieris, risum vix continere potui, non quod morbus ille curari non possit, licet ego annis pluribus eo laborarem, sed ars medica nostrae non esset professionis . . . Tum eciam ad id temporis annum nonum supra quin- quagesimum agens Deo optimo maximo adiutore nullo morbo saltem difficili, sola febre excoepta simplici eciam terciana, universa hac vita mea affectus fuerim (sexies enim ista et in Italia et in patria me hebescentem et laborantem reddiderat) etc. 1 In diesem langen Sdireiben (Nördlingen StA: Missivbudi 1525 fol. 98 r ff.), das in gleichem Wortlaut auch an Dr. Joh. Rehlinger gesandt worden war, legte der Nördlinger Rat seine sdiwierige, gefährdete Lage dar: Seit dem Nr. 256. 1525 November 1. 407 spat zukomen, hab ich die vergangen nacht den Sachen, darin gemeldt, nachgedacht und in der grossen eil mein gutbedunken in schrift verfaßt, des abschritt E. Ft. hiemit verschlossen zuschick, mit dem erpieten, ob E. Ft. in demselben oder anderen, in irem schreiben begriffen, von mir weiter nachfragens begeren, das ich in dem allen, als ferr mir Got der herre verlihen, meinem verstand nach E. Ft. dasjenig, so ich wais, mit getreuem fleis an- zaigen will und dabei gebeten haben, nit allain E. Ft. zu gut, das ich doch hochsts und getreuen fleis geren furdern wolt, sonder all erber reichstette vor grossem nachteil, schaden, verderben und sterben zu verhüten, das E. Ft. ir selbs und gmainer Aufruhr vom 3.14. April (über diesen, der mit der Erhebung der Bauern- sdiaft des Rieses und der Angelegenheit des wegen Amtsmißbraudis und ehrenrührigen Verhaltens verhafteten Bürgermeisters Antoni Forner zusammenhangt, vgl. L. Müller, Beiträge z. Gesch. d. Bauernkriegs im Rieß und seinen Umlanden: ZHVSdi 17 [1889] S, 50—75) sei Ruhe und Frieden in der Bürgersdiaft nodi nidit wiedergekehrt. Man kenne die Anstifter jener Meuterei, nenne und schelte sie öffentlidi und greife sie an ihrer Ehre an. worauf die Beschuldigten sidi vor dem Rate zu reditfertigen suditen. Ergehe das Urteil nidit zu ihren Gunsten, so müsse der Rat, der bei jenem Aufstand aufs höchste bedroht und geschmäht worden sei, den Vorwurf parteiischer Rechtssprediung gewärtigen; audi müsse er befürchten, bei der Fällung und Vollziehung des Urteils auf Widerstand zu stoßen, weil dem Großen Rat von den Empörern die Zusage einer völligen Amnestie abgepreßt worden sei. Solte nun, so sdiließt das Sdireiben, ... in dergleichen rechtfertigungen hierüber, wie sich gepurn, das recht und alle pillichait erfordern möchten, urtail durch uns gesprochen und zu volnziechen furgenomen werden, so tragen wir nit die klainesten fursorg (wiewol wir nunmer die gemainen burgerschaft, als die sich mit aller unwarhait aufgewiegelt sein bekennen, nit furchten), das sich die der Sachen verwandt mitsampt irm faulen häufen wider under- steen dorften, etwan unversehenlichen, wie sie kundten und mochten, ain neuen unlust anzufahen, und ob das schon nit in gemain, so möchte doch sollichs gegen sondern personen, die inen ain forcht und gegen inen verdacht weren, besehenen. Sollen wir dann sollich Sachen für die vier stett, darauf wir gefreit seien JNördlingen genoß das Privileg, daß Klagen der Bürger gegen den Rat nidit vor den Reidisgeriditen, sondern durdi 4 Ratsmitglieder von Dinkelsbühl. Gmünd, Bopfingen und Donauwörth unter dem Vorsitz seines Stadtammanns in einem der genannten Orte entsdüeden wurden), "weisen und komen lassen, so furchten wir, es wierde sich disen weg nocli vill weiter und zu noch merem Unwillen einreissen und die sachen pöser und nicht pösser werden. Peutinger möge ihnen getreulich raten, wie sie sidi verhalten sollen. 408 Nr - 257. 1525 November-Dezember. stat Nordlingen zu frommen, wie ich wais E. Ft. darzu selbs ge- naigt sein, mit höchstem und ernstlichistem fleis verhüten wollen alles dasjenig, als vill möglich ist, das Widerwillen, aufrur und entporung geperen mocht, es seie mit gepaerden, reden oder ge- tatten, doch daneben den gepurenden rechten sein gang nit sperren und die erberen gmaind zu der billicheit bevolhen haben, auch dagegen die widersetzigen und aufrurigen irem verschulden nach anderen zu ainem beispill straffen, wie sich geburt, dienstlich bitend, solch mein anzaigen guetlich zu verneinen, dweil ich mit allen treuen vermaine etc. Dat. in grosser eil auf 1. tag novembris anno etc. 25. Chonrat Peutinger, doctor. 257. Von Michael Hummelberg. {1525 November-Dezember.^} Bezweifelt jetzt gleichfalls die zunächst für glaubhaft gehaltene Nachricht, daß kürzlich in Sachsen die verlorenen Bücher des Plinius und des Livius aufgefunden worden seien. München, StsB: Cod. Lat. 4007 fol. 156v. Abseht: Das auffol. 156folgende Blatt mit dem Schlüsse des Briefes ist herausgesduiitten; auf fol. 157 neuer Zählung steht der Schluß eines Briefes des Beatus Rhenanus an H. vom 25. Dez. 1525 (der im Briefwechsel des Rh. nidit abgedruckt ist, weil der Herausgeber ihn irrig als zum Briefe an Peutinger gehörig ansah). Michael Humelbergius Ravenspurgensis Conrado Peutingero Augustano S. S. Neque ego omnimodam et certam fidem ei habui, qui retulit desideratas Plinii et Livii libros apud Saxones nuper repertos. Atqui ita sanete coneeptis verbis ista asseverabat, ut assentire omnino cogerer. 2 Incidebat tum mihi non absimilis fabelia, dum 1 Das Briefbrudistüdt dürfte die Antwort auf das nidit erhaltene Schreiben Peutingers an Hummelberg sein, das dieser in seinem Briefe an Beatus Rhenanus vom 2. Nov. 1525 erwähnt: Brlefwedisel des B. Rh. Nr. 244 S. 341. Hieraus und aus seiner Stellung im Clin 4007 unmittelbar vor dem Sdireiben des Rhenanus vom 25. Dez. 1525 ergibt sidi das obige ungefähre Datum. 2 Da das Sdireiben Peutingers, auf das Hummelberg hier offenbar antwortet, nidit erhalten ist und die Angelegenheit audi in Hummelbergs sonstigen Briefen nicht weiter erwähnt wird, läßt sidi über sie nidits Näheres feststellen. Gerüdite über das Vorhandensein eines vollständigen Livius in einem bald norddeutschen bald dänisdien Kloster hatten die Humanisten sdion seit Petrarcas Zeiten wiederholt in Aufregung versetzt, und nodi 1517 Nr. 258. 1525. 409 Rhomae essem, 1 de Aristotelis libris, quos /tierd %ä tpvaatä vocant, narrata, quod reperti essent alicubi apud Siculos, ni fallor; non hi, quos hactenus in academiis legerunt, sed alii pari librorum nuinero, qui in tantuin christianae pietati consonarent, ut ne latum di — 258. Von Veit Bild. {1525. 2 Augsburg.-) Hat von seinem Abte die Erlaubnis erhalten, Peutinger zu einer beliebigen, von diesem zu bestimmenden Zeit zu besudieu. Augsburg. OA: Hs. 81 II fol. 243 'f. Absdu. Bilds. — Adr.: Clarissimo aeque atque praestantissiino viro D. Chunrado Beuttingero, suo ac omnium litcratorum maecenati, dcntur litcrae. Gedruckt: Braun 4 S. 178f. Graciam et pacem a Deo patre et domino nostro Iesu Christo. 3 Inter prandendum, vir clarissime, a rev d0 praelato nostro 4 vocatus audii nie causam discordiae et inter eius rev dam P tem et Tuam Praestantiam existere. Ego, qui iocum principio intelligebam minirae, certior desuper reddi postulabam. Tum ipse rem clarius expandens aiebat Tuam Praestantiam iocando aegre ferre (cer- tificatus per coquum nostrum, virum utique integerrimum), quod alias permissus adire sibi prohiberer. Et ut res per easdem dis- solveretur caussas, per quas fuerat nata (hoc est, ut essem mediator hatte Papst Leo X. — gleich seinem Vorgänger Nikolaus V. — einen eigenen Sendung (Joh. Heitmers) nadi dem Norden geschickt, um neben anderen Klassiker- handsdiriften vor allem den angeblich vorhandenen unverstümmelten Livius nadi Rom zu bringen. Vgl. G. Voigt, Die Wiederbelebung des klass. Altertums 1 S. 206f., 247ff.; 2 S. 200; Pastor 4, 1 S. 481 f. Als dann i. J. 1527 Simon Grynaeus in einer Hs. des Klosters Lorsdi die bis dahin unbekannte erste Hälfte der 5. Dekade entdeckte, wurde die oft getäusdite Hoffnung auf das Auftaudien eines vollständigen Exemplars aufs neue belebt. Vgl. audi den Widmungsbrief des Erasmus vor der Baseler Ausgabe von 1531: Eius rei spem nonnullam praebent rumores per ora quorundam volitanies, dum hie apud Danos, ille apud Polonos, alius apud Germanos haberi Liviana quaedam nondum edita iaefitat. 1 Hummelbergs Aufenthalt in Rom fällt in die Jahre 1514 — 17. 2 Dieses (wie auch das folgende) Sdueiben Bilds gehört nach seiner Stellung in der Hs. in die zweite Hälfte d. J. 1525. 8 Vgl. Gal. 1, 3; 1 Tim. 1, 2; 2 Tim. 1, 2. * Joh. Sdirott. 410 Nr. 259. 1525. et reconciliator; iocor Tua cum Praestantia, qui fuerim inmanae dissidentiae author), paterne benigneque concessit, ut, quacunque die vel hora a te vocatus fuerim, te ocius adeundo quaeque tibi placita agerem confabularerque. Tuae ergo erit Praestantiae, diem et horam, quibus te conveniam, adsignare. Interim valeat Praestantia Tua cum suis Deo optimo maximo commendata. Raptis- sime ex gurgustiolo meo Benedictino. Dig u Tuae humillimus F. Vitus Bild Acropolitanus. 259. Von Veit Bild. (7525. 1 Augsburg.) Übersendet eine Abschrift seiner nach dem Vorbilde des Palladius für die geographische Breite Augsburgs verfaßten Berechnung der Tagesstunden aus der Länge des Leibesschattens. Augsburg, OA: Hs. 81 II fol. 243»f. Absdir. Bilds. — Adr.: Clarissimo utriusque iuris doctori D. Chonrado Peutingero, singulari literatorum maecenati, dentur literae. Regest: Sdiröder Nr. 275. Graciam et pacem a domino patre etc.* Haud semel scriptis ad te, vir praestantissime, mentionem feci de horarum usualium per pedum mensurationes certissimas observatione, quas et Palladius ille suam ad regionem horasque, quas inaequales vocitant, olim calculavit. 3 Ego vero nostras integras ad horas dudum (non tarnen sine labore) accuratissime observavi, quarum etcopiam 4 tibi facere, cum sis omnium scibilium (ut vocant) operosissimus indagator, deliberavi, ut habeas vel saltem minutissimi quiddam monumenti Viti tui, quo sinceram erga Praestantiam Tuam volun- tatem et subiectionem prae se ferre voluit. Iis me Tuae com- mendo Praestantiae. Nonnulla Pinicianus ille, vir optimus com- munisque amicus, coram referet. Praestantiae Tuae humillimus F. Vitus. Unum est, quod te latere volui minime: praescriptas horarum tabulas Calendario dudum Praestantiae Tuae ac optimarum in- dolum gnatis tuis adscripto 5 esse insertas. 1 Vgl. S. 409 Artin. 2. ' Vgl. Oal. 1. 3: 1 Tim. 1. 2; 2 Tim. 1, 2. 3 Vgl. oben Nr. 251. * Die Ursdirift des Werkes widmete Bild den Brüdern Anton und Raimund Fugger: Sdiröder Nr. 272f. s Vgl. oben Nr. 224. Nr. 260. 1526 März 6. 411 260. Von Erzherzog Ferdinand. 1526 März 6. Augsburg. Peutinger soll die zu den historischen Werken K- Maximilians gehörigen Holzstöclteusw., die Melchior Pfintzing an ihn zu scliicken angewiesen ist, in Empfang nehmen und sofort an Marx Treitzsaurwein nach Wien weitersenden. Wien, Reidisfinanzarduv: Hoffinanz. Entw. Gedruckt: JKSK 3, 2 Nr. 2869. Ferdinand etc. Ersamer, gelerter, besonders lieber, als wir dir jungstlich geschriben und an dich begert haben, 1 so dir der ersam geistlich unser lieber andechtiger Melchior Pfintzing, brobst zu sant Sebald zu Nurmberg und sant Alban bei Mentz, a die Sachen und formen, so zu unsers lieben herren und anherren kaiser Maximilian hochloblicher gedechtnus historien gehören und er noch bei seinen banden hat, zueschiken werde, das du die zu unsern handen annemen und verwaren sollest; und nachdem wir mit unserm getreuen lieben Marxen Treytzsauerwein, unserm rate, Niderosterreichischen canzler und pfleger zu Stuchsnstein, sovil gehandlt und beslossen, gedachter kais. Maj. historien zusammenzubringen und dannen zu richten,- so haben wir gedachtem brobst abermals geschriben, das er mit Zusendung be- rurter formen und historisachen nicht verziehe. 3 Darauf begeren » Der Abdruck im JKSK hat irrig Metz. 1 Dieser Brief ist nidit erhalten. 2 Ferdinand plante damals die Vollendung und Herausgabe sämtlicher von seinem Großvater vorbereiteten historisdien Werke, von denen bis dahin nur der von Meldiior Pfintzing überarbeitete „Theuerdank" i. J. 1517 gedruckt, jedodi nodi nidit im Budihandel ersdüenen war. Am 1. März 1526 hatte der Erzherzog aber die Durdiführung des Planes mit Treitzsaurwein. dem literarisdien Helfer Maximilians bei der Abfassung seiner autobio- graphisdien Schriften, vor allem der beiden ersten Bücher des AVeißkunig". einen Vertrag abgesdüossen: JKSK 3, 2 Nr. 2868. Vgl. dazu S. Lasdiitzer im JKSK 7 S. 44; 8 S. HO. Der schon im Jahre darauf erfolgte Tod Treitzsaui- weins (s. R. v. Liliencron in der ADB 38 [1894] S. 559) hat das Unternehme!: vereitelt. 3 Dieses Sdireiben an Pfintzing, vom gleichen Datum wie das an Peutinger geriditete, s. JKSK 3, 2 Nr. 2870. Pfintzing hatte u. a. das von Treitzsaurwein angelegte .Fragbudi" über den „Weißkunig" vom Kaiser zur Verwahrung erhalten: vgl. JKSK 1 Nr.374; 6 S.XXIV. 412 Nr. 261. 1526 kurz vor April 14. wir an dich mit besonderm vleiß, als pald dir dieselben sachn zuekomen, das du die inhalt unsers vorign schreibns emphahest, auch das fuerlon und was darauf geen wirdet von unsern wegen bezallest und furter die berurten formen und Sachen alle von stund an gedachtem unserm Niderosterreichischn canzler gen Wien schikest und ime daneben schreibest, was du darauf ausgeben hast; so wird er dir dasselb gelt von stund an hie zu Augspurg widerumb zu bezalln und zu erlegn verordnen; und dich in dem uns zu gefallen gutwillig erzaigest und haltest. 1 Das wellen wir in allen genaden gegen dir erkennen. 261. An Veit Bild. (1526 kurz vor April 14. Augsburg.} Dankt für den Glückwunsch zur Geburt seines Enkels und bittet, diesem das Horoskop zu stellen. Einladung zu einem Fischessen am Karfreitag. 1. Augsburg. OA: Hs. 81 111 fol. 54 '. Abschr. — 2. München, StsB: Cod. Lat. 4392 fol. 48 1 ". Absdir. nach 1., die Eigennamen durcli den Buchstaben N. ersetzt. Gedruckt: Lotter-Veith S. 214f. Regest: Schröder Nr. 280. Salutem, praestantissime Vite. Singulari amore filius meus Carolus te prosequitur, quem 11 et magis äuget amorem singularis tua humanitas et benivolencia tua erga nos. Quod gratularis michi de nepote nato, 2 tibi et gracias ago et referam. Verum ut horam nativitatis eius plane perspicias: natus est die 16. marcii ante horam duodecimam meridianam. Quare te rogo, astra ipsa cal- cules et me de his cerciorem facias. Si quid ultra a me pecieris, :l quod Hs. 1 Am 13. Aug. 1526 schreibt Marx Treitzsaurwein an die niederösterr. Raitkammer: Mir hat Dr. Cunrat Peitinger abermals etlich Sachen, zu dem Teurdank gehörig, inhalt fürstlicher Durchleuchtigkait bevelh herabgeschickt, darauf ime auf herabfuerung derselben Sachen fünf pliunt und zwen schul. phennig aufgeloffen. Demnach ist mein frondlich bitt, ir wellet dem Zämesser, der dann von bemeltem Peitinger in bevelh hat, solh gelt zu seinen banden in den Wechsel zu emphahen, bei dem lierren vizdomb zu bezallen verordnen. JKSK 3, 2 Nr. 2889. 2 Der Erstgeborne aus der in Nr. 253 erwähnten Ehe von Peutingers Tochter Konstanze mit Dr. Meldnor Soiter. Nr. 262. 1527 Februar 23. \ \ 3 me tui obligatum prospicito ac cura, ut saltem vocacione mea in prandio tempore tibi congruo inecum esse possis. Vale. Tuus Peutinger. Prandium tuum in die Parasceue' non, credo, lautum erit; !> si commode poteris, me convenias; donati quidem sunt miclii pisces optimi. 262. An Bürgermeister und Rat 1527 Februar 23. von Konstanz. (Augsburg.} Begleitschreiben zu einem Reclitsgutachten, das er wegen der Sdiwierigkeit des Gegenstandes und einer Erkrankung nicht früher habe fertigstellen können. Augsburg, StA: Peutinger. Entw., das Datum von fremder Hand. — Aufschrift: An die von Costencz. Fursichtigen, ersamen und weisen etc. Auf E. Ft. schreiben, auch irs erberen ratsfrunde Chunraten Zwicken 2 ferrer anbringen und etlicher ubergebner schritten hab ich ainen meinen ratschlag"' verfaßt, den E. Ft. hiemit zueschick, und dweil der sachen, in bemelten schritten begriffen, vill sein, auch vill ferrer bedenknus und nachsöhens bedorft, so hab ich ainer meiner krankheit halben, mir mitler zeit zugestanden, bemelten ratschlag nit eher können noch mögen fertigen, ungezweifelt, das dannocht der verzug bisher E. Ft. nit sonder nachteilig, villmer furstendig seie; dan so " erit mit roter Tinte nachgetragen. 1 14. April. 2 Konrad Zwick, der nadi akademisdien Studien in Bologna. Freiburg und Wittenberg 1523 in seine Vaterstadt zurückgekehrt und zwei Jahre später Mitglied des Rates geworden war. ist einer der führenden Männer der Konstanzer Reformationsgesdiichte. Vgl. über ihn G. Knod, Dentsdie Studenten in Bologna (1899) S.660f. Nr. 4391; K. Gröber, Die Reformation in Konstanz: Freiburger Diözesan-Archiv 46 (1919) S.210 (wo statt „Thomas": „Konrad" zu lesen ist) u. ö. 3 Dieses Gutachten Peutiugers (Reinschrift im StA Konstanz, Entw. in der Stß Augsburg, Cod. 2° Aug. 401 fol. 1—45) betrifft die Frage, ob der Rat von Konstanz zu seinem Vorgehen gegen die altgläubige Geistlidikcit der Stadt — er hatte im Sommer 1526 deren Geridits- und Steuerprivilegien aufgehoben und F.nde des Jahres den Münstersdiatz mit Beschlag belegt (vgl. dazu Gröber a. a. O. S. 231 ff.) — bereditigt gewesen sei; ausführliche Inhaltsangabc: König S. 91 ff.: vgl. auch Gröber a. a. O. S. 272 Anm. 3. 414 Nr. 263. 1527 Juli 7. der fleissiglich und der nottirft nach vom anfang bis zu ende wirt überlesen, gehört und ermessen, acht ich, mein getreue ge- muet und fleis darin woll befunden werden sollen, das ich E. Ft. nit wolt verhalten» etc. Dat. uf 23. tag februarii 1527. 263. An Bürgermeister und Rat 1527 Juli 7. von Konstanz. Augsburg. Gutachten über den Entwurf einer Rechtfertigungsschrift der Stadt Konstanz gegenüber den wider sie von Bischof und Domkapitel bei der Reichsregierung erhobenen Klagen: Rät, darin alles zu vermeiden, was an die neue Lehre erinnere und. sich daher nicht auf die Hl. Schrift, sondern nur auf das kaiserliche und päpstliche Recht zu berufen, dagegen die Lehren des Neuen und Alten Testaments über die Pflichten der Bischöfe und Priester in einer anonymen Flugschrift zusammenzustellen und diese heimlich verbreiten zu lassen. Konstanz, StA. Reinsdir., nur die Untersdir. eigenhändig. —Adr.: Den Unsichtigen, ersamen und weisen burgermaistcr und rat der stal Costenncz, meinen gebietenden lieben herren. Aufschrift: Doctor Butinger , praesen- tatum 12. iulli anni 1527. Gedruckt: König S. 168f. Als E. Ft. mir hievor geschriben und dabei abschritten, wes die von ainem bischove und seinem cappitul angetascht und be- clagt worden sein a und was E. Ft. daruf für Verantwortung zu ton und zu geben vorhaben belangende, zugeschickt hat: das alles ich mit fleis verlesen und kann bei mir nit änderst befinden, das auf solich antaschen und beclagen die selb Verantwortung 1 Gleidizeitig teilte Peutinger audi Konrad Zwick die Absendung seines Gutachtens an den Konstanzer Rat mit: Er hoffe, man werde spüren, mit was getreuem fleis, großer mue und arbeit ich dasjenig, so darin begriffen ist, meins achtens dem rechten und aller erbern billichait gemes zusammengetragen. Von dem Anerbieten, sidi durdi seinen Schwager Bartholome Welser auf Rechnung der Stadt eine Belohnung auszahlen zu lassen, habe er keinen Gebrauch gemacht, da er der Zuversicht sei, der Rat werde solchs gegen mir selbs wol wissen zu vergleichen. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. 2 Über die gegen den Rat von Konstanz wegen seines Vorgehens gegen Bisdwf und Kapitel seit dem Sommer 1526 erhobenen Proteste und Klagen bei der kaiserlichen Regierung vgl. König S. 90f., Gröber a.a.O. S.253. Nr. 263. 1527 Juli 7. 415 der notdurft nach wol gestellt seie. Und doch daneben gueter und getreuer mainung bedenk, das-bei vielen und gleichwol von höchsten stenden, auch sonderlich denjenigen, so die oberkaiten tragen und verwalten, die mißgebreuche und aufrurisch sachen und getaten, darein der arm unverstendig pofel an vil orten teutscher nation under dem schein des gotsworts und des heiligen evangelien kurz verrückter jar wider die oberkaiten zu streben, gewaltig naum zu ton, land und leut zu verwieschten, zu verderben und also dem gotswort und evangelien zugegen zu handien eingefuert, besuch verfuert worden ist, 1 zu herzen gefaßt, und die dermaßen noch lange zeit in gedechtnus erhalten werden; auch die Ursachen und schulde solher zugestanden und begangen mißgebreuche und getaten allein auf die neuen leren (wie sie es nennen) legen. Aus dem erfolgt auch, das etwan jetzo oder hinfuro die verhörer der spennigen sachen, desgleichen die oberkaiten, so darüber zu richten haben, ab einfierung der leren (ob die gleichwol in der heiligen geschrift gegronnt sein *) entsezen und (wiewol es nit sein solt) ein verdries darab empfachen, auch villeicht aus mentschlicher pledigkait gedenken mechten, so sich der gebrauch bisher gehalten, das das gotswort in kirchen und auf der canzel verkondt und nit vast noch vile zu gerichtlichen oder in ander weg zu furtrag der sachen vor den oberkaiten angezogen ist worden, und dan die gütlichen leren von ainer partei wider ir widerpartei, die es nit allein, sonder auch ander vill mer (und die der sach auch verhörer sein oder darbei sitzen) beruren, so hart und scharpf angezogen, mecht derselben ainen partei zugelegt werden, die wolt sich selbs örterung und reformation in stenden der christenhait furzunemen und die ires gefallens zu erheben oder abzutreiben understeen, dardurch nit wenig Ungunst, neid und haß erlangen. Und aber ain gunstigen verhörer und richter zu haben und zu machen nit allein natürlich, sonder auch die notdurft erfordert. Darzu aber nit alein dienstlich ist, wie derselb gunst gesuecht und gemacht, sunder auch, wie das widerspil, das ist Ungunst, so daneben einreisen, verhüet und dannocht, was ferrer die götlich und billich notdurft eraischt, nit umbgangen werden möcht. 1 Gemeint ist der Bauernkrieg von 1525. ' Über die Tragweite dieses Bekenntnisses Peutingers zur „neuen Lehre" vgl. König S. 99ff. 416 Nr. 263. 1527 Juli 7. Auf solichs alles vermeint ich, was der heiligen götlichen geschrift ist in E. Ft. Verantwortung eingezogen, Christi unsers herrn gewalt und die bischeflichen und priesterlichen schuldig christenlich dienst und Verwaltung in der gemein berurt, diser zeit darin zu umbgeen und auszulassen und allein gebrauchen die kaiserlichen und päpstlichen recht, auch das gotswort, ob das darinne begriffen oder sich die darauf begründen oder sich sonst darmit vergleichen, so zu E. Ft. sach furstendig, wie dann in der Verantwortung meins achtens die furstendige kaiserliche und päpstliche recht doch dapfer und wol angezogen sein; doch daneben ain gemeine ordenliche verzaichnus durch diejenigen, so der hailigen geschrift bericht und verstendig sint und die getreulich gebrauchen, furnemen und stellen, den bischoflichen und priesterlichen diensten und Verwaltungen, was inen Christus der herr durch sich selbs und seine heilig apostl auferlegt hat zu ton und zu lassen, auch wie sie sein sollen, desgleichen was im Alten Testament darzu furtreglich were, ziehen, auch darinne zu ablainung euer widerparteie und zu becreftigung E. Ft. vorhaben und sach, doch in gemein begriffen, sollichs alles zu guter ge- haim und verwarlich, doch nit under E. Ft. und derselben vertrauten gelerten titul noch namen in truck pringen, das behalten und, so wider in obgemelten spennigen Sachen verhöre oder andere tage furgenomen, solche buechle ain landfarer der ort offenlich verkaufen oder ausgeben lassen. Darmit so würde dan- nocht nichts, das E. Ft. erschießlich were, underlassen, auch der nit aufgelegt, das si allein und für sich selbs die bischof und priesterschaft straufen und reformieren oder ander angemaßter weis des gotsworts underrichten wölten. Doch stelle ich sollichs alles und jedes auf E. Ft. Verbesserung und wolgefallen, 1 dienstlich bitend, die wollen mir solich mein anzaigen und bewegen, wie ich dan das von herzen ganz getreulich main, in allem guetem vernemen, auch diß sach zu 1 Der Konstanzer Rat hat Peutingers VorsMag nicht befolgt: Seine am 10. März 1528 veröffentlidite Reditfertigungssäirift „Ain schrifft der Kaiserlichen Regierung im Hailigen Ridi zugesditckt etc." (s. den vollständigen Titel bei König S. 89 f. Anm. 3 und Gröber S. 272 Anm. 3) ist ganz in reformatorischem Geiste gehalten und sucht das Vorgehen der Stadt gegen die altgläubige Geistlichkeit vor allem durch Berufung auf Stellen der Hl. Schrift zu verteidigen. Nr. 264. 1527 Juli 19. 417 gueter gehaim, wie ir wol wissen, halten, darmit die gegentail sich aus ferrerm erfaren auch nit darwider Tischten mögen. Schick hiemit die gemelten abschriften widerumb, und wa es wider E. Ft. nit were, so wölt ich geren, so sich die irer Verantwortung entlich entschlossen, desgleichen des gemelten buechlins, ob das furgenomen, abgeschrift oder abtruck darvon haben und zu gueter gehaim bei mir behalten. Dat. Augspurg auf den sibenden tag iulii anno etc. 27. Chonrat Peutinger, beder recht doctor etc., manu propria subscripsit. 264. An Johannes Aventinus. 1527 Juli 19. (Augsburg.y Gibt nac/i erfolgter Absdiriftnahme die Handschrift des Tageno zurück und übersendet leihweise eine Denkschrift zugunsten Kaiser Ludwigs des Baiern. Gedrudä: Joh. Turmairs gen. Aventinus Sämtl. Werke 6, herausg. von G. Leidinger, S. 86 f. D. Ioanni Aventino, viro clarissimo et amico praecipuo, S. in Christo servatore. Quod me principi nostro illustrissimo l commendasti, tibi non solum ago, sed et habeo gratias. Expeditionem illam tuam * tibi praesentibus remitto remisissemque pridem, ni ille, qui excripsit, nobis praepedimento fuisset. Primus enim, qui ad rescribendum acceperat, male nobiscum egit; clam enim et nesciente me alteri dedit, qui nee litteras novit. Is ita inemendate scripsit, ut diffi- cilius fuerit emendare quam transscribere. Adelmannus noster 3 et ego eciam plures dies labori huic impendimus. 4 Mitto eciam 1 Herzog Ludwig von Baiern, in dessen Auftrage Aventin sidi am 26 März 1527 auf mehrere Wodien nadi Augsburgbegeben hatte, um in Peutingers Bibliothek etlich alte ding, das haus Baiern betreffend, zu erforschen; vgl. Aventins Bayer. Chronik, B. 8 Kap. 8 u. 28 (S.W. 5 S. 437 u. 472) sowie seinen .Haus- kalender" unter: 1527 Martius 26, Aprilis 8, Maius 3 (S. W. 6 S. 43). 2 Tagenos Beridit über den Kreuzzug Kaiser Friedridis l; vgl. oben Nr. 193. 3 Konrad Adelmann v. Adelmannsfelden. 4 Daß Peutinger und Adelmann trotz Aventins 1522 erschienener Druckausgabe sich die zugrunde liegende Hs. nodimals absdireiben ließen, dürfte darin seinen Grund haben, daß nach den neuesten, im Beridit der MGH1921 (SB Berlin 1922 S. 176) angekündigten Untersudiungen A. Chrousts der Aven- König, Peutingers Briefwechsel 27 418 Nr. 265. 1527 Sommer. caesaris Ludovici defensiones, 1 quas principis secretariis commo- dato dare potueris, eo tarnen pacto, ut michi salvae restituantur; aliud quidem exemplar non habeo. Coeterum nie tui studiosissi- raura diiudicato. Vale! 19. iulii anno Christi 1527. Tuus Peutinger. 265. Von Veit Bild. (1527 Sommer. 2 Augsburg.} Schickt Peutingers Schriften „De eucharistia" und „Contra vertiginem scotomiamque morbos collectiones" zurück mit der Aufforderung, sie zu veröffentlichen; billigt Peutingers Anstellt in der Abendmahlsfrage und freut sich, zur Schrift über den Schwindel zum Heile der daran Leidenden den Anstoß gegeben zu haben. Übersendet ein Stück Tuch mit Darstellungen der Taten Friedrichs I und Schriftresten. Augsburg, OA: Hs.81 II fol.256rf. Absdir. Bilds. — Adr.: Clarissimo utriusque iuris professori ü. Chonrado Peutingcro, domino suo in aevum colendissimo, dentur literae. Gedruckt: Braun 4 S. 179f. Regest: Schröder Nr. 290. Graciam et pacem a Deo patre et domino nostro Iesu Christo. 3 tinische Druck „eine humanistische Bearbeitung" des bei Magnus v. Reichersberg überlieferten Berichtes ist. Damit verliert die obige Tatsaclie alles Auffällige und es entfällt vollends jeder Anlaß, unsern Brief, wie E. v. Oefele (Oberbayer. Arch. 44 S. 20 Anm. 1) es gewollt hat, gegen die handsdiriftl. Überlieferung in das Jahr 1522 zu verlegen, was audi sdton Leidinger in seiner Ausgabe zurückgewiesen hat. — Peutingers Absdirift ist versdiollen. 1 Damit ist gemeint eine von W.Preger nadi Clm 17833 in den Abh. d. Bayer. Akad. d. Wiss., Hist. Kl. 15, 2 S. 76—82 veröffentlichte Denksdirift, die aus dem Kreise der Minoriten am Hofe Ludwigs des Baiern stammt und den Kaiser warnen soll, mit Johann XXII. Frieden zu schließen, solange dieser nicht seine reditswidrigen Ansprüdie auf die weltliche Oberhoheit über das imperium ausdrücklich aufgegeben habe (vgl. über sie A. Hauch, Kirdien- gesdüdüe Deutschlands 5,1 [1911] S. 534). Peutinger hat sie sich im Cod. 2° Aug. 384 der Augsburger StB ex quodam libro vetusto et qui vix legi poterat eigenhändig abgeschrieben. Aventin hat diesen hübschen ratschlag verwertet in seiner Bayer. Chronik B. 8 Kap. 28 mit der ausdrücklichen Angabe, daß er seine Kenntnis Peutinger verdanke: S.W. 5 S.472. Vgl. auch Nr. 267. 2 Das ungefähre Datum ergibt sidi aus der Stellung des Briefes in der Hs. 5 Vgl. Gal. 1, 3; 1 Tim. 1, 2; 2 Tim. 1, 2. Nr. 265. 1527 Sommer. 419 Remitto libros nuper creditos, 1 vir praestantissime, operoseame lectos, qui ut in luceni ob multorum utilitatem prodeant dig- nissimi ab optimis quibusque iudicabuntur. Tuae ergo erit Prae- stantiae, lumen non sub modio occultare, a sed supra candelabrum ponere 2 , ut cibum spiritualem habeat anima, quo se per divinissi- mum eucharistiae sacramentum reficiat, corpus vero vertigine vel scotomia aegrum non careat pharmaco. Sententiae tuae, qua caput Ioannis VI. 3 non tantum de spiri- tuali manducatione verbi Dei (ut plerique et quidem diserti faciunt), sed et de sacramentali, qua verum Christi corpus manducatur sanguisque eius verus bibitur, adseris intelligi, gratulanter sub- scribo, 4 quum verba capituli quam plurima clarissimam de vero corpore et sanguine Christi mentionem faciant, ut et tu ipse accuratissime adducis. In eo libro literas aliquas omissas asteriscis notavi duabusque annotationibus signaturas quasdam adiunxi, ut lector diligentius eas perlegat; eisdem namque tu nonnullis eucharistiae osoribus maledicendi viam praecludis. Vellem, ut absoluto ad praelum opusculo pausae debitae 1 non omiterentur differentia- que inter ,quae' pronomen et ,que' coniunctionem necnon inter ,quum' (vel quom) adverbium et ,cum' praepositionem haberetur. Caeterum quum Tuae placuerit Praestantiae, epistolium libro Contra vertiginem praemitterem (tempore seil., quo chalcographo liber ad aedendum datus fuerit), quo lectori significarem, quur a te iureconsulto pharmaca expetierim, quem scientiarum paene omnium scierim haud ignarum: Forsan ex risu, quem tibi provo- cavi, alter Isaacus patriarcha (quemadmodum Abrahae per Sarram uxorem obvenit) nasceretur, in quo repromissio fiat curationum aeque vertiginis atque scotomiae; aedito namque in lucem libro gaudebo quoad vixero, ut eosdem patientibus morbos causa extiterim, qua eis salubria per tuam industriam medicamina provenirent. :l oecultare am Rande nadigetragen. b verbessert aus deditae. 1 Es handelt sidi, wie die folgenden Ausführungen Bilds zeigen, um eine — heute versdiollene — Schrift „De eudiaristia" und um die oben S. 405 Anm. 2 erwähnte Abhandlung über Sdiwindel und Kopfsdimerz. 2 Vgl. Matth. 5, 15. » Joh. 6, 51—58. 4 Über Bilds reges Interesse für die seit Ende 1523 gerade audi in Augsburg (vgl. Roth 1 S. 197ff.) lebhaft erörterte Abendmahlsfrage vgl. A. Bigcl- mair, Der Briefwechsel von Oekolampadius mit Veit Bild: Reformationsgesdi. Studien u. Texte 40 (Briefmappe II), 1922, S. 131 ff. 27* 420 Nr. 266. 1527 November 10. Postremo Tuae mitto Praestantiae scripturae fragmenta panni, quo Faederichi primi gesta quaedam depicta habentur, quanta perspicere potui: Lineae nanque iacentes a et virgulis sectae litera- rum defectus prae se ferunt; ibidem enim tharacteres omnino vel deleta vel illegibilia sunt. Iis valeat Praestantia Tua cum omnibus suis in Christo ser- vatore nostro meque ut vilissimum inancipium commendatum (uti non dubito) habeat. Praestantiae Tuae humillimus Fr. Vitus Bild etc. Carolo regi nostro, gnato dulcissimo, verbis meis salutem Tua dicat Praestantia quam plurimam. Non te pigeat laboris, vir clarissime, quin librum De eucha- ristia compleas; immortale enim tibi per hoc nomen acquires ut etBirkhemerusille, vir equidem praestantissimus, sibi apud eruditos quosque effecit; 1 perpulchrum enim erit audituque iucundum et legum professores divinis operam impendere literis. 266. Von Balthasar Merklln. 1527 November 10. Burgos. Berichtet, daß der Kaiser der Stadt Augsburg gnädig gesinnt sei and daß ihr Streit mit dem Bischof wegen der Münzgerechtigkeit günstig stehe. Der Kaiser hoffe, daß der Rat sein Begehren, die an Villinger versetzten Kleinodien einzulösen und zu verwahren, erfüllen werde. Empfiehlt sich Peutinger, dem er beim Kaiser jeden gewünschten Gnadenerweis verschaffen wolle. Große Geldnot am Hofe. Augsburg, StA: Literalien. Reinsdir.von Sdireiberhand; Untersdir. eigenhändig. — Adr.: Dem hochgelerten heren Cunraden Peutinger, Ro. kai. und Hispan. ku. Mt. etc. rat, meinem lieben herrn und freund, zu aigen handen. Augspurg. tt verbessert aus iacens. 1 Gegen Oecolampads im Sept. 1525 veröffentlidite Sdirift „De genuina verborum Domini ,hoc est corpus meiim' . . . exposttio", die die Zwinglisdie Auffassung der Abendmahlsfrage vertrat (das Exemplar der Augsburger StB trägt des Verfassers eigenhändige Widmung an Peutingers ältesten Sohn: Oecolampadius Claudio Pio Peutingero suo), hatte Pirckheimer im folgenden Jahre seine „De vera Christi came et vero eins sanguine ad I. Oeco- lampadium responsio" erscheinen lassen, ein Werk, das ihm nidit nur von Bild, sondern auch von Luther (Briefwechsel, ed. Enders, Nr. 1046, 5 S. 330) und Zasius (Epistulae, ed. Riegger, Nr. 213) hohes Lob eintrug. Nr. 266. 1527 November 10. 421 Hochgelerter, gebietender, freundlicher lieber her und freund, in grosser gehaim, eil und gescheft, so ich etlich vil tag mit ernst und vleis solicitiert, geloffen und gearbait hab, tun ich euch zu wissen, das ich alle brief, copia und ander missiven meiner gn. gunstigen lieben heren N., burgermaister, und ratgeben empfangen und, wiewol ich mit ernst und vleis kai. Mt. etc. ire brief gelesen, unter anderem underteniglich I. Mt. von meiner herren wegen dank gesagt, das I. Mt. inen so gnedig und des prinzen geburt vor andern verkundt haben: 1 ist I. Mt. vast wol zufriden etc. und gnediglich solchen dank angenomen etc. Aber das ich zu dem handel 2 kotne und nit vil ambages für mich neme, so bit ich euch als meiner gn. heren von Augs- purg obersten und innersten rat, auch zu dem ich mich alles guts, ern und liebs versieh, ir wellet in der grossen eil ditz mein schreiben, so ich nach vil gehabter arbeit, sorg und angst euch vor allen andern in geheim nit bergen wolln, was mir nu etlich jar und zeit in unser muntzsachen entgegen gestanden etc. Der darauf folgende Bericlit über seine eifrige Tätigkeit im Dienste der Stadt und den dadurch allen Widerständen zum. Trotz erreichten günstigen Stand Ihres Münzstreites mit dem Bischof* schließt mit dem Rat: Last euch in kain weg abtreiben, münzet für und für, kain unwil, kain ungnad noch kain verwurknus 1 Karl V. hatte die am 21. Mai 1527 in Valladolid erfolgte Geburt seines Sohnes Philipp sdion am folgenden Tage dem Rate von Augsburg eigens mitgeteilt: Augsburg, StA: Literalien. Ursdir. 2 Gemeint ist der Münzstreit zwischen dem Rat und dem Bischof von Augsburg: Das durch Peutingers Bemühungen während des Wormser Reichstages (vgl. Nr. 213f.) am 21. Mai 1521 für die Stadt erwirkte kaiserl. Münzprivileg hatte der Bischof Christoph von Stadion als eine Beeinträchtigung seiner eigenen Münzgerechtigkeit angefochten, wobei ihm die Unterstützung des Sdiwäbisdien Bundes zuteil geworden war. Trotz zweier am 15. Sept. 1523 von Karl an den Bund und den Bisdiof zugunsten der Stadt erlassener Mandate war der Streit weitergegangen (Klüpfel 2 S.275; ZHVSdi 6 S.293u.295; G. W. Zapf, Christoph von Stadion [1799] S. 27ff.). Der Rat hatte sidi darauf nodimals an den Kaiser gewandt und am 5. April 1526 Balthasar Merk/in zu seinem Fürspredi am Hofe ernannt (Roth 1 S.279). 3 Karl V. hatte am 8. Nov. 1527 in einem versdiärften Mandat an Christoph v. Stadion das Münzredit der Stadt erneut in Schutz genommen. Da der Sdiwäb. Bund sidi sdion am 1. Juni desselben Jahres für eine gütlidie Beilegung des Zwistes ausgesprochen hatte (Klüpfel 2 S. 309), gab der Bisdiof fortan seinen Widerstand auf. Vgl. Zapf a. a. O. 422 Nr. 266. 1527 November 10. konen ir gegen kai. Mt. in dem fal begen. Das mögen sich meine gn. heren und ir zu I. Mt. wol versehen. Dan ich waiß, das si ainen gnedigsten Kaiser haben. Ferrer so dan die kai. Mt. ein sunder groß vertrauen zu ainem ersamen rat der stat Augspurg hat und vor allen andern in grosse Zuversicht setzet, so schreibt I. Mt. gemeltem burgermaister und rat, das si die costliche klainoter, so her Jacob Villinger, schatz- maister, versetzt sein umb siben und sechzigtausend guldin, das si diselben klainoter losen und zu irn handen nemen, bis das I. kai. Mt. zu gelt kome und solchs wider losen möge; dan I. Mt. wirt also unbillich wider Got, ere und recht mit so grossen ausgaben beladen und kriegen angefochten, das es zu erbarmen ist. Aber sunder zweivel so wirt Got der almechtig S. kai. Mt. sig und gnad verleihen, damit I. Mt. mit freuden bald zu euch jen Augspurg komen wirt. Wellet hierin allen muglichen vleis ankeren, dardurch ir auch ere und nutz erlangen mögen. Erken Got, der euch zu allen zeiten gesunt sparen wolle. Ich bit euch, sovil in der gehaim zu tun, ir wellet geschicklich von obbestimter mainung mit meinem heren und freund doctor Johan Relinger red halten. Doch das ich nit gemelt, dan ich mich in meinem brief auf euch referiert hab. So hab ich heren Bartholomen Welser desgleichen geschriben; der wirt euch anzaigen, was ich eurnthalb geschriben hab, mit bit, ir wellet mir verzeihen; dan ich vast unledig und vil der hendel zuefallen, das kain rue nit hie ist. Tue mich hiemit euch als meinem lieben heren und vertrauten freund bevelhen, und was ir von kai. Mt. haben wellet, das last mich wissen, es sei Privilegien, ratsbrieve oder palatinat, gabbrieve: was ir wellet, wiewol zu dieser zeit kain gelt herausser zu bringen ist, wie ir oft vernomen, anders dan ich heren Bartholome angezaigt hab. Dan wir am hoff vast übel mit gelt versehen. So mich mein gn. heren von Augspurg nit also gnadig bedechten, 1 wist ich nit, wo aus. Vale. Dat. Burgos in Castilien am 10. tag novembris anno etc. im 27. Vester Baltazar de Waltkirch, praepositus in Waltkirch etc., vicecancellarius. 1 Über die wiederholten reidilidien .Verehrungen" Merklins durdi die Stadt Augsburg, vermittelt durdi Bartholome Welser. vgl. Roth in den ChDSt 23 S.264 Anm.l. Nr. 267. 1527 Dezember 23. Nr. 268. 1528 Februar. 423 267. An Johannes Aventinus. 1527 Dezember 23. (Augsburg.} Ersucht um Rückgabe der mit Nr. 264 übersandten Handschrift. Gedruckt: Joh. Turmairs gen. Aventinus Sämtl. Werke 6, herausg. von G. Leidinger, S. 87. Praestantissimo politioris litteraturae viro D. Ioanni Aventino, ducumBavariae ab historiis, amicopraecipuo, S. P. D. Praestantissime D. Aventine, libellum, quem tibi commodato dedi, 1 rogo, remittas, quoniam nunc habere desidero ob imperii ius, cum opus erit, defendendum. Rarus enim est liber et, qua- tenus iure subsistit, plurimum observandus. Tu vale ac, rogo, cura, si commodato habere possim integrum Iornandem vel reli- quos libros, qui nondum excusi sunt. 2 Iterum vale. 23. decembris anno 1527. Tuus Peutinger. 268. Von Vincentius Obsopoeus. 3 1528 Februar. Nürnberg. Widmet seine lateinisdie Übersetzung von Lukians Sdiriften über die Philosophen Peregrinus und Demonax. Gedruckt: Elegantissima aliquot Luciani opuscula iam recens per Vin- centium Obsopoeum Latinitate donata. Hagenoae per Ioan. See anno 1529. Fol. G l r ff. (vor Lukians Vitae Peregrini et Demonactis). Clarissimo viro Chuonrado Peutingero iurisconsulto Vincentius Obsopoeus S. Cum omnis antiquitatis, potissimum vero historiarum a diversis authoribus memoriae proditarum te cognovissem esse perstudio- 1 Die mit Nr. 264 übersandte Denkschrift für Ludwig d. Baiern. 2 In dem an den Kanzler Leonhard v. Eck geriditeten Widmungsbrief vor seiner Ausgabe der Vita Henrici IV. von 1518 (S.W. 1 S. 640) hatte Aventin mitgeteilt, daß er den Iordanus episcopus integer cum annotationibus et commentariis Alberti Boemi (vgl. über diese heule versdiollene Hs. J. R. Dieteridi, Streitfragen der Sdirift- und Quellenkunde des Mittelalters S. 177) und eine Reihe weiterer, nodi ungedruckter Werke zur Gesdudtte des Mittelalters aufgefunden habe. Des Jordanes Gotengesdüdite hatte Peutinger selbst 1515 erstmals herausgegeben: vgl. Nr. 156. 3 Über den lutherisdien Schulmann und Poeten Vincentius Obsopoeus (Ileidnedier), den ersten Rektor des 1528 in Ansbadi gegründeten Paeda- gogiums, vgl. H. Jordan, Reformation und gelehrte Bildung in der Mark- grafschaft Ansbadi-Bayreuth 1 (1918) S. 117ff. 424 Nr. 268. 1528 Februar. sum, vir clarissime, rebar me tibi rem non ingratam facturum, si quid eius generis monimentorum a Graecis scriptoribus editum ad te mitterem. Itaque inter caetera, quae hoc temporis ex Luciano vertenda suscepi, duorum quoque philosophorum vitae in manus mihi venerunt, nempe Peregrini et Demonactis, in quibus de- pingendis non alio quam in Alexandro Pseudomante usus est Lucianus artificio, hoc est limato et exculto. Has ergo vitas, Chuon- rade, patrone incomparabilis, a me Romano sermone utcunque instructas tibi mitto muneri, cum ob tuam in me peramicam bene- volentiam, tum ob eam caussam, quam dixi: quod harum rerum admiratorem et mirificum et singularem iam olim te esse cog- noverim. At enim philosophos hie plane diversos videbis, cum in altero perfeetae virtutis exemplum, in altero simulatae tantum sapientiae imaginem Lucianus haud dubie ostendere voluerit. Quid enim fuit Demonacte civilius aut popularius, qui, tametsi philo- sophus esset, tarnen a communi hominum vita et sensu nulla vitiatus insolentia aut philosophica morositate corruptus abhorruit? Contra quid Peregrino insolentius aut popularis admirationis (quam unam omnes sua prodigiosa vivendi ratione constat venatos esse philosophos) cupientius? quem in tantum gloriae sitis excaeca- verat, ut omnibus absumptis admirationis captandae praestigiis, quibus vulgi oculos dementare solitus est, demum etiam semet flammis absumendum sacrarit, non ob aliam caussam, quam ut mortuus quoque admirationi esset populo. Nee mihi dubium est in hoc Peregrino Lucianum, summae virum prudentiae, inditium facere voluisse, cuiusmodi res esset ambitiosa gloriae cupiditas, quam inconsulta, quam praeeeps et quae fere semper temeritatem comitem secum habeat et dödo£ov fxövov äqjvxröv ianv rolg nävv fiav/MOTOic; elveu ÖOXOVOI. 1 Animi abiecti et sordidi rebus capiuntur humilibus, at sublimes et excelsi illam internam in aliorum animis repositam opi- nionem affeetant: et huius consequendae gratia nihil non faciunt, parum nonnunquam reputantes, quam prudenti consilio invidio- 1 Vgl. Lucianus, De tnorte Peregrini cap. 38. Nr. 269. 1528 Frühjahr. 425 sam captent gloriam. Videmus nostro saeculo innumerabiles Pere- grinos, semet ut Proteus in omnia vertentes, tantum in hoc, ut sint aliquid, hoc est, ut Hesiodus loquitur: fotol re tparotte, 1 ne desit mundo, quod de Ulis loquatur, ut habeant praeclarum apud omnes et eruditionis et ingenii testimonium, non animadvertentes interim se quadam animi caecitate et praecipitantia, quam a illis irnposuit (pdavria et ambitio, dum omnia miscent, in summam ruere infamiam. Usque adeo misere nonnulli sitiunt et sedulo venantur to dtiozrivov exeivo doSagtov, ut patiantur citius veritati iniuriam fieri, quam illorum periclitetur existimatio. Est quidem omnibus commune laudis et gloriae certamen propositum, sed ad hanc ut nonnisi per sudorem et laborem patet aditus, ita non alia quam virtutis, hoc est legitima, via penetrandum est. Iam quisque peculiarem ad laudem consequendam vitam sternit et aperit, quae an laudis appellatione digna sit, viderint ii, qui tantopere ad hanc et multorum exitio et offendiculo aspirant. Sed nimium multa philosophati sumus. Caeterum in Pere- grino praeter caetera illud quoque videre est, quam nihil in rebus divinis sapiat humana ratio, etiam prudentia philosophica excul- tissima. Quis enim negabit Lucianum summi fuisse virum ingenii? At quam nasute subsannat in Peregrino christianorum instituta, ut neque a Christo ipso procaciter impetendo suam petulantiam cohibuerit, adeo ut hoc solo nomine non iniuria dictus sit ä&eog. Praeterea longe aliter de Peregrino sentire videtur Gellius, 2 author satis eminens. Sed haec tu ordine censebis nee me monitore tibi opus est. Recte vale, vir clarissime, et hoc munusculum, quam- libet tenue et exiguum, Obsopoei tui longum testetur amorem. Ex Norinberga mense februario anno 1528. 269. An Veit Bild. (1528 Frühjahr.* Augsburg.) Bittet um näheren Aufsclüuß über die in Plutarclis „Vita Marcelli" erwähnten Maschinen und Instrumente des ArcJümedes. qua Erstdruck. 1 Vgl. Hesiodus, Opera et dies 3f. 2 Vgl. A. Gellius. Noctcs Atticae 12, 11. 3 Zum Datum vgl. oben S. 418 Anm. 2. 426 Nr. 270. 1528 Frühjahr. 1. Augsburg. OA: Hs. 81 III fol. 60v. Absdir. — 2. Mündien, StsB: Cod. Lat. 4392 fol. 72 v. Absdir. nach 1. Gedruckt: Lotter-Veith S. 215. Regest: Schröder Nr. 303. Chunradus Vito S. S. Apud Plutarchum in vita M. Marcelli» pleraque de Archimede, Archita et Eudoxa de geometria referuntur et praecipue de machinis quibusdam et instrumentis, quibus magnum quiddam pusillis viribus moveri possit. Verum haec non plane intelligo. Rogo Plutarchum eo loci legas ac me doceas, quid sint illae machinae et instrumenta haec. Tu vale et curato, ut aliquando confabulemur. Tuus Peutinger. 270. Von Veit Bild. 0528 Frühjahr* Augsburg.} Antwort auf Nr. 269. Kann bei dem Mangel jeder Beschreibung über die Archimedischen Maschinen keine nähere Auskunft geben. — Wünscht gütliche Beilegung des Streites mit Adolph Occo II. Bittet um Rücligabe des Asconius. Teilt Peu- tingers Wunsch nach einer Aussprache. Augsburg, OA: Hs. 81 II fol. 264rf. Absdir. Bilds. — Adr.: Clarissimo aeque atquc praestantissimo viro D. Chonrado Peutingero, iuris utriusque pro- fessori celeberrimo, patrono suo singulari, dentur literac. Gedruckt: Braun 4 S. 180f. F. Vitus Imagius ventricosus, pauper fraterculus, monachulus, clarissimo viro Chonrado Peutingero vitam in Christo perpetuam. Legi et relegi (ut petisti), vir praestantissime, M. Marcelli vitam per Plutarchum descriptam modisque omnibus votis tuis satisfecissem, si vel minima descriptionis formula author ipse machinarum bellicarum (qua vel arte navis oneraria sola manu trahi possit), quibus divinus, ut ita dicam, Archimedes* et se et patriam semel defenderat, aliquas subiecisset mathematicales in- ductiones. Quia vero, ut testatur Plutarchus, nee unum eorum, quae tanto profundae mentis acumine idem assecutus est, Archi- a Diomedes Hs. Vgl. Plutardius, Vita Marcelli cap. 14. Zum Datum vgl. oben S. 418 Anm. 2. Nr. 270. 1528 Frühjahr. 427 medes* posteris scripto commendare voluit, sed ea tantummodo reliquit, quae ad sui notninis propagationem pertinere censuit, quis oro, vir celeberrime, tales excogitabit machinas? Etsi facile sit dicere: expertus geometriae plura seorsum offendet. Crede mihi: talia doctorem, non enarratorem requirunt. Instrumentorum seu machinarum bellicarum fabricationem, quibus olim hostes propellebantur, apud Victruvium 1 Frontinumque 1 ' Vegetio nuper adimpressum 2 comperies. Sed quid de talibus propensior (tan- quam de minus temporibus nostris idoneis) sermo protrahitur machinis, oro, quid bombardis nostris obstat obstareve poterit? Utinam crudelissimus iis Thurca ad usque perniciem debelletur, non christiano signati charactere. Ocius Praestantiae Tuae rescrip- sissem, ni sacrosanctae quaedem relligionis id vetuissent. Coram, si tibi ita placuerit, vitam M. Marcelli hisce super rebus tractare non rennuam. Scire peroptarem, Praestantia Tua cum Adolpho Occo phi- sico 3 (amico et confratre mihi plurimum charissimo) super resti- tuendo mutuato codice loquuta sit necne. Faveo homini ex animo ut doctissimo atque integerrimo viro, aegreque fero in tantam nobiscum odiosam incidisse caussam. Confido deDei benignitate, utsi coram hominem alloqui concederetur, rem mitiori finien- dam medio. Quinto Asconio 4 nuper tibi credito si usus fueris, remittas oro, a Diomedes Hs. * Frantunque Hs. 1 Das Werk des Vitruvius Pollio „De ardiitectura", entstanden 25—23 v. Chr., das im 10. Buche von den Maschinen handelt, war seit 1486 oft aufgelegt worden. 8 Gemeint ist wohl die 1523 in Paris ersdüenene Ausgabe der „Scriptores rei militaris" (Panzer8 S.86Nr. 1401), die u.a. die (einzeln und zusammen mit den übrigen schon vorher wiederholt gedruckten) Schriften des Flavius Vegetius „De re militari" (entstanden zwisdien 383 und 450) und des Sextus Julius Frontinus (gest. um 103 n. Chr.) „De strategematis" enthält. * Adolph Occo IL, der Adoptivsohn Adolf Occos d. Ae.; vgl. über ihn M. Radlkofer in der ZHVSdi 20 (1893) S. 28. Ober den im Folgenden erwähnten Streit, bei dem es sich offenbar um die Rückgabe einer aus dem Kloster St. Ulridi entliehenen Handschrift handelt, ist sonst nichts bekannt 4 Q. Asconius Pedianus (3 — 88 n. Chr.) sdirieb — nur zum kleinen Teile erhaltene — Kommentare zu sämtlichen Reden Ciceros, die seit der Venezianer Fditio princeps von 1477 (Hain * 1886) nodi in mehreren weiteren Ausgaben ersdiienen waren. 428 Nr. 271. 1528 Spätsommer. quom locum habeat publicum nostra in bibliotheca. Sin, utere ad placitum; tantum tempore suo remittatur. Quod optas, vir clarissime, ut operam dem, quatenus confabule- mur: Heus, mihi quid dulcius optabiliusve ob venire posset, quam tantum saepius alloqui concederetur virum! Sed quia per me stabit minime, Praestantiae Tuae erit, talia tempore suo (et qui- dem accomodato) praeordinare. Iis valeat Praestantia Tua cum suis omnibus in Christo servatore, salutatis prae Omnibus uxore, altera Proba Faltonia, 1 rege nostro Carolo (filio specialiter prae- dilecto), Regina etSabina, altera virgine aeque elegantissima atque pudicissima, altera domus meae dominatrice futura fidelissima. Praestantiae Tuae humillimus Fr. Vitus Bild. 271. Von Veit Bild. <1528 Spätsommer. 2 Augsburg.) Lobt Schrift und Inhalt eines von Karl Peutinger gesandten Briefes. Hofft mit Vater und Sohn demnächst an der Tafel des Abtes zusammen zu speisen. Bittet, ihm das Gediclil des Sabel- licus „In naufragium cymbae Petri" auf einige Tage zu leihen, Augsburg, OA: Hs.81 II fol. 266 r. Absdir. Bilds. — Adr.: Aeque claris- simo atque praestanlissimo iuris utriusque professori D. Chonrado Pcutingero, singulari patrono suo, dentur. Gedruckt: Braun 4 S. 181. S. Remitto cum graciarum actione nuper credita, vir clarissime. Legit literas optimi filii tui elegantissimas praelatus noster, 3 legi et ego ipse haud semel. Miramur nobilissimum adulescentis ingenium, miramur et characteres aeque politissimos atque sen- tentias selectissimas. Quis dubitet, quin non solum paternum sit sublimaturus nomen, sed et totum illustraturus genus? Tantum fata vitam quam diutissime largiri non detrectent. Spero nos brevi compransuros cum praelato nostro, ubi et mellitissimus rex noster Carolus conviva erit. Interim valeat Praestantia Tua cum suis in Christo, uxore clarissima cum filiabus speciosissimis ex corde salutatis. Praestantiae Tuae humillimus Fr. Vitus. 1 Vornehme römische Dichterin des 4. Jh. n. Chr., Gattin des Stadt- präfekten von 351. 2 Zum Datum vgl. oben S. 418 Anm. 2. 3 Johann Könlin, der Nadi/olger des im Juli 1527 wegen anstößigen Wandels zum Rücktritt genötigten Johann Schrott. Nr. 272. 1528 November 30. 429 M. Antonium Sabellicum in naufragium cymbae Petri (cuius initium est: Fluctuat alma ratis) 1 si habueris, oro aliquot in dies communices; remittam ocius omni sine labe. 272. Von Menrad Molther. 1528 November 30. Heidelberg. Widmet seine Bearbeitung von Willirams Paraphrase des Hohen Liedes. Gedruckt: Wilrammt abbatis olim Eberespergensis in Cantica Solomonis mystica explanatio, per Menradum Moltherum in lucem restituta. Excusum Hagenoae per Guil. Seltz. 7. septembris anno 1528. Fol.A2—A6. Clarissimo viro Chuonrado Peutingero, patritio Augustano, Menradus Moltherus S. D. Non te clam est, vir absolutissime, quantum detrimenti bonis studiis tum omnibus tum praecipue sacris eorum det imperitia, qui praeteritis omnibus omnium veterum scriptis et monimentis subinde nobis sua inculcantes nil nisi quod ipsi aut sentiunt aut faciunt esse rectum putent, quasi soli sint, qui maioribus omnibus delirantibus primi sapere coeperint et, ut dicitur, quid album atrumve sit depraehenderint ac quasi, quod nostri parentes (quos equidem et ego non circumspectiores in plerisque fuisse doleo) iam aliquot anniculis latuisse vident, nemini unquam nato cogni- tum fuerit. Non aliter profecto quam simplices illae filiae Loth, quae relicta Penthapoli non ampliorem quam quantum suis oculis metirentur orbis ambitum arbitratae sunt, quo fit, ut, quem- admodum illae genus hominum Universum, nisi sua opera pro- spiceretur, interiturum putabant, 2 sie isti, nisi quod apud se in- venerunt protinus in lucem emittant, omnem pietatem naufragium facturam existiment. Quae quidem iam (quantum ego intelligo) tot novorum librorum in dies nascentium intereuntiumque causa est. Nulluni enim fere iam parvum est oppidulum, nullus vicus, unde non novus aliquis ßißhönotos existat. Atque hoc tarnen tolerabile foret et suum fortasse aliquando laudatorem inveniat, qui nostrorum id hominum industriae transcribat, nisi et usque 1 Des M. Antonius Sabellicus „Carmen in naufragantem divi Petri cymbam" stellt in der Venezianer Ausgabe seiner Werke von 1502 (Panzer 8 S. 357 Nr. 145) auf fol. H 2r—H5r. 2 Vgl. Gen. 19, 31 ff. 430 Nr. 272. 1528 November 30. adeo inepte omnia (bonos illos semper excipio) et tanto veterum contemptu effutirentur potius quam scriberentur. Sane nil un- quam tarn prudenter aut accurate doctissimi cuiusque testimonio nunc excogitatur, quod non olim in omnem partem fuerit dis- putatum exquisitissime. Sed et nemo nostra tempestate in album vere doctorum sive in prophanis sive in divinis litteris refertur, nisi qui pertinacissima librorum antiquorum lectione solidam sibi eruditionem compararit. Ex quibus cum te, Peutingere clarissime, neutiquam inter postremos omnes docti merito ponunt, ut quo non alius vetustatis aut maior admirator aut observator diligentior facile reperiatur, hunc tibi Wilrammum, Morseburgensis monasterii abbatem, 1 ante annos quadringentos et amplius, ut annales testantur, in Epithala- mion Solomonis de Christi et aecclesiae nuptiis christiauissime meo iudicio commentatum, ut in bibliotheca tua nobilissimorum librorum suppellectile splendidissima apud sui similes reponatur, transmittimus; non quidem eo animo, ut hunc inprimis talem esse quales vere priscos fidei nostrae proceres [sint] Latinos Graecos fuisse censeam, quos certe opera reviviscere cupio calco- typorum, sed ex quo velut ex uno omnia spectans, quae illo etiam saeculo eorum, quos nunc relligiosos appellant, studia fuerint, mecum contemplarere, tum ut videant qui hodie titulo illo relligionis falso gaudent, quam longe a maioribus absint quantaque sanctorum patrum iniuria mentiantur, cum se sectarum suarum principum vestigiis ingredi iactitent. Siquidem tarn hoc quod ipsi ambulant iter ab illorum via diversum est, quam Mysorum ac Phrygum termini, ut est in proverbio, discreti sunt. Uli spreta voluptate, quam iure Plato* %6 öümn xax&v et Plautus 3 escam malorum dixerunt, infatigabili studio literis incumbebant, pietas, scripturarum interpretatio, amor proximi curae illis erant, relligio, 1 Williram, der Verfasser der von Menrad Molther bearbeiteten Paraphrase des Hohen Liedes (vgl. oben S. 381 Anm. 1 und 2), war Abt von Ebersberg i. Oberbaiern (wie übrigens Molther weiter unten selbst riditig angibt), nidit von Merseburg; der Fehler stammt aus des Trithemius „über de scrip- toribus ecclesiasticis": Basler Erstausgabe von 1494 (Hain* 15613) fol.52 v . 2 Plato, Timaeus 69 D. a Die Bezeichnung der „votuptas" als „esca malorum" findet sidi nidit bei Plautus (vgl. G. Lodge. Lexicon Plautinum 1, Fase. 6 s. v. „esca"), sondern — als Übersetzung der Platostelle — bei Cicero, Calo maior cap. 13. Nr. 272. 1528 November 30. 431 quae Ulis cum christianis erat communis, in spiritu erat, unde et spirituales vocabantur, non in veste, non in ciborum delectu, non in titulo; sie enim vestiarii, eibarii sive quod nunc audiunt hypoeritae appellati fuissent. Non certabatur pro dignitatibus, ut nunc fit, cum praeesse aliis bono exemplo et sana doctrina non tarn honos sit quam onus. Praeterea non regias aulas aedi- ficabant, non ex sudore pauperum parasitos locupletabant, breviter non ut possessores, sed ut dispensatores se gerebant peeuniarum. Atque utinam perniciosus ille Mammon nunquam in monasteria ingressus inscitiae cucullum induisset, melius haberet hodie nostra relligio. Nunc vero, ubi pro integritate corrupti mores, pro sa- crorum librorum lectione ocium ac desidia invasere, monstrum est doctus et vere pius monachus, ceremoniis (quas tarnen ille liberas et habuerunt et reliquerunt) superstitiosissime observatis gloriantur se consilia et vitas patrum sequi. Re ipsa vero nullos magis ex animo divos illos colere et credere videas, quam Bacchum et Venerem. Illorum nanque propiciatione se foelices cum Ergasilo parasito apud Plautum clamant, quod sibi Iuppiter offerat lucrum, ludum, iocum, festivitatem, ferias, pompam, penum, potationes, saturitatem, gaudia. 1 Literas vero ac literatos cane oderunt peius et angue, quin et parum pium esse aperte dieunt, si literis Studium impendatur. Non literarum, sed mundi negotiorum imperitos esse conveniebat, quibus ambas adusque aures se immergunt. Sed piget pluribus commemorare apud te, virum integer- rimum, mores illorum sane corruptissimos. Hoc tantum addam, si reviviscerent boni illi viri, quos summa cum contumelia istorum inventorum autores mentiuntur, satis certe scio illos nunquam hanc tarn irrelligiosam relligionem esse agnituros. Sed quid dico: si reviviscerent. Legamus eorum scripta, in quibus Deo gratia aeque vivit nobis animus illorum atque dum erat corporis er- gastulo' 1 circumsaeptus. Quorum adeo ex numero Wirrammus, vir de suo saeculo optime meritus, nobis relictus est. Commendat autem ipsum praeter reconditam eruditionem vitaeque integritatem aurea antiquitas. Nam sub Henrico, eius nominis tertio hnpera- :1 ergasculo Erstdruck. 1 Vgl. Plautus, Captivi 768—71. 432 Nr. 272. 1528 November 30. tore, floruit in monasterio Eberspergensi, cui tum per eiusdem caesaris delectum abbas praefuit. Votis autem ardentissimis ad suum monasterium redire veluti ad dilectae quietis habitaculum gratissimum cupiens praedicto caesari supplicabat. Licet huius rei coniecturam facere ex carmine dedicatorio, quod ante autoris prologum ponitur. Porro praeter alia mysticam hanc explana- tionem Canticorum Solomonis carmine et prosa pulchra varietate (ut ait Trittemius Spanhemensis 1 ) composuit. Verum carmina, quae scripsit, Leoninia sunt (ut vides), hoc est mediis et ultimis syllabis consonantibus. Quae quamvis huic cultissimo saeculo non admodum pulchre respondeant, ut quae iam olim S/ioiorüevra xal laoxarahqnxa xal miotoa xal öfioiönrmxa 0 - riserit LuCÜlius, 2 tarnen ferenda arbitror caeterarum contemplatione virtutum, prae- sertim cum constet, quae fuerit eo saeculo eloquentia. Digni sunt profecto venia, qui iacturam elegantioris literaturae pietate morum- que innocentia rependunt. Neque enim omnia possumus omnes, 3 et ut Polydamas apud Homerum alloquitur Hectorem: Nemo unus sortitur omnia. 'AXXa yäp äV.co f'öo»cs deös jioXeiirjia Sgya, a)J.rp d' oQfj)axvv, ixtQfo xi&aQiv xal dotdnv, aXXco d' iv ovq&scot xiiifX vöov evqvojio. Zevg.* Verum in scripturae vera, sobria genuinaque interpretatione pro meo captu nihil in hoc desiderabitur. Praeter versus autem e regione prosam, ut dictum est, sed vernacula lingua adscripsit, ut nunc Graecis ex adverso Latinum adiungitur, quam cum nulli aut usui aut voluptati fore lectori putarem, tum quia usus est suo dialecto, nee Omnibus familiari nee plana, praeterea quoniam ■ S/toiomara Erstdruck. 1 Vgl. Trithemius, L. de Script, ecci, Basileae 1494, fol. 52 v. 1 Der vorstehende Satz bezieht sidi nicht auf eine bestimmte Stelle in den Satiren des Lucilius (ihre nur als Zitate erhaltenen Trümmer hat Molther kaum gekannt, da die erste Sammlung erst 1597 ersdüen). sondern will nur sagen, daß Lucilius, von dessen literarisdier Polemik ja u. a. bei Horaz, Sertn. 1, 10, 53ff. die Rede ist, die leoninisdien Verse Willirams wohl als eine dein Homoioteleuton u.s.w. verwandte Redefigur verspottet haben würde. Die Kenntnis der griediisdien Kunstausdrücke hat Molther vermutlidi aus Quintilians Institutio oratoria 9, 3, 76ff.; vgl. über sie R.Volkmann-C.Hammer, Rhetorik der Griedien und Römer 3 (1901) S. 45; E. Norden, Die antike Kunstprosa 2 (1909) S. 50 ff, 816, 839 ff. 3 Vgl. Macrobius, Saturnalia 6, 1, 35. i Homerus, IL 13, 730ff. Nr. 272. 1528 November 30. 433 et Latinorum verborum non parum inseruerit, siquidem scripturae testimonia citat Latine, in sermonem Latinum quam simplicis- sime potui totam converti, id quod neminem inique laturum existimo. Certe mihi lectionem tum ob insolitas illas et obsoletas voces, tum ob vetustatem scripti codicis non parvo labore scio constitisse. Nihil addidi, nihil decerpsi sententiae, sed bona fide sola lingua mutata transferens reposui. Postremo qualiscumque huius viri sit oratio, Simplex est, ut veritatem decet, ra avxa ovxa aal ttjv oxd 2 und doctor Cunradt Beutinger. Lieber besunder, wir werden dir als unssern bsundem be- kanten zu schreiben verursacht mit zuschigkung unsser unschult wider das rasent ausschreiben, so Martinus Luter uff unserseitz entschuldigung hat in kirtz tagen lassen ausgeen und an zweifei zu Augspurg a nu wird ruchtpar sein, und wem wol gneget gwest, solchs eim rat zu Augspurg b och zuzuschigken und zu begern, indem 0 das unser jungst schritt ihnen, wi wir bricht, nicht angschlagen hat wollen werden, 8 anschlahen zu lasen. So wir aber a Augspurg am Rande, im Text: Nurenberg. b Nurenberg Hs. c indem — werden am Rande nadigetragen. 1 Dieser und der nädiste Brief beziehen sich auf die literarisdie Fehde, die zwisdien Herzog Georg d. Bärtigen und Luther in Sadien des von Otto v. Pack erdiditeten Bündnisses katholisdier Fürsten gegen die Protestanten (vgl. darüber zuletzt Janssen-Pastor 3 20 [1917] S. 137ff.) entbrannt war: Ein Schreiben Luthers vom 14. Juni 1528 an den Nürnberger Prediger Wenzeslaus Link, in dem die Ehrlidikeit der Reditfertigungssdirift Georgs vom 24. Mai angezweifelt war (s. Enders 6 Nr. 1348 S. 289ff.), war dem Herzog bekannt geworden, und als Luther, darüber zur Rede gestellt, am 31. Okt. ausweichend antwortete (Enders 7 Nr. 1409 S. 13f.). ließ jener unter dem 19. Dez. an alle Reidisstände ein gedrucktes Aussdireiben ergehen: „Welcher Gestalt wir Georg etc. von Martino Luther des getiditen Bundnus halben in Sdiriften unerfind- lidi angegriffen und darauf unsere Antwort." Ihm gegenüber versudite Luther in einer zur Neujahrsmesse 1529 erschienenen Schrift .Von heimliehen und gestolen briefen, sampt einem Psalm ausgelegt, widder Herzog Georgen zu Sachsen- (Werke, Weim. Ausg. 30,2 S. 25ff.) unter neuerlidien Angriffen seinen Standpunkt zu reditfertigen, worauf der Herzog in einer zweiten, vom 22. Januar datierten Gegcnsdirift: „Am kurzer Beridit, so wir Georg etc. auf etzlidie neue rasende Lügen, die Martin Luther in einem Drugkh widder unser entsdiuldigung der getiditen Bundtnus halben hat lassen ausgehen, zu thuen verursadit" antwortete. Um diese zweite Streitsdirift handelt es sidi in unserem Briefe. (Näheres über die Fehde zwisdien Luther und dem Herzog siehe bei St. Elises, Gesdi. d. Packsdien Händel [1881] S. 256ff. und Luthers Werke, Weim. Ausg. 30, 2 S. Iff.). 2 Über den Nürnberger Ratsherrn Sigmund Fürer vgl. E. Reiche, Gesdu d. Reichsstadt Nürnberg S. 759, 794 und 823. 3 Nadi Roth 1 S. 278 „sdieint" die Augsburger Obrigkeit die von beiden Parteien „geforderte Veröffentlidiung der zugesandten Manifeste, einem Rate 28* 436 Nr. 274. 1529 Februar 4. vor angesehen, das ein rat beschwert, enicherlei umb unssern wiln zu tun, das den apostaten Luter' 1 entkegen sein mocht, so haben wir si damit in bestem verschont. Begern gnediglich, du weist sulch buchlein verlessen und, wi b sichs leiden wil, zu unsserm glimp, wie du wol zu tun weist, unsser entschuldung weiter glangen lassen. Daran tustu uns insunders gutz gfaln, in gnaden und allem guten kegen dir zu vergleichen. Geben zu Dresden montags nach Fabiani und Sebastiani, am 25. ianuarii im 29. 274. An Herzog Georg von Sachsen. 1529 Februar 4. (Augsburg.*) Antwort auf Nr. 273. Nimmt den Augsburger Rat gegen den Vorwurf in Scliutz, die erste Verteidigungssdirift des Herzogs unterdrückt zu haben, und versichert diesen seiner und des Rates Dienstwilligkeit. Dresden, HauptStsA: Loc. 7269 fol. 104 rf. Reinsdir., nur die Untersdir. eigenhändig. Durchleuchtiger, hochgeborner fürst, gnedigerherre^c. E.f.G. gnedig schreiben sambt derselben entschuldigung hab ich an gestern aus ganz undertäniger dankbarkait entpfangen. Aber wider E. f. G. Luthers jungst ausschreiben, darnach ich bisher wenig nachfrag gehabt, ist mir noch zur zeit nit zukomen. Dann des anschlahens halben alhie hat es die gestalt, das in Sachen, die angemaßt bundnus belangend zwischen der ku. Mt. zu Hungern und Behem etc., etlichen andern churfursten und fursten, gaist- lichen und weltlichen, wider etlich ander churfursten und fursten, alle mein gnedigist und gnedig herren, alle und jede ausschreiben, verantwurtung und entschuldigung, so in truck komen und alher zu offenbaren geschickt, alhie wider in truck geben und gestattet worden, das die alhie wider getruckt, offenlich failgehalten und ausgeben . Inmaßen ist mit E. f. G. verantwurtungen, allen und jeden, als vil der herkomen und zu offenbaren begert, beschehen; a die auf Luter folgenden Worte und Lingken waren nur für die nach Nürnberg zu sendende Ausfertigung des Sdiretbens bestimmt. b wi — wil am Rande nachgetragen. Nürnbergs folgend, unterlassen zu haben"; vgl. dagegen Peutingers Antwort auf den Brief des Herzogs (Nr. 274). Nr. 275. 1529 vor März 28. 437 deshalben E. f. G. mir genzlich glauben mag, das derselben ver- antwurtung alhie nit in gehaim gehalten, sonder alle und besonder die jungst, mir jetzo zukomen, wider getruckt und durch den truck zu offenbaren bevolhen und gestattet worden, wie ich die auch allwegen selbs gelesen und andern mein guten frunden zu lesen zugestelt. Auch E. f. G., wiewol es meinhalb klain- fuegig, auch meins achtens nit not gewesen, E. f. G. als ainen fromen und ernloblichen fursten allwegen verantwurt hab und das auch, dweil mir Got der allmechtig das leben verleicht, tun wirde; ich auch nit änderst merk, dann E. f. G. ain erber rate alhie als irem insonder gnedigen herren undertäniglich zu gedienen allzeit berait und willig gewesen und noch sein etc. E. f. G. undertaniger diener Chuonrat Peutinger, beder recht doctor etc. 275. Von Veit Bild. (1529 vor März 28. Augsburg.) Beteuert seine Dankbarkeit und Verehrung für Pirckheitner, dem Peutinger bei der Abfassung der Beschreibung Deutsclilands behilf Hell sein möge. Bittet um etwaige Neuigkeiten über Oeco- lampads Wirken in Basel. Sehnt sicli nach einer Aussprache mit Peutinger. Augsburg, OA: Hs.81 II fol.269rf. Abschr. Bilds. — Adr.: Aeque cla- rissimo atque doctissimo utriusque iuris professori D. Chonrado Peuüngero, patrono suo singulari, dentur literae. Resurgere in Christo, amen. Literas illas Birkhaimeri nostri (et quidem elegantissimas), 1 vir clarissime, nondum legeram, quom gnatus tuus, aeque genitura atque confessione sacramentali meus, optimae indolis adulescens rex Carolus noster a me primo reces- serat. Aestimavi ad me eas datas, post eius vero abitum legi ac relegi easdem. Agam viro praestantissimo misso pro munere tabellario certo gratias quam maximas. Redderem vices quoquo possim, sed quia pauperculus ipse ac omnium minimus, retribuere possum nihil; precibus sedulo Deum Optimum maximum orabo, ut viro tanto aeque pientissimo atque eruditissimo multorumque utilitati, vita per Deum comite, profuturo annos Nestoreos largiri 1 Dieser Brief Pirckheimers an Peutinger ist nidit erhalten. 438 Nr. 275. 1529 vor März 28. dignetur. Amen. Quod vero opera tua super Germania quadam ab eo descripta Ptolomaeoque, quem ipse in lucem est aediturus, adiungenda 1 opus habet, persuasum Tuae velim Praestantiae, ut rescribendo eam tibi mitti expostulares. Poteris ei haud parum hac in re esse adminiculo. Et si ipse (imperito imperitior) viro tanto aliquo gratificari potuero, lubens perficerem. Sit namque Deus et propria conscientia testis, utsi quo aeque tibi (tuisve) atque Birkheimero nostro deservire potuero, me non solum neque labores neque pericula non detrectaturum, sed et corpus cum vita hac aerumnosa laeto animo expositurum. Id quod de Caco- lampadio (lapsus sum scribendo, volebam enim exarare: Caeco- lampadio, proh pudor, Oecolampadio) scribit, te seil, compertum habere, quomodo Basileae insaniat, 2 ad plenum non intelligo. Oro igitur (si iusta oro), quid certi desuper habueris, scriptis vel ore (quod magis velim) significes. Carolus [noster] ille mellitissi- mus filius noster quibusdam (etsi nimium obscuris) verbis prae se tulit Praestantiam Tuam post paschalia illa atque gaudiosa 1 Über Pirckheimers „Germaniae ex variis scriptoribus perbrevis ex- plicatio", eine Frucht seiner Ptolemüusstudien, vgl. Joadümsen S.186f.; sie erschien gesondert, mit Widmung vom 1. Juli 1530 an Herrn, v. Neuenar, bei Joh. Petreius in Nürnberg, noch in dem gleidien Jahre audi in einem Augsburger Nadidruck bei Heinrich Stainer. Die Geographie des Ptolemäus hatte Pirckheimer in lateinischer Bearbeitung sdwn 1525 in Straßburg bei Joh. Grieninger (Panzer 6 S. 107 Nr. 698) herausgegeben. Die nach Bilds obigen Worten von ihm vorbereitete neue Ausgabe ist nidit zustande gekommen. 2 Das freundsdiaftlidie Verhältnis zwisdien Bild und Oecolampad hatte audi nach dessen Abfall von der alten Kirdie (1522) zunädist nodi angedauert; erst Oecolampads Stellungnahme in der Abendmahlsfrage führte im Herbst 1524 den Bruch herbei: vgl. A. Bigelmair in der oben S. 324 Anm. 1 genannten Veröffentlichung S. 123. Zu den hier verzeichneten Belegstellen aus Bilds Briefen an Pirckheimer füge ich wegen der Nennung Peutingers und der schon hier begegnenden Verdrehung von Oecolampads Namen nodi die folgende aus einem Sdireiben vom 2. Okt. 1528: Nuper inter prandendum cum Peutingero ostendit mihi amarulenta quaedam (paene dixissem virulenta) et Caecolampadii et gigantei Zwingli in Martini Lutheri scripta, quae adeo puerilia (ut ita loquar) in re tarn ardua continebant, ut ea detestando nullo modo passus fuerim ob oculos poni. Proh perversitatem hominum! (Augsburg, OA: Hs.81Ilfol.266' f.) — Die Worte quomodo Basileae insaniat beziehen sich wohl auf die Beteiligung Oecolampads an den stürmisdien Vorgängen, die um Mitte Febr. 1529 zur entschiedenen Durchführung der kirchlichen Neuerung in Basel geführt hatten; vgl. W. Hadorn, Oekolampadius: RE 14 (1904) S. 296. Nr. 276. 1527 Frühjahr—1529 Herbst. 439 (quibus iam ventrem iiieura more suis obesi resaginare licebit) festa 1 apud nos pransuram. Oro igitur humiliter iterumque oro atque per viscera servatoris nostri domini Iesu Christi obtestor id brevi te facturum. Nosti enim, ut, qui non est hodie, cras minus aptus erit, eo quod et tempora mutentur et nos mutemur in illis. Modis igitur omnibus percuperem, ut seu apud nos tuo vel musaeo coram confabulari liceret. Interim valeat Praestantia Tua cum suis omnibus (etiam ex corde salutatis) in Christo mortis, peccati, inferni ac diaboli triumphatore. 11 Amen. Praestantiae tuae humillimus F. Vitus Bild. 276. Von Konrad Reuter, {1527 Frühjahr — 1529 Herbst.' 1 } Abt von Kaisheim. 2 Kaisheim. Übersendet seine an Pirckheimers zweiter Streitschrift gegen Oecolampad geübte Kritik und fordert Peutinger auf, zuent- scheiden, wer von ihnen beiden in der Abendmahlsfrage der reinen katholischen Wahrheit am nächsten gekommen ist. Augsburg, StB: Cod. 2<> Aug. 400 fol. II' '. Absdir. Gedruckt: Lotter-Veith S. 94 f. F. Chonradus, abbas Caesariensis, egregio D. Chonrado Peutingero, patricio Augustano, iurium interpreti consultissimo etc., domino et amico sibi praecipuo S. P. Quid superioribusdiebus, micharissime Chonrade Peutingere, in ediciunculam Wilibaldi Birchemeri, Nurnbergensis senatoris, triumphatoris Hs. » Ostern traf i. J. 1529 auf den 28. März. 2 Konrad Reuter, ein geborner Nördlinger, war seit 1509 Abt des Zi- sterzienserklosters Kaisheim; vgl. über ihn M. Gloning in: Studien u. Mitteilungen z. Gesdi. d. Benediktinerordens und seiner Zweige 33 (1912) S. 450 ff. Ein Zeugnis für seine Beziehungen zu Peutinger aus früheren Jahren ist ein dem Stadtsdireiber gewidmetes Epigramm in seinem 1508 bei Erh. Oeglin ersdiienenen „Mortilogus" (PanzerbS.137 Nr.44).einempoetisdien .Totentanz". 3 Das Datum ist in der Absdir. des Briefes getilgt. Er kann, da Pirckheimers zweite Streitschrift gegen Oecolampadius im Januar 1527 erschienen ist, frühestens in diesem Jahre gesdirieben sein, und zwar erst in der wärmeren Jahreszeit: denn Peutinger erwähnt in seiner als Antwort darauf an Reuter 440 Nr. 276. 1527 Frühjahr—1529 Herbst. „De vera Christi carne et vero eius sanguine contra convicia Ioannis, qui sibi Oecolampadii nomen indidit", 1 ad dementem Volchemerum, communem amicum nostrum, tumultuarie atque indigeste scripserim, ex scaeda hiisce occlusa 2 intelliges. Unde cum nunc in tectis praedicetur, 3 quod non longo ante tempore in aure audivi, te inter cetera de sacramento dominici corporis et sanguinis contra errores perniciosissimos calamitosorum prae- sencium temporum nonnihil scriptitare, 4 precor te, maiorem in modum tantas inter nos iudicando componere lites atque, uter nostrum ad sinceram catholicamque veritatem propius accesserit, decernere dignoscereque velis. Non enim doctorum hominum iudicia neque per certas rationes et congruas auctoritates emen- dari refugio. Vale, et si quid habueris, quod mea interesse puta- veris, ne me precor zeles. 5 Ex Caesareano coenobio. gesandten Abhandlung (s. weiter unten), er habe das Sdireiben erhalten dum mense superiori in pomerio coenaremus. Als späteste Entstehungszeit kommt der Herbst 1529 in Frage, da Peutinger seinen gesamten Sdiriflwedisel mit dem Abt am 12. März 1530 an Pirckheimer sdiidit: s. Nr. 278. 1 Erschienen in Nürnberg im Januar 1527 (Panzer 7 S.472 Nr. 240); vgl. dazu P. Drews, Wilibald Pirkheimers Stellung zur Reformation (1887) S. 104f. 2 Reuters Sdireiben an den Nürnberger Patrizier Clemens Voldiamer (vgl. über ihn, der zu den Anhängern Luthers zählte und seine Vaterstadt wiederholt auf Reichstagen und beim Sdiwäb. Bunde vertrat, E. Reiche, Gesdi. d. Reichsstadt Nürnberg S. 793 u. ö.) hat sidi Peutinger im Cod. 2o Aug. 400 der Augsburger StB auf fol. I/ V ff. im Ansdüuß an den Brief des Abtes an ihn gleidifalls abschreiben lassen; es ist abgedrudit bei Lotter-Vetth S. 95ff. Reuter sudit darin darzutun, daß Pirakheimers — im Zusammenhange seiner Erörterung über die leiblidie Gegenwart Christi im Abendmahl vertretene — Deutung der Paulusstelle 2 Kor. 12,2 auf eine leiblidie Entrüdiung des Apostels in den dritten Himmel gegen die Lehre der Väter und die katholische Wahrheit verstoße. 3 Luc. 12, 3. * Peutingers in Bilds Brief vom Sommer 1527 (Nr. 265) erwähnte Sdirift .De eudiaristia". 1 Peutinger sandte Reuter als Antwort eine umfangreidie Abhandlung „In divi Pauli apostoli raptum et de vero in eudiaristia corpore et sanguine Christi conlectiones" (Augsburg, StB: Cod.2<> Aug. 400 fol. 1 ff.; Anfang und Schluß gedruckt bei Lotter-Veith S. 98), in der er nadi Anführung einer Masse von Zitaten doch schließlich einer klaren Entscheidung der ihm vorgelegten Streitfrage aus dem Wege geht; Et ut tandem prolixiorem illam meam con- lectionem ad calcem perducam, nee Tuam Dig tem de raptu Pauli eestatico erravisse et Birkheimerum nostrum de eiusdem etiam corporis raptu a patrum Nr. 277. Vor 1529 September. 441 277. An Hieronymus Muser. 1 {Vor 1529 September. 2 ) Wien . Widmet seine Schrift „ Quorundam iurisscientia illustratorum iudicium ex praeceptoribus meis collectum". Gedruckt: 1. In der vorstehend genannten Sdtrift Peutingers, die ohne Titelblatt in Wien bei Hieronymus Vietor im September 1529 erschienen ist. — 2. Neuer literarisdier Anzeiger Nr. 50. Mündien 1807. Sp. 791 f.\ — 3.P.Joachimsen in: Beiträge zur Gesdiichte der Renaissance und Reformation, Jos. Schlecht . . . als Festgabe zum 60. Geburtstag dargebradit (1917) S. 170f. intellectu et sententia non deviasse puto etc. In seinem Briefe an Pirckheimer vom 12. März 1530 (Nr. 279) gibt er dagegen diesem Redit. Vgl. über Peutingers Sdirift Joadiimsen, Peutingeriana S. 282ff. 1 Mit P. Joadiimsen, der den folgenden Brief und das durdi ihn eingeleitete Schriftdien Peutingers in der Festgabe für Jos. Sdiledit S. 169ff. in größerem geistesgesdiiditlidiem Zusammenhange gewürdigt hat, nehme auch ich an, daß unter dem Adressaten der Hieronymus Huser aus Bludenz zu verstehen ist, der in den Jahren 1519, 1522 und 1526 als Freund und Vertrauter des Ulrich Zasius in dessen Briefen erwähnt wird: vgl. Zasii Epi- stolae, ed. Riegger, S. 421, 449, 451. Im Jahre 1513 war er als Hieronimus Hauster de Bludencz in Wittenberg immatrikuliert worden und hatte hier am 28. März 1514 den Grad eines baccalaureus artium erlangt. In der Freiburger Matrikel fehlt sein Name; dodi ist anderweitig sidiergestellt, daß er an der vorderösterreidnsdien Hodisdiule bei Zasius Reditswissensdiaft studiert hat (s. Zasii Epistolae S. 186). 1524 ist er in der Ingolstädter Matrikel verzeidinet als Magister Hieronymus Hauser de Pludentz. Vgl. A. Ludewig, Vorarlberger an in- und ausländischen Hodisdmlen (1920) S. 126, wo für die vorstehenden Daten die Einzelnadiweise gegeben sind. Im März 1515 hat Huser ein Preisgedicht des Philipp Engelbredü von Engen (Engentinus) auf die Stadt Freiburg bei Joh. Sdiott in Straßburg drucken lassen: s.P. S. Allen in: Opus epistol. Erasmi 2 S. 124f. (Antn.). 1526 wird er (ebenso wie im folgenden Jahre Peutinger: vgl. oben Nr. 262f.) vom Konstanzer Rate als Gutaditer in der Kirdienfrage herangezogen: s. K- Gröber, Die Reformation in Konstanz, im Freiburger Diözesan-Ardüv N. F. 19 (1919) S. 272 Antn. 3. — Beziehungen zwisdien Huser und Peutinger sind, abgesehen von dem folgenden Briefe, nidü bezeugt. 2 Eine nähere Datierung des Briefes ist nidit möglich. Nadi den in der vorigen Anm. mitgeteilten Lebensdaten des Adressaten, der als iurisconsultus bezeidinet wird, kann er ehestens um 1520 gesdirieben sein. Die Erwähnung des Georg Furster, den Peutinger auf dem Wormser Reidistage kennen gelernt haben dürfte (vgl. S. 443 Anm. 2), führt auf die Zeit nadi 1521. Schwierigkeiten bereitet die Ortsangabe „Wien-, da eine Reise Peutingers dorthin während der für den Brief in Betradit kommenden Jahre nirgends bezeugt und audi wenig wahrsdieinlidi ist. Vielleidit ist indes diese Ortsangabe eine willkürlidie Zutat des Wiener Druckers. 442 Nr. 277. Vor 1529 September. Ad Hieronymum Hauser iurisconsultnm Conradus PeuthingerS. Cuinam, obsecro, hos meos lusus potius quam tibi dedicem, vir integer? Ego enim non solum meritorum erga me tuorum magnitudine huc invitor, verum etiam quod hoc semper in te intellexi situm, ut malis summa fide ac officio iustitiae liberius servire quam corruptis auribus in peiorem partem festivius adu- lari. Quapropter tu nihil procul dubio efficere possis praeclarius, quam ut veritatem et iustitiam consiliis, diligentia ac industria pro virili tua adiutes, ut ego quidem ac plerique tuam illam loquendi libertatem ac operam nobis magnae consolationi esse tandem sentiamus, praesertim cum te ceteris praestantissimis quoque viris prorsus nihil industriae autgratiaeinpatrocinando recusare apertum sit, cumque eo sis animo praeditus, ut multos e periculo singu- lari spe ac animo recipere coneris ac eorum causas ad prolixam contentionis moram differri ducas indignum. Propterea etsi ego mei memoriam measque res non minori tibi curae quam tuas esse scio, tarnen te herum atque iterum hortor et rogo, cum malevolorum meorum invidiam senseris quicquam in his meis rebus calumniae conari, me tibi defendendum putes. Hoc autem maxime me male habet, cum plerique declamatores inepti, mirum quantum impudenter in foro oblatrantes, non modo egregie de- lirent, verum etiam in hanc illustrem iurisperitorum frequentiam suspicionem augeant, quorum plane postquam in oculos omnium versutia incurrit, vides, quantum suspicionis hi vestris humeris imposuerint pondus. At vero cum eorum inflatam ac caninam facundiam 1 ne praestantissimus quidem neque vitare quisquam nostrum neque praestare ullo pacto poterit, dum demum senten- tiis ac patrocinio utendum est eorum potissimum, qui verae iuris- prudentiae praesides incorrupta fide iustitiam propugnant ettuentur. Nihil est enim profecto in omni iurisprudentia maius neque gra- vius, quam ut ea diligenter auferat, quae nos tandem ad taeterri- mam litium contentionem allicere videantur. Cum enim litigando pendemus animis, tum sane variis ac undique circumfusi per- turbationibus et molestiis misere cruciamur et angimur. Nam iis 1 Über den Hund als Symbol advokatorisdier Rabulistik vgl. ff. Qrauert, Magister Heinridi der Poet in Würzburg und die römisdie Kurie (Abh. Mündien 27 [1912/ S. 180ff. und 493f.). Nr. 278. 1530 März 8. 443 saepe usu venit, ut, quorum animus in lite pendente dubitat, circum- spectat, haesitat, hi tamquam ratis in immenso mari fluctuent et iactentur, quibus profecto curis ac sollicitudinibus alia nulla potent inveniri levatio, nisi contemnamus omnes litium versutias et omnem iurisprudentiae vim ac dignitatem non in levium rabu- lorum petulantia ac procacitate, sed in animi integritate et Hierum contemptione ac despicientia ponamus putemusque iuris- prudentiam non seminandis sed componendis litibus esse natam. Vale et, cum tanto affectu meas literas desideraris, earum loco hoc quorundam iurisscientiae illustratorum iudicium ex meis praeeeptoribus collectum aequo animo aeeipe. Et nobilissimum Hartmandum a Kronberg 1 et Georgium Fursterum 2 meis verbis salutes. Iterum vale. Viennae. 278. Von Nikolaus Eilenbog. 1530 März 8. Ottobeuren. Nimmt den viele Jahre lang unterbrochenen brieflichen Verkehr mit Peutinger wieder auf, um ihn zu bitten, dem Kloster beim Ersatz der durch den Bauernkrieg verloren gegangenen Bücher behilflicli zu sein. Ersuclit ferner um Rückgabe der Chronik seines Vaters und um ein zweites Exemplar von Peutinger s „Sermones convivales". Paris. Bibl. nat: Cod. Lat.8643II fot. 33 rf. Absdir. Ellenbogs. Frater Nicolaus Ellenbog Conrado Peutinger, legum doctori, S. D. Salvus sis, virorum optime. Multi nunc transierunt ne dicam dies aut menses sed anni, quando nullas prorsus ad te dedi literas nee tuas merui habere tersissimas. 3 Forsan utrique nostrum hac- 1 Dodi wohl Hartmut v. Kronberg, der bekannte Anhänger Luthers. 2 Ein Georg Furster sendet am 29. Mai 1521 von Worms aus dem Kanzler des bereits abgereisten Kurfürsten Joachim von Brandenburg die endgültige Fassung der Reidisregimentsordnung nadi: RTA2 S.952 Anm.3. 3 Ellenbogs letztvorhergehender Brief an Peutinger ist vom 16. Nov. 1515 (Nr. 165); da der Stadtsdireiber auf die darin enthaltene Bitte, die ihm gleidi- zeitig zum zweiten Male übersandte Chronik von Ellenbogs Vater sorgfältig durchzuarbeiten und zu verbessern, ebensowenig antwortete wie auf das vorher wiederholt ausgesprodiene Ersudien Ellenbogs, dessen Epitoma Platonicum zum Druck zu befördern (s. oben Nr. 159f.), sdieint der Benediktiner in be- 444 Nr. 279. 1530 März 12. tenus scribendi defuit argumentum. Nunc tandem diuturnum rumpere silentium vel necessitas ipsa cogit. Nee enim amplius tegere possum dolorem, quem ab eo tempore, quo certi rustici defectimen a dominis suis per universam Germaniam moliebantur, pertuli. Inter alia damna, quae monasterio nostro in aedifieiis ac aliis rebus insensati rustici intulerunt, ego gravius fero biblio- thecam nostram haud in paucis voluminibus ab eis esse mino- ratam. 1 Tu velim pro tua humanitate et antiqua nostra consue- tudine boni consulas et, ut potes, damna resarcias. Precor autem ut Chronicam genitoris mei olim tibi transmissam' 2 mihi, ut eam transscribam, remittas. Convivalestuossermones, quos dono mihi miseras, 3 rustici abstulerunt. Si alios miseris, ad perpetuum ami- citiae nostrae monimentum in bibliotheca nostra reponentur. Vale faelix, virorum integerrime ac eruditissime. Ex Ottenpurra 8. idus marcii 1530. 279. An Willibald Pirckheimer. 1530 März 12. Augsburg. Hieronymus Walter und Konrad Kirmeir als Vermittler von Neuigkeiten des Büchermarktes für Peutinger. Pirckheimer soll ihm seine neuen Übersetzungen des Gregor von Nazianz bald nac/i Ihrem Erscheinen zugehen lassen. Übersendet seinen Schriftwechsel mit Abt Reuter von Kaisheim. Eine von den Ingolstädter ProfessorengeplanteVeröffentlichung. Grüße an Lazaru s Spengler. Nürnberg, StB: Pirckheimeriana 479, 1. Ursdir. — Adr.: Spectabili ac viro clarissimo D. Bilibaldo Birchemero, palricio Nurembergensi, domino et praeeeptori suo observando. Nurmberg. Gedruckt: .loh. Heumann, Documenta literaria. Altorfii 1758. S. 119ff. greiflidier Verstimmung von der Fortsetzung des brieflidien Verkehrs abgesehen zu haben. 1 Über die sdiwere Heimsudmng Ottobeurens durdi den großen Bauernkrieg, auf die Eilenbog in seinen Briefen und Sdiriften öfters zu sprechen kommt, vgl. A. Bigelmair, Nik. Fllenbog und die Reformation, in: Festgabe für A. Knöpfler (1917) S. 31 f. Damals sind Ellenbog auch die ersten beiden Büdier seiner handsdiriftl. Briefsammlung abhanden gekommen, die sidi heute im Besitze der Stuttgarter LB (Hist. Hs. 4° Nr. 99) befinden, während der Rest (Budi 3—9) nodi lange in Ottobeuren verblieb und erst durdi Stephan Baluze in die Bibl. Colbertina und sdüießlidi in die Pariser Nationalbibl. gelangt ist (Cod. Lat. 8643): vgl. Bigelmair a. a. O. S. 18 Anm. 2 Vgl. Nr. 165. ' Vgl. Nr. 58. Nr. 279. 1530 März 12. 445 S. in Christo servatore. Accepi nuper literas tuas, 1 simul li- bellos et literas nostri Hieronymi Waltheri; et hoc ingenue credo aliquos fuisse libellos interceptos et eciani, quod non recordor me a Chuonrado Kirmeir 2 aliquos accepisse. Fateor me sibi non respondisse propter occupationes, quibus distringor 3 , sed ad pro- ximum respondebo. Misit eciam libellos plures, quibus concertatum video plus contumeliis quam literis sacris; sed haec ad istos. Quod opus arduum es, ut scribis, agressus, laborem hunc tibi non opto, sed tibi et nobis omnibus congratulandum est, quod te interprete Gregorius Nazianzenus in dies Latinus et locupletatus redditur, 4 quem hactenus maximi illi sacerdotes, quos divites a prae- bendis appellant, eciam eruditi, neglexerunt. Sed rogo, cum opera haec in publicum exibunt, ut pro precio et cito a calcographo habeam. Caeterum quae abbas Caesariensis de raptu Pauli ad me perscripserit, ego eciam sibi responderim et quid denuo charta- rum ad me dederit, 5 ad te mitto. Ego nolo amplius respondere. Vides, quo homines isti prorumpunt. Si tantum ocii suppeditabit, 1 Nicht erhalten. 2 Über den Nürnberger Konrad Kinneier (Kirch- mayr, Kyrmair) läßt sidi aus den Geriditsbüdiern des Nürnberger Stadt. Ardiivs (Libri literarum 18,fol. 258® und 51 S. 113) nur soviel entnehmen, daß er ver- mutlidi ein wohlhabender Kaufmann war; 1539 ist er bereits gestorben. 3 Peutinger war damals wohl sdwn stark durdi die umfassenden Vorbereitungen in Ansprudi genommen, die der Rat von Augsburg für den am 21. Januar vom Kaiser dorthin ausgesdiriebenen Reidistag zu treffen hatte; s. darüber Roth 1 S. 329ff. Dem Stadtsdireiber oblag es unter anderem, die Obrigkeiten und Gesandten befreundeter Städte über alle für diese wissenswerten, auf die bevorstehende Versammlung bezüglidien Vorgänge brieflidi auf dem Laufenden zu erhalten; vgl. z. B. seine Sdireiben an Straßburg vom 8. und 17. Mai 1530: Polit. Correspondenz der Stadt Straßburg im Zeitalter der Reformation 1 (1882) S. 444 f. Aus dem zweiten dieser Sdireiben sei folgende Joh. Edi betreffende Stelle hier mitgeteilt: Man sage, daß Eck sich mit etlichen vilen Schlußreden vervaßt, des willens hie offenlich zu disputieren. Er hätte es für riditiger gehalten, wenn Eck sie vorher hätte verkinden lassen, damit man sich auch darauf möcht vervassen (a. a. 0. S. 445). 4 Pirdiheimer war damals sdwn über ein Jahrzehnt mit einer lateinisdien Übersetzung der Reden Gregors von Nazianz besdiäftigl: die ersten sechs hatte er 1521, die beiden gegen den Kaiser Julian 1528, die über die Pflichten des Bisdiofs 1529 veröffentlidit; vgl. Panzer 7 S. 462 Nr. 161; S. 473 Nr. 247; S. 476 Nr. 262. Weitere dreißig, die bei seinem Tode (22. Dez. 1530) hand- sdiriftlidi vorlagen, gab im Sept. des folgenden Jahres Erasmus bei Proben in Basel heraus: Panzer 6 S.280 Nr. 818. 5 Vgl. Nr. 276. Der zweite Brief Reuters an Peutinger ist nicht erhalten. 446 Nr. 280. 1530 Sommer-Herbst. rogo legas Conlectiones meas, 1 et si quid emendandum putaveris, rogo rescribe ac exemplar remitte. Nollem ego occasionem prae- stare, ut ad invicem concertaretis, tu pro prudentia ac modestia tua rem transiges. Nisi ego doctores seu patres non intelligam, eciam praeter te, Paulum dicunt eciam corpore raptum in coelum; sed haec per humanam nostram imbecillitatem discutienda non erunt. Vale et me tui observantissimum diiudicato. Contra libellos iam emissos de honestate clericorum nescio quid docti Ingoldstadienses commentantur. 2 Salutatorogo nostrum Lazarum Spengler meo nomine. Iterum vale. Die 12. marcii anno 30. Tuus Ch. Peutinger. 280. An Matteo Casella.' 6 (1530 Sommer-Herbst.^ Augsburg.) Stellt anläßlich des vom Kaiser zu entscheidenden Streites zwischen Papst Klemens VII. und dem Herzoge Alfonso von 1 Vgl. S. 440 Anm. 5. 2 Unter den libclli ... de honestate clericorum dürften die Schriften zu verstehen sein, die sidi mit der Frage befaßten, ob ein verheirateter Geistlicher nach dem Tode seiner Gattin eine zweite Ehe eingehen dürfe. Der Streit hierüber war veranlaßt worden durdi die zweite Vermählung des Nürnberger Prädikanten Dominikus Schleupner. Eine in Nürnberg handschriftlidi verbreitete anonyme Schrift, als deren Verfasser — wohl mit Recht — Pirck- heimer galt, hatte Schleupners Handlungsweise als sittlich unerlaubt und schriftwidrig scharf verurteilt, worauf alsbald Luther (De digamia epis- coporum propositiones, ersdüenen spätestens im April 1528) und die Nürnberger Prädikanten Wenzeslaus Link und Andreas Oslander (De ministrorum ecclesiasticorum digamia) den Angegriffenen verteidigten und es entsdüeden bestritten, daß für die Geistlidien ein anderes Sittengesetz gelte als für die Laien. Vgl. zu dem Streite die Einleitung zu der Ausgabe der Sdirift Luthers in der Weimarer Ausg. seiner Werke 26 (1909) S. 510ff. Die Ingolstädter Theologen, d. h. natürlidi vor allem Eck, haben übrigens in diesen Streit nidit eingegriffen. 3 Matteo Casella — wohl ein Nadikomme des in J. Burckhardts Kultur der Renaissance " 5. 40 genannten Lodovico Casella — war Geheimer Rat und Diplomat des Herzogs Alfonso von Este; in den Jahren 1526, 1527 und 1536 ist er als ferraresischer Gesandter in Rom nachweisbar: Pastor 4, 2 S. 234, 284, 747; 5 S. 170. Seine eifrige und erfolgreiche Tätigkeit als Gesandter am Kaiserhofe im Streite um Modena (s. die folg. Anm.) erwähnt Paolo Giovio in seiner Lebensbesdireibung Alfonsos von Este: P. Jovius, Liber de vita et rebus gestis Alfonsi Atestini, Ferrariae principis. Florentiae 1550. S.53f. 4 Der Brief ist undatiert. Da in der Einleitung erwähnt wird, daß der Nr. 280. 1530 Sommer-Herbst. 447 Ferrara über den Besitz von Mode na alles zusammen, was sich in antiken Geschichtswerken und Itinerarien sowie auf der „Tabula Peutingeriana" über die Via Aemilia und ihre Fortsetzungen findet, und führt aus mittelalterlichen Historikern und Urkunden Zeugnisse dafür an, daß Modena nicht zu den von den Karolingern den Päpsten geschenkten Orten gehörte, vielmehr noch im 13., 14. und 15. Jahrhundert zum Reichsgebiet gerechnet worden ist. Mündien, StsB: Cod. Lat. 4029 fol. 19ir — 198r. Entw. (Die zahlreichen Lücken rühren daher, daß die Blätter bei ihrer Einfügung in den Sammelband unten stark besdinitten worden sind.) Clarissimo iurisconsulto D. Mathaeo Casellae, ducali consiliario et apud caes. M tem oratori, domino et praeceptori observando, Chuonradus Peutinger Augustanus iurisconsultus S.D.P. Reddidisti mihi nuper ill mi principis et domini D. Alphonsi Estensis, ducis Ferrariae, Mutinae et Regii etc., domini mei colen- dissimi, literas, 1 quibus me nullis meis meritis, sed innata sua et solita humanitate et benevolentia est complexus. Suae itaque illnue diu non so i um a g 0> se( j e t re feram et quascumque possum habebo gracias. Caeterum cum contraversiam , quae nunc apud Streit zwischen Papst Klemens VII. und dem Herzog Alfonso von Ferrara um den Besitz von Modena und Reggio (vgl. darüber Pastor 4, 2 S. 382 u.O.J gegenwärtig beim Kaiser anhängig sei, muß er zwisdien dem 21. März 1530 (an weldicm Tage Klemens VII. sich mit Karl V. dahin einigte, daß dieser binnen sedis Monaten über die Zugehörigkeit der strittigen Orte endgültig entscheiden solle: Pastor 4, 2 S. 388) und dem 21. April 1531 (Sdiiedsspruch des Kaisers zugunsten des Herzogs: ebd. S. 460: das genaue Datum nach L. A. Muratori, Antiquitä Estensi2 S. 358) gesdirieben sein. Noch weiter führt Peutingers Bemerkung (S.456), daß er dem Empfänger des Sdircibens Werke deutsdier Gesdüditsdireiber zum Lesen geliehen habe: er hat demnadi mit ihm in persönlidiem Verkehr gestanden. Dafür aber bietet sidi innerhalb der vorhin angegebenen Zeitspanne keine wahrsdieinlicherc Gelegenheit als der Augsburger Reichstag von 1530, an dem Casella vermutlich als Gesandter des Herzogs von Ferrara — ein solcher ist, allerdings ohne Namensnennung, erwähnt in Clemens Senders Darstellung des Augsburger Reidistagcs: ChDSt 23 S. 272; vgl. audi in der Übersdirift unseres Briefes die Anrede Casellas: apud caes. M tem oratori — teilgenommen hat. Als wahrsdieinlidistes ungefähres Datum des Briefes ergibt sidi aus alledem die Zeit des Augsburger Reidis- tages von 1530, der am 20. Juni eröffnet, am 19. November mit dem Erlaß des Absdiiedes gesdilossen worden ist. l Nidit erhalten. 448 Nr. 280. 1530 Sommer-Herbst. caes. M tem inter s mu,n D. dementem VII. pont. max. et eius ill inam D nem agitari solet, cognovissem intellexissemque inter caetera super nomine Aemiliae contentionem versari, non me potui con- tinere, quin optimos quosque authores vetusto et recenciores plerosque negocio super hoc reviderem. Obtulit se primum T. Livius. Is libro VIII. et IX. 1 de bello Macedonico et Asiatico, quae sub M. Aemilio Lepido et C. Fla- minio consulibus gesta sunt, et a IX. principio ita inquit: C. Flamini[n]us consul, cum Apuanos Ligures perdomuisset pacem- que finitimis dedisset „et quia a bello quieta ut esset provincia effecerat, ne in ocio militem haberet, viam a Bononia perduxit Aretium", et deinde subiungit: M. Aemilius alter consul „tum transmontanos adortus (in bis et Frisinates Ligures erant, quos non adierat C. Flaminius) omnes Aemilius subegit armaque ademit et de montibus in campos multitudinem deduxit. Pacatis Ligu- ribus in Agrum Gallicum exercitum duxit viamque a Placentia, utFlaminiae committeret, Ariminum perduxit." Hactenus Livius. 2 Ex Strabone vero Geographicorum libro V. ita legimus: Hie ille Scaurus est, qui per Pisas et Lunam usque Sabatios viam stravit Aemiliam et hinc per Dertonam. Alia vero est Aemilia, quae Flaminiam excipit. Eodem enim in consulatu M. Lepidus et C. Flaminius collegae fuerunt; victores autem Ligurum stravere hie quidem Flaminiam e Roma per Tusciam et Umbriam usque Ariminum, alter reliquam porro usque Bononiam et ex ea in Aquileiam prope Alpium radices dueto per gyrum circa paludes opere. Huius regionis terminus monstratus est, quam cisalpinam nominamus Galliam, ad reliquam Italiam et montes Apennini Tusciae imminentes et Aesis amnis et postremo Rubico, utrique Adriaticum (quod Hermolaus scribi dicit Atriaticum 3 ) intrantes pelagus. 4 Sic itaque viae stratae et Aemiliae appellatae a Strabone duae sunt adnotatae. Quod vero Galliam cisalpinam Strabo hie refert, Livius Agrum Gallicum, partem huius, esse voluit. His a proximis diebus donavit nobis Raimundus Fugger, 6 a Der Absatz His — munitae sunt ist späterer Nachtrag. 1 der 4. Dekade. J Vgl. Livius 39, 2. 3 Vgl. Hermolai Barbari Castigationes Plinianae (seit 1492 wiederholt gedruckt) ad lib. 3., cap. 15. * Vgl. Strabo, Geogr. 5, 217. 6 Raimund Fugger (1489—1535), seit seines kinderlosen Oheims Jkoba Nr. 280. 1530 Sommer-Herbst. 449 affinis meus, nomisma argenteum, in cuius latere primo est cae- saris Augusti imago, ac huius inscriptionis: SPQRCaesari Augusto; et ab alio latere videtur via strata, super qua arcus duo coadunati sustinentes cum equis quatuor currum triumphalem, cui insidet vir equos cogens, ac talem habens inscriptionem: QVOD. VIAE. MVN. SVNT. 1 Haesitatum fui't a plerisque, quid illud MVN. signi- ficaret. Ego statim memor Tranquilli, qui de caesare Augusto ita scribit: „Quo autem facilius undique urbs adiretur, desumpta sibi Flaminia via Arimino tenus munienda reliquas triumphalibus viris ex manubiali pecunia sternendas distribuit", 8 adeo quod ------ beat monumentum illud, quod viae munitae sunt. Circumfertur eciam fragmentum imp. caes. Antonini Aug. Pii, ubi ita comperimus: „Ab urbe in Gallias itur itineribus sex, mari- timo, litoreo, Aureliano, Cassiano, Tiberio et Flaminio", de quo post reliqua ultimo subiungens ait: „Flaminium habet Castrum novum, Ocream et Ocriculum, Narniam olim Nequinam, Tuder, Hispellum aut a Castro novo Spoletum, Camerinum, Urbinum, Pisaurum, Ariminum. " 3 Adnotamus eciam ex Ptolemaeo, tabula Europae sexta picta, sed non plane ordine viarum debito: A. Rhoma Ariminum versus Tusculum seil, et Tibur, per Vilumbros, Menania, Forum Fla- minii, Nuceria, Perusia, per Umbros, Isuium, Forum Sempronii, Suasa, Fanum Fortunae, Pisaurum, Ariminum. 4 Ubi eciam ex scripta eadem tabula Strabonem nostrum emendamus, cum in libro, de quo supra, 5 Regium et Lepidum quasi duo loca formis Tode (30. Dez. 1525) neben seinem jüngeren Bruder Anton der Leiter des Hauses Fugger, besaß eine weit berühmte Antikensammlung: vgl. darüber den Brief des Beatus Rlienanus an Phil. Pudiaimer vom 3. März 1531 (Brief- wedisel Nr. 274 S. 393 f.) und dazu K. Bursian in: SB München 1874 S. 133ff.; ferner O. Hartig, Die Gründung der Münchener Hofbibliothek durch Albrecht V. und Joh. Jak. Fugger: Abh. Mündien 28, 3 (1918) S.37, 201 u. 0; M. Hautt- mann im Jahrb. d. preuß. Kunstsammlungen 42 (1921) S. 140. 1 Vgl. über diese i. J: 16 v. Chr. geprägte Münze H. Cohen, Description des monnaies frappees sous l'empire Romaini (1859) S.61f. Nr. 188—90. 2 Sueton., Augustus 30. 3 Itinerarium provinciarum omniutn Antonini Augusti cum fragmento eiusdem etc. Paris bei Henr. Stephanus 1512. Fol. 93r und 94r. * Peutinger benützte die Straßburger Ptolemaeus-Ausgabe von 1513. Sein mit einem sdiönen Exlibris versehenes Exemplar ist in der Mündiener StsB (A. gr. b. 983 in 2°) noch erhalten. '- Vgl. Strabo. Geogr. 5, 216. König, Peutlngers Briefwechsel 29 450 Nr. 280. 1530 Sommer-Herbst. excusa comperimus, cum una sit Regium Lepidi colonia ex Pto- lemaeo (item ex Plinio, Naturalis historiae libro III. capite XV. : » „Regienses a Lepido"), verum (prout supradixi Ptolemaeum non debito ordine pictum) cui, prout exemplaria eius ostenduntur, plena fides non est adhibenda. Ioannes enim a Monte regio 2 Germanus, rarissimae eruditionis vir, in praefatione sua contra Cremonensia in planetarum theoricas deliramenta ita ait: „Quid quaeso fiet, si traductoris incuria primum exemplar vicio sit ob- ductum aut ab esurienti quovis librario perperam immutatum? Quorum profecto utrumque cernere est in eo opere, quod hodie pro Geographia Claudii Ptolemaei circumfertur: ubi nee literalis contextus auctoris Graeci a respondet senteneiis Iacobo Angelo Florentino invertente, neque tabulae provinciarum particularium a Ptolemaeo institutam servant effigiem, sed frivolam ab homine famelico passae sunt mutacionem. Igitur qui se habere putabit Cosmographiam Ptolemaei, ne umbram quidem tanti operis poterit ostentare fidemque nemo habebit summatim dicenti mihi: Opus hoc nondum apud Latinos translatum esse, praesertim si reseiverit ipsum ob difficultatem suam diu apud Graecos quoque perditum omninoque interiturum fuisse, nisi monachi cuiusdam maxima vigilantia repertum esset." Hactenus Ioannes. 3 Idem, quod et plane perspeximus in patria nostra Augusta Vindelicorum in tabula quinta Europae, quam ultra flumen Licum posuit, cum sit sita eis Licum et intra Vindam, 4 quae flumina sub Augusta confluunt ac deinde Lici nomine dumtaxat in Denabium emerguntur. Et quoniam supra Antonini Pii fragmentum sexti itineris, quo in Galliam itur, retulimus illudque itinerarium plane sit de- perditum, habemus tarnen vetusta exemplaria manuscripta et unum, quod in Galliis formis excusum, 5 e quibus vias illas, 8 generi Hs. 1 Plinius, Nat. hist. 3, 116. 2 Joh. Müller von Königsberg i. Fr. (Regiomontanus). 3 Disputationum Iohannis de Monte regio contra Cremonensia in planetarum theoricas deliramenta praefatio. In der bei Erh. Ratdolt s. I. 1482 erschienenen Ausgabe (Hain* 14110) steht die zitierte Stelle auf fol.c3 v f. * Die Wertach. 5 Siehe den genauen Titel dieses Pariser Druckes des sog. Itinerarium Antonini oben S. 449 Anm. 3. Nr. 280. 1530 Sommer-Herbst. 451 Flaminiam seil, et Aemiliam, forte planius poterimus cognoscere, quae exemplaria singula referemus, licet Antonini esse asserere nolumus, sed ab itinerario eiusdem forte extraeta et seeundum tempora ex nominum et locorum variatione aliquando et fuisse immutata. 1 Primum igitur exemplar forrnis excusum: Ab Aquileia Bononiam usque mil. XXXI ad Concordiam, mil. item XXXI usque Altinum, inde XXXII Patavium, mil. XXV Ateste, mil. XX ad Ave- tianum, inde mil. XVIII vel XVII ad Vicum Varianum, mil. XX ad Vicum Fervinum sive Servinum, inde mil. XXIII ad Mutinam, item mil. XVIII Bononiam. Item ab Aquileia per Veronam: Ab hinc mil. XXX Hostiliam usque, inde mil. XXV ad Colicariam, sive Colocariam, inde XXV Mutinam ac iterum XXV Bononiam. Item ab Arimino Dertonam: Primum mil. XX usque Cesenam, inde XVI ad Forum Livii, item X ad Faventiam, item X ad Forum Cornelii, XIII ad Clacerinam, hinc X Bononiam, mil. XXV Mutinam, mil. XVIII Regium, mil. X Tanetum, mil. VIII vel IX Parmam, mil. XXV Fidenciam, mil. X Florentiam, inde XV vel XVI Placentiam, XXV Cumilomagum, mil. XVI Iriam, Dertonam inde X. s Ultro ex hoc forrnis excuso exemplari referenda esse non puto, quoniam satis maneum et corruptum videtur: licet viam Clodiam, Valeriam et Aureliam referat, [cum] Flaminea via (ita enim ibi scriptum est) ea sola ibi habetur, quae ab urbe Roma per Picenum Anconam et inde Brundusium tendit, 8 licet in alio mox subsequenti exemplari ita eciam compertum legerim, quam tarnen apud authores vetustos C. Flaminium stravisse non memini me legisse. Caeterum quod supra in exemplari illo relatum est Ateste: 4 ita eciam Hermolaus Barbarus Plinium libro, de quo supra, capite IX. emendavit, ubi prius scriptum comperiebatur „Vene- torurr autem Natri Aceste et oppida Acelum" ; 6 in dubio 1 Nach Kubitschek (Art. Jtinerarien" in: Pauly-Wissowa, RE9, 2[1918] Sp. 2337 f.) ist das sog. ltinerarium Antonini in den ersten Jahren Diocletians entstanden und geht (ebenso wie mittelbar auch die Tabula Peutingeriana und der Geographus Ravennas) auf eine aus der Zeit Caracallas — dieser Kaiser ist mit Antoninus Augustus gemeint — stammende Erdkarte zurüdi (ebd. Sp. 2336f.). 2 Vgl. fol. 48* und 49' des Pariser Druckes. 3 Vgl. ebd. fol. 52*ff. * Ebd. fol. 48*. 6 Plinius. Nat. hist. 3, 130. 29* 452 Nr. 280. 1530 Sommer-Herbst. tarnen reliquit, an sit nunc Este in agro Patavino, ac cuiusdam lapidis effossi inscriptionem refert: „Sex. Attilius M. f. Seranus procons. ex senati consulto inter Attestinos et Veicetinos finis terminos statuit", et Acelum a Ptolemaeo Acedum scribi. 1 Habemus et aliud itinerarium manuscriptum, cuius prima verba sunt: „Incipit cosmographia feliciter cum itinerariis suis et portubus et ex fastibus Romanorum et consulum nominibus et diversis", 2 ubi primum Oceani partes tarn orientalis quam occi- dentalis et quae flumina in hos exonerantur et deinde itinerarium provinciarum enumeratur, quod, etsi Antonini Augusti inscriptum sit, tarnen eius esse non plane adserere possumus; ubi iter ab urbe Roma usque Ariminum ita se habet: Mil. XXIV ad Rostratam villam, inde XXV mil. ad Otriculum, XII mil. ad Narniam, mil. VIII ad Interamnem, mil. XVIII Spoletum, mil. XVIII ad Forum Flaminii, mil. XXVIII ad Helvillo vicum, inde XXX Calle vicus, mil. XVIII ad Forum Sempronii, mil. XVI ad Fanum Fortunae, mil. IV ad Pisaurum et mil. XXVIII ad Ariminum. Hinc non proximo itinere ab Arimino Aquileiam mil. XX Cesenatium, mil. XXXIV Faventia, mil. X ad Forum Cornelii, mil. XXIV Bononia, mil. XXV Mutina, mil. XVIII Regium, mil. XVIII Parma, mil. XX Fidenciola vicus, mil. XXIV Placentia, mil. XXIV Laude, mil. XVI Mediolanum, mil. XXXIII Bergomum, mil. XXXVIII Brixia, mil. XXII Sermione, mil. XXXIII Verona, mil. XXIII Vincentia, mil. XXIII Patavis, mil. XXXIII Altinum, mil. XXXI Concordia, mil. XXXI Aquileia. Item breviori itinere ab Aquileia Bononiam usque mil. CCXVI: Ab Aquileia mil. XXXI Concordia, mil. XXXI Altinum, mil. XXXIII Patavis, mil. XXV Ateste, mil. XX Avelano, mil. XVII Vicus Varianus, mil. XVII Vicus Sermius, mil. XXIII Mutina, mil. XXVIII Bononia. Item a Verona Bononiam usque mil. CVI: Verona, mil. XXX Hostilia, mil. XXV Colicaria, mil. XXV Mutina, mil. XXV Bononia. Item a Cremona Bononiam mil CXII: Cremona, mil. XXX Brixellum, mil. XL Reg der Münchener StsB, laut Vermerk auf fol. 40r abgeschlossen am 4. Juli 1514; vgl. über diese Hs., die einen sehr fehlerhaften Text bietet, die Ausgabe des Itinerarium Antonini von G. Parthey und M. Pinder (1848) S. XXIX. Nr. 280. 1530 Sommer-Herbst. 453 XXVII) Mutina, mil. XXV Bononia. Item ab Arimino Dertonam mil. CCXXVIII. Ariminum, mil. XX Curva Cesena, mil. XIII Forum Livii, mil. X Faventia, mil. Forum Cornelii, mil. X Clacernia, mil. XIII Bononia, mil. XXV Mutina, mil. XVIII Regium, mil. X Tanetum, mil. IX Parma, mil. XV Fidencia, mil. X Florentia, mil. XlPlacentia, mil.XXVCumillomago, mil.XVI.Iria, mil.XDertona. 1 Habemus tercium exemplar Charta pergamena ad latitudinem fere pedis unius et dimidii et longitudinem duorum supra viginti nulla praeter miliarium observatione satis vetusto charactere con- scriptum, quod et vias et itinera nominatim ab urbe Roma citatas per rubricatas lineas et per milliariam locorum distanciam satis diligenter designatam ostendit, 2 licet non admodum ad unguem, ut aiunt, sed prout veteres per plus vel minus 3 animadvertere potuerunt. Ubi comperimus urbe Roma viam Flaminiam inter pontes Iulii 4 et Hadriani (et, ut Andreas Fulvius putat, 6 hinc per portam Flumentanam, quae nunc Populi dicitur) sie quoque per eandem a Roma viam: mil. VI ad , mil. XI ad V, ubkaquae) vivae, hinc mil.VII ad Interamnam, mil. XII ad Mevaniam, mil. XVI ad Forum Flaminii, mil. XII Camellaria, inde Nuceria, mil. XV ad Halvillum, mil. X ad Ensem, mil. VII ad Calem, mil. IX ad Intercisa, mil. XII ad Forum Sempronii, mil. XVI ad Fanum Fortunae, mil. VIII ad Pisaurum, hinc mil. XXIII Ariminum. Item ab Arimino mil. XI ad fluvium Rubiconem, inde mil. III ad Novas, mil. XI Sabis, mil. XI Ravenna, mil. VI Butrium, mil. item VI Augustam, mil. XII Sacis ad Padum, mil. IV ad Neroniam, hinc Cornicula, mil. VI Atria, mil. VI Utimaria, 6 mil. III Fosse, mil." 1 Vgl. fol. 19r und 26' der Hs. 2 Es ist dies die berühmte „Tabula Peutingeriana", heute in der Wiener Naiionalbibl. Die im Folgenden von Peutinger auf Grund der Karte zusammengestellten Straßenstrecken sind nicht frei von Lesefehlern; vgl. die neueste Facsimile-Wiedergabe der Karte (Segmentuni III—V) in: Konrad Miller, Itineraria Romana. Römisdie Reisewege an der Hand der Tabula Peutingeriana dargestellt (1916), und zur Berichtigung der Karte die ebenda Sp. 303ff., 307ff., 208ff., 205ff., 231 ff., 253 und 237f. gebotene Besprechung der fraglichen Strecken. 3 Falsche Auflösung der beiden letzten Buchstaben der Abkürzung mpm (—milia passuum); vgl. Pauly-Wissowa, RE9, 2 Sp.2339. ' Auf der Karte verschrieben für .Milvi". '■> Andreas Fulvius, Antiquaria urbis. Rom 1513 (Panzer 8 S. 252 Nr. 64.) Fol. C2r. * Verlesen aus: VII Maria. 454 Nr. 280. 1530 Sommer-Herbst. XVIII Corone, 1 mil. VI Minor Medoacus, mil. VI Maior Medoacus, mil. III ad Portum, mil. XVI Altinum, mil. XXX ad Concordiam, inde mil. XXX ad Aquileiam. Et illa est via prope litoralis. Ra- venna 2 vero Bononiam usque primum se offert Curva Cesena, hinc mil. VII ad Forum Populi, mil. VII Forum Livii, mil. X Fa- vencia, hinc mil. III ad Siminum 3 flumen, inde mil. VI ad Forum Cornelii, mil. VII ad Silarum flumen, item mil. VII ad Claternas, hinc mil. VI Isex flumen, tandem mil. IV Bononiam. Hinc ad Veronam, Patavium, Altinum etc. ut supra Aquileiam usque. Et hoc est, quod Strabo dixit, ut a nobis est relatum: Alter (seil. Lepidus) ab Arimino usque Bononiam et ex ea in Aquileiam prope Alpium radices dueto per gyrum circa paludes opere. Item ex eadem Charta a Bononia Dertonam usque: Bononia, mil. VIII Forum Gallorum, mil. VIII Mutina, mil. XVII Regium Lepidi, mil. XI T, ubi flumen , mil. XI Parma, ubi flumen Paala seu Parma, mil. XV Fidentia, mil. X Florentia, ubi flumen Rigonum, mil. XV Placentia, mil. XX ad Padum, mil. VII Qua- drata; Comelimagus, mil. XVI Milia, 4 Iria (forte Hyrium ex Dio- nysio), ubi flumen Tigdila seu Tistila, inde Dertona. Videmus ergo, dum haec tria exemplaria conferimus, maxi- mam esse differentiam similiter et nominum mutacionem seu variationem, quae modo emendare non lieuit. Altera via Aemilia ab Aemilio Scauro strata, quemadmodum ex Strabone doeuimus, 5 cui quadrat Mela Pomponius; cum Pisas in Hetruscis posuisset, subiungens ait: „Deinde Luna Ligurum et Liguria et Genua, Sabatia et Albigaunum." 6 Et ex eadem Charta nostra: Pisae. Hinc mil. XI ad Fossas Papirianas, mil. XII ad Tabernas frigidas, mil. X ad Lunam, hinc Boron, mil. III ad Mo- nilia, mil. VI ad Solaria, mil. XV ad Ricina, mil. VII inde Genua. Inde eadem Charta per mil. XVI ab uno latere declinatur iter Libarnum, deinde Dertonam; ab alio latere et litorali ad Vada usque Sabatia via a Genua ita continuatur: mil. XXVII ad Figlinas, mil. XIII Hasta, mil. VII Navalia, mil. XIII Alba Docilia, inde Vicus Virginis, mil. IX ad Vada Sabatia. 1 Verlesen aus: Evrone. 2 Wohl Schreibfehler für: Arimino. * Die Tabula hat: Sinnum. * Milia ist kein Ortsname; Peutinger hat die zwischen Iria und Comelimagus stehende Angabe der Tabula: Ab Iria Comelimagus Milia XVI mißverstanden. 5 Siehe oben S. 448. * Mela. Corogr. 2, 72. Nr. 280. 1530 Sommer-Herbst. 455 Collegimus modo vias per C. Flaminium et duos Aemilios stratas; verum Blondus in septima regione, quam Langobardiam appellat, Scultennam vetusti nominis amnem supra viam Aemi- liam et infra Pannarium appellari. 1 Modo petamus, num Aemilia eciam dicatur provincia. Re- fertur ex fragmentis Catonis eum ita scriptum reliquisse: „Gallia cispadana, olim Bianora,' 1 a victore Ocno postea Felsina dicta, usque Ravennam Gallia Aurelia et Aemilia a Romanis ducibus nomen habet. Princeps metropolis Felsina primum a rege Tusco conditore, inde a successore Tuscaniensi Bono Bononia est dicta" 2 (de qua eciam Plinius libro eodem cap. XVI. et XX.), 3 etsubiungit deinde Cato: „Gallia Flaminia a Ravenna ad Ariminum a comi- tibus Herculis conditum, b a quo cognominatur." 4 Cui quadrari videturSempronius Dedivisione et corographia Italiae, cum scribit: „Flaminia item a Bononia ad Rubiconem amnem antea Felsina a principe Etruriae missis coloniis Lamonibus", cum prius dixisset: „Doria Tuscorum prima familia incolunt primum ab Asca colonia usque Parmam, a qua et fluvius Doria et regio prius Doria, nunc Aemilia." 5 Et denuo ait Cato: „A Macra item ad fontes Tiberis ad inferum mare Tusci, ad superum Galli Aureliani et Aemiliani." G Legimus eciam apud Marsilium Patavinum iurisconsultum, qui imp. caes. Ludovici IV. augusti contra Ioannem XXII. advo- catus erat, in opere suo de imperii translatione scribentem: Imp. caes. Carolus aug., antequam Romanum imperium esset adeptus, vocatus contra Desiderium regem Langobardorum per Petrum presbyterum cardinalem ab Hadriano papa, exercitum „per iuga montium in Langobardiam cum non modica difficultate deducit; veniens igitur in Liguriam et Aemiliam, quae nunc Lombardia plana vocatur, in circuitu civitatis Papiae sua tabernacula fixit". 7 a Bainora Hs. b condita Hs. 1 Vgl. BlondiFlava Foroiuliensis Italiaillustrata. Venetiis 1503. Fol. H5 r . 2 Psettdo-Cato (vgl. oben S.53 Anm.6) bei Annius von Viterbo, Cotn- mentaria antiquitatum. Romae 1498, fol. C4r. 3 Vgl. Plinius, Nat. hist. 3, 115. * Pseudo-Cato a. a. O. fol. C4°. 6 Pseudo-Sempronius ebd. fol. K5r. 6 Pseudo-Cato ebd. fol. E1. 7 Vgl. S. Sdjardius, De iurisdictione .... imperiali ac potestate ecclesia- stica (Basel 1566) S.232. Peutinger kannte den damals noch ungedruckten Traktat des Marsilius aus einer Tegernseer Hs. (heute Clm 18100): vgl. König S. 78 und 148 und oben Nr. 225. 456 Nr. 280. 1530 Sommer-Herbst. Quae vero Blondus Ab inclinatione imperii libro primo decadis terciae de Flaminia atque Aemilia refert, 1 non admodum necessarium puto referre, cum Dign. Tua non modo hunc, sed et Germanos historiarum authores tibi a nie commodato datos solita tua diligencia revolveris, legeris ac consideraveris. Forte eciam hoc te non latet, quod Blondus idem in illustrata Italia regione septima ait: „Mutinam, quae nunc extat, novam esse et vetustae 8 fundamenta pauxillum distare; quis autem vel hanc aedificaverit novam vel fuerit veterem demolitus", dicit se non invenire et subiungit: „Certum tarnen habemus ipsam, quae nunc est, trecentesimo quinquagesimo abhinc anno non fuisse et utrius- que solum annis ante reaedificationem quadringentis municionibus in urbem coactis caruisse. In historiis enim Gothorum Lango- bardorumque nusquam eius nomen invenitur, quoniam Bononiae, Taneti, Brixilli et Parmae nomina ibidem sint frequentia. Qua ratione in ea divisione terrarum Italiae, quam Carolus Magnus et Hluduvicus ac alii filii et nepotes cum ecclesia fecerunt, in neutrius partium sortem haec ipsa civitas venit. Unde nee pontifici Romano censum pendet nee ab imperatore aliquam b dependentiam habet." Hactenus Blondus. 2 Si igitur Mutina non est vetusta nee pontifici maximo iure subiectionis censum pependit, quomodo a Pippino, Carolo et ceteris imp. successoribus donata vel confirmata fuerit, 8 non plane perspicio. Quae autem Pippinus rex et imp. caes. Carolus aug., eius filius, ecclesiae Romanae donarint, refert clarissimus iurisconsultus Leupoldus Bebenbergius Germanus, ab Ioanne Andreae in adnotacionibus suis ad Guilhelmum Durandum, quem appellant a vetusta Hs. b aliquo Hs. ' Vgl. Blondi Flava Historiarum ab inclinatione Romanorum imperii libri, Venetiis 1483 (Hain*3248), fol.F2*>. 2 Blondi Flava. . .. Italia illustrata, Venetiis 1503, fol. H 5'. 3 In einer besonderen, an den Empfänger unseres Briefes gerichteten undatierten Denkschrift (München, StsB: Cod. Lat. 4029 fol, 183r-187r; Entw.) hat Peutinger noch dargetan, daß insbesondere in der Urkunde Rudolfs von Habsburg vom 14. Febr. 1279 (MG Constitutiones 3 Nr. 222 S. 206ff.), in der dieser dem Papste Nikolaus III. die der Römischen Kirdie von früheren Kaisern und Königen geschenkten Besitzungen unter genauer Aufzählung bestätigt, Modena und Reggio nicht genannt seien. Nr. 280. 1530 Sommer-Herbst. 457 Speculatorem, tit. ,De rescripti praesentacione' § ,Ratione autem causae', v. ,Et haec sunt in argumentum super verbo „electio"' plurimum collaudatus, 1 in opere suo de zelo christianae religionis veterum principum Germanorum capite quinto de donationibus largifluis per veteres Germanos principes ecclesiae Romanae factis; et enumerat dumtaxat Ravennam cum quinque civitatibus adiacen- tibus, adiunctis deinde duobus ducatibus Beneventano et Spole- tano. 2 Durandus, ubi supra, ut plerique putant, in titulo de quo supra eciam Bononiam et totam Romandiolam citare videtur, nihil ibi de Mutina nee de Regio Lepidi. Legimus eciam ab epistolarum et diplomatum exemplari imp. Friderici II. augusti libro seeundo, cum Bononienses admoneret, quod victoria contra filium suum potiti essent, ne superbirent, ita scripsisse: „Quatenus dilectum filium nostrum H., regem Sar- diniae et Galluri, cum aliis fidelibus nostris Cremonensibus et Mutinensibus et caeteris aliis, quos c[o]epistis, visis praesentibus in carceribus relaxetis"; et libro III. fidelibus suis Mutinensibus denuo rescribit, ut milites mutant, ubi inter caetera sie ait: „Vos ad nostra servicia promptos et avidos obtulistis, de quibus vo- lentes vestra viscera recreare fidelitati vestrae tenore praesentium intimamus." ii Ecce imperator Mutinenses nominat fideles suos, unde ad Imperium tunc speetabant. Quare imp. caes. Fridericus III. aug. iure erexit Mutinensem et Regiensem ducatum et his Borsium Estensem dominum ducem constituit, eciam praesenteEugeniopont. maximo et non contradicente. Ita Pius papa II. in Europa sua. 4 1 Der berühmte Bologneser Kanonist Jon. Andreae war Lupolds von Bebenburg akademischer Lehrer; vgl. H. Orauert im Histor. Jahrbuch 13 (1892) S. 205ff. und Herrn. Meyer, Lupoid von Bebenburg (1909) S.90f. 2 In der von Jak. Wimpfeling besorgten Erstausgabe (Basel 1497 = Hain*2725) fol.Xv. 3 Die beiden Briefe Friedrichs II. (aus dem Juni 1249: Böhmer-Fiaker, Regesta imperii 5 Nr. 3777 f.) sind überliefert in der Sammlung des Petrus von Vinea, von der Peutinger zwei Handschriften (heute Stuttgart, LB: Histor. Hss. 2o Nr. 245 und 246) besaß. 4 In der Ausgabe s.l. et a. (Hain*258) fol. h 7""f. — Die Erhebung des Markgrafen Borso von Este zum Herzoge von Modena und Reggio durch Kaiser Friedrich III. erfolgte übrigens nicht unter Eugen IV., sondern erst unter Nikolaus V., und zwar am 18. Mai 1452 in Ferrara, wobei der Papst nicht zugegen war; vgl. V. v. Kraus, Deutsche Geschichte im Ausgange des Mittelalters! (1905) S.297. 458 Nr. 281. 1530 August. Haec modo a me sunt congesta; quae etsi a te forte diligen- tius sunt perspecta ac adnotata, velim tarnen, ut non solum Dign. Tua, sed et ill mus princeps meam adparatissimam voluntatem ag- nosceret et, si quid in annotacionibus Ulis meis adversum vide- retur, re cognita facilius posset depellere. Vale et me commendatum habeto et ill m0 principi me eciam comrnendato. 281. Von Sebastian Münster. 1 1530 August. Basel. Widmet seine „Gennaniae descriptio". Gedruckt: 1. Germaniae atque aliarum regionum, quae ad Imperium usque Constantinopolitanum protenduntur. descriptio, per Sebastianum Man- stemm ex historicis atque cosmographis pro Tabula Nicolai Cusae intelligenda excerpta. Basileae mense augusto anno 1530 (mit dem Buchdruckerzeidien des Andreas Cratander; von dieser Erstausgabe gibt es audi zwei Nadidrucke: S.l.eta. (Basel 1530) und Bas. s. a.(1531).). Fol.al". — 2. Germaniae universalis et particularis, veteris et novae descriptio per Sebastianum Munsterum pro Tabula Nicolai Cusae intelligenda, in: S. Sdiardius, Histo- ricum opus, in quatuor tomos divisum. Basileae (1574). 1 S. 467. — 3. — in: Sdiardius redivivus sive Rer. Germ, scriptores varii. Giessae 1673. 1 S. 238. Conrado Peutingero iureconsulto Augustano, historico atque cosmographo doctissimo, Sebastianus Munsterus S. D. Quum nuper Andreas Cartander in studiosorum utilitatem publicare statuisset Tabulam Germaniae, ab insigni illo mathe- matico Nicoiao de Cusa descriptam, a te vero, vir ornatissime, pro Germaniae nostrae illustratione redemptam, 3 non inutile 1 Der große Kosmograph Sebastian Münster (vgl. über ihn V. Hantzsdi in den Abh. Leipzig 18,3 [1898] und Joachimsen S. 188 ff.) hatte schon zwei Jahre früher in seiner . Vermahnung und Bitte an alle Liebhaber der lustigen Kunst Geographie, ihm Hilfe zu tun zu wahrer und echter Besdireibung deutscher Nation" (Beigabe zu seiner 1528 ersdüenenen .Erklerung des neuen instruments der sunnen") unter den Helfern, die er sidi erhofft, auch Peu- tinger genannt. Über persönliche Beziehungen der beiden Männer ist sonst nidits bekannt. 2 Von der durdi den Basler Drucker Andreas Cratander (vgl. über ihn Steiff, ADB 47 [1903] S. 540f.) veranstalteten Ausgabe der sog. Karte des Nikolaus von Cues sind noch drei Exemplare (London, Brit. Museum; Weimar, Bibl.; Nürnberg, Germ. Nationalmuseum) erhalten. Sie beruhte auf der von Peutinger einst in Italien entdeckten und erworbenen Kupferplatte, von der Nr. 281. 1530 August. 459 visum fuit, canones quosdam aut si mavis succinctam adiicere declarationem, qua simpliciores adiuti aut verius illecti avidiori animo nobilissimum cosmographiae complectantur Studium, quo ego in mundo desiderabilius non scio, quod seil, lectoris animutn plus capiat et quod non mediocrem afferat fruetum rerumque peritiam et inprimis historicorum lectoribus sit necessarium. Sunt hodie multi, qui etiam in eruditorum habentur numero, quibus domi tarn curta in mathematicis rebus est supellex, 1 ut etiam fere ignorent, quanam parte coeli quatuor mundi consistant plagae aut unde aeeidat, quod aquilonaribus aestivi dies longiores sint australioribus. Quibus hactenus parum consultum fuit, dum multae passim geographicae figurae in lucem prodierunt, sed nulla linearum, circulorum, numerorum atque aliarum id genus rerum, quibus dietae tabulae veluti incancellantur, explicaret rationem. Ediderunt quidem de hac re optimos et utiles libros Schoenerus 2 et Appianus, 3 sed qui nullam adiunetam habent regionum tabulam et ob id a multis neglectui dati, quum nullus mathematicarum rerum expers hinc emolumenti aliquid sibi accessurum sperarit. Proinde ego quum primum decrevissem, tuae elegantissimae Tabulae exiguum adiicere libellum, qui seil, regionum longitudines, latitudines, climata, parallelos, dierum incrementa et decrementa duntaxat explicaret, mox aliud animus suggessit consilium, nempe non parum me studiosis profuturum, si veluti manu eos ducerem in regionem et obiter indicarem, quando vel quomodo haec vel illa surrexerit vel in comitatum vel in ducatum aut etiam in regnum, quomodo populus pepu- dieser sdwn im Januar 1514 einige Probeabzüge hatte herstellen lassen (vgl. oben S. 240 Anm. 2), und muß spätestens 1529 herausgekommen sein, da das aus Pirckheimers Besitz stammende Londoner Exemplar auf dem Exlibris diese Jahreszahl trägt. Weiteres über die Karte siehe in meiner oben S. 240 Anm. 2 genannten Abhandlung. ' Vgl. Persius, Sat. 4, 52. 1 Gemeint ist wohl Joh. Sdiöners — er war seit 1526 Lehrer der Mathematik an dem damals neugegründeten Nürnberger protestantisdien Gymnasium — i. J. 1515 in Nürnberg erschienene „Luculentissima quaedam terrae totius descriptio, cum multis utilissimis cosmographiae initiis" (Panzer 7 S. 455 Nr. 112), in der audi die mathematisdie Geographie behandelt ist. 3 Peter Apianus (Bienewitz), damals Professor der Astronomie an dei Universität Ingolstadt, war in seiner seit 1524 mehrmals aufgelegten .Cos- mographia" gleidifalls auf mathematisdi-geographisdie Fragen, besonders audi auf die der Kartenprojektion eingegangen. 460 Nr. 282. 1531 Dezember 8. lerit populum et regno successerit regnum quidque memorabile acciderit aut quid peculiare inveniatur in hac aut ista terra. Haec enim historiarum studiosis inprimis blandiuntur et miram quandam secum adferunt voluptatem, ut talium lectione nemo facile satiari possit. In regno tarnen Constantinopolitano primum a christianis erecto et deinde a foedissimo Turca usurpato aliquanto prolixior fui scribendo, quod sciam apud plerosque historicos confusionem esse in Turcicarum rerum narratione. 1 Caeterum hoc quicquid est laboris, sub tuo nomine, vir clarissime, tibi nuncupantes in lucem edidimus: partim quod Tabulam istam tarn egregie pictam et sculptam nobis Germanis indicaveris, partim quod iam a multis annis diligentem egeris antiquitatum et historiarum in- dagatorem, quin et insignem geographum, id quod nobilis liber a te editus indicat, in quo Germanos ultrarhenanos a Gallis asseris. 2 Vale. Basileae mense augusto an. 1530. 282. Von Christoph Scheurl. 1531 Dezember 8. Nürnberg. Nachrichten über zwei italienische Darstellungen des letzten Krieges um die Lombardei. Eck wünscht die Veröffentlichung der „Tabula Peutingeriana". Grüße von Seb. v. Rotenhan. Nürnberg, Genn. Nationalmuseum: Scheurl-Hs. G fol. 340®. Abschr. Gedruckt: Chr. Sdieurls Briefbuch, herausgegeb. von F. v. Soden und J. K. F. Knaake, 2 (1872) Nr. 236 S. 137. D. Chunrado Peutingero Augustano, viro undecunque erudito et humano, patrono et amico honorando. S. P. Bellum hoc decennale, quod Longobardis gestum est, scripsit Galeatius Capella 3 multa quidem diligentia et fide, nisi 1 Vgl. über Münsters „Germaniae descriptio" Joachimsen S. 188f. 2 Gemeint sind Peutingers ,Sermones convivales" von 1506 (vgl. oben Nr. 20 S. 41), deren Hauptthema das Deutsditum der linksrheinischen Landschaften ist. ' Galeazzo Capella war Sekretär des mailändisdien Kanzlers Morone; Scheurl stand später mit ihm in Briefwechsel: Brief buch Nr. 246 und 256. Über sein 1531 in Mailand erschienenes Werk „De bello Mediolanensi seu de rebus gestis in Italia ab anno 1521 ___ libri VIII- (Panzer 7 S. 403 Nr. 213) vgl. Ranke, Zur Kritik neuerer Geschiditschreiber, in: Sämtl. Werke 33j34 S. 92* f. ;Molinier-Hauser, Les sources de l'hist. de France 2,2(1909)S.89Nr.919. Nr. 282. 1531 Dezember 8. 461 quantum nostrorum gesta, ut plerumque fit, extenuat. Eum librum nuper ad me misit Mediolano affinis meus Erasmus Fuetrer, 1 quem ego in multorum gratiam calcographis nostris dedi iterum excudendum. 2 Speravi autem Tuae Praestantiae futurum gratum, qui tempora nostra scribis et apud Germanos omnes in historia facile primas tenes. Unde etiam tanto libentius ad te mitto, quod ab ineunte adulescentia Tuam Humanitatem praecipuum patronum delegi et certe ex animo colui, observavi, amavi. Audio praeterea apud Cremonam vel Brixiam scriptum esse iustum volumen de bello Italico vel forsan Europaeo, sed non proditurum nisi a caesaris reditu in Hispanias. 3 Si putavero prius ad me delatum fore, Tuae quoque Integritati mittetur, cui valde cupio gratificari et hospitalitati et benevolentiae tuae para- tum devotumque animum regerere atque testari. Interea Eccius noster tuam chartam Germanicam, quod Celticum quoque furtum suspicatur, in publicum edi optat, nihil ambigens te praeclara bene- merita in litterariam rempublicam hoc quoque offitio cumulaturum. 4 1 Wohl ebenso wie die bei Welser (1 S. 69f., 83, 410; 2 S. 54) genannten Hieronymus, Ulridi und Hans Fütterer Faktor und Teilhaber der Nürnberger Welser. Christoph Sdieurls Gattin Katharina war eine Toditer Ulridi Fütterers; vgl. J. G. Biedermann, Gesdilechlsregister des hodiadel. Patriziats zu Nürnberg (1748) Tab.CCCCXLIV. 3 Diese von Sdieurl veranlaßte Ausgabe erschien unter dem Titel .Ga- leatii Capellae de rebus in Italia gestis libri VIII" bei Joh. Petrejus in Nürnberg i. J. 1532 (Panzer 7 S. 480 Nr. 298). 3 Damit könnten die .De bello Gallico commentarii" des Giov. Bau. Speciano aus Cremona, der Rat des Mailänder Herzogs Francesco Sforza gewesen war, gemeint sein. Sie sind unvollendet geblieben — vielleicht, weil der Verfasser in die Dienste Karls V. übertrat — und erst in der Bibliotheca Historica Italica 1 (1856) S. 107ff. gedruckt worden. Vgl. Molinier-Hauser, Les sources de l'hist. de France 2, 2 (1909) S. 90 Nr. 924. 4 Peutinger hatte die von Konrad Celtis — wir wissen nidit, wo — aufgefundene und ihm testamentarisch vermachte .Tabula Peutingeriana" schon i. J. 1511 veröffentlidien wollen, wie das ihm in diesem Jahre vom Kaiser dafür erteilte Druckprivileg bezeugt (s. oben S. 255 Anm. 1), und zu diesem Zwecke zwei kleine Abschnitte der Karte eigenhändig abgezeichnet. Wie so viele seiner literarisdien Pläne ist audi dieser unausgeführt geblieben. Die erste Ausgabe der Tabula erschien erst 1598 in Antwerpen auf Veranlassung Marx Welsers, der sie 1597 im Peutingersdien Nachlaß wiederentdeckt hatte. Vgl. K- Miller, Itineraria Romana (1916) S. XV f. — Über Ecks lebhaftes Interesse für geographische Fragen vgl. S, Günther, Eck als Geograph, in: Forschungen zur Kultur- und Literaturgesdi. Bayerns 2 (1894) S. 140ff. 462 Nr. 283. 1533 Februar 21.-23. Amicissimus meus Sebaslianus a Rotenhann 1 tibi salutem imperüt. Vale, vir ornatissime, cum optima coniuge et liberis. Norinbergae 6. idus decembris anno a partu virgineo 1531. Christophorus Scheurl, i. xi. doctor. 283. An Bürgermeister und Rat {1533 Februar 21. — 23. von Augsburg. Augsburg.} Widerrät unter ausführlicher Begründung den Eintritt der Stadt Augsburg in den zur Sprengung des „Schwäbisdien Bundes" zwischen Hessen, Kurmainz, Kurtrier und Kurpfalz geschlossenen „Rheinischen Bund". Augsburg, StB: Cod. 2o Aug.399 fol. 50r—53v. Entw. Firsichtigen, ersamen und weisen, gepietenden lieben herrn, wiewoll mir ain getreues leide, das auf E. Ft. erfordern ich nit erscheinen kan, so ist es mir doch vill beschwerlicher, das ich in der kurzen zeit und also gar in der eil (wie begert wirt) mein vorhaben in schritt verfassen soll, das doch mit etlichen beireden bas mocht erleutert sein worden. 2 Aber ich bedenk, Got der 1 Über den Humanisten Sebastian v. Rotenhan, den Schwager Huttens, vgl. Joachimsen S. 186. 2 Die Anfrage des Rates bei Peutinger war veranlaßt durch einen Brief des Bürgermeisters und der Geh. Räte der Reichsstadt Esslingen vom 15. Febr. 1533, der, wie die Augsburger in ihrer Antwort vom 24. feststellen, erst am 21. in deren Hände gelangt war (daraus ergibt sidi das Datum von Peutingers Schreiben). Die Esslinger hatten berichtet, daß Landgraf Philipp von Hessen seinen Sekretär Peter Baidel — mit dem einige von ihnen sdwn früher insgeheim wegen eines möglidist engen Zusammenschlusses der evangelischen Stände verhandelt hätten — zu ihnen geschidtt habe mit der Mitteilung von dem Zustandekommen des .Rheinischen Bundes" (abgeschlossen zum Zwecke der Sprengung des .Schwäbischen Bundes" zwischen Hessen, Kurmainz, Kurtrier und Kurpfalz am 8. Nov. 1532) und dem Antrage, Esslingen solle mit anderen oberdeutschen Städten dieser Einigung beitreten, jedenfalls aber in eine abermalige Erstreckung des .Schwäbischen Bundes" (dessen letzte elfjährige Erneuerung am 2. Febr. 1534 ablief) nicht willigen, ehe nicht der Landgraf seine Bündnisverhandlungen zu Ende geführt habe. Bürgermeistei und Rat von Esslingen wollten nun in dieser Angelegenheit sidi nidit ohne vorherige Fühlung mit Augsburg und anderen evangelischen Städten entscheiden; sie wüßten, daß Mainz, Pfalz und Hessen gegen die Erneuerung des Schwab. Bundes seien, und da es auch ihnen selbst nicht geraten erscheine, diesem nochmals beizutreten, sei es nötig, auf einen Ersatz zu denken, Nr. 283. 1533 Februar 21—23. 463 almachtig werd euch, mein herren, die gnad und schicklicheit mitteilen, das E. Ft. zu frid und ainigkeit und diser stat zu derselben erhalten und aufnemen dis fast gros und wichtig sache zum höchsten und vil bas werden beratschlagen, ermessen und bewegen, weder ich in der eil davon kan schreiben; doch aus gehorsam, pflicht und ganzer gutwilligkeit will ich nachvolgend mein gutbedenken in der eil und in kirz in schritt anzeigen, die sachen alle auf Verbesserung, wie billich ist, E. Ft. zugestelt haben. Die hessisch Werbung beruet alle meins achtens auf dem, dweil die von Esslingen mit dem hessischen secretarien gehandelt, derselb die handlung an sein herren gebracht, der im hat die lassen gefallen, und darauf furter den von Esslingen anzaigt von ainer weltlich oder in weltlichen sachen verstendnus oder ainung, zwischen den vier churfirsten, 1 dem von Hessen und den ober- lendischen stetten furzunemen, und das furter solchs Verstands halben mit gedachten churfirsten oder etlichen aus inen soll ferrer gehandelt werden und demnach die stette nit eilend ain Schwebischen pund verwilligen bis auf ferrer handlung. Doch will ich mich auf bemelt Esslinger schritten und die hessisch Werbung, dorin begriffen, gezogen haben. Demnach sein meins achtens zwo fraugen, als vill E. Ft. und dise stat berurt: Die erst, ob ain pundnus ferrer sei an- zunemen, die ander, mit wiem. Der ersten frag halben achtet ich gmainer stat zu guten und, damit die birger freier wandern und handtiern mochten, gut sei, das gmaine stat wider in ainen pund, doch durch gut weg und leidlich mittel kerne. Dan was der Schwebisch pund bisher dem werbenden burger, auch gmainer stat zu guten fride erschossen, des habt ihr, mein herren, wissen, obgleich ain cost darüber gangen ist. Auf die ander frag, mit wiem ain pund anzunemen seie, bedenk ich, das E. Ft. vorfaren schwerlich durch keiser Friderich weswegen sie den Vorschlag des Landgrafen für vorteilhaft hielten. Die Augsburger möchten, so hatten die Esslinger sdiließlidi gebeten, die Sache beraten und ihnen ihre Meinung mitteilen (Augsburg, StA: Literalien. Urschr.). Vgl. dazu F. v. Bezold, Gesdüdite der deutschen Reformation (1890) S. 654; Janssen-Pastor 3™ (1917) S.321f. 1 Dem Rhein. Bunde stand auch Kursadisen nahe. 464 Nr. 283. 1533 Februar 21.—23. in den Schwebischen pund gebracht worden sein; ursach die erst, das der selb pund wider herzog Jörgen von Beiern l ward furgenomen und das furstentumb Pairen diser stat am nächsten ist gelegen. Dweil aber davor der selb kaiser die reichstet wider herzog Ludwig het bewegt und nachmalen hinder den stetten vertrug er sich mit herzog Ludwigen und lies die von Augspurg in der suppen stecken, derohalben si in far und in grossen costen gefurt worden sein 2 und also, dasselb bedacht, auch nit gern in pund komen, doch auf das lest gezwungen worden und bei der acht, das diese stat die achtjarig ainung hat muessen annemen, 3 und ist die sach dahin gewachsen, das herzog Jörg gestorben 4 und herzog Albrecht auch in pund komen, 5 also er und sein söne 6 bisher darin gewesen, dadurch obgemelt be- schwerd abgelait und der pund diser stat zu guten ist komen. Das gmain Sprichwort laut: Mit den nachpaurn hebt man die stodel auf. 7 Also mains achtens am höchsten fruchtbar, wa ain pund diser stat solt zu guten komen, das am furstendigisten were, sich mit den mechtigen nachpauren zu verbinden. Zum andern: So hat ain stat nit macht, on willen ains Romischen kaisers oder kunigs sich in frembd pundnus zu geben. Zum dritten: ain frembde und ferre pundnus, diser stat entlegen, ist dieser nit woll furstendig. Zum vierten: Wa die wider kais. und kon. Mt. sein solt, mögen ir, mein herren, abnemen, wie die burger alhie in iren erblanden begriffen sein, das solch on grossen abfall und schaden nit furgeen mocht. Zum finften: 1 Der Sdiwäbisdie Bund von 1488 war in der Tat vom Kaiser in erster Linie gegründet worden, um den territorialen Ausdehnungsgelüsten der Wittelsbadiisdien Herzöge, vor allem Georgs des Reichen von Baiern-Landshut, entgegenzutreten. 2 Das Vorstehende bezieht sich auf die Beteiligung Augsburgs an dem Retdiskriege gegen Ludwig IX. den Reidien von Baiern-Landshut in den Jahren 146112; vgl. darüber ChDSt 22 S. 174ff.; V. v. Kraus, Deutsdie Gesch. im Ausgange des Mittelalters 1 (1905) S. 382ff. 3 Vgl. oben S. 16 Anm. 3. * /. Dez. 1503. 5 Albredit IV. der Weise von Baiern-München war sdion nadi dem un- glücklidien Ausgange seines Kampfes um Regensburg im Augsburger Frieden (25. Mai 1492) gezwungen worden, dem Sdiwäbisdien Bunde beizutreten (23. Juli 1492); vgl. Klüpfel 1 S. 134. « Wilhelm IV. und Ludwig X. 7 Vgl. Wander, Deutsdies Spridiwörter-Lexikon 3 S. 827 (s. v. .Nachbar") Nr. 60, 99, 101. Nr. 283. 1533 Februar 21.—23. 465 Solten die baierischen fursten auch dawider sein, wer solchs auch ganz nachteilig. Zum sechsten: Obgleich etlich klein stedt auch darein komen, so tun doch die caine hilf, und ir mußten mit der grossen gwartig sein. Zum sibenden: So sein euch die reinischen chur- und fursten ferr entlegen und der geistlich churfirsten hilf auch klein, und auch nit woll ir auflag under- halten. Zum achten: So verstand ich das Esslingisch schreiben allein auf weltlich sachen; damit were gmainer stat alhie der religion halben nit geholfen, 1 dan die obgemelten chur- und fursten weren darin dhein hilf zu tun schuldig. Aus den erzelten Ursachen und noch merern bedunkt mich schwer sein, sich von wegen diser stat gegen den von Esslingen stracks merken zu lassen, das ain erber rat zu diser sach lust und willen haben solt. Und vermaint darauf, inen ratschlagweis zu schreiben, dweil si das begert, das E. Ft. ab iren schriftlichen anzaigen sich bedankten, und dweil das hessisch anbringen auf ferrer handlung bei den churfirsten, so besehenen soll, meidung tat, solten si inen dasselb auch gefallen lassen, und so ferrer der sachen was an si gelangt, wolten si solchs den andern ober- lendischen stetten auch ferrer in geheim verkonden, der hoffnung, si wirden sich nach irer gelegenheit ganz unverweislich darin auch ferrer hören und vernemen lassen; si verhoften auch, das der Schwebisch pund diser zeit nit so liederlich und bald erstreckt werde, 8 daraus man des eilenden zusagens, davon in dem schreiben meidung geschieht, nit besorgen bedorft (alles mit ferrern umbstenden, so die feder geben wurde). Wa man aber sich je mit den churfirsten und fursten in obgemelt bundnus wolt einlassen und deshalben was guts zu schaffen vermainet, so achtet ich erstlich nit unfruchtbar sein, das sich E. Ft. mit Nurmberg und Ulm vor fleissig underredt 1 De/ Augsburger Rat sdiickte sich gerade damals an, in der längst überwiegend neugläubigen Stadt die Reformation vollends durchzufahren und audi seinerseits den bisher — nidit zuletzt unter Peutingers Einfluß — vermiedenen offenen Anschluß an die neue Lehre zu vollziehen (vgl. Roth 2 S. 107ff.), was ihn mit dem Kaiser und den benadibarten katholischen Reichsständen in gefährlichen Gegensatz bringen mußte. 1 Die Verhandlungen über die etwaige Erneuerung des Schwab. Bundes fanden erst im Dez. 1533 und Jan. 1534 auf einem Augsburger Tage statt; hier gelang es Philipp von Hessen, den Bund endgültig zu sprengen. König, Peullngers Briefwechsel 30 466 Nr. 284. 1534 April 24. hetten; dan ir wisst, wie Reutlingen, Weill und Esslingen ligen, also wa die sach zu ainicher entporung solt komen, da Got vor sein wolle, sie woll anheim enthalten wurden und euch nit zu hilf komen mochten. Solt dan Osterreich und Baiern euch und diser stat widerwärtig werden: bis die hilf kern, mocht vill args, schedlichs und unwiderbringlichs daraus erwachsen, das auch Got der herre woll verhüten. So haben ir, mein herren, gesehen und vernomen, wie die ander grossen die von Straßburg und Costencz angenomen und wie si jetzo wider ir gegeben brief und sigill gegen inen handien, 1 daraus furwar die gros nottirft erfordert, sich hierin woll zu bedenken. Alles auf eurer meiner herren Verbesserung und wollgefallen. 2 Underteniger Peutinger. 284. Von Bartholomäus Amantius.* 1534 April 24. Ingolstadt. Hat Peutingers Ausgabe Augsburger Inschriften, um einige Stücke vermehrt, in seiner umfassend angelegten Sammlung nochmals abdrucken lassen. Gedrudit: Inscriptiones sacrosanctae vetustatis, non Mae quidem Romanae, sed totius fere orbis sumtno studio ac maximis impensis terra marique con- quisitae feliciter incipiunt. Magnifico viro D. Raymundo Fuggero . . . Petrus Apianus mathetnaticus Ingolstadiensis et Bartholomaeus Amantius poeta D. D. Ingolstadii in aedibus P. Apiani. Anno 1534. S. CCCCXVIIf. 1 Das bezieht sicfi wohl auf die Prozesse „in Sadien des Glaubens", mit denen das Reidiskammergeridit, entgegen einer im Ansdüuß an den Nürnberger Religionsfrieden von 1532 gegebenen kaiserlidien Zusage, Straßburg, Konstanz und andere protestantische Städte auch weiterhin behelligte; vgl. z. B. Polit. Correspondenz der Stadt Straßburg 2 S. 172ff. 2 Peutingers Ratschlag entsprechend gaben die Bürgermeister „und etlidi geheime Räte" von Augsburg am 24. Febr. 1533 den Esslingern eine ausweichende, jede bestimmte Meinungsäußerung ablehnende Antwort (Augsburg, StA: Literalien) und knüpften dafür noch vor Ablauf des Monats mit Nürnberg und Ulm Verhandlungen an, die am 13. Mai zu einem auf 10 Jahre ge- sdüossenen Bunde der drei Städte führten; vgl. Roth 2 S. 111. 3 Über den Humanisten und Juristen Barth. Amantius (Reiten), damals Professor der Rhetorik an der Universität Ingolstadt, vgl. C. Prantl, Gesch. der Ludwig-Maximilians-Universität 1 S. 210ff. und 2 S. 489; H. Jordan, Reformation und gelehrte Bildung in der Markgrafsdiaft Ansbadi-Bayreuth 1 (1917) S. 290 ff. Nr. 284. 1534 April 24. 457 Clarissimo viro D. Conrado Peutingero, iuris utriusque doctori consultissimo, B. Amantius S. P. D. Inscriptiones vetustas in urbe Augustana tua cura et diligentia conquisitas et ante paucos annos impressas, cum iam Germaniam illustrare cuperemus, visum est, vir excellentissime, denuo typis excudere, 1 si fortassis opus hoc integrum plus lectorem adficeret, quam" si in diversas partes divideretur, nee diffido hoc tibi fore gratissimum; nam certo novi te nihil magis agere et laborare, quam ut te autore huiusmodi antiquitates in publicum emittantur, ex quibus non solum alii simili explorandi exemplo incitentur, verum etiam ingenia hominum exaeuantur et, si qua est obscuritas, quae maxima quidem est historiis, per huiusmodi monumenta adimatur. Recte hoc quidem; nam caeterae res, quanticumque fluni, caducae sunt et brevi pereunt, bonarum vero literarum laus est sola immortalis et post mortem etiam nos sequitur. Optarem plures nobis tui similes hoc tempore, quo artes reetae et liberales vulgo et prineipibus sunt in tanto contemptu, contingere; sperarem (ita me Deus adiuvet) maiorem honorem Musis impartitum iri et doctos plus foveri, quam passim fieri non sine optimarum rerum iactura et bonorum virorum dolore videmus. Sed quod ad te pertinet, merito gaudere debes, quod hoc tanto beneficio te doctis et bonis cognitum feceris, quod quanti sit faciendum tu ipse optime nosti. Caeterum ad- didimus praeter tuas ante editas vetustatem, quae inventa est in villa Bergen, b lapide ab Augusta distante,* praeterea formam Romanorum, ut olim reeubuerint caenitando, 3 quae ■ quoniam Erstdruck. '> primo ergänzt aus der Überschrift de s Stückes a uf S. CCCCXXXV des Werkes. 1 Peutingers .Inscriptiones vetustae Romanae" von 1520 (vgl. oben Nr. 203), die 2., vermehrte Auflage seiner „Romanae vetustatis fragmenta" von 1505 (vgl. oben Nr. 34 ff.), nehmen in dem von Barth. Amantius und seinem Kollegen Petrus Apianus herausgegebenen Insdiriftenwerke (vgl. über diese erste umfassende und geographisdi angeordnete gedruckte Sammlung K. Bursian in den SB Mündien 1874 S. 139ff. und E. Hübner im Handbuch d. klass. Altertumswissensdiaft 1 2 [1892] S. 635) die Seiten CCCCXVIII— CCCCXXXV ein. 2 Stadtbergen, 4 km w. von Augsburg; es ist das bei F. Vollmer, Inscriptiones Baiuariae Romanae (1915) S. 47 Nr. 141 besprodiene Epitaph. 3 Diese Reliefdarstellung eines sog. Familienmahles (vgl. über sie K. Bursian a. a. O. S. 156f.) gehört zu dem Stadtberger Epitaph. 30* 468 Nr. 285. 1534 Mai 16. doctissimus ac Omnibus numeris absolutus D. Ioannes Cholerus, iureconsultus et praepositus Curiensis, nobis cum aliis simul impartivit, 1 necnon epitaphia 8 et inscriptionem, quae est in pariete aedium Augustae factarum pro pauperibus d. d. d. Fuggerorum, 3 atque iure merito, nam domini Raimundi Fuggeri, eorum pia memoria cognati, una Omnibus fortunae, corporis et ingenii bonis liberaliter praediti, authoritate, tutela et impensis hoc opus est publicatum. Tu si quid huiusmodi habes, quo te speres ad posteritatem relinquere posse tui memoriam, ad nos mitte; quod enim officium nostrum exigit, fide Germana praestabimus. Vale ex Ingoldstadio 8. calendas maias anno a redempto orbe 1534. B. Amantius, bonarum literarum in Academia Ingoldstadiensi professor. 285. An die Bürgermeister 0534 Mai 16. 4 von Augsburg. Augsburg.} Hält wegen des den Nördlingern zu erteilenden Ratschlages (in Sachen der durch König Ferdinand von ihnen geforderten Hilfeleistung für den Württembergischen Krieg) eine baldige mündliche Besprechung für notwendig; er selber, durch Unwohlsein ans Haus gefesselt, könne seine Meinung erst sagen, wenn ihm noch weitere Aufschlüsse gegeben würden. Augsburg, StA: Peutinger. Ursdir. Adr.: Den fursichtigen, ersamen und weisen herren burgermeistern alhie diser stat Augspurg, meinen gepietenden lieben herren. Fursichtigen, ersamen und weisen, lieben herren burger- meister, auf E. Ft. bevelhe hat mir disen morgen über tisch E. 1 Über Jon. Choler als Insdiriftenforsdier vgl. F. Vollmer, Über Fürsorge und Verständnis für römische Inschriften in Bayern (1913) S. 16. • Die Epitaphien für die Brüder Ulrich (gest. 1510), Georg (gest. 1506) und Jakob Fugger (gest. 1525) in der Fuggerkapelle bei St. Anna in Augsburg. 3 Die Inschrift von 1519 über die Gründung der .Fuggerei" in der Augsburger Vorstadt St. Jakob. 4 Der Brief ist undatiert. Das darin genannte Nördlinger Schreiben kann jedoch nur das vom 15. Mai 1534 sein (s. die folgende Anm.), das, da Antwort darauf binnen zwei Tagen erbeten war, wahrscheinlich schon am Morgen des 16. in Augsburg eingetroffen und von den Bürgermeistern sofort Peutinger zur Begutachtung vorgelegt worden sein dürfte. Nr. 285. 1534 Mai 16. 469 Ft. diener Hans Mair die beiligendt schrift mit dem bevelhe, ich solt forderlich mein gutbedunken darauf verfassen, uberantwurt, und solchs den selben euch, mein herren, zuschicken. Nun hab ich der Ro. ku. Mt. meins allergnadigesten herren begeren, an die von Nordlingen beschehen, desgleichen der von Nordlingen schreiben, 1 auf mer wege gestölt, verlesen und kan bei mir nit finden, das ich insonder und für mich selbs allein ain fursten- digen ratschlag furderlich konde stellen, sonder dweil bei mir das kuniglich begeren nit allein frembd, woll dergleichen nie erhört und daraus großlich zu besorgen ist, es mocht solchs hinfuro an erber frei- und reichstedt weiter sonder etlich a auch gelangen: demnach wais ich in ain solcher hochwichtigen sache nit änderst diser zeit zu raten, dan das E. Ft. und wien si dabei sonst haben wollen (und insonder herren Georgen Herwart, 2 dweil der diss sach vor auch gehört hat) disen aubent oder morgen, wan es E. Ft. gelegen ist, auf ain stund ain zusamenerscheinen furnemen und bestellen lassen, damit solch schritten wider orden- Hinter etlich muß ein Wort ausgefallen sein. 1 Die Nördlinger hatten mit Schreiben vom 15. Mai 1534 Bürgermeistern und Rat von Augsburg mitgeteilt, es sei ihnen soeben vom Römisdien König ein Mandat zugegangen mit dem ernstlichen Begehren, angesichts des von Landgraf Philipp und Herzog Ulridi auf Württemberg unternommenen Angriffs nicht allein als Glieder des ehemaligen Sdiwäbisdien Bundes, sondern audi als gehorsame Angehörige des hl. Reichs ihre Hilfe bereit zu madien und ohne Verzug in der kgl. Majestät Fürstentum Württemberg zuschicken; da vermutlidi audi die Augsburger ein ähnlidies Schreiben erhalten hätten und sie selbst eine mit der der Augsburger übereinstimmende Antwort geben wollten, bäten sie um schleunige Nadiridit, wozu Augsburg sidi entschlossen habe (Nordlingen, StA: Missivbücher 1534 fol. 95?ff.). — Von den Augsburgern hatte König Ferdinand schon im April erst sdiriftlidi und dann durch einen eigenen Gesandten, endlich am 5. Mai nochmals brieflich zunädist finanzielle, dann audi militärisdie Unterstüzung verlangt (vgl. Roth 2 S. 148f.), die die Stadt am 19. Mai ablehnte, mit der Begründung, daß nadi der inzwischen (am 13. Mai) erfolgten Niederlage der Habsburgisdien Streitkräfte bei Lauffen ihre Hilfe ohne die der Fürsten und anderen Stände des Reidies zu sdtwadi sei, um Nutzen bringen zu können (Augsburg, StA: Literalien). Den Nörd- lingern wurde auf ihre Anfrage eine ausweidiende Antwort gegeben (Sdireiben Augsburgs an Nürnberg vom 21. Mai 1534: Augsburg, StA; Literalien). 2 Der Großkaufmann Georg Herwart, einer der entsdiiedensten Anhänger der neuen Lehre in Augsburg, war damals Mitglied des Kollegiums der .Dreizehner; vgl. über ihn Ehrenberg 1 S.219 und Roth 2 S.431. 470 Nr. 286. 1534 Oktober. lieh verlesen und ainer den anderen guetlich höre. So mag ver- mitelt götlicher hilf ain guter ratschlag darauf verfaßt und den von Nordlingen zugeschickt werden; dan ich etlich artieul in dem kuniglichen brieve und auch in der von Nordlingen schreiben befinde, der ich meiner person halben mereren bericht haben mus, so man mich änderst auch dabei haben will, wiewoll ich meins kranken haupts und schweren wetters halben diser zeit laider von haus nit auskörnen kan; aber wien E. Ft. mir zuschicken, lass ich mir billich und geren gefallen, den will ich mein vorhaben und bedenken hierin anzaigen, und nachvolgend E. Ft. wollmonung darauf auch lassen gefallen, den ich mich underdienstlich tun bevelhen. 1 In eil E. Ft. diener Chonrat Peutinger, doctor. 286. An Melchior Soiter. 2 1534 Oktober. (Augsburg) Beglückwünscht Schwiegersohn undTochter zur Geburt eines weiteren Sohnes. Barth. Atnantius und sein Inschriftenwerk. Neue Zeitung von den Türken. 1 Peutinger stand damals nicht mehr in den Diensten der Stadt. Am 7. Februar 1534 war ihm unter Belassung seines Gehaltes und mit einer „ Verehrung" von 600 Gld. der Abschied bewilligt worden (Roth 2 S. 197). Er hatte darum nachgesudit nicht bloß aus Alters- und Gesundheitsrücksldüen — gerade aus dem Jahre 1534 ist uns mehrfach (vgl. außer dem obigen Briefe audi Nr. 287 u. 289f.) bezeugt, daß er an heftigen Kopfschmerzen litt —, sondern doch wohl auch deshalb, weil er mit der Kirdienpolitik des Rates längst nicht mehr einverstanden war. Die seit Anfang d. J. 1533 immer entschiedenere Hinwendung des Stadtregimentes zur Reformation war gegen seine wiederholten Warnungen erfolgt (über sein großes Gutachten gegen das ius reformandi des Rates vom März 1533 vgl. Roth 2 S. 109f. und König S. 101 f.). Indes sein Ausscheiden aus dem Stadtsdireiberamte bedeutete dodi keinen Brudi mit seinen .Herren", die noch öfters in wichtigen Angelegenheiten seinen Rat einholten, wie z. B. obiges Schreiben zeigt. 2 Melchior Soiter aus Kempten, seit 15. Febr. 1525 der Gatte von Peu- tingers Tochter Konstanze, war im Okt. 1516 an der Universität Freiburg als „Melchior Suiter Campidonensis" immatrikuliert worden; zwei Jahre später hatte er ebendort den Grad des Baccalaureus artium erlangt (s. Die Matrikel d. Univ. Freiburg i. Br. 1460—1656, herausg. v.H. Mayer, 1 [1907] S. 228 Nr. 50) und dann vornehmlich bei Ulridi Zasius Rechtswissenschaft studiert. Als Zeugnis für die persönlichen Beziehungen zwischen Lehrer und Nr. 286. 1534 Oktober. 471 Augsburg, StA: Peutinger. Entw. — Auf sehr.: An doctor Melchior Soiter de mense octobris anno 1534. Wirdiger und hochgelerter etc. Lieber herr canzler und tochter- man, ich hab in verruckten wuchen trei brieve von euch ent- pfangen, 1 aber den letzten will ich am ersten anruren; daraus ich von euch aus Rhot 2 bericht bin, das Got der almachtig eur hausfrauen, mein liebe tochter, 8 abermalen mit ainem sune erfreuet hat, darumb wir billich Got dem herren dankbar sein sollen, der auch euch, eur hausfrauen, den euren und uns allen sein gnad und barmherzigkeit mitteilen wolle, damit eur neugeporner sune Michael Gabriel und wir alle durch die zu dem, das uns allen an seele, ehere, leib und gut furstendig und zu ewiger saligkeit furderig ist, (gelangen mogen>\ Euch und eur hausfrauen auch daneben vill guts glucks winsche. Des Amantzien 4 halben lasse ich es bei eurem anzaigen und schreiben beleiben. Ich hab den man für weitleuffig erlernet, von des wegen mich für gut bedacht, dise sach zun örteren ein- zuschlahen, dan an ime ainmal nichtz zu erholen ist. Und darumb habt ir meins achtens ganz recht gehandelt, mir die sach, wie er auch getan hat, zu ergeben. Aber ich will, wa ich umb entscheide ferrer wird angesucht, euch solchs vor verkonden und eurer ferrer wolmainung darauf verneinen, sonst wirde ich dis sache also ersitzen lassen und die auf Tiberprug , so ich dahin kome, aussprechen. Das peste ist, das ir von gnaden des il in der Hs ist mittailen wolle versehentlidi wiederholt. Schüler ist ein Brief des Zasius an Soiter vom. 15. März 1521 erhalten (Zasii Epistolae, ed. Riegger, S. 448). Soiter war damals Kanzler des Landgrafen Philipp von Hessen, den er im Sommer und Herbst 1523 auch beim Schwäbischen Bunde vertrat (F. Küch, Polit. Archiv d. Landgr. Philipp d. Großmütigen von Hessen 1 /= Publikationen aus den k. preuß. Staatsarchiven Bd. 78. 1904] S. 91 ff.). Später finden wir ihn in Diensten des Pfalzgrafen, späteren Kurfürsten Friedrich IL, dessen Feldzug gegen die Türken in Ungarn (1532) er in einem 1538 bei Alex. Weissenhorn in Augsburg erschienenen Werke „De bello Pannonico per . . . Fridericum comitem Palatinum Rheni... adversus Soleymanium Turcarum tyrannum ... gesto" dargestellt hat. 1 Nicht erhalten. 2 Welcher der verschiedenen Orte namens Roth hier gemeint ist, läßt sich nicht feststellen. s Konstanze; vgl. oben S.404 Anm.3. 4 Bartholomaeus Amantius; vgl. oben S.466 Anm.3. Worauf sich die folgenden Sätze beziehen, vermag ich nicht anzugeben. 472 Nr. 287. 1534 Oktober 26. Almachtigen sein nitbederft. Deshalben ir und ich ine sein lassen, wie er ist. Er und Apianus sein in Italiam, vermeinen aus den alten Schriften, so si im truck haben lassen ausgeen, 1 vill zu erlangen; trag aber ich fursorg, dweil darin vill unfleis befunden, die selben Schriften werden sich nit also lassen vertreiben. Doch geschehe, was gut seie. Bedanke mich auch fruntlich gegen euch der uberschickten [der] neuen zeitung aus Sibenburgen ganz frundlich und bite euch, so ir des Gritin halben weiter vernomen haben oder noch verneinen werden, mich des zu berichten; dan die sag sein halben ist alhie weiter verlaut, sein sone soll zu tod geschl und er gefangen und doch hart verwundt, das er auch soll gestorben sein.' 2 Was sich in nächst verschinen augstmonats [sich] von Dircken in dem kunigreich Napols zugetragen, 3 habt ir aus eingeschlossen zedel zu verneinen etc. Grueßt mir eur hausvolk; alles nette woll leiden mögen, das eur sone Melchior yetzo alhie were. Dat. 287. Von Eberhard 1534 Oktober 26. Graf zu Königstein und Dietz.* Königstein i. T. Eberhard grave zu Kingstain und Dietz, herr zu Epstein und Munzenberg, sendet das brieflich 1 ' erbetene Aqua vitae etwas verspätet durch einen eigenen Boten, da ihn auf der {Frankfurter) Messe niemand daran erinnert habe. Das Rezept dazu hat der Frankfurter Stadtarzt Mosse. Das Aqua vitae ist an den vier Mondwechseln einzunehmen, ungefähr drei oder vier 1 Die .Inscriptiones sacrosanctae vetustatis"; vgl. oben Nr. 284. 2 Über den in türkische Dienste getretenen Venezianer Ludovico Gritti, der am 29. Sept. 1534 in der siebenbürgisdien Stadt Mediasdi in Gefangenschaft geraten und von seinen Feinden erschlagen worden war, vgl. H. Kretsdi- mayr im Aren. f. österr. Gesch. 83 (1897) S. lff. und N.Jorga. Gesdi. d. os- manisdien Reiches 2 (1909) S. 419ff. 3 Der Korsar Chaireddin Barbarossa hatte im Juli 1534 die italienischen Küsten geplündert. * Graf Eberhard v. Königstein (i. Taunus) stand in nahen Beziehungen zu Augsburg durch das von ihm seit 1514 dort ausgeübte Münzrecht; vgl. darüber 7. Jahresber. d. Hist. Ver. f. Schwaben und Neuburg (1842) S. 53Anm. 18. 6 Dieser Brief ist nicht erhalten. Nr. 288. Nicht vor 1534. 473 Tropfen in den Mund, worauf Mund, Nase und Ohren zu schließen sind, damit der dampf in das haupt kome. Dat. Konigstain montags nach ll m jungfr. tag, 26. octobris, anno 1534. München, StsB: Cod. hat. 4011 fol.57r. Abschr. 288. Von Bonifacius Wolf hart. y {Nicht vor 1534.' 2 Augsburg.) Erteilt Auskunft über ein ihm zur Prüfung vorgelegtes hebräisches Buch. Gedruckt: Lotter-Veith S.218f. Salutem in Christo servatore nostro. Quod etiamnum recte valet Excellentia Tua, clarissime doctor, est quod vehementer gau- deam, oraboque Dominum, ut haec valetudo tibi, optime de lit- teris merito, sit perpetua. Liber Hebraeus, quem heri ad me mi- sisti, a Chaim (si quisquam alius) vero Israelita 3 partim Ulmae, partim hie excusus est nee certum authorem praefert. Videtur enim non ab uno aliquo, sed pluribus idque diversis temporibus consarcinatus. Continet autem orationes Iudaeorum plane pias et innocuas, ut puta ex Scripturis desumptas, quas singulis festis et neomeniis adeoque per totum anni curriculum orare solent. Quare librum hunc haud indignum esse duxerim, quo bibliotheca tua optimis alioqui omnium tum linguarum tum professionum auetoribus instrueta exornetur. Bene valeat Excellentia Tua cum 1 Über Bonifacius Wolf hart (Wolfhard, Wolfart), der seit 1531 als zwing- lianischer Prädikant bei St. Anna einer der führenden Augsburger Theologen war, vgl. Roth 2 S. 48f. u. 0. 2 Der Brief kann nidit vor 1534 gesdirieben sein, da das hebräisdie Buch, das seinen Gegenstand bildet, erst in diesem Jahre herausgekommen ist (vgl. die folgende Anm.). Wahrsdiein- lidi gehört er noch in das genannte Jahr, da Peutinger jenes Budi wohl bald nadi seinem Ersdieinen zugänglidi geworden ist. 3 Derjüdisdie Drucker Chajjim Ben David hat in den Jahren 1533—43 in Augsburg eine Offizin unierhalten, in derer, ebenso wie früher in Prag und Öls, aussdiließlidi liturgische Büdier herstellte. Vgl. J. Perles, Beiträge zur Gesdüchte der hebrüisdien und aramäischen Spradie (1884) S. 172ff. Hier handelt es sich hödistwahrsdieinlich um das bei Panzer 9 S.385 unter Nr. 261 ver- zeidinete „Liber tefiloth seu precum rit. Germ. Augustae Vindelicorum per R. Chaiim. 1534". Audi das von Chajjim im gleichen Jahre in Augsburg herausgegebene auf Pergament gedruckte Gebetbuch, das im Catalogue of the Hebrew books in the tibrary of the British Museum (1867) S. 440 verzeichnet ist, könnte in Betracht kommen. 474 Nr. 289. 1535 Januar 19. uxore et liberis, quos salvos esse cupio, meque Dig ni Tuae ceu veteri patrono et amico supplex commendo. Excellentiae Tuae deditus Bonifacius. 289. An Eberhard 1535 Januar 19. Graf zu Königstein und Dietz. (Augsburg) Antwort auf Nr. 287. Dankt für das übersandte Aqua vitae, das sein Kopfweh gelindert hat. Gerücht von der für den Frühling bevorstehenden Ankunft des Kaisers in Genua. München, StsB: Cod. Lat. 4011 fol. 57. Abschr. — Adr.: Dem wolgebornen herrn herrn Eberharten grave zu Konigstain und Dietz, herrn zu Epstein und Munczenberg etc., meinem insonder gnedigen herrn. E. G. sonder gnädig schreiben, des datum steet Konigstain, montags nach 11™ Jungfrauen tag nechstverschinen, ist durch E. G. Augspurgerischen munzmaister N. Ainkyrn sambt dem glasse mit dem aqua vitae auf 15. tag novembris, auch nechstverruckt, mir zugeschickt worden, des gegen E. G. ich mich ganz under- teniglich und mit höchstem vleis bedanke. Hab auch bemelt wasser laut E. G. gnedigem schreiben seidher zu neuem und voll mon, auch desselben quart. gebraucht, und ist mir solchs von Gotes des almechtigen und Euren gnaden, wie ich genzlich verhoffe, zu höchstem guten komen. Dann mein haubt ist dar- durch in ain bewegung gebracht, das gar nach ain ganzen monat vill wasser davon ausgangen und deshalben mein grösts haubtwee, so bisherr etlich jar gewert, nachgelassen hat und nachvolgend mein haubt also ruig worden, das ich solchs nit hette vermeint. Darumb ich billich und gern, wie obstat, dankbar sein soll und will. E. G. neue zeitung anzuzaigen wais ich nit sonders dann die sagen verlauten, das Ro. kai. und Hispan. ku. Mt., mein aler- gnedigister herre, sich auf künftigen frieling aus Hispania tun und zu scheff und mit hilf des Almechtigen zu Genoa ankörnen; darauf sollen auch etlich vill haubtleit knecht bestellen und zu I. kai. Mt. in Italia beschaiden. 1 Aber ich hab deshalben noch nichtz gwis vernomen etc. Dat. auf 19. tag ianuarii anno etc. im 35 sten . E. G. underteniger Chonradt Peutinger, beder recht doctor. 1 für den Kriegszug'gegen den Korsarenhäuptling Chaireddin Barbarossa in Tunis, der im Juni 1535 erfolgreich durdigeführt wurde. Nr. 290. 1535 Januar 30. Nr. 291. 1535 Dezember 5. 475 290. Von Eberhard 1535 Januar 30. Graf zu Königstein und Dietz. Königstein i. T. Antwort auf Nr. 289. Übersendet das durch den Boten mündlich erbetene Rezept für das Aqua vitae und rät noch ein weiteres Heilmittel an. München, StsB: Cod. Lat. 4011 fol.57vf. Absdir. Dankt Peutinger für seinen Brief; freut sich, daß das aqua vitae ihm geholfen hat und wünscht weitere gute Besserung. Datum Konigstain sontags nach sant Pauls bekerung den 30. ianuari anno 1535. Nachschrift: Hat uns der Cristoff Zwackauf {der Überbringer von P.s Schreiben) under anderm bericht, das ir begirig seit des recepts vom wasser und das er solichs bim Juden 1 durch unser und anderer fürderung erlangen. Wiewoll nun er, der Jude, des- selbigen etwas unmilt, auch unser liebe gmahel ime versprechen müssen, das selbig nit weiterkommen zu lassen, und wir dann besorgen, das euch nit eben das recept werde, welchs wir prauchen, haben wir ane gedachten unseren lieben gmahel sonder wissens solich recept uberkomen, das wir euch vertreulicher mainung mit einem nebenbericht, wie ir von Cristofen vernemen, hiemit zuschicken, und wolten, das es euch seer woll bekome etc. Ir sollet auch ains frembden gewechs, so in velben beumen wechst, dreierlai gattung nemen und zurschniten, auch durch- lechern, damit ir ein faden dadurch ziehen und es an hals henken moget, das es den leib anrur, wie euch das der Cristof auch berichten soll. Dat. ut supra. Es folgt das Rezept in eigenhänd. Abschrift Peutingers. 291. An Willibald Zeller. 2 1535 Dezember 5. (Augsburg.) Dankt für einen übersandten Wildschweinskopf. Augsburg. StA: Peutinger. Entw. — Adr.: Dem erwirdigen und geistlichen herrn Wilibolden bropste zu Sellenhofen, meinem gepietenden lieben herrn. 1 dem Frankfurter Stadtarzt Mose; vgl. Nr. 287. 2 Willibald Zeller, ein ehemaliger Konventuale des Benediktinerklosters Wtilzburg, bei dessen Umwandlung in ein Chorherrenstift i. J. 1523 er dem 476 Nr. 292. 1536 Oktober 14. Erwirdiger und geistlicher gepietender lieber herre probst, Eur Erwirde ganz fruntlich zuschreiben, 1 erpieten und darzu ain schweinskopf von ainem großen wilden und der zeen halben verwunbarlichen schwein hat mir meiner herren alhie steurschreiber Hans Reysmuller vor etlichen verschinen tagen, als er wider von Treuchtlingen herkomen ist, uberantwurt. Des gegen Eur Erwirde ich mich, meinhalb bisher nit verdienet, unverdienstlichs fleis bedanke. Hab auch den gemelten köpf mit mein guten frunden, so ich diser zeit alhie gehabt, mit freuden verzeret. Wolt auch von herzen geren Eur Erwirde wieder alhie und mich anhaim zu suchen söhen; konde ich der alsdan und sonst nach gelegenheit meins Vermögens freude, ehere und dienst erzaigen und beweisen. Soll an mir guter und getreuer fleis nit erwinden noch gespart werden. Eur Erwirde mich daneben unverdienstlich tue bevelhen. Dat. auf fünften tag decembris anno im 35 ste ". Eur Erwirde williger diener C. P., beder recht doctor. 292. Von Beatus Rhenanus. 1536 Oktober 14. Schlettstadt. Ist Peutlnger dankbar für das Anerbieten seiner Handschrift von Cassiodors „Varia" und bittet, ihm jetzt für die beabsichtigte Ausgabe altchristlicher Dichter die Handschrift von Arators Epos „De actibus apostolorum" durch Vermittlung Hans Paumgartners d. J. nach Straßburg zu schicken. Mündien. StsB: Cod. Lat. 4029 fol. 211 r. Absdir. Peutingers. Gedruckt: E. König im Hist Jahrbudi 33 (1912) S. 363f. Clarissimo viro D. Chunrado Peutingero iureconsulto, amico observando. S. D. Clarissime vir, reversus nuper huc ex Augusta D. Ia- Markgrafen Georg von Ansbach gute Dienste geleistet hatte, war von diesem am 18. Juni 1533 zum Verwalter des bereits säkularisierten Klosters Soln- hofen mit dem Titel Propst bestellt worden. Er war entsdiiedener Lutheraner. Vgl. über ihn K Schornbaum in den Beiträgen z. bayer. Kirdrengesdt. 12 (1906) S.220f. und im Sammelbl. d. Hist. Vereins Eichstätt24 (1910) S.5f., 11, 14; ferner J. B. Götz, Die Glaubensspaltung im Gebiete der Markgrafsdiaft Ans- badi-Kulmbach i.d.J. 1520—35 (1907) S. 208 und 214. > Nicht erhalten. Nr. 292. 1536 Oktober 14. 477 cobus Spiegellius' exposuit mihi multis verbis, quo pacto Cassio- dorum in Variis tuum ipsi obtuleris ad nos perferrendum. 2 Pro eo obsequio tarn prompto maximam tibi habeo gratiam nee minorem, quam si huc attulisset; id quod fuisset factum, nisi D. Antonius Fuggerus 3 suam erga nos liberalitatem ostendisset. Porro rogo velis per D. Ioannem Paumgartnerum 4 ad nos mittere par- vum illum libellum continentem vitas apostolorum Aratoris dia- coni titulo versiculis haud inelegantibus, 5 quem memini me in bibliotheca tua, quum istic adessem, 6 te monstrante videre. Nam si hoc feceris, divini numinis favorem plenius emerebere propter novam et mehercle sanetam editionem omnium poetarum chri- stianorum veterum Prudentii, Sedulii, Iuvenci, Aratoris, Fortunati et similium in magno volumine typis elegantibus, quam adornant Basileae. 7 Monui D. Paumgartnerum, ut Argentoratum mittat ad Nicolaum Bohemum 8 aut Hieremiam in aedes Brechterianas. 9 Deus optimus maximus te servet incolumem. Uxorem tuam, mulierem optimam, verbis meis saluta. Vale. Datum Selestadii pridie idus octobris anno 1536. Beat. Rhenanus, toto pectore tuus. 1 Über diesen Aufenthalt Spiegels in Augsburg ist sonst nidits bekannt; vgl. G. Knod, Jakob Spiegel 2 S. 23. 2 Rhenanus wollte die .Varia" herausgeben; vgl. Joachimsen S. 137. Eine Hs. der .Varia" ist in den drei vorhandenen Katalogen von Peutingers Bibliothek (Clin 4021 b, e, d) n ia\t verzeichnet; nur die Chronik Cassiodors findet sidi in Clm 4021d f 0 L 47 r, 3 Über die Beziehungen Anton Fuggers zum Humanismus vgl. E. Fink in der ZHVSdi 21 (1894) S. 55ff. 4 Über diesen audi mit Erasmus befreundeten reichen Augsburger Handelsherrn und Mäzen, den Sohn Hans Paumgartners d. Ae., vgl. Ehrenberg 1 S. 192 f.; Roth 2 S. 8 und 3S. 20; W. Krag, Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg (1919) S. 45ff. 6 Gemeint ist das Epos .De actibus apostolorum", eine poetisdie Bearbeitung der Apostelgesdüdüe, des Arator (vollendet 544); vgl. M. Manitius, Gesdi. d. lat. Lit. d. Mittelalters 1 (1911) S. 162ff. 6 Rhenanus war während des Reidistages von 1530 in Augsburg gewesen ; vgl. dessen Briefwedisel S. 398 und 404. 7 Diese Ausgabe ist nie zustande gekommen; vgl. das Verzeidmis der von Rhenanus veranstalteten Ausgaben altdiristlidier Schriftsteller von A. Horawitz in; SB Wien 71 (1873) S. 662ff. 8 Über Joh. Boehm ausAub i. Unterfr., Deutsdwrdenspriester und Humanisten, vgl. Joadumsen S. 184 f. 9 Vgl. die Adresse von Nr. 293. 478 Nr. 293. 1536 Okiober 24. 293. An Beatus Rhenanus. 1536 Oktober 24. (Augsburg.} Antwort auf Nr. 292. Hätte die Cassiodor-Handschrift gern geschickt. Rühmt des Rhenanus Verdienste um die Wiederbelebung guter Schriften des Altertums. Hat sich die von jenem aus dem Nachlasse des Erasmus veröffentlichte Origenes-Aus- gabe sofort gekauft. Stellt zusammen, was er, geleitet von Ficinus, bei Origenes, Eusebius und Theodoret von Cyrus über den Pythagoräer Numenius und sein Wort von der Übereinstimmung des Plato und Moses gefunden hat. Hat von seinem Sohne Joh. Chrysostomus aus Antwerpen des Gull. Insulanus Menapius Trauerrede auf Erasmus erhalten. Sendet die erbetene Arator-Handschrift. In England soll ein Aufstand gegen den König ausgebrochen sein. Grüße an Spiegel. 1. Schlettstadt, StB: Mscr. Nr. 164. Ursdir., am Rande besdtädigt. — Adr.: Praestantissimo et policioris erudicionis viro D. Beato Rhenano, amico praecipuo. In der herren Brechter haus zu Straspurgzuantwurten. — 2. Mündien, StsB: Cod. Lat. 4029 fol.211*>—214r. Absdir. Peutingers (=M). Gedruckt: Briefwechsel des Beatus Rhenanus. Gesammelt und herausgegeben von A. Horawitz und K- Hartfelder. 1886. Nr. 303 S. 431 ff. Cnadi der Ursdir., mit zahlreichen Fehlern: vgl. Hist. Jahrb. 33 11912] S.364f.). Salutem in Christo servatore. Praestantissime et policioris erudicionis vir, Beate charissime, heri ad 11. kal. novembris redditae mihi sunt literae tuae, pridie idus octobris ad me datae, 1 quae me non mediocri gaudio affecerunt, cum quod ex his a te viro plurimum erudito tum eciam bonam voluntatem et solitam tuam humanitatem erga me, te quoque adhuc optima literarum studia fovere perspexerim, nee opus est, mihi gratiam habere, quod Cassiodorum mittere volebam. Eum quidem mi- sissem libenter, cum erudicio et diligencia tua !l in bonis autho- ribus restituendis utilitati communi studiosorum plurimum con- ferat. Haec enim vera pignora sunt, quibus posteris memoria non vulgaris et simul priscorum erudicio denuo comparatur; haec longo iam tempore alias ab ignavis et torpore affectis non solum abieeta, sed et penitus quasi collapsa ruinae data fuissent. Quam autem hactenus in re hac operam navasti, omneis re- a tua fehlt M. 1 Nr. 292. Nr. 293. 1536 Oktober 24. 479 cognoscunt quiqui in bonis literis et libris versari solent. Quam primum autem D. Iacobus Spiegel, communis amicus noster, te emisisse Origenem Adamantium retulit, quem doctissimus et omnium quos novi diligentissimus bonorum authorum restaurator recognovit emendavitque et suo nitori restituit, Erasmus ipse Roterodamus felicissimae memoriae, 1 plurimum fui gavisus ac mox quoque Frankfordiam literas misi, uti ad nos portaretur, quod et factum est, licet nunc annis superioribus ex chalco- graphia Ascensiana 2 coemerim, quo hactenus usus sum, et prae- cipue hoc anno inter caeteros octo eius libros adversus Celsum summa qua potui diligencia legi et relegi. Ob senectutem enim meam (annum equidem primum super 1 septuagesimum ago) a negociis publicis seiunctus 3 ocio in hoc literario (quoad Deus optimus voluerit) summa cum iucunditate versor, et ut Cicero in Catone maiore inquit: „Si senectus habet aliquid tanquam pabulum studii et doctrinae, nihil est ociosa senectute iucundius."* Cum autem Origenes (ut ad nunc revertar) iam ultimo publi- catus mihi allatus fuit, obtulit se primum epistola tua elegan- tissima, 5 quam cum legissem, plurimum me oblectabat. Eo tarnen me dolore affecit, cum animadvertissem Erasmi censuram in opus illud adversus Celsum deesse. Sed quoniam Deus ita vo- luit, ut vitam, antequam id fieret, ipse in mortem commutarit vel, ut pocius cum Piatone dicam: Hü, qui sanctitate vivendi excelluisse videbuntur, hü sunt, qui ab ista terra quasi a vinculis liberantur; horum, qui se philosophia purgarunt, sine labore in sempiternum vivunt et habitaciones pulcherrimas consequuntur, quas nee verbis exprimere possibile nee, etsi b possem, tempus sufficeret, horum igitur gracia, o Simmia, eunetis viribus virtutis curam in hac vita gerere optimum enim propositum est et spes * supra M. '' etiamsi M. • Rhenanus hatte im Sept. 1536 bei Frohen in Basel aus dem Nadüasse des Erasmus (gest. 12. Juli 1536) dessen Origenes-Ausgabe herausgegeben; vgl. Briefwedisel des B. Rh. Nr. 299 S. 423ff. und Index bibliographicus Nr. 62 ebd. S. 616. 2 Die Ascensiana des Origenes war 1512 in 4 Bänden ersduenen: Panzer 7 S. 561 Nr. 524. 3 Vgl. oben S. 470 Anm. 1. 4 Cicero, Cato maior § 49. 8 Der der Ausgabe vorangestellte Widmungsbrief des Rhenanus an den Kölner Erzbisdwf Hermann v. Wied: Briefwedisel Nr. 299 S. 423ff. (audi Opus epistolar. Des. Erasmi, ed. Allen. 1 S. 52ff). 480 Nr. 293. 1536 Oktober 24. maxima. Hactenus Plato, 1 quemadmodum hunc Eusebius Pam- phili De evangelica praeparatione libro XII. 2 refert. Quod autem magnopere censuram hanc desiderem obcaussas, quae et plures sunt, illa tarnen praecipua est: Marsilius Ficinus Florentinus in epistola quadam ad Braccium Martellum de Mosis et Piatonis concordia scribens ita a principio dich: 3 „Numenius Pythagoricus, quem Origenes non solum Pythagoricis, verum eciam philosophis paene omnibus anteponit, cum et Mosaicos et Piatonis legisset libros, ait se in Piatone Mosern agnovisse nihilque aliud esse Platonem quam alterum Mosern Attica lingua loquentem." a Putabam ego primum hoc ultimum de Piatone et Mose Origenem referre, unde factum, ut Origenis opus hoc b totum contra Celsum legerem et relegerem. Verum hoc posterius dictum 0 apud Origenem non legi hactenus nee compertum habeo, qui etsi adversus Celsum libro I. semel, IV. semel, V. vero bis Numenii meminerit. Animadverti tandem Marsilium de Numenii eruditione Origenem forte solum citasse. Inquit enim Origenes eodem libro IV. : Ipsum vero Numenium Pythagoreum compertum habeo illum plerisque de rebus quam Platonem longe melius disserentem et Pythagoricae tunc seetae prineipem suis in libris saepe Mosi gesta narrasse et prophetarum dieta non sine veri- similitudine interpretatum, quemadmodum in Epopi opere 4 et libris aliis, quos de numeris et loco composuit, de bono autem libro III. et quae gesserit Iesu in partem exposuisse, etsi Iesu nomen nil exprimat, et sub figuris quae fecerat explanasse. Ita Origenes. 5 Eusebius autem in opere, de quo supra, libro IX. capite III. inquit: Numenius autem Pythagoricus aperte scribit nil aliud esse Platonem quam Mosern Attica lingua loquentem; 6 et libro XI. capite VI., cum Numenium de Piatone loquentem herum rec itasset, subiungens ait: Non iniuria dixisse ipsum fertur: 11 In M folgt noch als Zusatz: Quod et ab ipso Ficino in citata epistola forte prius explanatum vel postea repetitum est in sua Theologia Platonica libro XVII. cap. IV. et de quo et in ceteris nostris epistolis deinde subiungemus. b hoc in M durdistridien. ° Verum posterius illud dictum AI. 1 Phaedo 114 BjC. 2 Vgl. Migne PG 21 Sp. 947 (Schluß von Budi 11). 3 Vgl. Marsilius Ficinus, De religione christiana cap. 22 u. 26 (Opera, Basileae 1576, S. 24f. und 29). 4 in dem "Eno W betitelten Werke. 6 Migne PG 11 Sp. 1112 B. 6 Migne PG 21 Sp. 693 C (Buch 9, Kap. 6). Nr. 293. 1536 Oktober 24. 481 Quis est Plato quam Moses Attice loquens? 1 Et Theoderitus Cyrensis a in opere de Graecarum affectionum curatione libro IL, ubi de principiis docens inter caetera ita scribit: Furtorum denique latibulis deprehensis Pythagorici Numenii verbis fidem habebit; sie enim ille inquit: Tl ydg tau IJXmmv i) Mcovorjs 'AxTix6?; h Quid enim est Plato quam Atticus quidam Moses? His autem verbis apertissime ostendit Numenius quaeeunque pie dixerit Plato e theologia Moseos surrepta esse. Haec Theoderitus. 2 Hos eciam secutus est Ioannes Picus Mirandola in prooemio Heptapli sui de sex dierum enarratione. 3 Haec ad te perscribo non quod haec te lateant exaetius, verum si aliquando apud Origenem legeris haec, quae de Eusebio ac Theoderito supra relata sunt, me rogo cerciorem facias. Et ista de Piatone, Numenio atque Origene. Caeterum cum has literas scriberem, allatae mihi sunt literae filii mei Ioannis Chrysostomi, qui Antverpiae negociationes ex- ercet, 4 cum his item oratio funebris in obitum Erasmi Roterodami authore Gulielmo Insulano Menapio, praeposito Aquensi, satis luculenta. 5 Misissem illam ad te, sed unum solum exemplar habeo; ubi sit impressa, non plane scio. Aratorem autem diaconum ad Florianum de vitis apo- stolorum manu Charta pergamena scriptum his compaginatum ad te, ut petiisti, mitto. Rogo, cum visus vel exeriptus vel cum exeudendis collatus fuerit, hunc remittas. Plurimum autem placet, ut poetae christiani denuo recogniti atque castigati in lucem prodeant, e quibus tua memoria excellentius prorogabitur. Scripsit eciam idem filius meus concitatos esse plures" in a episcopus in M hinzugefügt. b An Stelle der griediisdien Worte in M eine Lücke. 0 plures in M nachgetragen. « Ebd. Sp. 873 B (Buch 11, Kap. 10). 2 Migne PO 83 Sp. 860 D. 3 Opera, Argentorati 1504, fol. I r . 4 Joh. Chrysostomus, Peutingers drittältester Sohn, war wohl in der Antwerpener Faktorei der Welser tätig. 6 Die Erstausgabe war im August 1536 in Basel bei Rob. Winter erschienen; ein erster Nadidrudi kam noch im gleichen Jahre bei Philipp Uhl- hardt in Augsburg (vielleidit auf Veranlassung Peutingers?) heraus. Über den Verf., der als Propst von St. Adalbett in Aachen 1561 gestorben ist, vgl. Opera Erasmi, ed. Clericus, 10 Sp. 1849 f. König, Peutingers Briefwechsel 31 482 Nr. 294. 1537 nach Januar 8. Anglia adversus regem, et cleros et plebem, ob gravem et in- solitam pecuniarum indictionern eosdemque magnum exercitum ad obsidendum Londinum et ibi regem coegisse. 1 Mira haec; quo vero tendant, Deus seit. Quod salutasti coniugem meam; tibi gracias agit, te quoque resalutat. Deus idein ipse optimus maximus te et omneis nos salvos conservet. D. Iacobum Spiegel meo nomine rogo salutes. Datum 9.kalendas novembris anno salutis 1536celericalamo. Tuus Chuonradus Peutingerus. 294. An Hans Welser. 2 {1537 nach Januar 8. 3 Augsburg.} Begutachtet eine von Jakob Welser d. Ae. verfaßte Aufzeichnung über die älteste Familiengeschichte der Welser. Sdiloß Neunhof b. Lauf, Welsersdie Familien-Registratur. Abschr. aus d. Ende d. 16. Jh. Gedruckt (teilweise): Welser 2 S. 1 f. Fursichtiger, erbar und achtbarer Hanns, burgermaister, und andere Welser, mein lieb herrn, freunde und schwäger. Auf euer ansuchen und begern hab ich die verzaichnussen und ander schritten, so euch mein lieber herr und schwäger Jacob Welser, des rats zuo Nürnberg, zuogestelt hat/ gern und mit getreuem 1 Über diese Anfang Oktober 1536 in Lincolnshire ausgebrochene Volkserhebung vgl. M. Brosdi, Gesdiidite von England 6 (1890) S. 315ff. 2 Hans Welser, der Ende der zwanziger Jahre nach Augsburg übergesiedelte älteste Sohn Jakobs d. Ae., des Begründers der Nürnberger Weiserlinie, war am 8. Januar 1537 als leidensdiaftlidier Gegner des „Papsttums" im Hinblick auf die bevorstehende radikale Durchführung der Reformation zu einem der Bürgermeister von Augsburg gewählt worden und hatte nach kurzem Sträuben die Wahl angenommen. Vgl. über ihn Roth 2 S. 311 ff.; Welser 1 S. 293 ff. 3 Daß der Brief nach dem 8. Januar 1537 abgefaßt sein muß, ergibt sich aus der Anrede des Empfängers als Bürgermeister (s. die vorige Anm.). Wahrscheinlich ist er aber nicht lange nach diesem Tage abgeschickt worden; denn die ihm zugrunde liegende familiengeschichtliche Aufzeichnung Jakob Welsers war mit einem Schreiben vom 27. Dez. 1536 (s. die folg. Anm.) aus Nürnberg an Hans Welser abgegangen und dürfte Peutinger alsbald nach ihrem Eintreffen in Augsburg vorgelegt worden sein. 4 Die mit einigen Beilagen versehene Aufzeidinung Jakob Welsers über das .Herkamen- seiner Familie ist nicht mehr erhalten; ihr Inhalt läßt sich zum größten Teil erschließen aus dem Begleitschreiben des Verf. an Hans Nr. 294. 1537 nach Januar 8. 483 fleiss besichtiget und verlesen, auch nit wenig wollust und freude darab entpfangen, umb das es jezo (wiewol langsam) darzuo komen will, das erbar leut ir voreitern, derselben alt herkomen, ehre und loblich erbar leben wider zuo gedechtnus fuehren, das dan inen und iren nachkomenden geschlechten gegen dem al- mechtigen Gott, unserm lieben herrn, und auch der weit im nachvolgen christenlich, ehrlich und wol zuosteend ist. Dieweil aber etlich unser voreitern solliches bisher nit getan, sonder in vergessen und underlassen gesteh, dadurch vil ehrlicher Sachen und woltatten der gedechtnus entgangen und in ain unbillig vergessen gebracht worden. Also wa weilundt der alt Hans Gossenbrot seeliger, den ich in meiner jugend gekendt hab, alhie nit gewesen, so waren vil der alten geschlecht, die man noch die von herrn benennet, gar aus der gedachtnus entwichen und abgefallen; wellicher auch ein buechlin 1 hinder im verlassen hat, darin dieselben alten geschlecht mit iren zuonamen und wappen, der etwan zwaiundfünfzig alhie gewesen, sambt etlichen andern wenigen, so dazuomal si neben inen in irer ge- sellschaft, doch nit das si auch von herrn gewesen, gehabt haben, die auch zuo inen in ir gesellschaft gangen, begriffen; welliches buechlin herr Ulrich Relinger, alter burgermaister, 2 mein lieber herr und vetter, noch bei handen hat, ich auch des abschrift gehabt, aber dieselb ist mir aus meinem gewalt komen; nit waiss ich, wie noch in was gestalt. Doch under und aus der zahl derselben zwaiundfünfzig geschlecht, darin die Welser auch benennet, und bissher auch also gehalten worden, das vor etlich hundert jaren und darnach, bis die erbare zunft alhie aufkomen, allain vierundzwainzig den rat dieser statt versehen haben, aus denselben alle jar zween pfleger und doch etlich jar darnach zween Welser~vorn27.Dez. 1536 (abgedruckt: Welser 1 S. 1 f.), aus einem weiteren Briefe Jakobs vom 1. Jan. 1537 an Konrad Haller (ebd. 1 S. 2ff.) sowie aus Peutingers kritischen Bemerkungen. 1 Dieses „buechlin" Sigmund Gossembrots (vgl. oben Nr. 6) ist noch erhalten als Cod. Germ. 98 der Münchener StsB: vgl. darüber E. Petzet, Die deutschen Pergamenthandschriften der Staatsbibl. in München (1920) S. 172f. 2 Ulrich Rehlinger, 1523—35 in den ungeraden Jahren Bürgermeister - von Augsburg, „unter allen Ratsherren der eifrigste Förderer der Reformation", war ein Schwiegersohn Sigmund Gossembrots;-vgl. über ihn Roth 1 S. 88 u. ö. 31* 484 Nr. 294. 1537 nach Januar 8. burgermaister diser statt benennet; sollich die abschritt des angezogen Jakob Welsers unverseerten kaufbriefe 1 under vil andern zuo erkennen gibt, benamlich das im dreuzehenhundertund- dreissigsten jare dazuomal herr Bartolme Welser und herr Conrat Herwart das burgermaisteramt alhie verwalten haben. So sein die gedachte zunft alhie darnach erst aufkommen und angangen im 1368. jare. Von derselben zeit an bisher sein allain ainer von herrn und ainer von den zunften burgermaister gewesen und noch. Das aber in dem bericht, mit B bezaichnet, anzaigt wirt, das ein herzog von Schwaben im bemelten 30 len jare die statt Augspurg und das rathauß daselbs geblündert haben solt, trag ich deßhalben (doch bessers berichts unvorgriffen) nit wenig zweifei aus nachvolgenden Ursachen: Zum ersten, das weilund kaiser Friderich der erst, ein geborner herzog zuo Schwaben, hat zwen söne verlassen, kaiser Hainrich den sechsten und herrn Phillips, Rom. konig. Kaiser Hainrich der sechst hat zuo sone gehabt kaiser Friderich den andern; von dem kam sein sone herr Cunradt, ist auch Rom. konig gewesen, der auch verlassen hat ein sone, Conrat genannt, den die Ittalliener Conradin genannt haben, der auch zu Napolis durch Carolum, dazuomal daselb mit hulf des babst eingetrungen konig, und die Nor- mandier ist veruntreuet, gefangen und sambt einem marggraven von Baden, da der kainer iber funfzehen jar alt ist gewesen, unschuldigelich entleibt und daselbs zuo den Augustiner begraben worden; das besehenen, wie dann weiland doctor Hans Vergenhans in seiner Cronica 2 am 228. blat anzaigt, im 1267. oder 68. jare. Zuo derselben zeit ist das herzogtumb Schwaben mit im auch abgangen und sich geendet hat. Zum andern: so ist auch ain buechlin aus der liberai zuo Fulden in offnen truck geben worden, 3 darinnen am 118. blat under andern wirt be- 1 Als ältestes urkundlidies Zeugnis über seine Familie hatte Jakob Welser einen Kaufbrief vom 3. Juli 1330, in dem die Augsburger Bürgermeister Bartolome Welser und Konrat Herwart als Zeugen genannt waren, ausfindig gemacht; vgl. Welser 1 S.3 und 31. 2 Des Joh. Nauclerus (Verge, Vergenhans) i. J. 1516ersddenene Weltchronik. 3 Der von Ulrich von Hütten in Fulda entdeckte und im März 1520 bei Joh. Sdiöffer in Mainz veröffentlichte .über de unitate ecclesiae conservanda". die bedeutendste der kaiserfreundlichen Streitsdiriften aus der Zeit Heinridis IV, Nr. 294. 1537 nach Januar 8. 485 griffen, das im <10>89. oder 90. jare einer, genant Vingoldt, gestorben sei, der sich darvor durch hilf herzog Welff von Baiern in seinem leben in das bistumb zu Augspurg gewaltigelich ein- trungen und darauf zum zwaiten mal zuo derselben zeit die statt Augspurg durch etlich Schwaben, als die Cronica kaiser Fride- richs des ersten l anzaigt, veruntreuet, verraten und gewaltigelich von vorgedachtem herzogen eingenomen; dazuomal auch der recht bischoff Seifrid gefangen weckgefuert und hoch geschetzt, daneben gaistlich und weltlich daselbs geblündert und doch die statt vom kaiser darauf wider zum Reich bald darnach gebracht worden sei, welliche jarzal sich mit herrn Jakob Welsers ver- zaichnus (meins erachtens) nit vergleicht. Sonst so hab ich verschiener zeit etlich alt brief gesehen, darin oft ain Welser, des Vögelins tochterman, für ain gezeugen ist benent worden. Aber dieselben brief, wer die jetzo hat, und derselben jarzahl ist mir abgefallen; derselb Vögelin auch aus den zwaiundfünfzig geschlechten, und der letst des namens noch im leben von mir gesehen und gekandt gewesen ist. 2 Sonst hab ich ain alt gemehl, 3 das im 1436ten jähr [des] der alt Ulrich Rehlinger, auch burgermaister alhie, des obgenanten herrn burgermaisters anherr, ain Welser, ain Langenmantel und mein anherr Georg Frügckhinger 4 in hochem zeug mit einander gestochen haben, und zuo der zeit, als derselb Rehlinger mit meines anherrn Schwester hochzeit hat gehalten. Ich hab von weilundt meinem lieben herrn Jörgen Gossem- brot 5 gehört, das der alte grave Haug von Montfort 6 sich oft Die von Peutinger im Folgenden angezogene Stelle findet sich im 36. Kap. des 2. Buches (MGH, Libelli de Ute 2 S. 264). Zur Sache vgl. Meyer v. Knonau, Jahrbücher d. deutschen Reiches unter Heinridi IV. und Heinridi V. 4 (1903) S. 204. Danadi gehören die Augsburger Ereignisse in das Frühjahr 1088. 1 Vgl. Otto Fris., Cliron. 7, 7 (Sdiulausgabe von A. Hofmeister S. 316). 2 Über die Augsburger Patrizierfamilie der Vögelin (nidit zu verwechseln mit den Memminger Vöhlin) vgl. P. v. Stetten, Gesdi. der adelidien Geschlechter i. d. fr. Reidisstadt Augsburg (1762) S. 82. 3 Eine Kopie dieses Gemäldes besitzt der Hist. Verein in Augsburg. 4 Über Jörg Friddnger (gest. 1477 in Augsburg), den Vater von Peutingers Mutter Barbara, vgl. H. Fridihinger, Genealogie der Familie Frickhinger in Nördlingen (1907) S.31f. ■ Bruder desvorher genannten Sigmund Gossembrot; vgl. obenS. I8Anm.2. 6 Graf Hug (X) von Montfort-Rothenfeis (gest. 1491); vgl. über ihn 486 Nr. 295. 1537 März 8. berühmbt, er hette zwo truhen in seinem schloss zuo Rottenfels mit alten brieven von Augspurg, daraus etlich geschlecht hatten ir alt herkomen, als wol als etlich graven mögen an- zaigen, aber dasselb schloss sambt den brieven ist verbronnen. 1 Sonst hab ich ain taffei, als vil mein erbar hausfrau, mich und unser altvordern beruert, bis in den vierten grad und mit demselben iber sich malen lassen, die sich auch sonst mit Jacob Welsers anzaigen, als vil mein hausfrau angeet, fast vergleicht. Wan ir herrn und Schwäger die sehen wollen, befindt man mich alwegen anhaimbs. Weiter waiss ich diser zeit nit anzuozaigen. Dan auch allen meinen lieben herrn und Schwägern underdienstlich zuo erscheinen, were ich willig. Ch. Peuttinger, beeder rechten doctor. 295. An Karl Peutinger. 1537 März 8. (Augsburg.} Ermahnungen und Aufträge an den in Löwen die Rechte studierenden Sohn. Gedruckt: E. v. Oefele in den SB. München 1898 Bd. 2 S. 453ff. (nadi Abschr. „eines Amanuensis K. Peutingers" im Nadilaß A.F.v.Oefeles). — Adr.: Carolo Peutingero Augustano, iurium in academia Lovaniensi scholastico, filio charissimo. Salus in Christo servatore. Carole, fili charissime, accepi abs te superiori et diverso tempore plerasque tuas epistolas, 2 ad quas etsi non plenius vel aliquando nihil responderim, caussa fuit valetudo mea illa adversa et etiam senectus, nee opus erat, sponte currenti calcaria addere, cum credam te (Dei gratia) bene agere et studia tua diligenter curare ac continuare; placuerunt enim mihi literae tuae. Studiis itaque inhaerebis, ut tibi non solum adulescenti, sed et (Deo volente) cum virum egeris haec et utilitati et exornamento accedant. Quod et facile fiet, si praestantissimi Isocratis oratoris illius Atheniensis Paraenesim ad J. N. von Vanotti, Gesdi. der Grafen von Montfort und Werdenberg (1845) S. 142ff.; F. L. Baumann, Gesdi. des Allgäus 2 (1884) S. 204ff. und 489. 1 Der Brand des Sdilosses Rothenfels (bei Immenstadt), bei dem diese und andere dort verwahrte Urkunden zugrunde gegangen waren, hatte i. J. 1463 stattgefunden. Vgl. Vanotti S. 143: Baumann S. 208. 2 Nicht erhalten. Nr. 295. 1537 März 8. 487 Demonicum adulescentem l saepius ac saepius perlegeris et pro sequenda atque utenda virtute, quae ibi traditur. Saltem prae- ceptorum eorum (fidei nostrae non adversantium) non solum memineris, et hiis diligenter obtemperabis. Tum etiara volo, ut indecoras et inutiles doctrinas respuas ac penitus abiicias. Glauconem quidem Socrates apud Platonem in X. de republica inter caetera ita adloquitur: Scito autem, inquit, hymnos in deos et optimos viros, laudationes dumtaxat, ex poesi in civitate ad- mittere oportere. Si autem voluptuosam Musam in canticis et carminibus acceptaveris, voluptas in civitate ac dolor pro lege et pro illo, quod semper Optimum visum, ratione seil., domina- buntur. Et denuo subiungens ait: Haec itaque in eam senten- ciam dieta sint nobis, quod merito e civitate poesim, quae talis sit, expulimus. 2 Ita enim mihi in mentem venit te olim plus Ovidianis amoribus quam Vergilianis heroieis carminibus oblec- tatum fuisse. Uterque, fateor, Lacialis linguae peritissimus et pro ea instituenda praeeipue aecomodatus, sed quantum ad bonos mores capescendos observandosque, est Vergilius tum gravior tum utilior. Habes etiam in iuris civilis pandectis non solum eiusdem linguae et pro illa tunc aetate eleganciam, sed et summam iuris prudentiam. In his velim te plurimum et con- tinue te exerceas, ut, si te de iuris interpretacione et potestate loqui contingat, non ex recentioribus, sed e veteribus Ulis inter- pretibus, quorum imp. Iustinianus aug. de iuris origine meminit, 5 verba Latina et elegancia mutuare debes. Quibus et Cicero de oratore, de offieiis et orationibus ac aliis plerisque operibus suis, praeeipue topicis, similiter et Plinius alter in epistolis plurimum ad- stipulantur. Sic itaque non in supervacaneis et inutilibus, sed in bonis et conducentibus cum ad corpus tuum tum ad animum studiis operam navabis. Caeterum hoc etiam mihi placeret plurimum, cum Lovanii ad tempus aliquod publice non legeretur, interim te Bruxellas conferres ibique iudicio coram imperiali caussarum actiones audires excerperesque a caussarum advocatis et patronis cum ingenio cautellas, et si quae alia virum bonum 1 Diese unter dem Namen des Isocrates gehende Rede gilt heute als un- edit; vgl. Pauly-Wissowa, RE 9, 2 Sp.2196. 2 Vgl. Plato, De republ. 10. 7f. (607). • Vgl. Dig. I tit. 2 de orig. iur. 488 Nr, 295. 1537 März 8. et fidum et diligentem actorem decent. Poteris et ibi commode vel cum aliquo sacerdote vel advocato tnorari vel degere; in hoc frater tuus Ioannes Chrysostomus 1 auxilio erit, qui per se vel per amicos suos te hiis commendare poterit. Si res tuas ex Galliis nondum habuisti, 2 curato diligenter una cum affinibus tuis, matrts tuae fratris Bartholomaei Welser filiis, 3 et praeceptore eorum, cum audio sequestrum esse relaxatum, si quis modus saltem commode haberi possit, ut res illae Antwerpiam deporten- tur. Eosdem affines tuos et praeceptorem eorum meo nomine salutato ac affinibus epistolam hanc perlegendam tradito, quos simili modo' admonitos habere volo. Tota nostra familia, quae Dei gratia bene valet, te salvum optat. Venient ad te Antonii Welser etiam filii tres 4 una cum praeceptore eorum, similes affines tui, quos tibi plurimum commendo. Si Paraenesim 5 non habes, ad te exscriptam, cum petieris, mittam. Rescribas etiam, si qui libri novi a viris eruditis in Germania inferiori editi atque formis excusi emissi publicative sint, sive in iure sive in philosophia vel caeteris policioribus literis. Tu bene valeas. Dat. 8. die marcii anno salutis 1537. Tuus genitor Chuonradus Peutinger, i. u. doctor. 1 der nadi Nr. 293 in Antwerpen als Kaufmann tätig war. 2 Karl Peutinger sdieint danach, ehe er nadi Löwen kam, an einer französischen Universität studiert zu haben, von wo ihn vermuttidi der im Sommer 1536 ausgebrochene Kiieg zwisdien Karl V. und Franz I. vertrieben hatte; am ehesten käme die Hodischule von Orleans in Frage, die Peutingers ältester Sohn Claudius Pius im Jahre 1526 nadiweislidi bezogen hat: vgl. einen eigenhändigen Eintrag des Vaters in einem seiner Bibliothekskataloge (Clm 4021c): 1526 die 27. augusti recessit Claudius Pius versus Aurelianum. Deus eum salvum velit. 3 Von Bartholome Welsers fünf Söhnen dürften damals der dritte (Lien- hard, geb. 1521) und vierte (Andreas, geb. 1522) an der Universität geweilt haben, vielleicht audi noch der zweite (Christoph, geb. 1517). Der älteste (Bartholome) war mit seinen 25 Jahren schon über das Alter hinaus, in dem man eine Hochschule aufsuchte, der jüngste (Hans) damals erst 7 Jahre alt. Vgl. Weser 1 S. 170 ff. 4 Anton Welsers d. J. Söhne waren Anton (geb. 1522; als Erbe seines Oheims Christoph — gest. 1536 — damals schon im Besitz der Dompropstei Regensburg), Matthäus (geb. 1523) und Marcus (d. Ae„ geb. 1525): vgl. Welser 1 S. 201 ff. 6 des (Ps. -> Isocrates weiter oben erwähnte Rede an Demonikos. Nr. 296. Nicht vor 1538. 489 296. An Xystus Betitle ins. 1 {Nicht vor 1538.* Augsburg.") Hat eine Angabe des Erasmus über die Abschaffung der Gladiatorenkämpfe in Rom durch Kaiser Honorius in der von jenem als Quelle angeführten „Historia tripartita" nicht finden können; bittet um Mitteilung, falls Betuleius oder Wolf hart ihm die betreffende Stelle nachzuweisen vermögen. Augsburg, StB: Cod. 2o Aug. 382 fol. 93'f. Urschr. Gedrudtt: Lotier-Veith S.216f. Chuonradus Peutinger Xysto Betuleio, amico et municipi suo, S. Legi heri epistolam nuncupatoriam, quam Erasmus R. super paraphrasi sua inMarci evangelium ad Francorum regem scripsit, 3 ubi in monendo christianos principes, ne bella inter se concitent, inter caetera refert ex Tripartita Historia monachum quendam Telemachum nomine ex Oriente Romam venisse ac in theatro ad duos armatos (quorum uterque in alterius necem tenderet) prosilientem occasionem imp. caes. Honorio augusto praebuisse, ut ludum nunc gladiatorium cruentum aboleverit. Ego Historiam hanc cursim (ut fatear) legendo pertransivi nee Telemachum hunc nee eciam Honorii super hac re constitucionem compertam habui. 4 Verum in Codice meo Iustinianeo libro XI. tit. „de gladiatoribus" legem hanc observamus, et est imp. caes. Constantini augusti: „Omenta speetacula in ocio civili et domestica quiete non pla- cent; quapropter omnino gladiatores esse prohibemus." 6 Hinc puto in Historia eadem libro I. cap. IX. sub Constantino id actum fuisse; ita enim ibi scribitur: „Apud Romanos autem tunc primum monomachorum speetacula sunt remota." 6 Et libro II. cap. XVIII. denuo habentur haec verba: „Post haec igitur impe- 1 Über Xystus Betuleius (Sixt Blrk), seit 1536 Rektor der Sdiule bei St. Anna in Augsburg, vgl. Roth 2 S. 192f. 9 Der Brief kann frühestens 1538 gesdirieben sein, da das darin angeführte Werk des Andreas Alciatus erst in diesem Jahre ersdüenen ist. 3 Der seit 1524 mehrmals aufgelegten Paraphrase des Marcus-Evangeliums ist ein Widmungsbrief des Erasmus an Eranz I. von Erankreidi vom 1. Dez. 1523 vorangestellt. 4 Die von Peutinger vergeblidi gesudite Stelle findet sich tatsädilidi in der .Historia tripartita", nämlich im 2. Kap. des 10. Budies: Migne PL 69 Sp. 1164f. r> Cod. 11, 44. 6 Migne PL 69 Sp.892. 490 Nr. 297. Nicht vor 1538. rator curam maximam christianorum habens paganorum super- sticiones aversabatur removitque /xovofiaxla?. 1 Aliter vero hac in Historia non legi. An igitur Erasmus erraverit vel ne, non plane intelligo, licet Otho Frisigiensis episcopus in Historia sua libro IV. cap. XIX. eciam ita scribat: „Anno domini 399 Honorius Occi- dentis, Arcadius Orientis XLII. ab Augusto post mortem patris imperium sorciuntur Damaso adhuc Romae, Theophilo Alexandriae, Hierosolymis Ioanne, Flaviano Antiochiae, Nectario Constantinopoli sedentibus. His diebus quidam monachus Diri- machius ab Oriente Romam veniens, cum gladiatorum ludum vel pocius religionis intuitu insaniam sedare vellet, a circumstantibus lapidibus obrutus ac necatus est. Quo comperto Honorius eum quidem inter martyres numerandum censuit, nephandum vero spectaculum huiusmodi de causa amputavit." 2 Othonem Andreas Alciatus sie scribentem in Iuris Parerg. libro II. cap. XLV. reci- tavit et nihilominus superiori libro I. cap. XXII. ita scribit: „De- inde Constantini lege cruenta speetacula sublata sunt et prohibi- tum, ne quis gladiatores habeat." 8 Ubi vero Erasmus hoc, quod refert ex Historia Tripartita, congesserit, me latet. Quare te rogo, si in hac Historia per te ipsum vel eciam per D. Bonefacium hoc, quod Erasmus scribit, compertum habere potueris, me cer- ciorem facito. Non facile Erasmum errare puto; attamen ea, quae supra adnotavi, ipsi contradicere videntur. Tu vale et aliquando me convenire velis. Iterum vale. Vides me senem adhuc in ocio literario versari et denuo velim, ut hanc schedulam mihi remittas. Tuus Chuonradus Peutinger etc. 297. Von Xystas Betuleius und (Nlclit vor 1538. Bonlfacius Wolfhart. Augsburg) Antwort auf Nr. 296. Haben die fragliche Stelle gleic/ifalls vergeblich gesucht; nehmen an, daß Erasmus sich geirrt habe. Augsburg, StB: Cod. 2» Aug. 382 fol. 93 v. Ursdir. Gedruckt: Lotter-Veith S. 218. 1 Ebd. Sp. 937. 2 Otto Fris., Chron. 4. 19 (in der Sdmlausgabe von A. Hofmeister S. 207). 3 Andreae Alciati Uagegycov iuris libri III. Basileae ex officina Herva- giana 1538. S.64 und 17. Nr. 298. 1534—39. 491 S. in Domino. Ignoscat nobis Tua Praestantia, quod tardius respondemus. Impedivit me comoediae negotium, 1 quo miris modis distrahor. Contuli tarnen cum D. Bonifacio et inquisivimus diligenter. Sed quid nos inveniemus aliis studiis occupati et ab historiarum lectione fere alieni, quod tuam diligentem seduli- tatem huic rei unice deditum et vacantem subterfugerit? Suspi- camur Erasmum (id quod Gellius et Politianus in Cicerone nota- runt) memoria lapsum.* Solent enim doctissimi viri aliquoties securius prae magna eorum scientia adobrui erroribus. Caeterum Tuae Praestantiae nostram mancipamus operam, quacunque in re dabitur. Vale Maecaenas clarissime! Tuae Dig tis deditissimi Bonifacius W. et X. Betuleius. 298. An Hans Haller. 3 {1534—39. Augsburg, ,> Bittet um Auskunft über ein von Macrobius erwähntes Verfahren der Goldbearbeitung. Augsburg, StB: Eigenhändig untersdiriebene Reinsdir., eingeklebt hinter der 1521 in Köln bei Eudiarius Cervicornus (Panzer 6 S. 384 Nr. 339) erschienenen Macrobius-Ausgabe. — Adr.: An Hansen Haller, goldschmid, mein guten frunde. Gedruckt: Lotter-Veith S. 219ff. Lieber Haller, besonder guter frund, ich hab zu mermalen bedacht, so ir zu mir komen, euch ainer kunst halben, gold be- langent, anzureden; ist aber alwegen auf eur ankunft in vergessen gestölt worden. Sonder an gestern hab ich mit D. Adolf Occo, meinem lieben herren und frunde, auch davon geredt, und hat die gestalt: Macrobius schreibt und anzaigt, 4 das nit alle hitze 1 Sixt Birk hat mehrere deutsche und lateinisdie Dramen verfaßt, die bis auf eines biblisdie Stoffe behandeln. Vgl. M. Radlkofer, Die dramatisdie Tätigkeit des Xistus Betuleius, in: Beil. z.Allg.Ztg 1896 Nr. 299f. — Aufführungen dieser Komödien durch Lehrer und Sdiüler von St. Anna sind in den Augsburger Stadtrechnungen seit Sept. 1537 wiederholt bezeugt, da der Rat der Stadt die Mitwirkenden mit einer „Verehrung" zu belohnen pflegte: vgl. Roth 2 S. 210 Anm. 89. 2 Erasmus hat sich tatsächlich nicht geirrt; s. oben S. 489 Anm. 4. 3 Der Goldsdimied Hans Haller ist in den Augsburger Steuerbüchern (StA) für die Jahre 1534—39 als in der Stadt wohnhaft nadiweisbar; 1540—46 wohnte er auswärts, 1547 ist er gestorben. 4 Vgl. Macrobius, Saturnalia 7,16, 22ff. 492 Nr. 299. 1540 Juni 6. ainer gelegenhait und qualitet, sonder in dem underschidlich, das aine gross, die ander klain sein, also ganz widerwertig gelegenhait und qualitet auch kain verainigung mit ainander haben, als das durch offenbar sachen mag bewisen werden: Wie dann die goldschmid das gold zu formieren kain ander feur dan von heim gebrauchen, dweil ander ding die selb materi zu beraiten und zu producieren ungeschickt zu sein angesöhen werden; die arzt in beraitung und kochen der arzneien mer aus weinreben- abschnitzen oder -schnitlingen weder aus anderem ir feuer anschicken; die, so die gleser schmelzen und besterken, haben fleis, ire feur und denselben zu speise von einem bäum, genant mirica, zu besuchen; item die hitze von ainem oelbaum, wie- woll die den leibern und corperen hailsam sein, doch die dien bederen, auch die marbelstein, die an iren zusamenfuegungen aufzulösen, schedlich. Also sich nitzu verwundern, ob von wegen die aigenschaft, die ainem jeden insonder an ist, das die hitze der sunen tört und die hize des mons feuchtet etc. So schreibt auch der hailig sant Gregorius: 1 Dem gerechten wirt der sonder mit bösheit zugefuegt, wie im ofen dem gold die halm durch das feir zugeton, damit und dweil die halm prinnen, das gold gerainiget und purgiert werde. Ist nun mein frag: Erstlich, ob ir von solchem goldfeur je gehört haben; was auch solch halm, ob die vom stro oder ainem andern gewechs, ob auch möglich sein solt, durch bemelt solch feur das gold abzutreiben oder geschmeidig zu machen oder in ander weg zu rainigen; dann die wort „gold formieren und producieren", als wie die gold beruren und angeen, ich in disem fall nit lauter verstee. DamitGot der herre unsalleinseingnadebevolhenhabenwölle. Chuonrat Peutinger, doctor etc., mit meiner hande underschriben. 299. An Pfalzgraf Ottheinrich 1540 Juni 6. Augsburg, von Pfalz-Neuburg. Sendet das ihm geliehene Verzeichnis der pfalzgräflicfien Sammlung altrömisclier Münzen zurück samt zehn darin nicht 1 Der von Veith in der Anm. zu seinem Abdruck des Briefes gegebene Nachweis „Moralium libr. XX. cap.30." stimmt nidit. Nr. 299. 1540 Juni 6. 493 vertretenen Silbermünzen römischer Konsuln, die er Ottheinrldi zum Geschenk macht. Bittet, Ihm gelegentlich ein Stück Wlld- pret zu schicken. München. Geh. Hausarchiv: Reinschr. mit eigenhünd. Unterschr. — Adr.: Dem durchleichtigen hochgebornen fursten und herren herren Otheinrichen, pfalzgrafen bei Rhein und herzogen zu Nidern- und Oberen Bairen etc., meinem gnadigen herren. Durchleichtiger hochgeborner fürst, gnadiger herr etc. Als verrückter tage zu E. f. G. mein lieber sone doctor Claudius Pius 1 wollen verreiten, hab ich ime under anderem bevolhen, E. f. G. undertaniglich zu bitten, mir irer alten Römer münze register 2 etlich tage anzuleihen, das E. f. G. gnadiglich verordnet. Solch register auch E. f. G. ich hiemit undertaniglich wider und daneben zehen alter Römer consulen silberin pfennig, die E. f. G. hievor (wie ich acht, dweil in bemeltem register nit begriffen) nit haben, zuschicke. Demnach mögen E. f. G. die selben zu iren anderen consulen legen und dabei behalten lassen. E. f. G. hette ich auch etlich alter kaiser pfennig zugesandt, befunde aber in gedachtem register, das bei E. f. G. durchaus dergleichen und merer, weder ich hab, verzeichnet steen. Ferrer als auch der egerurten zehen consulum namen auf egerurter alten münze an der schritt gekürzt sein, hab ich darauf diesen zedel, wie die selb schritt nach lengs gelesen und verstanden werden mog, eingeschlossen. Und zu jungst E. f. G. undertaniglich bitte, mich (zu irer gelegen zeit) in dieser grasfeuste mit ainem frischen wild- praet versöhen zu lassen, das und allen anderen gnadigen willen, so E. f. G. Durchleichtigkait bisher mir gnadiglich getragen haben und noch tragen, umb dieselben ich undertaniglich zu gedienen alzeit bereit und willig bin. Dat. Augspurg auf sechsten tag iunii anno etc. im 40sten. E. f. G. undertaniger Chuonrat Peutinger, beder rechten doctor etc. Auf dem beillegenden Zettel: 1. Caius Fabius Cai filius. — 2. Caius Licinius Lucii filius Macer. — 3. Caius Norbanus XXXX. — 4. Caius Vibius Cai 1 Seit Pfingsten 1534 Syndikus der Stadt Augsburg: vgl. Roth 2 S. 198. 2 Über Ottheinridi als Sammler antiker Münzen vgl. L. Rodtinger, Die Pflege der Gesdddite durdi die Wittelsbadier (Akadem. Festsdirift) S. 35 u. 50ff. 494 Nr. 300. 1541 April 24. filius. — 5. Decius Silanus Cai filius Roma. — 6. L. Saturninus. — 7. Lucius Iulius Bursio. — 8. Marcus Fonteius Cai filius. — 9. Quintus Thermius Marci filius. — 10. M. Fourius Lucii filius Phili Roma. 1 Es wer auch nit unfruchtbar, das E. f. G. register mit der rechten abschriften irer alt Romer münzen lauter wurde geschriben, damit der recht verstand davon gleichlautend abgenomen werden mocht. 300. Von Nikolaus Eilenbog. 1541 April 24. Ottobeiiren. Dankt für die von Peutinger erhaltenen Grüße und sein freundliches Gedenken. Wünscht, den lange unterbrochenen Briefwechsel jetzt an seinem Lebensabend nochmals aufzunehmen. Empfiehlt den ihm aus dem Kloster bekannten, bei Anton Welser in Diensten stehenden Joh. Haeselin. Paris, Bibl.nat: Cod. Lat.8643 III fol. 118vf. Abschr. Ellenbogs. Frater Nicolaus Ellenbog doctori Conrado Peutinger S.D. Integerrime vir, venit ad me necessarius tuus D. Lucas Felin, presbyter in Mamingo, 2 nomine tuo perquam humaniter me sa- lutans, cui ut iure debui gracias egi pro tarn fausto nuncio; tibi vero pro tarn amico et candido animo gracias habeo immortales. Suscepti tunc fuistis prandio in domo Antonii Welser. 3 Tum ex famulo Iohanne, qui hie quinquennio infirmariam .fratrum lauda- biliter tenuit, didicisti me adhuc in humanis agere, quem dudum 1 Die vorstehend verzeidineten Münzen römischer Konsuln aus den Jahren 104—82 v. Chr. sind beschrieben bei E. Babelon, Description historique et chronologique des monnaies de la republtque Romaine, 2 vol. 188516, und zwar: 1 = / S. 486 f. Nr. 14 od. 15: 2 = 2 S. 133 Nr. 16; 3 = 2 S. 259 Nr. 1 od. 2; 4=2S. 537ff. (9 Nummern): 5 (statt ,Cai' lies: .Lucii') =2 5. 108 Nr. 15od. 16; 6=--l S. 208f. (5 Nummern); 7 = 2 S. 6f. Nr. 5; 8 (statt.Marcus' lies: Manius') = 1 S. 506f. Nr. 9—11; 9 = 2 S. 235 Nr. 19; 10=1 S. 525 Nr. 18. 2 Lukas Vöhlin, aus der mit den Welsern verwandten und früher auch geschäftlich verbundenen Memminger Kaufmannsfamilie, war bis 1525 Pfarrer in Hawangen; vgl. M. Sontheimer, Die Geistlidikeit des Kapitels Ottobeuren 2 (1913) S. 229 f. 3 Anton Welser d.J., ein Bruder von Peutingers Gattin; er wurde 1548 nach der Wiedereinsetzung des patrizischen Regiments in Augsburg durdi Karl V. Bürgermeister und blieb dies 4 Jahre lang. Vgl. über ihn Welser 1 S. 135 ff. Nr. 301. 1543 März 28. 495 desideratum credebas. Non potuit D. Lucas verbis satis exprimere, quam amanter honorificeque de me locutus fueris. Quum autem pergrata necessitudo ante plures annos inter nos firmata fuerir, interim tarnen nescio quo sinistro sidere sepulta quasi et sopita iacuit. 1 Hanc velim nunc demum sarcire studeamus et alternis literis foveamus. Gratissimum michi fuerit, si vel unas literas a te accipere merear, antequam hinc emigrem. Prae foribus enim michi stat mors, manus paralysi, pedes autem podagra laborant, reliquo corpore minus fauste disposito. Fac ut amiciciam veterem amice finiamus. Quantum ad Iohannem Haeselin, famulum Antonii Welser necessarii tui, spectat, scias per quinquennium perspectam michi esse et probatam hominis probitatem et animi honestatem, cum- que talem agnovi, cui tute dominus suus fidere debeat et possit. Hoc vicii habet: plus aequo est obliviosior. Sed quid? Dummodo honesto proboque est animo; admoneatur frequencius; nemo sine crimine vivit. Tu si eum domino suo commendaveris, michi bene- ficium collatum arbitrabor. Vale bene, vir integerrime. Ottenpurrhae Georgii martyris 1541. 301. Von Nikolaus Eilenbog. 1543 März 28. Ottobeuren. Beklagt sich, daß Peutinger, der letzte noch überlebende seiner gelehrten Freunde, seine Bitte um Wiederaufnahme des unterbrocfienen Briefwechsels nicht erfüllt habe, und wiederholt diese Bitte. Gibt Aufschluß über die neueröffnete Ottobeurer Universität. Ersucht um Rückgabe der Chronik seines Vaters. Fürchtet das kommende 63. Lebensjahr als ein nach Ansicht der Astrologen kritisches. Paris, Bibl.nat: Cod. Lat.8643 III fol. 182v ff. Abschr. Ellenbogs. Gedruckt: L. Geiger i. d. Österr. Vierteljahrsschrift für Wissenschaft!. Theologie (1870) S. 170f. Frater Nicolaus Ellenbog doctori Conrado Peutingero S. D. Convenit me tertia Pascae 2 venerabilis D.Lucas Fechlin» ex Memingen, nomine tuo me quam humanissime, optime vir, 1 Vgl. oben Nr. 278. 2 27. März. 3 Lukas Vöhlin: vgl. oben S.494 Anm.2. 496 Nr. 301. 1543 März 28. salutans. Salutacionem lubens accepi, sed longe gratiores mihi fuissent literae tuae, quales praeteritis annis haud paucas a te accepi. Meminique rae ultimis literis meis 1 a te expetisse, ut vel unas ante mortem aut meam aut tuam amicitiae pristinae testes literas dares; utrique enim capularii senes sumus, annis nos gra- vantibus diu vivete non valentes. Quid autem prodest, multis retro annis amicitiae frequentes accepisse literas, nunc vero ab annis multis nullas? Vera amicitia temporis intercapedine interire non deberet. Fuerunt mihi quondam praestantissimi atque doctis- simi viri bene affecti amicitiaeque literas ad me frequentes dederunt, utpote trilinguis a ille Capnion, 2 vir prorsus integerrimus, Georgius Simler, 3 Bernhardus Adelman 4 et doctus Eckius, 5 hisce diebus fato nobis sublatus, 6 ut alios taceam minoris forsan sortis, non autem eruditionis. Tu solus ex veteribus superes amicis, sed amici tui Nicolai raro recordaris. Itaque etiam atque etiam tuam obtestor humanitatem, ne veterem contemptui habeas amicum. Nihil gratius mihi facere poteris, quam vel Laconicis me adire literis. Si visus, si digiti ad scribendum non suppetunt, habes nimirum amanuensem, qui epistulam te dictante excipiat. Cave itaque per veterem amicitiam nostram, ne vacuis verbis me Salutes, sed literis Latinis pro tua eruditione me convenias. Caeterum quod cupis certior fieri de novello literarum gym- nasio Ottenpurrae erecto, 7 facis tu plane pro cognato ingenio tu o, quipp e qui bonis literis per omnia affectus fuisti semper. a Das bilinguis der Hs. dürfte Schreibfehler sein. 1 Nr. 300. s Ellenbogs Briefsammlung enthält aus der Zeit vom 24. April 1509 bis 19. Nov. 1518 24 Briefe von und an Reudüin. 3 Von dem Briefwechsel mit B. Adelmann (10. Juni 1515— 20. Dez. 1522) sind in Ellenbogs Sammlung 10 Stücke erhalten. 4 Ellenbogs Briefwechsel mit Georg Simler umfaßt die Zeit von 1510 bis 1527 Juli 23 und zählt 10 Stücke. 5 Mit Joh. Eck hat Eilenbog in der Zeit vom 22. Okt. 1515 bis 30. Sept. 1512 28 Briefe gewechselt. 6 Eck war am 10. Febr. 1543 in Ingolstadt gestorben. ' Über die am 13. März 1542 gestiftete, am 17. Jan. 1543 eröffnete Benediktiner-Universität Ottobeuren, die. am 17. Dez. 1544 nadi Elchingen verlegt, schon im Sommer 1546 wieder einging, vgl. F. Zoepfl, Gesch. der ehemal. Universität Ottobeuren, im Ardi. f. d. Gesch. d. Hodistifts Augsburg 5 (1916 bis 1919) S. 517 ff. Nr. 302. 1544. 497 Ne itaque diutius te suspendam, noveris hie prospere succedere Minervale munus. Adsunt tres viri docti l profitentes dialecticam, rhetoricam, grammaticam, literasGraecas, Virgilium et Terrentium, auditores cucullati nunc sunt 15, pro tempore autem advenient et alii. Primo faciendum est fundamentum, est enim novella plantacio. Factis fundamentis grammaticae et rhetorices ad philo- sophiam tarn naturalem quam moralem applicabuntur, deineeps ad theologiam. Haec omnia tempus postulant, nemo repente fit doctissimus. Dedi ad te quondam Chronicam patris mei, sed perbrevem, quam aut transcribi mihi facias aut, ut ego exeribere possim, transmittas velim. 2 Eiusmodi multa desidero, quae rusticorum tumultus mihi abstulit. 3 Uxori tuae meo nomine denuntiare poteris, quod conchrona mihi est. Octo diebus me senior est aut ego illi; 4 ita enim viva voce pluries retulit mihi genitor meus. Anno sequenti, qui erit 1544., ineidemus annum climactericum, 63. seil, aetatis nostrae, qui continet novies Septem annos et septies novem, quem astro- logi suspectum habent. Ego oppido eum timeo, verumtamen melius mihi, esse cum Christo quam vivere in hoc saeculo nequam. Maxime vides omnem ferme fidem labefaetatam. Fiat voluntas Domini. Ottenpurrhae quarta feria Paschae 43. 302. Von Xystus Betuleius. 1544. (Augsburg.y Widmet seinen Kommentar zu Ciceros „Cato maior". Gedruckt: In M. T. Ciceronis libros De offieiis, De amicitia, De senectute Commentaria lotige eruditissima nuneque primum in lucem edita Xysto Be- tuleio Augustano autore. Basileae per loh. Oporinum. 1544 mense martio. Vor dem 3. Teil: In M. T. Ciceronis Catonem s. De senectute commentaria etc. 1 Die drei ersten Lehrer an der Ottobeurer Hodisdiule waren Joh. Eppius, Joh. Gaza (Gasa) und Midiael Dornvogel; vgl. aber sie Zoepfl a. a. O. S. 534 ff.; über Dornvogel, der 1554 Weihbisdiof von Augsburg wurde, auch A. Schröder ebd. S. 449ff. 2 Vgl. oben Nr. 150f., 160 und 165. 3 Vgl. oben S. 444 Anm. 1. 4 Eilenbog und Margareta Peutinger, geb. Welser, waren vielmehr am gleidien Jage, dem 18. März 1481, geboren: vgl. A. Bigelmair i. d. Festgabe für Alois Knöpfler S. 21 und Welser 1 S. 100. König, Peulingers Briefwechsel 32 498 Nr. 302. 1544. Clarissimo viro Chunrado Peutingero, patricio Augustano, iureconsulto, domino suo colendissimo, Xystus Betuleius Augustanus S.D. Dicebas nuper, clarissime vir, Cornelii Galli 1 senectutem tibi tuae quasi speculum esse: ex ea siquidem omnem tuam aetatem ita repraesentari, ut ne Durerus quidem yQcuputÖTSQov effigiare potuerit. Quod in his quodammodo crediderim, quae in ipso aetatis flore tibi sunt peracta, quae ipsi: Dum iuvenile decus, dum mens sensusque manebat, orator toto clarus in orbe fuit. 2 Neque enim permansisti viduo frigidus usque toro, sed ea benedictione abunde es usus, quam Dominus diligentibus se per os propheticum 3 pollicetur: ut cuius uxor Margareta Welseria, patricia Augustana, mulier inter heroidas ob egregiam virtutem et cordatam prudentiam numeranda, similis viti fructiferae lateri domus adhaerenti, cuius liberi veluti consitae ex ordine olivae, quos non modo ipsos, sed ex ipsis natos nepotes literis imbuit ipsa, raro nostri saeculi exemplo. Et quoties felicissimum illud vestrum coniugium apud animum reputo, quam sit iam annis XL et amplius ab omni iurgio tranquillum, in memoriam revocare soleo, num ex antiquitate simile aliquando legerim: sed nequic- quam. Multis nominibus illud praefero, cuius vestigia vestris in aedibus conspiciuntur, cuius verba, si forte lector aequus requirat, adpingam: „Perpetuae securitati. C. Iulianus Iulius Mun. Illlviralis sibi et Secundiniae Pervincae coniugi carissimae erga se diligentissimae singularis exempli pudicitiae, quae vixit an. XXXXV menses VII 1 Unter dem Titel .Cornelii Galli fragmenta" hatte i. J. 1501 Pomponius Gauricus in Venedig (Panzer 8 S. 358 Nr. 8) fünf Elegien veröffentlicht, in deren erster die Leiden des Alters geschildert werden. Der Verfasser dieser Dichtungen ist jedoch nicht Cornelius Gallus, der Jugendfreund Vergils und Günstling des Augustus, der 26 v. Chr., beim Kaiser in Ungnade gefallen, freiwillig aus dem Leben sdiied, sondern ein um die Mitte des 6. Jahrhunderts dichtender EtruskerMaximianus. Vgl.Sdianz-Hosius, Gesch. d. röm.Literatur4,2 (1920) S. 76 ff. 2 Maxitnianus 1, 9f. (Poetae Lat. min., ed. Baehrens, 5 S. 317). ' Vgl. Eccli. 26, 3. Nr. 302. 1544. 499 dies XXI, et Iulianiis Iulio iuniori et Iucundo et Iusto filiis vivis vivos fecit." 1 Atqui tu exacta iam aetate vidisti filios filiorum in amplissi- mam reipublicaespemsuccrescentes, inquibusetiam hac immortali- tate perfunctus vives nominis et gloriae immortalitatem Deo bene propitio habiturus. Rectius tibi Catonis nostri quam Galli speculum propones, qui emeritus iam reliquae vitae cursum non inerti ocio torpescens absumis. Iam aedium tuarum ianuae publice priva- timque consultantibus patent. Iam demum de iure respondens recte iureconsulti munere perfungeris. Iam tuos canos literarum amatores quique certatim venerantur. Iam indefatigabili studio dulcissimum ocium absumis, iucundissima (quam tibi iuvenis non vulgarem comparasti) literarum delectatio senii tui modestissima si quae sint taedia fallit. Aetatem tuam ita moderate fers, ut nihil, quod in sene requiritur, in te desiderari queat. Quare non video, cui Catonem nunc nostrum rectius quam tibi dedicem, cum alioqui nulla hactenus alia commodior tuis de me patreque meo 2 cha- rissimo meritis respondendi occasio mihi suppetierit. Quam bene- volentiam veluti haereditarium quoddam patrocinium Claudius Pius germanissimus tuus filius, tuae unicae deliciae, vir iuris- prudentia simul clarus multisque iam et legitime obitis legatio- nibus celeberrimus 3 omnique virtutis genere pollens in me conti- nuare meo magno bono pergit. Nolim interim, vir eximie, ut munusculum hoc aliter accipias quam meritorum tuorum aliquam acceptilationem meminerisque non minimamgratitudinis portionern esse, beneficium agnovisse. Cuius veluti arrabonem has nostras commentatiunculas aequo ut soles animo accipito. Vale. Ex ludo nostro. 1 Über diesen in Biberbach b. Augsburg gefundenen, zunädist in das Franziskanerinnenkloster St. Nikolaus vor Augsburg, dann (um 1534) in Peutingers Haus verbrachten und noch heute dort befindlidien römischen Grabstein vgl. F. Vollmer, Inscriptiones Baiuariae Romanae (1915) S. 46 Nr. 136. 2 Sixt Birks Vater war ein Augsburger Weber. 3 Peutingers ältester Sohn Claudius Pius war Pfingsten 1534, kurze Zeit nach dem Ausscheiden des Vaters aus seinem Amte, als Syndikus in die Dienste Augsburgs getreten und war seitdem .der geschickteste diplomatische Vertreter der städtischen Politik in ihren Beziehungen zum Schmalkaldisdien Bund, zum Kaiser, zum König und zu den katholisdien Mäditen"; vgl. Roth 2 S. 198 u. ö. 32* 500 Nr. 303. 1547 Ende Oktober. 303. An König Ferdinand. {1547, Ende Oktober. Augsburg.} Bittet, ihm seine seit 14 Jahren ausstehende Besoldung als königlicher Rat auszahlen zu lassen. Augsburg, StA: Peutinger. Entw. von fremder Hand. Allerdurchlauchtigster, großmechtigster konig, allergenedigster herr, E. ko. Mt. geb ich in allerundertänigstem gehorsam zu verneinen, das sich die selb on zweifl allergenedigst [zu] erinnern, mit was gnad aus aigner bewegnis in genedigistem bedenken meiner getreuen dienst und der langen zeiten, die ich E. kon. Mt. vorfahrn, den kaisern und konigen und dem hochloblichsten haus Osterreich gedient, [und] vergangen dreißigsten jars mir fl. 100 jerlichs dienstgelt auf widerruf verschriben 1 und auf etliche hievor meine derhalben beschehene ansuechen alle zeit genedigst vernemen lassen haben, des ich mich nachmalen undertänigest tue bedanken. Dieweil mir aber mit heurigem sibenundvierzigsten jar vierzehen jarsold unbezalt ausstendig sein und der allmechtig Gott mir die gnad gegeben, das ich E. Mt. gelukliche victorien und ankunft alher erlebt, 2 so gelangen an E. ko. Mt. nachmalen mein undertänigist bitt, E. ko. Mt. wollen ir selbers mir hiebevor er- wisn gnad gnadigstvollziehen und derursach, dieE.ko. Mt. damalen bewegen, nachmalen gedenken und mit bezalung des berurten ausstands gar oder teils nach E. ko. Mt. wolgefallen mein erlebte tag und großes alter gnadiglich trösten, das auch meine sone umb E. ko. Mt. in allerundertänigstem gehorsam verdienen sollen und wollen. Und tue mich und die meinen E. ko. Mt. under- tanigst bevelhen. E. Ro. ko. Mt. undertanigster diener Chuonradt Peutinger, doctor etc. 1 In dem 1597 notariell aufgenommenen Inventar über die Bibliothek Konrad Peutingers, die samt allen in ihren Räumen untergebraditen sonstigen Sammlungen seit 1539 als Fideikommiß einen gemeinsamen Besitz der männlichen Glieder der Familie bildete (vgl. außer König S. 151 audi Augsburg StA:Kath.WesensardüvL 218 l und218*sowie Adelssadien, Peutinger,Heftl), ist u. a. auch ein „ratsbrief von kunig Ferdinand uf herrn dr. Conrad Peutinger von 1530" verzeidmet: Clm 4021 ä' fol. 5". a König Ferdinand war am 20. Oktober 1547 nach Augsburg zu dem dort seit l.Sept. versammelten Reichstage gekommen: Roth 3 S.478. REGISTER. 1. Die Empfänger der von Peutinger geschriebenen Briefe. (Die Ziffern bezeichnen die Nummern der Briefe.) Augsburg, Bürgermeister und Rat von 5, 31, 38—41, 89, 134, 136, 207—9, 211-14, 223,227,229-31,283,285. Aventinus, Jon. 114, 193, 264, 267. Bannisio, Jacopo 109. Betuleius, Xystus 296. Bild,Veitll3,143,144,234,244,261,269. Birk, Sixt s. Betuleius Bonomus, Petrus, Bischof v. Trient 191. Brant, Sebastian 17, 45, 47, 48, 50, 68, 111,171, 188. Carvajal, Bernardino, Kardinallegat 54. Casella, Matteo 280. Celtis, Konrad 12, 35. Eber, Valentin 1-3. Eck, Job. 153. Eilenbog, Nikolaus 59, 63, 152. Emershofen, Georg v. 74. Erasmus, Desiderius, v. Rotterdam 220. Eyb, Gabriel v., Bischof v. Eichstätt 180, 181. Ferdinand I., Rom. König 303. Friedrich, Kurfürst v. Sachsen 55, 131, 141, 232, 235. Georg, Herzog v. Sachsen 56, 274. Haller, Hans 298. Henneberg, Berthold Graf v., Kurfürst v. Mainz 13—16. Hölzl, Blasius 9, 27, 37. Hummelberg, Michael 94, 96,115,119, 132, 190, 199. Huser, Hieronymus 277. Khuen v. Belasy, Matthias 76. Kirchmülner, Georg 83, 90. Königstein, Eberhard Graf v. 289. Konstanz, Bürgermeister und Rat von 262, 263. Lang, Matthäus 20, 177. Leser, Der 36, 51, 203, 204. Liechtenstein, Paul v. 88. Limburg, Georg Schenk v., Bischof v. Bamberg 71. Lübeck, Bürgermeister und Rat von 217. Maximilian I., König und Kaiser 46, 52, 72, 78, 81, 84, 100,108,118,133, 167, 168, 174, 176, 178. Mayer v. Ummendorf, Joh., Abt von Weissenau 67. Memmingen, Bürgermeister und Rat von 240, 243, 246, 248, 249. Mennel, Jakob (?) 164. Mutianus, Konrad 125. Nördlingen, Bürgermeister und Rat von 162, 215, 222, 226, 228, 247, 256. Nogarola, Hieronymus Graf v. 156. Ottheinrich v. Pfalz-Neuburg 299. Pappenheim, Matthäus Marschall v. 29. Peutinger, Karl 295. Pirckheimer, Willibald 252, 279. Ravensburg, BürgermeisterundRat 130. Regiment, Tirolisches, in Innsbruck 195. Reuchlin, Joh. 7, 11, 103. Reysacher, Dietrich 77. Rhenanus, Beatus 123, 293. Rorbach, Sigmund v. 8, 86. Seitz, Simon 236. Serntein, Cyprian v. 73,82,91,97,99, 146, 148, 154, 169, 170. Soiter, Melchior 286. Spalatin, Georg 126. Turmair s. Aventinus Unbekannt in Freiburg i. B. 164. Villinger, Jakob 172, 182. 502 Register. Walter, Hieronymus 237. Welser, Hans 294. Westner, Stefan 183. Zasius, Ulrich 196. Zeller, Willibald 291. 2. Die Absender der an Peutinger gerichteten Briefe. (Die Ziffern bezeichnen die Nummern der Briefe.) Althamer, Andreas 220. Amantius, Bartholomäus 284. Bartholinus, Richardus 192. Bebel, Heinrich 64. Betuleius, Xystus 297, 302. Bild, Veit 106, 107, 112, 145, 149, 166, 216,224, 242,245,251,253,255,258, 259, 265, 270, 271, 275. Birk, Sixt s. Betuleius Brant, Sebastian 18. Brassicanus, Joh. Alexander 197. Celtis, Konrad 34. Ellenbog.Nikolaus 58,60,62,66,70,122, 150,151,159,160,165,278,300,301. Erasmus, Desiderius, v. Rotterdam 206. Ferdinand, Erzherzog 260. Fernandez, Valentin 32, 33. Friedrich, Kurfürst v. Sachsen 142, 233. Georg, Herzog v. Sachsen 57, 273. Gossembrot, Sigmund, d. J. 6. Heckmair 4 S . Höchstetter, Ambrosius 218, 219. Hölzl, Blasius 19, 21—24, 28, 30, 42, 43, 61. Huber, Erasmus 65. Hummelberg, Michael 95, 98,101,105, 116,120,135,137—39,194, 198, 200, 225, 239, 254, 257. Hütten, Ulrich v. 189. Kirchmülner, Georg 158. Königstein, Eberhard Graf v. 287,290. Kuttenfelder, L. 173. Maximilian I., König und Kaiser 147, 175, 179, 184, 187. Memmingen, Bürgermeister und Rat von 241, 250. Merklin, Balthasar 266. Mirandola, Giov. Franc. Pico della s. Pico. Molther, Menrad 238, 272. Münster, Sebastian 281. Mutianus, Konrad 124. Nassau, Adolf Graf v. 80. Nördlingen, Bürgermeister und Rat von 10, 161. Obsopoeus, Vincentius 268. Oecolampadius, Joh. 205. Peutinger, Konstanze 210. Pico della Mirandola, Giov. Franc. 44, 102. Pinicianus, Joh. 85, 163. Ravensburg, Bürgermeister undRatvon 127—29. Ravenspurger, Lukas, d. Ae. 4 b . Regiment, Tirolisches, in Innsbruck 185. Rem, Aegidius 140. Reuchlin, Joh. 49, 104, 202. Reuter, Konrad, Abt von Kaisheim 276. Reysacher, Dietrich 75, 79. Rhenanus, Beatus 292. Scheurl, Christoph 186, 282. Serntein, Cyprian v. 87. Trebatius, Bernardinus 157. Trithemius, Joh. 53. Wanner, Ulrich 69. Welser, Anton, d. Ae. 25. —, Christoph 92, 93,110,117,121,155. Wien, Universität in 201. Wolfhart, Bonifacius 288, 297. Register. 503 3. Personenregister zu Text und Erläuterungen der Briefe. (Die Ziffern bezeichnen die Seitenzahlen.) Abkürzungen: B. = Bischof. BM. = Bürgermeister. BT. = Bundestag. EB. = Erzbischof. F. = Fürst. G.= Gatte, Gattin. Ges. = Gesandter. Gr. = Graf. H. = Herzog. K. = Kaiser, König. Kan. = Kanonikus. Kard.= Kardinal. KF. = Kurfürst. P. = Papst. RT. = Reichstag. S. = Sohn. Sekr. = Sekretär. T. = Tochter. Adelmann v. Adelmannsfelden, Bernhard, Domherr in Augsburg 51, 60, 83,109, 260 f., 287 f., 306, 381 f. 496. — Konrad, Domherr in Augsburg 51, 60, 83, 109, 306 f., 382, 417. Adler, Philipp, Augsburger Kaufmann 49, 273, 291, 300, 355. Ado v. Vienne, Geschichtsschreiber 201, 217. Aegidius, Petrus, Stadtschreiber von Antwerpen, Humanist 89. Aemilius, Paulus, aus Verona, Geschichtsschreiber 234. Aesticampianus, Joh., Humanist 136. Agnes, T. K. Heinrichs IV. 85. Agrippa, M. Vipsanius, Feldherr des Augustus 235 f. Ainkyrn, Münzmeister 474. Aistulf, K. d. Langobarden 93. Alantsee, Joh., Vikar d. B. v. Augsburg 187. Albericus de Rosate, Jurist 239. Albertini, Francesco, Humanist 232. Albrecht IV., H. v. Baiem-München 4, 27—31, 81, 164, 464. — v. Brandenburg, EB. u. KF. v. Mainz, Kard. 301, 303, 326, 334, 369. Albret, Jean d', K. v. Navarra 343. Albuquerque, Affonso, Vizekönig v. Indien 57, 232. Alciati, Andrea, Jurist 490. Aleander, Hieron., Humanist, dann päpstl. Nuntius 234, 328, 336. Alexander Severus, K. 96. Alexander VI., P. 96, 156. Alfons X. v. Kastilien, deutscher K. 92. Alfonso I., H.v.Ferrara 446-48, 458. Almeida, Francisco d', Vizekönig v. Indien 57. Althamer, Andreas, Humanist 136,360 f. Amantius, Barthol., Humanist 466—68, 471 f. Ambrosius v. Mailand 81,170,209,214. Anastasius, K. 92. — bibliothecarius 254. Ancus Marcius, K. 96. Andreae, Hieron., Holzschneider 270. — Joh., Jurist 456 f. Angelo v. Vallombrosa 148. Annius v.Viterbo, Dominikaner 53 f., 455. Anshelm, Joh., Kaufmann in Straßburg 76. — Thomas, Tübinger Buchdrucker 76, 177, 252. Antoninus Pius, K. 96, 129, 171. — EB. v. Florenz 202. Antonius, Marcus, Triumvir 96. Apian (Bienewitz), Peter, Mathematiker 459, 466 f., 472. Apt, Ulrich, Maler 271. Apuleius v.Madaura (Ps.-) 229,232,235 f. Arator, altchristl. Dichter 214,477,481. Arcadius, K. 92. Argon, Jakob v. 14 f. Aristoteles 24, 173, 175, 409. Arnold v. Tungern, Theolog 212. Arnolf, K. 93, 279—83. Arrivabene, Pietro, B. v. Urbino 2—5, 8, 10. Arzt, Bernhard, Propst v. St. Moritz in Augsburg 1, 187 f., 199. — Klara, G. des Kaufmanns Anton Paumgartner 184. — Ulrich, wiederholt BM. v. Augsburg, dann städt. Hauptmann d. Schwab. Bundes 63—70, 230 f., 349, 363, 368, 374, 4C0. 504 Register. Asconius Pedianus 427 f. Athanasius d. Gr. 214. Athenaeus v. Naukratis, griecli. Rhetor 178. Auer, Georg, kais. Falkner 134 f. Augsburg, Domkapitel 1—9, 151 f., 181-89,196-200, 204-06, 215, 247. — BM. u. Rat v. 1—9, 11 f., 14—17, 19, 21 f., 31, 55 f., 65—70, 75, 114, 122, 129 f., 132, 141—44, 151, 183, 191, 196 f., 243, 259, 271, 273, 276, 284 f., 290, 329—48, 351, 354, 356, 363 f., 368, 370-74, 382, 389, 398 f., 402 f., 421 f., 435-37, 445, 462—66, 468—70, 491. Augustinus v. Hippo 208, 214. Augustus, K. 96, 124, 126, 170 f., 317. Aurelian, K. 96. Aventinus (Turmair), Joh., Geschichtsschreiber 164, 166, 168, 192, 238, 306 f, 405, 417 f., 423. Ayallas, Pedro de, span. Ges. 28. Baden, Martin v., Kan. v. St. Thomas in Straßburg 148. Badius, Jodocus, Pariser Buchdrucker 224, 233 f. Bajazet II., Sultan 224. Baidel, Peter, Sekr. Philipps v. Hessen 462 f. Bair, Joh., Notar 12. Bakocz, Thomas, Kard. 185. Baibus, Hieron., ungar. Ges. 331. Baidung Grien, Hans, Maler 266. Balue, Jean, Kard. 10. Baluze, Stefan, Bibliothekar 444. Bannisio, Jacopo, kais. Sekr. 147,181, 185 f. Barbaro, Ermolao, Humanist 175, 448, 451 f. — Francesco, Humanist 234. Bartolini, Mariano, päpstl. Nuntius 28, 85. — (Bartholinus), Ricardo, Humanist 305 f. Bartolus, Jurist 124. Basilius d. Gr. 208, 214. Baumgartner s. Paumgartner. Bayard, Ritter 223. Bayer, Jörg, Nürnberger Kaufmann 353. Bebel, Heinrich, Humanist 107—11, 116, 193, 233. Bebenburg, Lupoid v. 92, 456 f. Begga, T. Pippins d. Ä. 75. Bentivoglio, Giovanni, v. Bologna 95. Berengar v. Ivrea 218. Berlichingen, Götz v. 225. Beroaldo, Filippo, d. Ä., Humanist 124. Besserer, Bernhard, BM. v. Ulm u. Ges. in Worms (1521) 342, 347, 349, 398. Betschlin, Hieron., Kan. v. St.Thomas u. Alt St. Peter in Straßburg 147 f. Betuleius (Birk), Xystus, Humanist 489 —91, 497—99; sein Vater (Augsburger Weber) 499. Bianca Maria Sforza, G. K. Maximilians I. 16, 21. Bibra, Albrecht v., Domherr in Würzburg 152. — Lorenz v., B. v. Würzburg 87. Bild, Veit, Benediktiner 111 f., 136, 180 f., 190 f., 239—42, 245 f., 267 f., 324, 351 f., 364 f., 375 f., 386—88, 390-93, 401—06, 409 f., 412 f., 418 —20, 425—29, 437—40. Bimmel, Augsburger Kaufmannsfamilie 363. Biondo, Flavio, Humanist 455 f. Blitterswich, Ruprecht v., Ges. K. Maximilians in Rom 7, 11. Blondus s. Biondo. Boehm, Nikolaus, in Straßburg 477. Böhmische Brüder 296, 312. Bonomo (Bonomus), Pietro, B. v.Triest 117, 303—05, 376. Borso v. Este, H. v. Modena 457. Botzheim, Joh. v., Domherr in Konstanz 367. Register. 505 Bouillee (Bouelles, Bovillus), Charles, Theolog u. Philosoph 156, 158. Brant, Sebastian, Stadtschreiber v. Straßburg 31—38, 74 f., 76—78, 81 —83, 115—17, 190, 273 f., 300 f. Brassicanus, Joh. Alex., Humanist 311 —16. Brazlowo (Wratislaw), F. der Slovenen 280. Brechter in Straßburg 477 f. Brennus 51—53. Breu, Jörg, Maler 270 f. Brüder, Böhmische 296, 312. Bry, Herr v. 223. Bund, Rheinischer (v. 1532) 462—66. — Schwäbischer 15, 16—19, 66, 76 f., 82, 139, 141-44, 225, 227, 230 f., 244, 272, 341—43, 349 f., 362, 364, 368-71, 383, 394, 399 f., 421, 440, 462—65, 469, 471. Burchard IL, H. v. Schwaben 218. — v. Ursperg, Geschichtsschreiber 284. — päpstl. Zeremonienmeister 4. Burgkmair, Hans, Maler 98, 127, 130. Burgo, Andrea de, Ges.K.Maximilians 285, '287, 289. Busche, Hermann v. d., Humanist 366 f. Busleiden, Hieron., Propst v. Aire 313. Bussy d'Amboise 223. Butzbach, Joh., Benediktiner 94. Caesar, C. Julius 107. Cajetan (Thomas de Vio), Kardinallegat 314. Calderinus, Domitius, Humanist 175 f. Calepinus, Ambrosius, Humanist 176, 264. Caligula, K. 96. Callimachus, griech. Dichter 173. Campegio, Lorenzo, Kardinallegat 392. Capella, Galeazzo, Geschichtsschreiber 460 f. Capello, Francesco, venezian. Ges. 163 —68. Caper, Joh., Humanist 41. Caracalla, K. 96. Carl, Hans, .Diener* K. Maximilians 286. Carvajal, Bernardino Lopez de, Kardinallegat 88—97, 161. Casella, Ludovico, Humanist 446. — Matteo, ferrares. Ges. 446—58. Cassiodorus Senator, Magnus Aurelius 477 f. Castellesi, Adriano, Kard. 252. Celtis, Konrad 25 f., 59—62, 82 f., 87, 104, 112, 305, 461. Chajjim Ben David, jüd. Buchdrucker 473. Chaireddin Barbarossa, Korsar 472, 474. Chieregati, Francesco, Nuntius 372 f.; sein Vater 373. Childerich 111., K. d. Franken 93. Choler, Joh., Dompropst v. Chur 390 f., 468. Christoph, Markgr. v. Baden 3 f. Chrysostomus, Joh. 359. Cicero 487, 491. Clairemont, Rene de 223. Claudius I., K. 96. — IL, K. 96. — B.V.Turin 125 f., 129. Clemens s. Klemens. Cles, Bernhard v., B. v. Trient 299. Clichtove, Josse van, Theolog 194. Coccinius (Köchlin), Michael, Humanist 315. Cola, Joh., Sekr. u. Ges. K. Maximilians 147. Coler, Joh. s. Choler. Collauer, Joh., kais. Sekr. 60. Commodus, K. 96. Constans IL, K. 92. Constantin d.Gr., K. 92, 96, 489; Con- stantin. Schenkung 94. — III., K. 92. — V., K. 92. Constantius IL, K. 92. Contarini, Gasparo, venezian. Ges. 347. 506 Register. Cortese, Paolo, päpstl. Protonotar, Humanist 208 f., 213, 224, 229. Cranach, Lukas, Maler 97, 266. Cratander, Andreas, Basler Buchdrucker 458. Crescentius, Patricius v. Rom 93. Cues, Nikolaus v., s. Nikolaus. Cuspinianus (Spießheimer), Joh., Arzt u. Humanist 26, 70, 72. Cyprian v. Karthago 208, 214. Cyrill v. Alexandrien 246. Dalberg, Joh. v., B.V.Worms 21, 24, 26. Danzig, Rat v. 346. Daucher, Adolf, Augsburger Bildhauer 331. Decius, K. 96. De Negker, Jost, Holzschneider 127, 131. Desiderius, K. d. Langobarden 93. Didius Julianus, M., K. 96. Dietrichstein, Sigmund v., kais. Rat u. Silberkämmerer 119 f., 169. Diocletianus, K. 96. Dionysius Areopagita 208. Dolhopf, Joh., Humanist 26. Domitianus, K. 96. Domvogel, Michael, Lehrer a. d. Univ. Ottobeuren 497. Drusus, Stiefsohn d. Augustus 317. Dürer, Albrecht 226, 265 f., 286, 307, 498. Dungersheim, Hieron., Theolog 296. Durandus, Guilelmus („Speculator"), Jurist 456 f. Eber, Valentin, Stadtschreiber v. Augsburg 1—12. Eberwein aus Augsburg, in Brixen 12. Ebner, Hans, Nürnberger Kaufmann 402. Eck, Joh. 240, 249—51, 309 f., 328, 445 f., 461, 496. — Leonhard v., baier. Kanzler 423. Ecken, Joh. v. d., Offizial v. Trier 336 f. Egen, Peter, Augsburger Patrizier 14 f. Ehern, Anna, Braut Philipp Adlers 49. — Lukas (Laux) 245; seine Mutter Ursula, geb. Welser 245. Eidgenossen, Die 82, 120, 130, 133, 137,167,190, 223, 230, 342 f., 347f. Eilenbog, Nikolaus, Benediktiner 99 —107, 113 f., 118 f., 206 f., 246-49, 260 f., 266, 443 f., 494—97. — Onofrius, kais. Türhüter, Bruder d. Nik. 101, 247. — Ulrich, Arzt, Vater d. Nik. 101, 247 —49, 261, 266, 443 f., 497. Emanuel d. Gr., K. v. Portugal 49 f., 56, 232. Emershofen, Georg v., kais. Rat u. Stallmeister 122 f., 262. Emmerich, Herr v. 333. Engentinus (Engelbrecht), Philipp, Humanist 441. Eppius, Joh., Lehrer a. d. Univ. Ottobeuren 497. Erasmus, Desiderius, v. Rotterdam 174, 229, 233 f., 302, 313, 325-29, 340, 358-60, 366 f., 409, 445, 477, 479, 481, 489-91. Ergersheitn, Melchior, BM. v. Schlett- stadt 405. Erich, H. v. Braunschweig 69. Erlinger, Georg, bacc. art., später Buchdrucker 37; sein Vater Lorenz 37; seine Mutter Ottilie, geb. Goetz 37. Ernst v. Baiern, Bruder H.Wilhelms IV. 166. — v. Sachsen, EB. v. Magdeburg 98. Esslingen, Rat v. 462—66. Eugen III., P. 85. — IV, P. 457. Eusebius v. Caesarea 79, 107, 391, 480 f. Eutropius, Geschichtsschreiber 255, 391. Eyb, Gabriel v., B. v. Eichstätt 250 f., 285, 287 f. Register. 507 Faber Stapulensis, Jacobus, Theolog 79, 194 f., 202—04, 213, 224, 230, 233 f. — Joh., Dominikanerprovinzial 325 -29. Fasanini, Filippo, Humanist 259. Fautt, Klaus, Faktor d. Welser in Mainz 63. Fayegeta, Herr v. 223. Fedele, Cassandra 155. Feilitzsch, Philipp v. 335. Ferdinand, Erzh., dann röm. K. 91, 331 f., 341, 347, 368 f., 372, 376, 411 f., 436, 464, 466, 469 f., 499 f. — II. d. Katholische, K. v. Aragonien 28, 48, 59, 77, 149. Fernandez, Valentin (Valcntinus Mora- vus), Handelsagent u. Buchdrucker 56—59. Ferrera, Petrus de, Auditor der Rota 6. Festus, Sex. Pomponius 264. Ficino.Marsilio,Humanist 24,214,480. Fisher, John, B. v. Rochester 325. Foeniseca (Mader), Joh., Humanist 60, 360. Foix, Gaston de, französ. Feldherr 198. Formosus, P. 93. Forner, Antoni, BM. v. Nördlingen 407. Fortunatus,Venantius, altchristl.Dichter 477. Framesclle, Robinet de 223. Francesco Maria Sforza, H. v. Mailand 21 f., 461. Francesco 11. Gonzaga, Markgr.v.Man- tua 73. Frangepan, Gregor, EB. v. Kalocza- Bacs 68—70. Frankfurt, Rat von 31, 130, 132, 273. Franz I., K.v. Frankreich 333,342—44, 347 f., 488 f. Frauenberg (Fronberg), Leonhard v. 69. — Sigmund v., Gr. zu Haag 29, 162. Frickhinger, Nördlinger Familie 23. — Barbara, Mutter Konrad Peutingers 23, 145, 485. Frickhinger, Georg, Großvater Konrad Peutingers 485. Friedingen, Joh. v., Abt v. Bebenhausen 141. Friedrich I., K. 82—86, 94, 484 f. — II., K. 94 f, 457, 484. — III., K. 1, 3-5, 7 f., 10, 12, 14 f., 226, 457, 463 f. — Markgr. v. Baden (f 1268) 484. ------v.Brandenburg-Kulmbach 29,31. — Pfalzgr. (als KF. Friedrich II.) 169, 404, 471. — d. Weise, KF. v. Sachsen 29, 97 f., 210 f., 214—17, 220—23, 237—39, 335, 374-76. Froben, Joh., Basler Buchdrucker 259. Fröschl v. Marzoll, Wiguleus, B. v. Passau 64, 66, 69, 157 f. Frontinus, Sex. Julius 427. Fuchs, Konrad, kais. Rat 132. Fuchsmag, Joh., Humanist 86,128,134. Fürer, Sigmund, Nürnberger Ratsherr 435. Fürst, Veit, diplomat. Agent K. Maximilians 70 f. Fürstenberg, Philipp v., Ges. Frankfurts in Worms (1521) 273, 345. Fütterer, Nürnberger Kauf mannsf amilie (Erasmus, Hans, Hieronymus, Ulrich) 461. — Katharina, G. Christoph Scheurls d.J. 461. Fugger, Augsburger Handels- u. Bankhaus 19, 42, 115, 189. — Anton, S.Georgs 391,410,449,477. — Georg, Bruder Jakobs 150, 468. — Jakob, d.Reiche 12,138,145 f., 187, 189, 200, 230, 250f., 256,448 f., 468. — Markus, S. Georgs 150. — Raimund,S.Georgs391,410,448f., 468. — Ulrich, Bruder Jakobs 468. Fulvio, Andrea, Archäolog 453. Funck (Scintilla), Engelhard, Humanist 11. 508 Register. Funck, Georg, Schwiegers. d. Zasius 310. Furster, Georg 441, 443. Galba, K. 96. Galfridus Monmutensis, Geschichtsschreiber 218 f. Gallienus, K. 96, 171. Gallus, Cornelius, röm. Dichter 498 f. Ganay, Germain de 156. Gasa s. Gaza. Gattinara, Mercurio, Großkanzler Karls V. 326, 377 f. Gauricus, Pomponius, Humanist 498. Gaza (Gasa), Joh., Lehrer a. d. Univ. Ottobeuren 497. Geldenhauer, Gerhard, Humanist 339. Geldrich, Wiener Patrizierfamilie 26. — Friedrich, BM. v. Wien 26. Gellius, Aulus 491. Georg, Markgr. v. Ansbach 476. — d. Reiche, H. v. Baiern-Landshut 14, 27, 29, 464. — d. Bärtige, H.v. Sachsen 98 f., 300, 335, 434—37. „Gereon, Joh.' (= Veit Bild) 386 f., 390, 392 f. Gerhard, lothring. Gr. 281 f. Giraldi, Lilio Gregorio, Dichter u. Archäolog 172. Goetz, Joh., Straßburger Münsterpfarrer 36 f., 117; sein Vater (Augsburger Weber) 37. Goldacher 169. Gonsalvo de Cordova, Feldherr Ferd. v. Arag. 91. Gordianus, K. 96, 171. Gossembrot, Georg, Pfleger v. Ehrenberg 18, 485. — Sigmund d. Ä. 16. -------d. J., Augsburger Kaufmann u. BM. 16-19, 483. Grapaldi, Mario, Dichter u. Archäolog 263. Gregor I. d.Gr., P. 97, 324, 391, 492. Gregor V, P. 93, 216. — v. Nazianz 208, 214, 445. — v. Nyssa 208, 214. — v. Tours 201, 217 f. Greiffenclau, Rieh, v., EB. u. KF. v. Trier 338. Grimani, Domenico, Kard. 253. Grimm, Sigmund, Augsburger Arzt u. Buchdrucker 322, 366. Grimoald, S. Pippins d. Ä. 75. Gritti, Ludovico, venezian.Renegat 472. Gröning, Martin, Domherr in Bremen 253. Grynaeus, Simon, Humanist 409. Habsberg, Mang v., kais. Rat 122. Hadrian, K. 92, 96. — I., P. 93. — VI., P. 371, 373. Häselin, Joh., Diener bei Anton Welser d. J. 494 f. Haller, Hans, Augsburger Goldschmied 491 f. — Konrad, Nürnberger Patrizier 483. — Wolfgang, kais. Rat u. Hauskämmerer 286. Hannart, Joh., kais. Sekr. 271. Hartbert, B. v. Chur (949—nach 66) 218. Hartfaust, Theis, Diener Cyprians v. Serntein 138. Hassel, Abt Gerhard v. 87. Heckmair 12 f. Heinrich 1., K. 92 f. — II., K. 92, 94, 216, 218. — III., K. 93 f., 431. — IV., K. 85. V, K. 95. — VI., K. 484. — VIII., K.V.England 167, 221, 223 f., 348, 482. — H. v. Baiern, Bruder K. Ottos I. 94. — d. Zänker, H. v. Baiern 218. - I., B. v. Augsburg (973-82) 218. Heinrichmann, Jakob, Augsburger Generalvikar 329. Register. 509 Heliogabalus, K. 96. Helmschmied, Koloman, Augsburger Plattner 71 f., 269, 286. — Lorenz, Augsburger Plattner 71 f. Helvius Pertinax, K. 96. Hemma, Q. K. Ludwigs d. Deutschen 279. Henneberg, Berthold Gr. v., EB. u. KF. v. Mainz 26—31. „Henricus Augustensis" 73 f. Heraclius, K. 92. Hermann, H.V.Schwaben (f948) 216, 218. — d. Lahme v. Reichenau, Geschichtsschreiber 218, 282 f. Herwart, Augsburger Kaufmannsfamilie: Christoph 355, 362, 364. — Georg d. Ä. 83, 109. — Georg d. J. 469. — Konrad,BM.v.Augsburg(1330)484. -------Vertreter Augsburgs b. Schwab. Bunde (1522) 368. Hieronymus 80 f., 101, 161, 202—04, 208 f., 340, 358 f. Hilarius v. Poitiers 214. Hildegard v. Bingen 230. Hippokrates d. Arzt 352. Hochstraten, Jakob, Dominikaner, Inquisitor 211, 253, 320. Höchstctter, Ambrosius, Augsburger Kaufmann 11, 139, 158 f., 332, 353 — 57; seine G. Anna, geb. Rehlinger 357; seine Mutter Barbara, geb. Peu- tinger 158; seine T. Ottilie, G. Hans Franz Paumgartners 357. Hölzl, Blasius, kais. Sekr. 22 f., 27, 38 f., 43-45, 47-51, 56, 60, 63, 70-72, 104, 297, 305, 351. Hofmann, Christoph, kais. Sekr. 162, 252. — Georg, Minoritenprovinzial 363 f. Hohenlandenberg, Hugo v., B. v. Konstanz 367, 398, 414. Hohenlohe, Albrecht u. Georg Gr. v. 82. Homer 173. Honorius, K. 92, 489. Honstein, Wilh.v., B.v. Straßburg 274, 331. Horapollon s. Horus Apollon. Horius, Nicolaus, Reimser Ratsbeamter 156, 158. Horus Apollon, ägypt. Schriftsteller 258 f. Hoser, Ludwig, BM. v. Augsburg 55 f., 142, 227 f., 230 f. Huber, Fr. Erasmus, Benediktiner 111 f. Hubrecort, Herr v. 223. Hürnheim, Walter v., adeliger Hauptmann d. Schwab. Bundes 227. Hummelberg, Gabriel, Arzt 116, 237. — Michael, Humanist 116, 153—61, 170—72,178—80,192 - 95,201—04, 224 f., 228-37, 303 f., 307, 311, 316—19, 365—67, 381 f., 405, 408 f. -------Neffe d. vor. 226. Huser, Hieronymus, Jurist 441—43. Huß, Joh. 337. Hütten, Hans v. 274. — Ulrich v. 186, 257, 301—03, 484. Jacobi, Peter, v. Arlon 108 f. Jakob IV., K. v. Schottland 224. — Markgr. v. Baden 3 f. — Philipp v. Bergamo, Geschichtsschreiber 108. Jean d'Albret, K. v. Navarra 343. Ignatius v. Antiochien (Ps.-) 79, 161, 203. Ilsung, Sebast., Domherr in Augsburg 41, 60, 250. Imhoff, Endres, Faktor d. Welser in Köln 63. — Hieron., Augsburger Kaufmann u. BM. 122, 132, 347, 363, 368 f. Innocenz IL, P. 93. — VIIL, P. 1-8, 10 f., 85, 96, 182, 188, 208. Insulanus Menapius, Gull., Propst v. St. Gertraud in Aachen 481. Johannes, d. Apostel 81. 510 Register. Johannes VIII., P. 254. — XII., P. 96. — XVI., P. 93. — XXII., P. 418. — III., K. v. Portugal 376. — Pfalzgr. bei Rhein, B. v. Regensburg 169. — Chrysostomus 359. — v. Damaskus 214, 323 f. Jordanes, Geschichtsschreiber 217, 255—57, 423. Iphofer, Wendelin, Faktor d. Fugger in Innsbruck 286. Isaak, Heinrich, Musiker 322. Ismael Sofi, Schah v. Persien 224. Isokrates 486—88. Julianus, K. 92, 96. Julius IL, P. 28, 77, 85, 89-91, 95 —97, 115, 120, 130, 133, 137, 142, 144, 147—52, 156, 167, 172, 182 f., 185 f., 188 f., 198. Jung, Joh. d. Ä., Augsburger Arzt 41. Justinianus I., K. 92. — IL, K. 92. Juvenal 177. Juvencus, altchristl. Dichter 214, 477. Kajetan, Kardinallegat 314. Karl Martell 93. Karl I. d. Gr., K. 32, 75, 92 f., 95, 279. — IL d. Kahle, K. 32, 254. — III. d. Dicke, K. 92, 254, 279 f. — IV, K. 95. — V, K. 91, 308, 325 f., 328, 330 —32, 335—38, 340—45, 347 f., 350, 354, 356, 358, 366, 374, 377 f., 388, 398, 421 f., 446-48, 461, 464—66, 474, 488, 499. — d. Einfältige, K. v.Westfranken 281 f. — VIII., K. v. Frankreich 248. — v. Anjou 484. Karlmann, Bruder Karls d. Gr. 92. — S. Ludwigs d. Deutschen 279 f. Kasimir, Markgr. v. Brandenburg- Kulmbach 244, 275, 295, 335. Keller, Hans, BM. v. Memmingen 394, 397 f. Kern, Blasius, Franziskaner 363. Kesinger, Wolf, kais. Sekr. 263, 273. Keutschach, Leop. v., EB. v. Salzburg 64, 66, 168, 284. Khuen v. Belasy, Matthias, kais. Rat 124 f. Kirchmülner, Georg, kais. Sekr. 133 f., 144 f., 259, 262 f. Kirmeier, Konrad, Nürnberger Kaufmann 445. Klemens v. Rom (Ps.-) 203. — IL, P. 93. — VII., P. 447 f. Knoderer, Hans, Maler 294 f. Knöringen, Joh. v., Domherr in Augsburg 151, 182. Knöringen-Burgau, Hartmann v., Abt v.Weingarten 219. Köchlin (Coccinius), Michael, Humanist 315. Königstein, Eberh. Gr. v. 333, 344, 372, 472—75. Könlin, Joh., Abt v. St. Ulrich in Augsburg 428. Könneritz, Heinrich v., Berghauptmann in Joachimstal 379; seine Söhne Andreas u. Joh., studd. iur. 379 f. Koler, Paul, Prokurator Augsburgs an der Rota 2, 5—11; seine G. 12. Konrad III., K. 85. — IV. 484. — H. v. Schwaben 218. Konradin, H. v. Schwaben 484. Konstanz, Domkapitel 414. — BM. u. Rat 413-17, 441. Kontzelmann.Jakob,Dekan v.St.Moritz in Augsburg 7, 11. Kraft, Ulrich, Pfarrer v. Ulm 219. Kreß, Christoph, Nürnberger Patrizier 371. Kristel in Augsburg 12. Kronberg, Hartmut v. 443. Kuchenmeister, Joh. .kurmainz.Rat 335. Register. 511 Kün, Joh., Ottobeurer Konverse 119. Kunigunde, G. K. Heinrichs II. 217. Kuno, Joh., Dominikaner 208. Kuttenfeldcr, L., kais. Sekr. 275—77. Lactantius Firmianus 208, 214. Lamparter, Gregor, württ. Kanzler u. kais. Rat 219 f., 335, 342, 346. Landau, Hans v., Rat u. Schatzmeister K. Maximilians 18, 55, 163. — Hans Jak. v., kais.Truchseß 163—68. — Jakob v., kais. Landvogt in Schwaben 68 f. Lang, Matthäus, kais. Sekr., dann Dompropst v. Augsburg, B. v. Gurk, EB. v. Salzburg u. Kard. 13, 18 f., 22, 24, 39—41, 60, 63, 68 f., 73, 120, 142, 144, 169, 275, 284 f., 305 f., 320, 341, 372 f.; sein Vater Paul 13. Langenmantel, Augsburger Patrizierfamilie 485. — Georg, BM. v. Augsburg 162, 227 f., 230 f. — Hans, BM. v. Augsburg 14. — Ulrich, Chorherr bei St. Moritz in Augsburg 37. Langer, Joh., Prokurator d. Augsburger Domkapitels in Rom 9. Laß, Herr v. 274. Lauchaymer, Joh., Schreiber in d. Augsburger Kanzlei 17 f. Lauginger, Anton, Augsburger Kaufmann 20. Laventaler, Joh., Domherr in Passau 16. Layman, Joh., Prokurator d. Augs- burger Domkap. in Rom 189, 196. Lefcvre d'Etaples s. Faber. Leiter, Joh. v. d., d.Ä u. d. J. 139-44, 166, 168, 345. Leo I. d. Gr., P. 214. — X., P. 147 f., 198, 206, 239, 314 f., 320, 326-29, 336, 409. — III., K. 92. Leonora v. Portugal, G. K. Friedrichs III. 58, 68, 91, 130. Leonfius, Exkonsul 97. Leopold d. Heilige, Markgr. v. Österreich 84 f. Leveston, Scipio, Faktor d. Welser in Lissabon 58. Lichtenau, Heinrich v., B. v. Augsburg 73. Liechtenstein, Paul v., Tirol. Landmarschall 121 f., 139,144,147,199 f., 205. Lieferink,Cornelius,Holzschneider 270. Liephart, Wolfgang, in Wien 72. Limburg, Georg Schenk v., B. v. Bamberg 119 f., 238, 244. Link, Wenzeslaus, Nürnberger Prä- dikant 435, 446. Liutprand v. Cremona, Geschichtsschreiber 217. Livius 234, 408 f. Locher, Berthold, kais. Sekr. 162. Lochner, Hieron., Domherr in Augsburg 41. Löffelholz, Thomas 166. Loredano, Lorenzo, venezian. Kaufmann 164. Lothar L, K. 32, 92. — III., K. 93. Lucas, Joh., kais. Einnehmer 291, 293. Lucian v. Samosata 225,229,234,424 f. Lucilius, röm. Satiriker 432. Ludolf, H. v. Schwaben, S. Ottos I. 216, 218. Ludovico Moro, H.V.Mailand 21—23, 111. Ludwig I. d. Fromme, K. 32, 92 f., 95. — d. Deutsche, K. 32, 279. — d. J., K, S. Ludwigs d. D. 279. — d. Kind, K. 282. — d. Baier, K. 418, 423. — XII., K. v. Frankreich 47-50, 77, 82, 95, 111, 120, 130, 133, 137, 149, 190. — IL, K. v. Ungarn u. Böhmen 276, 288, 289, 334 f., 371. — d. Reiche, H.v.Baiern-Landshut 464. 512 Register. Ludwig X.,H.v.Baiern 251, 274, 417f., 464 f. — V., KF. v. d. Pfalz 31. — v. Orleans, Markgr. v. Röteln 222. Lübeck, BM. u. Rat 352 f. Lupfdich, Joh., Jurist 141 f. Lupoid v. Bebenburg 92, 456 f. Lussel, Martin, mag. art. 379. Luther, Martin 156, 299, 325—29, 335 —38, 366, 373, 420, 435 f., 438, 440, 443, 446. Lyephart, Wolfgang, in Wien 72. Macrobius 115. Mader (Foeniseca), Joh., Humanist 60, 360. Magnus v. Reichersberg, Geschichtsschreiber 418. Mahusch, „tapisier" K.Maximilians 75. Maier, Jakob 190. Mair, Hans, Augsburger Ratsdiener 469. Maius, Junianus, Humanist 51, 264. Mamertus, B. v. Vienne 391. Mancinelli, Antonio, Humanist 175 f. Marcus Antonius, Triumvir 96. — Aurelius, K. 96. Maria, G. Ludwigs IL v. Ungarn u. Böhmen 288. Mark, Eberhard v. d., B. v. Lüttich 326, 333. — Robert v. d. 333. Marliano, Raimondo, Humanist 179. Marsilius v. Padua 366 f., 455. Massimiliano Sforza, H. v. Mailand 21 f. Matfricd, lothring. Gr. 281 f. Mathilde, Markgräfin v. Tuscien 94. Mauritius, K. 97, 391. Maximian, spätröm. Dichter 498. Maximilian L, K. 3, 10, 14, 16—18, 21—24, 26—29, 31, 38—40, 42—48, 50, 55 f., 58-60, 62-71, 73, 75 f., 84-91, 95—98, 101, 104, 110 f., 114 f., 117, 120—23, 126-34, 137, 139-45,147,162-69,181—86,193, 195, 199 f., 212, 220—23, 225—28, 230—32,239—41,243,245,253—55, 259, 262, 268—97, 299—302, 305 f., 308, 311—19, 321 f., 325, 330, 365, 374, 376, 411, 461; vgl. auch unter Peutinger (lit. u. künstl. Arbeiten d. Kaisers). Mayer v. Ummendorf, Joh., Abt v. Weißenau 114—16. Mayronis, Franciscus, Theolog 201. Mechthild v. Hackeborn 230. Meckh, Jörg, kais. Hoftischler 259. Megyeriche (Mezerzius), Joh. v., Inschriftensammler 64, 169. Mela, Pomponius 454. Meier, Veit, Domherr in Augsburg 150-52. Memmingen, BM. u. Rat v. 382—86, 388-90, 394—400. Mennel, Jakob, Historiker 266, 296. Merklin, Balthasar, Propst v. Waldkirch 262, 275, 420 f. Meuting, Konrad, Augsburger Kaufmann 12, 355. Mezerzius s. Megyeriche. Minckwitz, Hans v. 335. Mißbech, Ricardis, G. Bernh. Reh- lingers 50. Möringer, Ulrich, Tirol. Kammermeister 128, 146, 298. Mörlin, Konrad, Abt v. St. Ulrich in Augsburg 60. Molther, Menrad, Humanist 380 f., 429-34. Montfort-Rothenfels, HugX. Gr. v. 485 f. Mor, Peter, Notar 14. Mordel, Gabriel, Ges. Straßburgs auf Reichstagen 76. Morone, Girolamo, mailänd. Kanzler 460. Morsheimer, kurpfälz. Rat 31. Morus, Thomas 127, 229, 314, 340, 358; seine Töchter (Margareta, Elisabeth, Caecilia) 340 f. Mose (Mosse), Frankfurter Stadtarzt 472, 475. Register. 513 Moses, d. Gesetzgeber 175—78, 480 f. Mospach, Taxator i.d. Kanzlei Karls V. 345. Moymirus, Bruder Zwentibolds v. Mähren 280. Müe, Hans, königl. Zollschreiber 71. Müller, Joh., v. Königsberg i.Fr. (Regio- montanus) 267, 450. — Joh., Dekan v. Baden 4. Münster, Sebastian 458—60. Murner, Thomas, Franziskaner 363. Musa, Antonius, Leibarzt d. Augustus 235—37. Mutian, Konrad 209—14. Nagel, Barbara, in Ulm 162. Nagelin (Negelein), Augsburger Ratsschreiber 284. Nassau, Adolf Gr. v. 15, 28, 124, 129. — Wilh. Gr. v. 333. Nauclerus (Verge), Joh., Geschichtsschreiber 108 f., 484. Necker, Jodocus, Abt v. Salmansweiler 141 f. Negelein s. Nagelin. Negker, Jost de, Holzschneider 127,131. Neideck, Georg v., B. v. Trient 69. Nero, K. 96. Nerva, K. 96. Nestor, Dionysius, Franziskaner 264. Neuenar, Hermann Gr. v., Humanist 438. Nikolaus V., P. 409, 457. — v. Cues 94, 104, 239 f., 458-60. — v. d. Flüe, Einsiedler 156, 158. — v. Lyra, Theolog 202. Nördlingen, BM. u. Rat v. 23, 261 f., 348 —50, 360 f., 367—70, 396—98, 406 —08, 468-70. Nogarola, Hieron. Gr. v. 253—57. — Isotta 253. — Leonardo Gr. v., S. d. Hieron. 255 f. Nürnberg, BM. u. Rat von 82,402 f., 465 Numenius v. Apamea, piaton. (pytha- gor.) Philosoph 480 f. König, Peutingers Briefwechsel Obsopoeus.Vincentius, Humanist 423 —25. Occo, Adolf, d. Ä., Augsburger Arzt 26, 60. -------d. J., Augsburger Arzt 427, 491. Oda,G.Zwentibolds V.Lothringen 281. Odaker, lothring. Gr. 281. Oecolampadius, Joh. 310, 323—25, 420, 438 f. Oeglin, Erhard, Augsburger Buchdrucker 130, 132, 135. Oehem s. Ehem. OnkelosChaldaeus.jüd.Schriftgelehrter 178. Opellius Macrinus, K. 96. Origenes 79, 160, 208, 214, 359, 479 -81. Orpheus 173. Osiander, Andreas, Nürnberger Prä- dikant 446. Otho, K. 96. — Joh., Augsburger Arzt 41. Ottheinrich v. Pfalz-Neuburg 492—94. Otto I., K. 92 f., 95, 98, 108, 216, 218. — II., K. 98, 216, 218. — III., K. 93; seine Grabschrift im Augsburger Dom 215 f., 221, 238 f. — IV., K. 94. — B. v. Freising, d. Geschichtsschreiber 84-86, 102 f., 217, 282, 485, 490. — H. v. Schwaben, Enkel K. Ottos I. 216, 218. Ovid 181, 191, 487. Packsche Händel 435 f. Palice, de la, französ. Feldherr 222. Palladius Rutilius Taurus Aemilianus 401, 410. Palmerius, Matthäus, Geschichtsschreiber 391. Pappenheim, Matthäus Marschall v., Domherr in Augsburg 51—54, 60, 83, 109. — Wilh.Marschallv.,Söldnerführer 15. Paul II., P. 226. 33 514 Register. Paulin, Augsburger Bote 363. Paulus, d. Apostel: die Frage seiner Ehe 78-81, 83,160 f., 195, 201—04. — Diaconus, Geschichtsschreiber 217, 255—57, 391. Paumgartner, Anton, Dompropst v. Brixen 12, 112, 184, 197, 199. — Hans, d.Ä., Augsburger Kaufmann 12, 121 f., 139—41, 184, 200, 226 f. 231, 238 f., 243 f., 477. — Hans, d. J., S. d. vor., Augsburger Kaufmann 477. — Hans Franz, Neffe Hans d.Ä. 357. Pelagius IL, P. 391 f. Peraudi, Raimund, B.v. Gurk 2 f., 5 f., 10. Perez, Jakob, B. v. Christopoli 380. Perotti, Niccolo, EB. v. Siponte 176, 264. Perreriis, Guil. de, Auditor der Rota 6-8. Persona, Christoph., Humanist 208. Pescennius Niger, K. 96. Peter v. Tarentaise (P. Innocenz V.), Theolog 202. Petrarca 408. Peutinger, Konrad, Stadtschreiber v. Augsburg: Familie: Vater (Konrad) 158, 354; Mutter (Barbara, geb. Frickhinger) 23, 145, 485; Schwester (Anna) 144; Gattin (Margareta, geb. Welser) 20, 24 f., 26, 39, 43, 77, 81, 116, 123, 129, 149, 152-58, 161, 172, 177, 189, 195, 199, 206, 225, 234, 237, 253, 307, 319, 322, 339, 355, 357, 359 f., 382, 428, 462, 474, 477, 482, 486, 494,497,498; Kinder: Christophorus 161, 340; Claudius Pius 116, 123, 125 f., 129, 149, 161, 201-03, 225, 318, 340, 366, 406, 420, 488, 493, 499; Felicitas 161; Johannes Chrysostomus 340, 481, 488; Juliane 24—26, 39, 43, 51, 55; Karl 341, 387, 392 f., 402, 412, 420, 428, 437 f., 486—88; Katharina 161; Konstanze 25, 136, 161, 302, 339-41, 403 f., 412, 470 f.; Regina 341, 428; Sabina 428. Äußeres Leben: Studienzeit in Padua (1482—86) 373; Doktorpromotion (1491) 11; Verheiratung (1498) 20; Gesandtschaftsreisen: Rom (1491) 1-12; Kaiserhof in Linz (1491) 12 f.; Wien (1493/4) 14 f.; RT. Lindau (1496) 32; RT. Worms (1497) 32 ;RT. Freiburg (1498) 16—19; Hoflager in Innsbruck (1502) 21; Regensburg (1502) 22; Hoflager in Innsbruck (1504) 46—48; Straßburg (1505) 73 f.; RT. Köln (1505) 55 f.; Freigrafschaft Burgund (1505) 55 f.; Hoflager in Wien—Klosterneuburg—Wiener-Neustadt—Eisenstadt —Graz (1506) 63—70, 86; BT. Ulm (1511) 139; Hoflager in Freiburg (1511) 139—41; Hoflager in Tübingen— Ulm(1511) 141 -44;Lands- hut(1512) 163—69; Hoflager Frankfurt—Tauberbischofsheim—Dinkelsbühl (1513) 225-31; geplante, nicht ausgeführte Gesandtschaft z. böhm. Landtag in Beneschau (1516/17) 285 —92; Hoflager in Brügge (1520) 325, 358; RT.Worms (1521) 330-53, 366, 378, 441; BT. Ulm (1522) 362—64; BT. Nördlingen (1522) 368, 370; RT. Nürnberg (1522) 368-74. Rücktritt vom Amt (1534) 470; Erkrankungen 397, 406, 470, 474, 486. Tätigkeit auf dem Felde vonWissen- schajt und Kunst: P.s Schriften (aiphabet.): Annotationes zu Apu- leius de herbis 235—37; Collec- tiones adversus anabaptistas391; In divi Pauli ap. raptum ... collectiones 440 f., 445 f.; In vertiginem scoto- miamque morbos . . . collectiones 406, 419; Epistola de nomine Au- Register. 515 gusto 94, 123, 126, 128 f., 136; Epist. Margaritae Wclseriae ad Christoph, fratrem 153-56,158,307; De Eucha- ristia 419 f., 440; Gutachten über die Kaiserwahl (1519) 367, 378; Gutachten über die Reform der Bettelorden 378; Gutachten über die Konstanzer Reformation 413; Gutachten über Modena u. Reggio 456; Super numismatis cuiusdam inscriptione Graeca 232, 240—42; Quorundam iuriscientia illustratorum Judicium 441—43; Kaiserbuch 25, 60 f., 62, 98, 102, 106, 113, 128, 133, 216 f., 258, 317, 319; De imperatoriae M«s praeeminentia 94; Sermones con- vivales 39-41, 53, 73-75, 78 f., 83, 100 f., 161, 179, 193 f., 444, 460. - P.s Ausgaben: Romanae vetu- statis fragmenta 25,59—62,153,258, 317, 321, 467; Inscriptiones vetustae Romanae 307, 319, 321, 467; Jor- danes und Paulus Diaconus 217, 253—57; Ligurinus 82—84, 86,109; Otto v. Freising (nur geplant) 85; Karte des Nikolaus v. Cues 104, 239 f., 458—60; Tabula Peutingeriana (nur geplant) 461. — Historisches und Philologisches in P.s Briefen 32, 41, 51—54, 75 f., 83-86, 92-96, 102, 106, 115 f., 175—77, 218, 235 f., 238, 241 f., 249, 254— 57, 278—84, 295, 318, 359, 390—92, 404,423,426,446—58,472,480—86, 489—94. — „Neue Zeitung" in P.s Briefen 26-31, 77, 82, 115, 117, 119 f., 129, 137, 221—24, 271, 472, 474 (vgl. auch seine Berichte an BM. u. Rat v. Augsburg, nach Nummern aufgezählt im 1. Register). — P.s Beteiligung an den literarischen und künstlerischen Unternehmungen K. Maximilians: Ehrenpforte 297; Freydall 270; Gebetbucli 226 f., 239, 265 f.; Genealogie 58, 65, 75 f., 127 f., 130, 134f., 169,266,278—84,293 f., 295 f.; Grabmal 286, 293 f., 296; Theuer- dank 227, 269 f., 411 f.; Triumphzug 270; Weiflkunig 269—71. — P.s Antikenbesitz 232, 307. — P.s Bibliothek (Erwerbung und Besitz v. Handschriften und Büchern usw.) 24—26, 86, 102,104,115f., 145,181, 201, 217f., 225, 229, 232, 234, 238, 246, 296, 306 f., 323, 340, 366 f., 378 f., 380, 417 f., 423, 445, 449-54, 457, 473, 477-79,483,488,500. - P. s M ü n z - Sammlung 60, 128, 131, 133 f., 169-72, 225, 240-42, 359, 448 f., 493.— P. und die Augsburger Buchdrucker 61 f., 82—84, 97— 99, 124 f., 130, 133, 135, 226 f., 260, 269 f. — P. und die Augsburger Maler und Holzschneider 97 —99, 122, 127 f., 130, 138, 169, 227, 270 f., 293—95. — P. und die Musik 321 f.— P.gewidm eteSchrif- ten 107, 117, 172, 257, 263, 360, 364, 423, 429, 458, 497. Stellung zu den kirchlichen Fragen der Zeit: Kritik an Zuständen und Personen in Kirche und Theologie 9, 83, 101, 174 f., 207 —09, 212-15, 251, 310, 373, 445. — HaltunggegenüberLutherund den kirchlichen Neuerungen 136, 335—38, 340, 373,378 f., 382— 84,388—90,394—400,413—17,465, 470; Standpunkt in der Abendmahlsfrage 419, 445 f. P. als Rechtsberater 23, 219, 304, 348-50, 361 f., 382—84, 388-90, 394—400, 406-08, 413—17, 470. P. als Sachwalter des Augsburger Handels 46—48,50, 130 f., 139—44, 243 f., 250 f., 273, 297 f., 331 f., 345, 373 f.; P. und die Zinsfrage 250 f., 310 f. 33* 516 Register. Pfefferkorn, Joh. 177, 210 f., 216. Pfeffinger, Degenhard, kursächs. Rat u. Kämmerer 97, 185, 210, 214, 238 f. Pfintzing, Melchior, Propst v. St. Sobald in Nürnberg 185, 293, 411. Phalaris 96. Philippus Arabs, K. 96, 170 f. -------Mitkaiser, S. d. vor. 92. Philipp v. Schwaben, K. 484. — I. d. Schöne, Erzh., dann K. v. Ka- stilien 46-48, 91, 313. — IL, K. v. Spanien 421. — Landgr. v. Hessen 333, 462—66, 469, 471. — KF. v. d. Pfalz 19, 82. — Pfalzgr. bei Rhein, B.v. Freising 169. Phokas, K. 97. Piccolomini, Francesco, Kard. 3 f., 7, 10; s. auch Pius III., P. Pico della Mirandola, Giovanni 33, 72, 214, 481. — Giov. Francesco 72—74,172 f., 214. Pinicianus, Joh., Humanist 135—37, 263—65, 340, 410. Pippin, K. 93 f. Pirckheimer, Willibald 23, 55, 73, 87, 238, 257, 287, 325, 375, 387, 392, 402-04, 420, 437—41, 444 f. Pius IL, P. 457 f. — III., P. 96. Planitz, Hans v. d., kursächs. Rat 376. Piatina, Barthol., Geschichtsschreiber 392. Plato 105 f., 249, 260 f., 443, 480 f. Plinius d. J. 107, 176—78, 340, 408, 487. Plitterschwigk s. Blitterswich. Plockenbusch, Matthias, Ges. Lübecks in Worms (1521) 352. Poliziano, Angelo, Humanist 155, 491. Pommersfelden, Martin Truchseß v., Domherr in Würzburg 152. Pompeius Magnus 96. Praitschwert, Lukas, kais. Sekr. 276. Preins s. Pyennes. Prenninger (Uranius), Martin, Humanist 315. Primberger, Mahusch, „tapisier" K. Maximilians 75. Probus, K. 96. Proclus, neuplaton. Philosoph 173. Procopius v. Caesarea, Geschichtsschreiber 217. Proculus, Gegenkaiser 96. Prosper v.Aquitanien, altchristl.Schriftsteller 214. Prudentius, altchristl. Dichter 214, 477. Ptolemaeus 438, 449 f. Puchaimer, Philipp, kurmainz. Leibarzt 449. Pyennes, Seigneur de 222. Pythagoras 195. Quintüian 432. Raitenau, Joh. Rudolf v., Fürstabt v. Kempten 106. Ratbod, EB. v. Trier 282 f. Ratdolt (Ratold), Erhard, Augsburger Buchdrucker 61 f. Ravensburg, BM. u. Rat v. 219 f. Ravenspurger, Gilg, Augsburger Goldschmied 14. — Leo, Stiefbruder P.s 145, 292. — Lukas, d.Ä., Augsburger Kaufmann, Stiefvater P.s 13 f., 20, 145. — Lukas, d. J., Schwager P.s 144. Reginar, lothring. Gr. 280. Regino v. Prüm, Geschichtsschreiber 217, 279, 283. Regiomontanus, Joh. 267, 450. Rehlinger, Augsburger Kaufmannsfamilie: — Bernhard 50, 54 f. — Hans 142. — Jakob 11. — Johannes, Jurist 77, 262, 350 f., 369-72, 406, 422. — Ulrich (1436) 485. — Ulrich, BM. v. Augsburg (1522 u. ö.) 357, 369 f, 372, 483, 485. Register. 517 Rem, Augsburger Kaufmannsfamilie: — Aegidius,Kurialel86f., 196—98, 237, 239, 304, 318 f. — Anton 182, 186, 243. — Bartholome 332, 341 f., 346, 348, 354-57. — Endres 355. — Hans, Br. d. Barth. 355 f. -------Br. d. Endres 355. — Lukas 372. — Wilhelm 355. Renner, Hans, kais. Rat 271. Reuchlin, Dionysius, Br. d. Joh. 315. — Joh. 19—21, 24 f., 78-81, 104 f., 107 f., 119, 160, 174-78, 180, 195, 202, 203, 207, 210-14, 252 f., 311, 315, 320, 325, 496. Reuter, Konrad, Abt v. Kaisheim 439 f., 445 f. Reysacher, Dietrich, Assessor am Kammergericht 123 f., 125 f., 128 f., 136, 140. Reysmüller, Hans, Augsburg. Steuerschreiber 476. Rhenanus. Beatus 193 f., 201, 203, 207 — 09, 213, 217, 224, 229 t, 233, 237, 310, 367, 405, 408, 449, 476-82. Riario, Rafael, Kard. 185. Ridler, Simon, Benediktiner 191. Riedler, Anna, G. d. Konrad Fuchs 132. Ringmann (Philesius), Matthias, Humanist 73 f. Robert I., K. v. Frankreicli 93. Röttinger, Paul, Ges. Nördlingens in Nürnberg (1522) 370. Roger II., K. v. Sizilien 93. Rorbach, Christoph v. 287, 289. — Sigmund v., Reichshauptmann v. Regensburg 21 f., 137. Rosenberg, Jörg v. 43. Rot, Konrad v., k. Forstmeister in Burgau 67, 372. Rotenhan, Sebastian v., Humanist 462. Rotwil, Hans Willi, v., Straßburger Ges. auf Reichstagen 32, 77. Rudolf v. Habsburg, K. 94. — F. v. Anhalt 69. Rufinus, Kirchenhistoriker 209. Ruprecht, Pfalzgr. bei Rhein 27—29, 31, 43. Sabellicus, M. Antonius, Geschichtsschreiber 24, 256, 429. Sabine v. Baiern, G. Ulrichs v. Württ. 274. Sabinianus „haereticorum fautor" 246. Saladin, Sultan 84. Salisbury, Joh. v. 51. Sallust 234. Salomon III., B. v. Konstanz 283. Salonina, G. d. K. Gallienus 171. San Severino, Galeazzo di 23, 223. Saulauf, Balthasar 135. Savelli, Giov. Batt., Kard. 3 f., 7, 10. Sayler s. Seyler. Schad, Joh., kais. Rat 276. Schappeler, Christoph, Prediger in Memmingen 382-86,388-90,394 f., 399—401. Scherfenberg, Hans v. 287, 289. Scheurl, Christoph, d. Ä., Faktor d. Nürnberger Welser 299. -------d. J., S. d. vor., Ratskonsulent v. Nürnberg 298 f., 320, 329, 460— 62; seine G. Katharina, geb. Fütterer 461. Schilling, Joh., Franziskaner 399 f. Schlettstadt, Rat v. 405. Schleupner, Dominikus, Nürnberger Prädikant 446. Schlick, Christoph Gr. v., stud. iur. 379 f. Schocffer, Joh., Mainzer Buchdrucker 321. Schöner, Joh., Mathematiker u. Astronom 375 f., 459. Schönsperger, Joh., d.Ä., Augsburger Buchdrucker 130, 132, 226 f., 270. Schultz, Berniiard, Speirer Apotheker 129. Schott, Peter, Humanist 4, 150 f. 518 Register. Schretl s. Schröttl. Schröttl (Schrüttel, Schretl), Georg, Jurist 14 f. Schrofenstein, Christoph v.,B. v.Brixen 152. Schrott, Joh., Abt v. St. Ulrich in Augsburg 191, 240, 392, 409 f., 428. Schürer, Matthias, Straßburger Buchdrucker 74. Schütz, Jakob, v. Traubach 405. Schultheiß, Hans, Memminger Ges. in Nürnberg (1524) 384 f. Schwäbischer Bund s. Bund. Schwäb.-Hall, Rat von 82. Schwarzenberg, Christoph v. 341. Schwerer, Hans, Leibharnischmeister K. Maximilians 126 f., 132. Scintilla s. Funck. Scipio 96. Sedulius, altchristl. Dichter 214, 477. Seitz, Simon, Augsburger Kaufmann 58, 377 f. Selim L, Sultan 224. Senfl, Bernhard 323. — Ludwig, S. d. vor., Musiker 322 f. Septimius Severus, K. 96. Serntein, Cyprian v., Tirol. Kanzler 29, 40, 67, 121 f., 124, 131-33, 138, 142 f., 145 f., 158 f., 162, 182, 185 f., 242—45, 252, 262, 271-73, 276 f., 289, 297. Seyler (Sayler), Hans, v. Kempten, Diener d. Welser 47, 49. Sforza s. Bianca Maria, Francesco, Ludovico Moro, Massimiliano. Sickingen, Franz v. 261, 275, 320, 345, 369. Siebenberger s. Transsilvanus. Siegfried IL, B.v. Augsburg (1077—96) 485. Sigharter, Jörg, Pfleger v. Freistadt (Ob.-Öst.) 289. Sigismund, K. v. Polen 289. Simler, Georg, Humanist 177, 496. Simonides vonKeos, griech.Dichter 312. Simprecht, B. v. Augsburg 12—14. Sixtus IV., P. 1, 96, 115, 182, 188. Sodalitas literaria Augustana 22, 26, 41, 51, 60 f., 83, 306, 321, 360. Soiter v.Windach, Melchior, Jurist, G. d. Konstanzc Peutinger 404, 412, 470—72; seine Söhne Melchior 472 und Michael Gabriel 471. Soliman IL, Sultan 357. Som, Josue de, Gr. v. Temesvar 68 f. Sonnenberg, Hans Gr. v. 29. Spalatin, Georg 214—18, 238 f., 338, 376. Speciano, Giov. Batt., Geschichtsschreiber 461. Speier, Rat von 354. Spengler, Lazarus, Stadtschreiber v. Nürnberg 383, 385, 446. Sperantius (Sprenz, Sprenzer), Sebast., kais. Sekr. 169. Spiegel, Jakob, kais. Sekr., dann Rat 294, 303, 310, 477, 479, 482. Spießheimer s. Cuspinianus. Sprenz (Sprenzer) s. Sperantius. Stabius, Joh., kais. Historiograph 255, 270, 295, 297, 303, 330 f. Stadion, Christoph v., Domherr, dann B. v. Augsburg 189, 298, 344, 383 -85, 388 f., 394-96, 398 f., 421. Stefan IL, P. 93. — lothring. Gr. 281 f. Stein, Gregor v., Domherr in Augsburg 206. — Marquard v., Dompropst v. Bamberg 83, 109, 206. Stella, Erasmus, Arzt u. Geschichtsschreiber 298. Stembeg, Kaspar, Sekr. d. EB. Ernst v. Magdeburg 98. Stern (Stör), Georg, Augsburger Goldschmied 122, 133, 138, 146. Stiborius (Stöberl), Andreas, Mathematiker 365. Stöcklin, Stefan, Augsburger Bote 344. Stöffler, Joh., Astronom 386. Register. 519 Stöfler, Balthasar, Augsburger Wundarzt 135. Stör s. Stern. Strabo 256. Straßburg, Rat von 77, 301, 445, 466. Strauß, Paul, Priester in Nördlingen 396 f. — Ulrich, AllBM. v. Nördlingen 23. Streler, Joh., Richter d. Schwab. Bundes 315. Streng 133. Strigel, Bernhard, Memminger Zunftmeister 394. Stroband, Christian, Faktor d. Welser in Danzig 148. Stromer v. Auerbach, Heinrich, kur- mainz. Leibarzt 303. Stubenberg, Kaspar Frh. v. 276 f. Stürzel, Konrad, k. Kanzler 15. Suchten, Christoph v., Kuriale 148. Suetonius 124. Suiter, Hans, Faktor d. Fugger in Innsbruck 42. Sulpitius Severus, Geschichtsschreiber 214. Sunthelm, Ladislaus, Historiograph K. Maximilians 26, 83, 238, 282. Tacitus, K. 96. — Geschichtsschreiber 359, 361. Tageno, Geschichtsschreiber 306,417 f. Tarquinius Superbus, K. 96. Tassis (Taxis), Baptista de, Hofpostmeister K.Maximilians 121,146,159. — Franciscus de, Niederländ. Generalpostmeister 159. Terentius, Dichter 497. Tertullianus 208, 214. Tetzel, Anton, Nürnberger Patrizier 55. Theodoret v. Cyrus 481. Theodosius 1., K. 92. — IL, K. 92. Theophylactus, EB. v. Achrida 359. Thüngen, Konrad v., B. v. Würzburg 335. | Tiberius, K. 96, 317 f. Tirol, kais. Herold 163 f. — Regiment von 243 f., 297 f., 307 -09. Titus, K. 96. Törring, Adam v. 43, 287. Tolophus (Dolhopf), Janus 26. Tortello (Tortellius) Giovanni, Humanist 51, 176, 180, 264. Traian, K. 92, 96. Transsilvanus (Siebenbergcr), Max., kais. Sekr. 348, 377. Trapezuntius, Georgius, Humanist 107. Trebatio, Bernardino, Humanist 257 —60. Treher, Jodocus, Abt v. Roggenburg 162. Treibenreif s. Tritonius. Trcitzsaurwcin, Marx 411 f. Trithemius, Joh. 86—88, 156, 295. Tritonius, Petrus, Humanist u. Musiker 112. Trutvetter, Jodocus, Theolog 299. Türken 165, 224, 226, 232, 301, 305 f., 314, 331, 334 f., 357, 369, 371, 427, 471 f., 474. Tungern, Arnold v., Theolog 212. Tuntzel, Peter, Stadtschreiber v. Nördlingen 20. Ulm, Rat von 273, 397 f., 465. Ulrich, hl., B. v. Augsburg 218. — H. v. Württemberg 31, 108, 272, 274 f., 343, 350, 469. Uota, G. K. Arnolfs 202. Uranius (Prenninger), Martin, Humanist 315. Valens, K. 92. Valentinus Moravus (Fernandez), Handelsagent u. Buchdrucker 56—59. Valerianus, K. 96. Valla, Lorenzo 213, 224. Vandegina, Bastard v. 222. Varro, M. Terentius 264. 520 Register. Vasco da Gama 58. Vegetius 427. Vehus, Hieron., bad. Kanzler 338. Venedig, Signorie (Doge) 38, 42, 45, 77, 82, 90, 109-11, 120, 130, 139 f., 142 f., 145, 149, 163—68, 190, 243 —45, 312, 345 f. Ver, Albrecht, kais. Kanzleibeamter 162. Vergil 487, 497. Vespasianus, K. 96. Vetter, Georg, BM. v. Augsburg 363, 368 f. Villinger, Jakob, kais. Schatzmeister 42,49,122,143,169,227,269,274 f., 288—92, 296, 300, 326, 346, 355, 377, 422. Vinsterwalder, kais. Sekr. 226, 293. Vitellius, K. 96. Vitruvius 427. Vögelin, Augsburger Patrizierfamilie 485. Vöhlin, Memminger Kaufmannsfamilie 494. — Konrad 383. — (Felin, Fechlin), Lukas, Priester in Memmingen 494 f. Vogel, Georg, kais. Kammerbeamter 226, 374, 376. Vogelmann, Ludwig, Altstadtschreiber v. Memmingen 399. Vogt, Wolf gang, kais. Sekr. 121 f. Volckamer, Klemens, Nürnberger Patrizier 440. Volusianus, K. 171. Waldburg, Willi, u. Georg Truchseß v. 219. Waldenser 337. Waldkirch, Bernhard v., Domherr in Augsburg 41, 60. Waldner, Joh., kais. Protonotar 15. Walter, Hieron., Ratsherr u. Faktor d. Welser in Leipzig 378—80, 445. Wanner, Ulrich 117 f. — Augsburger Stadtdiener 117 f. Weiden, Ernst v., kais. Rat 132. Weif IV. 485. Welser, Augsburger Patrizierfamilie: Älteste Geschichte 482—86. — Augsburger Handels- u. Bankhaus 46—48, 58,130 f., 140, 243—45,289, 292, 297—99, 308 f., 339, 353, 377 —79,402. — Auswärtige Faktoreien : Antwerpen 46, 481; Danzig 148; Köln 63; Leipzig 378—80; Lissabon 58; Mainz 63. — Nürnberger Handels- u. Bankhaus 461. — Andreas, S. Bartholomes V. 488. — Anton, d.Ä., S. Lukas d.Ä., Schwiegervater Peutingers 20, 45—50, 58, 63,76, 130 f., 133, 146, 150 f., 181 — 86, 188, 196 f., 199, 205 f., 243—45, 289, 291, 299, 308. -------d. J., S. d. vor. 488, 494 f. -------S. Antons d. J. 488. — Bartholome I., BM. v. Augsburg (1330) 484. ------- IV. 26. ------- V, S. Antons d. Ä. 308 f., 339, 377, 379 f., 402 f., 414, 422, 488. -------VI., S. d. vor. 488. — Christoph, S. Antons d. Ä., Kurialc, dann Dompropst v. Regensburg 47, 60, 146-53, 172, 181—89, 193— 200, 204—06, 252 f., 488. -------S. Barth. V. 488. — Hans, S. Barth. IV. 26. -------S. Jakobs I., BM. v. Augsburg (1537) 482-86. -------S. Barth. V. 488. — Hieronymus, S. Barth. IV, BM. v. Augsburg (1506) 63—70. — Jakob I., d. Ä., S. Lukas d. Ä., Gründer der Nürnberger Linie 482 —86. — Katharina, geb. Vöhlin, G. Antons d.Ä. 150. — Lienhard, S. Barth. V. 488. — Lukas, d. J., S. Lukas d. Ä. 20. Register. 521 Welser, Magdalena, T. Peters, Q. Sigmund Grimms 322. — Margareta, T. Antons d. Ä., G. Peu- tingers, s. Peutinger. — Markus, d. Ä., S. Antons d. J. 488. •------ S.d. Matthäus, der Historiker 461. — Matthäus, S. Antons d. J. 488. — Peter, S. Barth. IV. 322. — Ursula, T. Antons d. Ä., G. Anton Rems 182. Werdenberg, Joh. v., B. v. Augsburg 1, 216. Westerstetten, Ulr. v., DomherrinAugs r bürg 4, 8 f. Westner, Stefan, kais. Sekr. 269, 271, 286, 292-96. Widenmann, Hans, Augsburger Bote 227. Wied, Hermann v.,EB.u.KF.v.Köln479. Wiedemann, Leonhard, Abt v. Otto- beuren 100-02, 104 f., 107, 113 f., 119, 207. Wien, Universität 319 f. Wigold (Wingold), B. v. Augsburg 485. Wiklif 337. Wild, Marx, in Speier 353 f. Wilhelm IV., H.v. Baiern 163—69,251, 274 f., 341, 464—66. - III., H. v. Jülich u. Berg 64, 69. Williram, Abt v. Ebersberg 381,430-33. Wimpfeling, Jakob 78, 201, 203,310, 363. Winderl (Wunderl), Sebastian, Licen- tiat 320. Wingfield, Rieh., engl. Ges. 348. — Robert, engl. Ges. 142. Wingold,B.v.Augsburg, s. Wigold 485. Wirsung, Marx, Augsburger Kaufmann 322. Wirt, Wigand, Dominikaner 78, 83, 117, 161. Wladislaw IV, K. v. Böhmen u. Ungarn 3, 10, 288 f. Wolf, Heinrich, Nürnberger Kaufmann 49. Wolf, Thomas d.Ä., Kan. v. Alt St. Peter in Straßburg 78, 147. -------d. J., Neffe d. vor., Humanist 73 f., 100. — v.Wolfstal, Balthasar, kais. Kammermeister 49, 55. Wolfart s. Wolfhart. Wolfgang, H. v. Baiern-München 27 f., 142 f. Wolfhart, Bonifaz, Augsburger Prä- dikant 473 f., 490 f. Wolfstein, Wilhelm v. 275. Wolkenstein, Michael v. 166. — Veit v., kais. Rat 15. Worms, Rat von 228, 354. Wormser, Bernhard, Straßburger Ges. in Nürnberg (1522) 371. Wunderl s. Winderl. Ypphover s. Iphofer. Zacharias IL, P. 93. Zämesser, Bote Peutingers 412. Zäsi, Katharina, T. d. Ulrich Zasius, G. d. Georg Funck 310. Zasius (Zäsi), Ulrich 73 f., 100, 309 — 11, 363, 420, 441, 470 f. Zeller, Willibald, Propst v. Solnhofen 475 f. Zeno, K. 391 Ziegler, Niklas, kais.Sekr., dann Reichsvizekanzler 194,262 f., 285, 292, 300, 330, 344—46, 354, 356. — Paul, Bruder d.vor., B.v.Chur 194. Zollern,EitclfritzGr.v.,kais.Rat69,142. — Friedrich Gr. v., B. v. Augsburg 1, 5, 12, 28. Zoth 39. Zwackauf, Christoph 475. Zwentibold v. Lothringen, S. K. Arnolfs 278—84, 293. — H. v. Mähren 279-81, 283. Zwick, Konrad, Konstanzer Ratsherr 413 f. Zwingli, Huldreich 438. 522 Register. 4. Register der Zitate aus griechischen und römischen Klassikern. Aristophanes, Equites 322. Aristoteles, De re publ. 101. Ausonius, Epist. 179. Caesar, Bell. Gall. 52, 110, 179 f. Cicero, Cato maior 430, 479, 499; — Epist. ad Att. 93; ad fam. 326; — Or. pro Murena 210; — De oratore 86, 208, 295. Claudianus, De consul. Stilichoiiis 314. Qellius, Noctes Att. 425. Hesiodus, Opera et dies 157, 425. Homerus, Ilias 194, 432. Horatius, Carm. 35, 341; — Epist. 172, 235; — Serm. 315. Itinerarium Antonini 449—51. Justinus, Epitoma hist. Pompei Trogi 52 f. Juvenalis 36 f., 175, 180. Lampridius, Heliogab. 313. Livius 32, 52 f., 257, 448. Lucanus 33, 36, 110. Lucianus, Nigrinus 234. Lucretius 35. Macrobius, Saturnalia 171, 432, 491. Martialis 176. Ovidius, Met. 312. Persius 210, 361. Phocylides 315. Pindarus, Ol. 434. Plato, Phaedo 479f.; — Respubl.487; — Convivium 434; — Timaeus 430. Plautus, Captivi 431; — Persa 313. Plinius See, Nat. hist. 52—54, 78,156, 175, 450 f., 455. Plutarchus, Camillus 52; — Marcellus 426 f.; — Nicias 328. Seneca, De benef. 34, 324; — Epist. 33, 41. Sophocles, Aiax 170. Strabo 52 f., 179, 448 f., 454. Suetonius, Augustus 170, 449. Tacitus, Germ. 52. Valerius Maximus 52 f., 171. Vergilius, Aencis 37, 173. — Georgica 316. ABKÜRZUNGEN UND SIGEL Abh. München = Abhandlungen der Kgl. Bayer. Akademie der Wissenschaften. Histor. Klasse. ADB = Allgemeine deutsche Biographie. 56 Bde. 1875—1912. PI.Braun, Notitia historico-literaria de codieibus manuscriptis in bibliotheca... monasterii... ad SS. Udalricum et Afram Augustae extantibus. Vol. 4.1793. Brief Wechsel des BeatusRhenanus. Gesammelt und hrsg. von A.Horawitz und K. Hartfelder. 1886. Der Briefwechsel des Conradus Mutianus = K. Gillcrt, Der Briefwechsel des Conradus Mutianus. 1890. (Geschichtsqucllen der Provinz Sachsen. Bd. 18.) A. Buff, Rechnungsauszüge, Urkunden und Urkundenregesten aus dem Augsburger Stadtarchive, in: Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des allerh. Kaiserhauses. Bd. 13. Wien 1892. Teil 2 S. I—XXV. ChDSt = Die Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert. (Namentlich Bd. 23: Augsburg Bd. 4. Die Chronik von Clemens Sender. Hrsg. von F. Roth. 1894.) Clarorum virorum epistolac Latinae, Graecae et Hebraicae variis tem- poribus missae ad loannem Reuchlin Phorcensem, legum doctorem. Tubingae per Thomam Anshelmum Badensem. Mensemartio anno 1514. J.Dierauer, Geschichte der schweizerischen Eidgenossenschaft. Bd. 2. 2. Aufl. 1913. (Allg. Staatengeschichte. I. Abt. Geschichte der europäischen Staaten. 26. Werk.) DRTA s. RTA. R. Ehrenberg, Das Zeitalter der Fugger. Geldkapital und Creditverkchr im 16. Jahrhundert. 2 Bde. 1896. K. Eubel, Hierarchia catholica medii aevi. Vol. 2. 1901. FRC = Frankfurts Reichscorrespondenz nebst andern verwandten Aktenstücken von 1376—1519. Hrsg. von J. Janssen. 2. Bd., 2. Abt.: Aus der Zeit Kaiser Maximilians I. (1486—1519). 1872. L.Geiger, Johann Reuchlin. Sein Leben und seine Werke. 1871. K. Haebler, Die überseeischen Unternehmungen der Welser und ihrer Gesellschafter. 1903. L. Hain, Repertorium bibliographicum ad ann. 1500. 4 Bde. 1826—38. J. N. Frh. v. Harpprecht, Staatsarchiv des kayserl. und des H. Rom. Reichs Cammergerichts. 5 Bde. 1757—69. Th. Herberger, Conrad Peutinger in seinem Verhältnis zum Kaiser Maximilian I.. in: 15. und 16. Jahresbericht des Histor. Kreis-Vereins für Schwaben und Neuburg. 1851. H. Hurter, Nomenciator literarius theologiae catholicae. Tom. 2. 2. Aufl. 1906. Janssen-Pastor = J. Janssen, Geschichte des deutschen Volkes seit dem Ausgang des Mittelalters. Bd. 1—3. 19. und 20. Aufl., besorgt durch L. v. Pastor. 1913—17. 524 Abkürzungen und Sigel. JKSK = Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des allerli. Kaiserhauses. Wien 1883 ff. Illustrium virorum epistolae Hebraicae, Graecae et Latinae ad Ioannem Reuchlin Phorcensem virum nostra aetate doctissimum diversis tem- poribus missae. Hagenoae ex officina Thomae Anshelmi. Anno incarna- tionis Verbi 1519 mense maio. P. Joachimsen, Geschichtsauffassung und Geschichtschreibung in Deutsch land unter dem Einfluß des Humanismus. 1. Teil. 1910. (Beiträge zur Kulturgeschichte des Mittelalters und der Renaissance. Heft 6.) P. Kalkoff, Der Wormser Reichstag von 1521. Biographische und quellenkritische Studien zur Reformationsgeschichte. 1922. K. Klüpfel, Urkunden zur Geschichte des Schwäbischen Bundes. 2 Bde. 1846. 1853. (Bibl. des Lit. Vereins in Stuttgart. Bd. 14 und 31.) E. König, Peutingerstudien. 1914. (Studien und Darstellungen aus dem Gebiete der Geschichte. 9. Bd. 1. und 2. Heft.) Lotter-Veith = Historia vitae atque meritorum Conradi Peutingeri iuris- consulti Augustani. Post Io. Ge. Lotterum ... ed. Fr. A. Veith. 1783. MGH od. MG = Monumenta Germaniae historica. Migne PG = J. P. Migne, Patrologiae cursus completus. Series Graeca. — PL = J. P. Migne, Patrologiae cursus completus. Series Latina. G.W.Panzer, Annales typographici. 11 Bde. 1793—1803. L.V.Pastor, Geschichte der Päpste. Bd. 2. 3. u. 4. Aufl. 1904.— Bd. 3. 3. u. 4. Aufl. 1899.— Bd. 4. l.Abt. 1906; 2. Abt. 1907. — Bd. 5. 1909. Pauly-Wissowa, RE = Paulys Real-Encyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Neue Bearbeitung, begonnen von G. Wissowa, unter Mitwirkung zahlreicher Fachgenossen hrsg. von W. Kroll. 1893 ff. RE = Realenzyklopädic für protestantische Theologie und Kirche. Begründet von J. J. Herzog, 3. Aufl., hrsg. von A. Hauck. 24 Bde. 1896—1913. J.Reuchlins Briefwechsel, hrsg. von L.Geiger. 1875. (Bibl. des Lit. Vereins in Stuttgart. Bd. 126.) F. Roth, Augsburgs Reformationsgeschichte. 4 Bde. (Bd. 1 in2. Aufl.) 1901-11. RTA = Deutsche Reichstagsakten. Jüngere Reihe. Bd. 2—4, bearb. von A. Wrede. 1896-1905. SB München = Sitzungsberichte der Bayer. Akademie der Wissenschaften. Philos.-philol. und histor. Klasse. SB Wien = Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Philos.-histor. Ciasse. Ch. Schmidt, Histoire litteraire de l'Alsace ä la fin du XV<> et au commen- cement du XVIe siecle. 2 Bde. 1879. A. Schröder, Der Humanist Veit Bild, Mönch bei St. Ulrich. Sein Leben und sein Briefwechsel. In: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg Bd. 20. 1893. H. Simonsfeld, Der Fondaco dei Tedcschi in Venedig und die deutschvenezianischen Handelsbeziehungen. 2 Bde. 1887. J. Strieder, Zur Genesis des modernen Kapitalismus. Forschungen zur Ent- Abkürzungen und Sigel. 525 stehung der großen bürgerlichen Kapitalvermögen am Ausgange des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit, zunächst in Augsburg. 1904. H. Ulmann, Kaiser Maximilian I. Auf urkundlicher Grundlage dargestellt. 2 Bde. 1884. 1891. Welser = Die Welser. Des Freiherrn Jon. Mich. v. Welser Nachrichten über die Familie für den Druck bearbeitet (von L. Frh. v. Welser). 2 Bde. 1917. Zapf = Conradi Peuttngeri Sermones convivales de mirandis Germaniae anli- quitatibus . . . ed Georgius Guil. Zapf. 1781. ZHVSch = Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg. LB = Landesbibliothek. j StA = Stadtarchiv. LRA = Landesregicrungsarchiv. i StB = Stadtbibliothek. OA = Bischöfl. Ordinariatsarchiv. | StsB = Staatsbibliothek. Clm = Codex Latinus Monacensis. | Hs = Handschrift. Über die in den Texten der Briefe verwendeten Abkürzungen siehe die Einleitung. NACHTRÄGE UND BERICHTIGUNGEN S. 3 Anm. 6: Auch bei Konrad Celtis, Norimberga cap. 3 findet sich „Padua" in der Bedeutung Baden-Baden; vgl. A. Werminghoff, Conrad Celtis und sein Buch über Nürnberg (1921) S. 113. S. 17 Anm. 3: Einen Bericht Peutingers vom Freiburger Reichstage an die Räte der von ihm gleichfalls vertretenen Städte Rothenburg o. d. T., Schwäb.-Hall, Heilbronn und Wimpfen, vom 15. Juni 1498, siehe im ,Ur- kundenbuch der Stadt Heilbronn«, bearb. von M. v. Rauch, 2 (1913) S. 629 ff. Nr. 1805. Er trägt ebenso wie das ebd. S. 610 Nr. 1778 veröffentlichte Schreiben Peutingers vom 2. Febr. 1497 an Michel Senfft, Städtmeister von Schwäb.-Hall, vom Reichstage von Lindau rein geschäftliches Gepräge. Das Gleiche gilt auch von dem im 3., 1916 erschienenen Bde des genannten Werkes — auf dessen Reichtum an Korrespondenzen ich erst nachträglich aufmerksam geworden bin — abgedruckten Briefe des Stadtschreibers an den Rat von Heilbronn vom 3. Juni 1504 (S. 81 Nr. 1971) und größtenteils auch von dem an den dortigen Bürgermeister Konrad Erer vom 12. April 1510 (S. 270 Nr. 2198), aus dem nur die „Neue Zeitung" vom venezianischen Kriegsschauplatz hier Erwähnung verdient. S. 47 Anm. 2 und S. 57 Anm. 2: Ober den Verlauf der Indienfahrt der Augsburger vgl. noch F. Hümmcrich, Die erste deutsche Handelsfahrt nach Indien 1505/6 (1922). S. 59 Zeile 8 v. u. und S. 61 Zeile 11 v. o. ist zu lesen: München StsB. S. 61 f. und S. 75 Anm. 3: Über den hervorragenden Augsburger Buchdrucker Erhard Ratold vgl. Die liturgischen Druckwerke Erhard Ratdolts aus Augsburg 1485—1522. Typen-und Bildproben mit Einleitung und Erläuterungen hrsg. von K. Schottenloher (Sonder-Veröffentlichungen der Gutenberg- Gesellschaft 1. 1922) S. IVf. Daß Peutingcr auch später noch in Beziehungen zu ihm stand, beweist das ebd. S. 67 besprochene und durch Bildproben vertretene Reimoffizium „Historia horarum canonicarum de s. Hieronymo et s.Anna" von 1512, um dessen Drucklegung sich der Stadtschreiber laut einem an ihn gerichteten Hexastichon des Tübinger Humanisten Joh. Bras- sicanus (Vaters des Absenders von Brief Nr. 197) besondere Verdienste erworben hat. S. 115 Zeile 3 v. o. lies: Römer. S. 123 Nr. 75: Über Dietrich Reysacher vgl. O. Rieder, Die Familie von Reisach (1913) S. 13 ff. (S.-A. a. d. Neuburger Kollektaneenblatt 1911). S. 175 Anm. 6 lies: Plinianae. S. 181 Zeile 4 v. o.: Acropolitanus nennt sich Veit Bild nach seinem Geburtsorte Höchstädt a. D. S. 185 Anm.3 Zeile3f.: Der hier genannte praepositus Nurmbergensis ist wahrscheinlich Melchior Pfintzing, Propst von St. Sebald in Nürnberg, damals Sekretär in der kaiserlichen Kanzlei. S. 186 Anm. 2 Zeile 5 v. u. lies statt Nr. 188: Nr. 190. Nachträge und Berichtigungen. 527 S. 188 Anm. 2: Über Joh. Layman vgl. auch A. Schröder im Arch. f. d. Gesell. d. Hochstifts Augsburg 5 (1916—19) S. 443 ff. S. 231 Zeile 5 v. o. lies: ligen. Zu S. 234 Zeile 14 v. o.: Über den aus Verona stammenden Geschichtsschreiber Paolo Emilio (c. 1460—1529), den Verfasser einer unvollendet gebliebenen Geschichte Frankreichs (De rebus gestis Francorum), vgl. P. S. Allen, Opus epist. Erasmi 1 S. 315 f. Anm. S. 352 Zeile 16 v. o. lies: tribulacione. S. 391 Zeile 6 v. o. lies: Mamertus. S. 417 und S. 423 ist bei den Briefen Nr. 264 und 267 versehentlich der erste Druckort nicht angegeben: E. Frh. v. Oefelc, Oberbayer. Archiv 44 (1887) S. 20. S. 461 Anm. 1: Erasmus Fütterer war nach einer gütigen Mitteilung des Bayer. Staatsarchivs Nürnberg ein Sohn Ulrich Fütterers, also ein Schwager Christoph Scheurls; er war geboren i. J. 1505 und starb am 21. Mai 1551 „in der fremd", vermutlich in Italien. S. 477: Anm. 8 ist zu streichen. ß > ■ 1*.** i