An Valentin Eber. 1 1491 Juli 31. Rom.
Berichtet von seiner Ankunft in Rom und den mit RaimundPeraudi und Dr. Paul Koler unternommenen vergeblichen Be-mühungen, in der Streitsache der Stadt Augsburg gegen Bischofund Domkapitel wegen Ausschluß der Bürgersöhne die maß-gebenden Persönlichkeiten an der Kurie von der Berechtigungdes städtischen Standpunkts zu überzeugen oder wenigstens eineweitere Vertagung des Prozesses zugunsten eines nochmaligenkaiserlichen Vermittlungsversuches zu erwirken. Peraudi beimPapste zurzeit ohne Einfluß. Aussicht, eine Abschrift der Prozeß-akten zu erhalten.*
Augsburg, StA: Peutinger. Urschr. — Adr.: Clarissimo viro D. ValentinoEber, legum licenciato, scribae Augustensi, domino ac patri suo observandissimo
1 Peutingers Vorgänger im Augsbnrger Stadtschreiberamt und Mitglieddes älteren Augsburger Humanistenkreises; vgl. P. Joachimsen, SigismundMeisterlin (1895) S. 16ff. H. Werners Versuch, den erst 1496 Verstorbenenzum Verfasser der spätestens 1437 entstandenen .Reformation des KaisersSigismund" zu stempeln, ist von C. Koehne mit durchschlagenden Gründenzurückgewiesen worden; vgl. Neues Archiv 28 (1903) S. 743ff.; 31 (1906) S. 214 ff.
2 Zum Verständnis der ersten drei Briefe sei Folgendes vorausgeschickt:Der Augsburger Bischof Joh. v. Werdenberg hatte am 25. Febr. 1474 einälteres Statut des Domkapitels (vom 23. Okt. 1302), das Augsburger Bürgerndie Aufnahme verwehrte, dahin verschärft, daß er den Ausschluß auchauf die Söhne von Bürgern und Bürgerinnen ausdehnte. (Mon. Boica 34 bS. 118ff.) Die Stadt hatte diese — von Papst Sixtus IV. am 8. Juli 1475bestätigte {ebd. S. 126ff.) — Verfügung, als sich neun Jahre später das Kapitelanläßlich der Bewerbung des Augsburgers Bernhard Arzt um ein Kanonikatauf sie berief, sofort angefoditen und nadi ergebnislosen Verhandlungen mitder Gegenpartei wider diese einen Prozeß an der Römischen Rota angestrengt.Nachdem die Klage bereits in zwei Instanzen abgewiesen worden war, warauf erneute Appellation der Augsburger am 29. Dez. 1489 das Verfahrendritter Instanz eröffnet, aber sdwn am 23. März 1490 zunädist auf sedisMonate und am 12. Okt. 1490 bis auf weiteres durch päpstlidie Mandatevertagt worden, wohl deshalb, weil inzwischen Kaiser Friedrich, von In-nocenz VIII. wiederholt (zuletzt durch eine Breve vom 12. März 1490) dazuaufgefordert, die Vermittlung zwisdien den Parteien übernommen hatte (vgl.Mon. Boica 34b S. 259f.). Sie war aber gesdieitert, weil das Kapitel den Kaiser,der von Anfang an aufseiten der Bürger gestanden hatte, als Schiedsriditerabgelehnt hatte und einem von ihm anberaumten Tage in Gmünd (März 1491)
König, Peutingers Briefwechsel \