EINLEITUNG
Auf den folgenden Blättern wird der Briefwechsel Konrad Peu-tingers zum erstenmal in einer umfassend angelegten, mitsachlichen Erläuterungen versehenen Ausgabe dargeboten. Sieeröffnet das der „Kommission zur Erforschung der Geschichteder Reformation und Gegenreformation" von der „HistorischenKommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften"überlassene, von Hermann v. Grauert geleitete Unternehmen derHumanistenbriefe und ist zugleich die erste Veröffentlichung jenerKommission überhaupt.
Die Vorarbeiten für den Band haben mich durch viele Jahrebegleitet. Ich begann mit der allmählichen Sammlung des weit-zerstreuten Stoffes zunächst mehr nebenbei, während ich den um-fangreichen literarischen Nachlaß des gelehrten Augsburger Stadt-schreibers für meine 1914 erschienenen „Peutingerstudien" durch-ging und ausbeutete. Nach dem Abschluß dieses Buches habeich dann die Suche nach Peutingerbriefen und ihre Bearbeitungfür die Herausgabe im Auftrage der schon genannten beidenKommissionen planmäßig fortgesetzt und zu Ende geführt.
Durch die Bestimmung der Ausgabe für die „Humanisten-briefe" waren der Stoffsammlung von vornherein gewisse Grenzengezogen. Es konnte nicht der gesamte von Peutinger geführteBriefwechsel aufgenommen werden. Ganz außer Betracht bleibenmußten die Briefe, die Peutinger als Stadtschreiber im Namendes Augsburger Rates verfaßt oder in dieser Eigenschaft erhaltenhat; sie gehören in eine „Politische Korrespondenz der Reichs-stadt Augsburg". Indessen auch von den Schreiben, die er unterseinem eigenen Namen hat ausgehen lassen, erwies sich eineerhebliche Anzahl als ungeeignet für die Aufnahme in den vor-liegenden Band; denn auch unter diesen tragen viele ein mehroder weniger amtliches, geschäftsmäßiges, unpersönliches Ge-präge und sind für die Biographie und die geistesgeschichtlicheWürdigung des Mannes, der diese Ausgabe dienen soll, ohneBelang. Es mußte dementsprechend eine weitere Sichtung desvorhandenen Stoffes vorgenommen werden. Bei ihr habe ichmich von folgenden Grundsätzen leiten lassen: