Das sagte Hirah dem Juda an, der die Achseln zuckte.
„Kann man sie nicht finden“,sprach er,„ist’s ihre Schuld.Die meine haben wir angeboten, und kann uns niemandwas nachsagen. Mein Sach freilich bin ich los. Der Stockhatte einen Kristallknopf. Tu’ den Bock wieder zur Herde!“
Damit vergass er’s. Drei Monate später aber ward offen-bar, dass Thamar in der Hoffnung war.
Es war ein Skandal, wie er in dieser Gegend lange nichtvorgekommen. Sie hatte als Witwe gelebt, in Leidkleidern,in ihrer Eltern Haus, und nun kam zu Tage und war nichtmehr zu verbergen, dass sie’s getrieben hatte schamlos undtodeswürdig! Die Männer grollten dumpf, die Weiberkreischten Hohn und Verwünschung. Denn Thamar warhoffärtig gewesen alle Zeit gegen sie alle und hatte getan,als sei sie was Besseres. Zu Juda kam gleich das Geschrei:„Weisst du’s, weisst du’s? Thamar, deine Schnur, hat sichaufgeführt, dass sie’s nicht länger verbergen kann. Schwan-ger ist sie von Hurerei!“
Juda erbleichte. Seine Hirschaugen traten vor, seine Nü-stern flatterten. Sünder können äusserst reizbar sein gegendie Sünde der Welt; dazu war sein Blut böse gegen dasWeib, weil sie ihm zwei Söhne gefressen, und auch, weiler ihr sein Wort gebrochen hatte wegen des dritten.
„Sie hat ein Laster verwirkt“, sagte er. „Ehern sei derHimmel über ihrem Haupt und eisern die Erde unter ihr!Man soll sie mit Feuer verbrennen! Sehr leicht war sie desBrandpfahls schuldig schon längst, nun aber liegt’s offen,dass sie einen Greuel begangen hat in Israel und hat ihrLeidkleid besudelt. Man soll sie herausführen vor die Tür
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