V
Juda hauste nicht mit seinen Brüdern im Haine Mamrebeim Vater, sondern, seit er gut Freund geworden mit demManne Hirah, weidete er weiter abwärts gegen die Ebeneauf den Triften Odollam, und dort führten auch ’Er, seinÄltester, und Thamar ihre Ehe, gestiftet von Jaakob, daer den Vierten vor sich entboten und sein Wort hatte gel-tend gemacht vor ihm. Warum hätte Jehuda locken sollengegen das Wort? Es waren etwas trübe Gebärden, mit de-nen er darein willigte, aber er willigte ohne Umstände da-rein, und so ward Thamar dem ’Er zum Weibe gegeben.
Es ziemt uns nicht, hinter den Vorhang dieser Ehe zublicken; schon damals gleich hatte niemand Lust dazu, undimmer hat die Menschheit sich mit barscher Bündigkeitüber die Tatsachen geäussert, unter Verzicht auf Mitleidund Beschuldigung, die richtig anzubringen ihr stets zuumständlich schien. Die Elemente des Missgeschicks wa-ren auf einer Seite geschichtlicher Ehrgeiz, verbunden mitEigenschaften astartischer Art, und auf der anderen jugend-liche Entnervtheit, die keiner ernsten Lebensprobe gewach-sen war. Man tut am besten, dem Beispiel der Überliefe-rung zu folgen und barsch und bündig mitzuteilen, dassJudas ’Er ganz kurze Zeit nach der Hochzeit starb, oder,wie jene es ausdrückt, dass der Herr ihn tötete, — nun ja,der Herr tut alles, und alles, was geschieht, kann man alsseine Tat bezeichnen. In Thamars Armen starb der Jüng-ling an einem Blutsturz, der wohl seinen Tod herbeigeführt
38