III
Thamar,sie war’s.Sie sass zu Jaakobs Füssen, seit langemschon, tief beeindruckt von seinem Ausdruck, und lauschteder Lehre Israels. Nie lehnte sie sich an, sie sass sehr auf-recht, auf einem Schemel, auf einer Brunnenstufe, einemWurzelstrange des Unterweisungsbaumes, mit hohlem Rük-ken, gestreckten Halses, zwei Falten der Anstrengung zwi-schen ihren samtenen Brauen. Sie stammte aus einem zumUmkreise Hebrons gehörigen Flecken an sonniger Berg-schräge, dessen Leute sich von Weinbau und etwas Vieh-zucht nährten. Dort stand das Haus ihrer Eltern, die warenKlein-Ackerbürger und schickten die Dirne zu Jaakob mitSangen und frischen Käsen, auch Linsen und Grütze, dieer mit Kupfer gekauft hatte. So kam sie zu ihm und fanderstmals ihren Weg zu ihm, aus plattem Anlass, in Wahr-heit aber geleitet von höherem Drange.
Sie war schön auf ihre Art, nämlich nicht hübsch undschön, sondern schön auf eine strenge und verbietende Art,also, dass sie über ihre eigene Schönheit erzürnt zu seinschien, und das mit Recht, denn etwas Behexendes war da-ran, was den Mannsbildern nicht Ruhe liess, und gegensolche Unruhe eben hatte sie die Furchen zwischen ihreBrauen gepflanzt. Sie war gross und fast mager, von einerMagerkeit aber, die mehr Unruhe hervorrief, als noch soreichliche Fleischesform, sodass die Unruhe eigentlich nicht
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