Druckschrift 
Thamar
Entstehung
Seite
50
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„Das sagt man vorher. Nachher ist man ein andrer Mann,der des Vorigen Wort nicht kennt. Ich muss ein Pfandhaben.“

„Nenne es!“

„Gib mir den Ring deines Fingers, die Knotenschnur umdeinen Hals und den Knaufstock in deiner Hand!“

„Du weisst für die Herrin zu sorgen!“ sagte er. „Nimm!“Und er sang das Lied mit ihr am Wege im Abendrot,und sie entschwand um die Mauer. Er aber ging heim undsagte am nächsten Morgen zu Hirah, seinem Hirten:

„Übrigens so und so, du weisst, wies geht. Es war da amTor von Enajim, der Stätte Enam, eine Tempelmetze, mitderen Augen es etwas auf sich hatte unter dem Ketonet, —kurz, was rede ich viel unter Männern! Sei so gut und bringihr den Ziegenbock, den ich ihr versprochen habe, dass ichmeine Sachen wiederbekomme, die ich ihr lassen musste,Ring, Stab und Schnur. Bring ihr einen guten Mamber-bock, der was taugt, ich will mich von der Lümpin nichtlumpen lassen. Mag sein, sie sitzt wieder am Tor; sonstfrage die Leute!“

Hirah wählte den Bock, teuflisch hässlich und prächtig,mit Ringelhörnern, gespaltener Nase und langem Bart, undführte ihn nach Enajim ans Tor, wo niemand war. „DieHure“, fragte er drinnen,“ die aussen am Wege sass? Woist sie? Ihr müsst doch euere Hure kennen!“

Sie antworteten ihm aber:

„Hier war und ist keine Hure. Das gibt’s nicht bei uns.Wir sind ein dezentes Städtchen. Such dir woanders dieGeiss für deinen Bock, sonst fliegen Steine!“

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