Druckschrift 
Thamar
Entstehung
Seite
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Von nun an eigneten sich die stehenden Furchen zwi-schen Thamars Brauen noch eine dritte Bedeutung zu.Nicht nur vom Zorn über ihre Schönheit sprachen sie undvon suchender Anstrengung, sondern auch von Entschlos-senheit. Hier sei es erhärtet: Thamar war fest entschlossen,sich, koste es, was es wolle, mit Hilfe ihres Weibtums in dieGeschichte der Welt einzuschalten. So ehrgeizig war sie. Indiesen unerschütterlichen und—wie alle Unerschütterlich-keit etwas Finsteres hat—fast finsteren Entschluss war ihregeistliche Strebsamkeit eingemündet. Belehrung wird in ge-wissen Naturen sofort zum Wollen, ja, solche Naturen ge-hen wohl nur auf Belehrung aus, um ihr Wollen damit zuspeisen und ihm ein Ziel zu geben. Thamar hatte über dieWelt und ihre Zielstrebigkeit nur belehrt zu werden brau-chen, um zu dem unbedingten Entschluss zu gelangen, ihrWeibtum mit dieser Zielstrebigkeit zu verbinden und welt-geschichtlich zu werden.

Wohl verstanden: in der Geschichte der Welt steht je-der. Man braucht nur in die Welt geboren zu sein, um sooder so und schlecht und recht durch sein bischen Lebens-gang zur Gänze des Weltprozesses sein Scherf lein beizutra-gen. Die Meisten aber wimmeln peripherisch weitab-seitab,unkund des Hauptgeschehens und ohne Anteil an ihm, be-scheiden und im Grunde froh, nicht zu seinem erlauchten