leicht wird ihr geläufig der Witwenstand, und sie erneuertes gar nicht. Oder, wenn doch, so vertrösten wir sie und er-klären mit mehr oder weniger Recht, dein Sohn sei nochimmer nicht gross geworden.“
„Sei es darum“, sprach Juda. „Mir ist es ganz gleich, waswir ihr sagen, wenn ich nur nicht den zarten Hochmutdem Moloch muss in die glühenden Arme legen.“
Es geschah nach Jaakobs Weisung. Thamar nahm ihresSchwiegervaters Bescheid mit finsteren Brauen auf, ihmdabei tief in das Auge blickend. Aber sie fügte sich. Als eineWitwe und als ein Weib, das Leid trägt, blieb sie in ihresVaters Haus und liess nichts von sich hören, ein Jahr undzwei Jahre und sogar noch ein drittes. Nach zweien hättesie mit Fug und Recht ihren Anspruch erneuern können;aber ausdrücklich wartete sie noch ein drittes, um nicht be-schieden zu werden, Shelah sei noch zu klein. Die Gedulddieser Frau war ebenso ansehnlich wie ihre Entschlossen-heit. Aber Entschlossenheit und Geduld, die beiden sindwohl ein und dasselbe.
Als nun aber Shelah neunzehn war und also in der Blüteder ihm erreichbaren Männlichkeit stand, trat sie vor Judaund sprach:
„Die Frist ist um, und ist nun die Zeit gekommen, dassdu mich deinem Sohn zum Weibe gebest und ihn mir zumMann, damit er seinem Bruder Namen und Samen schaffe.Gedenke deiner Verschreibung!“
Juda aber war, noch ehe das erste Wartejahr umgekom-men, selber ein Witwer geworden; Schua’s Tochter warihm gestorben, aus Gram über seine Knechtschaft bei Asta-
45