Druckschrift 
Thamar
Entstehung
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„Ich werde dir etwas erwidern, mein Herr“, sprach Juda.„Wenn diese Fresserin jetzt nicht hingeht und Leidkleideranzieht und fortan nicht sittsam Leid trägt in ihres VatersHause als eine Witwe, der zwei Männer gestorben sind,und sich ruhig verhält, so werde ich selbst, so wahr ich deinVierter hin, ihr einen Schuh ausziehen vor allem Volk undauch das Zugehörige tun und sie offen der Vampyrei be-zichtigen, dass man sie steinige oder verbrenne!“

„Du gehst zu weit“, sagte Jaakob, peinlich berührt, „indeiner Unlust zu meiner Anregung.“

„Gehe ich zu weit? Und wieweitwürdest du gehen, wennman dir Benjamin nehmen wollte, und wollte ihn vielleichtauf die fährlichste Reise schicken, der doch nicht dein Letz-ter ist, sondern nur dein Jüngster? Den hütest du mit demStahe und hältst ihn kurz an dich, dass er nicht auch ab-handen komme, und darf kaum auf die Strasse. Nun, She-lah ist mein Benjamin, und ich sträube mich, alles sträubtsich hoch auf an mir gegen seine Herausgabe!“

„Ich will dir einen Vorschlag zur Güte machen“, sprachJaakob, dem dies Argument sehr nahe ging, „nämlich zudem Behuf, dass wir Zeit gewinnen und dabei die Magd,deine Schnur, nicht hart vor die Stirne stossen. Denn nichtabschlagen wollen wir ihr ihr Verlangen, sondern es ihr ab-gewöhnen. Geh’ hin und sage ihr: Mein Sohn Shelah istnoch zu klein und sogar hinter seinen Jahren zurück. Bleibeeine Witwe in deines Vaters Haus, bis der Knabe grosswird, dann will ich ihn dir geben, dass er seinem BruderSamen erwecke. So bringen wir ihr Verlangen für einigeJahre zum Schweigen, eh’ sie’s erneuern kann. Aber viel-

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