Druckschrift 
Thamar
Entstehung
Seite
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dass er als Ersatz-Gatte einspringen und nicht sich selbst,sondern seinem Bruder Samen erwecken sollte. Das ist wohlwahr; soweit Worte und selbst Gedanken in Frage kom-men, mochte er die Sache bei sich so artikulieren. In derWirklichkeit, für die Gedanken und Worte nur Umschrei-bungen sind, war diesem ganzen Juda-Geschlecht das Wis-sen eingeboren, dass es eine Sackgasse bilde, und dass dasLeben, welche Wege es nun immer einschlagen mochte, je-denfalls nicht durch sie, die drei Buben, weiterführen sollte,wollte, konnte und durfte. Nicht durch uns! sagten sie ein-hellig und hatten in ihrer Art recht. Leben und Schälereimochten ihrer Wege gehen; sie pfifFen darauf. NamentlichOnan tat das, und seine Hübschheit und Nettheit war nurdie Äusserung der Eigenliebe dessen, über den es nichtweitergeht.

Zur Ehe genötigt, beschloss er, den Schoss zum Narren zuhalten. Doch hatte er die Rechnung ohne Thamars astar-tisch gerüsteten Ehrgeiz gemacht, der gegen seine Wi-dersetzlichkeit wie eine Wetterwolke gegen die anderestand und mit ihr den ausgleichenden Blitzschlag des Todeszeugte. In ihren Armen starb er, von einem Nu zum ande-ren, an plötzlicher Lebenslähmung. Das Gehirn stand ihmstill, und er war tot.

Thamar erhob sich und verlangte stracks, dass man ihrnunmehr den Shelah, Judas Jüngsten, der erst sechszehnJahre alt war, zum Manne gebe. Nennt Einer sie die ver-blüffendste Figur dieser ganzen Geschichte, so wagen wirnicht zu widersprechen.

Diesmal drang sie nicht durch. Schon Jaakob schwankte42