gar nicht um seiner selbst willen, vielmehr so ganz um einerIdee willen geliebt und begehrt, wie Thamar den Juda. Eswar eine neue Liebesgründung; zum ersten Mal gab es das:die Liebe, die nicht aus dem Fleische kommt, sondern ausdem Gedanken, sodass man sie wohl dämonisch nennenmochte, so gut wie die Unruhe, die Thamar selbst derMannheit erweckte ohne Fleischesform.
Sie hätte ihr astartisch Teil, dem sie sonst zürnte, wohlgern und willentlich spielen lassen zu Juda hinüber undkannte ihn viel zu gut als Knecht der Herrin, um nicht desSieges gewiss zu sein. Aber es war zu spät, — was ja immerheisst: zu spät in der Zeit. Sie war zu spät daran, war fehlam Zeitort mit ihrer Ehrgeiz-Liebe. An dieser Stelle derKette konnte sie sich nicht mehr einschalten und sich nichtwohl auf die Bahn bringen. Sie musste daher einen Schrittvorwärts oder hinab tun in der Zeit und den Generationen,musste selbst die Generation wechseln und ihr zielstrebigesBegehren dorthin richten, wo sie Mutter hätte sein wollen,—was gedanklich nicht schwer war, da Mutter und Gelieb-te immer Eines gewesen waren in höherer Sphäre. Kurzum,von Juda,dem Erbsohn, musste sie ihr Augenmerk auf seineSöhne, die Erbenkel, richten,—denen sie fast den Tod ge-wünscht hätte, um sie selbst, und zwar besser, hervorzu-bringen: auf den Ältesten, den Knaben ’Er selbstverständ-lich zuerst und allein, denn er war der Erbe.
Ihre persönliche Stellung in der Zeit ermöglichte ihr dasHinabsteigen recht wohl. Sie wäre für Juda nicht viel zujung gewesen und war für ’Er nicht gar zu alt. Dennoch tatsie den Schritt nicht gern. Die Anstössigkeit dieser Gene-