geben hat, sondern hast deiner Magd noch von fernem Zu-künftigen geredet.“ Denn so tat er ganz unwillkürlich, da jain allen seinen Geschichten von Anbeginn ein Element derVerheissung einschlägig war, sodass man nicht davon kün-den konnte, ohne auch zu verkünden.
Wovon sprach er zu ihr? Er sprach ihr von Shiloh.
Die Annahme ginge völlig fehl, dass Jaakob erst auf demTotenbett einer Sterbe-Eingebung gemäss, sich über Shi-loh, den Helden, ergangen hätte. Er hatte damals überhauptkeine Eingebungen, sondern liess feierlich nur längst Vor-bereitetes hören, was er bedacht und sich zurechtgelegt hat-te ein halbes Leben lang, und wofür seine Sterbestundeeben nur ihre Weihe hergeben musste. Dies betrifft die Se-genssprüche und fluchartigen Beurteilungen der Söhne sogut wie die Erwähnung der Verheissungsfigur, die er Shi-loh nannte, und mit der seine Gedanken zu Thamars Zeitlängst angefangen hatten sich zu beschäftigen, wenn erauch zu niemandem sonst, als zu ihr, davon sprach, zumDank ihrer grossen Aufmerksamkeit und deswegen, weil ermit Resten seiner Gefühlskraft etwas verliebt in sie war. —Wen oder was meinte er mit Shiloh?
Wie er sich’s ausgesonnen hatte!—es war seltsam. Shilohwar nichts als ein Stadtname vorderhand, der Name einerummauerten Ortschaft weiter nördlich im Lande, wo öftersdie Landeskinder, wenn sie gekriegt und gesiegt hatten, zu-sammenkamen, um untereinander die Beute zu teilen,—keinsonderlich heiliger Platz. Er hiess aber Ruhe-und Rastplatz,denn das meint „Shiloh“; Frieden meint es und frohesEratmen nach blutiger Fehde und ist ein Segenslaut, taug-
27