grossartiges,von tiefem Ernst getragenes Gebaren liefert denBeweis dafür. Nicht umsonst trat uns wiederholt und miteinem gewissen Eigensinn das Wort „Einschaltung“ auf dieLippen. Es ist die Losung der Stunde. Es warThamars Wortund ihre Losung. Sich selbst wollte sie einschalten, undtat es mit erstaunlicher Entschlossenheit, in die grosse Ge-schichte, das weitläufigste Geschehen, von dem sie durchJaakob Kunde erhalten, und von dem ausgeschaltet zu wer-den sie sich um keinen Preis gefallen liess. Fiel nicht auchschon das Wort „Verführung“ uns ein? Es wusste, warum.Es ist ein Losungswort ebenfalls. Denn durch Verführungschaltete Thamar sich ein in die grosse Geschichte, von derdiese hier nur eine Einschaltung ist; die Bestrickende spiel-te sie und hurte am Wege, um nur nicht ausgeschaltet zuwerden, und erniedrigte sich rücksichtslos, um sich zu er-höhen... Wie geschah das?
Wann zuerst, durch welchen nüchternen Zufall nunimmer, Thamar Eingang bei Jaakob, dem Gottesfreunde,fand und zu ihm in andächtige Beziehung trat, — niemandweiss das genau;es mag sein,dass es schon vor Josephs Todegeschah, und bereits nicht ohne Jaakobs Zutun wurde siein die Sippe aufgenommen und Judas Erstem, dem jungen’Er zum Weibe gegeben. Innigkeit aber gewann das Ver-hältnis zwischen dem Alten und ihr auf jeden Fall erst undwurde zum täglichen Umgang nach dem grässlichen Schlagund Jaakobs langsamer und widerstrebender Erholung vonihm, als sein beraubtes Herz heimlich schon auf der Suchewar nach neuer Empfindung. Da erst wurde er Thamarsgewahr und zog sie an sich um ihrer Bewunderung willen.