Druckschrift 
Die Entstehung des Doktor Faustus : Roman eines Romans
Entstehung
Seite
201
Einzelbild herunterladen
 

ehern, noch immer in tiefster Seele fremd und unfaßbar,und nicht schnell genug konnte ich mir den Katalog mitder chokierenden Anzeige aus den Augen schaffen.

Ich brauchte siebzehn Tage für das vorletzte Kapitel —das letzte eigentlich, denn der Schluß sollte als Nach-schrift gefaßt sein. Adrians Ansprache ging mir so nahezu Herzen, wie sie mir tief vom Herzen kam, und nur diealte Gewohnheit, das Politische neben dem Dichterisch-Menschlichen hergehen zu lassen und zwischen den Sphä-ren hin und her zu wechseln, macht mir begreiflich, daßich dabei von Tagesereignissen Notiz nahm, wie demRücktritt des Byrnes als Minister des Auswärtigen undseiner Ersetzung durch den aus China herbeigerufenenGeneral Marshall. Am Lauschen auf Nachrichten überDeutschland hinderte die Niederschrift der «oratio» michauch nicht. Ernst Wiechert, ein Prominenter der «Inne-ren Emigration», sprach damals öffentlich von «diesemhoffnungslosen Volk», und wenn nicht ganz klar war, ober damit ein Volk meinte, dem man keine Hoffnung lasse,oder ein Volk, auf das zu hoffen unmöglich sei, so wurdedie Frage einigermaßen geklärt durch den Zusatz: wennheute Hitler wiederkäme, würden 60 bis 8o 0/ o der Deut-schen ihn mit offenen Armen empfangen. Daß dabei zweiHoffnungslosigkeiten sich begegnen, nämlich die deut-sche und die unserer Okkupationspolitik, blieb unaus-gesprochen. Wiechert aber ist seither zur «Äußeren Emi-gration» übergegangen und hat seinen Wohnsitz in derSchweiz genommen, — aus akutem Unwillen darüber,daß man rücksichtslos genug war, ihm «displaced per-sons» auf seinen Hof zu setzen.

Drückende Föhnsonne herrschte in den Januartagen,

201