Druckschrift 
Die Entstehung des Doktor Faustus : Roman eines Romans
Entstehung
Seite
127
Einzelbild herunterladen
 

graph, Medium der Empfindlichkeit, ohne klares Wissenvon dieser seiner organischen Funktion und darumverkehrter Urteile nebenher durchaus fähig, — es scheintmir die einzig richtige Perspektive. — Dies nun vollends,der Geburtstags-Essay Auf der Suche nach dem Bürger wareine soziologisch-psychologischeDarstellung meiner Exi-stenz und Arbeit, wie ich sie in so großem Stil noch nichterfahren hatte, und stimmte mich darum zu ernster Dank-barkeit, — nicht zuletzt auch, weil der Betrachtende dasMeine nicht nur «historisch» sah, sondern es mit deut-scher Zukunft in Beziehung brachte. Sonderbar nur, daßin noch so wohlwollendenWürdigungen dieser kritischenLinie und Sphäre das Joseph-Werk konsequent ausgelas-sen, umgangen wird. Es ist das eine Sache der Observanzund totalitären Rücksicht: Der Joseph ist «Mythos», alsoAusflucht und Gegenrevolution. Schade. Und vielleichtnicht ganz richtig. Da aber auch die katholische Kirchedas Werk nicht mag, weil es das Christentum relativiert,so bleibt ihm nur eine Humanistengemeinde, welche sichdie Sympathie mit dem Menschlichen frei gefallen läßt,von der es in Heiterkeit lebt. —

Nun soll es nicht aussehen, als ob Gutes und Tröstlichesmir nur aus der nicht-deutschen Welt gekommen wäre.Klaus schrieb aus Rom von den Plakaten, die er überallin Berlin gesehen habe, und die Vorträge über Joseph, Re-zitationen aus hotte angezeigt hätten. Im neuen deutschenRadio, hörte ich, wurde dies und das von mir vorgelesen.Die Kriegsgefangenen-Lagerzeitung «Der Ruf» (jetzt inMünchen erscheinend) druckte Freundlich-Vertrauens-volles über mich. Es gab, entgegen Thieß und den ande-ren, Bekenntnisse zu meinem Namen in deutschen Zei-