brunst in der Geschichte vom braunen Mädchen. Man hat oftden Gegensatz hervorgekehrt zwischen Stifters blutig-selbstmörderischem Ende und der edlen Sanftmut seinesDichtertums. Seltener ist beobachtet worden, daß hinterder stillen, innigen Genauigkeit gerade seiner Naturbe-trachtung eine Neigung zum Exzessiven, Elementar-Ka-tastrophalen, Pathologischen wirksam ist, wie sie etwa inder unvergeßlichen Schilderung des gewaltigen Dauer-Schneefalls im Bayerischen Wald, in der berühmten Dürreim Heidedorf und in den vorhin genannten Stücken be-ängstigend zum Ausdruck kommt. Auch die Gewitter-Verwandtschaft des Mädchens im Abdias, ihre Anzüglich-keit für den Blitz, gehört in diesen unheimlichen Bereich.Wo fände man dergleichen bei Gottfried Keller? — andessen Humoristik eine Geschichte wie Der Waldsteig dochauch wieder so auffallend anklingt. Stifter ist einer dermerkwürdigsten, hintergründigsten, heimlich kühnstenund wunderlich packendsten Erzähler der Weltliteratur,kritisch viel zu wenig ergründet. —
Damals also nahm ich mir die robuste Sudelei eines C.Barth in der New Yorker «Neuen Deutschen Volkszei-tung» recht wie ein Tor zu Herzen, und gleichzeitig gingüber das O. W. I. ein schiefer und aufreizender Artikelvon Frank Thieß aus der «Münchener Zeitung» ein, jenesDokument, worin eine Körperschaft, genannt «InnereEmigration», sich mit vieler Anmaßung etablierte: dieGemeinde der Intellektuellen, die «Deutschland die Treuegehalten», es «nicht im Unglück im Stich gelassen», sei-nem Schicksal nicht «aus den bequemen Logen des Aus-landes zugesehen», sondern es redlich geteilt hatten. Siehätten es redlich geteilt, auch wenn Hitler gesiegt hätte.
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