die gesellschaftliche Nebenhandlung, in Münchener Er-innerungen, und hatte Adrians Bekanntschaft mit Pfeif-fering und Haus Schweigestill in die Wege zu leiten. Esgeschah wohl nicht ganz ohne Zusammenhang mit die-sem Betreiben, daß ich Stendhals Briefe zum Lesen her-ausgriff. Geist, Männlichkeit, Mut und Sensibilität desVerfassers von Le Rouge et leNoir, eines Romans, der denEindruck erweckt, als hätte es nie zuvor einen Roman ge-geben, imponierten mir nicht wenig. Sehr merkwürdigwar mir sein Erlebnis mit jenem jungen russischen Offi-zier, den er «nicht anzusehen wagt». Leidenschaft würdeihn ergreifen, «wenn» (was wiederholt wird) er, Stendhal,«eine Frau wäre». Die Geburtswehen einer Leidenschaftaber sind es, die er an sich beobachtet. Es ist ein seltenerEinbruch des Homoerotischen in eine höchst männliche,aber auch sehr geöffnete und psychologisch neugierigeNatur. Sicher nahm ich Notiz von dem Vorkommnis imHinblick auf Adrians früh angelegtes Verhältnis zu RudiSchwerdtfeger, dieser Verführung der Einsamkeit durcheine nicht abzuschreckende Zutraulichkeit, bei der dasHomosexuelle eine koboldhafte Rolle spielt.
Aldous Huxleys Time MustHave aStop machte mir außer-ordentliches Vergnügen—eine kecke Spitzenleistung desheutigen Romans ohne Zweifel. Ich las Nietzsches EcceHomo wieder, Bekkers Beethoven, Deussens Erinnerungenan Nietzsche. Briefe der Kinder drüben bewegten uns —mit Sorge und auch mit Stolz, durch sie an dem Kriegeteilzuhaben, der uns ein Kampf gegen den Feind derMenschheit blieb. Klaus, dem in einem italienischen Städt-chen ein Freund durch eine Granate fast buchstäblich vonder Seite gerissen worden, lag malariakrank bei der 8. bri-
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