machen. Die sind doch wohl beim Diebe.» Er hat nochGlück, daß er nicht wörtlich sagt: «Die Sünde ist beimStehler.»
Es ist Frank Harris, der in seinem geistreichen Buch überShakespeare wohl zuerst daraufhingewiesen hat, daß dasWerbemotiv der Sonette dreimal in den Dramen wieder-kehrt. Dem Faustus ist es aufmontiert in der Weise, daßAdrian, durch sein besonderes Verhältnis zu dem «Wer-ber» Schwerdtfeger bestimmt, es in Aktion setzt, bewußtund düster spielerisch ein Klischee oder einen Mythoswiederholend, zu unheimlichstem Zweck. Was er an Rudiverübt, ist ein prämeditierter, vom Teufel verlangterMord — und Zeitblom weiß es. —
Soll ich auch die von mancher Seite beanstandete Über-tragung der Schönberg’schen Konzeption des Zwölf Ton-oder Reihen-Musikstils auf Adrian Leverkühn als einensolchen Montage-Akt und Raub an der Wirklichkeit an-führen ? Ich muß es wohl, und das Buch soll in Zukunftauf Schönbergs Wunsch, einen Nach-Vermerk führen, derfür Unkundige das geistige Eigentumsrecht klarstellt. Esgeschieht ein wenig gegen meine Überzeugung. Nicht sosehr, weil solche Aufklärung eine kleine Bresche in diesphärische Geschlossenheit meiner Romanwelt schlägt,als weil die Idee der Zwölf Ton-Technik in der Sphäredes Buches, dieser Welt des Teufelspaktes und der schwar-zen Magie, eine Färbung, einen Charakter annimmt, diesie — nicht wahr ? — in ihrer Eigentlichkeit nicht besitzt,und die sie wirklich gewissermaßen zu meinem Eigen-tum, das heißt: zu dem des Buches machen. SchönbergsGedanke und meine ad hoc-Version davon treten so weitauseinander, daß es, von der Stillosigkeit abgesehen, in
36