ms
jenen Tagen, ebenfalls unter Bleistift-Markierungen, wie-der durchnahm. «Verhängnisvolle Mystik, unerlaubt, oftMitleid erregend. Der ‘Unselige!’» Das ist eine Bleistift-notiz im Tagebuch, die von dieser Lektüre zeugt. Musikalso und Nietzsche. Ich wüßte keine Erklärung für sol-che Gedanken- und Interessenrichtung zu diesem Zeit-punkt zu geben.
In unserem New Yorker Hotel suchte uns eines Tagesder Agent Armin Robinson auf, um uns, recht beste-chend, den Plan eines nicht nur auf Englisch, sondern invier, fünf anderen Sprachen noch zu veröffentlichendenBuches zu entwickeln, das den Titel «The Ten Command-ments» führen sollte. Die Idee war moralisch-polemisch.Zehn international bekannte Schriftsteller sollten in dra-matischen Erzählungen die verbrecherische Mißachtungdes Sittengesetzes, jedes einzelnen der zehn Gebote be-handeln, und von mir wünschte man, gegen ein Honorarvon 1000 Dollars, eine kurze essayistische Einleitung zudieser Sammlung. Man ist auf Reisen leichter empfäng-lich für solche von außen kommenden Arbeitsvorschläge,als zu Hause. Ich sagte zu und Unterzeichnete zwei Tagespäter in dem Bureau eines Rechtsanwalts, wo ich dieebenfalls zur Mitarbeit bereite Sigrid Undset traf, einenan Fußangeln und Widerhaken reichen Vertrag, den ichkaum gelesen hatte, und mit dem ich ewig dauerndeRechte des Unternehmers auf eine Arbeit besiegelte, dienoch nicht existierte, von deren Entwicklung ich keineVorstellung hatte, und mit der ich es weit ernster neh-men sollte, als der Anlaß forderte. Ist es leichtsinnig, «dieKatze im Sack zu kaufen», so ist, sie darin zu verkaufen,noch weniger empfehlenswert.
16