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Die Handschriften des Klosters Zwiefalten
Entstehung
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Ziehung von Deckfarbe noch nicht ganz verschmäht, ist die Nummer 167,die für gewöhnlich Hirsau zugeschrieben wird. Bewußt auf dem Weg zurreinen Federzeichnung weitergeschritten ist das sicher in Zwiefalten ent-standene, reiche Stück 171, das ikonographisch, wie kulturgeschichtlichvon hohem Werte ist. An diese Handschriften wären anzuschließen, abernach und nach großen Abstand aufweisend und damit wohl einen Niedergangder Klosterkunst darstellend, 168, 170, 174, 183, 28, während das ChroniconMaius (171 Anmerkung) vor 171 liegen würde. Es wurde immer nüchter-ner, immer kälter auf dieser Bahn, die von Hirsau ausgegangen war. Wieweit man aber im Anfang des 13. Jahrhunderts schon von den Meisterwerkenaus dem mittleren Teil des vorangehenden entfernt war, zeigt noch 176.Neben dieser streng einem rein verständnismäßigen Ziel zustrebendenGruppe, die in ihren Mitteln immer kahler wird, läuft eine andere her, diewohl auch im Grunde Federzeichnung bleibt, aber in ihren Farben noch eherdas Bunte liebt und zugleich sich mehr an Gemüt und Phantasie wendet. Indieser Gruppe stehen die Stücke 106 und 98, mit denen nach ihrer Initialorna-mentik und Schrift 94, 101 und 102 zusammenzunehmen wären. Sie haben alleliturgischen Zwecken zu dienen und gehören zu den ältesten Beständen derBibliothek. Gerade bei diesen Handschriften liegt der Gedanke nahe, sieals die Ausstattungsstücke des Mutter-Klosters anzusehen, was zugleichihre nicht zu verachtende künstlerische Höhe erklären würde. Sie sindaber sicher erst zur Zeit, da Zwiefalten schon bestand, hergestellt wor-den, was schon ihre Kaiendare bezeugen. Zugleich weist eben bei ihnenMancherlei der äußeren Form auf Frauenhände, wie schon oben ausgeführtist. Die Annahme, daß die Bücher ursprünglich im Frauenkloster und nichtim Hauptstift waren, würde auch die auffällige Tatsache erklären, daß sie,obgleich sicher ganz alte Zwiefaltner Erzeugnisse, nicht das alte Versleinenthalten. Daß andere Stücke, z. B. 171 ff, es auch nicht haben, wäre darinbegründet, daß sie später entstanden sind, während gerade unsere durchihr reicheres Kolorit sich abhebenden Handschriften in Schrift und Kaien-daren Anhaltspunkte enthalten, daß sie noch aus der ersten Hälfte desJahrhunderts stammen, also an sich wohl jenen Inventarisationsvermerktragen könnten.

Schöne Proben der Deckmalerei aus dem 13. Jahrhundert, wie wirsie z. B. in der thüringisch-sächsischen Schule so zahlreich finden undwie sie auch aus dem benachbarten Weingarten in Meisterwerken be-kannt sind, barg die Bibliothek in den Handschriften 108 und 110, derenHerkunft aber noch nicht geklärt ist. Zwiefaltner Erzeugnisse in ihnen zusehen, ist unmöglich: es sind keine Anhaltspunkte dafür vorhanden undschon ein Blick auf das Zwiefaltner Stück aus jener Zeit, 176, schließt einesolche Annahme aus. Es mögen Erwerbungen von Abt Georg sein, auf denihr Einband hinweist. Ähnlich wird der Fall bei den livres d'heures 121,130, 131 und 133 liegen, bei deren zwei letzten der vorherige fremdeBesitz ausdrücklich beurkundet ist.

Auch im Gebiet der Einbandkunst sind die Zwiefaltner Handschrif-ten lehrreich. Wir finden einen sehr wertvollen alten Metalleinband bei105: da aus der Glanzzeit des Klosters auch eine blühende Goldschmiede-kunst nachgewiesen ist 21 ), mag der Kunsteinband wohl Zwiefaltner Werksein, wenn auch der Text der Handschrift selbst älter ist und nicht ausZwiefalten stammen kann. In dem schönen gestickten Seideneinband von101 werden wir wohl ein Werk des Frauenklosters sehen dürfen, zu demdas Alspacher Evangeliar 10a ein Gegenstück bildet. Renaissanceeinbände,die teilweise bestimmte Männer des Klosters verewigen, haben z. B. 97und 104 (Abt Nicolaus), 108, 109 und 110 (Abt Georg), 133 (Frater W.Rapp), 124 (ein F. G. N.); andere Beispiele wären die Handschriften 14 22,24, 25, 27, 97, 107, 116 bis 122, 156. Darunter sind eine Reihe von Neubän-den, die beweisen, daß man damals im Kloster den Einbänden besondereBeachtung schenkte. Barockeinbände zeigen die Handschriften 1, eineander Art 121, einen solchen Einband, der zugleich einen fürstlichenBesitzer verewigt, 2.

sl ) Siehe rlie oben schon erwähnte Dissertation von Hildegard Giissefeld.

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