*x I Nicht; ausleihbar ÜB Düsseldorf +9060 223 01 ___________ A . Archiv für Bibliographie Buch- und Bibliothekswesen Beiheft 6 Die Handschriften des Klosters Zwiefalten von Professor Dr. K. Löffler Oberbibliothekar an der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart ft% Linz a./Donau 1931 Franz Winkler, Verlag „Im Buchladen' Printed in Austria Franz Winkler, Verlagsbuchhandlung, Linz a. D. Dr. Wilhelm Fuchs, Juristische Bücherkunde. Eine Einführung in die bibliographische Technik und in den bibliographischen Apparat der Rechts-, Staats- und ihrer Hilfswissenschaften. Dritte vermehrte und verbesserte Auflage. Groß-Oktav. VII. 245 S. Schw. Fr. 12"30. Reg. Rat Moriz Grolig, Die alt-österreichischen Privatpressen. Groß-Oktav. 15 S. Schw. Fr. 1*30. Dr. Rudolf Hoecker, Das spanische Bibliothekswesen. Versuch einer Bibliotheco-Bibliographie. Bibliografia de las Bibliotecas espanolas. Groß - Oktav. 62 S. Schw. Fr. 7-30. Otto Lerche, Von der Einheit aller Wissenschaft. Groß-Oktav. 22 S. Schw. Fr. 1'30. Hans Margreiter, Tiroler Anonymen- und Pseudonymen - Lexikon mit Register der Autoren und Monogramme. 2. vermehrte und verbesserte Auflage. Groß-Oktav. 3 Lieferungen. Lfg. 1. Schw. Fr. 6-20. Lfg. 2. Schw. Fr. 6'90. Dr. Konrad Schiffmann, Die graphische Sammlung der öffentlichen Studienbibliothek in Linz a. D. Groß-Oktav. 28 S. Schw. Fr. 1'45. Dr. Konrad Schiff mann, Neue Beiträge zur Ortsnamenkunde Oberösterreichs. Groß-Oktav. 1. Folge. Schw. Fr. 1'80. 2. Folge. Schw. Fr. 2'60. 3. Folge. Schw. Fr. 202. 4. Folge. Schw. Fr. 2*02. Dr. Ed. Straßmayr, Bibliographie zur oberösterreichischen Geschichte 1891—1926. Groß-Oktav. VIII. 280 S. Schw. Fr. 16-70. Dr. Franz M. Walter, Geist der Juristen. Eine Anthologie. Oktav. 79 S. Schw. Fr. 3'90. Franz Winkler, Ich hab's. Stichwort-Katalog und Autoren-Verzeichnis (mit über 20.000 Stichwörtern) zu 23 billigen Sammlungen. Ein Handbuch für Buchhändler und Bibliothekare. 2. Auflage. Groß-Oktav. 306 S. Schw. Fr. 1880. Die Handschriften des Klosters Zwiefalten. Von Professor Dr. K. Löffler Oberbibliothekar an der Württembergischen Landesbibliothek. Linz a./Donau 1931 Franz Winkler, Verlag „Im Buchladen". dl n fe .V /.^'-'O O- ■ LAHDES- ;UND STADT-; ! SIM.lOrHEK l JOUSSElDORFj lOkO L-L'l ÖA 14.(o14 Druck: Jo». Felchtingera Erben, St Harn Drouot, Lim a.D. 30 704 Vorwort. Unter den Handschriftensammlungen aus schwäbischen Klöstern haben von jeher zwei die Gelehrtenwelt besonders beschäftigt, die Handschriften von Weingarten und die von Zwiefalten. Beide Sammlungen blieben bis zur Zeit der Säkularisation ziemlich unversehrt in ihren Klöstern stehen, aber die Kunde von ihnen war nach und nach in die weitesten Kreise gedrungen. Die Säkularisation hat die Weingartner Sammlung, die umfangreichere, in alle Winde zerstreut, wenn auch ihr Grundstock dem Heimatland erhalten geblieben ist. Ihre Zusammenstellung ist 1912 der Öffentlichkeit in einem Katalog vorgeführt worden, aus dem zugleich zu ersehen ist, wo die einzelnen Handschriften heute zu finden sind- Auch die Zwiefaltner Handschriften sind schon in einem gedruckten Verzeichnis der wissenschaftlichen Welt bekanntgegeben worden, im Jahrgang 1859 des Serapeums, wo der Oldenburger Bibliothekar Merzdorf einen Auszug aus dem letzten Hand- schriftenkatalog, den ein Bibliothekar der Benediktinerabtei Zwiefalten kurz vor ihrer Aufhebung angelegt hatte, veröffentlicht hat. Dieses Verzeichnis geht aber nicht von den Handschriften aus und gibt nicht an, wo das einzelne Stück heute sich befindet und wie seine jetzige Signatur heißt. Merzdorf konnte dies nicht geben, da er die einzelnen Handschriften selbst nicht kannte. Aber seltsam ist, daß die Bibliothek, die jene Handschriften zum größten Teil in corpore besaß, sich nicht weiter um jenen alten Katalog bemüht hat, der sich von den Beständen verloren hatte. Erst 1920 gelang es, ihn wieder ausfindig zu machen und für die Heimat zurückzugewinnen. Nun konnte man jenen Angaben des Verzeichnisses von neuem Fleisch und Blut verschaffen und es war möglich, von der altberühmten Zwiefaltner Handschriftensammlung wieder ein anschauliches Bild zu zeichnen. Bis auf einen verhältnismäßig kleinen Teil sind sämtliche Stücke der Sammlung in der Württembergischen Landesbibliothek aufbewahrt und viele davon haben die alte Zwiefaltner Nummer erhalten, während sie bei den andern fast ausnahmslos mit aller Sicherheit festgestellt werden kann. Die frühere Unklarheit darüber, wo die einzelne Handschrift sich befand und was ihre heutige Signatur war, hat zu allerlei Verwechslungen geführt und hat damit manche Mißstände mit sich gebracht; noch in der letzten, sonst so gründlichen und wertvollen Arbeit über das Kloster l* Zwiefalten von Dr. Holzherr, gehen die Nummern des alten Katalogs und die heutigen Bibliotheksignaturen bunt durcheinander. Steht auch die Zwiefaltner Sammlung an Umfang und Gehalt der Weingartner nach, die sich durch eine reiche Erwerbung im 17. Jahrhundert diesen Vorrang gesichert hat, so ist sie darum nicht weniger beachtenswert und aufschlußreich, besonders auch, weil sie durch ihre von fremden Beständen nicht gestörte Geschlossenheit ein klares und unverwischtes Bild des geistigen Lebens in einem Benediktinerkloster gibt und die Entwicklung seiner Schreibschule mit ihrer Buchmalerei anschaulich verfolgen läßt. Gerade auch die letztere Seite ist in den letzten Jahren erneut untersucht worden und hat einen Blick tun lassen in eine Welt, die von Cluniazenser Geist durchweht ist. Bei unserer Verzeichnung ist das einzelne Stück nicht bloß nach seinem literarischen Gehalt aufgeführt worden — eine eigentlich wissenschaftliche Verarbeitung dieses Stoffes war nicht beabsichtigt —, sondern auch, da die allermeisten Handschriften in natura betrachtet werden konnten, nach seinen äußerlichen Seiten, indem auf Einband, Umfang, Schreibstoff, Schrift und Ausstattung soweit eingegangen wurde, daß von den einzelnen Handschriften ein einigermaßen anschauliches Bild gewonnen werden kann. Stuttgart, im Winter 1929/30. Karl Löffle r. 1. Zur Geschichte der Handschriftensammlung. Die Gründung des Benediktinerklosters Zwiefalten fällt mitten in die weltgeschichtliche Auseinandersetzung zwischen Kaisertum und Papsttum, in die Zeit, da der Kampf zwischen Heinrich IV. und Gregor VII. seineu Höhepunkt erreicht hatte. Die Stiftung war also nicht bloß durch die neue Welle von Frömmigkeit, die im ganzen 11. Jahrhundert eine Menge von Klöstern neu erstehen ließ, getragen, sondern von Anfang an als Waffe gedacht im Krieg der Geister, als Waffe der Hildebrandiner. Als im Jahr 1089 die beiden Grafen von Achalm, Kuno und Liutold, ein Kloster gründeten im einsamen Albtal der Aach, eines Bächleins, das nach kurzem Lauf in die Donau mündet, an der Stelle, wo schon ein kleines Dorf stand, Zwiefalten genannt nach zwei kleinen Wasserläufen, die dort sich vereinigen — duplex aqua, Zwivultaha —, da war der Mann, der dabei die Hauptrolle spielte und der jungen Mönchsgemeinde seinen Feueratem einhauchte, der berühmte Abt Wilhelm von Hirsau, der Bannerträger der päpstlichen Partei in Deutschland, wohin er den Geist von Cluny verpflanzt hatte. Wilhelm führte in eigener Person feierlich eine kleine Zahl von Hirsauer Mönchen als Kolonisten an die neue Stätte, legte den Grund des Klosters, das der Patronin der seitherigen Pfarrkirche, der Maria, geweiht wurde, und setzte als ersten Prior einen seiner Hirsauer Begleiter, den Mönch Wezilo, ein. Diese unmittelbare Abhängigkeit von Hirsau wurde aber von der Gründung bald stufenweise gelöst, wenn auch Hirsauer Geist in Zwiefalten immer gewahrt geblieben ist. Als 1091 Wezilo zu neuen Aufgaben zurückberufen wurde, sandte Wilhelm für ihn einen andern Hirsauer Bruder, den Mönch Nogger, der wie auch Wezilo noch zu den ersten, von Einsicdeln gekommenen Hirsauer Klostergenossen gehört hatte. Aber Nogger war nicht mehr Prior, sondern Abt von Zwiefalten. Und als Nogger nach wenigen Jahren, 1095, starb, war Hirsau nicht mehr die einzige Stelle, die den neuen Abt einsetzte, sondern außer dem Hirsauer Abt wirkte noch der von Blaubeuren und Weingarten mit. Zu Noggers Nachfolger wurde der junge Zwiefaltner Mönch Ulrich von Hirz- bühl bestimmt, der als der zweite Stifter des Klosters gepriesen wird und unter dem Zwiefalten seine erste große Blütezeit erlebte. In den Anfangsjahren, unter Wezilo und Nogger, hatte die junge Klosterschar in ziemlich dürftigen Verhältnissen gelebt. Als Klosterkirche mußte jahrelang die alte Pfarrkirche dienen und die Wohnräume für die Mönche waren ärmliche Bretterzellen um das Gotteshaus herum. Aber schnell erwarb das junge Stift wirtschaftliche Macht und stellte sich auf eigene Füße, wie einerseits die Loslösung von Hirsaus Oberleitung und anderseits die erste Blütezeit des Klosters beweist. Dieser rasche Aufstieg war erfolgt, weil Zwiefalten in kurzer Zeit das Lieblingskloster des oberschwäbischen Adels wurde. Besonders die Frauenwelt wandte ihm ihre Gunst zu, so daß man bald ein eigenes Frauenstift in unmittelbarer Nähe errichten mußte, das unter Aufsicht des Abtes von einer Magistra geleitet wurde und Johannes den Täufer zum Patronus hatte. Im ersten halben Jahrhundert ihres Bestehens haben die beiden Klöster 3 Personen aus herzoglichem, 2 aus markgräflichem, 31 aus gräflichem und 35 aus frei- herrlichcm Haus in ihren Mauern aufgenommen. Unter diesen Gönnern aus dem Kreise des oberschwäbischen Adels stand an erster Stelle die Familie der Grafen von Berg, von der Heinrich II. selbst ins Kloster eintrat; seine 3 Töchter waren mit den Herzögen von Polen und Böhmen und dem Markgrafen von Mähren verheiratet. 6 Diese mächtige Gönnerschaft mit ihren weitausgedehnten Beziehungen kam auch der Rüstkammer des geistigen Lebens im Kloster, der Bibliothek, zugute. Es wird ausdrücklich von ihren Büchergeschenken berichtet. So spricht Berthold (Cap. 13) bei der Beschreibung des großen Geschenkes der Herzogin Salome von Polen, einer der Töchter des Grafen von Berg, von einem psalterium magnum auro conscriptum 1 ). H. V. Sauerland sieht in diesem Buch das berühmte Psalterium des Erzbischofs Egbert von Trier, das jedenfalls eine Zeitlang in Zwiefalten war, bis es seine einzigartigen Irrfahrten weiter fortsetztet. Ging dieses Geschenk dem Kloster später wieder verloren, so blieb ein anderes, dessen Schenkung ebenfalls von Berthold (Cap. 22) berichtet wird 3 ), das Martyrologiurn des Priesters Gisclbert von Obermachtal, dauernd der Bibliothek erhalten (Pergamenthandschrift 175). Noch mehr natürlich mußte in der Bibliothek die geistige Mistammung von Hirsau sich geltend machen. Aber gerade über dem ersten Abschnitt der Bibliotheksgeschichte, im Kapitel der Zusammenhänge mit Hirsau, liegt noch mancherlei Dunkel und manches ungelöste Rätsel. Die altberühmte Bibliothek von Hirsau ist in ihrer Hauptmasse versehwunden oder verschollen, und so haben wir keine sichere Grundlage, um die Eigenart der Hirsauer Schreibschule und der Hirsauer Buchkunst zu zeichnen. Daß eine Hirsauer Bibliothek schon in früher Zeit bestanden hat, ist nicht nur im Hinblick auf das, was von Hirsauer Kunst auf anderen Gebieten, Architektur, Malerei, Plastik, z. T. noch erhalten, z. T. glaubhaft berichtet ist, ohne weiteres anzunehmen, sondern auch ausdrücklich überliefert. Mögen die Nachrichten des Trithemius, die hiefür die Hauptquelle bilden, in vielen Stücken als Erfindung gelten, in diesem Punkt werden sie auch von anderen Gewährsleuten unterstützt, und es liegt kein Grund vor, sie zu bezweifeln, um so weniger, als sich aus alter Zeit selbst noch ein Katalog der Hirsauer Bibliothek, wenigstens in Abschrift, erhalten hat, zu dem freilich die einzelnen Handschriften heute fast alle nicht mehr nachzuweisen sind 4 ). So ist auch die Angabe des Trithemius, daß Wilhelm von Hirsau seiner Gründung Zwiefalten Ausstattungsbücher mitgegeben habe, durchaus im Einklang mit dem, was Brauch war, ja was für den Gottesdienst der Mönche vom ersten Tag ab eine notwendige Voraussetzung bildete. Wo sind diese ersten Bücher der Zwiefaltner Bibliothek? Da sie wohl in der Hauptsache für den täglichen Gebrauch bestimmt waren, können sie durch die Abnützung der Zeit aufgebraucht sein, und es mag zwecklos scheinen, nach ihnen zu fahnden. Anderseits wird gleich aus der allerersten Zeit des Klosters von einem Brand berichtet, dem auch Bücher zum Opfer gefallen seien, wie der eine der zwei ältesten Chronisten von Zwiefalten, Berthold, berichtet 5 ). Man hatte die Holzzellen, die der ersten behelfsmäßigen Unterbringung gedient hatten, 1097 durch ein besonderes Klostergebäude ersetzt, das aber auch nur aus Holz bestand und 1099 durch Feuer zerstört wurde. Aber schon 1109 wurde — ein Zeichen, wie rasch der Wohlstand des Klosters gewachsen — eine Kirche als Steiu- bau mit großer Feierlichkeit eingeweiht, die durch berühmte Reliquien bald weithin bekannt geworden ist; und um dem Gotteshaus mit seiner ganzen Gemeinde, die allmählich großen Umfang angenommen, in den unruhigen Zeiten auch nach außen Sicherheit zu schaffen, wurde 1138 das Ganze mit festen Mauern und Türmen umgeben. Beim Brand von 1097 sei die erste Bibliothek — magna copia librorum — mit vernichtet worden. Mag sein, daß gerade damals die Hirsauer Mitgift von Büchern verloren gegangen ist. Immerhin finden sich auch unter den heutigen ') s. Monumente Germaniae historiea, t. XII, p. 104, Z. 20. Es ist übrigens nach dem Text unsicher, ob das Buch wirklich damals nach Zwiefalten kam. 2 ) Festschrift der Gesellschaft für Nützliehe Forschungen zu Trier zur Feier ihres hundertjährigen Bestehens. Der Psalter Erzbischof Egberts von Trier, Codex Gertrudians in Cividale. Von H. V. Sauerland u. A. Haseloff. Trier 1901, Die Bezeichnung „magnum auro conscriptum" paßt allerdings vielleicht nicht ganz auf den Psalter (2:18X188 mm mit 233 Blättern). s ) s. M. G. H. t. XII, p. 108. 4 ) Siehe Lessings Werke (Hempelausgabe). Th. 13, Abt. 2, S. 40!) ff. ") Monumenta Germaniae historiea. T. XII, 1852, S. 111, Z. 42. Zwiefaltiier Handschriften noch manche Stücke, die weit über die Gründungszeit vom Kloster zurücksehen; z. B. Pergamenthandschrift 3, 22 und 63 aus dem 9. Jahrhundert, die nach der Bodenseegegend zi" weisen scheinen, sowie 43 und 105 aus dem 10., von denen die letztere schon mit der Reichenau in Verbindung gebracht worden ist. Sicheres über Herkunft and Vorgeschichte dieser Handschriften ist nicht bekannt geworden. Sie mögen spätere Erwerbungen von Zwiefalten darstellen, könnten aber auch von Hirsau mitgegeben worden sein"), wenn sie auch nicht zu den eigentlichen Handbüchern des Gottesdienstes gehören. Auf jeden Fall sind sie keine Hirsauer Erzeugnisse. Aber auch solche stecken — wenigstens aller Wahrscheinlichkeit nach — noch in den Zwiefaltner Beständen. Nach alter Überlieferung des Klosters wurden in Zwiefalten als Hirsauer Gut die 2 Pergamenthandschriften 139 und 140 angesehen. Sie sind insofern besonders wertvoll, als sowohl in ihrer Schrift als in ihrer Ausstattung unverkennbar Zusammenhänge bestehen mit Stücken, deren Entstehung von jeher nach Zwiefalten selbst verlegt worden ist. Ihre Schrift würde übereinstimmen mit einer bestimmten Richtung, die wir in einer umfangreichen Gruppe der alten Zwiefaltner Handschriften vertreten finden. Einer anderen Richtung würden die zwei Stücke 26 und 178 angehören, von denen das zweite durch einen alten Eintrag als hirsauisch gekennzeichnet sein könnte und das erste durch einen seiner Teile die Verbindung mit der Schrift der ersten Richtung herstellen würde. Dieses Zusammengehen von 2 ganz verschiedenen Richtungen der Schreibkunst in Hirsau wäre um so beachtenswerter, als ganz die gleiche Erscheinung auch bei der Zwiefaltner Schule selbst festzustellen ist. Wie die 2 oben genannten Handschriften 139 und 140 ist ebenfalls nach alter Überlieferung und auch nach Feststellung der Kunstgeschichte ein Hirsauer Werk das berühmte Passionale, Pergamenthandschrift 167. Freilich ist gerade bei diesen 3 von der Tradition selbst Hirsau zugewiesenen Stücken im Auge zu behalten, daß sie dem Alter nach in eine Zeit fallen, da Zwiefalten schon bestand: sie müßten also als Geschenke oder Tauschgaben oder dergl. in das Tochterkloster gekommen sein. Daß solche Übergänge in der Tat stattfanden, wird durch eine weitere Handschrift, das Evangeliar 10a aus Alspach, bewiesen, deren Verbleib in Zwiefalten nur durch das Zwischenglied Hirsau erklärbar wird. Aber eben bei den andern der Überlieferung nach aus Hirsau stammenden Handschriften legt sich immer wieder die Frage nahe, ob nicht die eine oder andere davon am Ende doch in Zwiefalten selbst entstanden ist. Denn die Merkmale, die bei ihnen Zwiefalten und Hirsau zu verbinden scheinen, finden sich noch in manchen andern Stücken, und zwar in solchen, die nach gewöhnlicher Annahme ohne weiteres als Zwiefaltner Erzeugnisse angesehen werden, so daß man immer wieder schwankt zwischen dem Staudpunkt, doch noch viel mehr Handschriften aus Zwiefalten der alten Hirsauer Bibliothek zuzuweisen als gewöhnlich geschieht, und dem andern, auch die besonderen Hirsau zugeschriebenen Stücke schon als Werke des Tochterklosters gelten zu lassen. So ist z. B. eine Hand im Chronicon Mains, die sich durch ein eigenartiges R — bei dem zwischen den beiden Bogen am Schaft ein Zwischenraum freibleibt — verrät, auch in N. 139, dem einen der beiden Hirsau zugewiesenen Stücke, zu finden. Eine gewisse allgemeine Übereinstimmung in der Schrift der beiden Schreibschalen, und ebenso in ihrer Buchkunst, ist ja bei dem Verhältnis von Mutter- und Tochterkloster von vornherein anzunehmen. Die ersten Mönche Zwiefaltens waren von Hirsau gekommen und es ist ganz wohl denkbar, daß darunter der eine oder andere sich befand, der in beiden Klöstern Proben seiner Schreibkunst hinterlassen hat. So wird es immer schwierig bleiben, aus der ältesten Schicht der Zwiefaltner Bestände etwaiges Hirsauer Gut mit Sicherheit ausfindig zu machen. Auch der Gesichtspunkt, wonach glänzendere Werke dem mächtigen, berühmten Hirsau und ein- ') Dagegen mag geltend gemacht werden, daß sie den alten Besitzeintrag aus dem 12. Jahrhundert (s. u.| nicht hüben, was doch darauf schließen ließe, daß sie erst später dem Kloster zugekommen sind. 8 fächere eher dem untergeordneten Zwiefalten zuzuweisen wären, möchte vielleicht für die allererste Zeit zutreffen, aber schon für die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts, in die bereits die Blütezeit der Zwiefaltner Bibliothek beginnt, nicht mehr, weil die Tochtergründung an Reichtum und Bedeutung das Mutterkloster außerordentlich rasch einholte, während andererseits letzteres selbst früh von seiner Glanzstellung herabzusinken begann. Mag also auch unter den recht zahlreichen Handschriften der Bibliothek von Zwiefalten, die der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts angehören, manches Hirsauer Stück verborgen sein, so läßt sich doch für Zwiefalten selbst aus den Beständen ein deutliches und anschauliches Bild von der Schreibkunst des Klosters in dieser Zeit gewinnen, das eine Schrift von ganz eigenem Gepräge zeigt. Außerordentlich fleißig und fruchtbar war man damals in der Schreibstube. Mehr als die Hälfte von dem ersten Hundert der Pergamenthandschriften und noch viele von den folgenden stammen aus dieser glücklichen Zeit, dem 12. Jahrhundert 7 ), und mit wenigen Ausnahmen sind sie wohl alle Erzeugnisse der Schreibstube des Klosters selbst. Und wie in der Schreibstube sich fleißige Hände mühten, gottgefällige Arbeit zu verrichten, so halfen in jenem glücklichen Jahrhundert auch eine ganze Reihe von geschickten Zeichnern und Malern mit, Initialen und Miniaturen zu schaffen. Die Zahl der mit Zierbuchstaben geschmückten Handschriften ist sehr beträchtlich, aber auch der mit Bildern geschmückten Handschriften sind es nicht wenige. Anhangsweise mag hier, wo von der Blüte der Zwiefaltner Schreib- und Malkunst die Rede ist, darauf hingewiesen werden, daß damals im Kloster auch die Musik besonders gepflegt worden zu sein scheint; denn die Pergameuthandschriften 102 und 116 enthalten 6 Ordinariums-Cyklen gruppiert und dazu noch in der letzteren Handschrift in Klassen eingeteilt, eine Klassifikation, die in so früher Zeit bedeutsam ist. Die Zeit der Blüte der Zwiefaltner Schreibkunst und Buchmalerei hat nicht lange gedauert. Sie liegt im mittleren Drittel des 12. Jahrhunderts. In dessen erste Hälfte fällt überhaupt die Blüte des Klosters, die von Abt Ulrich (1095—1139) heraufgeführt worden ist. Die Jahrzehnte, da in Zwiefalten die schönsten Bücher geschaffen wurden und da die Bibliothek den reichsten Zuwachs erfuhr, scheinen auch die Zeit gewesen zu sein, in der man der Verwaltung der Bücherschätze am meisten Aufmerksamkeit schenkte. Der erste Chronist des Klosters, Ortlieb, der uns die Geschichte der Gründung des Klosters hinterlassen hat, wollte in einem zweiten, nicht mehr ausgeführten Buch auch von der Bibliothek berichten („post hec nostrorum conscribitur ordo librorum"), und es liegt nahe, an ihn bei den vielen Besitzeinträgen zu denken, die sich in alten Zwiefaltner Handschriften finden und die in einem hübschen Verslein den Schutz Christi für die Bücher ebenso wie für die Diener seiner Mutter, der Patronin des Klosters, erflehen: Matris Christe tuae famulos librosque tuere Quos Zwivilda tuum servat ad obsequium. ! ) Die Verteilung der Pergameuthandschriften auf die einzelnen Jahrhunderte veranschauliche folgende Zusammenstellung: ». Jahrhundert: :i, 22, 63. 10. Jahrhundert: 43, 105. 11. Jahrhundert: 32, 49, 178. 11. bis 12. Jahrhundert: 17. 20. 27, 29, 35, 37, 42, 40, 53, 54, 55, 58, 62, 73—78, 80, 82, 85, 88, 189, 140, 143, 154, 160, 177. 12. Jahrhundert: 4, 6, 8, 9, 10a, 10b, 11, 12, 13.15, 18. 10, 21, 23, 24, 25, 28, 30, 31 r 33, 34, 30, 38, 9, 40, 41, 44 45, 47, 48. 50, 51, 52, 56, 57, 59, 60, 61, 65, 66, 67, 68, 69. 71. 72, 79, 81, 83, 84, .8, 87, 04, 98. 101, 102, 104, 106, 109, 113, 116, 142, 148, 150, 152, 153, 155, 162, 165, 167, 168, 170, 171, 171 Anm., 172, 173, 174, 175, 183, 189. 12. bis 13. Jahrhundert: 7, 14. 10, 20, 64, 103, 108, 134, 186, 100, 105. 13. Jahrhundert: 20, 70, 110, 125, 144, 147, 149, 156, 176, 180, 184, 185, 187. 13. bis 14. Jahrhundert: 1. 2. 112. 110, 128, 145, 146, 151, 14. Jahrhundert: 5, 90 01 06, 07, 114, 115, 120. 123, 124, 126, 127, 129, 130, 135, 141, 157, 158, 160, 161, 163, 164, 179, 181. 188. 194. 14. bis 15. Jahrhundert: 89, 119, 166. 15. Jahrhundert: 100, 107. 111, 117, 118, 13, 136, 137, 159, 182, 191, 192, 193. 15. bis 16. Jahrhundert: 92. 93. 16. Jahrhundert: 95, 99, 122, 133, 138, Fast ein halbes Hundert der ältesten Handschriften 8 ) enthält diese alte Spur bibliothekarischer Tätigkeit im Kloster, und durchweg sind es Bücher, die nach Schrift und Schmuck sich als Zwiefaltner Erzeugnisse ausweisen. Die Einträge stammen mit wenigen Ausnahmen"), die als spätere Nachahmungen anzusehen sind — zugleich ein Beweis für das hohe Ansehen, in dem dieser erste Bibliothekar gestanden hätte —, alle von einer Hand mit ausgeprägter Eigenart, die an die Urkundenschrift erinnert. Da diese Hand auffallend ähnlich, wenn nicht identisch, ist mit derjenigen, die uns das Werk des ersten Chronisten selbst überliefert hat, so liegt es nahe, bei der Persönlichkeit dieses ersten Bibliothekars eben an Ürtlieb zu denken. Wohl eine Spur von einem noch früheren Versuch, die Bestände der Bibliothek zu zeichnen, dürfen wir in dem Eintrag „liber sanctae Mariae" sehen, dessen Schriftformen noch etwas älteren Eindruck machen und der sich in einer kleineren Zahl von Handschriften — natürlich auch wie die obigen nur Pergamenthandschriften — findet 10 ). Es sind mit zwei Ausnahmen lauter Stücke, die auch den andern Eintrag zeigen. Die beiden Ausnahmen, 51 und 83, die an sich unserer Auffassung der Sachlage zu widersprechen scheinen, können wohl dadurch erklärt werden, daß das Verslein „Matris Christe etc." auf der ersten oder letzten, meist leergebliebenen Seite eingetragen wurde und gelegentlich bei späterem Neubinden verloren gegangen sein mag, woran gerade bei diesen 2 Handschriften leicht zu denken ist, da sie beide am Schluß defekt sind. Vereinzelt steht der ebenfalls in andere Form gekleidete Besitzvermerk von Pergarnenthandschrift 27. Dürfen wir bei den zweimal vorkommenden Einträgen „Concessus de Zwivildea", in Pergamenthandschrift 34 und 50, die beide auch zugleich das alte Verslein haben, an Zeichen eines Leihverkehrs der Klosterbibliotheken denken? Die alte Sitte, die ja heute noch aus guten Gründen besteht, die Bücher durch solche Eigcntumsvermerke- ihrer Heimat zu sichern, findet sich auffälligerweise aus späteren Zeiten nur in ganz vereinzelten Fällen: aus dem 17. Jahrhundert bei Pergamenthandschrift 1 „Monastcrii B. V. M. in Zwiefalten", ähnlich und zwar in einer Form, wie sie in dem benachbarten Weingarten aus der gleichen Zeit für den Gesamtbestand durchgeführt ist, bei Papierhandschrift 172, die mit 158, wo schon aus etwas älterer Zeit ein entsprechender Eintrag steht, die einzigen Papierhandschriften mit einem Besitzvermerk darstellt. Pergamenthandschrift 159 trägt den Vermerk „liber pertinet ad Zwifalten", was bei 186 in etwas früherer Zeit schon deutsch gegeben war mit „ich hör gen zwifalten". Diese späteren Spuren von bibliothekarischer Tätigkeit an der Bücherei sind aber fast verschwindend gegen die planmäßige Durchführung, die wir in den ältesten Zeiten finden. Das klösterliche Leben war in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts in schönster Entfaltung gewesen, und außer der Buchkunst waren auch andere Gebiete der Kunst damals in Zwiefalten gepflegt worden, wie der Chronist Berthold erzählt und wie durch neueste Forschung bestätigt wird 11 ). Um die Mitte des Jahrhunderts wurde aber schon der geistige Friede, der im Kloster herrschen soll und der die Voraussetzung für solche Blütezeiten ist, durch innere Zwistigkeiten gestört, so daß die hlg. Hildegard von Bingen eingreifen mußte. Sie trat für Ulrichs Nachfolger ein, den Abt Berthold, der vorher Kustos des Klosterschatzes gewesen war und von Ortlieb die Aufgabe des Klosterchronisten übernommen hatte. Berthold hatte von 1139 bis 1169 die Abtswürde inne; seine Amtsführung war aber mehrfach durchbrochen von Zwischenzeiten, in 8 ) Es sind die Nummern: 24, 25, 33, 34, 38, 89, 41, 44, 45, 46, 47, 48, 50, 54, 55, S6, 57, 58, Gl, 66, 67, 72, 73—78, (80), 86, 87, (103), 140, (147), 148, 152, (153), 154, 155, (156), 162, 167, 177. ') Sie sind in obiger Zusammenstellung durch Einklammern gekennzeichnet. lü ) 33, 46, 51, 54, 73—78, 83, 140, 152. ") Vergl. die Würzburger Dissertation von Hildegard Güssefeld, Der Kirehenschatz des Klosters Zwiefalten in Württemberg, 11124. 10 denen er zurückgetreten war, wonach er erst auf dringliche Bitten sich wieder dazu verstanden hatte, auf den Abtstuhl zurückzukehren. Im 13. Jahrhundert ging es mit dem Kloster rasch bergab. Aus der ersten Hälfte stammt eine Handschrift, mit der noch einmal der Name eines späteren Abtes, Reinhards von Munderkingen (1232—1234 bezw. 1254), verbunden ist. Reinhard hielt es sogar für angezeigt, sein Bild und das des Malers in dieser Handschrift verewigen zu lassen: aber eben diese Erzeugnisse der Buchkunst zeigen, in welch großem Abstand künstlerisches Schaffen im Kloster damals von dem in der Blütezeit stand. Der Wohlstand des Klosters sank schnell, eine Besitzung um die andere mußte verpfändet werden. Die Kämpfe zwischen Kaiser und Papst und die ewigen Bürgerkriege in Schwaben verschonten auch das Kloster nicht. Im Jahre 1245 traf die Abtei das Unglück, daß bei diesen Kämpfen die Niederlassung durch Brand zerstört wurde. Die Mönche zerstreuten sich und es schien, als sollte Zwiefalten aus der Geschichte verschwinden. Doch wurde das Kloster noch einmal aufgebaut und erholte sich nach und nach wieder. Und daß auch in diesem und im folgenden Jahrhundert das geistige Leben nicht brach lag, bezeugen die zahlreichen Bücher aus dieser Zeit, die sich in der Sammlung einstellten. Freilich stehen sie in weitem Abstand von den Werken aus der Blütezeit: und wenn sie auch zum großen Teil als Erzeugnisse des Klosters angesehen werden mögen, so verkünden sie nicht viel Ruhm für seine Schreibstube und sein Maleratelier. Aber es werden überhaupt viele als fremde Erwerbungen anzusehen sein. Auf diesen Gedanken führt besonders auch das 15. Jahrhundert. Wie überall, so birgt auch die Zwiefaltner Bibliothek zahllose Handschriften dieses tintenklecksenden Jahrhunderts, meist um so unerfreulicher, je massenhafter sie auftreten. Gemäß dem Verschwinden des mittelalterlichen Geistes, wonach der Einzelne gegenüber der Gemeinschaft zurücktritt, erhalten die Bücher auch immer mehr ein persönliches Gepräge, indem der Schreiber nicht versäumt, sich zu nennen. Wir können jetzt die Handschriften nach den Angaben der Zeit ihrer Niederschrift und ihrer Schreiber vom Ende des 14. Jahrhunderts an genau verfolgen. Sind im Schlußteil des 14. nur erst einige in großen Abständen aufzuführen, so läßt sich von 1400 ab fast Jahr um Jahr das eine und andere oder auch mehrere Stücke anreihen 1 -), und meist sind bei ihnen zugleich auch die Schreiber genannt. Wenn wir aber diese nicht unbeträchtliche Reihe von Schreibernamen 1 ') in der Liste der Zwiefaltner Professen") suchen, so finden wir dort nur 4 aus dem 15. Jahrhundert vertreten: Johannes Werncz (Lindner N. 832), Conrad Tegen (1233), Heinrich Meier (1246) und Clemens Wernher (1291). Auch wenn man in Betracht zieht, daß die Professenliste nicht vollständig ist, so scheint es doch fast, als ob weitaus die Mehrheit des reichen Handschriftenzuwachses vom 15. Jahrhundert fremde Erwerbungen gewesen wären. Und doch war die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts für Zwiefalten wieder eine Blütezeit, was schon dadurch zum Ausdruck kam, daß dem Abt die Mitra zugestanden wurde. Im Jahr 1505 wurde auch ein prächtiges Bibliotheksgebäude vollendet. Ebenso wurden die Gefahren der Reformationszeit vom Kloster glücklich überstanden. Solche bessere Verhältnisse aus späteren Zeiten verrät auch wieder die Bibliothek schon in Äußerlichkeiten. Wir finden in ihr aus jenen Zeiten eine Reihe von schönen Einbänden, manche davon als Erneuerung alter Bände, was beweist, daß man der Bibliothek wieder besondere Aufmerksamkeit zuwandte. Einzelne Männer des Klosters werden dabei als Freunde 1S ) 1303: 132, 1374: 7. 1393: 101, 13D5: 97, 1400: 41, 1404: 202. 1409: 97, 1410:46, II, 1411:23, 1417: 104, 1423: 230, 1424: 15,1425: 57, 1427: 123, 134, 1429: 43.1430: 82,1431: 48, 1432: 4, 1433: 14 und 152, 1434: 6 und 20«, 1435: 140, 1430: 52 und 36, 1437: 66, 1440: 20 und 83, 1442: 1, 2, 28, 40, 56, 1443: SS, 1440: 117 und 124, 1440: 117 und 124, 1447: 168, 1448: 07 und 110,1450: 02, 1451: 74, 1453: 04, 1454: 34,1455: 89, 138, 139, 204. 205, 1450: 45, 237, 1457: 19, 1459: 40, 1402: 33, 150, 1403: 99, 1404: 88, 151, 1405: 11, 1400: 235, 1407: 224, 254, 1408: 12, 259, 1409: 3, 1473: 12, 70, 10, 1474: 100, 1477: 154, 1487: 247, 1491: 10, 1492: 251, 1493: 132, 143; natürlich alles Papierhandschriften. 13 ) s. Liste im föegister. 14 ) s. P. Lindner, Profeßbuch der Benediktinerabtei Zwiefalten (= Fünf Profeßbücher süddeutscher Benediktinerabteien, 3), 1910. 11 der Bibliothek beurkundet, indem ihr Name auf dem Einband festgehalten ist. So steht Abt Georg Rauch (1578—1598) in den Pergamenthandschriften 108—110; der Abt hatte die 2 durch Buchmalerei wertvollen Stücke 108 und 110 wohl erst erworben. Schon vor Abt Georg hatte sich einer seiner Vorgänger, der ebenfalls durch seine Gelehrsamkeit bekannt gewordene Abt Nicolaus Büchner • (1538—1567) in einem Einband verewigt — Pergamenthandschrift 104 —; von seinem Bruder Matthias, einem berühmten Tübinger Mediziner, hatte das Kloster wertvolle Bücher erhalten. Auch schon Büchners Vorgänger, Sebastian Müller (1515—1538 bezw. 1555), der eine Reihe von neuen Bauten aufführen ließ, hatte Interesse für die Bibliothek bewiesen durch Stiftung von Klassikerdrucker] und sich durch einen Eintrag in Pergamenthandschrift 30 dauerndes Andenken gesichert. Aus dem ersten Teil des 17. Jahrhunderts stammt der erste, umfassende Katalog der Bibliothek von P. Georg Haller (s. Papierhandschrift 178). Dann ist wieder lange nichts mehr von der Bibliothek bekannt geworden, und die schlimmen Erfahrungen, die im ersten Teil des folgenden Jahrhunderts der berühmteste Gelehrte, den Zwiefaltens Mauern geborgen haben, der Geschichtschreiber des Benediktinerordens Magnus Ziegelbauer, in seinem Heimatkloster machte und t die ihn aus dessen Schoß forttrieben, werfen ein recht ungünstiges Licht auf das geistige Leben der Abtei. Auch steht der beachtlichen Reihe von Gelehrten und Schriftstellern, die das Kloster im 17. Jahrhundert gestellt hatte und von deren reger Tätigkeit noch eine große Zahl von Handschriften in den Klosterbeständen, die Nummern 173—217 der Papierhandschriften, zeugen — es sei nur an Ott, der noch ins 16. Jahrhundert hineinragt, an Mezler, der schon „der Pindar Schwabens" genannt worden ist, an Bochenthaler, der als Theologe, wie als Historiker und Archäologe glänzte, an Suiger, den hochverdienten Geschichtsschreiber des Klosters, erinnert —, all diesen bekannten Namen steht im 18. Jahrhundert neben Ziegelbauer nur Knittl gegenüber. Es ist auch schon mit Recht auf die auffällige Blöße hingewiesen worden, daß dem Kloster im IS. Jahrhundert kein Geschichtschreiber erstand, wo ja von Suiger so glänzend der Grund gelegt gewesen wäre, während damals Weingarten sich im Ruhme seines Heß sonnen konnte. Die äußere Machtstellung des Klosters war nicht zurückgegangen; im Gegenteil. Im Streit mit Württemberg, den Zwiefalten jahrhundertelang um seine Selbständigkeit zu führen gehabt hatte gegen die Ansprüche auf die Schutzvogtei, hatte die Abtei 1750 insofern einen schließlichen Erfolg errungen, als sie ihre Reichsunmittelbarkeit damals anerkannt bekam. Im Laufe des 18. Jahrhunderts war auch der Ruhm der Zwiefaltner Bücherei in immer weitere Kreise gedrungen. Es war die Zeit der Bibliotheksreisen und in den Berichten darüber wurden die jeweils geschauten Wunder urbi et orbi verkündet. Allerdings ist hier der Ruhm der Wein- gartner Bibliothek viel größer geworden; diese ist ja auch größer und wertvoller gewesen, aber es mag zugleich der Umstand mitgespielt haben, daß Zwiefalten mehr abseits von den großen Verkehrslinien lag. So spricht der berühmte Mabillon in seinen Berichten nicht von Zwiefalten, ebenso wenig der Hofrat Zapf, und ganz besonders bezeichnend ist, daß Ziegelbauer im Kapitel de bibliothecis Sueviae von seinem alten Heimatkloster schweigt. Aber der bekannte Fürstabt von Sankt Blasien, Martin Gerbert, schildert die Zwiefaltner Bibliothek eingehend 1 '"'). Er weist auf den Reichtum an Augustinhandschriften hin und auf die mancherlei Werke von Hieronymus und Gregor. Im einzelnen erwähnt Gerbert von Beda die Nummern 85 und 26, weiterhin unter den Kirchenvätern 33, 36, 35, 34, 37, 140, 48, 183, 28 und 69, unter den Geschichtsschreibern 168, 169, 170, 173 und 167; welche besonderen Handschriften von Anselm und Haimo er meint, bleibt unklar. Am eingehendsten behandelt er die zwei Homiliensamm- lungen 45 und 49. Dann werden noch die zwei Handschriften der Regula Benedicti mit Übersetzung, 138 und 156, hervorgehoben, dazu die heute verschollene Nummer 142 mit den Consuetudines von Wilhelm, und endlich die Bibel Pergamenthandschrift 2, während von allen Papierhandschriften nur das eine Stück von Seuse, 28, erwähnenswert schien. Nicht ") M. Gerbert, Iter alemannienm .., 17G5, p. 200 seqq. 12 ganz so ausführlich behandelt der Historiker Gercken 18 ) die Bibliothek; er scheint überhaupt von den Zwiefaltnern nicht durchweg erbaut gewesen zu sein. Er greift natürlich die historischen Handschriften heraus, 169, f74, 170, 168, 183, 172, 173, 167 und 142, die meist auch schon Gerbert aufgefallen waren, und geht dann noch besonders auf Pergamenthandschrift 2 ein. Nach Gerbert und Gercken hat dann noch der Karlsruher Professor Sander einen kurzen Bericht über die Zwiefaltner Handschriften gegeben, der oifenbar auch auf eigener Einsichtnahme beruht. Daß übrigens solche Besuche von Bibliophilen nicht immer so ganz harmlos waren und wahrscheinlich im Kloster manchmal mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen wurden, ist zu ersehen aus einem Besuch des Herzogs Karl Eugen von Württemberg, der damals zu Gunsten seiner Lieblingsschöpfung, der Öffentlichen Bibliothek, überall in der Welt herumreiste. Karl Eugen war 1784 nach Zwiefalten gekommen und hatte mit gefährlicher Freude die Bücherschätze geprüft, auf die er gewissermaßen ein landesväterliches Auge geworfen. Von der Reise heimgekehrt, ließ er dem Kloster schreiben, daß ihm eine Handschrift aufgefallen sei, die sich auf Württemberg beziehe und die er natürlich nicht ungern sein eigen nennen würde. Das Kloster sucht sich zunächst aus der unbehaglichen Lage dadurch zu retten, daß es die ungenaue Bezeichnung, die der Herzog dem Stück gegeben, als Ausflucht nimmt. Aber man wartet in Stuttgart mit genaueren Angaben auf und erklärt, es sei das Chronicon Bertholdi gemeint. Nun konnten die Zwiefaltner aufatmend versichern, diese Handschrift sei schon lange verschollen. Aber der Herzog läßt sich nicht so leicht abspeisen und gibt nicht nach, bis ihm das Chronicon Maius gesandt wird. Nun ließ er zwar mitteilen, daß dies nicht die von ihm gesuchte Handschrift sei; aber eine Rückgabe erfolgte trotz alledem nicht und so blieb das Chronicon in Stuttgart. Es sollte bald mehr nachfolgen. Am Schluß des Jahrhunderts bekam das Kloster vorher noch für den wertvollsten Teil seiner Bibliothek, die Handschriften und Wiegendrucke, einen ausgezeichneten Katalog durch P. Gabriel Haas, der 1792 in 2 Bänden die ganze Handschriftensammlung, getrennt nach Pergament- und Papierhandschriften, eingehend beschrieb und der jedenfalls zugleich damals eine neue Aufstellung und Zeichnung nach den neuen Nummern vornahm. Aber es war ein tragisches Geschick, das des Klosters harrte, ähnlich wie bei Weingarten. Kaum war die genaue Aufnahme der Bücherschätze abgeschlossen und endgültig Ordnung geschaffen, so nahte die Zeit, da die Sammlungen von ihren jahrhimdertalten Heimstätten verschwinden sollten. Schon auf dem Rastatter Kongreß 1798 war im Grundsatz der Plan aufgestellt worden, die deutschen Fürsten für Gebietsverluste, die sie auf dem linken Rheinufer zu Gunsten von Frankreich zu gewärtigen hatten, durch Säkularisation von geistlichen Gebieten zu entschädigen. Zur Ausführung kam dieser Plan durch den Reichsdeputationshauptschluß vom 25. Februar 1803 in Regensburg, wo das Reichsstift Zwiefalten Württemberg zugeteilt wurde. Von der Bücherei wurden die Handschriften und Inkunabeln bei der Gründung einer Zentralbibliothek für Neuwürttemberg in Ellwangen, wo man auch eine katholisch-theologische Fakultät errichtete, sogleich im Jahre 1803 nach dieser neuen Bibliothek gebracht. Im Jahre 1806 wurde aber die besondere Bibliothek in Ellwangen wieder aufgehoben, worauf die Bestände zum größten Teil in die Öffentliche Bibliothek nach Stuttgart kamen, zum kleineren seit 1810 in die dortige Königliche Handbibliothek. Aber auch letzterer Teil der Handschriften, der eine Reihe von Jahrzehnten in der Hand-, später Hofbibliothek aufbewahrt worden war, ist seit 1886 in die öffentliche Bibliothek, jetzt Landesbibliothek geheißen, übergeführt worden und gilt seit 1901 auch als ihr Eigentum, so daß heute die Zwiefaltner Handschriftenbestände, soweit sie sich noch auffinden lassen, mit ganz verschwindenden Ausnahmen in einer großen Bibliothek vereinigt und dort der wissenschaftlichen Forschung bequem zugänglich sind. 18 ) Ph. W. Gercken, lieisen durch Schwaben, Baiern, angranzende Schweiz, in den Jahren 1779—1782.., Tbl. 1, 1783, S. 68«. 2. Vom Inhalt der Sammlung. Die Handschriftensammlung von Zwiefalten ist nach ihrem inhaltlichen Wert nicht so leicht mit kurzen Strichen zu umschreiben wie die von Weinsarten, die ihre Bestände nach bestimmten Wissensgebieten gliedert, und so die einzelnen Gruppen mit ihren Glanzstücken bequemer nebeneinander stellen läßt. P. Haas hat seine ganze Sammlung nur in die zwei Hälften der Pergament- und Papierhandschriften getrennt, also ein äußerliches Merkmal zum Scheidungsmittel genommen. Freilich ist auch damit schon eine gewisse Sichtung gegeben, die nicht uninteressante Beobachtungen machen läßt. Die Pergamenthandschriften sind in der Hauptsache die älteren Stücke, diese Abteilung wird also die dem Alter nach wertvollere Hälfte enthalten. Aber eben an dieser zeitlichen Trennung ist nicht ohne Reiz zu sehen, welche Stoffe und Schriftsteller im ersten, und welche im zweiten Teil des Mittelalters besonders beliebt gewesen sind. So beruht es nicht auf Zufall, daß wir Augustinus mehr als dreißigmal in Pergamenthandschriften finden und nur einmal in den Papierhandschriften. Richten wir über diese Grundscheidung hinaus noch im Besonderen unser Augenmerk auf den einen oder andern einzelnen Schriftsteller, so mag z. B. auffallen, wie wenig von Albertus Magnus in Zwiefalten zu finden ist, wenn sein Vorkommen in der Weingartuer Bibliothek dagegen gehalten wird. Innerhalb der zwei großen Gruppen von Pergament- und Papierhandschriften könnte es fast scheinen, als ob Haas keinen festen und klaren Ordnungs- und Einteilungsplan aufgestellt hätte. Doch schwebt zweifellos auch ihm die bestimmte Gliederung vor, die mit kleineren oder größeren Abweichungen in den meisten alten Klosterbibliotheken durchgeführt ist; nur sieht es so aus, als ob sie in einzelnen Stücken durchbrochen wäre, ganz abgesehen davon, daß die damalige Systematik mit unseren heutigen wissenschaftlichen Systemen nicht durchweg übereinstimmt. Man könnte auch auf den Gedanken kommen, daß Haas nur eine schon festgelegte Ordnung beibehalten, und daß seine Arbeit bloß darin bestanden hätte, sie in einem Katalog zu verzeichnen, vielleicht noch die einzelnen Stücke mit ihren Nummern zu versehen; man beachte dazu die Bemerkung zu den beiden Pergamenthandschriften 10, die man allerdings ebensogut auch für die andere Auffassung geltend machen kann, daß er erst eine sachliche Gruppierung der Bestände habe vornehmen müssen. Daß früher eine andere Einteilung und Zeichnung bestanden hatte, ersehen wir aus Angaben darüber, die in manchen Handschriften festgehalten sind. Offenkundig ist, daß nach der Gliederung, in der Haas seine Sammlung — und zwar natürlich in beiden Abteilungen — vorführt, die Bibeln vorangehen, wie es überall Brauch ist. Zunächst kommen die Gesamt- bibeln, dann das Neue Testament und dann die einzelnen Evangelien; hierauf folgen die Bibelkommentare. Doch ist, wie schon angedeutet, auch hier die Ordnung nicht streng eingehalten. Ist auch so, bei der Pergamentabteilung bis 31 gehend, die erste Gruppe unzweideutig festgelegt, so könnte der weitere Bestand zunächst fast aussehen, als wäre er eine ungegliederte Masse. Es scheint zunächst die Gruppe der patristischen Homiletik zu folgen, was auch der sonst am meisten gefundenen Reihenfolge entspräche, und dann die Theologie überhaupt. Aber bei Nummer 63 kommen nochmals Bibelkommentare, an diese Stelle wahrscheinlich ihren Verfassern zulieb verschlagen, die in das Reich der Kirchenväter weisen. Von 14 89 ab folgt die Gruppe der Liturgica, von 134 ab die Monastica. Aber von 160 an schließt sich nochmals eine Reihe von Predigthandschriften an, die man bei der Homiletikgruppe erwartet hätte, wo sie aber wohl deshalb nicht untergebracht wurden, weil sie namenlose Sammlungen darstellen. Bei 168 scheinen wir ins Gebiet der Profanliteratur zu gelangen, zunächst mit geschichtlichen Werken, dann mit medizinischen, denen sich einige Schulbücher anreihen. Den Schluß sollen wohl Zwifaltensia bilden. Es bleibt also im ganzen keine sehr klare Ordnung, wodurch die Vorführung der Zwiefaltner Schätze schon dieses äußeren Momentes wegen der wuchtigen Wirkung ermangelt, um besonders eindrucksvoll zu wurden. Freilich liegt das Ausbleiben einer solchen Wirkung nicht allein an diesem taktischen Mangel, sondern es ist nicht zu verkennen, daß die Hand- schriftensammlung, wenn auch an Umfang gewiß beachtenswert, doch nicht sehr reich ist an besonderen Wertstücken. Dieses Urteil drängt sich vornehmlich beim Vergleich mit der Bibliothek des benachbarten Weingarten auf, die allerdings schon dem Umfang nach stark überlegen ist, die aber doch auch verhältnismäßig viel mehr Glanzstücke besitzt. Die Zwiefaltner Sammlung trägt verglichen mit dieser anderen Bibliothek noch ausgeprägter den Stempel einer einseitigen Klosterbücherei: so steht z.B. der nicht unbeträchtlichen Zahl von Klassikern, die Weingarten besaß, in Zwiefalten nicht viel Gleichwertiges gegenüber — ganz abgesehen von dem einzigartigen Kleinod der Weingartner Liedersammlung, die ja wohl weniger als Verdienst einer planmäßigen Erwerbungsabteilung der Klosterbücherei angesehen werden darf —. Aber auch in ihren rein klösterlichen Büchern hat die Zwiefaltner Sammlung der Wissenschaft noch verhältnismäßig wenig Dienste tun können 17 ), was zum großen Teil darauf beruht, daß hier gerade die älteste Schicht fehlt, die in der Weingartner Bibliothek einen recht beachtlichen Teil ausmacht. Doch hat darum die Zwiefaltner Handschriftenbibliothek nicht minder ihren Wert gerade durch ihre besondere Eigenart, die vornehmlich im ältesten Teil einen einheitlichen, durch fremden Zuwachs nicht verwischten Gehalt zeigt, den wir als Rüstzeug einer ausgesprochenen Cluniazenser- stätte ansehen dürfen. Bezeichnend dafür ist schon die Tatsache, daß die Handschriften der Bibliothek, die von der wissenschaftlichen Forschung unserer Zeit seither noch am meisten herangezogen worden sind, historische Stücke waren. Im Kampf zwischen Kaisertum und Papsttum, zwischen kirchlicher und weltlicher Macht, ging es im Einzelnen oft um den Besitz klösterlicher oder anderer geistlicher Stätten, und dieser Kampf wurde meist mit Urkunden, echten oder unechten, ausgeführt. Die Kämpfer mußten also vorwiegend sich ins Gebiet der Geschichte begeben; geschichtliche Aufzeichnungen, geschichtliche Kenntnisse waren nicht bloß wissenschaftliche Werte, sondern Waffen im Kampf. Daß die Geister im Kloster in der ältesten Zeit sich vornehmlich diesem Kampfe zugewandt hatten, verrät die Bibliothek jener Zeit noch in manchen kleinen Einzelheiten. Man verfolge z. B. die besonderen, wenn auch manchmal nur kurzen Aufzeichnungen und gelegentlichen Nachträge über solche Dinge, z. B. in Pergamenthandschrift 26, 37, 58 und 84 18 ). Aber auch abgesehen vom Inhalt verdient die Sammlung besonderes Interesse durch ihre Schriftformen, die vor allem für das 12. Jahrhundert eine Schreibstube mit ganz ausgeprägter Schrift bezeugen. Zunächst fällt ein ungewöhnlich langes Festhalten an runden Formen auf, wodurch das Schriftbild einen altertümlichen Ausdruck bekommt. Die spätere Zeit der ") Als Einzelheiten sei hier aufgeführt Pergainenthandsehrift 2(i, die für eine alte Bedn-Ausgabe Druekvorlage war, die zwei Abschriften der Imitatio Christi, Papierhandst-hrift 52 und IIB. die Susohandschrift Paplerh. 28, neben die als wertvolle religiöse Liedersammlung Papierh. !)3 gestellt werden kann, der C'ato Xovus mit seinen althochdeutschen Glossen in Pergainenthandsehrift 29, die durch 37 und 186 ergänzt werden; endlich möge noch auf einige Humauisten- hnndschriften hingewiesen werden, z. B. Papierhandschrift 147. > 8 ) Anhangsweise seien hier einige Handschriften angeschlossen, die In ähnlicher Weise kurze Angaben zur Geschichte von Zwiefalten enthalten: Per- gamenthandschrift 4, 9, 17 und 7!», neben den eigentlichen Chroniken, Annalen und Nekrologen des Klosters. 15 Schrift verrät sich allein darin, daß die ihr eigene Vorliebe für die Höhe im Gegensatz zur alten Zeit, deren Formen mehr in die Breite gehen, dadurch zur Geltuns kommt, daß die außerordentlich kräftig geformten Mittelschäfte hoch gezeichnet und die Anhängsel, z. B. der Schwanz des r ungewöhnlich klein gebildet werden, so daß sie ganz zurücktreten. Das mit diesen Formen gefüllte, ganz gleichmäßige Zeilenband zwischen den Mittellinien erscheint wie mit dem Lineal abgeschnitten, ein Eindruck, der dadurch verstärkt wird, daß vor allem der Querbalken des t nach beiden Seiten stark ausgedehnt und zwar sehr fein, aber wie liniert gezogen wird, und daß ähnliche Striche auch an andere Buchstaben, wo sie in dieser Art sonst nicht üblich sind, z. B. am a, in gleicher Weise angesetzt werden, so daß ein Wortstück wie -itat oben mit einem einzigen, langgezogenen Strich abgegrenzt erscheint. Die ganze Schrift in ihrer kräftigen, gleichmäßigen, fast militärisch ausgerichteten Form bekommt so gewissermaßen einen kubischen Charakter, der sie ebenso kennzeichnet. wie besondere Einzelformen der Majuskeln, so z. B. das N, das man leicht für ein K ansieht, das M, das entweder wie zwei ineinandergeschobene Rustica-A gebildet wird oder als Unzial-M mit der Gestalt der gotischen Fischblase, einer Form, die auch bei anderen Buchstaben, z. B. D, erscheint, Gestaltungen, wie sie natürlich in damaliger Zeit nicht allein bei der Zwiefaltner Schreibschule sich finden. Die eigentümlich kubische Schriftform, die schon aus Hirsau übernommen zu sein scheint, tritt uns vor allem in einer Anzahl von Handschriften entgegen, die liturgischen Zwecken zu dienen hatten, in Evangcliaren und Lektionaren. Sie geht Hand in Hand mit einem ganz bestimmten Gepräge des Buchschmucks und läßt in ihrer unpersönlichen Art, die mehr gemalt als geschrieben aussieht, an Frauenhände denken, womit auch manche andere Eigentümlichkeiten dieser Handschriften — kunstvoll gestickte Seidenhüllen der Deckel, fein vernähte Pergamentblätter — im Einklang stünden. Stammen sie aus dem Zwiefaltner Frauenkloster? Daß Frauenhände damals kostbare Bücher geschaffen hätten, wäre ja nicht unbekannt; es ist durch andere berühmte Beispiele bezeugt und stünde im Einklang mit der kulturgeschichtlichen Eigenart der Zeit, in der die Frau den Mann an Bildung überragte, was dann in der Dichtung, dem Minnesang, seinen Ausdruck fand. Diese Uniformschrift mit dem besonderen Zug des Altertümlichen findet sich in Zwiefalten fast durch das ganze 12. Jahrhundert hindurch und ist das Werk einer starken, treugepflegten Tradition. Daneben aber finden wir ebenfalls in vielen Beispielen, auch eine hohe Schule in feiner Ausführung bekennend, eine ausgesprochen individuelle Schrift, die eher wieder an Männerhände denken läßt. Sie geht in ihren gebrochenen Formen viel mehr mit der Zeit und verrät ausgeprägte Persönlichkeiten. Die beiden Richtungen laufen oft in der merkwürdigsten Weise nebeneinander her und schaffen so Bücher, die einheitlich entstanden sein müssen, in ihren Teilen aber Menschenalter, fast Jahrhunderte auseinander zu liegen scheinen — als Beispiel s. Pergamenthandschrift 171. Auch in der Buchmalerei hat Zwiefalten damals einen ganz eigenen Stil. Nicht in Silber und Gold, wie bei vielen anderen, besonders früheren Schulen, glänzen die Handschriften des Klosters, sondern kunstvoll gepflegte Federzeichnung schmückt die Bücher mit Zierbuchstaben und Bildern. Mit Vorliebe in Rot steuert die Initialornamentik ihre Buchstaben bei, meist gebildet aus Knollenranken, zu denen aber auch allerlei phantastische Tiere, sowie Menschengestalten treten. Alle Zwiefaltner Handschriften aus der Blütezeit des Klosters, die mit Initialen oder Miniaturen versehen sind, zeigen diese ausgesprochene Vorliebe für Federzeichnung in einer Strenge, fast Einseitigkeit, wie sie anderwärts kaum zu finden ist. In der ersten Zeit werden die Initialen gern noch hervorgehoben durch bunte Farbe, die den Grund bildet; auch bei der Federzeichnung der Initiale selbst wird damals oft neben Rot noch eine andere Farbe verwendet. Später wird die einfachste Art der reinen Federzeichnung ohne Farbbeigabe immer schroffer durchgeführt, ein Ausfluß der verstandesmäßigen, strengen Richtung, die von Hirsau ausgegangen war, zugleich aber auch 16 eine der Eisenart der Buchseite am besten angepaßte Kunst. Die Zahl der Handschriften aus jener Zeit, die mit solchen Zierbuchstaben geschmückt sind, ist sehr groß; es seien von den Pergamenthandschriften als Stücke, die im wesentlichen den gleichen Stil zeigen, aufgeführt: 4, 7, 9, 14, IS, 19, 21, 23, 26, 28, 31, 34, 38. 39, 41, 42, 46, 47, 50, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 62, 66, 67, 69, 71, 73/78, 79, $2, 94, 98, 101, 102, 104, 106, 109, 116, 134 in etwas späterer Art, 139, 140, 143, 155, 167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 178, 183, wozu als etwas abweichend die Nummern 17, 35, 37 noch gestellt werden können. Daß darunter die eine oder andere dem Mutterkloster Hirsau zuzuweisen sein mag, ist schon oben angedeutet worden. Gemeinsam ist allen diesen Gebilden der Initialoruamentik die Technik der Federzeichnung, meist in Rot, in selteneren Fällen mit Beiziehung weiterer Farben, z. B. 170, manchmal mit leichter Überstreichung der Formen mit Wasserfarbe, z. B. 101 oder 94. Auch die Formgebung ist in der Hauptsache einheitlich: der Buchstabe wird gebildet mit Knollen- ranken, bei reicherer Gestaltung treten dazu Blätter und Blüten, teilweise in ganz phantastischen Gebilden, und das Ganze wird oft belebt duren Tiere abenteuerlicher Arten, meist Drachen, und auch durch Menschen. Als Grund wird manchmal — und dies ist wohl die ältere Stufe — ein farbiges Polster mitgegeben, in früherer Zeit gern in Gelb, z. B. 73/78, aber auch in weiteren Farben, z. B. 106. Etwas abseits steht Nummer 36, die wohl Zwiefaltner Schrift hat, aber daneben eine archaisierende Fisch- form zeigt, wohl eine Laune oder Spielerei eines Einzelnen, veranlaßt durch irgend ein altes Vorbild. Statt weiteren genaueren Ausführungen im Einzelnen sei auf die Veranschaulichung verwiesen, in denen alle die verschiedenen Arten wiedergegeben sind: Karl Löffler, Romanische Zierbuchstaben und ihre Vorläufer, Stuttgart 1927. In anderen Jahrhunderten scheint die Initialornamentik im Kloster keine Stätte gehabt zu haben. Natürlich birgt die Zwiefaltner Bibliothek auch Handschriften mit Zierbuchstaben aus anderen, früheren, meist aber späteren Zeiten, bei denen jedoch meist alle Wahrscheinlichkeit oder ganz bestimmte Beweise dafür sprechen, daß sie nicht im Kloster entstanden sind 19 ). Manche davon zeigen auch Federzeichnungstechnik, so 22 alte Flechtornamentik in primitiver Art aus karolingischer Zeit, 105 ein schönes Beispiel ottonischer Buchkunst. Der Hirsau-Zwiefaltner Art nähert sich das auch mit Bildern geschmückte Alspacher Evangeliar, 10a, das aber doch älteren Stil zeigt. Auch die sonst mehr beliebte Initiale in Deckfarben, oft mit Gold, findet sich natürlich nicht selten in der Bibliothek und vielleicht mag auch das eine oder andere Stück aus Zwiefalten stammen: dem 13. und 14. Jahrhundert gehören au: 5, 20, 64, 70, 127, 128 und 145. Randleisten, wie sie die Livres d'heures schmücken, zeigen in dürftigen Proben die Handschriften 119 und 120. Kleine Bildinitialen finden sich in 2, 179 und 180; „lettres fleuronnees" in den zwei Bibeln am Anfang, weiterhin in 145, 179, 180, 184 und 185. Mehr kalligraphisch gebildete Buchstaben in Rot und Blau zeigen 141, 146 und 147. Als ganz vereinzelt aus der Reihe der Papierhandschriften wären hier ihrer Initialen halber die Nummern 63 und 64 anzureihen. Ähnlich liegt die Sache, wenn wir von den Zwiefaltner Handschriften diejenigen zusammenstellen, die dem wertvolleren Gebiet der Buchkunst,, der eigentlichen Buchmalerei angehören, die Handschriften mit Miniaturen, von denen übrigens die meisten auch zugleich Initialen enthalten und damit obiger Reihe noch anzuschließen wären. Auch hier stammt aus der eigentlichen Blütezeit eine nicht unbeträchtliche Gruppe 50 '), die einen ganz ausgeprägten Sonderstil zeigen und auch wieder eine unverkennbare Vorliebe für Federzeichnung offenbaren. Unter den Stücken der alten Zeit, die etwa dem Kloster zugehören könnten, ist nur ein einziges, das die Deckfarbmalerei — nicht in sehr kunstvoller Art und wohl nur in Nachbildung einer älteren Vorlage — vertritt, Pergamenthandschrift 17. Ein prächtiges Beispiel mehrfarbiger Federzeichnung, die aber die Bei- 18 ) Auch von solchen Initialen sind Proben im obigen Werk wieder? 20 ) Vergl. die Veröffentlichung von K. Löffler, Schwäbische Buchmalerei in romanischer Zeit, 1928, deren Hauptteil die Zwiefaltner Stücke ausmachen. 17 Ziehung von Deckfarbe noch nicht ganz verschmäht, ist die Nummer 167, die für gewöhnlich Hirsau zugeschrieben wird. Bewußt auf dem Weg zur reinen Federzeichnung weitergeschritten ist das sicher in Zwiefalten entstandene, reiche Stück 171, das ikonographisch, wie kulturgeschichtlich von hohem Werte ist. An diese Handschriften wären anzuschließen, aber nach und nach großen Abstand aufweisend und damit wohl einen Niedergang der Klosterkunst darstellend, 168, 170, 174, 183, 28, während das Chronicon Maius (171 Anmerkung) vor 171 liegen würde. Es wurde immer nüchterner, immer kälter auf dieser Bahn, die von Hirsau ausgegangen war. Wie weit man aber im Anfang des 13. Jahrhunderts schon von den Meisterwerken aus dem mittleren Teil des vorangehenden entfernt war, zeigt noch 176. Neben dieser streng einem rein verständnismäßigen Ziel zustrebenden Gruppe, die in ihren Mitteln immer kahler wird, läuft eine andere her, die wohl auch im Grunde Federzeichnung bleibt, aber in ihren Farben noch eher das Bunte liebt und zugleich sich mehr an Gemüt und Phantasie wendet. In dieser Gruppe stehen die Stücke 106 und 98, mit denen nach ihrer Initialornamentik und Schrift 94, 101 und 102 zusammenzunehmen wären. Sie haben alle liturgischen Zwecken zu dienen und gehören zu den ältesten Beständen der Bibliothek. Gerade bei diesen Handschriften liegt der Gedanke nahe, sie als die Ausstattungsstücke des Mutter-Klosters anzusehen, was zugleich ihre nicht zu verachtende künstlerische Höhe erklären würde. Sie sind aber sicher erst zur Zeit, da Zwiefalten schon bestand, hergestellt worden, was schon ihre Kaiendare bezeugen. Zugleich weist eben bei ihnen Mancherlei der äußeren Form auf Frauenhände, wie schon oben ausgeführt ist. Die Annahme, daß die Bücher ursprünglich im Frauenkloster und nicht im Hauptstift waren, würde auch die auffällige Tatsache erklären, daß sie, obgleich sicher ganz alte Zwiefaltner Erzeugnisse, nicht das alte Verslein enthalten. Daß andere Stücke, z. B. 171 ff, es auch nicht haben, wäre darin begründet, daß sie später entstanden sind, während gerade unsere durch ihr reicheres Kolorit sich abhebenden Handschriften in Schrift und Kaiendaren Anhaltspunkte enthalten, daß sie noch aus der ersten Hälfte des Jahrhunderts stammen, also an sich wohl jenen Inventarisationsvermerk tragen könnten. Schöne Proben der Deckmalerei aus dem 13. Jahrhundert, wie wir sie z. B. in der thüringisch-sächsischen Schule so zahlreich finden und wie sie auch aus dem benachbarten Weingarten in Meisterwerken bekannt sind, barg die Bibliothek in den Handschriften 108 und 110, deren Herkunft aber noch nicht geklärt ist. Zwiefaltner Erzeugnisse in ihnen zu sehen, ist unmöglich: es sind keine Anhaltspunkte dafür vorhanden und schon ein Blick auf das Zwiefaltner Stück aus jener Zeit, 176, schließt eine solche Annahme aus. Es mögen Erwerbungen von Abt Georg sein, auf den ihr Einband hinweist. Ähnlich wird der Fall bei den livres d'heures 121, 130, 131 und 133 liegen, bei deren zwei letzten der vorherige fremde Besitz ausdrücklich beurkundet ist. Auch im Gebiet der Einbandkunst sind die Zwiefaltner Handschriften lehrreich. Wir finden einen sehr wertvollen alten Metalleinband bei 105: da aus der Glanzzeit des Klosters auch eine blühende Goldschmiedekunst nachgewiesen ist 21 ), mag der Kunsteinband wohl Zwiefaltner Werk sein, wenn auch der Text der Handschrift selbst älter ist und nicht aus Zwiefalten stammen kann. In dem schönen gestickten Seideneinband von 101 werden wir wohl ein Werk des Frauenklosters sehen dürfen, zu dem das Alspacher Evangeliar 10a ein Gegenstück bildet. Renaissanceeinbände, die teilweise bestimmte Männer des Klosters verewigen, haben z. B. 97 und 104 (Abt Nicolaus), 108, 109 und 110 (Abt Georg), 133 (Frater W. Rapp), 124 (ein F. G. N.); andere Beispiele wären die Handschriften 14 22, 24, 25, 27, 97, 107, 116 bis 122, 156. Darunter sind eine Reihe von Neubänden, die beweisen, daß man damals im Kloster den Einbänden besondere Beachtung schenkte. Barockeinbände zeigen die Handschriften 1, eine ander Art 121, einen solchen Einband, der zugleich einen fürstlichen Besitzer verewigt, 2. sl ) Siehe rlie oben schon erwähnte Dissertation von Hildegard Giissefeld. . 9 18 Daß Pergamenthandschrift 93 in Einbandstempcln das württcmbergi- sche Wappen zeigt, ist nicht weiter verwunderlich, da Güterstein, woher die Handschrift stammt, eine Zeitlang württembergisch war; aber auffällig und eigentlich unerklärlich ist ein ähnlicher Stempel bei der Papierhandschrift 9, die wohl immer im Kloster gewesen ist, wo man doch einen jahrhundertelangen Kampf mit Württemberg zu kämpfen hatte. In diesem Zusammenhang mag auch auf die ebenfalls zunächst auffällige Erscheinung hingewiesen werden, die in Einbänden von Klosterhandschriften die Bilder von Reformatoren darstellen, so z. B. Pergamenthandschrift 97, 108 und 110. Es braucht wohl nicht besonders ausgeführt zu werden, daß die Sammlung reiche Gelegenheit gibt, die verschiedenen Arten des einfachen Klosterbandes kennen zu lernen, den beliebten, meist roten Schaflederband, den Pergamentband, den gewöhnlichen unverzierten Schweinslederband; auch etwas seltsamere Arten, z. B. den bloßen Lederumschlag (Pergamenthandschrift 7), den eigenartigen Rücken mit dem ausgeschnittenen Lederstreifen (z. B. Papierhandschrift 152). Daß solche Einbände einfacher Art durch Benützung von alten Material gelegentlich besondere Funde versprechen, sei nur nebenbei bemerkt: Beispiele der Art bilden 31, 53, 54, 55, 64, 143, 154 und 179. 3. Die einzelnen Handschriften. a) Pergamenthandschriften. 1 = Bibl. 8° 16, mit alter Signatur. Biblia latina, cum interpretatione hebraieorum nominum. 416 Blatt, zweispaltig, mit Perlschrift des XIII./XIV. Jahrb.. auf dünnstem Pergament; Initialen in blau-roter Federzeichnung (Lettres fleu- ronnees) teilweise über die ganze Länge der Spalten. Am Schiuli: In fine libri reddatur merces guillelmo cardinali. Einband des 17. Jahrhunderts: Holzdeckel mit braunem, abgeriebenem Leder überzogen, worauf in Goldpressung Randverzierung und in der Mitte Kartusche mit Brustfigur von Porträtcharakter; Goldschnitt; zwei Schließen verschwunden. Auf der Vorderseite des Pergamentvorsatzblattes ein Kranz im Rokokostil eingemalt, in den mit Majuskeln eingeschrieben ist: Biblia / Sacra / Latina; darunter in Kursive: Monasterij B. V. M. in / Zwiefalten. Unten auf der Seite eine alte Signatur F. F. 77. 2 = Bibl. 8° 18, mit alter Signatur. Biblia latina; am Schluß Concordantia evangeliormn, comes (dabei das Fest des hl. Franziskus) und prologus Eusebii in psalterium mit einer kurzen Erklärung für diakritische Zeichen und Interpunktionen. 595 Blatt, zweispaltig, mit Perlschrift des XIII./XIV. Jahrh. auf aller- dünnstem Pergament (Jungfernpergament): Initialen in feiner, blauroter Federzeichnung (Lettres fleuronnöes) meist über die ganze Länge der Spalten und außerdem am Anfang der Bücher feine Bildinitialen in Deckfarben, hauptsächlich Blau, Rot und Gold, zum Teil auch der ganzen Spalte entlang, stockwerkartig aufgebaut. Wie die vorangehende Handschrift, aber sie weit übertreffend, wohl französischen Ursprungs. Einband des 16. Jahrhunderts, stark beschädigt und teilweise ausgebessert: Holzdeckel mit dunkelbrauner, fast schwarzer, z. T. abgerissener Seide überzogen, worauf in Gold eingepreßt E. M. B. D. W. / G. W. H. Z. S. / 1576 (= Erhalte mich bei dem Wort Gottes, Wilhelm Herzog zu Sachsen). Die Goldpressung der Schrift ist aber fast ganz verschwunden, auch ist ein Buchstabe vor dem 1. E nicht mehr zu entziffern; zwei Schließen bis auf Reste verschwunden. Goldschnitt. Auf den Herzog Wilhelm geht auch der Eintrag im Hinterdeckel: Wilhelmus Saxoniae Dux / haec sacra Biblia propriä / scripsit manu / Anno 1576, wobei die Zahl 15 abgeändert scheint; dies bezieht sich natürlich nicht auf den Text der Handschrift, sondern auf den andern Eintrag der ursprünglich leeren Seite 584r, zwischen Schluß des Bibeltextes und Conkordanz: Anno 76 / Herr erhalt mich Bey / Deinem Wort, von anderer Hand. Die Handschrift ist erwähnt von Martin Gerbert, Iter Alemannicum, 1765, p. 207 (in der Übersetzung von 1767, S. 195), ferner von Philipp Wilhelm Gercken, Reisen I., 1783, S. 74, und von Heinrich Sander, Beschreibung seiner Reisen, 2, 1784, S. 429. 2* 20 3 = Bibl. fol. 80. ^ a ^^ZJ^Z^^ M tpist0 - A - s - osto - 2. Hafte Jes^jÄ^dÄ F" ^«"^scher Minuskel aus der wohl aus deVBoSSeiänd t\T lS \ starken ' rauhem Pergament, roten Incipits und SSP2jL, ^K- Weitere Ausstattung außer mit Neunten. CX P |11 -'^ Spater eingefugt einige liturgische Stücke und darin Einzelstempel de^nr.Ä ? aut . en durch mehrfache Linien Hinterdeckel TlS^dfef^pSS." 1 ^ A " f dcn Vorder " und 4 = Bibl. fol. 72. von P Sw« sSerlr^nfve'A^f 81 "^ ? '«erlineari. Vorangehen auch von etwas"spätrer Hand 1 h'T"' de morte: am Schluß stehen, hand abstehend Versüß R S Ä C J! n ' cht sehr weit von der Haupt- de morte regfs PI i i PP i Sf r,. Abt Rei,,hard von Munderkingen?) Schrift aus der% Hälfte des 12 £1^? Per « atn Ä e nts mit schöner ziemlich große hervorra^nH,i J ah ,rhunderts: am Anfang der Briefe Zwiefaltner Stil nervorragende '"'tialen in roter Federzeichnung von led^r e flb E er" b ogei : SSSF&S"lÄ'f ""2 gebr0chen ' m » Schaf " Schließen zum größere T^n Bl '." dll '*um Rauten und Rahmen: 2 streifen von Pergament Aul" R !^ Wu i ,de " : auf Htaterdeckel Titel- der Buchstaben deVhehr-ik , ,„ a7 i V" deS ,e,zten Blattes die Namen tandeiSrAbsÄStt!ä? A ' pl ! abcts von ein « Hand des 16. Jahr- i^a^T^-iÄWiJssssa pa,aeo?raphica - '"• r - •»• Liefg. 5 = Bibl. fol. 75. Quattuor Evangelia. del 2 xÄ 1 Tahrtunderts ht aW t | eten *"»""'>* mit schöner Bastarda Ä'SÄÄft"* "5 14 -- J^^rtTbfnfitS tavSK ÄÄ^ (?) ' me possidet iust0 Titul ° 6 = Bibl. fol. 70, mit alter Signatur. Evangelium Matthaei cum glossa marginal! et interlinear!. 12 JatohunS^nÄ 611 t ? er 5 ame ^ ts nlit sorgfältiger Minuskel des U. Jahrhunderts. Initialen, tur die Raum gelassen, nicht ausgeführt