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Die Handschriften des Klosters Zwiefalten
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eine der Eisenart der Buchseite am besten angepaßte Kunst. Die Zahlder Handschriften aus jener Zeit, die mit solchen Zierbuchstaben ge-schmückt sind, ist sehr groß; es seien von den Pergamenthandschriftenals Stücke, die im wesentlichen den gleichen Stil zeigen, aufgeführt: 4,7, 9, 14, IS, 19, 21, 23, 26, 28, 31, 34, 38. 39, 41, 42, 46, 47, 50, 53, 54, 55,56, 57, 58, 62, 66, 67, 69, 71, 73/78, 79, $2, 94, 98, 101, 102, 104, 106, 109,116, 134 in etwas späterer Art, 139, 140, 143, 155, 167, 168, 169, 170,171, 172, 173, 178, 183, wozu als etwas abweichend die Nummern 17, 35,37 noch gestellt werden können. Daß darunter die eine oder andere demMutterkloster Hirsau zuzuweisen sein mag, ist schon oben angedeutetworden. Gemeinsam ist allen diesen Gebilden der Initialoruamentik dieTechnik der Federzeichnung, meist in Rot, in selteneren Fällen mit Bei-ziehung weiterer Farben, z. B. 170, manchmal mit leichter Überstreichungder Formen mit Wasserfarbe, z. B. 101 oder 94. Auch die Formgebung istin der Hauptsache einheitlich: der Buchstabe wird gebildet mit Knollen-ranken, bei reicherer Gestaltung treten dazu Blätter und Blüten, teilweisein ganz phantastischen Gebilden, und das Ganze wird oft belebt durenTiere abenteuerlicher Arten, meist Drachen, und auch durch Menschen.Als Grund wird manchmal — und dies ist wohl die ältere Stufe — einfarbiges Polster mitgegeben, in früherer Zeit gern in Gelb, z. B. 73/78,aber auch in weiteren Farben, z. B. 106. Etwas abseits steht Nummer 36,die wohl Zwiefaltner Schrift hat, aber daneben eine archaisierende Fisch-form zeigt, wohl eine Laune oder Spielerei eines Einzelnen, veranlaßtdurch irgend ein altes Vorbild. Statt weiteren genaueren Ausführungenim Einzelnen sei auf die Veranschaulichung verwiesen, in denen alle dieverschiedenen Arten wiedergegeben sind: Karl Löffler, Romanische Zier-buchstaben und ihre Vorläufer, Stuttgart 1927. In anderen Jahrhundertenscheint die Initialornamentik im Kloster keine Stätte gehabt zu haben.Natürlich birgt die Zwiefaltner Bibliothek auch Handschriften mit Zier-buchstaben aus anderen, früheren, meist aber späteren Zeiten, bei denenjedoch meist alle Wahrscheinlichkeit oder ganz bestimmte Beweise dafürsprechen, daß sie nicht im Kloster entstanden sind 19 ). Manche davon zeigenauch Federzeichnungstechnik, so 22 alte Flechtornamentik in primitiverArt aus karolingischer Zeit, 105 ein schönes Beispiel ottonischer Buch-kunst. Der Hirsau-Zwiefaltner Art nähert sich das auch mit Bildern ge-schmückte Alspacher Evangeliar, 10a, das aber doch älteren Stil zeigt.Auch die sonst mehr beliebte Initiale in Deckfarben, oft mit Gold, findetsich natürlich nicht selten in der Bibliothek und vielleicht mag auch daseine oder andere Stück aus Zwiefalten stammen: dem 13. und 14. Jahrhun-dert gehören au: 5, 20, 64, 70, 127, 128 und 145. Randleisten, wie sie dieLivres d'heures schmücken, zeigen in dürftigen Proben die Handschriften119 und 120. Kleine Bildinitialen finden sich in 2, 179 und 180; „lettresfleuronnees" in den zwei Bibeln am Anfang, weiterhin in 145, 179, 180, 184und 185. Mehr kalligraphisch gebildete Buchstaben in Rot und Blau zeigen141, 146 und 147. Als ganz vereinzelt aus der Reihe der Papierhandschrif-ten wären hier ihrer Initialen halber die Nummern 63 und 64 anzureihen.

Ähnlich liegt die Sache, wenn wir von den Zwiefaltner Handschrif-ten diejenigen zusammenstellen, die dem wertvolleren Gebiet der Buch-kunst,, der eigentlichen Buchmalerei angehören, die Handschriften mitMiniaturen, von denen übrigens die meisten auch zugleich Initialen enthal-ten und damit obiger Reihe noch anzuschließen wären. Auch hier stammtaus der eigentlichen Blütezeit eine nicht unbeträchtliche Gruppe 50 '), dieeinen ganz ausgeprägten Sonderstil zeigen und auch wieder eine unver-kennbare Vorliebe für Federzeichnung offenbaren. Unter den Stücken deralten Zeit, die etwa dem Kloster zugehören könnten, ist nur ein einziges,das die Deckfarbmalerei — nicht in sehr kunstvoller Art und wohl nur inNachbildung einer älteren Vorlage — vertritt, Pergamenthandschrift 17.Ein prächtiges Beispiel mehrfarbiger Federzeichnung, die aber die Bei-

18 ) Auch von solchen Initialen sind Proben im obigen Werk wieder?

20 ) Vergl. die Veröffentlichung von K. Löffler, Schwäbische Buchmalereiin romanischer Zeit, 1928, deren Hauptteil die Zwiefaltner Stücke ausmachen.