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Die Handschriften des Klosters Zwiefalten
Entstehung
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Fast ein halbes Hundert der ältesten Handschriften 8 ) enthält diesealte Spur bibliothekarischer Tätigkeit im Kloster, und durchweg sind esBücher, die nach Schrift und Schmuck sich als Zwiefaltner Erzeugnisseausweisen. Die Einträge stammen mit wenigen Ausnahmen"), die alsspätere Nachahmungen anzusehen sind — zugleich ein Beweis für dashohe Ansehen, in dem dieser erste Bibliothekar gestanden hätte —, allevon einer Hand mit ausgeprägter Eigenart, die an die Urkundenschrifterinnert. Da diese Hand auffallend ähnlich, wenn nicht identisch, ist mitderjenigen, die uns das Werk des ersten Chronisten selbst überliefert hat,so liegt es nahe, bei der Persönlichkeit dieses ersten Bibliothekars ebenan Ürtlieb zu denken.

Wohl eine Spur von einem noch früheren Versuch, die Beständeder Bibliothek zu zeichnen, dürfen wir in dem Eintrag „liber sanctaeMariae" sehen, dessen Schriftformen noch etwas älteren Eindruck machenund der sich in einer kleineren Zahl von Handschriften — natürlich auchwie die obigen nur Pergamenthandschriften — findet 10 ). Es sind mitzwei Ausnahmen lauter Stücke, die auch den andern Eintrag zeigen. Diebeiden Ausnahmen, 51 und 83, die an sich unserer Auffassung der Sach-lage zu widersprechen scheinen, können wohl dadurch erklärt werden, daßdas Verslein „Matris Christe etc." auf der ersten oder letzten, meist leer-gebliebenen Seite eingetragen wurde und gelegentlich bei späteremNeubinden verloren gegangen sein mag, woran gerade bei diesen 2 Hand-schriften leicht zu denken ist, da sie beide am Schluß defekt sind. Ver-einzelt steht der ebenfalls in andere Form gekleidete Besitzvermerk vonPergarnenthandschrift 27. Dürfen wir bei den zweimal vorkommendenEinträgen „Concessus de Zwivildea", in Pergamenthandschrift 34 und 50,die beide auch zugleich das alte Verslein haben, an Zeichen eines Leih-verkehrs der Klosterbibliotheken denken?

Die alte Sitte, die ja heute noch aus guten Gründen besteht, dieBücher durch solche Eigcntumsvermerke- ihrer Heimat zu sichern, findetsich auffälligerweise aus späteren Zeiten nur in ganz vereinzelten Fällen:aus dem 17. Jahrhundert bei Pergamenthandschrift 1 „Monastcrii B. V. M.in Zwiefalten", ähnlich und zwar in einer Form, wie sie in dem benach-barten Weingarten aus der gleichen Zeit für den Gesamtbestand durchge-führt ist, bei Papierhandschrift 172, die mit 158, wo schon aus etwasälterer Zeit ein entsprechender Eintrag steht, die einzigen Papierhand-schriften mit einem Besitzvermerk darstellt. Pergamenthandschrift 159trägt den Vermerk „liber pertinet ad Zwifalten", was bei 186 in etwasfrüherer Zeit schon deutsch gegeben war mit „ich hör gen zwifalten".Diese späteren Spuren von bibliothekarischer Tätigkeit an der Büchereisind aber fast verschwindend gegen die planmäßige Durchführung, diewir in den ältesten Zeiten finden.

Das klösterliche Leben war in der ersten Hälfte des 12. Jahrhundertsin schönster Entfaltung gewesen, und außer der Buchkunst waren auchandere Gebiete der Kunst damals in Zwiefalten gepflegt worden, wie derChronist Berthold erzählt und wie durch neueste Forschung bestätigtwird 11 ). Um die Mitte des Jahrhunderts wurde aber schon der geistigeFriede, der im Kloster herrschen soll und der die Voraussetzung fürsolche Blütezeiten ist, durch innere Zwistigkeiten gestört, so daß diehlg. Hildegard von Bingen eingreifen mußte. Sie trat für Ulrichs Nach-folger ein, den Abt Berthold, der vorher Kustos des Klosterschatzes ge-wesen war und von Ortlieb die Aufgabe des Klosterchronisten übernom-men hatte. Berthold hatte von 1139 bis 1169 die Abtswürde inne; seineAmtsführung war aber mehrfach durchbrochen von Zwischenzeiten, in

8 ) Es sind die Nummern: 24, 25, 33, 34, 38, 89, 41, 44, 45, 46, 47, 48, 50, 54,55, S6, 57, 58, Gl, 66, 67, 72, 73—78, (80), 86, 87, (103), 140, (147), 148, 152, (153), 154, 155,(156), 162, 167, 177.

') Sie sind in obiger Zusammenstellung durch Einklammern gekenn-zeichnet.

lü ) 33, 46, 51, 54, 73—78, 83, 140, 152.

") Vergl. die Würzburger Dissertation von Hildegard Güssefeld, DerKirehenschatz des Klosters Zwiefalten in Württemberg, 11124.