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Die Handschriften des Klosters Zwiefalten
Entstehung
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Zwiefaltiier Handschriften noch manche Stücke, die weit über die Grün-dungszeit vom Kloster zurücksehen; z. B. Pergamenthandschrift 3, 22 und63 aus dem 9. Jahrhundert, die nach der Bodenseegegend zi" weisenscheinen, sowie 43 und 105 aus dem 10., von denen die letztere schon mitder Reichenau in Verbindung gebracht worden ist. Sicheres über Herkunftand Vorgeschichte dieser Handschriften ist nicht bekannt geworden. Siemögen spätere Erwerbungen von Zwiefalten darstellen, könnten aber auchvon Hirsau mitgegeben worden sein"), wenn sie auch nicht zu den eigent-lichen Handbüchern des Gottesdienstes gehören. Auf jeden Fall sind siekeine Hirsauer Erzeugnisse. Aber auch solche stecken — wenigstens allerWahrscheinlichkeit nach — noch in den Zwiefaltner Beständen. Nachalter Überlieferung des Klosters wurden in Zwiefalten als Hirsauer Gutdie 2 Pergamenthandschriften 139 und 140 angesehen. Sie sind insofernbesonders wertvoll, als sowohl in ihrer Schrift als in ihrer Ausstattungunverkennbar Zusammenhänge bestehen mit Stücken, deren Entstehungvon jeher nach Zwiefalten selbst verlegt worden ist. Ihre Schrift würdeübereinstimmen mit einer bestimmten Richtung, die wir in einer umfang-reichen Gruppe der alten Zwiefaltner Handschriften vertreten finden.Einer anderen Richtung würden die zwei Stücke 26 und 178 angehören,von denen das zweite durch einen alten Eintrag als hirsauisch gekenn-zeichnet sein könnte und das erste durch einen seiner Teile die Verbin-dung mit der Schrift der ersten Richtung herstellen würde. Dieses Zu-sammengehen von 2 ganz verschiedenen Richtungen der Schreibkunst inHirsau wäre um so beachtenswerter, als ganz die gleiche Erscheinungauch bei der Zwiefaltner Schule selbst festzustellen ist. Wie die 2 obengenannten Handschriften 139 und 140 ist ebenfalls nach alter Überlieferungund auch nach Feststellung der Kunstgeschichte ein Hirsauer Werk dasberühmte Passionale, Pergamenthandschrift 167. Freilich ist gerade beidiesen 3 von der Tradition selbst Hirsau zugewiesenen Stücken im Augezu behalten, daß sie dem Alter nach in eine Zeit fallen, da Zwiefaltenschon bestand: sie müßten also als Geschenke oder Tauschgaben oderdergl. in das Tochterkloster gekommen sein. Daß solche Übergänge inder Tat stattfanden, wird durch eine weitere Handschrift, das Evangeliar10a aus Alspach, bewiesen, deren Verbleib in Zwiefalten nur durch dasZwischenglied Hirsau erklärbar wird.

Aber eben bei den andern der Überlieferung nach aus Hirsau stam-menden Handschriften legt sich immer wieder die Frage nahe, ob nichtdie eine oder andere davon am Ende doch in Zwiefalten selbst entstandenist. Denn die Merkmale, die bei ihnen Zwiefalten und Hirsau zu verbindenscheinen, finden sich noch in manchen andern Stücken, und zwar in solchen,die nach gewöhnlicher Annahme ohne weiteres als Zwiefaltner Erzeugnisseangesehen werden, so daß man immer wieder schwankt zwischen demStaudpunkt, doch noch viel mehr Handschriften aus Zwiefalten der altenHirsauer Bibliothek zuzuweisen als gewöhnlich geschieht, und dem andern,auch die besonderen Hirsau zugeschriebenen Stücke schon als Werke desTochterklosters gelten zu lassen. So ist z. B. eine Hand im ChroniconMains, die sich durch ein eigenartiges R — bei dem zwischen den beidenBogen am Schaft ein Zwischenraum freibleibt — verrät, auch in N. 139,dem einen der beiden Hirsau zugewiesenen Stücke, zu finden. Eine ge-wisse allgemeine Übereinstimmung in der Schrift der beiden Schreib-schalen, und ebenso in ihrer Buchkunst, ist ja bei dem Verhältnis vonMutter- und Tochterkloster von vornherein anzunehmen. Die ersten MöncheZwiefaltens waren von Hirsau gekommen und es ist ganz wohl denkbar,daß darunter der eine oder andere sich befand, der in beiden KlösternProben seiner Schreibkunst hinterlassen hat. So wird es immer schwierigbleiben, aus der ältesten Schicht der Zwiefaltner Bestände etwaiges Hir-sauer Gut mit Sicherheit ausfindig zu machen. Auch der Gesichtspunkt,wonach glänzendere Werke dem mächtigen, berühmten Hirsau und ein-

') Dagegen mag geltend gemacht werden, daß sie den alten Besitzeintragaus dem 12. Jahrhundert (s. u.| nicht hüben, was doch darauf schließen ließe,daß sie erst später dem Kloster zugekommen sind.