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Die Handschriften des Klosters Zwiefalten
Entstehung
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Diese mächtige Gönnerschaft mit ihren weitausgedehnten Beziehun-gen kam auch der Rüstkammer des geistigen Lebens im Kloster, derBibliothek, zugute. Es wird ausdrücklich von ihren Büchergeschenkenberichtet. So spricht Berthold (Cap. 13) bei der Beschreibung des großenGeschenkes der Herzogin Salome von Polen, einer der Töchter des Grafenvon Berg, von einem psalterium magnum auro conscriptum 1 ). H. V. Sauer-land sieht in diesem Buch das berühmte Psalterium des Erzbischofs Egbertvon Trier, das jedenfalls eine Zeitlang in Zwiefalten war, bis es seine ein-zigartigen Irrfahrten weiter fortsetztet. Ging dieses Geschenk dem Klosterspäter wieder verloren, so blieb ein anderes, dessen Schenkung ebenfallsvon Berthold (Cap. 22) berichtet wird 3 ), das Martyrologiurn des PriestersGisclbert von Obermachtal, dauernd der Bibliothek erhalten (Pergament-handschrift 175). Noch mehr natürlich mußte in der Bibliothek die geistigeMistammung von Hirsau sich geltend machen. Aber gerade über dem erstenAbschnitt der Bibliotheksgeschichte, im Kapitel der Zusammenhänge mitHirsau, liegt noch mancherlei Dunkel und manches ungelöste Rätsel. Diealtberühmte Bibliothek von Hirsau ist in ihrer Hauptmasse versehwundenoder verschollen, und so haben wir keine sichere Grundlage, um die Eigen-art der Hirsauer Schreibschule und der Hirsauer Buchkunst zu zeichnen.Daß eine Hirsauer Bibliothek schon in früher Zeit bestanden hat, ist nichtnur im Hinblick auf das, was von Hirsauer Kunst auf anderen Gebieten,Architektur, Malerei, Plastik, z. T. noch erhalten, z. T. glaubhaft berichtetist, ohne weiteres anzunehmen, sondern auch ausdrücklich überliefert.Mögen die Nachrichten des Trithemius, die hiefür die Hauptquelle bilden,in vielen Stücken als Erfindung gelten, in diesem Punkt werden sie auchvon anderen Gewährsleuten unterstützt, und es liegt kein Grund vor, siezu bezweifeln, um so weniger, als sich aus alter Zeit selbst noch einKatalog der Hirsauer Bibliothek, wenigstens in Abschrift, erhalten hat, zudem freilich die einzelnen Handschriften heute fast alle nicht mehr nach-zuweisen sind 4 ). So ist auch die Angabe des Trithemius, daß Wilhelm vonHirsau seiner Gründung Zwiefalten Ausstattungsbücher mitgegeben habe,durchaus im Einklang mit dem, was Brauch war, ja was für den Gottes-dienst der Mönche vom ersten Tag ab eine notwendige Voraussetzungbildete.

Wo sind diese ersten Bücher der Zwiefaltner Bibliothek? Da siewohl in der Hauptsache für den täglichen Gebrauch bestimmt waren,können sie durch die Abnützung der Zeit aufgebraucht sein, und es magzwecklos scheinen, nach ihnen zu fahnden. Anderseits wird gleich ausder allerersten Zeit des Klosters von einem Brand berichtet, dem auchBücher zum Opfer gefallen seien, wie der eine der zwei ältesten Chronistenvon Zwiefalten, Berthold, berichtet 5 ). Man hatte die Holzzellen, die derersten behelfsmäßigen Unterbringung gedient hatten, 1097 durch ein be-sonderes Klostergebäude ersetzt, das aber auch nur aus Holz bestand und1099 durch Feuer zerstört wurde. Aber schon 1109 wurde — ein Zeichen,wie rasch der Wohlstand des Klosters gewachsen — eine Kirche als Steiu-bau mit großer Feierlichkeit eingeweiht, die durch berühmte Reliquienbald weithin bekannt geworden ist; und um dem Gotteshaus mit seinerganzen Gemeinde, die allmählich großen Umfang angenommen, in den un-ruhigen Zeiten auch nach außen Sicherheit zu schaffen, wurde 1138 dasGanze mit festen Mauern und Türmen umgeben. Beim Brand von 1097sei die erste Bibliothek — magna copia librorum — mit vernichtetworden. Mag sein, daß gerade damals die Hirsauer Mitgift von Büchernverloren gegangen ist. Immerhin finden sich auch unter den heutigen

') s. Monumente Germaniae historiea, t. XII, p. 104, Z. 20. Es ist übri-gens nach dem Text unsicher, ob das Buch wirklich damals nach Zwiefalten kam.

2 ) Festschrift der Gesellschaft für Nützliehe Forschungen zu Trier zurFeier ihres hundertjährigen Bestehens. Der Psalter Erzbischof Egberts vonTrier, Codex Gertrudians in Cividale. Von H. V. Sauerland u. A. Haseloff.Trier 1901, Die Bezeichnung „magnum auro conscriptum" paßt allerdings viel-leicht nicht ganz auf den Psalter (2:18X188 mm mit 233 Blättern).

s ) s. M. G. H. t. XII, p. 108.

4 ) Siehe Lessings Werke (Hempelausgabe). Th. 13, Abt. 2, S. 40!) ff.

") Monumenta Germaniae historiea. T. XII, 1852, S. 111, Z. 42.