Druckschrift 
4,2 (1923) Dicotyledones : (II. Teil)
Entstehung
Seite
1106
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

1106

i

Hallsmittel aufbewahrt. Der an Portwein erinnernde, u. a. als Purgans und Diureticum gebrauchte Schlehen»wein (ital.: Vino di prugnola) wird aus Schlehen, Branntwein, Zucker, Rosinen und Gewürznelken bereitet, derSchlehengeist aus zerstampften, mit Zuckersaft vergorenen Schlehen destilliert, der Schlehenlikör aus Schlehen»steinen mit Braqntwein und Zucker. Der Farbstoff der Fruchthaut dient zum Schwarzfärben. Die Volkstümlich-keit der Schlehe äussert sich u. a. in zahlreichen Flurnamen wie Schlehdorf am Kochelsee, Schlehrüti mehr»fach in der Schweiz, ebenso Schlechten, Schlech, Schlestaud, Schlehmis u. a., in der Westschweiz, Belossy, Bolossy,Bellochay, Bollossettaz usw. (Belocier bei St. Maurice schon 1205 genannt, Prunätschl, Brugnaler und Bruniaunin Südtirol). Wahrscheinlich stammen diese Namen ebenso wie das englische Bullace aus dem Keltischen. Vondem slawischen sliva, das neben der Schlehe namentlich auch P. domestica subsp. insititia bezeichnet, leitensich zahlreiche Flur» und Ortsnamen ab wie Schlieven und Schleinitz.

1594. Prunus domestica L. (inkl. P. insititia 1 ) L., = P. communis Hudson non Arcangcli,= P. sati'va Rouy et Camus, = Drupäria insititia et D. Prunus Clairv.). Pflaume 1 ), Krieche,Zwetschge. Franz.: Prunier, pruneaulier (im Linterwallis: Promay); engl.: Plum, greengage;dän.: Kroege, blomme; schwedisch: Plommon, sviskon; ital.: Pruno, prugnolo, susino; imTessin: Brügn; im Puschlav: Brune. Taf. 156, Fig. 3 und 4 ; Fig. 1275 bis 1278 und 1274f.

Pflaume (althochd. pfruma, mittelhochd. pflume) ist ein Lehnwort aus lat. prünum oder dem gleich»bedeutenden griech. nQovfxvov [prumnon]. 1 ) Mundartliche Formen sind z. B. Pruum (Aachen, Elberfeld),Braum (Hunsrück), Pfram (Kärnten), Pflume, Frume (Schweiz). Der Name Krieche (mittelhochd. Krieche)für subsp. insititia var. subsilvestris dürfte zuGrieche" gehören, also diegriechische Pflaume" bedeuten. Mund»artliche Formen sind Kreeke, Kreike (niederdeutsch), Krekel(te) (bergisch), Kriacherl (bayrisch»öster«reichisch), Chrieli (Schweiz), Chanderer»Chrieche (Markgrafenland). Das Wort Spilling (althochd. speni»linch, mittelhochd. spinling) bedeutet ursprünglich den Schlehdorn (Prunus spinosa) und gehört zu althochd. spenila= kleiner Dorn (zu lat. spinula = kleiner Dorn oder zuSpange"). Der Name bezieht sich auf die zuweilendornigen Aeste der Art. Uebrigens wird er auch manchen Pflaumensorten beigelegt! Spilgen (niederdeutsch),S p e r r j en, S p e 11 e n (Nordwestdeutschland), S p i 11 ch en (sächsisch), S p en 1 ing (Oberösterreich). Tammslee[zahme Schlehe] (Ostfriesland), Haberschlehe [reift mit dem Haber] (schwäbisch), Haberkriese wird dievar. Juliana genannt. Gehören die oberdeutschen Benennungen Ziberl, Zeiberl (Niederösterreich), Ziber»ling (Steiermark), Zibart(l)e (Schweiz, Schwaben), Zipärle (Graubünden) zuZibebe" (grosse Rosinen)?Andere Bezeichnungen für Formen der subsp. insititia sind noch Bilse (z. B. Hunsrück), Bülken (Mark); Wich»terkes (Westfalen). Die Reineclaude (= Königin Claude) benannten Formen (subsp. Italica) führen ihrenNamen nach der Gemahlin von Franz I. Das französische Wort ist nicht selten bis zur Unkenntlichkeit entstelltso Remiglotte (Lörrach), R i n g (e) 1 ot t e n (Wien, Bonn), Reinklau (Nassau), R e n e g n o d e n (Naumburg),reine Kloden (Mecklenburg), grüne Knoten (Thüringen). Das Wort Zwetschge (Zwetsche, Zwetschke)für subsp. oeconomica hat sich erst im 16. Jahrhundert eingebürgert. Sein Ursprung ist nicht klar. Vonmanchen wird eine Ableitung aus (prünum) damasc6num (= Pflaume von Damaskus) angenommen. Mund«artlich tritt das Wort in vielen Formen auf z. B. Swetsche (Braunschweig), Quetsche, Quätsche (be»sonders im Mittel» aber auch im Niederdeutschen), Quatschen (Gotha), Quatschke (Nordböhmen),Zwöschpn (bayrisch»österreichisch), Queckschte, Gewetsche (Baden), Zwätschge, Wägste,Wätschge (Schweiz). Rätoromanische Benennungen Graubündens sind vetschger, brün, brümbla.

Strauch oder kleiner, selten bis 6 (10) m hoher Baum mit wehrlosen oder seltener(bei wilden und verwilderten Formen) ± verdornenden, kahlen oder (namentlich in der Jugend,selten länger als bis zum 2. Jahr) sammtig behaarten Zweigen und ebensolchen Winter knospen.Borke ziemlich glatt, graubraun. Blattstiele ± 1 /2 bis 2 (2 1 lt) cm lang, oft ohne oder mit 1bis 2 kleinen Drüsen; Blattspreite länglich verkehrt=eiförmig bis elliptisch, spitz (seltener stumpf),

1 5 bis 10 cm lang, dünn, in der Knospenlage gerollt, fein kerbig=gesägt, beiderseits iweich behaart, oberseits meist frühzeitig verkahlend. Blüten zu 1 bis 3 an Kurztrieben, ±

2 bis 4 (bis 5) cm breit. Blütenstiele kurz, ± 1 h bis 2 cm lang, ± kurz flaumig behaartoder kahl. Kelchblätter 3=eckig=eiförmig, innen wie die Laubblätter i behaart, aussen meist

') Lat. insititius = angesiedelt, fremdländisch, im Gegensatz zur einheimischen P. spinosa. Die altenAutoren bezeichneten die Art entweder schlechthin als prüna oder belegten die einzelnen Sorten, von denenschon Plinius eineingens turba" kannte, mit besonderen Namen. Das griech. ngovfivri [prümne], das nochGalen nur für die Schlehe brauchte, lat. pruna, altnord. phruma, angelsächsisch plüme, althochd. pfrumastammen wohl aus einer orientalischen, nicht indogermanischen Sprache.