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4,2 (1923) Dicotyledones : (II. Teil)
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hellgrünen Früchten. Von sonstigen Bildungsabweichungen kommen Vermehrung und Verminderung der Zahleinzelner Blütenkreise, namentlich Füllung, und verschiedene Verwachsungserscheinungen (verwachsene Blüten»stiele und ganze Blüten, Zwillingsfrüchte) vor. Die Früchte werden besonders durch Krähen, Elstern und Alpen«dohlen verbreitet. Ueber die Parasiten, z. B. die durch Taphrina Rostrupiana (Sadeb.) erzeugten Narrentaschen,vgl. pag. 1056 und Fig. 1274 e ; auch Viscum album ist wiederholt (z. B. in Steiermark und in der Schweiz) aufder Schlehe beobachtet worden.

Häufig wird die Pflanze zu Hecken und ausserdem auch zur Befestigung rutschender Lehmhängeverwendet-, sie gibt dann kleineren Vögeln günstige Nistgelegenheit. Das harte (nach J a nk a [1915] 4. Härtestufe,Härtezahl 651 bis 1000 kg/cm 3 ), feinfaserige Holz verwendet der Drechsler und Tischler. Gerade Sprossewerden zu Spazierstöcken (Knotenstöcke") verarbeitet! die sparrigen Aeste werden zur Konzentrierungder Salzsole in den Gradierhäusern sowie zum Schutze junger Obstbäume benützt, die Dornen als Sperr»hölzchen bei der Wurstfabrikation (so im Bündner Oberland nach Hager; in WestfalenWöste Krippenholz"= Würstegreifenholz] genannt). Die Sprosse scheinen von Blausäureglukosid frei zu sein. In der Nordostschweizschneidet man am Karfreitag vom Schlehdorn (wie auch z. B. von der Stechpalme)Sprisselhölzli", d. h. Amulettegegen in die Haut dringende Holzsplitter. Die etwa 3°/o Gerbstoff enthaltende Rinde wird nur selten zumGerben und zu Zahnpulver gebraucht,die Laubblätter als Tabak» und Tee»

Surrogat (Schlehentee") sowohl alsErsatz für Schwarztee wie als Blut»reinigungstee. Die Blüten enthaltenneben etwas Blausäureglukosid Quer,cetin (C15H10O7) und Kampferöl(CisHioOs). Ihre medizinische Ver»

Wendung war schon Theophrast,

Dioskurides, Plinius und Galenbekannt; die alten deutschen Aerztenannten sie Flöres Acäciae,da der Strauch für die uxaxia [akakia]

(= Acacia) der Alten gehalten wurde.

Noch heute wird in der Homöopathieaus den Blüten (Flöres Acacia»rum sive Acäciae nosträtis)eine Essenz bereitet, und der Auf«guss aus Schlehenblüten ist ein volks»tümliches Blutreinigungs», Abführ» undMagenmittel und wird auch gegenKatarrh und Lungenleiden gebraucht.

Sirup aus Schlehenblüten wird als Pur«gans undAnthelminthicum angewandt.

Die zusammenziehende Rinde rühmteman gegen Wechselfieber; sie lieferteine rote Farbe, schützt den Käsevor Fäulnis und eignet sich zumGerben. In Schwaben gilt die RegelSoviel Tage vor Georgi (24. IV.) derSchlehdorn blüht, soviel Tage vorJakobi (25.VIII.) zur Ernte man zieht".

Schlehenfrüchte scheinen schondie Neolithiker gesammelt zu haben(Steinfunde in Schweizer Pfahlbautenund anderwärts), ebenso die Römer(Funde in Vindonissa). Noch heutewerden sie in vielen Gegenden ge=

sammelt und kommen auch noch in manchen Gegenden (z. B. in München noch 1910 das Pfund für 60 Pfg.) aufden Markt. Früher kaute man sie zur Beförderung des Speichels, besonders beim Spinnen. Roh sind sie nurnach mehrmaligem Durchfrieren einigermassen schmachhaft; mit Zucker und etwas Essig eingemacht verlierensie aber den herben, zusammenziehenden Geschmack. Gedörrte Früchte werden z. B. in Oesterreich auch als

Fig. 1274. Prunus spinosa L. a Winterzweig, b Sprossdorn, c Knospe, d Knospen-schuppe, e Narrentaschen verursacht durch Taphrina Rostrupiana (Sadeb.). / Narren vonT. pruni auf P. domestica L.