Druckschrift 
4,2 (1923) Dicotyledones : (II. Teil)
Entstehung
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659
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Pldtanus Occidentälis L. (= P. lobäta Moench, = P. hybrida Brot., = P. vulgaris var.angulösa Spach). Nordamerikanische Platane. Fig. 992.

Bis 30 m (in Nordamerika bis 50 m) hoher Baum mit aufrechten Aesten und in kleinen Stücken sichablösender Rinde. Stamm nicht oder nur selten bis zur Spitze durchgehend. Laubblätter meist 3s oder (besondersdie Sommer- und Herbstblätter üppiger Triebe) 5-lappig, am Grunde gestutzt, breit-herzförmig oder kurz keil-förmig, seltener abgerundet, 3- (seltener 5=)nervig. Mittellappen grösser als die Seitenlappen, von diesen nicht(wie bei P. Orientalis) durch tiefe Einschnitte getrennt, meist kürzer als am Grunde breit. Lappen buchtiggezähnt (f. dentäta), selten vollständig ganzrandig (f. integrifölia). Blattzähne zugespitzt, mit aufgesetztem Spitz-chen. Behaarung auf den Nerven und in den Nervenwinkeln der Unterseite erhalten bleibend. Nebenblätter

Fruchtblättern vor und weibliche Blüten mit verkümmerten Staubblättern; auch zwitterige und ganz geschlechts-lose Blüten sind schon beobachtet worden. Ebenso findet man zuweilen in demselben Köpfdien männliche undweibliche Blüten zusammen. In Mitteleuropa reifen die Früchte gewöhnlich nicht aus. Die Platanen sind aus-geprägte Wintersteher j erst im Laufe des nächsten Frühlings nämlich fallen die Fruchtkugeln auseinander. Die sonstanemochoren Früchtchen werden im Süden auch durch Ameisen (Aphaenogaster bärbara und A. strüctor) verschleppt.Auch die reichliche, besonders nach Verletzungen auftretende Wurzelbrut sichert die Vermehrung. Für Kultur-zwecke werden Stecklinge und Ableger verwendet. In der Jugend wachsen die Stämme sehr rasch und erreichenein hohes Alter bei oft gewaltiger Grösse (bis über 50 m Höhe und bis über 15 m Stammdurchmesser). Bei derstarken und tiefgehenden Bewurzelung sind tiefgründige Böden notwendig. Auch anWärme und an Licht machendie Plalanus-Arten grosse Ansprüche. Von Missbildungen werden verwachsene Keimblätter, Gabelteilung einesLaubblattes sowie Knospenschuppen, die mit Stiel und einer kleinen Spreite versehen waren, erwähnt. Neuer-dings werden die Blätter gelegentlich Tabakmischungen beigegeben.

Unter natürlichen Verhältnissen wachsen die Platanen an Flüssen und Bächen und anderen feuchtenStandorten; in der Kultur ertragen sie eine extreme Austrocknung ihrer Unterlage (Sommer 1857, 1859, 1911).An mässig feuchten, frostfreien Stellen, frei und unbeschnitten gewachsen, bilden sie einen prächtigen Schmuckder Landschaft, besonders durch die weitausladenden Aeste, durch das lichte, schöne Laub und durch denhohen Stamm mit der hellen, buntfarbigen Rinde (Fig. 991). In dichteren Beständen gedeihen die Platanen schlecht undkommen deshalb als Waldbäume nicht in Betracht; am häufigsten werden sie in Parkanlagen, an Strassen (Allee-baum), in Wirtschaftsgärten (hier meist flachgestutzt) angepflanzt. Unangenehm sollen die im Frühjahr abfallen-den Filzhaare der Laubblätter undjungen Triebe wie auch die Frucht-haare wirken, indem sie die Schleim-häute der Augen und eingeatmet dieLuftwege reizen. Unter Insektenhaben die Platanen wenig zu leiden;für Mitteleuropa kommen höchstensdie im Holz lebende Larve desKäfers Böstrychus dfsparHeller, die auf den Blättern lebendeLarve eines Spanners (Z e r 6 n eu 1 m ä r i a F.) und die BlattlausLdchnus Pldtani Kaltb. in Be-tracht. Grösseren Schaden richtetein die jungen Frühlingsblätter be-befallender Pilz (Gloeospöriumnervis^quum Sacc.) an. Dasgrobfaserige, mittelschwere, sehrzähe, ziemlich harte und schwerzu spaltende, aber nicht sehr dauer-hafte, bräunliche bis rötliche Holzhat lufttrocken ein spezifisches Ge-wicht von 0,47 bis 0,65 und wirdals Bau» und Werkholz, seltener zuMöbeln, Wagnerarbeiten u. dgl. ver-wendet ; es ist zerstreut porig (ähn-lich der Rotbuche) und hat engeGefässe und derbe Markstrahlen.

Fig. 992. Platanus Occidentalis L. a Zweig mit Fruchtständen (*/s natürlicherGrösse), b Zweig mit Winterknospen, c und e Winterknospen, d Knospenschuppen./ Laubblatt, g Nebenblätter, h Haare der Laubblätter, i Haare aus den Blattachseln.k Diagramm der männlichen Blüte. I Weibliche Blüte, m Staubblatt, n WeiblicherBlütenstand längsdurchschnitten, o Fruchtknoten, p Früchtchen im Längsschnitt.