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4,2 (1923) Dicotyledones : (II. Teil)
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In Deutschland einzig im Osten westlich bis zum Bayerischen Wald (Lüsen; wohl angepflanzt), bis inden Fränkischen Jura (zerstreut), bis in das mittelfränkisdie Keupergebiet (Dinkelsbühl, Wassertrüdingen, früherauch bei Geldersheim und Haltenbergstetten), bis in das Unterfränkische Musdielkalkgebiet (Thüngersheim, Schwein»fürt), in das Buntsandsteingebiet (Aschaffenburg), bis zur Rhön (Nordheim), zum Erzgebirge (z. B. Altenberg,Bärenstein, Zinnwald, Schlossberg zu Schwarzenberg), zum Rotstein bei Löbau in der Lausitz, zum Harz(Falkenstein, Kaltes Tal bei Luderode, Hampe), bis Ostbrandenburg, Frankfurt an der Oder» Wriezen» Ebers«walde»Chorin«Balm, Hinterpommern ; in Schlesien, Posen, Ost» und Westpreussen zerstreut und streckenweisefehlend; in den übrigen Teilen Deutschlands hie und da kultiviert und selten verwildert, z.B. in der Pfalz beiDürkheim, Fussgönheim und Forst, bei Erfurt. In Oesterreich in Oberösterreich bei Christianaberg imoberen Greiner Wald, auf dem Kasberge bei Mölln-, in Niederösterreich bei Hardegg, Drosendorf, zwischenRaabs und Waidhofen a. d. Thaja, zwischen Gross»Gerungs und Langschlag, Mitterschlag, Hermannschlag, St.Martin, Schrems, Litschau; in Böhmen und Mähren ziemlich verbreitet. Fehlt in der Schweiz vollständig.

Allgemeine Verbreitung: Nördliches Eurasien, nördlich und westlich bisArchangelsk, Haapanava, Ingrien, Ost» und Südbalten bis Hinterpommern, Harz, Rhön,Oberösterreich.

Sempervivum soboliferum gehört dem pontischen Element an. Ueber Pflanzen mit ähnlicher Ver»breitung vgl. Alsine setacea Mert. et Koch Bd. III, pag. 395.

Am häufigsten siedelt sich die Pflanze auf Felsen an, so im mittleren und südlichen Mähren (Ueber dieBegleitpflanzen vgl. Hesperis tristis Bd. IV, pag. 466), im Erzgebirge zusammen mit Festuca glauca, Silene nutans,Sedum reflexum und S. Telephium, Vincetoxicum officinale, Verbascum Lychnitis, Chrysanthemum corymbosum undHieracium Schmidtii. In den steppenartigen Trockenwiesen von Südmähren erscheint sie zusammen mit Poa bulbosa,Festuca glauca und F. Vallesiaca, Carex supina und C. Micheln, Anthericum ramosum, Ranunculus Illyricus,Peucedanum Alsaticum, Statice Armeria var. elongata, Asperula glauca u. a., ferner in lichten Kiefernwäldern aufSandboden mit dünner Rasen» oder Moosdecke (so besonders in Nordostdeutschland), seltener auch auf sandigenFeldern, an Ufern, Teichdämmen und an Mauern. Hie und da wird S. soboliferum auch auf Dächern und auf Kirch»höfen als Grabschmuck kultiviert. Bemerkenswert ist die reichliche vegetative Vermehrung durch die kugel»runden, leicht abfallenden Ausläuferrosetten, die durch den Wind leicht verbreitet werden.

Bastarde sind in der Gattung Sempervivum ungemein häufig und, da sich diese auf vegetativemWege sehr reichlich, meist reichlicher als die Stammarten vermehren, oft in grosser Individuenzahl und mit»unter selbst ohne die vermeintlichen Stammeltern zu treffen. Diese Bastardformen, die als solche lange nichterkannt wurden, sind wiederholt als eigene Arten beschrieben worden und auf solchen basiert die Mehrzahlder von Schott, Lehmann, Schnittspahn, Baker, Jordan usw. aufgestellten zahlreichen Arien, vondenen viele jetzt nicht mehr mit Sicherheit aufzuklären sind.

Aus dem Gebiet sind bisher folgende Bastarde bekannt geworden. 1. S. t ec t o r um subsp. alpinumX S. Wulfenii (= S. \Vid d e ri Schnittsp. et Lehm.). Rosettenblätter am Grunde meist rot, am Rande ge»wimpert, sonst kahl. In der Form zwischen beiden Stammeltern die Mitte haltend. Kronblätter gelb und gegen dieBasis zu rot, oder gelb und rot gestreift. In der Schweiz und zwar besonders häufig im Oberengadin undim Puschlav.2. S. tectorum subsp. alpinum x S. montanum subsp. raontanum (= S. BaeticumBrügger). Rosettenblätter schärfer und mehr plötzlich zugespitzt als bei S. montanum, auf der Fläche zerstreutdrüsenhaarig, am Rande borstig gewimpert. Pflanze grösser und kräftiger als bei S. montanum. Blüten heller.(Ober»Engadin). Hierher gehört wohl auch die Angabe von S. Comöllii Rota aus dem Berninagebiet im Ober»engadin (vgl. Rübel, E. Pflanzengeographische Monographie des Berninagebietes in Engler's Botan. JahrbüchernBd. XLVII, 1912). 3. S. tectorum subsp. alpinum X S. arachnoideum var. Doellianum (= S.angustifölium Kerner, = S. Heeriänum Brügger, = ? S. Schnittspahni Lagg., = ? S. Pilos6lla Schnittsp.).Pflanze hochwüchsig, bis 25 cm hoch. Rosettenblätter lineallanzettlich, plötzlich in eine feine Spitze zugeschweift,graugrün, auf der Fläche kahl oder nur gegen die Spitze fein drüsig«behaart, am Rande mit weissen, biegsamenHaaren und spärlichen Drüsenhaaren besetzt, an der Spitze mit einem Büschel von kurzen, weichen undwelligen Haaren. Stengelblätter weichhaarig gewimpert und auf der Fläche drüsenhaarig. Stengel kräftig. Krön»blätter breiter als bei S. tectorum, rosenrot mit dunklerem Mittelstreif. Linter den Stammeltern wohl überall,so in Bayern in den Allgäueralpen auf der Ochsenalpe und an den Hängen des Salober im Bärgündele aufLiashornsteinfelsen), in Tirol bei Landeck, Ober»Spiss und im vorderen Oetztal, wahrscheinlich auch bei Schmira,in der Schweiz im Samnaun (Compatsch), im Oberengadin und im Wallis. Auch das auf den höheren Gipfelndes Französischen Jura schon unweit der Schweizer Grenze vorkommende Sempervivum FauconnetiiReuter stammt zweifellos von diesem Bastarde ab, wenn auch heute S. arachnoideum im Jura fehlt. Vgl. hiezuauch Beauverd, G. Notes preliininaires sur quelques cultures de joubarbes in Bull. Soc. bot. Geneve, 2 e ser.,VI (1914), pag. 19 bis 24, wonach gewisse Bastardformen von S. arachnoideum (var. tomentosum) X tectorum