1716
(Franken) angegeben, von beiden Eltern durch aufrechte Blütenstiele und Unfruchtbarkeit verschieden (die An«gaben aus Graubünden beziehen sich auf Zwergformen von G. Pyrenaicum). — G. molle L. x G. pusillumBurm. (= G. Oen^nse Borbäs) aus Westpreussen (Prussy bei Briesen), Tirol (Hall) und Vorarlberg (Feld«kirch). — G. pratense L. x G. Robertianum L. von Derbyshire in England (vgl. über diese sehr un«wahrscheinliche Kombination E. und H. Drabble in Journal of Botany. Bd. XL VI, 1908).
CCCCXLIII. Erödium 1 ) L'Heritier. Hirtennadel, Reiherschnabel. Franz.:Bec de grue, bec de cigogne, frison; engl.: Stork's-bill, heron's-bill; ital.: Gruina,
gruaria.
Ein* und 2=jährige, seltener auch ausdauernde Kräuter und Halbsträucher. Keimblätterungeteilt oder gefiedert. Stengel oft verkürzt, an den Knoten oft verdidct, wie die Laubblättermeist + behaart. Laubblätter meist gegen=, seltener wechselständig, die unteren oder allerosettig gehäuft, mit fiederspaltiger oder ungeteilter, ± eiförmiger bis lanzettlicher (nur bei
dem südafrikanischen E. incarnatum [L.] L'Herit. wie bei Geraniumhandförmig geteilter) Spreite und freien oder verwachsenen Neben»blättern. Blüten in blattachselständigen, oft zt grundständigen, meistzu mehrblütigen, selten einblütigen Dolden verkürzten Wickeln mitoft sehr reduzierten Hochblättern. Kelchblätter 5, mit dachiger Deckung.Kronblätter 5, verkehrt=eiförmig, nicht ausgerandet, die beiden oberenöfters durch Grösse und Färbung von den anderen abweichend, wo»durch die Blüten schwach dorsiventral sind. Drüsen 5, zwischen denKronblättern. Staubblätter in zwei 5=zähligen Kreisen; die 5 äusseren,vor den Kronblättern stehenden ohne Antheren, oft zu Schuppenverkümmert, die 5 inneren, vor den Kelchblättern stehenden mitAntheren, am Grund verbunden oder fast frei. Fruchtknoten aus 5der verlängerten Achse angewachsenen Fruchtblättern gebildet; jedesFruchtfach mit 2 Samenanlagen, von denen meist nur 1 reift, bei der Reifesich an den langen, hygroskopischen, ± behaarten und sich spiralig einrollenden Schnäbelnvon der Achse loslösend und aufwärts krümmend. Samen ohne Nährgewebe. Würzelchenzwischen den Keimblättern liegend.
Die Gattung ist mit über 50, z. T. schwer zu unterscheidenden und recht vielgestaltigen Arten haupt«sächlich im Mittelmeergebiet (über 40 Arten) vertreten, reicht jedoch mit einzelnen Arten bis Nordeuropa (ein«heimisch nur E. cicutarium), Mittel und Ostasien, Australien und Neuseeland, Nord« und Südamerika. — Inden vegetativen Merkmalen stimmt Erodium fast völlig mit Geranium überein. Bei den Laubblättern überwiegtfiederige gegenüber fingeriger Zerteilung. Die Blüten unterscheiden sich hauptsächlich durch die Neigung derKrone zur Dorsiventralität. Ueber die Prä« und Postflorationsbewegungen vgl. Fig. 1650 und die pag. 1658genannten Arbeiten. Neben Homogamie und Proterandrie scheint auch Proterogynie häufiger als bei Geraniumvorzukommen. Die Embryobildung stimmt nach R. Soufeges (in Compt. Rend. Ac. Paris. Bd. CLXXVI, 1923)mit der von Geum überein. Die Fruchtbildung (Fig. 1651) gleicht mehr der von Pelargonium als der vonGeranium. Noch vor ihrer Loslösung stellen sich die die Samen dicht umschliessenden Teilfrüchte schief zur„Mittelsäule". Durch die plötzlich erfolgende Einrollung der sowohl aussen wie innen behaarten Grannen zuSpiralen werden sie unter Umständen auf grössere Entfernungen (bei E. gruinum bis 1 '/> m) fortgeschleudertund werden überdies auch leicht epizoisch, bei der Sektion Plumosae (z. B. E. hirtum und E. glaucophyllum)auch ähnlich den Stipa« und Aristidafrüditen durch den Wind verbreitet. Nur der untere Teil zeigt die beider Austrocknung erfolgende spiralige Einrollung. Bei Anfeuchtung streckt sich dieser wieder hygroskopisch,weshalb die Teilfrüchte besonders der grossfrüchtigen Arten wie E. ciconium und E. gruinum, aber auch dieunserer beiden Arten als Hygroskope Verwendung finden können.
Von den verschiedenen Einteilungen hat diejenige von Ph. Brumhard (Monographische Uebersichtder Gattung Erodium. Diss. Breslau, 1905) in 11 Sektionen am meisten Anklang gefunden. Unsere beiden
Fig. 1650. Schema für die Entfal-tungsbewegungen der Bluten-stands- und Blütenstiele von Ero-dium. I. und II. präfloral undfforal, III. floral und postfloral(nach G o e b e I).
') Gr. igcodios [erodiös] = Reiher. Die Gattung wurde erst 1787 von L'Heritier von Geranium abgetrennt.