1714
Geranfum Robertianum variier! besonders nach Behaarung und Grösse und Färb': der Blüten-blätter. Wieweit sich konstante Rassen unterscheiden lassen, ist noch näher zu prüfen. Viele der beschriebenenFormen sind sicher nur Standortsformen oder ganz unbedeutende Spielarten. Im ganzen herrschen in Mittel»und Nordeuropa Formen mit den Kelch weit überragenden rosa Kronblättern, im Mittelmeergebiet solche mitden Kelch wenig überragenden lebhaft purpurnen Kronblättern vor, wonach man 2 Unterarten unterscheiden kann i
1. subsp. eu-Robertiänum Briquet (= var. genuinum Gren. et Godr., = var. typicum Fiori etPaoletti). Rosettenblatter meist lang gestielt, mit bald absterbenden Spreiten. Stengel meist brüchig. Blüten,durchmesser ± 10 (ausnahmsweise bis 20) mm. Kronblätter meist den Kelch weit überragend, hellkarminrot,selten weiss. Fruchtklappen meist mit weite Maschen bildenden Netznerven, meist kahl, selten kurzhaarig(var. dasycärpon Beck, vielleicht zur folgenden Unterart gehörig?). Bei der häufigsten Form (var. typicumBede) sind die Sprosse lodeer drüsig (stärker drüsig bei f. adenöphorum R. Keller, stärker zottig beif. villösulum Murr., i drüsenlos und daher nicht riechend bei f. inodörum Pursh [= f. anadenöphorumR. Keller, = f. glabrescens Blytt], wozu auch f. graniticarum Martr.=Don [Form feuchter, kalkarmer Böden]und f. umbräticumWesterlund [Schattenform mit behaarten Fruchtklappen] zu stellen sind). Blattabschnitte meisteiförmig, selten lanzettlich und tiefer gezähnt (f. laci nid tum Beckhaus). Blütendurchmesser meist 10 bis 15 (bis 19) mm(f. grandiflörum Strobl), seltener noch grösser (beider f. macrop6talum Briquet von Korsika die Krön»blätter bis 15 mm lang und 6 bis 7 mm breit) oder (an Kümmerformen) kleiner (subvar. minutiflörum Strobl,vix G. minutiflörum Jord.). Kronblätter meist ganzrandig, rosa mit 3 hellen Streifen, seltener kleiner, blasserund ungestreift (f. gräcile Stäger) oder ganz weiss, wobei entweder nur die Kronblätter anthozyanfrei sind(f. Bern^ttii A. Schwarz) oder meist die ganze Pflanze (f. leucänt hum Dum., = var. albiflörum Borb.).Sehr selten die Kronblätter mit 1 oder 2 Einschnitten (= var. incisum St. Hilaire?) und lebhaft rot mit weissenStreifen (f. inciso<rübrum Stäger) oder ganz blassrosa (f. inciso«pdllens Stäger). — Wohl nur Standorts»formen sind: f. rubricaüle Hörnern. (= var. purpureum auet. non Vill.). Stengel sehr ästig, wie die Laub»blätter lebhaft rot. So an Schutthalden, Waldschlägen usw. nicht selten. — f. crassicaüle Rouy. In allenTeilen grösser. Stengel bis 5 oder 10 mm dick. Mastform feuchter, nährstoffreicher Böden. — f. Mosqu6nseGold. Stengel i aufrecht, doldenrlspig verzweigt, dicht drüsig. — f. a 1 p i n u m Gaudin. Stengel und Blatt»stiele verkürzt, daher rasiger Wuchs. Wohl eine Kümmerform höherer Lagen.
2. subsp. purpureum (Vill.) Murbeck (= var. parviflörum Viv., = var. purpureum DC., = G. pur-pureum Vill., = G. Lebeiii Boreau, = G. Villarsianum, modöstum und minutiflörum Jordan). Laubblätterkürzer gestielt, weniger zerteilt und weniger behaart. Blüten kleiner. Kronblätter den Kelch nur wenigüberragend, lebhafter rot, selten (f. albiflörum Beauverd) weiss. Staubbeutel meist gelb. Eine sehr kritischeim Mittelmeergebiet die typische Unterart vertretende und mit ihr durch viele Uebergänge verbundene Rasse.Scheint mehr trockene Orte zu bevorzugen, aber doch keine blosse Standortsform zu sein. Einheimisch nochin Oberitalien, bis zum Karst, Krain (z. B. bei Wippach) und Südtirol (vom Gardasee vielfach bis Bozen undMeran)* In Deutschland (mehrfach in der Pfalz) wohl nur eingeschleppt. In der Schweiz angeblich in derWaadt (angenähert auch am Vierwaldstättersee).
Von den zahlreichen Formen dieser oft mit f. rubricaule verwechselten und auch schon (ohne Beweis 1)als G. lucidum X G. Robertianum gedeuteten Unterart seien genannt< var. genuinum Rouy. Blattspreitenziemlich gross. Fruchtstiele aufrecht. Kronblätter den Kelch etwa um die Hälfte überragend. Fruchtklappenfast glatt. Hiezu wohl alle Formen aus Istrien und Südtirol. Adventiv auch im Hafen von Ludwigshafen 1910. —Eine Form mit kleineren, etwas fleischigen Laubblättern (f. succuUntum Graebner) kommt an sich starkerwärmenden Felsen am Gardasee und bei Trient vor. — var. Vi 11 arsiänum (Jordan) Rouy. Blattspreiten-wenig zerteilt, ziemlich dick. Kelchblätter borstig. Nagel der Kronblätter länger als die Platte, aber um min»destens */ 8 kürzer als der Kelch. Fruchtklappen stark runzelig. — var. raodcstum (Jordan) Haussknecht.Nagel der Kronblätter kürzer als die Platte. Fruchtstiele aufrecht. Fruchtklappen querrunzelig, kahl oder(f. Lebölii [Boreau]) behaart. Hieher die Vorkommnisse in der Pfalz (Wachenheim 1890, Burrweiler 1894)und in der Westschweiz (bei La Sarraz und Vevey [in f. Lebeiii]). — var. minutiflörum (Jordan) Rouy. Niedrige,kleinblätterige, rötliche Pflanze mit spreizenden Fruchtstielen. Kronblätter kaum länger als der Kelch. Frucht»fächer fast glatt.
Die beinahe kosmopolitische Verbreitung der zu G. lucidum Beziehungen aufweisenden, im übrigen abersystematisch recht isolierten Art spricht nicht gegen die Ansicht Knuths, dass G. Robertianum eine der jüngstenArten der Gattung sei. Es ist mit Bezug auf die Bodenart wenig wählerisch, verlangt jedoch viel Feuchtigkeitund gedeiht am besten an nährstoffreichen, schattigen Standorten. Es gehört zu den am weitesten in Höhlenvordringenden Pflanzen. Wiesner gibt als Minimum des relativen Lichtgenusses V 25 > Lämmermayr undMorton '/ss des Aussenlichts an (für Keimpflanzen l /' 8 )- Zmuda fand die Pflanze in einer kalten Höhle derTatra nur bis zu l /«s des Aussenlichts, in einer warmen dagegen bis zu Vsvo. Keimpflanzen kommen mitebenso wenig Licht aus wie Cystopteris fragilis, z. B. in der Angerhöhle in Oberbayern mit zirka 7 Bunsen»