1670
rivulare, G. Pyrenaicum, G. Bohemicum und G. macrorrhizum dagegen alle. Die Blattstiele von G. pratense,G. phaeum und G. palustre zeigen ähnliches Verhalten wie die Stengel, wogegen bei G. sanguineum und G.aconitifolium der Bast zwischen den Leitbündeln liegt, bei G. macrorrhizum, G. Pyrenaicum und allen unter«suchten einjährigen Arten ganz fehlt. Verbänderung des Stengels ist von G. columbinum, G. dissectum undG. Pyrenaicum bekannt. Näheres über Anatomie und Sprossbau in den pag. 1658 angeführten Arbeiten undbei Irmisch, Th. Beitrag zur Morphologie einiger europäischer Geranium.Arten (Botan. Zeitung. Bd. XXXII.1874, pag. 545/53, 561/83). Der Wurzelstock von G. sanguineum und G. nodosum ist sympodial gebaut. NachCh. Winner (in Berichte der Deutsch, botan. Gesellsch. 1917, pag. 591 ff.) enthalten die Parenchymzellen der
Grundachsen und Wurzeln von G. silvaticum, G. pratense,G. argenteum und ihren nächsten Verwandten, ausnahmstweise auch bei G. macrorrhizum, dagegen nicht bei denübrigen Arten, eine noch nicht näher bekannte aromatischeVerbindung von wahrscheinlich phenolischem Charakter, dieteils in Lösung, teils kristallisiert in Form von Rhomboedern,Drusen, Sphaeriten und Raphiden auftritt. — Abstehende Drü«senhaare sind sehr verbreitet, besonders an den Blüten«stielen, wo sie als Schutz gegen aufkriechende Insekten ge«deutet werden. Ob die Arten ohne solche Drüsen (G.sanguineum, G. columbinum, G. rivulare, G. palustre, G.nodosum, G. lucidum u. a.) mehr unter Insekten zu leidenhaben, ist nicht bekannt. Bei G. columbinum und G. pa-lustre scheinen die rückwärts gerichteten Haare dieselbeFunktion auszuüben. — Der Blütenstand lässt sich auf dasdem gesamten Sprossbau zugrundeliegende und z. B. beiG. silvaticum, G. rivulare und G. pratense noch gut er«kennbare Dichasium zurückführen. Bei den meisten Gera«nium=Arten setzt er sich aus in den Blattachseln gegen«ständigen (z. B. G. columbinum) oder häufiger noch durchVerkümmerung eines Astes (bei G. phaeum und G. molle,bei G. pusillum oft selbst des zugehörigen Laubblattes)wechselständigen, zweiblütigen (nur bei G. sanguineum undG. Sibiricum regelmässig einblütigen) Teilblütenständen mitje 4 aus Nebenblättern hervorgegangenen Tragblättern zu«sammen. Während Eichler diese Teilblütenstände alsechte Dolden und Wydler als die letzten gegenständigen Verzweigungen eines Dichasiums (Doppelschraubel)auffasst, werden sie meist als Wickel gedeutet, wonach der eine Blütenstiel (Pedicellus) die Blütenstandsachse(Pedunculus) fortsetzt, wogegen der andere eine der ursprünglichen 2 (ausnahmsweise auch beide entwickelt)Seitenachsen darstellt. Hiefür spricht neben der allgemeinen Tendenz zur Unterdrückung einer der opponiertenSeitenachsen (Wickelbildung) der Umstand, dass meist die eine Blüte die Richtung der Blütenstandsachse bei«behält und sich vor der anderen entfaltet. Im Gesamtblütenstand schliessen die Hauptachse und ihre Seiten«achsen mit je einer Blütenstandsachse ab; doch wird die endständige meist von einer der beiden gefördertenSeitenachsen beiseite gedrängt, wodurch der Gesamtblütenstand ein Sympodium als Achse erhält, das oft mehrereMonate fortwächst, wodurch die Blühdauer z. B. von G. argenteum, G. columbinum, G. dissectum, G. Pyre«naicum und G. pusillum sehr verlängert wird. Die viel kürzere der Einzelblüten (meist nur 1 Tag, nur beimehrjährigen auch 2 bis 3 Tage) hängt nach Oltmanns und Rossner mehr von der Intensität der Beiich«tung als vom Eintritt der Bestäubung ab. Entfaltungsbewegungen führen ausser den Blütenstielen bei einigenArten (z. B. G. palustre) auch die Blütenstandsstiele aus. Nach der präfloralen Nutation richten sie sich aufentweder bis zur Bestäubung oder nur ganz kurz, um bald in Vorderlicht» (G. pratense) oder selbst Unter«lichtlage (G. phaeum und G. macrorrhizum) überzugehen. Nach der Bestäubung (nach Goebel und Schwiekerals direkte Folge derselben) erfolgt bei den meisten Arten (ausser G. silvaticum, G. rivulare, G. Bohemicum,G. nodosum, G. macrorrhizum u. a.) eine Abwärtskrümmung der Blütenstielgelenke, wobei jedoch die jungeFrucht durch eine zweite Krümmung unter dem Kelch stets aufgerichtet bleibt. Vor dem Ausstreuen der Samenrichten sich meist auch die Fruchtstiele wieder auf. Näheres über diese Bewegungen und über die Blühdauerausser in den pag. 1658 genannten Arbeiten in der pag. 1669 angeführten von Wiesner. — An der Entfaltungder stets völlig radiären Blüten sind die verdickten Basen der inneren (episepalen) Staubblätter dadurch be«teiligt, dass sie als Schwellkörper wirken, auch noch zur Fruchtzeit, wenn die Antheren längst abgeworfen sind.Neben der weitaus vorherrschenden Proterandrie kommt auch, besonders bei kleinblütigen Arten und Rassen,
Fig. 1624. Entfaltung von Antheren und Narben bei Gera-niüm-Arten. a bis d G. molle L., e bis h G. Pyrenai-cum L., k bis m G. silvaticum L., i Kronblätter derZwitterblüten, n der weiblichen Blüten von G. silvaticum.o Gynäceum, verkümmerte Staubblätter und Honigdrüsender letzteren (nach Hermann Müller).