1668
CCCCXLII. Qeränium) L. em. L'Herit. Storchschnabel 2 ), Kranich-schnabel, Gottesgnadenkraut. Franz.: Bec de cigogne, bec de grue, geranium;niederländ.: Ooievaarsbeck; dän.: Storkenaeb; engl.: Crane's bill; ital.: Cicuta,
geranio.
Einjährige und ausdauernde Kräuter, selten Halbsträucher und 1 /2 bis 4 m hoheSträucher. Stengelgelenke meist knotig verdickt. Sprosse meist mit einfachen und mit Drüsen»haaren, seltener (z. B. G. lucidum und G. nodosum) fast kahl. Laubblätter gegenständig, seltenerwechselständig, die unteren (seltener alle) eine Rosette bildend. Spreite ± tief fingerförmigin 3 bis 7 gezähnte bis fiederschnittige Lappen geteilt, selten (nicht im Gebiet) ungeteilt undnur gezähnt. Nebenblätter frei oder i verbunden. Blütenstände in den Achseln vonLaub» oder Hochblättern, meist zweiblütig, seltener (z. B. G. sanguineum und G. Sibiricum)einblütig, in ihrer Gesamtheit einen wickeligen, manchmal doldig verkürzten Blütenstand bildend.Blüten völlig radiär, 5=zählig. Kelchblätter 5, frei, mit dachziegeliger Deckung. Kronblätter 5,mit ebensolcher Deckung, meist verkehrt=eiförmig bis verkehrt=herzförmig, oft am Nagel bärtig,seltener auch am Vorderrand gewimpert, blau, violett, rot, rosa oder weiss. Zwischen denKronblättern 5 Honigdrüsen. Androeceum obdiplostemon, d. h. die 5 äusseren Staubblättervor den Kronblättern, die 5 inneren mit diesen abwechselnd stehend (Fig. 1617 a). Meist alle 10(seltener nur die inneren) Staubblätter Antheren tragend, frei oder am Grund kurz verbunden,öfters ± behaart. Fruchtknoten aus 5 mit ihren langen Grannen der Mittelsäule angewachsenenKlappen gebildet, mit langem Griffel und 5 Narben; in jedem der 5 Fächer 2 übereinander»stehende, anatrope, hängende Samenanlagen, von denen nur eine reift. Samen glatt oderrunzelig, kahl oder behaart, ohne oder mit dünnem Nährgewebe. Keimblätter gefaltet odereingerollt, tief ausgerandet.
Die Gattung ist mit gegen 250 Arten in den gemässigten Zonen der ganzen Erde, in den Tropen nurin den Gebirgen verbreitet. Sie ist zwar sehr verschieden eingeteilt worden, aber noch nie in befriedigender Weise.Die neueste Bearbeitung von Knuth (in Englers Pflanzenreich. Bd. IV, 129, Leipzig 1912) unterscheidet 30 Sek»tionen, von denen 1 nur in Mittelasien, 1 auf Java und in Australien, 2 nur in Afrika, 1 nur in Makaronesien,1 nur auf den Sandw chinseln, 1 im tropischen Afrika und Amerika und 10 nur in Mittel, und Südamerikavertreten sind. Unsere Arten verteilen sich nach Knuth auf folgende, hier nach ihrer Verbreitung geordneteSektionen: a) in Eurasien und Amerika vertreten: Silvätica Knuth (= Baträchium Koch z.T., G. silvaticum,G. rivulare, G. pratense, G. Ibericum u. a.), Hederdcea Fiori et Paol. (= Striäta Knuth, G. nodosum, G.striatum u.a.), Columbina Koch (G. columbinum, G. dissectum, G. divaricatum, G. Bohemicum, G. pusil«lum, G. molle, G. rotundifolium), Robertiäna Boiss. (= G. Robertianum); b) nur im gemässigten Eurasien:Sanguinea Knuth (= G. sanguineum), Palüstria Knuth (= G. palustre, G. collinum u.a.), SibiricaKnuth (= G. Sibiricum), Pyrenäica Knuth (= G. Pyrenaicum), Lücida Knuth (= G. lucidum); c) nur auf denGebirgen um das Mittelmeer: Subacaülia Boiss. (= G. argenteum), Tuberösa Boiss. (= G. tuberosum)und Unguiculäta Boiss. (= G. macrorrhizum). Sehr wahrscheinlich haben sich jedoch aus ganz verschie«denen Gruppen unabhängig ein» und zweijährige Arten (Therophyten) entwickelt. Die Columbina sind daheraufzulösen. Im engsten Sinn umfassen sie nur noch G. columbinum, G. dissectum und einige nah verwandteArten, die sich eng an die wohl sehr alten Subacaulia und vielleicht auch Sanguinea anzusthliessen scheinen.G. Pyrenaicum bildet mit G. pusillum, G. molie und G. rotundifolium eine natürliche, u. a. auch ökologischdurch ihre Düngerliebe charakterisierte Gruppe (Rotundifölia Gams), und in ähnlicher Weise scheinen G.
') Griech. ytodvioy [geränion], Diminutiv von yinavtn [g6ranos] = Kranich; nach der Form der Frucht.Der schon von Dioskurides für verschiedene Geraniaceen, insbesondere G. tuberosum, gebrauchte Nameist jetzt für Pelargonium volkstümlich.
') Findet sich als Storckensnabel schon bei der heiligen Hildegard von Bingen (als Heil»m ittel gegen Blasensteine und Blasenbeschwerden), als Storckenschnabel bei Hieronymus Bock und inanderen Kräuterbüchern, sowohl für Geranium.Arten (besonders G. Robertianum) wie auch für Erodium. AlleVersuche, für Geranium „Kranichschnabel" und für Pelargonium „Storchschnabel", d. h. die Liebersetzungender modernen griechischen Namen einzubürgern, sind erfolglos geblieben.