1667
lischen Gärten kaum mehr erhältlich. Besonders grossblumige Formen wurden durch H o y 1 e und F o s t e rin England und durch Duval in Frankreich erzogen. Bei den französischen oder „Odier.Pelargonien" sindim Gegensatz zu den meisten englischen alle 5 Kronblätter gefledct. Weitere hieher gehörige Gruppen sind diekleinen, zierlichen .Phantasie» oder Fancy»Pelargonien" und die besonders durch W. P fitz er in Stuttgartgezüchteten .immerblühenden oder Remontant'Pelargonien" (Hofgärtner Lebl, Ruhm von Stuttgart, Perle vonWien u. a.). Während die englischen Pelargonien vor 1850 viel mehr als die Zonalpelargonien kultiviertwurden, ist heute das Verhältnis umgekehrt.
4. Rosengeranien. Abkömmlinge des P. Radula, P. graveolens, angeblich auch des P. capitatum undP. odoratissimum, die kaum als Zierpflanzen, sondern wohl ausschliesslich zur Gewinnung des Geranien» oder Rosen«öls gezogen werden. Oel aus Pelargonienblättern hat zuerst Rechuz in Lyon 1819 dargestellt. Grössere Kulturenzu diesem Zweck haben zuerst Demarson in Paris 1847 und später Chiris und Monk in Algier angelegt.Ausser in Südfrankreich werden Rosengeranien auch auf Korsika, in Spanien, Algerien und auf Rdunion ge«baut. Das französische Rosengeranium liefert nur einen Schnitt, das algerische 3. Das am meisten geschätztespanische Geranienöl enthält 35 bis 42% Geranyltiglinat, das französische an diesem 25 bis 28, das algerische 13bis 29, das Röunionöl 21 bis 33%- Das Geraniumöl (Oleum Geranii, Pelargoniumöl, essence de göranium, oil ofgeranium) wird durch Destillation mit Wasserdampf aus den Blättern zu 0,15 bis 0,33 °/o gewonnen. 1893 be«standen in Algerien 48 Destillationsanlagen. Die Jahresproduktion ist von 1893 bis 1908 von 3000 auf 46000 kggestiegen und seither wieder stark zurückgegangen (1911 28 500 kg). Das grünlichgelbe (das türkische mehrbräunlichgelb) Oel enthält als Hauptbestandteile die beiden Alkohole Geraniol (CioHuO) und Citronellol(beide z. T. als Ester der Tiglinsäure [auch der Valerian», Butter» und Essigsäure] gebunden) und findet haupt«sächlich in der Parfümerie (Parfümierung von Seifen, Schnupftabak usw.) Verwendung, nicht zuletzt auch zurVerfälschung des echten Rosenöls, dem es im Geruch sehr ähnlich ist. Andererseits wird es aber auchselber viel verfälscht mit ostindischen Grasölen (Palmarosaöl, Gingergrasöl, „indisches und türkisches Geraniumöl"von Cymbopögon Martini und Andropogon schoenanthus), Terpentinöl, Zedernöl usw., unterscheidet sich jedochvon den fetten Oelen durch seine leichte Löslichkeit in Alkohol.
In Südafrika werden verschiedene dort einheimische Pelargonien als Heilmittel gegen Drüsenverhärtungengebraucht. Andererseits konnten U. Friedemann und W.Magnus (Das Vorkommen von Pflanzentumorenerzeugenden Bakterien im kranken Menschen, in Ber. Deutsch, botan. Gesellsch. Bd. XXXIII, 1915, pag. 96/107;Der Krebs der Pelargonien, in Gartenflora. Bd. LXIV, 1915, pag. 66/68) nachweisen, dass das bei verschiedenenPflanzen krebsartige Geschwülste hervorrufende Bacterium tumefdciens Smith auch beim Menschen Krankheiten,besonders im Darm, hervorruft. Aus dem Darm vom Krieg heimgekehrter Patienten isolierte Bakterien wuchsenganz besonders üppig auf Pelargonien, sowohl auf grünen wie auf weissrandigen, und bildeten hier fast ebensokräftige Tumoren wie auf Chrysanthemum frutescens.
Die Kultur der meistgezogenen Pelargonien ist dank ihres Regenerationsvermögens (Stecklinge 1)und ihrer grossen Widerstandsfähigkeit gegen Austrocknung nicht schwer. Recht empfindlich sind sie dagegengegen Feuchtigkeit, die leicht Fäulnis bewirkt, und gegen Frost. Aeltere Pflanzen der weniger wärmebedürftigenArten überwintern recht gut in genügend durchlüfteten Keller» und Dachräumen, in Kalt» und Orangeriehäusern;für jüngere, besonders für aus Stecklingen erzogene, sind jedoch höhere Temperaturen (6 bis 10°) erforderlich.Am besten ist sandiglehmige, öfters austrocknende Erde an sonnigen Orten. Auch Düngung mit Thomas«schlackenmehl ist gut, doch schiessen die Pflanzen auf zu fettem Boden zu sehr ins Kraut. Die Vermehrungdurch Steddinge kann das ganze Jahr erfolgen. Auch Anzucht aus Samen ist nicht schwer. Die Keimkraftder Samen bleibt 2 Jahre erhalten. Niedrigen Wuchs und reiches Blühen erzielt man am besten durch Ein«senken der Pflanzen samt den Töpfen in die Gartenbeete. Im Herbst sind alle über den Topfrand emporragendenWurzeln abzuschneiden. Die englischen und französischen Pelargonien eignen sich in den meisten GegendenMitteleuropas nicht für Freilandkultur, sondern nur für solche in Wohnräumen und Pflanzenhäusern. Nochempfindlicher sind P. violareum und andere der seltener kultivierten Arten, ebenso auch die Mehrzahl derbuntblätterigen Gartenformen.
1. Blüten ohne Sporn, in 1» bis wenig» (bei Erodium bis 12»)blütigen, dichasial oder widcelig ver»zweigten Blütenständen 2.
1*. Blüten mit dem Blütenstiel angewachsenen Sporn, in reichblütigen doldenartigen Blütenständen. Zier»pflanzen aus Afrika . . . Pelargonium pag. 1660.
2. Blattspreiten von rundlichem Umriss, i tief handförmig eingeschnitten. Meist alle Staubblätterfruchtbar. Fruchtschnabel bei der Ablösung sich bogig krümmend Geranium CCCCXLII.
2*. Blattspreiten von länglichem Umriss, fiederteilig oder gefiedert. Die vor den Kronblättern stehendenStaubblätter zu Staminodien umgewandelt. Fruchtschnäbel sich korkzieherartig einrollend. Erodium CCCCXLIII.