1666
Aus jener Zeit der grossen Pelargoniummode liegen mehrere grosse Tafelwerke vor, so Andrews, Gera«niums, 1805 (200 Tafeln). — Sweet, R. Geraniaceae. I bis V, 1820/30 (500 Abbildungen). — L. Trattinick.Neue Arten von Pelargonien deutschen Ursprungs. I bis VI, Wien. 1825/43 (263 Tafeln). — R ei der, Abbildungenund Beschreibungen der neuesten Pelargonien. I u. II, 1829/30. — Dauthenay, Les Giiraniums. 1897. — Eineneuere Uebersidit über die Pelargonienbastarde gibt R. Knuth (in Englers Botan. Jahrb. Bd. XLIV, 1909 undin Englers Pflanzenreich. Bd. IV, 129, 1912). In England befassten sich besonders R. C. Koare, Colvill inChelsea, Davey, Dennis, Tait und Anderson, in Frankreich Duval im Garten der Villa Odier mitderartigen Kreuzungen. Da die binären Bastarde fruchtbar sind, konnten zahllose mehrfache Hybride erzeugtwerden, die die Eltern oft nicht mehr mit Sicherheit feststellen lassen. Auf die zahllosen, besonders vonR. Sweet und anderen der genannten Autoren beschriebenen Bastarde kann hier nicht naher eingegangenwerden; es seien nur die 4 wichtigsten Hauptgruppen genannt.
1. Die Zonal» und Scharlach»Pelargonien oder Scarletpelargonien. Kreuzungen zwischenP. zonale und P. inquinans, von ersterem durch die dichtere Bedrüsung und die breiteren Kronblätter, von letzterem
besonders _ durch die abweichend gefärbte Huf.eisenzeichnung der Laubblätter verschieden. Derprimäre Bastard (P. hybridum [Cav.] Ait.) war schon1732 in Kultur, hat aber erst nach 1830 allge»meinere Verbreitung gefunden. Die von ihm ab-zuleitenden Zonalpelargonien haben als Schar»lach» und Heringsgeranien alle anderen Pelar«gonien überflügelt und sind heute die beliebtestenaller Topfpflanzen überhaupt. Bezeichnender«weise ist auf sie (wie auch auf Impatiens»Arten)der für die früher in Bauerngärten allgemeinverbreitete Lychnis Chalcedonica (Bd. III, pag.296) gültige Name „Brennende Liebe" übertragenworden. Als besondere Gruppen werden u. a.unterschieden die Nosegay«Pelargonien (engl, s no»segay = Blumenstrauss) mit besonders grossenBlüten in kugeligen Dolden, die Formen mit inder Mitte weissen Blüten (Souvenir de Mirandeu. a.), bunten Blüten und gefüllten Blüten (in Clermontin Frankreich gezüchtet) und insbesondere die bunt»blätterigen (weissrandigen, gelbrandigen, drei»und vierfarbigen) Formen. Die Weissrandpelargonien, die zuerst 1732 durch Th. More bekannt gewordensind, stellen wohl Periklinalchimären oder Mantelchimären dar (vgl. pag. 1166 und Baur, E. Das Wesenund die Erblichkeitsverhältnisse der „Varietates albomarginatae" von P. zonale. Zeitschrift für induktiveAbstammungs» und Vererbungslehre. Bd. I, 1909, pag. 330/351), ebenso auch die sog. „Regalpelargonien*vgl. Bateson in Journal of Genetics. Bd. VI, 1916 und die daselbst verzeichnete Literatur). Nach Baurentstehen durch Kreuzung „grüner" und „weisser" Sexualzellen und sektoriale Aufspaltung im Vege»tationspunkt des Keimlings zuerst Sektorial* und aus diesen durch Liebergreifen des weissen Gewebes Periklinal«chimären (Fig. 1622). Chlorophyllmangel kann aber auch auf andere Weise (Chlorose) entstehen. K. L. Noack(Entwicklungsmechanische Studien an panaschierten Pelargonien. Jahrb. f. wiss. Botan. Bd. LXI, 1922) kam dagegenzu dem Ergebnis, dass die ganzen Weissrandblätter aus einer einzigen, undifferenzierten Subepidermalschichtdes Vegetationspunkts entstehen und die Weissrandpelargonien infolgedessen keine eigentlichen Periklinal«chimären sein können. Die weissbunten Formen sind naturgemäss immer schwächlicher und empfindlicher alsdie reingrünen; überhaupt neigen die Zonalpelargonien zu Missbildungen wie Vermehrung der Zahl derKeimblätter (3 oder 4), Verbänderung des Stengels, Verwachsungen und Schlauchbildungen bei den Laub»,Krön» und Staubblättern, Vermehrung und Vergrünung der Kronblätter, Loslösung des Kelchsporns, Pelorien,Durchwachsung der Dolden unter Bildung von Laubsprossen oder neuen Dolden.
2. Peltatum« oder Efeu»Pelargonien. Kreuzungen von P. peltatum und P. lateripes untersich und mit den Zonal«Pelargonien. Hieher P. pinguifölium Sweet. Manche der neuerdings gezogenenSorten werden als P. (lateripes X peltatum) X P. (inquinans X zonale) gedeutet.
3. Englische und Französische Pelargonien, Blumistengeranien (Fig. 1620) sindsämtlich Abkömmlinge des P. grandiflorum. Als zweite Stammart kommen hauptsächlich P. cucullatum (mit seinenBastarden P. involucrätum Sweet und P. spectabile Sweet), P. cordatum, P. angulosum und P. fulgidum in Betracht.Derartige Hybriden wurden schon vor 1800 erzeugt. Schon um 1820 war reines P. grandiflorum in den eng»
Fig. 1622. Weissrandpelargonien. a Blattspreite einer Periklinal- undb einer Sektorialchlmäre. c Junge Sektoriatchimäre. d SchematischerLängsschnitt durch den Sprossgipfel und e Ausschnitt aus dem Stengel-querschnitt einer Periklinalchimäre. f Stengelquerschnitt einer Sektorial-chimäre. g Schnitt durch dit obere Epidermis und das Mesophyll einereinfarbig grünen Pflanze, h desgleichen einer weissrandigen Periklinal-chimäre (nach Erwin Baur).