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Fig. 1618. Schemata zur Veranschaulichung des Ueberganges vom Langspross mit dichasialem Aulbaufa) zum Halbrosettenspross mit wickeliger Gesamtinfloreszenz (b, z. B. Geranium pusillum) und zurRhizomstaude mit einblütigen Infloreszenzen (c, z. B. Geranium sanguineum). Orig. von H. Gams.
Zu den ältesten Formen dürften die strauchigen Geranium» und Pelargonium»Arten gehören (sichernicht die von Knuth dafür gehaltenen einjährigen). Die tropischen Arten sind durchwegs ausdauernd. In dengemässigten Zonen am stärksten vertreten sind heute mehrjährige und 1« bis 2»jährige Rosettenpflanzen (Henri»kryptophyten und Therophyten). Bei einigen Stauden erheben sich die Ueberwinterungsknospen auf einemkürzeren oder längeren Erdstode (Mesocormus) über den Boden (Uebergang zu Chamaephyten).
Die Keimblätter sind bei Geranium, Erodium und Pelargonium meist herzförmig, seltener 3»lappig(Geranium Bohemicum und G. divaricatum, Erodium cicutarium u. a.). Auf die Keimblätter folgt bei denmeisten Arten von Geranium und Erodium eine Rosette von Laubblättern, die bei den ein» und zweijährigenArten oft überwintert. Die Blütensprosse mit meist gestreckten Internodien werden bei diesen Arten baldschon im ersten, bald erst im zweiten Jahr gebildet, bei den ausdauernden Arten oft erst nach mehrjährigemWachstum der rosettentreibenden Grundachse. Die Verjüngungsknospen liegen z. B. bei Geranium sanguineum,
dessen Stengel schon nachder im ersten Jahr erfol«genden Fruchtreife ab»sterben, und bei Pelargo»nium zonale in den Ach«sein der Keimblätter undder Niederblätter an denGrundachsen (Fig. 1628).Wurzelbrut scheint erstnach Absterben des Hypo»kotyls auszutreiben. Sehrkräftige Wurzelstöcke undWurzeln entwickeln diegebirgsbewohnenden Ge«ranium» und Erodium«Ar«ten. Knollenbildung kommtauf verschiedene Weise
zustande: Dick angeschwollene Rhizome haben viele Geranium.Arten, aus dem Hypokotyl hervorgegangeneKnollen Geranium tuberosum und die Arten mehrerer Pelargonium»Sektionen, stark angeschwollene, besondersals Wasserspeicher dienende Wurzeln verschiedene Arten von Geranium, Erodium und Pelargonium.
Der Sprossbau (Fig. 1618) hat bei den meisten Gruinales dichasialen Charakter, der jedoch durchReduktion von Seitenachsen und Neigung zur Ausbildung unverzweigter Sympodien, die sich wiederum starkverkürzen können, oft verwischt wird. Verkürzung der Internodien kommt bei den Grundachsen (Wurzel»Stöcke vieler Geranium.Arten 1), Stengeln (Rosettenbildung) und Blütenstandsachsen vor. Durch die einseitigsympodiale Ausbildung entstehen aus. den dichasialen Blütenständen wickelige und durch Verkürzung der ein»fachen oder doppelten Wickel scheinbar doldige (Erodium [Fig. 1617 d] und Pelargonium). Näheres hierüberbei E i c h 1 e r (Blütendiagramme. 1878, pag. 290/96) und W y d 1 e r (in Linnaea. 1843, pag. 169/70 j in Flora, Bd. XXVII,1844, pag. 757/59, XXXIV, 1851, pag. 355/58, XL, 1857, pag. 13/16, XLII, 1859, pag. 373/78 und in PringsheimsJahrb. für wissenschaftl. Botanik. Bd. XI, 1878, pag. 334/36). — Eine nicht nur den Blütenstandsachsen, sondernauch den Stengeln und Blattstielen und selbst den Blütenblättern zukommende Eigentümlichkeit vieler Gruinalen,besonders der Geranium» und Erodium»Arten, ist die grosse Beweglichkeit. Die Stengel« und Blattstielgelenke sindoft stark verdickt und zeigen einen hohen Turgordruck. Die Blütenstiele führen besonders bei Geranium» und Ero»dium«Arten sehr auffallende Entfaltungs» und Postflorationsbewegungen aus, die auffallend an diejenigen derOxalidaceen und einiger Alsineen (Holosteum, Stellaria) erinnern. Näheres hierüber bei V ö c h t i n g (DieBewegungen der Blüten und Früchte. Bonn, 1882), Wiesner (Die heliotropisdien Erscheinungen im Pflanzen»reich. II. Denkschr. der k. k. Akad. d. Wissensch. Wien, Bd. XLIII, 1880), Cobelli (in Nuovo Giorn. bot. Italiano.Bd. XXIV, 1892, pag. 59), Piadeck (Der anat. Bau gamo» und karpotropisch beweglicher Blütenstiele. Diss.Breslau, 1909), Goebel (Entfaltungsbewegungen. Jena, 1920 und 1924), K. Troll (in Flora. Bd. CXV, 1922,pag. 339) und F. Schwieker (Untersuchungen über die Postflorationsbewegungen einiger Geraniaceen. Diss.Hamburg, 1922 und Botan. Archiv 1924). Die Bewegungen sind der Hauptsache nach geotropisch. Die postfloralenwerden nach Schwieker durch den vegetativen Bestäubungsvorgang ausgelöst (bei Pelargonium ausnahmsweise auchdurch bakterielleTumoren). Oft nicken die Blütenstands« und Blütenstiele vor der Entfaltung und richten sich währenddieser dauernd auf. Die Blühdauer der Einzelblüte ist durchwegs sehr kurz, die der ganzen Pflanze oftmals sehrlang, indem andauernd neue Blütenachsen getrieben werden, wodurch sehr reichblütige Gesamtblütenstände (Dicha»sien bezw. Wickel bei Geranium, Scheindolden bei Erodium und Pelargonium) entstehen. Die von Geranium überErodium zu Pelargonium fortschreitende Tendenz der Blüten zu Dorsiventralität äussert sich besonders in der