Druckschrift 
4,3 (1924) Dicotyledones : (II. Teil)
Entstehung
Seite
1657
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

1657

Blütenständen vereinigt, meist ansehnlich, zwitterig, strahlig oder ± dorsiventral. Kelchblätter 5(selten 4), gewöhnlich frei, mit meist dachziegeliger, seltener klappiger Knospendeckung. Kronblätter 5(selten 4), frei, meist unter sich gleichartig, unterständig, in der Regel ± rot bis blau, mit meistklappiger, selten gedrehter Knospenlage. Staubblätter meist in 2 oder 3 Kreisen zu je 5(selten 4), am Grund meist ± verbunden, oft einzelne ohne Antheren. Staubbeutel zwei=fächerig, mit sehr kurzem Konnektiv, sich durch Längsrisse nach innen öffnend. Fruchtknotenoberständig, meist aus 3 bis 5 (selten 2 bis 3) mit der verlängerten Achse verbundenen, inmeist lange Schnäbel ausgezogenen Karpellen. Narben gewöhnlich zungenförmig. Samenanlagenin jedem Fach 1 oder

2 übereinanderste»hend, hängend, mitoberständiger Mikro»pyle und ventralerRaphe. Frucht in 3bis 5 (selten 8) meisteinsamige Spaltfrüchtezerfallend; diese meistan ihrem an derSpitze mit der Achseverbunden bleibendenSchnabel sich ablösendund sich aufwärts krüm»mend, Scheidewand*spaltig aufspringend.

Samen hängend, eiför»mig bis walzlich, mithäutiger oder lederigerSchale.

Die zirka 600 Ar»ten der Familie verteilen sichauf 5 Tribus mit insgesamt11 Gattungen, von denen je»doch die aussereuropäischenBieberstein ieae,Wen d«tieae, Vividneae undDirächmeae mit unge»

schnäbelten Teilfrüchten und zusammen nur 44 Arten für uns ausser Betracht fallen. Die durch geschwänzte,bei der Reife sich loslösende Karpelle charakterisierten Geranieae umfassen die Gattungen Geräniumund Er6dium (mit ungespornten, radiären Blüten und in 2 Kreisen stehenden Staubblättern), Monsöniaund Sarcocaülon (mit ungespornten Blüten und in 3 Kreisen stehenden Staubblättern) und Pelargönium(mit gespornten, deutlich zygomorphen Blüten). Während Geranium und Erodium in beiden gemässigten Zonenund spärlicher auch in den Tropen sowohl der Alten wie der Neuen Welt auftreten, sind Monsonia, Sarco«caulon und Pelargönium fast ganz auf Afrika (besonders Südafrika, wenige Pelargonien auch in Südasien undAustralien) beschränkt. Am ursprünglichsten ist die Gattung Geranium. Die Familie schliesst sich eng andie Oxalidaceae an und leitet zu den gleichfalls nächstverwandten Tropaeolaceae und Linaceae über, die z. B.Fiori und Paoletti mit ihnen vereinigen. Der ganze Stamm der Gruinales, zu denen auch noch dieZygophyllaceae, Rutaceae u. a. gehören, scheint sich aus den Tricoccae (Euphorbiaceae, vgl. Fig. 1608 pag. 1643und Hoeffgen in Botan. Archiv. Bd. I, pag. 93 bis 98, 1922) zu eine Zeit differenziert zu haben, in der Süd«afrika noch mit Südamerika und über die Antarktis mit Australien zusammenhing, also wohl schon in der Kreide«zeit (nicht, wie Knuth annahm, schon in der Trias!). Die ältesten Geraniaceenfunde sind allerdings erst aus dembaltischen Bernstein bekannt (Erodium nüdum Conwentz und das sehr zweifelhafte Geranium Beyrichi Conwentz).

Fig. 1617. Diagramme von a Geranium sanguineum L b Erodium cicutarium L., c Pelar-gönium zonale L., d Grundriss des Wickels von Erodium cicutarium L. Stengelquer-schnitte von e Geranium Pyrenaicum L., / G. palustre L., g Pelargönium peltatuin L. h Thyllenbildung in einem älteren Gefass von Geranium palustre L. i Epidermis derBlattunterseite von G. silvaticum L. k, l und m Querschnitte durch den Fruchtschnabel vonErodium gruinum L. in verschiedener Höhe (a bis c nach Reiche, d n ach Eichler, e undg nach J an nicke, /, h, i nach Bergen dal, k nach Flildebrand, l und m nach Zimmermann).