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1 (1893) Die Sympetalen
Entstehung
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Die Pflanze ist einjährig. Aus der kurzen, dünnen, sehr reichlich mit fasrigen, braunen Seitenwurzelnbesetzten Pfahlwurzel erhebt sich der unten einfache, oben verästelte Stengel; nicht selten treten aberdie Äste bereits aus den unteren, dichter gestellten Blättern hervor, sodass aus einer Wurzel mehrereStengel hervorzugehen scheinen. Der Stengel ist 2040 cm hoch und am Grunde 24 mm dick, krautig,aufrecht, fast stielrund oder mehr oder weniger deutlich fünf kantig, gestreift, lebhaft grün, am Grundebräunlich, kahl, die Verästelung ist doldentraubig.

Die Blätter sind spiralig gestellt, sitzend, im Umrisse oblong oder lanzettlich, kahl, die unterendreifach, die mittleren zweifach, die oberen einfach fiedertheilig; die Fiederabschnitte sind ein wenigfleischig, feinstachelspitzig.

Die Blüthenköpfchen sind endständig, einzeln an den Ästen, strahlend, aufrecht, langgestielt,doldentraubig zusammengestellt, wobei sich das Köpfchen der Hauptaxe zuerst entwickelt; Stützblättcheneinzeln, linealisch, zurückgekrümmt, oder fehlend. Der Hüllkelch wirdaus vielen elliptischen oder breitlinealen, stumpfen oder spitzen, grünen, am Rande trockenhäutig-weissen, in etwa 3 Reihen dachziegeligdeckenden Blättchen zusammengesetzt.

Der Blüthenboden ist hohl, nackt und halbkugelig, er wächst während der Blttthezeit kegelförmigaus; nach dem Abfallen der Früchte ist er feinwabig.

Die Strahlenbliithen, 1218 an Zahl, sind weiblich, zuerst ausgebreitet, dann zurückgeschlagen,weiss.

Der Fruchtknoten ist cylindrisch, etwas gekrümmt, nach dem Grunde verschmälert, leicht ge-streift, 1 mm lang, kaum 0,5 mm breit. Der Pappus fehlt. Die Blumenkrone ist zungenförmig; dieRöhre von der Länge des Fruchtknotens ist mit vereinzelten, gestielten, sehr kleinen Drüschen bestreut,sonst kahl; die Zunge ist oblong lanzettlicb, am Ende gestutzt, stumpf dreizähnig, viernervig. Staub-gefässreste sind nicht sichtbar. Der Griffel ist fadenförmig, am Grunde zwiebelig verdickt, 2 mm lang;die Narbenschenkel spreizen und sind ein wenig nach unten gekrümmt, am Ende gestutzt.

Die Scheibenblüthen sind sehr zahlreich, 2 mm lang. Die Blumenkrone ist unten röhrenförmig,oben glockig, kurz fünflappig mit zurückgekrümmten Lappen, gelb, hier und da mit gestielten Drüschen,besonders auf der Röhre bestreut. Die Staubgefässe sind am Grunde der Glocke befestigt, die Beutelzu einer 0,5 mm langen Röhre verklebt, am Grunde pfeilformig, an der Spitze mit einem dreieckigenstumpflichen Anhängsel versehen. Der Pollen ist ellipsoidisch mit 3 schwachen Längsfurchen versehenund stark bestachelt. Der Griffel ist fadenförmig, am verdickten Grunde mit einem Nektarkragen ver-sehen; die Narbenschenkel spreizen und sind etwas gekrümmt, am Ende gestutzt mit einem Barte vonFegehaaren besetzt, sie sind besonders am Rande auf der Innenseite papillös.

Die Frucht ist kaum 2 mm lang, fast ellipsoidisch, leicht gekrümmt, walzigrund oder leicht zusammen-gedrückt, an der Basis verschmälert, oben schief gestutzt, ohne Pappus, seltener mit einem Krönchen ver-sehen (var. coronata), nach innen zu mehr oder weniger deutlich fünfrippig, kahl, braun.

Der Same füllt das Fruchtfach völlig aus, das Würzelchen des Keimlings ist dreimal kürzer als dieKeimblätter.

Die Kamille wächst auf Äckern und an wüsten Plätzen von Finnland und dem mittleren Schwedendurch ganz Mitteleuropa bis in die Mittelmeerländer, ist aber in der Türkei und Griechenland minderhäufig; ausserdem findet sie sich in dem uralischen Sibirien, in den Kaukasusländern, Kleinasien, Persien,Afghanistan bis nach der oberen Ganges-Ebene und dem Pandschab; auch auf den Canarischen Inseln scheintsie einheimisch zu sein. In Nord-Amerika ist sie in den Staaten New-York und New-Jersey eingebürgert.

Die Pflanze liefert die Florcs Chamomillae oder Kamillen , welche in den Preislisten der Drogen-häuser, zum Unterschiede von den Chamomillae liomanae auch als Flores Chamomillae vulgaris bezeichnetwerden. Die Droge besteht aus dem noch mit einem Theile ihres Stieles versehenen Blüthenköpfchender Pflanze. Der Geruch der Droge rührt von dem zwischen Membran und Cuticula der kleinen Drttsen-haare, welche an der Aussenseite des Fruchtknotens und der Blumenkrone sitzen, ausgeschiedenen äthe-rischen Öle her.