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1 (1847)
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398
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CALCARIA USTA.

Hitze müssen wir der starken Verwandschaft der Kalkerde zum Wasser zuschrei-ben, indem jederzeit, wenn starke Verwandschaften zur Vereinigung, starkeelektrische Gegensätze zur Ausgleichung gelangen , mehr oder weniger Wärmefrei wird. Das Kalkerdehydrat ist demnach als eine wirkliche chemische Ver-bindung anzusehen, in welcher das Wasser die Stelle der Säure vertritt; daheres auch wassersaure Kalkerde genannt werden könnte. In dieser Verbindungenthalten Säure und Base gleich viel Sauerstoff. Das Kalkerdehydrat besteht

aus 76 Kalkerde und 24 Wasser; seine stöchiometrische Zahl ist Ca H = 468,498.Uebergiesst man die Kalkerde mit mehr Wasser, als zu ihrem Ablöschen erfor-dert wird, so erhärtet sie beim Austrocknen zu einer festen, zusammenhängen-den Masse; in noch grösserer Menge Wasser wird das Kalkerdehydrat aufgelöstund bildet das Kalkwasser.

Humphry Davy hat zuerst im Jahre 1808 nachgewiesen, dass auch die Kalk-erde aus einem metallischen Radicale und Sauerstoff zusammengesetzt sei. Umdas metallische Calcium zu erhalten, bedient man sich des Quecksilbers als ne-gativen Leiters, worauf man das Hydrat der Erde legt, das mit Wasser zu einemdünnen Brei angerührt worden ist. In diesen Brei führt man einen Platindrahtvom positiven Pole ein. Die elektrische Batterie muss eine grössere AnzahlScheiben und eine grössere Intensität haben, weil sonst nur das Wasser zer-setzt wird. Das erhaltene Amalgam bekleidet sich in der Luft augenblicklichmit einer "schwarzen Rinde von Kalkerde und Quecksilberoxydul. Ein sehr con-centrirtes Amalgam fliesst nur langsam, wie Platinamalgam, und überzieht sichan der Luft mit einer so dicken schwarzen Binde, dass die Masse fest wird.Wird das Amalgam in gläsernen Gefässen, die mit Wasserstoffgas gefällt sind,der Destillation unterworfen, so geht das Quecksilber grösstentheils über, unddas hierdurch vom grössten Theile des Quecksilbers befreite Calcium ist fest,hart, von glänzendem, grau-, beinahe silberweissem Ansehen, entzündet sichleicht an der Luft und verbrennt zu Kalkerde, welche demnach ein Oxyd desCalciums, Calciumoxyd, ist und aus 71,91 metallischem Badical und 28,09 Sauer-stoff besteht. Ihre stöchiometrische Zahl ist Ca = 356,019. Bohrt man in kry-stallisirten Gips ein Loch und legt eine kleine Kugel von Kaliumamalgam, oderbesser, Natriumamalgam, aus Quecksilber und Kalium oder Natrium bereitet,hinein, so erhält man auf eine leichte Weise Calciumamalgam.

Auch die übrigen Erden, als Baryt, Strontian , Bittererde u. s. w., sindOxyde metallischer Radicale, des Baryum, Strontium, Magnium u. s. w., wiedurch Davy, Berzelius u. a. ausser Zweifel gesetzt ist.

Die Kalkerde steht in ihren Verwandschaften meistens dem Baryt, Stron-tian , Kali und Natron nach, geht aber dem Ammoniak und der Talkerde vor.

Die Reinheit des Kalkes erkennt man daran, dass er sich mit Wasser leichtlöscht und in verdünnter Chlorwasserstoffsäure oder Salpetersäure schnell undohne Aufbrausen auflöst; die Auflösung darf durch Cyaneisenkalium nicht blauwerden und Aetzammoniakflüssigkeit darf damit keinen Niederschlag geben. Zumpharmaceutischen Gebrauche dient indessen der aus dem Kalksteine gebrannteKalk , der, wie die mehr oder weniger graue oder gelbliche Farbe schon an-zeigt , stets unrein ist, und Thonerde, Kieselerde, Eisenoxyd, zuweilen auchetwas Talkerde und Manganoxyd enthält; er muss nur möglichst frei von Koh-lensäure sein und sich mit Wasser gut löschen. Um ihm diese Eigenschaftenzu erhalten, muss er vor dem Zutritte der Luft gut geschützt aufbewahrt wer-den, damit er sich nicht in kohlensauren Kalk verwandle und zerfalle.