Chemische Untersuchungen über die Vegetation.
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man aber nur ihre grossen physiologischen Züge, wie die Ernäh-rung, die Absonderungen, die Reproduction, den Einfhiss desSauerstoffgases oder der Athmung auf ihre Existenz betrachtet,ohne Rücksicht darauf zu nehmen, durch welche Mittel dieseFunctionen zur Geltung kommen, so muss man zwischen diesenWesen eine auffallende Uebereinstimmung zugeben.
Bei den Gegenständen, welche eines strengen Beweises nichtfähig sind, ist eine genaue Auseinandersetzung der Beobachtun-gen lehrreicher als allgemeine Schlüsse, die oft des BeobachtersArt zu sehen untergeordnet sind. Aus diesem Grunde werdeich meine Untersuchungen mit Cactus opuntia ausführlich dar-legen. [64] Ihre Ergebnisse können mit geringen Abänderunger-die leicht zu begreifen sind, auf die Blätter anderer Pflanzen undselbst auf alle grünen krautartigen Theile ausgedehnt werden,Aber sie besitzen nicht alle eine genügend grosse Lebenskraft:um die nämlichen Untersuchungen aushalten zu können.
§2.A. lieber die Einathmung von Cactus opuntia.
Nach Sonnenuntergang hing ich Zweige oder Blätter vonCactus, die 129 Cubikcentimeter (6 Cubikzoll) einnahmen, ineinem 951 Cubikcentimeter (48 Cubikzoll) atmosphärische ihreskohlensauren Gases beraubte Luft fassenden Eecipienten auf.In diesem Gefäss war kein Wasser*) vorhanden, und es wardurch Quecksilber verschlossen.
Am folgenden Morgen fand ich bei Sonnenaufgang unterBerücksichtigung der auf Temperatur- und Drnckveränderungen
*) Ich führe liier ein Beispiel an von der wunderbaren Lebenskraftdieser Pflanze. Ein Cactuszweig, welcher während drei Wochen zuähnlichen Versuchen, wie ich sie soeben mitgetheilt habe, theils inder Sonne, theils im Schatten gedient hatte, war für 14 Monate ohneWasser und ohne Erde in einem Schrank ins Dunkle gestellt worden,er ertrug dort während des Winters eine Kälte von 8 Grad unter 0° R.und während des Sommers eine Wärme von -+- 22°; nach dieser Zeitwar er runzlig und dünn geworden durch deu Verlust der Hälfte sei-nes Vegetationswassers; aber er trieb Stengel und Wurzel auf derganzen Oberfläche, keiner seiner Theile hatte seine Lebenskraft ver-loren. Als er herausgenommen wurde, bildete er in destillirtern Wasserin der Sonne deu dritten Theil seines Volumens an Luft, die-^g Sauer-stoffgas und y^V Stickgas enthielt; und als ich ihn in die Erde pflanzte,schwoll seine Substanz wieder an, erlangte er die früheren Dimen-sionen wieder uud fuhr fort, neue Schüsse zu treiben.