Strömende Elektrizität.
Eine Erklärung dieser Erscheinungen gibt die jetzt allgemeinangenommene Theorie von Clausius-Helmholtz-Arrhenius. Da-nach ist es eine charakteristische Eigenschaft aller Elektrolyt«, daßin ihnen eine Anzahl von Molekülen in zwei Teüm oleküle»(bzw, Atoimgruppen) zerfällt 1 , die beide mit gleichviel aber entgegengesetzterElektrizität verbunden sind. Diese elektrolytische Dissoziation 2der Moleküle ist um so ausgedehnter, je verdünnter die Lösungen sind.Da gleichgroße Mengen entgegengesetzter Elektrizität vorhanden sind,neutralisieren sie sich gegenseitig, so daß die Flüssigkeit als Ganzesunelektrisch ist. Im Gegensatz zu den gewöhnlichen Atomen bzw.Atomgruppen sind auch die mit Elektrizität geladenen Teilmolekülechemisch ganz unwirksam. Geht nun ein elektrischer Strom durchdie Lösung, so werden die elektropositiven Atome bzw. Atomgruppenvon der negativen Kathode angezogen, die elektronegativen dagegenvon der positiven Anode. Die in den Lösungen vorhandenen elek-trisch geladenen Teilmoleküle bzw. Atomgruppen wandern alsounter dem Einfluß des elektrischen Stromes durch die Flüssigkeithindurch zur Kathode bzw. Anode. Man nennt sie deshalb auchrop.cn 3 , und zwar speziell die zur Kathode gehenden Kationen,die zur Anode gehenden Anionen. Metall- und Wasserstoffatomesind stets Kationen; man kann auch sagen, „sie schwimmen mit demStrom". Die übrigen Atomgruppen sind Anionen. Demnach zerfälltz. B. das Schwefelsäuremolekül (H^SO^) in das elektropositive Kationff ü0 und das elektronegative Anion Q #0 4 . Analog Silbernitrat'(AgNO s ) in Ag 0 und QNO . Gelangen die Ionen bei ihrer Wanderungan die Elektroden, so geben sie hier ihre Elektrizität an diese ab undverhalten sich jetzt wie gewöhnliche chemische Atome bzw. Atom-gruppen in statu nascendi, so daß eben an den Elektroden (und zwarnur hier) chemische Umsetzungen eintreten. Nach dieser Theoriebesteht also die Arbeitsleistung des elektrischen Stromes nur im Trans-port der Ionen zu den Elektroden und in der Neutralisation ihrer La-dung daselbst. Der Transport der Ionen ist seinerseits wieder dieGrundlage für die Fortpflanzung des elektrischen Stromes in denElektrolyten; es handelt sich dabei also um Koiivektion nicht umLeitung der Elektrizität [vgl. § 104].
§186. Faradaysche Gesetze. Für alle elektrolytischen Zersetzungengelten die beiden folgenden, von Faraday gefundenen Grundgesetze:
1. Die Menge der Zersetzungsprodukte ist in gleichenZeiten der Stromstärke proportional. Man kann somit auch
1 Diese Annahme findet eine wesentliche Stütze darin, daß der osmotischeDruck in Elektrolyten größer ist, als der Zahl der YollmaLeküle. entspricht2 dissocio trennen. — 3 uov gehend, wandernd; ävd hinauf, uard hinab.
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