Druckschrift 
Grundriß der Physik für Studierende, besonders für Mediziner und Pharmaceuten : mit 185 Abb.
Entstehung
Seite
91
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Spezifische Wärme.

91

f-f

Fig. 77.

Genauere Resultate gibt das BüNSENSche Eiskalorimeter(Fig. 77), bei dem die Menge des Schmelzwassers nicht direkt, sonderndurch die eintretende Volumsdifferenz gemessen wird.

Im Räume h ist Wasser, das man durch rasche Ver-dunstung von Äther usw. in der Bohre a soweit abkühlt,daß es um a einen Eismantel bildet, dargestellt durch diepunktierte Linie. Im unteren Teile von b,'in der Röhre cund der damit verbundenen Kapillaren e ist Quecksilber,das durch die Ausdehnung des gefrierenden Wassers bei eausfließt. Ist im ganzen Räume b eine Temperatur von0° erzielt, was man durch Stillstehen des Quecksilberfadenserkennt, so wird nach Entfernung der Kältemischung in adie zu untersuchende erwärmte Substanz, deren Gewichtund Temperatur bekannt sind, gebracht. Der Eismantelschmilzt, und infolge der dabei eintretenden Volumsab-nahme wird das Quecksilber in der Kapillare eine meßbareStrecke, etwa von e bis d, zurückgehen. Eine Volumsdiffe-renz von 0,09 ccm Quecksilber entspricht immer 1 Grammgeschmolzenen Eises.

§101. Atomwärme, Molekularwärme. Dulong und Petit fandendie merkwürdige Tatsache, daß die spezifische Wärme der Atome festerElemente umgekehrt proportional den Atomgewichten ist. Das Pro-dukt aus Atomgewicht und spezifischer Wärme, die sogenannte Atom-wärme, ist demnach eine (annähernd) konstante Größe, nämlich ca. 6,4,und bietet ein wichtiges Hilfsmittel zur Bestimmung der Atomgewichte.

Joule, Neumann und Kopp zeigten, daß auch die Molekular-wärmen der festen chemischen Verbindungen, d. h. die Produkteaus Molekulargewichten und spezifischer Wärme, annähernd gleichder Summe der Atomwärmen der im Molekül vorhandenen Atome sind.

§ 102. Spezifische Wärme der Gase. Bei Gasen hat man zu unter-scheiden zwischen der spezifischen Wärme bei gleichbleibendem Vo-lumen., c v , und derjenigen bei gleichbleibendem Druck,c R . Wird z. B. in dem Gefäße ABGD (Fig. 78) 1 kgLuft erwärmt, wenn der Deckel E unbeweglich ist, soentspricht die Wärmemenge, die nötig ist, die Tem-peratur um 1° zu erhöhen, nach Reduktion auf dieVolumenseinheit der spezifischen Wärme bei konstan-tem Volumen. Ist der Deckel E aber beweglich, so wirdsich die Luft bei der Erwärmung etwa bis E' aus-dehnen; jetzt bleibt also der Druck gleich. Da imletzteren Falle die Luft eine Arbeit leistet, indem sieden Deckel entgegen der auf ihm lastenden Atmosphäre um das StückCG' hebt, muß sie eine niedrigere Temperatur als im ersten Falle haben 1

c

A

E

E

D'

I)

B

Fig. 78.

1 Bei jeder Kompression eines Gases erwärmt sich dasselbe als Äqui-valent für die zugeführte äußere Arbeit. Umgekehrt entstellt bei Ausdehnung