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Grundriß der Physik für Studierende, besonders für Mediziner und Pharmaceuten : mit 185 Abb.
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Wärmelehre.

bereits mehrfach ausgekochtes Wasser und namentlich Schwefelsäurein glattwandigen Gefäßen) zeigen keine Blasenbildung beim Erhitzen(s. o.), sondern verdampfen nur von der Oberfläche aus. Sie könnenmehrere Grade über den Siedepunkt erhitzt werden, ohne zu verdamp-fen, was man Siedeverzug oder Überhitzung nennt. Die Ver-dampfung erfolgt in solchen Fällen plötzlich, stoßweise, namentlichbei einer kurzen Erschütterung. Hierdurch kann es zu Kesselexplo-sionen usw. kommen. Man beugt dem durch Hineinbringen eines rauhenbzw. pulverförmigen Körpers vor, an dem sich Gasblasen bilden.

Eine andere Siedeanomalie ist das sog. LEiDENFROSTsche Phä-nomen. Kommt eine Flüssigkeit mit sehr heißen Metallen in Berüh-rung, so bildet sich um sie eine Dampfhülle, die ein eigentliches Siedenverhindert. Bei geringer Flüssigkeitsmenge entsteht ein flachgedrückterTropfen, der hin und herspringt (sphäroidaler Zustand"); er ruht ge-wissermaßen auf einem elastischen Polster, nämlich der Dampf hülle.Erst bei genügender Abkühlung, wenn die Spannung des Dampfesso klein geworden ist, daß er das Gewicht des Tropfens nicht mehraushält, verpufft derselbe.

§ 92. Verdunsten. Das Verdunsten ist ein spontanes Verdampfenvon Flüssigkeit, das nur an der freien Oberfläche erfolgt undnicht an eine bestimmte Temperatur gebunden ist, wenn auch dieMenge der verdunsteten Flüssigkeit mit der Temperatur zunimmt.Das Verdunsten verhält sich also zum Sieden etwa wie die Auflösungeines Körpers zum Schmelzen. Man kann sich hierbei vorstellen,daß an den Grenzschichten von Flüssigkeiten die Moleküle bei ihrenSchwingungen in die benachbarten Luftschichten gelangen und nichtmehr zurückkehren. Bei jeder Verdunstung wird eine bestimmteArbeit geleistet, um den äußeren Luftdruck sowie die Kohäsion zwischenden einzelnen Flüssigkeitsteilchen zu überwinden. Da die hierzu nötigeEnergie (Verdampfungswärme) nicht von außen (durch Erhitzen) zu-geführt wird, so wird sie dem Körper selbst bzw. seiner Umgebungentzogen, deren Temperatur infolgedessen sinkt. Hierauf beruht z. B.die wohltätige Wirkung des Schweißes.

Außer der gewöhnlichen, langsamen, Verdunstung gibt es aucheine rasche , wenn z. B. eine unter höherem Druck stehende Flüssig-keit plötzlich eine Druckverminderung erfährt. Hierbei ist die Kälte-entwicklung besonders stark. Fließt z. B. flüssige Kohlensäure,die in Stahlflaschen unter einem Druck von mehreren Atmosphärenaufbewahrt wird, aus denselben aus, so verdunstet ein Teil der Flüssig-keit sehr rasch an der Luft und entzieht dabei dem übrigbleibendenTeil so viel Kälte, daß er zu einer schneeartigen Masse von ca.58°erstarrt. Auf demselben Prinzip beruhen auch manche Eis-maschinen. ^^|