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Grundriß der Physik für Studierende, besonders für Mediziner und Pharmaceuten : mit 185 Abb.
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Änderung des Aggregatzustandes.

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Siedepunkt nennt man, wie bereits erwähnt, die Temperatur,bei der das Sieden beginnt. Während des Siedens steigt trotz allerWärmezufuhr die Temperatur der Flüssigkeit nicht an, bis die ganzeFlüssigkeit in Dampf verwandelt ist. Dielatent" gewordene Wärme(bezogen auf 1 gr der Flüssigkeit) bezeichnet man hier analog derSchmelzwärme [§ 87] als Verdampfungswärme; sie dient ebendazu, 'die Moleküle so weit auseinanderzubringen, wie es für den gas-förmigen Zustand erforderlich ist.

Da beim Übergang in den gasförmigen Zustand eine starke Volums-vergrößerung stattfindet, folgt daraus, daß zwischen Druck undSiedepunkt analoge Beziehungen bestehen müssen, wie zwischenDruck und Schmelzpunkt [§ 88]. Bei gleichbleibendem Druck istder Siedepunkt für dieselbe Substanz konstant; gewöhnlich wird erfür 760 mm Barometerstand angegeben.

Der normale Siedepunkt beträgt z. B. für Helium268,7° für Wasser-stoff252,6°. für Luft191,4°, für Äther +35°, für Alkohol +78,4«, für Queck-silber + 357°.

Vermehrter äußerer Dmick muß den Siedepunkt er-höhen, verminderter Druck ihn erniedrigen. In der Tatsiedet z. B. Wasser auf dem Montblanc, wo ein Luftdruck von 420 mmHg herrscht, schon bei 84° . und unter der Luftpumpe je nach der vVerdünnung bei noch viel niedrigeren Temperaturen. Diese Abhängig-keit vom Druck geht noch deutlicher hervor, wenn man als Siedepunktdie Temperatur definiert, bei der die Spannung des gebildeten Dampfes,der sog. Sättigungsdruck [§ 93], den auf der Flüssigkeit lastenden(Atmosphären-) Druck überwindet. Einem geringeren Sättigungs-druck muß daher ein höherer Siedepunkt entsprechen. Anderseitskann man z. B. den Siedepunkt erhöhen, wenn man eine Flüssigkeitin einem fest verschlossenen Gefäße (PAPiNscher Topf", auchAutoklav oder Dampfkochtopf genannt) erhitzt; denn dann kann derDampf nicht entweichen und vermehrt so den Druck im Innern desGefäßes.

Bei Lösungen ist im allgemeinen der Siedepunkt im Vergleich 5 "zu dem des reinen Lösungsmittels erhöht; dies und die Erniedrigungdes Gefrierpunktes kann man so deuten, daß die Salzmoleküle inLösungen die freie Beweglichkeit der Moleküle des Lösungsmittelsbehindern. Jedenfalls ist die Gefrierpunktserniedrigung und Siede-punktserhöhung ebenso wie der osmotische Druck nicht von der Art,sondern von der Zahl der Moleküle abhängig [vgl. § 44 und 89]. Äqui-molekulare Lösungen haben gleiche Siedepunktserhöhung. Auch dieSiedepunktserhöhung wird in ähnlicher Weise wie die Gefrierpunkts -erniedrigung zur Bestimmung der Molekulargewichte benutzt.

§ 91. Siedeanomalien. Vollständig gasfreie Flüssigkeiten (z. B.

Guttmann, Grundriß der Physik. 17.20. Aufl.