Druckschrift 
2 (1913)
Entstehung
Seite
105
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Ein kurzer Beitrag zur Kenntnis der Wirkungen des Abrins. 105

3. dass das aus diesen Gehirnzellen wieder abge-schiedene Abrin, welches nach gewöhnlicher AnschauungToxin sein sollte, als Agglutinin, und zwar aufMenschenblut und Kaninchenblut wirkt. Alles dieseslässt sich nur erklären, wenn man annimmt, dass Toxinund Agglutinin im Abrin zu einer einheitlichenSubstanz verbunden, ja dass sie identisch sind;

4. zeigt unser Versuch, der mit 30 Jahre alten Samen an-gestellt worden war, dass drei Jahrzehnte nicht im-stande sind, Abrussamen ganz unwirksam zu machen.

Versuch II.

Gehirnzellen vom Kaninchen.Glas I. Erste Kontrolle.

5 com Gehirnzellen -f- 5 com NaCl.Glas II.

5 ccm Gehirnzellen -f- 5 com 0.2°/ 0 iger Abrusauszug.Glas III.

5 ccm Gehirnzellen + 2 ccm NaCl-f-3 ccm 0.2°/ o iger Abrusauszug.Glas IV.

5 ccm Gehirnzellen + 4 ccm NaCl + 1 ccm 0.2°/ 0 iger Abrusauszug.Glas V. Zweite Kontrolle.

Gleich nach dem Zusatz von 5 ccm Abrus = 10 mg Same, sieht mannach Umschütteln beim Vergleich mit dem Kontrollglas, dass eine Agglu-tination mit Bildung scharf umschriebener Klümpchen, die in einer klarenFlüssigkeit schwimmen, eingetreten ist, während in dem Kontrollglas einemehr homogene Masse war. Lässt man 10 Minuten absetzen, so hat sichim Kontrollglas noch kein Bodensatz gebildet, während in dem Glas mit10 mg Gift ein 2 ccm hoher Bodensatz agglutinierter Gehirnzellen ent-standen ist. Das Glas mit 6 mg setzt langsamer ab, aber immer noch vielschneller als die Kontrolle. Das Glas mit 2 mg zeigt erst nach einer Stundeeine geringe Verschiedenheit von der Kontrolle.

Der Versuch bis hierher zeigt also, dass die Gehirnzellendas Abrin, wenigstens in 2 Gläschen, vermutlich verankert habenund dabei agglutiniert sind.

Es wird nun das Glas, welches den Zusatz von 10 mg bekommen hat,filtriert, der Rückstand mit NaCl gewaschen, bis zum Schwinden der Abrus-reaktion auf Blut, dann die Zellen mit 5 ccm NaCl in ein Reagensglasgespült und mit 2 Tropfen verdünnter HCl versetzt, um das verankerteAbrin frei zu machen. Nachdem die HCl vom Abend bis früh eingewirkthat, wird filtriert und vom Piltrat die Hälfte, entsprechend 2.5 ccm Abrusauszug= 5 mg Same, neutralisiert und nun zu 5 ccm 2°/ 0 igem Kaninchenblut gesetztund auf 10 ccm aufgefüllt. Zur Kontrolle dienen zwei Portionen von je5 ccm 2 °/oigem Kaninchenblut mit je 5 ccm NaCl versetzt. Nach 1 stündigemStehen ist in dem Gläschen mit dem Auszug aus dem Gehirnagglutinat totale,feste Agglutination eingetreten.